Seewölfe - Piraten der Weltmeere 741 - Sean Beaufort - E-Book

Seewölfe - Piraten der Weltmeere 741 E-Book

Sean Beaufort

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Beschreibung

Die erste Spur, welche die Seewölfe von der verschwundenen Manila-Galeone wiederfanden, war eine einfache hölzerne Eßkumme, wie sie auf spanischen Schiffen benutzt wurde. Die Fischer zwischen den Inseln hatten sie in einem ihrer Netze gehabt und den Seewölfen gegeben, die Fische bei ihnen gekauft hatten. Auf der Kumme war "Mar adentro" eingeritzt - der Name der Manila-Galeone. Später entdeckte Dan O´Flynn mit seinen Augen noch zwei zerbrochenen Riemenhälften in der See, keine Paddel, wie sie die Insulaner benutzten. Auch sie mußten von der Manila-Galeone stammen. Gab es einen "Verräter" auf der "Mar adentro"? Einen Mann, der bewußt eine Spur für die Seewölfe legte, weil er mit ihnen sympathisierte und die Menschenschinder auf dem Achterdeck seines Schiffes haßte...

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Seitenzahl: 123

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Impressum© 1976/2021 Pabel-Moewig Verlag KG,Pabel ebook, Rastatt.eISBN: 978-3-96688-163-0Internet: www.vpm.de und E-Mail: [email protected]

Sean Beaufort

Die Spur in den Wellen

Die Seewölfe haben die Spur der Nao verloren – aber ein rachsüchtiger Spanier hilft ihnen

Romualdo Azarras zerfleischter Rücken schickte bei jedem Atemzug rasende Schmerzen durch seinen Körper. Er lag auf dem Bauch und fürchtete sich vor jeder Bewegung.

Seit sie ihn aus dem Kielwasser wieder an Deck gezogen hatten, wuchsen zugleich mit den Schmerzen die Wut und der Haß auf die Dons, die hochfahrenden Spanier im Achterschiff der „Mar adentro“.

Es gab nur zwei Möglichkeiten für ihn, sich zu rächen. Er konnte im Kielraum der Nao ein Feuer legen – dann starben mit ihm alle die geschundenen Seeleute an Bord.

Oder er versuchte, El Lobo del Mar auf die Spur der Nao de China zu lenken. Ein fast hoffnungsloses Unterfangen.

In diesen Minuten schwor er sich, alles zu tun, damit die Seewölfe an seiner Stelle die furchtbare Rache vollziehen konnten.

Die Hauptpersonen des Romans:

Romualdo Azarra – der Gehilfe des Schiffszimmermanns auf der Manila-Galeone haßt die Schiffsführung und findet eine Möglichkeit, sich zu rächen.

Don Bartolomeo de Zumarraga – der Capitán der Manila-Galeone kennt für einen Verräter nur eine Strafe – ihn an die Rah zu hängen.

Umberto Arvilos – der Profos der Manila-Galeone versteht es ausgezeichnet, mit der Peitsche und dem Folterwerkzeug umzugehen.

Philip Hasard Killigrew – ein Zufall bringt ihn und seine Arwenacks auf eine neue Spur der verschwundenen Manila-Galeone.

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

1.

Auf dem Achterdeck der „Mar adentro“ wanderten die Schatten der sechs Männer langsam über die ausgedörrten Planken. Caballero Don Bartolomeo de Zumarraga schob die Teile des Spektivs zusammen, verstaute das Fernrohr und sagte in genau dem unduldsamen, harschen Tonfall, den die anderen Offiziere erwarteten: „Wir können nicht mehr länger warten, Señores.“

Die große Galeone lief mit halb gerefften Segeln nordostwärts. An der Kimm zeichneten sich in den flachen Sonnenstrahlen des Morgens die Schattenrisse einiger entfernter Inseln ab. Im Süden türmten sich Wolkenmassen ineinander und übereinander. Ein erster warmen Luftschwall kräuselte die Oberfläche der Wellen. In der Dünung hob und senkte sich der mächtige Rumpf der Nao.

Die lautesten Geräusche waren die der Arbeiten unter der Leitung Giuseppe Cordobas, der die Culverinen putzen, neu laden und sichern ließ. Mittlerweile klarte er die Geschütze neben den hölzernen Nachbildungen der Langrohrgeschütze auf.

