Seewölfe - Piraten der Weltmeere 737 - Sean Beaufort - E-Book

Seewölfe - Piraten der Weltmeere 737 E-Book

Sean Beaufort

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Beschreibung

Die Arwenacks hatten gesehen und begriffen, was sich an Backbord voraus drei oder vier Kabellängen von ihrem Ankerplatz entfernt, abspielte. Und sie konnten jetzt nur noch beten. Dort, wo die Riffe aus der kochenden und brodelnden See aufragten, brachen in den Felsen Spalten auf. Steintrümmer, so groß wie die Jolle, wurden in die Höhe katapultiert und beschrieben, sich drehend und in tausend Stücke zerberstend, hohe Bögen in der Luft. Dann erreichte der Donner der zerbrechenden Riffe die Schebecke. Der Krach tobte über die Ankerbucht. Aus den Spalten schoß weißglühendes Material aus dem Innern der Erde. Wie die Fontänen, die beim Beschuß aus Kanonen aus der See aufsprangen, zuckten weißglühende Feuerzungen in die Höhe. Nach allen Seiten floß glühendes Zeug und verwandelte riesige Mengen Meerwasser in weißen, kochenden Dampf...

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Seitenzahl: 123

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Impressum© 1976/2021 Pabel-Moewig Verlag KG,Pabel ebook, Rastatt.eISBN: 978-3-96688-159-3Internet: www.vpm.de und E-Mail: [email protected]

Sean Beaufort

Das Meer kocht

Gespenstische Stille breitet sich aus – und die Seewölfe fliehen vor dem Tod aus der Tiefe

Schon seit Tagen ahnte Häuptling Raanopua, daß die Götter dem kleinen Stamm nicht wohlgesinnt waren. Die Fische verschwanden aus der Bucht. Unter den Vögeln breitete sich Unruhe aus. In seinen Träumen fühlte er, wie die Insel zitterte und bebte, wie Felsen und Bäume umstürzten. Erwachte er, fand er die Umgebung unverändert.

Aber als mitten in der Nacht schweflig riechender Dampf zwischen den Stämmen hervorquoll und zur Bucht trieb, war es sein Geschrei, das die Menschen weckte.

„Die Götter werden uns vernichten! Bald wird die Große Welle die Insel verschlingen!“ schrie er. „Nehmt die Kinder, die Frauen und alles, was ihr habt! Zieht die großen Kanus ins Wasser …“

Die Hauptpersonen des Romans:

Raanopua – der Häuptling eines kleinen Insel-Stammes in der Torres-Straße ahnt, daß die „Große Welle“ alles verschlingen wird.

Old Donegal O’Flynn – späht wieder mal hinter die Kimm und sieht Meergeister und Sirenen.

Dan O’Flynn – widerspricht dem „Admiral“ nicht direkt, vermutet aber einen ungeheuren Vulkanausbruch.

Philip Hasard Killigrew – steuert die Schebecke durch schweflig riechenden Nebel und erreicht eine schützende Inselbucht.

Ben Brighton – der Erste Offizier hält niederprasselnde Hagelschloßen für angenehmer als glühende Schlacke.

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

1.

Kapitän Philip Hasard Killigrew sah nach den Sternen, betrachtete den Mond und fühlte sich unbehaglich. Selten hatte er das Nachtgestirn so gesehen, wie es sich heute zwischen den blinkenden Sternen zeigte.

Noch einmal drehte er sich um und versuchte etwas von den Schiffen zu sehen, die achteraus verschwunden waren, nachdem die Seewölfe die Galeone in Brand geschossen hatten. Obwohl er sich weit über das Schanzkleid beugte, damit seine Augen nicht vom Licht der Hecklaterne geblendet wurden, war nichts mehr zu sehen. Nur das eigene Kielwasser verschwand als schwach leuchtende Spur irgendwo in den Wellen. Sternenlicht und Mondlicht verwandelten, wie immer in wolkenlosen tropischen Nächten, die scheinbar endlose Wasserfläche in eine glitzernde, funkelnde Ebene. Aber auf dieser Fläche gab es keine Schatten, weder Inseln noch die Silhouetten von Schiffen.

