Selbstorganisation und Zeitmanagement - Simone Janson - E-Book

Selbstorganisation und Zeitmanagement E-Book

Simone Janson

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Beschreibung

Immer mehr Menschen machen sich selbstständig - und verlassen damit die fest vorgegebenen Arbeitsstrukturen aus dem Angestelltenverhältnis. Eine radikale Umstellung, die Fragen aufwirft: Wie organisiere ich mich und meine Arbeit? Wie bewältige ich mein Arbeitspensum? Wie motiviere ich mich? Simone Janson beantwortet genau diese Fragen. In einfachen Schritten lernen Existenzgründer, wie sie sich selbst organisieren und motivieren beziehungsweise wie die gelungene Synthese zwischen Selbstmotivation und Zeitmanagement aussieht. Eine Grundlagenlektüre für alle Existenzgründer!

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Simone Janson

Selbstorganisation und Zeitmanagement

Simone Janson

Selbstorganisation und Zeitmanagement

Weniger Stress mit strukturiertem Arbeitsablauf Mehr Motivation durch gute Organisation Mit Praxistipps und Checklisten

Bibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-636-01415-3 | Print-Ausgabe

ISBN 978-3-86881-174-2 | E-Book-Ausgabe (PDF)

E-Book-Ausgabe (PDF): © 2009 by Redline Verlag, FinanzBuch Verlag GmbH, München.www.redline-verlag.de

Print-Ausgabe: © 2007 by Redline Wirtschaft, Redline GmbH, Heidelberg. Ein Unternehmen von Süddeutscher Verlag | Mediengruppe.

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Umschlaggestaltung: Vierthaler & Braun, München Umschlagabbildung: Digital Vision Satz: Jürgen Echter, Redline GmbH Druck: Himmer, Augsburg Printed in Germany

Inhalt

1. Selbstorganisation und Zeitmanagement als Schlüssel des Erfolgs

2. Motivation – Finden Sie heraus, was Sie bewegt und antreibt

Ziele setzen

Ziele im Auge behalten

Motivation durch andere holen und erfahren

Selbstmotivation einüben und praktizieren

Geld – ein starker Motivationsfaktor

Mit demotivierenden Informationen richtig umgehen

Motivation durch Kreativität

3. Planung – Analysieren und organisieren Sie Ihre Arbeit und Ihre Zeit

Welche Arbeit kommt auf Sie zu?

Analysieren Sie Ihre Zeit

Setzen Sie Prioritäten

Planen Sie Ihre Zeit

Berücksichtigen Sie Leistungskurven

Wählen Sie geeignete Planungsinstrumente aus

Gestalten Sie Ihre Arbeitsumgebung

4. Umsetzung – Lernen Sie den Umgang mit Stolpersteinen, Entscheidungen und Misserfolgen

Es kommt anders, als man denkt – warum eigentlich?

Warum umständlich, wenn es auch einfach geht?

Durch bessere Entscheidungen zum Erfolg

Erfolgsfaktor Misserfolg

5. Optimales Zeitmanagement macht sich bezahlt

Literaturverzeichnis

Stichwortverzeichnis

Anmerkung

Um das Arbeiten mit diesem Buch für Sie möglichst einfach und effizient zu gestalten, haben wir wichtige Textpassagen mit folgenden Icons gekennzeichnet:

Achtung wichtig!

Stolperstein

Tipp

Das sollten Sie auf jeden Fall vermeiden.

Beispiel

1. Selbstorganisation und Zeitmanagement als Schlüssel des Erfolgs

Möglicherweise haben Sie schon öfter von Zeitmanagement gehört, aber bislang noch nie die Muße gehabt, sich damit zu beschäftigen. Als Selbstständiger sollten Sie das aber, denn Zeit ist Geld – und es sind Ihr Geld und Ihre Zeit, die Sie durch eine schlechte Arbeitsorganisation verschwenden, nicht das Geld Ihres Chefs. Wie sich das auswirken kann, beweist jährlich aufs Neue die weltweite Produktivitätsstudie der amerikanischen Unternehmensberatung Proudfoot Consulting vom Juli 20061: In deutschen Unternehmen werden im Schnitt 32,5 Tage im Jahr verschwendet – durch Managementfehler wie zu viel Verwaltung, Doppelarbeit und endlose Konferenzen. Zeit ist Geld: 170 Milliarden Euro pro Jahr verliert die deutsche Wirtschaft durch zeitliches Missmanagement. Dabei stehen die Deutschen im internationalen Vergleich noch gut dar: Weltweit werden 30 Prozent der geleisteten Arbeitszeit unproduktiv zugebracht.