Don Porfirio de Aranjuez strich feuchtes, schwarzes Haar aus der Stirn und entgegnete mit Bestimmtheit: „Es scheint zum. Nutzen der Casa zu sein, unseren Aufenthalt nicht mehr länger zu verzögern und rasch die Reise fortzusetzen. Sie stand, weiß Gott, bisher unter keinem besonders guten Stern.“

„Immerhin stammt die Jolle von der ‚Soberania‘ Señores“, sagte Zumarraga. „Und die Männer waren schwer bewaffnet.“

„Es ist schade um die Jolle“, bestätigte Don Jerome de Zumarraga, der Erste. „Obwohl sie der ‚Soberania‘ gehörte. Was sollen wir tun? Weiter nach Nordosten, die Señores von der Casa?“

Santiago de Cimarron zupfte an den weißen Manschetten der Hemdärmel und ordnete weiße Spitzen unter dem spanischen Kragen.

„Wir sollten, mit tiefer Trauer in den Herzen, die wackeren Männer aufgeben. Der Seewolf hat sie auf dem Gewissen.“

„Zweifellos. Noch sind die Zähne von El Lobo del Mar scharf und lang“, bestätigte Don Alfonso de Zaragoza, der zweite Beamte der allgewaltigen Casa, die jeden Kurs der langen Fahrt im voraus genau geplant und sich um die geringsten Kleinigkeiten gekümmert hatte. „Wir sollten uns ohne unchristliche Hast von hier entfernen und unser Ziel ansteuern, Capitán!“

Don Bartolomeos dunkle Augen schienen zu brennen. Er fuhr über sein glattrasiertes Kinn und nickte. Sein harter Blick richtete sich auf die arbeitenden Männer an Deck, die der Profos kommandierte. Die Sonne ließ ihn schließlich blinzeln.

In unduldsamem Tonfall, der keinen Widerspruch duldete, sagte er: „Wir setzen mehr Segel und segeln weiter Nordostkurs. Wenigstens in den nächsten Stunden dieses Tages.“

Don Porfirio stimmte kopfnickend zu. „Ich bin sicher, wie so oft, daß der Seewolf unsere Spur endgültig verloren hat. Schließlich sind nach dem letzten Treffen fast zwei Tage vergangen.“

Seine Stimme, hoch und etwas schnarrend, bestätigte nur, was jedermann an Bord wußte. Die „Mar adentro“ war wieder einmal ohne größere Schäden davongekommen. Keiner der Offiziere verschwendete längere und tiefe Gedanken an die Männer, die in den Kämpfen gestorben waren. Nicht mal die Vermißten in der wertvollen Jolle schienen eine Bemerkung wert.

Vidado de Ortega, der Dritte Offizier, gab die Befehle des Kommandanten an den Profos weiter. Die Segelwachen stiegen in die Wanten und enterten auf.

„Einverstanden. Vergessen wir diesen unseligen Ort auf dem unendlichen Meer“, schloß der Beauftragte der Casa de Contratación. De Aranjuez wandte sein unauffälliges, schmales Gesicht dem Bug zu. Die Schatten der sechs Offiziere glitten auseinander, vermischten sich wieder, und schließlich blieben der Kapitän und sein Bruder am Schanzkleid stehen.

Jerome zog sein Spektiv auseinander und suchte eine Weile Wellen und Kimm ab, betrachtete besonders sorgfältig die Ufer der Inseln und murmelte: „In diesem Winkel der Sieben Meere gibt’s heute nur Fischerboote. Und nichts zu sehen von drei Lateinersegeln.“

Er strich über den dünnen Oberlippenbart und kniff die Augen zusammen, als er seinen Bruder anstarrte. „Ich muß gestehen, mir ist bei all dem nicht besonders wohl.“

Seeschwalben glitten über die Wellen. Der Wind hatte aufgefrischt, auf den Wogenkämmen bildeten sich Schaumkronen. Hoch über dem Schiff segelte lautlos und riesig ein Albatros vor dem klaren Blau des Himmels. Der Kapitän blickte hinter Alfonso de Zaragoza her, der den Niedergang zur Kuhl abenterte und sich der Gruppe um die eingerannte, halb herumgeschwenkte Culverine auf der klobigen Lafette zuwandte.