„Morgen finde ich dich wieder, ‚Nao de China‘, verlaß dich drauf“, murmelte Hasard und drehte diesem Teil der See wieder den Rücken zu. An der Pinne stand Sven Nyberg und nickte.

„Wir haben sie abgehängt, nicht wahr?“

„Gründlich“, sagte der Seewolf und nickte. „Wenn wir wollen, haben wir sie bald wieder aufgestöbert und eingeholt.“

„Weiß ich, Sir.“

„Aber Al hat seine Artillerie noch nicht wieder auf Vordermann gebracht“, sagte der Profos, der auf dem Achterdeck-Niedergang saß und aufs Meer hinausstarrte. „Merkwürdiger Mond heute, wie, Sir?“

„Ja. Haben wir schon seit einer Ewigkeit nicht mehr so gesehen“, antwortete Hasard.

Die großen Sterne, die sonst klar und hell aus der Schwärze leuchteten, waren größer, aber milchig geworden, als gäbe es hoch oben am Nachthimmel einen dünnen Nebel. Der Mond hatte sich in ein weißliches Etwas verwandelt und war von drei Höfen umgeben, unterschiedlich breiten Ringen, die auch das Licht der Sterne verschwimmen ließen, die sie bedeckten. Die Nebelringe schienen langsam zu wachsen, sich auszudehnen und gleichzeitig dichter zu werden. Mit einigem Staunen betrachteten die Männer der Segelwache dieses seltsame Himmelsschauspiel.

„Das sieht tatsächlich ein wenig gespenstisch aus, Sir“, sagte Dan O’Flynn und konnte seine Augen nicht von dem nebelverhangenen Nachtgestirn lösen. „Mein Dad wird schon ganz unruhig. Wahrscheinlich tauchen bald wieder Seejungfrauen oder Fabelfische auf.“

„Damit müssen wir rechnen.“ Der Seewolf lachte kurz. „Ich bin sicher, daß uns die Ringe um den Mond etwas zu sagen haben. Wahrscheinlich wird sich das Wetter ändern.“

„Und zwar ganz gehörig. Stürme, Gewitter, Regenfluten und grünes Wasser über Deck und Luken“, sagte Dan. „Wenn ich mich recht erinnere, war es immer so.“

„Höchste Zeit, aus diesen Gewässern zu verschwinden!“ rief der Rudergänger.

Die Schebecke lag ruhig im Wasser, Bug und Heck hoben und senkten sich in den Wellen. Aber auch die Geräusche des Wassers, das zischende Gischten der Bugwelle, die Laute, mit denen das Wasser gegen die Planken des Rumpfes schlug, schienen seit einiger Zeit anders zu klingen. Alles war wie gedämpft, leiser, als ob nicht nur Windstille herrschte, sondern auch dickster, undurchdringlicher Nebel.

Je mehr die Nacht fortschritt, desto eindringlicher und beunruhigender wurde die Bedeutung der vielen kleinen Beobachtungen. Die Segelcrew und die Gruppe auf dem Achterdeck versuchten, ohne Furcht und Aberglauben, die Einzelheiten richtig zu deuten. Ohne daß viel darüber geflüstert oder geredet wurde, stand eines fest: alle Seltsamkeiten hatten etwas zu bedeuten. Da die Schebecke mitten hindurchsegelte, betrafen auch die Nebelringe um den Mond jeden einzelnen an Bord.

Kurze Zeit, nachdem sich die Ringe in einen riesigen runden Dunstfleck verwandelt hatten, sagte Dan O’Flynn unruhig: „Nebel kommt auf, Sir. Achteraus.“

Noch immer glänzte und flimmerte, reichlich verwaschen, die Spiegelung des Sternenlichts auf den Wellen. Die Männer auf dem Achterdeck drehten sich um und sahen über der Kimm, wie von beiden Seiten dünner, weißer Nebel dicht über dem Wasser herankroch. Die beiden ausgefaserten Enden niedriger Nebelbänke berührten einander und verschmolzen.

