SeitenSprünge | Erotischer Roman - Clarissa Thomas - E-Book

SeitenSprünge | Erotischer Roman E-Book

Clarissa Thomas

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Beschreibung

Dieses E-Book entspricht 192 Taschenbuchseiten ... Sie ist jung, attraktiv und bekommt stets, was sie will - Amanda genießt jeden Tag ihres Lebens. Und jede Nacht. Dauerhafte Beziehungen interessieren sie so wenig wie eine Anti-Faltencreme. Amanda beschließt, ihre rastlose Leidenschaft zu ihrem Beruf zu machen und trifft auf schüchterne Künstler und gefeierte Stars. Doch als sich ihr bester Freund in sie verliebt, muss sie eine Entscheidung treffen: Sex oder Liebe? Diese Ausgabe ist vollständig, unzensiert und enthält keine gekürzten erotischen Szenen.

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Seitenzahl: 254

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Impressum:

SeitenSprünge | Erotischer Roman

von Clarissa Thomas

 

Originalausgabe

© 2015 by blue panther books, Hamburg

 

All rights reserved

 

Cover: © LuminaStock @ istock.com

Umschlaggestaltung: www.heubach-media.de

 

ISBN 9783862774876

www.blue-panther-books.de

Erster Sprung

Ich wusste wenig über ihn; gerade einmal seinen Vornamen und seinen Lieblingsdrink. Und dass er im Leben scheinbar immer genau das bekommen hatte, was er wollte. Vielleicht sogar etwas mehr.

Nachdem sich seine Freunde verabschiedet hatten, saß er allein an der Bar. Seine braunen Augen ruhten auf dem Glas, das zwischen seinen großen, gepflegten Händen fast ver­schwand. Er war schön auf eine historische Weise, als wäre er der Letzte seiner Art. Volles, dunkles Haar umgab sein Gesicht, das erfahren, aber nicht alt wirkte.

Ich schätzte ihn auf Ende dreißig.

Als er dem Kellner das Zeichen für die Rechnung gab, setzte ich mich neben ihn. Ich überschlug meine Beine, sodass der ohnehin recht kurze Rock noch ein Stückchen weiter hinaufrutschte, um mehr von meinen in dunkles Nylon gehüllten Oberschenkeln zu zeigen. Obwohl er sich sehr viel Mühe gab, bemerkte ich seinen Blick sofort. Abwechselnd betrachteten wir einander, ohne dass es zu einem richtigen Kontakt kam. Ich hätte ihn anlächeln können, um das Spiel zu beschleunigen, doch tatsächlich ist es für Männer interessanter, wenn man ihnen zunächst keine Beachtung schenkt. Und ich bin gern interessant.

Mittlerweile hatte ihm der Kellner eine Summe genannt, die er – reichlich aufgerundet – auf den Tisch legte. Ich wusste, dass er nicht einfach aufstehen und gehen würde. Etwas hielt ihn an seinem Platz, etwas hinderte ihn daran, draußen nach einem Taxi zu rufen und wohin auch immer zu fahren. Und dieses Etwas war ich.

»Sam«, sagte er, und sah mir dabei sehr ausdauernd in die Augen. Er war elegant gekleidet und roch nach einem teuren Parfum. Vermutlich war er ein mittelschwerer Geschäftsmann, und hätte ich es darauf angelegt, wäre für mich sicher eine kostbare Uhr oder eine goldene Halskette drin gewesen.

»Und wie heißen Sie, wenn ich fragen darf?«

Ich antwortete nicht sofort, sondern nahm noch einen Schluck und beobachtete aus dem Augenwinkel, wie er meinen ganzen Körper taxierte. Nur für ihn bog ich das Kreuz weiter durch, als es notwendig gewesen wäre, immerhin kam mein ansehnliches Dekolleté auch ganz ohne solche Tricks ausgezeichnet zur Geltung. Mein langes, leicht gelocktes brünettes Haar fiel sehr schön über den tiefen Rückenausschnitt meines dunklen Kleides, und zusammen mit den hohen Schuhen musste ich wirklich verdammt gut aussehen.

»Amanda«, erwiderte ich schließlich, nachdem ich an ihm einen Hauch von Unsicherheit bemerkt hatte, ob ich überhaupt noch antworten würde.

»Ein schöner Name, Amanda. Und so passend. Wenn mich mein altes Schullatein nicht täuscht, bedeutet er: Die, die geliebt werden muss.«

Für einen kurzen Moment hätte ich fast das erste Gebot vergessen und ihm gezeigt, wie groß meine Schwäche für gebildete Menschen ist. Doch in die Steinplatte des erfolgreichen Flirtens steht graviert: Du sollst es ihm nicht zu leicht machen. Ich gab mich also etwas unterkühlt, wendete mich von ihm ab und suchte demonstrativ in meiner Handtasche nach dem Handy – also genau das, was Männer in dieser Situation zur Verzweiflung treibt.

