Verlag: Plaisir d'Amour Verlag Kategorie: Erotika Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2017

Sexy Secrets of an Escort: Teach me! E-Book

Emma Snow  

4.9 (10)
Preishit

Erhalten Sie Zugriff auf dieses
und über 100.000 weitere Bücher
ab EUR 3,99 pro Monat.

Jetzt testen
30 Tage kostenlos

Sie können das E-Book in Legimi-App für folgende Geräte lesen:

Tablet  
Smartphone  
Lesen Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Seitenzahl: 396

Das E-Book kann im Abonnement „Legimi ohne Limit+“ in der Legimi-App angehört werden für:

Android
iOS
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?

Das E-Book lesen Sie auf:

E-Reader EPUB für EUR 1,- kaufen
Tablet EPUB
Smartphone EPUB
Computer EPUB
Lesen Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?

Leseprobe in angepasster Form herunterladen für:

Sicherung: Wasserzeichen

E-Book-Beschreibung Sexy Secrets of an Escort: Teach me! - Emma Snow

Wie weit würdest du gehen, um deine Existenz zu retten? Mehr schlecht als recht hält sich Charlotte mit Aushilfstätigkeiten über Wasser, bis sie in ihrer Verzweiflung einen Job als Escortdame annimmt. Doch anstatt ihren Kunden die gemeinsamen Abende zu versüßen, endet jedes Treffen mangels Charlottes Begabung im reinsten Desaster. Fakt ist: Sie braucht dringend Hilfe! Wer wäre hierfür besser geeignet als der dominante Frauenschwarm Ben? Zu ihrem Glück kennt Charlotte ein dunkles Geheimnis von Ben, womit sie ihn erpresst. Ben ist jedoch kein Mann, der sich gerne unter Druck setzen lässt. Kurzerhand dreht er den Spieß um und überredet Charlotte zu erotischen Nachhilfestunden. Während jede Begegnung der zwei heißer und leidenschaftlicher wird, erwachen in beiden Gefühle füreinander ... Teil 1 der "Sexy Secrets"-Reihe (in sich abgeschlossene Romane). 

Meinungen über das E-Book Sexy Secrets of an Escort: Teach me! - Emma Snow

E-Book-Leseprobe Sexy Secrets of an Escort: Teach me! - Emma Snow

Emma Snow

Sexy Secrets of an Escort: Teach me!

Erotischer Roman

© 2017 Plaisir d’Amour Verlag, D-64678 Lindenfels

www.plaisirdamour.de

info@plaisirdamour.de

© Covergestaltung: Mia Schulte

© Coverfoto: Shutterstock

ISBN Taschenbuch: 978-3-86495-304-0

ISBN eBook: 978-3-86495-305-7

Sämtliche Personen in diesem Roman sind frei erfunden. Dieses eBook darf weder auszugsweise noch vollständig per E-Mail, Fotokopie, Fax oder jegliches andere Kommunikationsmittel ohne die ausdrückliche Genehmigung des Verlages oder der Autorin weitergegeben werden.

Inhalt

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Epilog

Autorin

Prolog

Oh Mann. Ich sitze wirklich hier.

Ein auf Hochglanz polierter Glastisch steht vor mir, eine moderne Couch befindet sich unter mir und eine perfekt frisierte Empfangsdame blickt mich durch einen lupenreinen Spiegel an. Diese Dame bin übrigens nicht ich. Ich bin die Frau mit den abgelaufenen Ballerinas, dem blauen Kleidchen aus dem Sommersale vor zwei Jahren und dem Vogelnest auf dem Kopf, das vor einer Stunde und zwei Windböen noch eine mühevoll hochgesteckte Frisur darstellen sollte. Ich bin die Frau, die von allen in diesem Gebäude schief angeschaut wird und sich deswegen fragt, wie sie ihr Outfit für angemessene Klamotten halten konnte. Ich bin die, die gerade dabei ist, ihren Körper zu verkaufen und damit wohl den größten Fehler ihres Lebens begeht. Oh Gott! Ich kann nur hoffen, dass ich nicht auch noch meine Seele verkaufen muss, um mein Studium finanzieren zu können.