Vielleicht sind Sie nur ein relativ kleines Unternehmen, vielleicht sogar ein Ein-Personen-Betrieb mit einer sehr überschaubaren Struktur und noch wenigen Aufträgen. Doch je höher die Umsatzzahlen Ihres Unternehmens werden, je mehr Kunden es hat und je mehr Aufträge Sie nebeneinander abwickeln müssen, sprich, je mehr Ihr Unternehmen wächst, desto wichtiger wird es, dass Sie Ihre Arbeitsorganisation im Griff haben. Denn je größer Sie mit Ihrer Firma werden, desto mehr bürokratischen Aufwand haben Sie auch. Es gilt, Forderungen des Finanzamtes abzuwickeln, Mitarbeiter einzustellen, Sie müssen mehr Akten anlegen, mehr Projekte verwalten, den Überblick über mehr Termine behalten und vieles sonst. Dann ist es gut, wenn Sie von vornherein gut organisiert und strukturiert gearbeitet haben, am besten gleich in der Anfangsphase der Gründung Ihres Unternehmens. Denn wenn sich falsche Arbeitstechniken erst einmal einschleifen, ist es hinterher umso schwerer, diese Verhaltensweisen wieder zu ändern.

Aber selbst wenn Sie vorhaben sollten, ein Kleinstunternehmen zu bleiben, ist es wichtig, dass Sie Ihr Zeitmanagement im Griff haben. Je besser Sie Ihre Zeit planen, desto mehr können Sie in der Ihnen zur

Nutzen Sie Phasen, in denen Sie wenig Aufträge haben, gezielt, um Zeitmanagementtechniken zu üben, statt nur herumzusitzen und auf neue Kunden zu warten. Dann sind Sie vorbereitet, wenn Sie plötzlich von Aufträgen und Kunden überrannt werden.

Verfügung stehenden Zeit erreichen. Schließlich hängt der Erfolg Ihres Unternehmens nicht nur von Ihrer Fachkompetenz ab: »Wer seine Arbeitsorganisation im Griff hat, hat auch sein Unternehmen im Griff«, so ein (leicht abgewandeltes) Sprichwort. Nicht ohne Grund: Denn welchen Vorteil haben Sie, wenn Sie zwar mit vielen Aufträgen gesegnet sind, aber nur wenig Geld dafür bekommen, weil Sie Ihren Zeitbedarf nicht richtig eingeschätzt und schlecht verhandelt haben? Oder was bringt es Ihnen, wenn zwar der Verdienst stimmt, Sie aber den wichtigen Termin beim Finanzamt nicht einhalten konnten? Und was haben Sie davon, wenn Sie zwar kompetent und engagiert sind, wesentliche Entscheidungen aber immer wieder aufschieben und dadurch Kunden verlieren?

Doch nicht nur die Produktivität, sondern auch Ihre Gesundheit leidet unter einem schlechten Zeitmanagement. »Natürlich«, werden Sie sagen, »jeder hat Stress, das ist heutzutage etwas völlig Normales. Wer Zeit hat, macht etwas falsch.« Tatsächlich ist es gerade unter Existenzgründern chic, mehrmals am Tag per Handy angeklingelt zu werden oder über die ständige Dauerbelastung zu klagen. Aber ist das auch sinnvoll? Tatsache ist: Wer sich nicht regelmäßige Auszeiten gönnt, bleibt auf Dauer nicht gesund und produktiv. Und damit ist der Erfolg des Unternehmens wieder gefährdet. Sorgen Sie deshalb für eine ausgeglichene Balance zwischen Arbeits- und Privatleben und trennen Sie beides – das ist als Selbstständiger gar nicht so einfach, wie Sie vielleicht schon gemerkt haben. Nur dann können Sie auf Dauer motiviert und mit Freude arbeiten.

