Septembermeer - Gabriela Jaskulla - E-Book

Septembermeer E-Book

Gabriela Jaskulla

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Beschreibung

Inseln haben etwas Magisches. Das erfährt auch das Buchhändlerehepaar Svea und Daniel, als es in dem kleinen Ostseehafen anlegt. Es begegnet einer eingeschworenen Gemeinschaft. Die wortkargen Fischer, der hochbegabte junge Tänzer und seine wilde, kleine Schwester, der Tierarzt und die greise Fotografin, die Intellektuelle aus der Großstadt – so unterschiedlich sie alle sind, sind sie doch auf eine besondere Art miteinander verbunden. Aber welche Rolle spielt der unheimliche Fremde mit seinem Raben?
Als der Sommer sich langsam verabschiedet und die Insel beginnt, sich auf den Herbst vorzubereiten, müssen Insulaner und Neuankömmlinge sich plötzlich gemeinsam beweisen – in einem Sturm, bei dem es um alles geht.
Ein Roman über eine Insel im Spätsommerlicht, über Menschen zwischen Aufbruch und Abschied.

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Ein Segelboot im Sturm. Wieder irgendwelche unerfahrenen Landratten, die sich bei einem solchen Unwetter aufs Meer hinauswagen! Die Bewohner der kleinen Ostseeinsel können nur ungläubig den Kopf schütteln. Sie ahnen nicht, dass ihre verschworene Gemeinschaft durch die beiden Schiffbrüchigen bald gehörig aufgemischt wird: Die umtriebige Svea und der stets zögerliche Daniel wollen auf der Insel einen Neuanfang wagen – und Teil dieses neuen Lebensglücks soll eine Buchhandlung sein. Eine Buchhandlung? Hier? Überhaupt stellt die Neue viel zu viele Fragen, und er fotografiert alles und jeden, der ihm vor die Linse kommt. Doch die Neugier siegt! Es kommt zu ersten zögerlichen Annäherungen und ersten Freundschaften. Alles scheint sich zu fügen, bis etwas geschieht, womit niemand jemals gerechnet hätte …

Gabriela Jaskulla wurde 1962 in Franken geboren, wuchs in Hessen auf, lebte in Spanien, liebt Hamburg, kleinere Inseln und lebt heute bei Berlin. Sie ist Kunsthistorikerin und Journalistin, arbeitete siebzehn Jahre für den Rundfunk und lehrt Kulturjournalismus und Kreatives Schreiben an der Hochschule in Hannover.

eBook Insel Verlag Berlin 2016

Der vorliegende Text folgt der 1. Auflage der Ausgabe des insel taschenbuchs 4450.

Originalausgabe

© Insel Verlag Berlin 2016

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Übersetzung, des öffentlichen Vortrags sowie der Übertragung durch Rundfunk und Fernsehen, auch einzelner Teile.

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Umschlag: Rothfos & Gabler, Hamburg

September

Der Wind riskiert

Einen Tanz auf dem Sand

Kaum, dass es hell ist.

Der Wind zeigt, wo's langgeht,

Die Fische ziehen Leine: so unruhig das Wasser,

So wirbelig die See im September.

Gegen Mittag beruhigen sich Luft, Ufer und Wasser,

Legt sich Stille über den Strand.

Und die Sonne ist müde vom Sommer,

Gegen Mittag schaut sie sich um

1.

Sie sah Daniel durch den Regen nur undeutlich, er tauchte auf und verschwand hinter Schnüren aus Wasser. Die Wasserschnüre verdichteten sich, und das Wasser wurde ein Schwall, schwer und gewalttätig, und dann knallte der Regen mit einer Peitsche, die man nicht sah. Die Regenpeitsche schlug ihr ins Gesicht, und die Regenschläge machten, dass sie die Augen schließen musste. Gern, nur zu gern, hätte sie die Augen gar nicht wieder geöffnet, denn, obwohl es erbärmlich kalt war und ihr die Hose und die dicke Wetterjacke längst am Leib klebten wie schwere, sinnlose Lappen, hätte sie sich so sehr gewünscht, ein wenig zu schlafen. Nur ein ganz kleines bisschen, sagte sie sich – aber dann riss sie die Augen wieder auf, krallte die Arme noch fester um die Pinne, wischte mit einem Ärmel über den wild ausschlagenden Kompass vor sich und versuchte, Kurs zu halten, irgendwie, irgendwie aus diesem Strudel herauszukommen.

Sie sah Daniel, der auf dem Vordeck hin und her sprang, der versuchte, das Großsegel noch weiter zu reffen, der auf dem schwankenden Deck nach Halt tastete, hierhin und dorthin griff, der sich umschaute – nach was, nach ihr? –, um hinter dem nächsten Regenschleier wieder undeutlich zu werden, zu verschwimmen.