Sam jedoch ließ sich davon nicht beeindrucken. »Sie haben sich neben mich gesetzt, Amanda. Und das, obwohl hier noch sehr viele andere Plätze frei wären. Ihre Kleidung verrät mir, dass Sie diese Bar nicht allein verlassen möchten, und ihr Blick ist so eindeutig wie eine schriftliche Einladung. Sie beschäftigen meine Gedanken, und auch, wenn Sie gerade das Gegenteil vorgeben, scheinen Sie auch mir gegenüber nicht abgeneigt zu sein. Lassen wir also diese Spielchen.«

»Was haben Sie gegen Spielchen, Sam?«

»Nichts. Nur bevorzuge ich den direkten Weg.«

»Und haben Sie damit immer Erfolg?«

»Auffallend oft. Aber zumindest weiß ich sofort, woran ich bin.«

»Nun, dann halte ich es nur für richtig, wenn Sie heute eine Lektion in Geduld erhalten.«

Er gab dem Kellner einen Wink, bestellte für uns beide nach und begann dann ein Gespräch über die Schönheit des Segelns, wobei er einen Vergleich zwischen der Eleganz eines Bootes und dem weiblichen Körper anstellte.

»... nur, verstehen Sie mich richtig, bietet die Haut einer Frau doch Vorzüge, die blank poliertes Holz niemals besitzen wird.«

Ich fragte ihn, ob er öfter in die »Undank-Bar« käme, doch er verneinte.

»Meine Freunde haben mich hergebracht. Ich bin geschäftlich in der Stadt, und schon morgen muss ich weiter.«

Der perfekte Fang. Ein Mann auf der Durchreise, mit einer Vorliebe für das Segeln – er würde keine Probleme bereiten, wenn ich ihn noch vor dem Frühstück abservierte. Ganz im Gegensatz zu den Ich-ruf-dich-an-Kerlen, den Wann-sehen-wir-uns-wieder-Typen und besonders den Ich-habe-mich-in-dich-verliebt-Jungs, die einfach nicht wissen, wann der Spaß vorbei ist.

Wir sprachen noch lange über das Meer, und welche Küste die schönste auf der Welt sei, doch als der Kellner die Stühle auf die Tische stellte, beschlossen wir, zu gehen.

Ich hatte keine Lust auf das wacklige Bett in einem kleinen Hotelzimmer, weshalb ich dem Taxifahrer schließlich meine Adresse als Ziel gab. Sam überraschte das, und mich auch ein wenig, immerhin verstieß es gegen Gebot Nummer Drei: Nimm ihn niemals in der ersten Nacht mit zu dir – dort erfährt er zu viel über dein Leben, und du verlierst an Anziehungskraft. Bereits im Wagen wollte er anfangen, meinen Hals zu küssen, und obwohl das ein guter Einstieg gewesen wäre, fand ich es doch erzieherisch notwendig, ihn noch etwas hinzuhalten.

»Wann?«, fragte er, während er meine Hand hielt und mich mit allergrößtem Ernst ansah.

»Wenn es soweit ist.«

»Und woher weiß ich, wann das sein soll?«

»Oh, das werden Sie fühlen.«

Ich lächelte ihn an, dann wendete ich meinen Blick aus dem Fenster. Eine Fahrt durch die nächtliche Stadt hat immer etwas Berauschendes für mich. Die vielen beleuchteten Fenster, die unzähligen Schicksale dahinter, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Ich kann einfach nicht verstehen, wie andere Leute sich mit nur einem Menschen zufrieden geben können. Für sie ist es sogar ein Ideal, den richtigen Partner zu treffen, um dann ihr Leben mit ihm zu verbringen. Allein das Wort Partner. Das klingt nach einem Handwerksbetrieb, einer Anwaltskanzlei – aber nicht nach wildem, leidenschaftlichem Sex.

Wir hielten vor meinem Aufgang, und Sam bezahlte, ganz in seinem Element, den Fahrer. Einen kurzen Moment der Schwäche hatte ich in dem engen Fahrstuhl, der uns in den fünften Stock brachte. Dieser Mann, der nach Abenteuer und neuen Entdeckungen roch, war mir so nahe, dass ich lediglich meine Hand hätte ausstrecken müssen, um ihn ganz an mich zu ziehen, um meinen Kopf an seinem Oberkörper zu vergraben und eine Kette von Zärtlichkeiten in Gang zu setzen, die vor dem Morgengrauen nicht enden würde ...

»Behandeln Sie alle Ihre Besucher so?«, fragte Sam und riss mich aus meiner Vorstellung.