Als Selbstständiger haben Sie bei der Gestaltung Ihrer Arbeitsorganisation einen klaren Vorteil: Sie sind nicht von den Vorgaben eines Vorgesetzten abhängig, sondern Ihr eigener Chef und können so organisieren, wie es Ihnen am besten passt. Das birgt jedoch auch einen Nachteil: Sie müssen sich selbst organisieren, niemand zwingt Sie zur Arbeit, und niemand hält Sie davon ab, zu viel zu arbeiten. Und Sie müssen alle Entscheidungen allein treffen. Das kann auf Dauer belastend sein.

Sie finden Zeitmanagementtechniken umständlich und glauben, Sie haben dafür keine Zeit? Das erscheint Ihnen nur am Anfang so. Untersuchungen zeigen, dass Sie eine Arbeitstechnik einundzwanzigmal üben müssen, bevor sie Ihnen in Fleisch und Blut übergeht. Dann machen Sie es ganz automatisch! Ihre bisherige, möglicherweise uneffektivere Arbeitsweise haben Sie ja auch irgendwann gelernt. Probieren Sie doch einfach mal etwas Neues!

Gute Arbeitsorganisation wirkt sich also gleich in mehrerlei Hinsicht auf den Erfolg Ihres Unternehmens aus. Schauen Sie sich dazu die folgenden Beispiele typischer Situationen von Selbstständigen an. Sie verdeutlichen, dass die optimale Organisation den Erfolg eines Unternehmens erheblich verbessern kann und dass Ihnen das Lesen dieses Buches dabei hilft. Vielleicht erkennen Sie sich in der einen oder anderen Situation sogar wieder.

Vor dem Lesen dieses BuchesNach dem Lesen dieses Buches Herr A. schafft es einfach nicht, sich zur Arbeit zu motivieren. Morgen, morgen ist seine Devise. Wie soll daraus noch etwas werden? Herr A. hat sich bewusst gemacht, welche Ziele er hat und was notwendig ist, diese zu erreichen. Da er jetzt weiß, was er will, fällt es ihm viel leichter, darauf zuzusteuern. Deshalb schiebt er unliebsame Arbeiten auch nicht mehr auf. Herr S. schafft es nicht, neue Kunden zu gewinnen, da er selbst nicht recht von seiner Leistung überzeugt ist. Herr S. hat seine Stärken und Schwächen analysiert und weiß nun, was er kann und was nicht. Das motiviert ihn. Frau P. ist unschlüssig, welche Aufträge Sie annehmen soll und welche nicht. Daher wirkt sie auf potenzielle Kunden oft unentschlossen und verzettelt sich bei verschiedenen Projekten. Ihr fehlt ein eindeutiges, klares Unternehmensprofil, das sie von der Konkurrenz abhebt. Frau P. hat sich ihre Ziele klargemacht und weiß nun, was Sie will. Danach sucht sie sich die Projekte aus und lehnt auch solche ab, die Ihr langfristig keinen Erfolg versprechen. Dadurch kann Sie sich mehr auf das Wesentliche konzentrieren und erledigt Ihre Arbeit besser. Frau L. ist oft müde und abgespannt. Sie arbeitet Tag und Nacht, und dennoch wird sie nicht fertig. Sie hat häufig das Gefühl, sich aufzureiben und doch nichts hinzubekommen. Frau L. hat gelernt, ihre Leistungskurve in ihren Arbeitsrhythmus einzubauen, öfter mal zu pausieren und bewusst Übungen zur Stressreduktion zu machen. Seitdem arbeitet Sie zwar weniger, aber produktiver. Herr K. vergisst häufiger Termine und verliert sehr viel Zeit beim Suchen von Adressen, wichtigen Notizen und Arbeitsmaterialien. Herr K. hat sich ein effizientes Ordnungssystem angeeignet. Jetzt fällt es ihm leichter, Sachen abzulegen und wiederzufinden. Außerdem hat er nach einigem Herumprobieren den passenden Organizer für seine Adressen und seine Terminplanung gefunden. Frau C. will, dass Ihre Kunden immer zufrieden sind. Wenn sich doch jemand beschwert, ist das ein schwerer Schlag für sie. Sie kann mit eigenen Fehlern einfach nicht umgehen. Frau C. hat gelernt, zu Kunden auch mal Nein zu sagen. Außerdem sieht sie Beschwerden nun als konstruktive Kritik, seit sie gelernt hat, mit Fehlern umzugehen. Herr F. fühlt sich von der täglich auf ihn einstürmenden Arbeit schlicht überfordert: seine eigentliche Arbeit absolvieren, die Buchhaltung erledigen, Kundentelefonate entgegennehmen, in der Branche stets auf dem neuesten Stand bleiben – das kriegt er einfach nicht hin. Herr F. hat einen Mitarbeiter auf 400-Euro-Basis eingestellt, an den er einfache Arbeiten delegiert. Außerdem hat er die Bürokratie vereinfacht und weiß nun besser mit der täglichen Informationsflut aus Zeitungen, Branchenzeitschriften, Fachbüchern und E-Mails umzugehen. Für Kunden ist er nur noch eingeschränkt erreichbar. Frau N. braucht sehr lange, um Entscheidungen zu fällen. Steht die Entscheidung endlich, denkt Sie häufig noch lange darüber nach. Frau N. hat systematische Entscheidungsfindungsmethoden für sich entdeckt. So kann sie sich ihren Entscheidungsprozess verdeutlichen. Und auch hinterher ist sie nun nicht mehr unsicher, sondern kann sich klarmachen, dass die Entscheidung wohlüberlegt war.