Mein zukünftiger Chef kommt mit einem breiten Lächeln auf mich zu. Er ist der Einzige, der mich nicht abschätzig anstarrt. Ich frage mich, was er wirklich in mir sieht, und gleichzeitig bin ich mir bei ihm sicher, zu nichts gezwungen zu werden, das ich nicht auch will. Ich muss ihm nur von Anfang an meine Grenzen aufzeigen. Ich werde lediglich die freundliche Begleitung für Männer spielen und Sex wird niemals ein Thema werden!

Selbstbewusst stehe ich auf und strecke ihm voreilig meine Hand entgegen, während er noch etwa den halben Raum zu durchqueren hat. Mein Hals ist im Gegensatz zu meinen Händen so trocken, dass ich nur ein krächzendes Hallo herausbekomme. Als ich das Stahlblau seiner Augen überall auf meinem Körper spüre, schaffe ich es nicht länger, an meine Manieren zu appellieren, und muss seinem Blick ausweichen. So schlimm sehen meine Schuhe gar nicht aus, versuche ich mich durch irgendwelche Gedanken von dieser abstrusen Situation abzulenken.

„Unschuldig und stürmisch zugleich. Darauf stehen die Kunden“, sagt er mit einer rauen Stimme, die mir eine Gänsehaut verpasst. Ich kann nur noch nicht genau einordnen, ob es ein gutes oder ein unangenehmes Gefühl ist …

Kapitel 1

Charly

17 Stunden vorher

Glas vom Tresen nehmen. Spülen. Polieren. In das Regal stellen.

Darin bin ich mittlerweile richtig gut. Die Gläser und der Tresen haben vor meiner Zeit nicht einmal annähernd so sehr gefunkelt wie jedes Mal nach meiner Schicht. Aber das ist auch schon alles, was mir gelingt. Ansonsten strahlt hier nichts. Der Job geht mir auf die Nerven, doch irgendwo muss ich ja das Geld für mein Studium herbekommen. Der Dienstleistungssektor ist einfach nicht mein Fachgebiet. Ich studiere Wirtschaftswissenschaften und nicht Arschkriecherei. Von dem ständigen aufgesetzten Lächeln taten mir bereits an meinem ersten Tag hier die Gesichtsmuskeln weh, und weil ich keine Lust auf Krämpfe in den Wangen hatte, legte ich das Lächeln nach meiner ersten Schicht ab. Immerhin kann ich das Augenrollen unterdrücken, wenn mich Kerle mit irgendwelchen dümmlichen Sprüchen anlabern. Das ist doch schon etwas, oder? Trotzdem ist es nicht zu übersehen, dass sich donnerstagabends von Woche zu Woche weniger Gäste in die Bar verirren. Irgendwie versuche ich mir einzureden, dass es nicht an mir liegt. Aber eigentlich müsste ich es besser wissen. In Frankfurt sind donnerstags die After-Work-Locations immer mehr als gut besucht. Gerade im Bahnhofsviertel boomt das Abendgeschäft seit einigen Jahren. Obwohl die Bar mitten im Geschehen ist und es nicht mehr als ein Katzensprung zum Hauptbahnhof ist, herrscht hier tote Hose. Heute haben nur zwei Männer den Weg zu uns gefunden. Normalerweise würde ich sie als zu gut aussehend einschätzen, um in einer leeren Bar zu sitzen. Aber sie scheinen heftig über etwas zu diskutieren und genießen vielleicht sogar die Ungestörtheit in unserem Lokal. Nach einem spaßigen Abend sieht es zumindest nicht aus, denn der eine von beiden stürzt einen Drink nach dem anderen hinunter, nur um danach noch griesgrämiger dreinzublicken.

Der Typ kommt mir mit seinem dunklen, zerzausten Haar und dem Ansatz eines Barts irgendwie bekannt vor. Obwohl dieser Style mittlerweile an jeder Ecke von Frankfurt – und vermutlich ganz Deutschland – zu finden ist, lässt dieser Kerl alle anderen Männer in Vergessenheit geraten. Der Longsleeve, den er trägt, sitzt eng genug, um einen durchtrainierten Oberkörper erahnen zu können. Auch die ausgeprägten Wangenknochen lassen ihn hart wirken. Dabei könnte ich schwören, dass seinen Lippen ein Lächeln richtig gut stehen würde. Seine gesamte Erscheinung ist ziemlich markant.