»Was verstehen Sie unter alle?«

»Ich nehme an, dass ich nicht der erste Mann bin, der neben Ihnen in dieser kleinen Kabine hinauf zu Ihrer Wohnung fährt.«

»Nein, der Erste sicherlich nicht. Aber vielleicht der Beste.«

»Sie schmeicheln mir.«

»Nicht so voreilig, Sam. Ungeduld ist wirklich Ihre Schwäche.«

Als ich an der Tür lange nach meinem Schlüssel suchte, nutzte er die Chance und küsste mich. Gut, es war vermutlich nicht der intensivste Kuss, den ich je bekommen hatte, aber seine Technik, im Anschluss noch etwas an meiner Oberlippe zu knabbern, gefiel mir. Erstaunlicherweise hielten wir noch immer an dem Sie fest, was mich in meiner Rolle für diese Nacht nur bestärkte.

Zielsicher führte ich Sam direkt in mein Schlafzimmer; seinem Blick war eine gewisse Eile anzusehen, weshalb ich mich erst einmal in das Bad mit den Worten »Sam, ziehen Sie sich ruhig schon einmal aus« verabschiedete.

***

Ich verließ das Bad in einem hauchdünnen rosa Negligee mit schwarzen Bändern, dazu trug ich dunkle Netzstrümpfe, die in herrlichem Kontrast zu meiner gleichmäßig hellen Haut standen. Sam, der nur noch in engen Shorts auf dem Bett lag, schien sichtlich beeindruckt von diesem Anblick.

»Dafür hat sich das Warten gelohnt«, sagte er, nachdem seine Augen mehrfach über meinen ganzen Körper gewandert waren.

»Ich nehme an, diesen Satz werden Sie heute Nacht noch öfter sagen.«

Auf dem Boden lag seine Hose. Ich nahm den Gürtel heraus und stieg zu ihm auf das Bett. Er wollte mich küssen, doch mein Zeigefinger war schneller und bremste seine Lippen. Ich neigte mich an sein Ohr und flüsterte: »Spielchen sind nicht Ihre Art, ich weiß. Aber um dieses hier werden Sie nicht herumkommen.«

»Erklären Sie mir die Regeln«, sagte er, während ich seine Handknöchel nahm und sie mit dem Gürtel an das Bettgestell band.

»Nun, es ist ganz einfach, Sam. Es gibt nur zwei Regeln. Nummer Eins: Sie dürfen erst kommen, wenn ich es Ihnen erlaube.«

»Und Nummer Zwei?«

»Ich gewinne immer.«

Ich zog den Gürtel enger, sodass er keine Möglichkeit mehr hatte, sich zu befreien.

Seine Krawatte und einen schwarz schimmernden Seidenschal, den ich eigens zu diesem Zweck aus dem Bad mitgebracht hatte, verwendete ich, um auch seine Füße zu fixieren.

»Nun sind Sie mir komplett ausgeliefert, Sam. Eine ungewohnte Situation für Sie, oder? Normalerweise bestimmen doch sicher Sie, wo es langgeht.«

Er zog etwas an seinen Fesseln, aber ich hatte gute Arbeit geleistet. Er würde sich erst befreien können, wenn ich es ihm erlaubte.

»Also spielen wir.«

Ich küsste seinen breiten Oberkörper, ließ meine Zunge über seine Brustwarzen wandern und bewegte mich langsam an ihm herunter. Ich wusste, was er nun erwartete, und tat es deshalb nicht. Stattdessen streichelte ich die Innenseite seiner Oberschenkel, was ihn – wie die meisten Männer – verrückt machte. Meine Zärtlichkeiten wurden immer sanfter, kaum berührten meine Finger den weichen Flaum an seinen Beinen, was die Wirkung noch einmal erheblich steigerte. Kurz setzte ich mich auf seinen Schoß. Sein Glied, das sich mittlerweile aufgerichtet hatte, sollte den nicht vorhandenen Slip unter meinem Negligee spüren – Sam musste schließlich wissen, woran er war. Er stöhnte auf, erhob sich soweit, wie es ihm mit den Fesseln gelang, und sank dann wieder auf das Kissen zurück.

Während er meine Bewegungen aufmerksam verfolgte, ertastete ich langsam seinen Hoden. Wieder fuhr er auf, blieb aber stumm. Sein Mund verzerrte sich indes, und ich konnte nicht anders, als ihm einen langen, tiefen Zungenkuss zu geben. Im Anschluss wendete ich mich wieder seiner unteren Hälfte zu, die ich mit der vollen Geschicklichkeit meiner Hände verwöhnte. Ich schloss Daumen und Zeigefinger zu einem Ring um seinen Schwanz und bewegte sie langsam an seinem Schaft auf und ab, während ich mit der anderen Hand wieder seine Oberschenkel streichelte. Ich variierte Geschwindigkeit und Rhythmus, verwöhnte ihn einmal schneller und intensiver, dann wieder langsam und ganz vorsichtig. Ich machte so lange weiter, bis seine Eichel zu glänzen begann und sich an ihrer Öffnung ein klarer Tropfen bildete. Nun wären es nur noch ein paar Bewegungen, ein paar Mal auf und ab, und er würde mit lautem Schrei in meiner Hand kommen – aber so weit waren wir noch nicht.