»Proudfoot Productivity Report 2006« unter »News und Publications«.

2. Motivation – Finden Sie heraus, was Sie bewegt und antreibt

Motivation ist sicherlich der emotionalste Teil der Arbeitsorganisation eines Selbstständigen. Aber da Sie nun einmal ein Mensch und keine Maschine sind, ist er umso wichtiger. Motivation kommt vom lateinischen »movere« und heißt etwas bewegen. Motivation ist die Antriebskraft für Bewegungen und Handlungen. Aber diese Kraft benötigt wie ein Motor permanent Kraftstoff, um weiter vorwärtszukommen. Diesen Kraftstoff findet jeder sowohl in sich selbst als auch in seiner Umwelt. Aus innerem Antrieb heraus entstehen die Wünsche, etwas zu tun. Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang von intrensischer Motivation. Doch niemand agiert im luftleeren Raum, andere Menschen und Erfahrungen beeinflussen die eigene Einstellung und das Verhalten. Die intrensische Motivation wird also auch von äußeren Faktoren beeinflusst – das ist die sogenannte extrensische, also von außen kommende Motivation. Zu diesen Faktoren zählen neben vielen anderen auch finanzielle Anerkennung und Lob. So ist es zum Beispiel wunderbar, wenn Ihnen die Arbeit Spaß macht, doch wenn Bezahlung oder Anerkennung zu wünschen übrig lassen, werden Sie sich wahrscheinlich fragen, ob die Anstrengungen sich lohnen und warum Sie das eigentlich auf sich nehmen.

Wenn alles gut läuft, Sie Erfolg haben und zufrieden sind, läuft der Motor wie von selbst, ohne dass Sie es merken. Denn dann werden die Reserven immer wieder durch die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse und die Bestätigung von außen aufgetankt, der Erfolg selbst wirkt als Antriebskraft. Leider läuft oftmals gerade bei einer Existenzgründung so manches schief. Das können kleinere Probleme sein, wie einzelne Kunden, die sich über Ihre Leistung beschweren oder ein defekter Computer, der Kosten verursacht. Manchmal sind es aber auch gewichtigere, existenzbedrohende Probleme, etwa dass dauerhaft Kunden wegbleiben oder das Finanzamt eine größere Steuernachzahlung verlangt, weil Ihr Steuerberater sich geirrt hat. In jedem Fall hat Ihre Handlung nicht zum gewünschten Erfolg, sondern zu einem Misserfolg geführt. So etwas ist nicht schön, kommt aber häufiger vor, als die meisten Unternehmer zugeben wollen. Wie Sie auch aus solchen Misserfolgen Vorteile ziehen, erfahren Sie in einem späteren Kapitel. Zunächst geht es darum, dass Sie sich nicht demotivieren lassen. Natürlich ist, zumal bei schwerwiegenden Problemen, häufig die Versuchung groß, die Selbstständigkeit wieder aufzugeben. In manchen Fällen mag das durchaus sinnvoll sein. Doch viele Miseren lassen sich mit einer guten Planung und Umsetzung lösen oder von vornherein ganz vermeiden. Um dies jedoch engagiert und ohne zu zögern angehen zu können, ist es wichtig, dass Sie einige Motivationsmechanismen kennenlernen. Die sind genau dann abrufbar, wenn Stressfaktoren Sie zu demotivieren drohen.