»Daniel?«

Sie sah Daniel und rief ihn, aber er hörte sie nicht, natürlich nicht. Es war idiotisch, hier herumzuschreien. Sie sollte sich lieber auf ihre Arbeit konzentrieren. Jeder hatte seinen Part auf so einem Schiff. Auch bei Sturm. Auch in einem Notfall. Gerade dann. Die »Selma« ächzte und krängte.

Die »Selma« war für diese Art von Wetter nicht gemacht. Das schwere Boot war in Holland gebaut, es sah aus wie ein alter Kahn, rund und gemütlich, dabei hatte die »Selma« erst zehn Jahre auf dem Buckel, als sie sie vor ein paar Jahren gebraucht von der Werft geholt hatten – ein dickliches, gut gelauntes Bootskind, ein wenig unhandlich, aber sehr gutmütig, mit dem sie erst einmal die Kanäle und das ruhige Wasser vor der niederländischen Küste erkundet hatten. Für behagliches, holländisches Sommerwetter war die »Selma« gemacht. Für Kanäle und Grachten, für den flachen Bodden auf dem Darß bei Rostock, auch, um gemächlich die Küstenlinie abzusegeln. Um sich Zuhause von außen anzusehen, wie Daniel sagte. Ein Boot, mit dem man langsamer war als die meisten anderen. Ein Boot, mit dem man mehr sah.

Daniel liebte dieses Schiff. Sie hatte, das wusste er selbst, zu viel Geld dafür bezahlt, weil er sich auf den ersten Blick verliebt und darüber vergessen hatte, dass mit den cleveren holländischen Bootsbauern erst einmal verhandelt werden musste. Nach zwei Jahren hatte er die Deckaufbauten liebevoll restauriert, hatte von Hand die aufwendigen Schnitzereien auf dem Kajüthaus ausgebessert, die Beplankung des Decks erneuert, hatte zwei lange Winter hindurch in einer ungeheizten Bootshalle den runden, stählernen Schiffsrumpf von Algen und Schnecken befreit, den alten Farbanstrich abgeschliffen und neu gestrichen, immer und immer wieder. Für das Weihnachtsgeschäft war Daniel zweimal ausgefallen. Zweimal hatten sie sich deshalb gestritten, schon kurz nach Erntedank war das losgegangen, über den Martinstag bis in den Advent.

»Diesmal werden wir endlich Frieden im Advent haben«, hatte Daniel fast feierlich gesagt, bevor sie, viel zu spät im Jahr, losgesegelt waren. »Du wirst sehen: Wenn wir erst einmal auf der Insel angekommen sind, wird es uns bessergehen. Uns beiden.«

Dass Daniel etwas zweimal sagte, dass er etwas wiederholte, um es zu betonen oder um sicherzugehen, dass sie ihn auch verstand, kam selten vor. Meistens war er zu schnell. Nicht nur zu schnell für sie – für jedermann. Ein zappeliger, silbriger Fisch, so kam er ihr vor, ihr dünner, hyperintelligenter Mann. Der ungeduldigste Buchhändler, den sie kannte, verträumt und belesen. Plötzlich schossen ihr die Tränen in die Augen. Daniel. Da zappelte er herum, versuchte das Boot zu retten und sie beide. Und zappelte doch nur, wie er immer zappelte, wie er sich durchs Leben zappelte, unruhig, unsicher. Svea hatte Angst um ihn. Auf einmal fürchtete sie nur noch um ihn.

»Daniel?«

Er winkte ihr von Backbord zu. Ein gewaltiger Schub erfasste das Boot von hinten, hob es kurz an und ließ es krachend wieder aufs Wasser fallen. Svea versuchte, ihre Füße rechts und links unter der Sitzbank zu verkeilen. Sie warf sich mit dem Oberkörper über die Pinne, die ausschlagen wollte. Das musste sie verhindern. Sie durfte nicht zulassen, dass sie den Kurs verloren, dass das Schiff womöglich quer schlug, sich ungünstig zum Wind und zu den heranbrausenden Wellen stellte. Dann würden die Brecher in das Schiff schlagen, das Boot würde im Handumdrehen volllaufen, und sie wären verloren.

Svea klammerte sich an die Pinne, sie würde nicht loslassen, jetzt nicht, überhaupt nicht, nie mehr. Ihre Fingernägel brachen, aber sie merkte es nicht, irgendwo hatte sie sich einen Riss in der Jacke geholt, aber was machte das schon. Svea biss die Zähne zusammen, dass es schmerzte. Nirgends eine Markierung, nirgends ein Anzeichen für Land, für Sicherheit. Eine neue Böe packte das Schiff. Svea machte sich so schwer wie möglich, sie legte ihr ganzes Gewicht auf die Pinne. Die Haare troffen und hingen ihr ins Gesicht, und Svea fluchte, weil sie kaum die Nadel auf dem Kompass erkennen konnte. Svea klammerte sich fest, noch fester, in ihrem Kiefer knackte es. Und wenn sie untergingen, dann würde sie untergehen, aber mit der Pinne in der Hand. Das Wasser rann ihr in den Kragen, suchte sich einen Weg ihren Körper hinunter, bald spürte sie die Beine nicht mehr, so kalt war es, und wenn sie einmal den Kopf hob, straften sie Regen und Wind mit wütenden Hieben. Im Sturm zeigte das Meer, was es von den Menschen hielt – gar nichts. Es zeigte, wie überflüssig sie waren, wie winzig, wie schwach. Im Sturm zeigte sich, welche Verbündeten der Mensch in der Natur hatte – niemanden, nur den eigenen Hochmut.