»Soll ich aufhören? Ganz bestimmt nicht, Sam, oder? Aber ich höre auf, zumindest für ein paar Minuten. Ich glaube, wir brauchen erst einmal einen Tee.«

Sam sah mich völlig entgeistert an. Seine Mimik hatte sich bereits auf einen heftigen Orgasmus eingestellt, doch nun stand ich auf und ging einfach in die Küche. Ich setzte Wasser auf und lehnte mich an den Kühlschrank. Das kalte Metall an meinem Rücken tat mir gut, immerhin war auch mir heiß geworden – und dabei hatte diese Nacht doch gerade erst begonnen.

Mit einer dampfenden Tasse in der Hand kehrte ich zu Sam zurück. Er hatte ernsthaft versucht, seine Fesseln zu lösen, war jedoch nicht weiter als bis zu rotgescheuerten Handgelenken gekommen. Süß.

»Warum so aufgebracht, Sam? Lehnen Sie sich zurück und genießen Sie die Show. Jetzt kommt ein Abschnitt, der Ihnen ganz besonders gefallen dürfte.«

Mittlerweile hielt er mich wahrscheinlich für verrückt oder gefährlich oder für beides, und bereute, mir in die Falle gegangen zu sein, aber mir war das egal. Ich nahm einen Schluck von dem noch heißen Tee, dann beugte ich mich über Sams bestes Stück und ließ ihn vorsichtig in meinen Mund gleiten. Zwei Wellen der Lust durchliefen seinen Körper; einmal, als er meine Lippen an seiner Eichel spürte, und dann, als ihn die Wärme des Tees umfing. Sehr langsam fuhr ich an seinem Schwanz hinab und wieder hinauf. Ich wiederholte den Vorgang mehrfach, immer mit einem neuen Schluck Tee, bis die Tasse fast leer war. Wieder hatte seine Eichel dieses erregende Glänzen, und wieder beschloss ich, dass es noch zu früh sei. Ich flüsterte Sam in sein Ohr: »Du hoffst, dass ich auch den letzten Schluck dir widmen werde und dich in meinem Mund kommen lasse, ja?«

Ich nahm die Tasse, trank sie vollständig aus und schluckte das letzte bisschen Tee mit hörbarem Wohlgefallen herunter. Sam dachte dabei offenkundig an etwas anderes.

Wieder gab ich seiner Leidenschaft einige Minuten, um auf ein normales Niveau herunterzukommen. In der Zwischenzeit setzte ich mich auf das Bett und stellte meinen Fuß zwischen Sams Beine, um mir in genüsslicher Langsamkeit die Zehennägel zu lackieren. Pinselstrich um Pinselstrich trug ich die Farbe auf, fein säuberlich, angestrengt darauf achtend, dass nichts von der Flüssigkeit danebenging. Es dauerte insgesamt sicherlich fünf bis zehn Minuten, doch Sam blieb die ganze Zeit über vollkommen hart und wäre bereit gewesen, alles für einen sofortigen Orgasmus zu tun.

Ich suchte nach dem Staubwedel, den mir meine Großmutter einmal geschenkt hatte. Er war noch nie in Gebrauch gewesen, ein Umstand, den ich nun zu ändern gedachte. Als ich mich Sam mit dem Teil näherte, verdrehte er nur die Augen, blieb aber stumm. Ich fing bei seinen Armen an und beobachtete, wie sich seine feinen Härchen vor Anspannung aufrichteten. An den Achseln war er besonders sensibel, er fuhr wieder hoch und konnte ein heiseres Aufstöhnen nicht unterdrücken. Ich wedelte über seinen Oberkörper, über seinen Bauch, über sein nach wie vor aufgerichtetes Glied ... Er zuckte und brüllte, als ich die Straußenfedern über seinem Hoden kreisen ließ. Es zeigte sich immer mehr, dass ich am Ende unseres Spiels dieser Stelle meine ganz besondere Aufmerksamkeit widmen sollte.

Ich wedelte noch bis zu seinen Füßen herunter, dann legte ich das Gerät auf den Boden. Es wurde langsam Zeit, unser Finale einzuleiten.

»Möchtest du mich noch immer, Sam? Bist du nach all den Torturen, die ich dir auferlegt habe, noch immer heiß darauf, mit mir zu schlafen? In mir zum Höhepunkt zu gelangen?«

Er entrang sich ein paar Worte, die ich als »Oh mein Gott, ja« deutete.

Das reichte mir. Wieder setzte ich mich auf seinen Schoß, und diesmal ließ ich ihn nicht nur fühlen, sondern zeigte ihm auch, was sich unter meinem Negligee befand – und was eben nicht. Als er in mich hineinglitt, richtete er seinen Oberkörper wieder auf, stärker als zuvor. Für einen Augenblick dachte ich, er würde das Eisengestell des Bettes abreißen, doch es hielt.