Abbildung 1: So wirkt Motivation

Ziele setzen

Was immer Sie als Selbstständiger tun, tun Sie in der Regel, weil Sie etwas erreichen wollen. Dieses Ziel bildet als Motiv Ihres Handelns die Grundlage Ihrer Motivation. Manche Menschen sind bei der Festlegung ihrer Ziele unentschlossen und haben in Anbetracht der verschiedenen Möglichkeiten Angst, sich festzulegen und dadurch später eine bessere Gelegenheit zu verpassen.

Natürlich – wenn Sie sich keine Ziele setzen, sind Sie auch nie auf dem falschen Weg. Der Antiquitätenhändler etwa muss sich dann keine Sorgen machen, ob die richtigen Kunden in sein Geschäft kommen, er kann einfach alle Kunden bedienen. Aber Sie sind auch nie auf dem richtigen Weg. Ziele dienen der Fokussierung Ihres Handelns auf das Wesentliche. Und wenn der Händler sich nur auf eine Zielgruppe festlegt, muss er zwar einige Kunden abweisen, kann aber seine Zielgruppe mit geringerem Aufwand viel effektiver bedienen und dadurch seinen Kundenkreis auch erweitern.

Ein Antiquitätenhändler verkauft gebrauchte Möbel. Einige wenige Kunden sind wohlhabend und in der Lage, viel Geld in qualitativ hochwertige und teure Möbel zu investieren. Daneben hat er aber viele andere Kunden, die nur sehr billige gebrauchte Möbel kaufen können. Natürlich ist es möglich, beide Kundengruppen nebeneinander zu bedienen. Aber Lagerraum für so viele verschiedenartige Möbel ist teuer, und jede der beiden Zielgruppen erfordert andere Werbemaßnahmen, was wiederum mehr Zeit und Geld kostet. Es wäre daher besser, wenn der Händler sich nur auf eine der beiden Zielgruppen festlegen würde, um deren Wünschen so gut wie möglich zu entsprechen.

Welche Ziele Sie sich bei Ihrer Existenzgründung setzen, hängt im Wesentlichen von Ihren Bedürfnissen ab. Dabei gibt es keine richtigen oder falschen, guten oder schlechten Motive. Entscheidend ist allein, was Sie wollen: Möchten Sie sich selbst verwirklichen? Wollen Sie unabhängig sein? Ist Ihr Ziel, viel Geld zu verdienen? Oder wünschen Sie sich Anerkennung von anderen und die Macht als Chef? Um sich über Ihre Wünsche und Bedürfnisse klar zu werden, nutzen Sie am besten eine persönliche Zielscheibe, wie Sie auf Seite 23 finden. Sie zeigt Ihnen, welche Motive bei Ihrer Selbstständigkeit eine wichtige Rolle spielen, und verdeutlicht Ihnen, wo Ihre persönlichen Ziele liegen.

Die Zielscheibe besteht aus fünf Kreisen: Der innerste schwarze Kreis bedeutet, dass Sie sehr unzufrieden sind. Der äußerste weiße Kreis bedeutet, dass Sie sehr zufrieden sind. Dazwischen gibt es Abstufungen – halbwegs zufrieden heißt beispielsweise, dass Sie mit der Situation gerade noch klarkommen. Um den Kreis herum sehen Sie die sechs Themen, um die es Ihnen bei Ihrer Zielsetzung geht. Drei davon betreffen direkt Ihr Berufsleben: Sind Sie persönlich mit Ihrem Job zufrieden, füllt Sie Ihre Tätigkeit aus? Fühlen Sie sich finanziell abgesichert, ist Ihre Existenz gesichert? Fühlen Sie sich von anderen beruflich genug anerkannt, üben Sie genug Einfluss aus, um durchsetzen zu können, was Sie wollen? Aber auch das Privatleben als Ausgleich zum anstrengenden Alltag als Selbstständiger spielt eine Rolle: Haben Sie die Zeit, die Sie für sich brauchen, etwa zum Entspannen? Sind Sie gesund, oder hat die Arbeit negative Auswirkungen auf Ihre Gesundheit? Haben Sie ein soziales Leben, Freunde, Bekannte, Familie, Partner, mit denen Sie regelmäßig etwas unternehmen?