Nicht nachdenken, sagte sich Svea, Nachdenken kostet Kraft. Wer nachdenkt, gibt auf. Konzentrieren auf den Kurs. Nord-Nordost, Richtung Gedser. Den Hafen auf der Insel Falster mussten sie anlaufen, sie konnten nicht kreuzen und zum Festland zurück. Sie mussten diese Darßer Schwelle überwinden, unbedingt, koste es, was es wolle.

Eigentlich war Svea der bessere Segler von ihnen beiden. Sie hatte mehr Erfahrung, sie war schon als Kind an jedem Wochenende mit den Eltern auf dem Wasser gewesen. Auf dem Wasser sein – so nannte man das in ihrer Gegend untertreibend, so, wie man bei stürmischem Wind sagte: Es weht. Und bei Regen: Es wird nass von oben.

Ihre Gegend, das war die Kieler Förde. Da wohnten sichere, nüchterne Menschen in sicheren, nüchternen Häusern. Bloß kein Gedöns machen. Um gar nichts. Auch die Stadt machte kein Aufhebens von sich, stand eben da, funktionierte. Die Menschen lebten zum Wasser hin, da kümmerte es sie nicht, dass keine Blumen gediehen, dass ihre Stimmen zwischen den schmucklosen Bauten in den grauen Gassen hallten, dass die Wege weit waren und die Feste selten.

Auf dem Wasser allerdings ging es an warmen Wochenenden zu wie auf dem Spielplatz in irgendeiner bürgerlichen Gegend: bunt und voll – aber ordentlich und aufgeräumt. Die vielen Freizeitkapitäne kannten sich, man grüßte einander, wenn sich die Schiffe begegneten, und an Land half man sich mit mancher Handreichung. Die Frauen konkurrierten sanft mit selbstgebackenen Kuchen, und die Männer tauschten sich über die beste Takelage und das sicherste Antifouling aus.

Svea war schon als Kind gern dabei. Sie hatte keine Angst auf dem Wasser, und sie liebte ihr Schiff, ein kleines Folkeboot. Später, als der Vater befördert worden war, waren mit seinem Arztgehalt in der Klinik auch die Boote gewachsen; so war das in ihrer Gegend, man kaufte keinen größeren Wagen, sondern das bessere Boot, und klaglos räumten die Frauen das gesamte Schiffsinventar um, die Decken und Tücher, die Takelage und das Werkzeug, den Hausrat und die vielen Vorräte. Die Kuchen wurden jetzt vom Caterer geliefert, statt Rezepten tauschte man die Adressen der besten Lieferanten aus. So ging das bis zum nächsten Gehaltssprung. Und bis zum nächsten Boot. Bis es ihrer Mutter eines Tages doch zu viel wurde. Da war sie von Bord gegangen. So hatte es ihr Vater ausgedrückt. Sie hatte ihn verlassen. Ihren Mann und die beiden Kinder. Während einer Bootsmesse, wie der Vater mit galligem Humor feststellte. Der Mann, den sie dort kennengelernt hatte, hatte beobachtet, wie sie an einem Kaffeestand in der Ausstellungshalle Cappuccino getrunken und dabei so wütend in der Tasse gerührt hatte, dass es durch all den Messelärm zu hören gewesen war. Das hatte dem Fremden imponiert. Eine Frau, die ihre Wut in einer Cappuccino-Tasse unterbringen und sich doch Gehör verschaffen konnte! Eine Frau, die Musik aus Wut macht oder aus Wut Musik! Der Mann war Musiklehrer und hatte eine poetische Ader. Er lebte in Köln. Jetzt wohnte er schon seit Jahren mit der Mutter, und die Mutter lernte Percussion und gewöhnte sich einen rheinischen Singsang an.

Seitdem waren der Vater und die beiden Kinder allein. Und seitdem hasste Svea das Segeln. Das heißt, eigentlich hasste sie es nicht – sie misstraute ihm nur. Sie glaubte nicht mehr daran, dass das Segeln eine Familie oder überhaupt Menschen einen konnte. Sie hielt nichts von all dem romantischen Schmöckes, wie sie es nannte. Aber sie segelte nur umso besser. Sie nahm die Boote richtig ran. Sie war rücksichtslos, und sie gewann manche Regatta. Und nun waren es ausgerechnet ihr Mut und ihre Erfahrung gewesen, die sie in diese verzweifelte Lage gebracht hatten.