Uns blieben nur wenige Stöße, das war mir klar. Ich blickte ihm starr in die Augen, während meine Hand nach hinten wanderte. Im Takt meines Ritts drückte ich auf seine Hoden und massierte ihn zärtlich – und dann geschah es. Wie in Zeitlupe verlor er jegliche Kontrolle über seine Mimik, über seine Gesten, über die Laute, die seinem Mund entsprangen und sich zu Schreien der Ektase erweiterten. Es war großartig, diesem Schauspiel beizuwohnen, und überwältigend, es verursacht zu haben.

In dieser Nacht lernte Sam seine Lektion.

***

Wie erwartet war es kein größeres Problem, ihn am nächsten Tag wieder loszuwerden. Direkt nach dem Aufstehen suchte Sam seine Sachen zusammen, zog sich an, gab mir einen Kuss, der zwar nicht völlig frei von Wehmut war, aber dann verschwand diese jüngste Eroberung angenehm standhaft aus meinem Leben. Braver Junge.

Kurz nach seinem Abgang hörte ich erneut das leise Schnarren der Tür, dieses Mal war es Sasha, die zusammen mit ihrem festen Freund Erik die Wohnung betrat.

Sasha war nicht nur meine Mitbewohnerin, sondern auch meine beste Freundin, und deshalb verzieh ich ihr sogar den Umstand, dass sie sich seit nunmehr elf Monaten auf den Pfad der dauerhaften Beziehungen begeben hatte. Früher waren wir beide Stammgäste in den besseren Clubs der Stadt gewesen, ganze Nächte hatten wir damit verbracht, uns die Männer gegenseitig zuzutreiben. Es war ein großartiger Spaß gewesen, doch schließlich platzte Sasha mit der Offenbarung heraus, nun den Richtigen gefunden zu haben.

Der Richtige.

Der, durch den alles anders wurde.

Ich verstand mich eigentlich ganz gut mit Erik, er war wortgewandt und besaß die Gabe, seinem jeweiligen Gesprächspartner tatsächlich die Aufmerksamkeit zu geben, die dieser verdiente – eine Ausnahme unter Männern. Sasha hätte es also deutlich schlimmer erwischen können, und doch blieb Erik für mich immer mit dem Makel behaftet, dass er meine beste Freundin zu einem Leben in Treue, Dauerhaftigkeit und Langeweile bekehrt hatte.

»Hi. Eine wilde Nacht gehabt, Amanda?«

»The same procedure as every weekend, Sasha.«

Ich musste furchtbar aussehen, also furchtbar für meine Verhältnisse: zerzaustes Haar, ungeschminkt, keine sündhaft teuren und sündhaft schönen Stoffe auf meiner Haut, nur ein schlabbriger Morgenmantel, Plüschpantoffeln und das Gefühl, nicht richtig dazuzugehören. Erik betrachtete mich belustigt.

»Wir sind scheinbar ein wenig zu früh von unserem Ausflug zurückgekommen«, sagte er zu Sasha, und sie nickte.

»Wir machen schon einmal das Frühstück, Amanda. Setz dich einfach dazu, wenn du magst.«

Händchenhaltend und küssend verschwanden die beiden in der Küche. Ich konnte das nicht mit ansehen und verschanzte mich im Bad, wo mich eine kalte Dusche endgültig aus meinen verträumten Gedanken an die letzte Nacht riss. Als ich mich schließlich zu Sasha und Erik an den Tisch setzte, waren die beiden bereits mit Essen fertig und unterhielten sich über Wohnungen.

»Letztens habe ich ein gutes Angebot gesehen, drei Zimmer, 70 Quadratmeter, die Miete fast geschenkt. Vielleicht sollten wir einen Besichtigungstermin ausmachen.«

Plötzlich wurde ich hellhörig. »Wollt ihr etwa zusammenziehen?«

»Ja, ich denke schon«, sagte Sasha, und fast bildete ich mir eine gewisse Niedergeschlagenheit in ihrer Stimme ein, als würde sie heimlich all den verrückten Nächten hinterhertrauern, die wir gemeinsam, frei und ungebunden, auf den Tanzflächen und in den Bars der Stadt verbracht hatten. Das würde nun endgültig Geschichte sein – eine gemeinsame Wohnung war gewissermaßen das Eheversprechen unserer Generation. Wollt ihr euch die Miete teilen, bis dass der Tod euch scheidet? Den andern lieben, auch wenn er das Bad blockiert und hinterher Bartstoppel im Waschbecken liegen? Treu sein und sorgsam, wenn es um den Abwasch, die Wäsche, das Staubsaugen geht?

»Aber ihr seid gerade einmal ein paar Monate zusammen«, gab ich zu bedenken.

»Fast ein Jahr. Und wir lieben uns«, erwiderte Sasha, und ich beschloss, von jetzt an besser gar nichts mehr zu sagen, sonst käme mir vielleicht noch der Toast mit Honig wieder hoch, auf dem ich gerade lustlos herumkaute.