Ziehen Sie nun vom Zentrum des Kreises gerade Pfeillinien in Richtung des jeweiligen Themas – aber immer nur bis zu dem Kreis, der Ihrem Zufriedenheitsgrad entspricht. Dabei geht es ganz allein um Ihre persönliche Zufriedenheit. Wenn Ihre finanzielle Situation beispielsweise prekär ist, Sie aber finden, dass Sie genug Geld haben, oder wenn Sie zwar keinerlei Anerkennung von anderen bekommen, Ihnen das aber völlig egal ist, können Sie den Pfeil ruhig bis »sehr zufrieden« ziehen. Wenn Sie umgekehrt fünf Stunden am Tag mit Ihren Kindern verbringen, aber finden, dass Sie noch mehr Zeit für Ihre Familie haben müssten, kommt der Pfeil eben nicht über den ersten oder zweiten Kreis hinaus. Verbinden Sie jetzt alle Pfeilspitzen miteinander – je eiförmiger der Kreis ist, desto mehr Zielvorgaben haben Sie, in den Bereichen mit geringerem Zufriedenheitsgrad die höchste Zufriedenheit zu erreichen. Und auch wenn Ihr Kreis ganz rund ist, besteht Ihr Ziel darin, die jeweilige Zufriedenheit zu erhalten.

Aber es reicht nicht, nur ein abstraktes Ziel zu formulieren, etwa: Ich werde Millionär. Wichtig ist, dass das Ziel vorstellbar, beschreibbar und formulierbar ist und dass Sie wissen, was Sie zum Erreichen dieses Ziels tun müssen. Sonst haben Sie kein Ziel, sondern lediglich einen Vorsatz. Sie sollten daher Ihre Ziele schriftlich, ambitioniert und positiv, aber auch realistisch und so konkret wie möglich abfassen. Dazu gehört auch, dass Sie das Erreichen des Ziels terminieren. Legen Sie einen realistischen Zeitpunkt fest, bis wann Sie Ihr Ziel beziehungsweise einzelne Etappen erreicht haben wollen. Sie können dann daran direkt Ihren Erfolg messen, oder Sie wissen, dass noch Handlungsbedarf besteht.

Abbildung 2: Persönliche Zielscheibe

Wenn Sie sich Ziele setzen und diese erreichen, motiviert Sie das Erfolgserlebnis, sich wieder neue Ziele zu setzen.

Ungenauigkeit bei der Zielformulierung bringt Sie nicht weiter. Wenn Sie beispielsweise schreiben: »Ich will viel Geld verdienen«, ist das eine sehr vage Formulierung. Wie viel Geld ist »viel Geld« für Sie? Ist es wirklich möglich und realistisch, dass Sie diese Summe verdienen? Bedenken Sie auch, was Sie dafür aufwenden müssen. Wenn Sie zwar mit der Selbstständigkeit viel Geld verdienen, aber gleichzeitig weniger arbeiten wollen als bisher, besteht ein Zielkonflikt. Sie müssen nun abwägen, was Ihnen wichtiger ist. Mit einer möglichst genauen Formulierung lösen Sie das Dilemma: »Ich arbeite im ersten Jahr etwas mehr, bis mein Unternehmen etablierter ist. Aber dann möchte ich weniger arbeiten.« Oder: »Ich möchte zwei Stunden am Tag mehr Zeit für meine Kinder haben und daher weniger arbeiten. Die finanziellen Einbußen nehme ich in Kauf.« Schon haben Sie den Zielkonflikt gelöst. Ziele sind also etwas Positives. Damit Sie aber nicht von hochgesteckten Zielen abgeschreckt werden, ist es sinnvoll, das Ziel in mehrere kleinere Etappen aufzuteilen – wie eine Salami, die Sie in Scheiben schneiden. Daher heißt diese Vorgehensweise auch Salamitechnik.