„Bisher haben wir stets unsere Ziele erreicht“, schnarrte Don Bartolomeo. Was er nicht sah oder nicht glauben wollte, befand sich für ihn außerhalb der Vorstellungswelt, das wußte sein Bruder. „Es wird auch auf dieser gottgefälligen Reise nicht anders sein, Bruder.“

„Hoffentlich behältst du recht. Die Welt ist voller Schurken, zu Lande und zu Wasser“, erwiderte der Erste eine Spur zu salbungsvoll.

Eines war sicher: Der hartnäckige Seewolf hatte die Spur der Nao de China verloren. Es war nicht die Absicht der Schiffsführung, in fremden Meeren Krieg zu führen, aber allein das Auftauchen dieses Schurken bedeutete einen Angriff auf Spanien und die Casa de Contratación und mußte mit aller Schärfe zurückgewiesen werden. Nur ein unglaublicher Zufall mochte beide Schiffe wieder in Sichtweite zueinander bringen.

Noch vor dem ersten Sonnenstrahl rief Kapitän Philip Hasard Killigrew halblaut: „Laßt fallen Anker!“

Ein Gemurmel war vom Bug zu hören, die Bestätigung des Kommandos, dann ein scharfes Klatschen. Knarrend lief die Ankertrosse durch die Klüse. Die Schebecke schob sich langsam weiter in die seichte Bucht. Von Minute zu Minute waren mehr Einzelheiten zu erkennen, eine Bucht wie tausend andere, eine namenlose Insel, offensichtlich unbewohnt, aber ein sicherer Schutz für Schiff und Crew.

Hasard rief: „Das war’s, Freunde! Hier haben wir Platz und Gelegenheit, Ruder und Planken zu reparieren. Wo steckt der Schiffszimmermann?“

„Hier, Sir!“ rief Ferris Tucker und schob sich, die Seekiste mit dem Werkzeug auf der Schulter, den Niedergang hinauf. „Wird aber nicht ganz einfach sein, Sir.“

„Weiß ich“, Hasard nickte, „es ist nicht die erste Reparatur, die ich miterlebe.“

Den letzten Teil der Strecke hatte die Schebecke mit Hilfe eines Notruders aus Kanthölzern, Tauwerk und Riemen zurückgelegt, das an Steuerbord mit einer waghalsigen, aber wirkungsvollen Konstruktion ausgebracht worden war. Auf dem Achterdeck, der Kuhl und der Back waren Teile der Hölzer aus dem Achterkastell der „Soberania“ angebändselt. Die Crew hatte versucht, die besten Planken und Kanthölzer aus den Verbänden zu lösen. Der Wind trieb Sägemehl und Hobelspäne über die Decksplanken und fegte sie in die Ecken.

Edwin Carberry schob die Pinne des Notruders zur Seite und steuerte die Schebecke in einem weiten Halbkreis, vom Anker gehalten, mit dem Heck zum weitesten Ende des ovalen Strandes. Zwischen den Baumkronen am Buchtrand zuckten breite Bahnen aus Sonnenstrahlen.

„Landleine ausbringen!“ rief Ben Brighton. „Und Freiwache für die halbe Crew!“

„Wenn Ferris zu hämmern und zu sägen anfängt, wird es wohl wenig Ruhe geben“, meinte Dan O’Flynn. Er suchte den Sand und den Rand des Waldes ab, der die Bucht umgab. Auf dem Strand zeichneten sich im flachen Licht unzählige Spuren wild durcheinander ab.

Vor der Kulisse des dunklen Grüns flatterten wie gewohnt Tausende prächtige Schmetterlinge und Falter. Wenn ihre farbensprühenden Flügel ins Sonnenlicht gerieten, strahlten sie auf wie seltene Schmucksteine. Vögel lärmten aus den Baumkronen.

„Am Strand ist genug Platz für ein paar Hundert müder Schläfer“, knurrte der Profos und sah schweigend zu, wie die Jolle zu Wasser gebracht wurde.

„Außerdem kann es nicht schaden, wenn wir flaches Wasser finden“, sagte Hasard. „Ferris?“

„Sir?“ Der Schiffszimmermann setzte seine Werkzeugkiste krachend vor der Lafette neben dem Niedergang ab.