Denn Daniel, das war klar, hätte den Hafen von Wismar heute Morgen nicht verlassen. Zweifelnd hatte er sie angesehen, nachdem sie den Wetterbericht gehört hatten. Aber Svea hatte losfahren, mehr noch, sie hatte ankommen wollen. Etwas hatte sie gepackt, hatte sie gereizt. Vielleicht nur, dass Daniel so unentschieden war, so schwankend, dass er, während er schon am Morgen rasend auf sie einredete, immer wieder ein fragendes »Meinst-du-wirklich-Svea?« einflocht, das sie schon im Alltag verrückt machte und nun erst recht. Daniel mit seinen vielen Ideen, die in seinem Kopf durcheinanderwirbelten. Vielleicht hatte sie ihn herausfordern wollen. Oder sich. Oder dieses gutmütige, behäbige Boot, dessen Rumpf rundlich und glatt war, das an den Seiten schwere Holzblätter hatte, Schwerter, die Daniel jetzt zu sichern suchte, weil sie ohnehin zu nichts mehr taugten in dieser tobenden, brodelnden See. Vielleicht hatte sie das Schiff herausfordern wollen. Oder gleich diese verdammte Ostsee.

Und nun saßen sie auf dieser Darßer Schwelle fest. So ungefähr jedenfalls. Da mussten sie sich befinden. Sie kämpften, sie stürmten – rasend, ohne vorwärtszukommen. Die Darßer Schwelle. Sie hatte den Ausdruck schon als Kind gemocht, die Vorstellung, dass mitten im Meer eine Schwelle, eine Stufe sein sollte. Dabei war es eher eine Untiefe, das Wasser unter ihnen war nur etwa zwanzig Meter tief, kein richtiges Meer, sondern Brackwasser, und das war auch das Merkwürdige an dieser Stelle: So viel Süßwasser strömte hier aus dem Regen und von Land in die Ostsee, dass das schwerere Salzwasser immer nach unten sank, während das Süßwasser oben blieb. Oben Binnengewässer mit Süßwasser, unten Ozean. Ein Meer in Schichten, wie eine Torte – aber mit Schichten, die sich hin und her bewegten, die wogten, die auf und nieder gingen. Und trotzdem vermischte sich das alles nie richtig. Salzwasser und Süßwasser mochten sich nicht, so hatte es sich Svea als Kind vorgestellt, die kämpften eher gegeneinander, die rangen miteinander. Und auch wenn die Verhältnisse unter ihr mit dem Sturm nichts zu tun hatten – Svea hatte die Meerenge immer verdächtig gefunden. Unharmonisch war die See hier, unausgeglichen, ein launisches, hässliches Biest.

Wieder ein Brecher von hinten. Wieder machte das Boot einen Satz. Ihr Knie schmerzte. Das war der Sockel des Kompasses gewesen. Für einen Augenblick nur lockerte Svea ihren Griff, aber sofort kämpfte das Ruder gegen sie, schlug aus, schlug gegen ihren rechten Arm, schlug zurück, sie drehten sich, Wasser brach über sie herein, etwas knirschte, etwas riss, etwas barst, etwas schepperte. Svea schrie auf.

Das Kajütfenster hatte es erwischt. Und, schlimmer noch, die Pinne. Sie war gebrochen, ein sinnloser Stummel schlug wild hin und her, während die andere Hälfte nicht zu entdecken war. Alles aus Holz, alles handgemacht. Jetzt waren sie so gut wie manövrierunfähig, und die Maschine, die Daniel zur Unterstützung angeworfen hatte, war lächerlich schwach. Ihr Tuckern war beim Lärmen des Sturms nicht zu hören. Auch die Maschine würde sie nicht retten.

Plötzlich hörte sie Daniel schreien. Sie hob den Kopf und sah in seine Richtung oder dahin, wo sie ihn vermutete – und dann entdeckte auch sie die Hafeneinfahrt von Gedser. Grau, unklar in der hochsprühenden Gischt, in Regen und Dunst – aber da war rechts und links die Hafenmauer. Und nur ein schmaler Durchlass. Daniel stand vorn auf dem Vordeck, gestikulierte und bedeutete ihr, wie sie diesen Durchlass treffen sollte, wie sie also den Kurs korrigieren musste. Er hantierte mit den Schwertern. Die mussten jetzt helfen. Er musste sie wieder ins Wasser lassen, vorsichtig, ganz gerade am Schiffsrumpf herab, damit sie das Boot stabilisierten. Dabei durfte es ihn selbst nicht erwischen, er musste aufpassen, nicht über Bord gespült zu werden. Das Gleichgewicht halten. Irgendwie. Daniel ließ ein Schwert hinunter, umklammerte mit dem freien Arm die Reling, verschwand fast in den Wogen, tauchte wieder auf. Er brüllte etwas, das klang wie »… schaffen das!«.