Wieder frage ich mich, woher er mir so bekannt vorkommt. Ob er ein Prominenter ist? Ich gucke eindeutig zu wenig Fernsehen. Wenn meine Kommilitonin und beste Freundin Leni hier wäre, hätte sie mir sofort sagen können, wer der Typ ist. Aus der Bar kenne ich ihn jedenfalls nicht. Er war noch nie hier. Zumindest nicht seit meiner wahnsinnig langen Karriere von drei Monaten als Bardame. Ich muss ihn von irgendwo anders her kennen, habe aber keinen blassen Schimmer, woher. Sein Freund sagt mir noch weniger. Dabei hat auch er ein markantes Gesicht, das sicher jedem Single-Mädchen der Stadt im Kopf bleibt. Kurzes blondes Haar, glatt rasiert und zwei niedliche Grübchen, wenn er lacht. Seine Augen sehen im Vergleich zu denen seines Freundes warm und freundlich aus. Ich war froh, dass er die Getränke bestellt hat, denn bei ihm habe ich mich nicht ganz so unbehaglich gefühlt.

Der Blonde hebt das Glas, um einen Toast auszusprechen, dabei verschüttet er die Hälfte seines Drinks. Mister Eiskalt beginnt zu lachen. Eines dieser herzhaften Lachen, die regelrecht anstecken. Vielleicht habe ich mich doch vom ersten Eindruck täuschen lassen. Ich spüre, wie sich ein Lächeln auf meine Lippen stiehlt, und ich kann von seinen ablesen, wie er sagt: „Die nächste Runde geht auf mich.“

Oh Mist! Jetzt kommt er zur Bar. Erwidere den Blick, Charly. Aber es gelingt mir nicht. Ich kann Männern einfach nicht in die Augen sehen. Selbst wenn ich versuche, mich dazu zu zwingen, und mir klar ist, dass es unhöflich ist, das Gegenüber nicht anzusehen.

Charlotte, ermahne ich mich erneut. Ganz ruhig bleiben und schön weiterpolieren, damit du super beschäftigt aussiehst.

„Ich bekomme noch zwei Whiskey Cola.“

Natürlich bekommt er die. Ich rolle mit den Augen bei seiner blöden Bestellfloskel. Kann er nicht normal bestellen?

Oh nein … Ich habe echt mit den Augen gerollt. Das konnte ich doch bislang bei jedem noch so dämlichen Spruch unterdrücken. Was ist nur los mit mir? Warum lasse ich mich von ihm mehr als von den anderen Gästen aus dem Konzept bringen?

Nach einer gefühlten Ewigkeit und mit zitternden Händen stelle ich ihm das erste der bestellten Getränke vor die Nase. Das zweite folgt kurz darauf, doch mittlerweile hat er die Hälfte des ersten bereits heruntergekippt.

„Noch einen!“, übertönt er das Knallen, als er das Glas unkoordiniert auf dem Tresen abstellt.

„Meine Güte, da versucht wohl jemand, einen Scheißtag in Alkohol zu ertränken.“

Oh. Mein. Gott. Das habe ich eben nicht wirklich laut gesagt? Erschrocken blicke ich zu dem Typen auf, und für einen Moment sieht er mich so klar an, als hätte er den ganzen Abend über nur Wasser getrunken. Wie immer kann ich den Blickkontakt nicht halten, obwohl seine Augen trotz seines eisigen Blickes so wundervoll grün strahlen, dass ich mir am liebsten jedes Detail einprägen möchte. Doch stattdessen starre ich wieder auf den Tresen und studiere einen Wassertopfen vor mir, als wäre er das achte Weltwunder.

Keinen Atemzug später klatscht der Typ einige Geldscheine vor mir auf die Theke und lallt: „Geht dich nichts an.“ Dann dreht er sich zu seinem Kumpel um und grölt durch die ganze Bar: „Josh-uuh-aah! Wir gehen! Die prüde Bardame redet über Zeug, das sie nicht zu interessieren hat!“

Prüde? Was soll das denn heißen? Er kennt mich überhaupt nicht. Außerdem haben wir nicht mehr als zwei Sätze gewechselt. Nur weil mein Ausschnitt nicht bis zum Boden reicht und ich einen schlichten Cardigan anhabe, bin ich doch nicht prüde!