Matt Davies, der auf der Back stand und Ausguck hielt, legte seine linke Hand an die Lippen und rief: „Nebel und Inseln rechts voraus!“

„Verstanden“, gab der Seewolf knapp zurück. „Die Nacht fängt an, merkwürdig und gefährlich zu werden.“

„Das hat schon früher angefangen“, sagte der Rudergänger und rief zum Bug: „Entfernung, Matt?“

Nach einigem Zögern erwiderte Matt Davies: „Zwei Meilen, schätze ich. Die Inseln sind nur schwer zu erkennen.“

Hasard wandte sich an Dan. Achteraus hing jetzt über dem Wasser, wie eine lautlos brodelnde Dampfwolke, eine Mauer aus Nebel. Sie schien sich dem Heck zu nähern.

„Geh auf die Back, Dan, und versuche, mehr zu erkennen. Wenn wir noch etwas Glück haben, können wir in eine Bucht verholen und das Ende der Naturerscheinungen abwarten.“

„Aye, aye, Sir.“

Dan enterte den Niedergang ab, ging schnell an Steuerbord über die Kuhl und schwang sich neben Matt Davies auf die Back. Matt hatte den Haken der Kunsthand in ein Fall eingehängt und hielt sich daran fest.

„Wird zunehmend dicker, die Suppe dort“, sagte Matt verdrossen. „Du siehst vielleicht mehr als ich.“

„Vielleicht.“

Dan schirmte seine Augen vor dem Licht der Buglaterne ab. Auch um die hellen Flammen bildeten sich ein milchiger Schein. Lange und schweigend bohrte er seinen Blick in das Gemenge aus Licht, Dunst und Schatten. Schließlich war er sicher, eine Handvoll winziger Inselchen zu erkennen, um deren felsige Ufer der Gischt schäumte und brodelte.

Vor der näher rückenden Nebelbank zeichnete sich eine ausgedehnte Insel ab, von der nur das östliche Ende zu erkennen war. Die westliche Hälfte war bereits im Nebel verschwunden. Dan hatte sehen können, daß es entlang der östlichen Küstenlinie keine Riffe gab, aber viel mehr konnte er nicht erkennen. Die Insel schien stark bewaldet zu sein. Er blickte nach Steuerbord, dann nach Backbord. Was er befürchtet hatte, zeigte sich jetzt.

„Das sieht böse aus, Matt“, murmelte er. „Wir bleiben entweder mitten in der Suppe stecken oder rammen die Insel. Jedenfalls gibt’s bald ernsthafte Schwierigkeiten. Paß weiter auf! Wir sollten uns gut freihalten von, Steuerbord.“

„Geht klar, Dan“, entgegnete Matt. „Jedenfalls erwischen uns die Dons nicht mehr.“

„Stimmt. Und wenn wir sie suchen, dann müssen wir uns ebenfalls durch den Nebel wühlen.“

Dan hastete zurück zum Achterdeck und meldete seine Beobachtungen. Der Kurs konnte gehalten werden. Beim nächsten Glasen sollten sie besser einen Strich nach Backbord abfallen. Auch der Wind war schwächer geworden. In der Luft hing unangenehme Feuchtigkeit, und es sah ganz danach aus, als würde das Schiff binnen der nächsten Stunden vom Nebel eingeschlossen werden. Der Mond war fast völlig verschwunden. Aus einem verwaschenen weißen Fleck glomm ein hellerer Kreis, das war alles.

Der Seewolf zog die Luft mit lautem Schnüffeln durch die Nase.

„Es stinkt“, sagte er. „Ich bin sicher, wir sollten die Wetteränderung besser in einer Bucht oder an Land abwarten. Du hast keine Bucht sehen können, Dan?“

Es war sinnlos, die Spektive einsetzen zu wollen. Mit dem bloßen Auge, dem Gehör und dem Gespür für Wasser und Land war viel mehr auszurichten.