In Svea wurde es ganz ruhig. Es war fast unmöglich, zu navigieren, aber nur fast. Sie mussten es hinkriegen, sie mussten mit ihrer Schiffsnadel diese Öse treffen. Sie hatten nur einen Versuch, in den Hafen zu kommen. Sonst wären sie verloren.

Am Hafen von Gedser standen die Leute in einer Reihe und beobachteten das Schiff. Sie standen stumm, der Sturm schien ihnen nichts auszumachen. Sie hatten beim Hafenmeister gesessen und über das Wetter geredet, als einer von ihnen das gegen die Wogen kämpfende Schiff vor der Hafeneinfahrt entdeckt hatte, und dann hatte es sie nicht mehr gehalten. Sie waren zur Hafenkante gerannt, einer hinter dem anderen, sich gegen den Wind stemmend. Stumm. Voller Teilnahme. Unternehmen konnten sie ohnehin nichts. Sie konnten nur warten, ob diese Verrückten es noch schafften, trotz acht Windstärken aus Südwest hier einzulaufen, ob es ihnen gelang, die berüchtigte enge Hafeneinfahrt zu treffen und dann durch das kabbelige Hafenwasser zu kommen, noch einmal um den Anleger herum, der wie ein toter Arm quer im Hafenbecken hing, bis sie endlich hier festmachen könnten und in Sicherheit wären. Da kamen sie. Einer wies dahin. Einer bückte sich nach einer Leine.

Das Schiff krängte gefährlich, es legte sich auf die Seite, dass man den schwarzen, stählernen Anker sah, der tief an der Bordwand hing. Sie konnten den Namen lesen.

»Komm schon, Selma!«, sagte einer. Die anderen schauten ihn kurz an.

Es krachte. Etwas splitterte und ging dann hinter ihnen zu Boden: der Flaggenmast von Falster. Die Leute fuhren herum, kümmerten sich aber nicht darum, nicht jetzt. Später. Sie hatten nur Augen für die See und die beiden Menschen an Bord des Schiffes. Als könnten sie sie festhalten mit ihren Blicken, ihnen Stabilität geben, Sicherheit. Aber die See ließ nicht nach, kein bisschen. Das hier würde noch

2.

»Ganz nette Leute eigentlich, findest du nicht?«, fragte Julia und hakte sich bei Hanno unter. Hanno und Julia standen nebeneinander auf dem Deck ihres Bootes. Zwar hatte sich die Ostsee bei der Überfahrt von Gedser präsentiert wie ein Tuch aus schwerer Seide, trotzdem war es besser, immer ein wenig auf der Hut zu sein. Selbst hier, im Bodden. Stürme waren hier, zwischen den beiden Inseln, kaum zu erwarten – wohl aber Sandbänke und Untiefen. Die See war eben nicht mit einem Spazierpfad zu verwechseln. Fand Hanno – und hielt eher ein wenig mürrisch still.

Die Berührung war ihm keineswegs unangenehm – welche Berührung von Julia hätte das auch sein sollen, die seinen Widerwillen, gar Abwehr hervorgerufen hätte. Hanno fiel nur ausgerechnet jetzt ein, dass man sich auf See eigentlich ein bisschen anders benahm als an Land. Selbst die Gesten der Vertrautheit waren eigentlich andere. Sie alle stellten sich bei den Paaren ein, die regelmäßig zusammen segelten – kleine Rituale, Berührungen, Blicke, mit denen man sich signalisierte, dass man sich wohlfühlte, wenn der andere da war. Die Gesten gerieten hier beiläufiger als an Land, kleiner, so wie der Mensch überhaupt auf dem Meer schrumpfte und spürte, wie unwichtig er war. Hanno mochte das. Für Julia machte es offenbar keinen Unterschied, wo sie sich gerade befand, ob an Land oder auf dem Meer. Sie kam überall zurecht, sie fügte sich überall ein, aber sie blieb auch überall dieselbe Person.

Julia. Hanno schaute sie unauffällig von der Seite an, ihr weiches Profil, die Wangen, die jetzt, zwanzig Jahre nachdem sie sich kennengelernt hatten, ein wenig nachgaben, die kräftige, weiche Gestalt, mit der sie sich so oft an ihn geschmiegt hatte, sanft, aber bestimmt, überhaupt ihr Körper, mit dem sie immer wieder die Spannung aus dem seinen vertrieben hatte, auch die Verzagtheit, den Zorn. Hannos Körper reagierte immer noch so unwillkürlich auf Julia, dass es ihn oft zum Lächeln brachte. So wie jetzt. Ihr Ellbogen an seinen Rippen – ein Zufall, absichtslos. Und doch glaubte er zu spüren, wie sein Herz ruhiger schlug, kräftiger.

