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Ein Wort das unglaublich stark wirkt, wenn man sich darauf einlässt.
Das E-Book Sehnsucht Band 1 wird angeboten von BoD - Books on Demand und wurde mit folgenden Begriffen kategorisiert:
Sehnsucht,Meer,Freiheit,Liebe,Vertrauen
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 37
Veröffentlichungsjahr: 2026
Sehnsucht nach Leben
Zeichnung Anita Hatfield
Altes Leid
Neue Sehnsucht
Wendepunkt
Horoskop
Stille Beobachterin
Sehnsuchtsvoller Widerspruch
Sehnsucht nach Vertrauen
Sehnsucht nach Ablenkung
Sicherheit
Sehnsucht
Die Dornenhecke
Sehnsucht nach Sonne
Anna auf dem Töpfchen
Schmerzquelle
Sehnsucht nach Kraft
Sehnsucht nach lieben Menschen
Gestillte Baumsehnsucht
Waffenstillstand
Baumgesicht
Baumgedicht
Sehnsucht nach Erfolg (1)
Sehnsucht nach Wahrheit
Von der Freiheit der Unerreichbarkeit
Sehnsucht nach Dangast
Sehnsucht nach Widerspruch
Sehnsucht nach Ruhe
Sehnsucht dem richtigen Druck
Sternensehnsucht
Phasenweise
Sehnsuchtskampf
Täter
Gefährliche Sehnsucht
Sehnsucht nach Reichtum
Sehnsucht nach Gott
Sehnsucht nach Freiheit vom Schmerz
Sehnsucht nach frechen, roten Zöpfen
Gestillte Sehnsucht
Sehnsucht nach Perfektion
Sehnsucht nach Erfolg ( 2 )
Handlungsunfähig
Gepolter in mir
Sehnsucht nach traumhaft guten Filmen, die man vor Einschlafen sehen könnte,
Traum
Folter
Der große Mann
Vermeidung
Die Amme
Man sagte mir
Sehnsucht Zielgerichtet zu leben
Sehnsucht trotz Unentschlossenheit
Sehnsucht ist unheilbar
Rilke hatte auch Sehnsüchte,
Sehnsucht nach Zeitlosigkeit
Sehnsucht nach Durchblick
Ein Gefühl trieb sie um, seit Tagen. Benennen konnte sie es nicht, aber fühlen, so sehr fühlen, als ob das Gefühl eine Person wäre, ein Mensch, ein Mitmensch, mit ihr im Raum, im Auto und nun am Strand.
Eiskaltes Wasser umspülte ihre Füße, ihre armen, schmerzenden, zu lange vernachlässigten Füße.
Sie hatte sich selbst vernachlässigt. Doch das sollte nun ein Ende haben. Die Sehnsucht nach einem Spiegelbild dem sie Anerkennung erweisen konnte.
Sie würde all das alte Leid abwerfen, jetzt, hier und vollständig. Ihre Schultern strafften sich, ihre Brust wurde breiter mit jedem Atemzug.
Sie füllte ihre Lungen mit der frischen, salzigen Luft und einem solchen Genuss, als ob sie goldenen Wein im Glas hätte.
Nein, sie brauchte kein Suchtmittel mehr, sie würde ihre Sehnsucht auch ohne Alkohol stillen.
Endlich erkannte sie ihr Gefühl als Sehnsucht nach Freiheit, nach Geborgenheit, nach Anerkennung, Sehnsucht nach Unbekanntem.
Und so tat sie den nächsten Schritt. Das Wasser reichte ihr nun bis zu den Waden, die unrasiert nicht in die moderne Welt passten.
Ja, sie würde sich zukünftig mehr pflegen, aber sich nicht dem Diktat des Frauenbildes unterwerfen, das sie in den Wartezimmerzeitschriften immer wieder sah. Sie würde ihren eigenen Weg gehen, ihr Maß an Schönheit gestalten. Mit diesen Gedanken wagte sie den nächsten Schritt und noch einen. Das Wasser umspülte ihre Schenkel berührte mit jeder Welle ihre Scham. Eiskalt, erschreckend ehrlich, Berührung –Rückzug.
Sie genoss dieses Hin und Her, verlor jedes Zeitgefühl. Ihre Füße sah sie nicht mehr in dem, vom aufgewühlten Sand getrübten Wasser. Sie spürte sie auch nicht mehr, so wenig wie sie Sehnsucht nach einem Drink hatte.
Sie hatte gedacht, da wäre Leere, wenn sie sich den nächsten Rausch versagen würde, doch da war Neues, eine unglaubliche Sehnsucht nach sich selbst.
Er beobachtete die Frau seit mehr als einer halben Stunde. Er fror, obwohl er windgeschützt in seinem gemieteten Strandkorb saß.
Zuerst hatte er gedacht, sie würde „ins Wasser gehen“ wollen. Ihre hängenden Schultern, die mehr als Hoffnungslosigkeit ausstrahlten.
Gerade als er aufstehen wollte um los zu laufen, um die Unbekannte zurück zu halten, bemerkte er die Veränderung in ihrer Haltung. Obwohl sie weiter ins Wasser ging, war da keine Verzweiflung mehr in ihrer Ausstrahlung.
Es war, als ob sie vom Meer mehr Berührung wollte. Doch er war sich nicht sicher. Deshalb stand er langsam auf, machte sich bereit, genau in dem Augenblick, in dem sie sich umdrehte. Er nahm sein großes Handtuch in die Hand und ging ihr entgegen.
„Alles in Ordnung?“ Sie strahlte ihn an: „Ja, es war noch nie so in Ordnung wie jetzt.“
Er reichte ihr das Handtuch, das sie sich um die Schultern legte. Einladend deutete er auf den blau-weißen Strandkorb. Sie nickte. Gemeinsam gingen sie durch den kalten Sand zu der behaglichen Sitzmöglichkeit.
Wie selbstverständlich setzten sie sich nebeneinander in den Strandkorb. Er breitete vorsichtig die wollene Decke über ihrer beiden Beine.
„Wollen Sie einen heißen Tee?“ „Wenn kein Rum drin ist.“
„Für Rum ist es zu früh am Tag.“ „Für mich wird es ab jetzt immer zu früh sein, Alkohol zu trinken.“
Als ob es das Selbstverständlichste der Welt sei, sprach sie das aus, was sie gerade beschlossen hatte. Indem sie es nun laut und vor einem anderen Menschen aussprach wurde es zur Realität. Ein Zeuge ihres Erwachens war das Beste was ihr geschehen konnte.
Und weil es nichts zu verlieren gab, erzählte sie ihm von ihrer Sehnsucht, die sie fast zerrissen hatte.