Formulieren Sie zunächst das Ziel. Anschließend überlegen Sie, welche Zwischenziele dorthin führen und was Sie dafür tun müssen, diese Zwischenziele zu erreichen. Diese Handlungen setzen Sie dann in die Tat um. Wichtig ist, dass Sie zumindest das jeweils nächste Zwischenziel für erreichbar halten. Am besten arbeiten Sie wieder schriftlich. Um sich einen besseren Überblick zu verschaffen, können Sie die Ziele in einzelne Kategorien aufteilen, etwa langfristige und kurzfristige Ziele, Tages- oder Wochenziele – wie in diesem Beispiel gezeigt.

Langfristige ZieleMaßnahmenWann zu erreichen? Ich will 30.000 Euro im Jahr verdienen und gleichzeitig einen gesunden Ausgleich zwischen Arbeit und Privatleben erreichen. Ich arbeite zunächst mehr, um die Kunden von meiner Leistung zu überzeugen. Ich mache mein Produkt bekannter, sodass es zur Marke wird. In 5 Jahren … … … Mittelfristige ZieleMaßnahmenWann zu erreichen? Ich verdiene 15.000 Euro im Jahr. Ich investiere in eine bessere technische Ausstattung und einen besseren Kundenservice. Ich investiere in Werbung. In den nächsten zwei Jahren … … … Kurzfristige ZieleMaßnahmenWann zu erreichen? Zehn neue Kunden Ich führe Werbeaktionen auf den zwei wichtigsten Branchenmessen durch und schalte Anzeigen in wichtigen Tageszeitungen. Ich stelle zwei neue Mitarbeiter für den Service ein. Im kommenden Jahr … … …

Es wäre jedoch ein Fehler zu glauben, Ziele seien starr und unabänderlich. Ziele können sich ändern. Wenn Sie ein Ziel erreicht haben, können Sie natürlich erst einmal zufrieden mit sich sein. In der Zwischenzeit hat sich die Welt aber weitergedreht: Sie haben neue Erfahrungen gemacht, und Ihre Bedürfnisse haben sich verändert. Und auch Ihre Kunden haben immer wieder andere, neue Wünsche. Sie sollten daher Ihre Bedürfnisse mit der oben dargestellten Methode wenigstens einmal pro Jahr überprüfen und Ihre Ziele bei Bedarf neu definieren. Das kann bedeuten, dass Sie sich ganz neue Ziele setzen, aber auch, dass Sie bestehende Ziele aufgrund von Erfahrungen modifizieren.

Auch wenn Sie hoch motiviert sind und alles, wirklich alles für Ihr Unternehmen getan haben – manchmal stellt sich der Erfolg einfach nicht ein. Denn selbst wenn man mit Motivation, Planung und einer optimalen Umsetzung die Weichen in die richtige Richtung selbst stellen kann, gehört immer auch etwas Glück zum Erfolg. Die Angst vor dem Misserfolg darf Sie auf keinen Fall davon abhalten, es zu versuchen. Wenn Sie jedoch feststellen, dass Sie anhaltend keinen Erfolg haben, sollten Sie Ihre Zielsetzung überdenken: Vielleicht ist das Ziel zum jetzigen Zeitpunkt oder überhaupt nicht umsetzbar – einfach wegen der widrigen Umstände, an denen Sie nichts ändern können. Natürlich ist es zunächst frustrierend, sich von einem Ziel zu verabschieden. Aber wenn Sie etwas Abstand gewonnen haben, ist es das Beste, die Niederlage sportlich und sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Stecken Sie sich ein neues Ziel.

Am Anfang wollten Sie als Selbstständiger vielleicht erstmal genug Geld zum Leben verdienen. Wenn Sie merken, dass es gut läuft, steigen vermutlich Ihre finanziellen Ansprüche. Sie wollen nun Summe X verdienen. Damit definieren Sie ein neues Ziel, abgeleitet aus Ihren veränderten Bedürfnissen.

Herr G. will in der Herstellung von Halsbändern für mexikanische Zwergnackthunde nach umfangreichen Analysen eine Marktlücke entdeckt haben und ist bereit, alles dafür tun, um damit viel Geld zu verdienen. Er stellt besonders exklusive und besonders preisgünstige Halsbänder her, besucht Tierheime und Ausstellungen, spricht Hundezüchter direkt an, baut ein Informationsportal im Internet auf und schreibt ein Buch. Doch er hat einfach Pech: Die Hunderasse ist gerade im Aussterben begriffen, der Import wird verboten, die Hunde sind plötzlich unpopulär. Schließlich gibt Herr G. auf und verschenkt seine Halsbänder übers Internet. Und plötzlich werden die Teile als extravaganter Armschmuck der Renner der Saison und Herr G. kommt mit der Produktion kaum noch nach. Dieser Erfolg war natürlich vollkommen ungeplant.