„Nicht an der Nordseite und an dem östlichen Teil, den ich gerade noch sehen konnte“, sagte Dan. „Der Wind flaut ab. Und wir befinden uns auf keinen Fall in Lee einer Insel.“

„Also Kurs halten und, wenn wir an der Insel ohne Namen vorbei sind, im weiten Bogen nach Steuerbord und eine Bucht suchen?“ fragte Ben Brighton.

„Genau das“, sagte Hasard nachdrücklich.

„Aye, aye, Sir“, murmelte Sven Nyberg an der Pinne.

Die Schebecke war langsamer geworden. Hin und wieder fielen die Segel zusammen und flappten. Hasard ordnete an, das Segel über dem Achterdeck ins Gei zu hängen. Von ihrem Platz konnte die Crew auf dem Achterdeck und dem Grätingsdeck erkennen, daß sich der Nebel um die Schebecke herum zu schließen begann. Die Sicht betrug nicht viel mehr als eine knappe Seemeile und wurde von Minute zu Minute schlechter.

Wieder sagte der Seewolf, Mißtrauen und die Vorahnung der Gefahr in der Stimme: „Es stinkt wirklich. Nach was eigentlich? Ich find’s nicht heraus.“

Der Wind reichte aus, um die Schebecke auf die Passage zwischen der Insel an Steuerbord voraus und den kleinen Felseninselchen zuzutreiben. Die Fahrt glich mehr und mehr einem Gleiten durch eine Zone, die jedes Geräusch schluckte. Um die Laternen bildeten sich milchige Zonen der Helligkeit. Die Feuchtigkeit in der warmen Luft schlug sich auf den Gesichtern der Männer nieder, auf den Holzteilen und in den Segeln.

Nach einiger Zeit flüsterte Ben Brighton voller Unsicherheit: „Ich erinnere mich. Es riecht so, als falle der Meeresboden trocken. Irgendwie nach Tidengewässern, Schlick, faulendem Fischzeug und so weiter, schwarzem Schlamm, Verwesung. Meint ihr nicht auch?“

„Hm.“ Dan hob die Schultern. „Ich glaube, du hast recht. Wenn es so ist, dann sitzen wir wohl bald auf dem Trockenen, wie?“

„Glaube ich nicht“, sagte Hasard. „Aber irgendwo in der Nähe scheint der Meeresboden diese unappetitlichen Gerüche von sich zu geben. Bei Tageslicht werden wir es wohl erkennen. Vermutlich.“

Dan sagte: „Dazu riecht es so wie nach dem Abfeuern einer Kanone. Nach Schwefel, meine ich. Oder sind die Gentlemen anderer Meinung?“

Sie schwiegen eine Weile und verglichen das, was sie zu riechen und zu spüren meinten, mit ihren Erinnerungen und ihren Erfahrungen.

Hasard sagte nach etlichen Minuten: „Dan hat recht. Riecht irgendwie schwach schweflig.“

Die innere Unruhe, die Hasard spürte, die er aber auf keinen Fall auf seine Crew übertragen wollte, nahm zu. In Anbetracht der gefährlichen Gerüche, des Nebels und der lastenden Stille ringsum verlor die Zufriedenheit, den Spaniern in fremden Gewässern eine schwärende, unvergeßliche Wunde zugefügt zu haben, rasch an Bedeutung. Es ging ums eigene Schiff, um das Leben und die Unversehrtheit von drei Dutzend Seewölfen.

„Und woher stammt dieser Schwefelgeruch?“ fragte er. Er rechnete nicht mit einer klaren Antwort.

Die Schebecke näherte sich in langsamer Fahrt der Ostseite der großen Insel. Der Nebel rückte von allen Seiten lautlos an die Bordwände heran. Über dem Schiff bildete er eine Schicht, die nur unwesentlich heller war als das Meer. Spätestens nach zwei Stunden würde das Schiff von den Nebelmassen eingeschlossen sein, aber da würden sie – wenn der Wind anhielt – die Insel bereits achteraus haben.

Wenigstens gab es unter dem Kiel keine Strömung, die stark genug gewesen wäre, das Schiff trotz der Segel und der Rudergängerkünste stark zu versetzen. Sie krochen weiter auf die Passage zu, die jetzt nur noch als Miteinander unterschiedlicher Schatten zu erkennen war. Alles war anders in dieser Nacht.