»Nette Leute, oder? Nur er kommt mir ein bisschen verwirrt vor.«

Hanno atmete hörbar aus, eigentlich pustete er. Das kannte Julia. Das hieß, dass er sich gestört fühlte. Denn eigentlich war das ja keine Frage, sondern eine Aussage, trotzdem war klar, dass Julia eine Antwort erwartete.

So machten das die Frauen, dachte Hanno – warfen einem Mann einen Satz hin wie einen Knochen, in der Erwartung, dass er apportierte. Wenn der Mann loshechelte wie ein gut parierender Jagdhund, den Satzknochen aufnahm und zu ihr zurückbrachte, wurde er gelobt. Dabei machte ihn dieses Voraussehbare, dieses Berechenbare so müde.

Hanno fand es überflüssig, über andere Menschen zu reden. Man sah sie doch. Dann war es gut. Oder man sah sie nicht. Dann war es auch gut. Menschen brachten Unruhe, zu viel Wirbel für seinen Geschmack. Deshalb war er ja Tierarzt geworden. Kein Tier machte so viel Gedöns um sich wie ein Mensch.

»Eigentlich haben sie es ganz gut weggesteckt«, sagte Julia jetzt, und Hanno nickte, weil das wirklich nicht zu leugnen war. Svea und Daniel hatten sich rasch von ihrem Abenteuer auf See erholt. Das hätte leicht schiefgehen können. Hanno hatte die Sache vom Aussichtspunkt neben dem Leuchtturm verfolgt, während Julia zusammen mit den anderen unten am Hafen gestanden hatte. Und natürlich war es Julia gewesen, die sich gleich der beiden angenommen hatte, als diese schließlich, unbeholfen wegen der halb zerstörten Pinne, völlig entkräftet, das Schiff mit einem ungesunden Krachen an die Kaimauer manövriert hatten. Der Winkel beim Anlegen war zu steil gewesen, eine hässliche Delle war nun vorn im Schiff, aber was machte das schon – die beiden hätten ihr Leben verlieren können. Die Leute aus Gedser waren zur Stelle gewesen, Leinen wurden hin- und hergeworfen, die »Selma« wurde festgemacht, man half Svea und Daniel an Land, und Julia hatte sich über Sveas scheinbare Ruhe und den ersten Satz, den sie von ihr hörte, gewundert: »Kümmern Sie sich um Daniel? Bitte!«

Aber dann hatten Svea und Daniel doch reagiert wie ganz normale Schiffbrüchige, waren entkräftet in die Knie gegangen und hatten losgeheult, doch die Leute hatten kein Aufhebens davon gemacht, sondern einfach ein paar Decken geholt und eine Flasche Schnaps, und Julia hatte den Arm um Svea gelegt und gesagt: »Ich bin Julia.« – Das hatte Hanno, der sich vom Leuchtturm auf den Weg zum Hafen gemacht hatte, gesehen. Klar, wer sich jetzt kümmern würde.

Ein paar Stunden später hatten sie gemeinsam in der Hafenkneipe gesessen, versalzenen Fisch in wässriger Sahnesauce gegessen und drei Flaschen Wein geleert. Nun waren Svea und Daniel hinter ihnen, sie schleppten die beiden und die lädierte »Selma« ab, bei diesem Sonntagswetter kein Problem. Noch ein paar Stunden, dann würden sie zu Hause sein, auf der Insel. Es war Wochenende, folglich wären die Kinder da und brächten Unruhe und ihre Ansprüche

3.

Wo hörte das Wasser auf, wo fing das Land an? Daniel kniff die Augen zusammen. Sie trieben auf dem Wasser, jedenfalls kam es ihm so vor, so langsam bewegten sich die beiden Boote über den Bodden. Sie hatten den Südzipfel der Insel gesehen, die Bäume, die als Scherenschnitte in den Dunst ragten, ein paar Erdbuckel, löchriges Buschwerk, kaninchenklein. Dann nichts. Endlich, backbord, erste Sanderhebungen, flaches Land, immer noch unterbrochen vom Wasser: der Gellen, die Südspitze der Insel, könnte das sein, überlegte Daniel. Lag da wie die Schwanzspitze einer Eidechse. Sie konnte sich jederzeit wegringeln, konnte verschwinden, abtauchen. Schließlich so etwas wie ein Strand, erkennbar am Seegras, das in schwarzen Zöpfen faulte, ein bisschen Strandhafer, unbeweglich in der Windstille des Spätsommertages. Ein schmaler schwarzer Schatten, etwas, das aussah wie die Silhouette eines Mannes, der sich im Schilf wegduckte. Der schwarze Mann!, dachte Daniel und lächelte über seine Kindergedanken.

»Ist das die Insel?«, fragte Daniel.

»Klar«, sagte Svea. »Wir waren doch zusammen hier, als wir das Haus angeschaut haben.«

Ein kleiner Vorwurf schwang in ihrer Stimme mit, kaum hörbar.