Am liebsten würde ich ihm sein blödes Glas an den Kopf feuern. Ich greife danach, aber anstatt es ihm hinterherzuwerfen, mustere ich es, als hätte sich ein Faszinationszauber darübergelegt. Vorsichtig streiche ich mit dem Daumen über den Tropfen am Glasrand – genau über die Stelle, wo zuvor noch seine Lippen waren. Ich habe seine Zungenspitze nur einen Moment gesehen, und doch war es lang genug, um mich jetzt zu fragen, wie es wohl ist, von ihr berührt zu werden. Ich schließe die Augen und fahre sanft über meinen Hals. Der kalte Tropfen an meinem Daumen benetzt meine Haut und ein prickelnder Schauer wandert über meinen Körper. Vielleicht würde es sich so anfühlen, wenn er über meine Haut lecken würde?

Das Glas fällt laut schmetternd auf den Boden und reißt mich zurück in die Realität. Ach verdammt! Die Scherben sind mir allerdings ziemlich egal, viel mehr erschrecken mich meine eigenen Gedanken. Warum beginne ich jetzt, wild zu fantasieren? Doch nicht wegen so einem Arschloch!

Nein, das waren keine Fantasien, sondern Hirngespinste. Mein übermüdeter Körper will mir einen Streich spielen und mich dafür bestrafen, dass ich es wieder nicht geschafft habe, über meinen eigenen Schatten zu springen, und nun auch noch die letzten Gäste vergrault habe. Ich komme mir selbst bereits wie ein muffeliger Stinkstiefel vor. Aber das bin ich normalerweise überhaupt nicht. Wirklich! Außer bei der Arbeit … Wie deprimierend ist das denn bitte?

Kaum habe ich die Scherben weggekehrt, ertönt hinter mir erneut eine Männerstimme. „Ey, Schnecke. Einen Wodka Energy. Zackig!“

„Den kannst du dir sonst wo hinstecken“, keife ich zurück.

Der Kerl hinter mir fängt an, laut zu lachen, und ich schmunzele ihn über meine Schulter hinweg an, während ich ihm ein Wasser eingieße und hinstelle.

„Kein Wunder, dass dein Trinkgeld so mies ausfällt, Charly. Du musst freundlicher zu deinen Gästen werden“, sagt mein bester Freund Mark.

„Ich bin freundlich.“

„Komisch, warum glaube ich dir das bloß nicht? Versuch es doch mal mit einem Lächeln, dann hast du es auch leichter.“

Ich grummele nur, weil Mark mich zwar mittlerweile in- und auswendig kennt, aber eines nicht weiß – nämlich, wie schwer mir das alles hier fällt. Das ist mein erster Job neben dem Studium und ich bin anscheinend nicht sehr gut darin. Das oberflächliche Geflirte, die netten Sprüche und lockeren Gespräche. Jedes Mal muss ich dabei über einen riesengroßen Schatten springen und gegen meinen inneren Schweinehund – von mir liebevoll Jochen genannt – ankämpfen. Ich bin einfach viel zu schüchtern, wenn ich mit fremden Menschen – vor allem Männern – sprechen muss. Vermutlich, weil ich mir nie etwas daraus gemacht habe. Mein Studium war mir am wichtigsten und nicht die Leute, die im Hörsaal sitzen. Ich hatte Glück, dass Mark hartnäckig genug war, um sich mit meiner verschlossenen Art und Jochen anzulegen. Sonst wäre ich noch immer eine Einzelgängerin, wie sie im Buche steht.

„Also, was ist die Spieltheorie?“, fragt Mark, während ich die zehnte Cola herunterspüle, damit mir die Augen nicht zufallen. Diese nächtlichen Arbeitszeiten rauben mir wirklich sämtliche Kräfte.

„Was?“

„Die Spieltheorie.“

Ich blicke Mark weiterhin fragend an.

„VWL? Die Klausur in zwei Wochen?“, erklärt er und ich stöhne.

Ich habe noch nicht dafür gelernt. Normalerweise liege ich immer gut in der Zeit, aber in den letzten Monaten hat mich einfach zu viel aus der Bahn geworfen.

„Du bist so ein Streber, Mark“, versuche ich, ihn von der Frage abzulenken.

Er wedelt mit einigen Karteikarten vor meiner Nase herum. „Darf ich dich daran erinnern, dass das deine Lernkarten sind? Die hattest du schon vor Beginn des Semesters geschrieben. Also, wer ist der Streber von uns beiden?“

Vor diesem Semester ist auch noch alles gut gewesen. Irgendwie zumindest. Ich spüre, wie sich eine Träne in meinen Augenwinkel schleicht. Sofort beugt sich Mark über den Tresen und wischt sie mit dem Daumen fort, bevor sie sich einen Weg über meine Wange bahnen kann.