»Was ist mit dir, Amanda?«, fragte Erik, doch ich reagierte zunächst nicht auf ihn.

»Wünschst du dir nicht auch ... etwas Längerfristiges?«

Wären seine Worte nicht so wunderbar naiv gewesen, hätte ich seinen Kopf direkt in die halbleere Müslischale getaucht, die vor ihm auf dem Tisch stand.

»Amanda hat es nicht so mit Längerfristigem. Sie will unabhängig sein. Keine Verantwortung übernehmen müssen.«

Im Kern traf Sasha meine Einstellung schon richtig, nur sprach sie davon, als wäre Unabhängigkeit und keine Verantwortung etwas Negatives.

»Aber tief in seinem Inneren sehnt sich doch jeder nach einem Menschen, bei dem er zu Hause sein kann. Nach einem Menschen, den man liebt.«

Jetzt sprach Erik auch noch wie ein Priester. Ich nahm meinen Teller, entschuldigte meine temporäre Menschenscheu und verzog mich in mein Zimmer. Von mir aus konnten sie den kompletten Tag mit ihren kindlichen Vorstellungen von Liebe und Treue verbringen, aber sie sollten bloß nicht auf den Gedanken kommen, mich auch mit diesem Virus zu infizieren.

Zweiter Sprung

Ich war fünfzehn Jahre alt und sehr verliebt.

Den ganzen Sommer über war ich in das nahegelegene Freibad gegangen, hatte fast täglich meine Bahnen zurückgelegt und mich dann in das kurze, stachelige Gras fallen lassen, um in der Sonne zu trocken. Dabei war ich keineswegs eine Wasserratte. Vielmehr war mir ein Junge aufgefallen, der das Schwimmen mit scheinbar sportlichem Ehrgeiz betrieb, was seinem Körper erheblich zugutekam. Er war etwas älter als ich, hatte kurze schwarze Haare und ein Gesicht, das ich Zeit meines Lebens nicht mehr vergessen würde; in ihm kombinierten sich Härte und Sanftheit, und wenn es mir einmal gelang, seinen Blick zu fangen, ging mir ein nervöses Zittern durch den ganzen Körper.

Nachts, allein in meinem Zimmer, trat dieses Zittern wieder auf, es wanderte in Wellen von meinem Herzen herab bis zu meinem Schoß. Ich wusste mir nicht anders zu helfen, als meine Finger an die Stelle zu bewegen, die scheinbar das Ziel meiner neuartigen Gefühle waren. Zuerst zögernd, dann immer fester fuhr ich durch den zarten Flaum meiner Scham, und ich begann meine Gedanken schweifen zu lassen. Wie von selbst kamen sie immer wieder auf den Jungen aus dem Freibad zurück, und ich stellte mir vor, dass seine starke Hand es wäre, die dort unten meine Feuchtigkeit erfühlen würde.

Eines Tages – der Sommer neigte sich seinem Ende zu, und ich wusste, dass mir die Zeit knapp wurde –, nahm ich all meinen Mut zusammen und simulierte im Wasser einen Krampf. Ich hoffte, dass der alte, unappetitliche Bademeister, der dazu neigte, Mädchen nach erbrachter Rettungsleistung noch etwas zu befummeln, mein dilettantisches Fast-Ertrinken nicht bemerkte. Mein Plan ging auf. Der Junge entdeckte meine Hilfe suchenden Blicke zuerst, schwamm zu mir herüber und half mir an den Rand des Beckens.

»Hast du dich nicht richtig aufgewärmt?«, war der erste Satz, den er zu mir sagte, und keine noch so herausragende Liebeserklärung hätte in meinen Ohren schöner klingen können wie diese banale Frage.

Ich stieg aus dem Wasser, der Junge folgte mir. Ich gab mir große Mühe mit einer Mischung aus attraktivem Hüftschwung und leichtem Humpeln (schließlich hatte ich soeben noch unter einem furchtbaren Krampf gelitten). Das Ergebnis war jedenfalls, dass sich der Junge neben mich in das Gras fallen ließ und mich nach meinem Namen fragte.

»Ich heiße Amanda. Und du?«

»Julian. Du kommst öfter hierher, stimmt’s?«

»Ja. Ich schwimme sehr gern, du wahrscheinlich auch.«

»Es ist die beste Möglichkeit, meinen Eltern aus dem Weg zu gehen.«

»Sind deine Eltern so schlimm?«

Das war vielleicht nicht der beste Einstieg für einen Flirt, aber ich war fünfzehn und verliebt, da stört man sich nicht an Details im Gesprächsverlauf. Julian erzählte mir noch einiges von seiner Familie, und dass er einen größeren Bruder hatte, der mit seinen Schwimmfähigkeiten bereits einige Medaillen gewinnen konnte.