»Ja, natürlich, ich hätte es wissen müssen!«, rief Daniel prompt sarkastisch. »Entschuldige, dass ich nicht so ein brillantes Ortsgedächtnis habe wie du – ach was, Ortsgedächtnis. Ein See- und Meer- und Ortsgedächtnis, dazu ein Städte- und Menschengedächtnis und …«

»Ach, Daniel«, sagte Svea versöhnlich. »Du hast ja recht! Wir sind damals mit der Fähre gekommen – und auch noch von Stralsund, da sieht das alles ein bisschen anders aus.«

Du hast ja recht – das sagte Svea immer, wenn eigentlich sie im Recht war. Sie machte sich klein, wenn sie gewonnen hatte. Aber erst einmal musste sie ihm zeigen, dass sie die Stärkere war. Nein, die Tüchtigere! Und dann – ein graziöser Schritt zur Seite, eine erhabene Geste, wie eine Tänzerin. Und so viel Hochmut!

Er rief sich das Bild ihrer ersten Reise ins Gedächtnis, ihre heitere Stimmung im Mai, ihre gespannte Erwartung. Wie sie Tee getrunken hatten an einem Imbiss, wo außer ihnen nur ein paar schweigsame alte Männer gestanden hatten, Männer in dunkelblauen und grauen Joppen, jeder sein Bier vor sich, eine Zigarette in der Hand, die Augen tief in den müden Gesichtern, die Gesichter beschattet von Mützen. Viel zu früh waren Svea und Daniel am Anleger gewesen, aus Angst, die Fähre zu verpassen, weil sie es nicht mehr ausgehalten hatten und wollten, dass es losginge. Daniel erinnerte sich an den kleinen Hafen. Da hatten sich die Arme großer Kräne ruhig gedreht und ihre schweren Lasten getragen. Nur das Möwenpack hatte die Stille gestört, war kreischend über der Kaimauer gekreist, darauf wartend, dass irgendeiner sich erbarmte und ihnen Brotbrocken zuwarf. Auch ein paar Köter hatten sich eingefunden, als hätten sie etwas mit dem Ablegen der Fähre zu tun. Die Männer hatten ärgerlich zu ihnen hinübergeschaut. Graubraune Spitze, Mischungen von größeren Hunden, struppig, friedlich.

In Stralsund war alles geordnete Bewegung gewesen, stille Geschäftigkeit, etwas Stetes, Sicheres ging von der Stadt aus. Und zum ersten Mal war Daniel ein wenig flau im Magen geworden, als die Männer in plötzlicher Hast den letzten Schluck Bier getrunken, die leeren Gläser auf den Tresen gestellt hatten – »Mach's gut!«, riefen sie der Bedienung zu, rückten die Mützen zurecht und vergruben die Hände in den Taschen. Und dann hatten sie endlich abgelegt, hatte sich die Fähre den Weg gesucht, die Lücke zwischen den schützenden Hafenmolen. Sie waren hinausgeglitten auf das große graue Wasser, und hinter ihnen waren die Kirchtürme von Stralsund immer mehr zusammengerückt, als fröstelten auch sie in der neblig kalten Luft: Sankt Jakobi, Sankt Marien, Sankt Nikolai … Daniel hatte ihre Namen aufgezählt, mehr für sich selbst. Es war, als wollte ihn die Stadt nicht wirklich loslassen – oder als krallte er sich an ihr fest, als könnte er hier Halt finden. Daniel, der immer flinke, behände Daniel, wunderte sich über sich selbst.

»Weißt du noch, wie wir die Insel entdeckt haben? Wie sie ganz langsam aus dem Dunst aufgetaucht ist?«

Wie ein Schatten. Ein weißer Schatten, so war Daniel die Insel damals vorgekommen. Wie eine flache, elegante Mütze über der behäbigen See. So schmal und flach hatte sie sich aus dem Wasser erhoben – kaum merklich, so dass Daniel sich fragte, wie es wohl wäre, wenn einmal ein Sturm auf die Insel zurollte. Würde sie da nicht einfach im Wasser verschwinden?

»Ein weißer Schatten«, sagte Daniel. »So ist sie mir vorgekommen. Oder eine sehr lange, dünne, weiße Hand, die ganz behutsam über das Wasser streicht.«

Svea riss ihn aus seiner sanften Stimmung. »Du bist ein Poet«, lachte sie und legte den Arm um ihn. »Wir sollten nur noch deine Bücher verkaufen. Allerdings müsstest du erst mal welche schreiben.«

»Alle Bücher sind meine«, erwiderte Daniel ernst. »Guck du mal lieber auf die Fahrrinne!«

Der Rat war nicht schlecht, denn auch wenn Hanno und Julia sie im Schlepp hatten – ein wenig steuern mussten sie schon selbst. Sie hatten die lädierte Pinne mit ein paar Kanthölzern notdürftig geschient, und Svea stand jetzt da, breitbeinig und selbstbewusst, die Sonnenbrille auf der Nase und die Pinne zwischen die Beine geklemmt. Sie steuerte mit den Knien, während sie mit den Händen ihre Kappe zurechtschob und mit ihm redete.