„Wir schaffen das, Charly. Du bist nicht allein, ich helfe dir bei allem. Egal, was es ist.“

Schnell nicke ich, atme einmal tief durch und verdränge meine traurigen Gedanken.

„Jetzt arbeiten wir erst einmal an deinem Kundenauftreten.“ Er packt die Karteikarten wieder in seine Jackentasche, ehe er auf etwas hinter mir deutet. „Versuch es mal bei dem Schnösel. Der sieht aus, als ob er Geld hätte. Und wenn er dir blöd kommt oder dir zu nahetritt, dann rette ich dich.“

Ich verschränke die Arme vor der Brust und schmolle noch einen Moment, bis Mark verschwörerisch mit den Augenbrauen wackelt und sagt: „Schön lächeln und nett sein!“

Langsam drehe ich mich um und für einige Sekunden stockt mir der Atem. Daniel Craig sitzt an meiner Bar! Den kenne sogar ich, obwohl ich meine Kinobesuche der vergangenen Jahre an einer Hand abzählen kann. Als ich näher komme, werden allerdings die kleinen Unterschiede deutlich. Der Mann vor mir ist zwar mit seinem Anzug und der schlanken Figur so gut aussehend wie Daniel auf dem roten Teppich, aber trotzdem wirkt er eher wie eine etwas jüngere Version des Schauspielers. Er streicht sich durch die dunkelblonden Haare und diese Geste lässt ihn unglaublich attraktiv erscheinen. Seine eisblauen Augen ruhen auf mir, während er eine Seelenruhe ausstrahlt, die mich nur noch mehr aufwühlt.

Der Job tut mir eindeutig nicht gut. Anstatt an VWL zu denken, schwirren meine Gedanken heute definitiv zu viel um die Männer in dieser Bar. Ich atme tief durch und ignoriere meine wackeligen Beine, als ich auf den Daniel-Verschnitt zugehe.

„Guten Abend, ich bin Charlotte und wie es aussieht heute Ihre persönliche Bardame. Womit kann ich Ihnen denn den Abend versüßen?“

Boah, ich kotz gleich. Was für ein dämlicher Spruch. Und dann auch noch aus meinem Mund. Verschwinde, Jochen!, fahre ich meinen inneren Schweinehund an und setze eines meiner süßesten Lächeln gegenüber dem Gast auf, selbst wenn Jochen sich mit aller Macht dagegen wehrt.

„Hallo Charlotte, ich hätte gerne einen Martini.“

Nicht sein Ernst?

„Kommt sofort“, sage ich stattdessen und schlucke das Mister Bond am Ende des Satzes vorerst herunter. Doch als ich ihm das Getränk reiche, kann ich mir einen Kommentar nicht länger verkneifen: „Geschüttelt, nicht gerührt.“

„So, wie ich ihn liebe.“ Er lacht, als ob ihm meine Worte geschmeichelt hätten.

Ich beuge mich weiter zu ihm und mir entgeht sein Blick in meinen Ausschnitt nicht. „Solche Kommentare hören Sie bestimmt öfter.“

„Leider viel zu selten von so bezaubernden Damen, wie Sie eine sind. Ich heiße übrigens Christopher Haas und frage mich schon die ganze Zeit, ob ich Sie auf einen Drink einladen darf.“ Nun ist sein amerikanischer Akzent deutlicher herauszuhören, der zu Beginn unseres Gespräches nur zu erahnen war.

„Vielen Dank, Christopher.“ Ich schnurre seinen Namen, als wäre er eine besondere Köstlichkeit, die mir auf der Zunge zergeht. „Aber besser nicht während der Arbeit.“ Er muss ja nicht wissen, dass ich am liebsten vor dieser Situation wegrennen würde und sie beinahe keinen Moment länger aushalte. Mein Herz rast, ein fetter Panikkloß steckt tief in meinem Hals fest, und versteckt hinter dem Tresen zittern meine verschwitzten Hände. So lange habe ich wirklich noch nie belanglosen Small Talk mit einem fremden Mann aufrechterhalten. Gespräche mit meinen Dozenten, Ärzten oder anderen wichtigen – männlichen – Personen zählen nicht, schließlich gilt eine nette Konversation über anstehende Prüfungen oder meine gelegentliche Migräne wohl nicht als sonderlich sexy und unterhaltsam. Obwohl ich – hoffentlich – nach außen hin völlig gelassen auftrete, ist mir jedes Wort, das gerade über meine Lippen geht, zunehmend unangenehm und peinlich.