»Aber ich mache ihn nicht nach, versteh das jetzt nicht falsch. Ich gehe meinen eigenen Weg.«

In der Verklärung meiner Hormone stilisierte ich Julian zu einem Freiheitskämpfer, der vor seinen tyrannischen Eltern auf der Flucht ist und einmal gemeinsam mit seinem Bruder bei den Olympischen Spielen antreten möchte. Und nebenbei sah er auch noch so unverschämt gut aus.

Das erste und einzige Mal in meinem Leben lud ich einen Jungen zum Essen ein und bezahlte auch. Ich brachte uns zwei Pappteller voll Pommes, und auch, wenn sie fast schon in widerlich klebrigem Ketchup schwammen, waren es für mich die Besten überhaupt. Nun erzählte ich Julian aus meinem Leben, das bisher herzlich unspektakulär gewesen war, aber er gab sich trotzdem Mühe, mir zuzuhören. Wir blieben auf der Wiese sitzen, bis fast alle anderen Besucher gegangen waren. Dann griff Julian beiläufig nach meiner Hand, und da ich mir für das Erste keine größere Initiative von ihm erhoffen durfte, nutzte ich den Moment und drückte ihm einen schüchternen Kuss auf die Wange.

In den nächsten Tagen wurden wir experimentierfreudiger, unsere Küsse nahmen an Intensität zu, und Julians Berührungen fanden nicht mehr nur auf meiner Hand statt. Einem älteren Besucher des Bads wurde es schließlich zu viel, er fragte uns, ob wir kein Zuhause hätten. Das war ein guter Hinweis, denn tatsächlich waren meine Eltern tagsüber beide bei der Arbeit, und unser Haus stand mir und somit auch Julian zur freien Verfügung.

Hauptsächlich alberten wir herum. Ich ließ Eis auf Julians Arm tropfen und leckte es ab, er revanchierte sich mit einer halben Kugel Vanille, die schmilzend in meinem Bauchnabel landete. Als Julian sich mit seiner Zunge näherte, raubte es mir fast den Atem.

»Julian«, hauchte ich.

»Ja?«, fragte er und hob den Blick von meinem Bauch.

»Ich möchte gern mehr.«

»Mehr Eis?«

Ach, er war so unschuldig, und ich war es auch. Wäre dieser Sommer doch nur nie zu Ende gegangen – doch er tat es, und ich spürte, dass die warmen Tage vorüberzogen. An dem letzten heißen Nachmittag umarmte ich Julian und fragte ihn, ob er es schon einmal gemacht hätte. Er verstand nicht gleich, was ich mit es meinte, doch als ich deutlicher wurde, nickte er.

»Und möchtest du es auch einmal mit mir machen?«

Für diese Frage hatte ich meinen ganzen Mut aufgebracht, nur eine diffuse Angst vor den Konsequenzen blieb zurück.

Julian küsste meinen Hals und flüsterte mir ins Ohr, dass er sich es schon sehr oft mit mir vorgestellt hatte, immer wenn er allein war. Ich erzählte ihm von meinen Fantasien, und dass es doch nur logisch wäre, wenn wir sie gemeinsam Wirklichkeit werden ließen.

Ich schloss die Tür zu meinem Zimmer und zog, wie ich es mehrmals vor dem Spiegel geübt hatte, mein T-Shirt mit gekreuzten Armen über den Kopf. Darunter trug ich mein Bikini-Oberteil, das ich als Reminiszenz an unsere Freibad-Tage auch heute angezogen hatte. Julian war nun ganz und gar nicht mehr zurückhaltend, er griff direkt nach meinen Brüsten und fing an, sie etwas grob zu kneten. Ich hielt das für normal und verlegte mich darauf, ihn mit Zunge zu küssen, während sich in seiner Hose ganz eindeutig etwas bemerkbar machte.

»Und hast du schon einmal mit einem Jungen ... geschlafen?«

Ich verneinte, und Julian bat mich, auch den Bikini auszuziehen und mich hinzulegen. Es war merkwürdig, vor ihm komplett nackt zu sein, aber ich empfand auch eine sehr große Lust, als er lange auf diesen geheimnisvollen Fleck zwischen meinen Beinen starrte. Schnell zog er sich ebenfalls aus und legte sich auf mich. Da das Vorspiel sehr kurz und ich ziemlich aufgeregt war, wurde ich nicht wirklich feucht. Außerdem stach Julian etwas amateurhaft mit seinem Glied zu, bis ich ihm endlich die richtige Pforte zeigte. Er nahm sich nicht sehr viel Zeit für das Eindringen, und es wurde schmerzhaft für mich.

»Alles okay?«, fragte er, und um ihn nicht zu verschrecken, nickte ich tapfer und drückte dann seinen Kopf an meinen Hals. Irgendwie hatte ich es mir ganz anders vorgestellt. Da war nicht viel von der Lust, die mir nachts meine eigenen Finger bereiten konnten, und das Verlangen nach seinem Körper war eher dem Wunsch gewichen, dass dieses schreckliche Brennen in meinem Schoß endlich aufhören mochte.