Es ist zwar wichtig, das Ziel im Auge zu behalten, jedoch sollten Sie dabei nicht stur und verbissen geradeaus schauen, sondern auch mal einen Blick nach links und rechts werfen. Denn auch am Wegesrand warten Chancen, die Sie wahrnehmen können, ohne Ihr Ziel aus den Augen zu verlieren.

Ziele im Auge behalten

Ihre Ziele im Auge zu behalten, ist jedoch nicht immer einfach. Im Tagesgeschäft muss jeder Selbstständige Kompromisse und Abstriche bei seinen eigenen Vorstellungen machen. Statt am Willen des Chefs müssen Sie sich nun an den Wünschen der Kunden orientieren. Oder Sie merken, dass Sie Ihre Ziele zwar erreichen, das Ergebnis in der Realität aber nicht genau Ihren Vorstellungen entspricht. Das alles kann frustrieren, und darüber kann man auch schon mal vergessen, welches Ziel man eigentlich verfolgt. Schließlich fragen Sie sich: »Warum tue ich mir diesen Stress eigentlich an?« oder »Warum habe ich mich überhaupt selbstständig gemacht?«

Schütten Sie nicht das Kind mit dem Bade aus, nur weil ein paar Dinge nicht optimal laufen. Vergegenwärtigen Sie sich lieber, wie viele Ihrer Wünsche Sie durch die Selbstständigkeit bereits verwirklichen können. Was können Ihnen einige Punkte, die nicht so geklappt haben, schon anhaben?

Es gab vermutlich gute Gründe, warum Sie den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben. Und die sollten Sie nicht vergessen. Auch nicht, wenn Sie im Laufe Ihrer Selbstständigkeit auf das eine oder andere demotivierende Problem stoßen; auch nicht, wenn Ihnen die Sache über den Kopf zu wachsen droht. Halten Sie sich immer vor Augen, warum Sie sich so entschieden haben. Zu Anfang Ihrer Gründung sind Sie vielleicht noch relativ euphorisch und optimistisch, im Laufe der Zeit stumpft diese Begeisterung erfahrungsgemäß durch die Alltagsroutine mit ihren größeren und kleineren Problemen ein wenig ab.

Nutzen Sie die Anfangsstimmung, um sich eine Liste Ihrer guten Gründe anzulegen. Achten bei der Formulierung darauf, dass Sie sich klarmachen, warum Sie sich bewusst für diese Möglichkeit entschieden haben – denn niemand hat sie gezwungen, sich selbstständig zu machen. Schreiben Sie also nicht: »Ich bin arbeitslos, mir bleibt keine Wahl«, sondern: »Ich will nicht länger arbeitslos sein, sondern wieder etwas Sinnvolles tun/mich nicht mehr von der Arbeitsagentur gängeln lassen/mich selbst verwirklichen« usw. Sie werden sehen, dass auf diese Weise die Formulierungen gleich viel positiver und motivierender klingen und Ihre Existenzgründung als das darstellen, was sie ist – das Ergebnis einer bewussten Entscheidung, die so falsch nicht gewesen sein kann, selbst wenn ein paar Probleme auftreten.

Um sich das immer wieder zu verdeutlichen, sollten Sie die Liste an einem sicheren Ort aufbewahren. Und wenn Ihnen später die Arbeit über den Kopf wächst, Sie Geldsorgen haben oder Ihre Kunden sich über Fehler beschweren (alles Probleme, die bei Selbstständigen auftreten können, aber nicht müssen), holen Sie diese Liste hervor und vergegenwärtigen Sie sich erneut, weshalb Sie selbstständig sind. Und haken Sie all die Aspekte ab, die sich durch die Selbstständigkeit erfüllt haben. Solch eine Liste könnte etwa so aussehen (natürlich können und sollten Sie noch weitere Punkte hinzufügen):

Checkliste: Warum haben Sie sich selbstständig gemacht?