Christopher nimmt einen Schluck von seinem Martini und lächelt mich verschwörerisch an. „Hängen Sie sehr an Ihrem Job?“

„Ja, es macht unglaublich viel Spaß und man lernt nette Leute kennen“, lüge ich. Gut, das Letzte stellt sich in diesem Moment irgendwie als Wahrheit heraus. Christopher ist richtig freundlich, und es fällt mir nicht allzu schwer, mit ihm zu sprechen. Obwohl er so gut aussieht und bestimmt die Hälfte aller Frauen dieser Stadt um den Finger wickeln könnte, strahlt er das überhaupt nicht aus. Ganz im Gegenteil. Trotz seiner selbstbewussten Art ist er unaufdringlich genug, um sympathisch zu sein. Das bin ich sonst von den üblichen Anzugträgern in diesem Laden gar nicht gewohnt.

„Wenn Sie gern nette Leute kennenlernen, hätte ich vielleicht ein interessantes Angebot für Sie.“ Er nippt erneut an seinem Getränk, ehe er mit seiner angenehm beruhigenden Stimme sagt: „Charlotte, Sie sind eine wunderschöne Blume, die im Licht dieser dreckigen Bar nicht richtig erblühen und strahlen kann.“

Mein Atem geht immer schneller bei seinen schmeichelnden Worten.

„Es gibt unzählige Männer in dieser Stadt, die sich nach der Begleitung einer reizenden Frau wie Ihnen sehnen.“

Ja, sicher. Ich sehe ihn ungläubig an.

Christopher scheint es zu bemerken, denn er beugt sich weiter zu mir über den Tresen und spricht eindringlicher als zuvor. „Wenn Sie für mich arbeiten, könnten Sie diese Männer wirklich glücklich machen, Charlotte. Und dafür werden Sie reichlich entlohnt. Das verspreche ich Ihnen. Sie werden nicht nur viele nette Abende verbringen, Sie bekommen auch noch einen ordentlichen Obolus und wenn es gut läuft ein Trinkgeld, das dieses hier bei Weitem übersteigt.“ Er greift nach meiner Hand und lächelt, als er spürt, wie sehr ich zittere. „Sie müssen nichts tun, was Sie nicht wollen. Sie bestimmen die Regeln mit den Herren.“

Meine Maske beginnt zu bröckeln und die zurückhaltende Charly kommt wieder zum Vorschein. „Ich weiß nicht so recht“, hauche ich mit zitternder Stimme. Die Situation überfordert mich. Ich schaffe es nicht einmal, meinen Blick zu heben und sein Angebot freundlich abzulehnen. Denn ganz sicher werde ich nicht freiwillig mit fremden Männern ausgehen, da bleibe ich lieber hinter meinem schützenden Tresen.

„Kommen Sie mich doch morgen in meinem Büro besuchen. Ich würde Ihnen gerne in Ruhe meinen exklusiven Begleitservice vorstellen.“ Er greift erneut nach meiner Hand und zieht sie an seinen Mund. In einer kurzen prickelnden Berührung haucht er einen leichten Kuss darauf. „Es hat mich sehr gefreut, Sie kennenzulernen, Charlotte.“

Sprachlos blicke ich ihm hinterher. Erst als er die Bar verlassen hat, sehe ich auf dem Tresen den Hunderteuroschein und seine Visitenkarte. Zitternd greife ich danach und lasse beides in meine Hosentasche wandern, dann streiche ich über meinen Handrücken. Seine Berührung ist noch überdeutlich darauf zu spüren.

Vollkommen in Gedanken widme ich mich wieder meiner Arbeit und spüle sein Glas.

Plötzlich tauchen Marks blaue Augen vor mir auf. „Und? Lief es gut?“

Er klingt ziemlich angefressen. Ein Wesenszug, den ich nur selten bei ihm erlebt habe.

„Ich denke schon“, stottere ich und bin noch immer völlig überfordert von dem, was gerade passiert ist.