Als es Mitternacht und Wachwechsel glaste, blieb die Unsicherheit und übertrug sich sogar auf Sir John und die Bordhündin: der Papagei krächzte unter Deck irgendwelche Schimpfwörter, und Plymmie trottete zwischen Back und Grätingsdeck hin und her und schien einen bösen Feind jenseits des Schanzkleides zu wittern.

Hasard sagte in einem Tonfall, als rede er mit sich selbst: „Irgend etwas passiert in dieser verdammten Nacht. Ich habe keine Ahnung, was es ist. Aber ich spüre es. Etwas, mit dem wir nicht rechnen. Damit meine ich nicht, daß plötzlich die Spanier auftauchen und aus allen Rohren auf uns feuern. Da ist etwas ganz anderes und viel Größeres, als wir es sind.“

„Gut gesagt“, äußerte Ben Brighton und gähnte dreimal hintereinander. „So sehe ich das auch.“

Sie näherten sich dem nördlichsten Teil der Insel, und noch immer waren keine Echos zu hören, wie sie bei jedem Manöver dieser Art schon lange erwartet wurden. Die Ablösung der Deckscrew stand ans Schanzkleid gelehnt und starrte halbblind in die Finsternis, die von wogenden Nebelmassen ausgefüllt war.

Dan O’Flynn und Hasard junior standen nebeneinander auf der Back, blickten und lauschten in die Dunkelheit voraus und versuchten, ein Hindernis, gleich welcher Art, zu erkennen, ehe es dem Schiff in irgendeiner Weise schaden konnte.

Ohne daß es die Seewölfe wirklich merkten, breitete sich schleichend die Unsicherheit aus. In den niedrigen Wellen hatte das Stampfen der Schebecke aufgehört. Fast wie eine Drohung schob sich an Steuerbord die dunkle Masse der unbekannten Insel heran. Die Lautlosigkeit war fast beängstigend. Höchstwahrscheinlich würde genau dann, wenn sie den Wind dringend zum Kreuzen brauchten, Windstille inmitten des Nebels herrschen.

Der Seenebel floß nach allen Seiten, wurde dichter, kroch immer näher ans Schiff heran, bedeckte die Wellen, schluckte allerlei Geräusche und war eine wirkliche Drohung. Selbst im Licht der beiden Laternen waren die Wellenkämme bald nicht mehr zu erkennen. Hasard rieb sich die Augen und deutete nach Backbord.

„Wenigstens haben wir schon einen Teil der Riffe, Klippen und Felsen passiert“, sagte er. „Noch fehlen sieben Stunden. Ich wünschte es wäre heller.“

„Das wünschen wir alle“, sagte Big Old Shane und hob seine breiten Schultern.

Keiner an Bord konnte mehr tun, als Ausschau zu halten und zu versuchen, vor einer plötzlich auftauchenden Klippe laut zu warnen. Das Schiff und die Zeit schlichen dahin. Leise flappten hin und wieder die großen Flächen feuchtigkeitsgesättigter Leinwand über den Köpfen der Seewölfe. Der Nebel war, wie nicht anders zu erwarten, dicker geworden, war nur noch zwei Kabellängen von den Bordwänden entfernt und verhüllte alles. Der Geruch nach Fäulnis und Schwefel nahm zu und biß in den Nasen.

Jetzt spürte auch Hasard die vergangenen Anstrengungen und die Müdigkeit. Er wandte sich an Don Juan de Alcazar und sagte halblaut: „Ich muß unter Deck und ein paar Stunden schlafen. Sonst sehe ich wirklich noch nackte Seejungfrauen. Wenn es hart wird, genügt ein Schrei – ich ziehe die Stiefel nicht aus.“

Don Juan hob die Hand. „Alles klar, mein Freund. Wir schaffen es die nächste Stunde, meine ich, auch ohne dich, und deswegen solltest du dich aufs Ohr hauen.“