„Wie lange wirst du brauchen, mit deinen Männern?“

Die Schäden am Ruder und an den Planken der Gilling waren bekannt. Unter dem Achterdeck waren bereits einige Laderäume aufgeklart worden, damit ohne Schwierigkeiten auch innenbords gearbeitet werden konnte. Es sah aus, als wären die Metallteile unversehrt. Das detonierende Pulverfaß der „Soberania“ hatte, alles in allem, die Schebecke doch schwer angeschlagen.

„Zwei Tage, schätze ich, Sir“, erwiderte Ferris Tucker. „Wenn uns keiner in die Arbeit pfuscht. Ein paar Stunden mehr, möglicherweise.“

„In Ordnung. An die Arbeit. Wir verholen das Schiff noch weiter zum Ufer. Dann habt ihr es leichter mit dem Ruderblatt.“

Der Zimmermann nickte. „Aye, aye, Sir.“

Die Zwillinge, Luke Morgan und Bob Grey pullten die Jolle zum Heck. Stenmark übernahm die Landleine und hängte das Auge ein. Langsam entfernte sich das Beiboot etwa eine Kabellänge weit vom Schiff, ehe der Bug leise auf dem nassen Sand knirschte. Stenmark und Bob stemmten sich gegen das dicke Tau und zerrten es durchs Wasser und auf den Rand des Waldes zu. Sie suchten nach einem kräftigen Baum, der dem Schiff genügend Halt geben konnte.

Hasard junior deutete in den Sand, drei Fuß über der Linie, an der die Feuchtigkeit endete.

„Möglicherweise sind wir nicht allein auf diesem Inselchen“, sagte er. „Oder wir bekommen bald neugierigen Besuch.“

„Das ist nicht schlimm, denke ich, wenn es sich um Fischer oder Kokosnußsammler handelt“, meinte der Bruder. „Ich sehe jedenfalls keine Stiefelabdrücke.“

Krebse raschelten mit klappernden Scheren über den Strand. Der Sand war von vielen Spuren zerfurcht. Einige undeutliche Eindrücke stammten unzweifelhaft von menschlichen Füßen. Ein weiteres Zeichen dafür, daß zumindest in langen Zwischenräumen der Strand von Menschen besucht wurde, war der Umstand, daß aus dem angeschwemmten Treibgut an vielen Stellen das Treibholz herausgezerrt worden war.

Aber die Zwillinge konnten keine frischen Spuren entdecken. Bob Grey löste das Auge, belegte das Ende um einen dreimal mannsdicken Baum und schlug den Knoten.

„Landleine klar!“ brüllte er zum Heck der Schebecke hinüber. „Wir sehen uns um, ja?“

„In Ordnung!“ schrie der Erste zurück. „Denkt ans Wasser!“

„Aye, aye!“ rief Philip junior.

Die Sonne hob sich über einen Teil der Baumwipfel und leuchtete die Hälfte der Bucht aus. Plötzlich färbte sich das Wasser grünlich und wurde an anderen Stellen so klar, daß der sandige Grund, von einzelnen Korallenbrocken durchsetzt, deutlich zu sehen war. Die Mauer des Waldes warf die lauten Geräusche scharf und überaus deutlich als Echos zurück.

Ferris Tucker ging mit seiner Crew unverzüglich an die Arbeit. Der Ruderschaft und das Ruderblatt mußten ausgehängt werden, und mindestens zwei Drittel der angebrochenen Planken mußten die Seewölfe auswechseln. Zwei Jakobsleitern ratterten über die Bordwände und klatschten ins Wasser.

Die Zwillinge hatten sich mit doppelläufigen Pistolen ausgerüstet. Sie legten ihre Hände um die Griffe der Waffen und gingen langsam nebeneinander auf die linke Seite der Bucht hinüber.

„Keine Spuren, keine Zeichen von Fischerbooten“, meinte Jung Hasard nach einem Dutzend Schritten.