„Charlotte!“, ruft mein Chef aus seinem kleinen Büro am anderen Ende der Bar und ich zucke zusammen. „Kannst du mal kommen?“

Was ist denn heute los? Warum bin ich gezwungen, so viele Gespräche zu führen? Ich will doch einfach nur meine Ruhe haben. Aber so kann ich wenigstens für einen kurzen Augenblick der Unterhaltung mit Mark noch ausweichen. Er hält sein Wasserglas so fest umklammert, als wolle er es mit bloßen Händen zerdrücken. Ich ignoriere seine weiß hervorstehenden Fingerknöchel und eile zu meinem Chef.

„Setz dich bitte.“ Mein Chef weist auf einen ausgefransten Stuhl gegenüber von seinem Tisch. Auf diesem Stuhl sitzen nur Leute, wenn sie eingestellt oder gekündigt werden. Kraftlos lasse ich mich darauf plumpsen und frage mich, wann der Satz „Setz dich bitte.“ jemals etwas Gutes zu bedeuten hatte.

„Charlotte …“, beginnt er und es folgt sofort ein schweres Schnaufen. Das sind eindeutig keine Anzeichen für eine baldige Beförderung, wenn man mich fragt. „Es tut mir leid, aber die Einnahmen sind in letzter Zeit drastisch zurückgegangen. Wir haben an manchen Abenden kaum noch Kunden.“

Vermutlich meint er die Abende, an denen ich bediene.

„Das liegt ganz sicher nicht an dir. Ich kann mir einfach dein Gehalt nicht mehr leisten“, versucht er sofort, meinen zweifelnden – oder wohl eher verzweifelten – Blick abzutun. „Ich kann dir trotzdem nur empfehlen, dir in Zukunft lieber keinen Job mehr zu suchen, bei dem du allzu viel mit Menschen zu tun hast.“

Ich glaube, mein Kinn ist gerade auf dem Holztisch aufgeschlagen, als mir der Mund vor Entsetzen aufklappt. Ach nein … Es war lediglich das Geräusch des Kugelschreibers, den mir mein Chef auf den Tisch gelegt hat, damit ich ihm das Kündigungsschreiben gegenzeichnen kann. Verdammte Probezeit. Zitternd greife ich danach und fluche innerlich immer weiter. So ein Mist. So eine verdammte Sch… Ich bin noch nie gekündigt worden! Okay, das war mein erster Job, aber trotzdem fühle ich mich wie ein Nichtsnutz. Ich brauche doch das Geld!

Seit auch meine Tante verstorben ist, habe ich niemanden, auf den ich zählen kann. Ganz besonders wenig Verlass ist auf meinen Cousin, der sich einen Scheiß um meine Tante geschert hat und jetzt mit offenen Armen ihr Geld an sich gerissen hat. Dabei habe ich mich all die Jahre um diese wunderbare Frau gekümmert und jede freie Minute mit ihr verbracht. Sie war alles, was ich noch an Familie hatte, und sie war ein unglaublich toller Mensch, den ich mit jedem Tag mehr vermisse. Trotz ihrer schlimmen Krankheit, die sie am Ende oft zu einem anderen Menschen werden ließ, war sie immer ein Vorbild – eine starke Frau, die jede Hürde in ihrem Leben nahm und sogar mit Freude meisterte. Obwohl ich sie pflegte, war sie es, die mich nie die Hoffnung und den Mut verlieren ließ, alles zu schaffen, was ich mir vornahm. Ich habe sie so sehr geliebt und mich regelrecht an die Augenblicke mit ihr geklammert – aus Angst, irgendwann allein zu sein. Ich habe keinen Gedanken daran verschwendet, was passieren könnte, wenn sie einmal tot ist, und noch weniger, was aus mir wird, sollte sie mir finanziell nicht mehr unter die Arme greifen können. Jetzt stehe ich allein da – ohne meine liebe Tante und ohne ihre Unterstützung. Dabei ist es nicht die finanzielle Hilfe, die ich mir zurückwünsche, auch wenn sie dringend notwendig wäre, sondern ihr Rat, ihre warme Hand auf der Schulter und ihre beruhigenden Worte.

Ich versuche, die Tränen zu unterdrücken, die sich gerade ihren Weg nach außen bahnen wollen. Unfähig, noch irgendwas zu meiner Verteidigung zu sagen, schiebe ich die Hände in die Gesäßtaschen. Ich ignoriere den Gedanken an den abgelehnten BAföG-Antrag, der heute Morgen mit der Post kam, und umklammere beinahe verzweifelt die Visitenkarte des Geschäftsmanns à la Daniel Craig. Der einzige Funken Hoffnung, den ich aktuell noch habe. Aber wie soll es mir denn möglich sein, Männer einen ganzen Abend zu unterhalten, wenn ich anscheinend so langweilig bin, dass sie nicht einmal für zwei Drinks in einer Bar verweilen wollen, in der ich bediene? Ich stecke wirklich in der Zwickmühle … Doch ich denke an meine Tante und weiß sofort, ich kann alles schaffen.