»Pass doch auf!«

Jetzt war Daniel wieder ganz der Alte. Er fuhr sich nervös durch die Haare. Das tat er ständig, und er wusste, dass es Svea wahnsinnig machte. Warum eigentlich? Am Anfang, als sie sich kennengelernt hatten, hatte sie es gemocht. Überhaupt seine Haare. Und seine Hände. Diese ungeordnete Strubbeligkeit, hatte sie geseufzt. Verdammt! Sie sollte wirklich aufpassen. Daniel schrie auf. Von vorn kam ihnen die Inselfähre entgegen. Ein ziemlich dickes Ding für diese schmale Fahrrinne. An Steuerbord hatten sie kaum Platz, um auszuweichen, da hatten Fischer ihre Netze aufgestellt, Fähnchen und auf dem Wasser treibende Plastikeimer wiesen unmissverständlich darauf hin. Nach Backbord war es auch nicht besser, dort allerdings schien das Wasser sehr flach zu sein, viel zu flach, um … Die Fähre gab einen warnenden Hupton von sich.

»Wie auf der Autobahn.« Svea versuchte sich an einem Scherz.

»Svea!«

Sie sah noch, dass Julia und Hanno mit ihrem Boot nach rechts auswichen – also doch rechts? Und da machte Svea einen Anfängerfehler: Sie riss die Pinne ebenfalls nach rechts – unwillkürlich, den neuen Freunden hinterher –, allerdings fährt so ein Boot dann genau in die andere Richtung, sie drifteten also nach links, nach Backbord. Svea schrie vor Wut über sich selbst auf: Was war nur in sie gefahren? Aber da war es schon zu spät. Das Seil, das die »Selma« mit dem anderen Boot verband, spannte sich gewaltig – während die Fähre genau auf sie zuhielt. Ein Dröhnen, ein Tröten, Rufe, Schreie – dann war das große Schiff an ihnen vorbei, hatte die Leine einfach durchtrennt, fuhr weiter, während Svea und Daniel mit ihrem Boot kämpften. Das schwankte noch ein-, zweimal, schaukelte – bis es plötzlich einen Ruck gab, der sie beide von den Beinen holte. Sie saßen fest.

»Das gibt es nicht«, sagte Daniel. »Zweimal schon so ein Scheiß mit dem Schiff!«

Er musste lachten. »Ist dir was passiert?«

Svea rappelte sich hoch. »Nein, verdammt, mir ist nichts passiert! Du bist mir passiert, diese Insel ist mir passiert. Weißer Schatten. Schöner weißer Schatten! Weißt du was – eigentlich habe ich es jetzt schon satt.«

Vom anderen Schiff aus sahen Hanno und Julia fassungslos zu ihnen hinüber.

»Holen wir die noch, oder lassen wir sie einfach, wo sie sind?«, fragte Hanno. »Ist das zu glauben? Ich dachte, die können segeln?«

Diesmal war Julia die Einsilbigere.

4.

Die Neuen hatten keine Ahnung. Das wussten die Inselbewohner schon. Sie rechneten nicht damit, dass jemand, der gerade erst ankam, sich gleich richtig benahm. Richtig, das hieß, sich einfügte, einfach da war, ohne viel Federlesens. Richtig hieß, dass man sich grüßte – und gut. Die Insel, die alte Echse, war so schmal, dass man Wege finden musste, sich auszuweichen. Das war das Allerwichtigste, vor allem am Anfang. Sich einfinden in das Ausweichen. Sich einfinden in die Stille. Die nichts Poetisches war, sondern schiere Notwendigkeit. Das mit dem Plaudern, das konnte wohl kommen – aber erst, wenn es so weit war. Wenn es erforderlich wurde und deshalb nicht aufdringlich oder unnütz. Wenn man sein Rohrdach neu eindeckte zum Beispiel. Und dabei auf die Hilfe der anderen angewiesen war. Oder wenn man sein Boot überholte, na klar. Aber sonst machte erst mal jeder seins, grundsätzlich. Und dass man die Gaus und Leiks, den alten Bruns und die Bodin trotzdem alle naselang zusammenstehen und reden sah? Dass die Kneipe am Hafen erst spätabends ihre Lichter löschte? Tja, das war eben auch richtig, nur anders richtig, man konnte es bloß nicht so genau erklären. Und es wurde nicht besser vom vielen Fragen. Einfach mal ankommen und schauen. Für die ersten zehn, zwanzig Jahre. So dachten sich das die Inselbewohner.

Sie wussten allerdings auch, dass es so nicht ging, nicht gehen konnte. Sie wussten, dass die Neuen erst einmal sinnlos herumliefen, auspackten, räumten und wieder umräumten und umpackten, dass die Insel, die sie doch mit ihrer Ruhe und Behaglichkeit gelockt hatte, unruhig machte und

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