Seine Blicke gingen zwischen den niedrigen Wellen der auslaufenden Brandung und dem Waldrand hin und her. Die Tatsache, daß die Schebecke auf dem langen, sooft unterbrochenen Weg in die Karibik wieder mal die Bucht einer Insel ohne Namen angelaufen hatte, war alles andere als ungewöhnlich. Das würde in den nächsten Wochen wahrscheinlich noch oft passieren. Daß die Zeit drängte, weil die reiche Beute der Nao de China winkte, brauchte keinem der Crew mehr gesagt zu werden. Aber sie konnten nicht eher ankerauf gehen, bis nicht das Ruder und die Planken wieder einwandfrei instand gesetzt waren.

„Das will nicht viel heißen, Bruderherz“, entgegnete Philip junior. „Die Insel wird ganz bestimmt immer wieder einmal angefahren. Zwangsläufig, in dem riesigen Archipel.“

„Aber jetzt scheint niemand hier zu sein. Außer uns“, sagte Hasard und stapfte durch den knirschenden Sand weiter. Seit ihren Erlebnissen mit den hinterlistigen und blutrünstigen Waranen waren die Seewölfe – was fremde Buchten betraf – noch vorsichtiger und mißtrauischer geworden.

Jung Philip blieb vor den Stelzwurzeln der Mangroven stehen, zwischen denen sich im ablaufenden Ebbewasser im Schlick unzählige kleine Löcher öffneten, und blickte hinüber zum Schiff.

Ein halbes Dutzend Seewölfe standen bis zum Bauch im Wasser und halfen den Mannen auf dem Grätingsdeck, den Ruderschaft klar zu bekommen.

Knirschend hob sich das Ruderblatt in den Fingerlingen. Ruderbeschläge und Ruderösen knirschten und klirrten. An Deck hämmerten und meißelten andere Besatzungsangehörige die eisernen und kupfernen Beschläge aus dem gefundenen Holzwerk. Die Bucht hallte wider vom Arbeitslärm.

Philip junior hob die Schultern und schaute zum Scheitelpunkt der Bucht zurück.

„Sehen wir am Waldrand nach“, schlug er vor. „Hier finden wir nichts anderes als Krebse, Gräten und faulendem Tang.“

„Stenmark und Luke sehen auch nicht gerade so aus, als wären sie auf der Spur eines tödlichen Geheimnisses“, erwiderte Hasard ruhig. „Dort hinauf.“

„Ist klar.“

An Bord der Schebecke konnte jetzt kaum ein Mann der Freiwache schlafen. Der Rumpf dröhnte und krachte unter wuchtigen Hammerschlägen. Ein Dreibein aus Rundhölzern stand auf dem Grätingsdeck, und langsam schwebte an Tauwerk und Blöcken das Ruder in die Höhe.

Von der Kombüse her brodelte dünner Rauch über Deck. Wind aus dem südlichen Sektor trieb Dampf und Gerüche eines kräftigen Frühstücks über das ruhige Wasser der Bucht. Zwischen den Kommandos, Rufen und Flüchen waren die aufgeregten Schreie der Vögel zu hören, das Rauschen der Wellen und das Sirren und Zirpen unzähliger Insekten. Das Sonnenlicht lag jetzt voll auf dem Oval der Bucht. Die Hitze begann aus dem Dschungel der Insel die Feuchtigkeit und den Dunst herauszukochen.

Sorgfältig beobachteten die vier Seewölfe die Zone zwischen Strand und Waldrand. Viele Spuren kleiner Tiere waren frisch und kreuzten die wenigen Eindrücke nackter, menschlicher Füße. Vor einigen niedrigen Büschen sahen die beiden Seewölfe tief eingeschnittene Schleifspuren. Wahrscheinlich waren Boote hier hoch und trocken an Land gezerrt worden.

„Auch schon einige Zeit her. Vielleicht eine Woche“, meinte Jung Hasard und schob sich vorsichtig durch das raschelnde Gebüsch. Die wenigen hohen Bäume an dieser Seite der Bucht standen weit auseinander.

„Damit kannst du recht haben“, erwiderte der Bruder.

Sie folgten der Spur, die nach wenigen Schritten abriß. Das Versteck oder der Unterschlupf der Kanus oder Boote war leer. Die Asche zwischen den aufgerichteten und rußbedeckten Steinen einer Feuerstelle war kalt und feucht. Einige angekohlte Treibholzäste lagen neben dem Aschekreis.