Julians Atem ging nun schneller, auch sein Stoßen wechselte in einen höheren Takt. Das Küssen meines Halses hatte er inzwischen gänzlich eingestellt, und aus seinem Mund kamen unheimliche Geräusche. Ich erinnerte mich wieder an den Aufklärungsunterricht des letzten Schuljahres, wobei mir erschreckend bewusst wurde, dass wir es ohne Kondom taten.

»Julian«, flüsterte ich in sein Ohr, »Julian, bitte, mach es nicht in mir, bitte.«

Doch er war bereits für jeden Einwand taub, und während ich noch versuchte, ihn mit leichten Schlägen auf seine Schulter zu bremsen, ergoss er sich bereits in mir. Er drehte sich herum auf das Bett und hatte die Augen geschlossen.

Julian war eingeschlafen.

Dritter Sprung

So kurz und ernüchternd mein Debüt mit Julian auch gewesen sein mochte – die Lust in mir war erwacht. Noch bevor der Herbst in den Winter überging, hatte bereits ein neues Exemplar der Gattung Mann meine Aufmerksamkeit gefesselt, und ich war fest entschlossen, mich dieses Mal nicht so schnell entmutigen zu lassen.

Er hieß Andrej und war im Zuge eines Austauschjahres in unsere Klasse gekommen. Mit seiner beachtlichen Größe, seinem kräftigen Körperbau und diesem fremdartigen Akzent war er natürlich nicht nur mir aufgefallen – eine ganze Menge meiner Mitschülerinnen versuchte unter dem Deckmantel des Nachhilfe-Unterrichts bei ihm zu punkten. Sie erledigten für ihn die Hausaufgaben, ließen ihn in Klassenarbeiten bereitwillig abschreiben und liehen ihm ihre Bücher, wenn er wieder einmal seine Sachen vergessen hatte.

Andrej beachtete diese Freundschaftsdienste kaum. Etwas an ihm strahlte die Kühle der Erfahrung aus, und ich ahnte, dass man bei ihm nicht landen konnte, indem man sich ihm aufdrängte.

Mir fiel auf, dass er sehr viel Zeit in der Schulbibliothek verbrachte, hauptsächlich, um seine Sprachkenntnisse zu verbessern, aber vermutlich auch, weil es dort so angenehm ruhig war. Mrs Miller unterband pflichtbewusst jeden Versuch eines lauten Gesprächs, und wer sich erdreistete, über ein leises Flüstern hinauszugehen, landete schnell vor der Tür.

Ich suchte mir in einigem Abstand zu Andrej einen Platz, wobei ein Regal unsere Blicke trennte. Wie genau ich ihn von hier aus auf mich aufmerksam machen wollte, war mir auch noch nicht ganz klar, aber ich kam jeden Tag wieder her. Andrej beschäftigte sich mit einem kleinen Kreis bestimmter Bücher, und ich kam auf die Idee, in einem dieser Werke meinen Schulausweis zu platzieren, wenn er bereits gegangen war. Irgendwie hoffte ich, er würde die Verbindung zwischen diesem kleinen Stück Papier und der Schülerin, die jeden Tag nur ein paar Meter von ihm entfernt saß, verstehen.

Ich wartete einen Tag.

Ich wartete zwei Tage.

Meine Zuversicht schwand, und fast hätte ich mir meinen dämlichen Schulausweis selbst zurückgeholt, als Andrej schließlich vor meinen Tisch trat und mich mit seinen großen blauen Augen musterte.

»Bist du Amanda?«, fragte er, und ich war zum Glück so überrascht, dass ich meine Aufregung komplett vergaß.

»Ja, die bin ich.«

»Ich habe hier etwas für dich. Steckte in einem der Bücher.« Er reichte mir meinen Schulausweis hinüber und lächelte.

»Oh, vielen Dank. Ich benutze ihn immer als Lesezeichen, da muss ich ihn wohl vergessen haben.«

Hinter dem Tresen machte sich bereits Mrs Miller bemerkbar, die mit eindeutigen Zischlauten unser beginnendes Gespräch unterdrücken wollte.

»Ganz schön laut hier«, sagte Andrej mit einem Seitenblick zu ihr und lächelte. »Wollen wir nicht woanders hin?«

Ohne auch nur einen Moment zu zögern, folgte ich ihm. Wir verließen das Schulgelände und gingen Richtung Fluss.

An einer Stelle, die ich noch nicht kannte, führten verwitterte Stufen hinab an das Wasser, wahrscheinlich, um kleine Boote hinein- oder herauszubringen. Mittlerweile war die Anlage vollkommen verwildert und vor allzu neugierigen Blicken durch eine dichte Wand aus Büschen und Bäumen geschützt.

»Ich bin oft hier«, sagte Andrej, und das blieb für einige Zeit auch das Einzige, was er von sich gab.