„Alles gut?“, will Mark wissen, als er meinen Gesichtsausdruck sieht.

„Ja, er hat nur gesagt, dass ich für heute Abend Schluss machen soll.“ Ich kann ihm nicht die Wahrheit sagen. Er muss niemals erfahren, dass ich nicht einmal zu diesem einfachen Job fähig bin. „Außerdem will er nicht mehr, dass du hier herumlungerst, wenn du kein zahlender Gast bist.“ Schnell weiche ich seinem musternden Blick aus.

„Ist das sein Ernst? Oder willst nur du mich nicht hier haben? Ich stehe dir im Weg, oder?“

Ich hebe verteidigend meine Hände. „Das waren seine Worte, nicht meine.“

Marks Blick wird zum Glück etwas freundlicher. Irgendwie fühle ich mich ziemlich mies dabei, meinen besten Freund anzulügen. Allerdings habe ich ihn auch noch nie so verärgert erlebt. Normalerweise ist er immer die Ausgeglichenheit in Person. Vermutlich spürt er, dass mir irgendetwas auf dem Herzen liegt. Aber ich kann ihm einfach nicht sagen, was eben passiert ist und was mein neuer Job sein könnte. Also muss ich weiterhin die Wahrheit vor ihm verbergen. „Mein Chef hat vielleicht recht. Ich komme jetzt auch allein klar. Du solltest mich am besten nicht mehr hier besuchen.“ Ich schiebe die Hände in die Hosentaschen und umklammere noch fester die Visitenkarte von Christopher Haas. Meinem zukünftigen Chef.

Kapitel 2

Ben

Es klingelt. Es klingelt unaufhörlich, und es ist nicht mein Wecker, denn den habe ich bereits vor zwanzig Minuten gegen die Wand gefeuert.

Ich hatte einen Scheißabend bei meinen Eltern und muss erst einmal meinen Rausch ausschlafen. Wie immer musste Josh herhalten, um mich von dem Grauen in meinem Elternhaus abzulenken. Wir sind seit der Schule beste Freunde, auch wenn er fast vier Jahre älter ist. Josh kennt seitdem wirklich jedes düstere Geheimnis von mir. Na gut, nicht jedes. Und vor allem nicht die dunklen Gedanken, die gestern Abend in dieser Bar durch meinen Kopf rauschten.

In dem Moment, als diese freche und unfähige Bardame es gewagt hatte, sich in mein Privatleben einzumischen. Für diesen Fehltritt wollte ich sie einfach nur packen und augenblicklich auf einem dieser ledernen Barhocker ficken. Ein bisschen Druck abzulassen, hätte mir gestern wirklich gutgetan. Vermutlich wäre es sogar noch besser gewesen, hätte sie den Whiskey, den sie mir ausgeschenkt hat, direkt von meinem Schwanz geleckt, während sich ihre Lippen immer fester um meinen Schaft geschlossen hätten. Vielleicht habe ich etwas zu hart auf ihre dreiste Aussage reagiert, aber ich kann solche vorschnellen Urteile über mich einfach nicht leiden. Auch nicht, wenn diese Person noch so niedlich auf ihrer Lippe rumknabbert und verlegen den Blick abwendet.

Wieder klingelt es und meine Kopfschmerzen sind nicht mehr zu ignorieren. Wer, verdammt noch mal, weckt mich um kurz vor neun Uhr? Lediglich in Boxershorts schleppe ich mich zur Sprechanlage und knurre irgendwas Unverständliches in die Sprechmuschel.

„Kann ich hochkommen, Ben?“

Oh nein! Sarah. Ich habe gerade echt keine Lust, dass sie mich in dieser Verfassung sieht. So hat mich eigentlich noch nie jemand zu Gesicht bekommen, außer Josh – der meistens in dem gleichen Stadium war – oder meine Schwester … wenn sie auch mitgetrunken hat, nachdem unser Vater wieder einen seiner bescheuerten Befehle erteilt hat, die wir geflissentlich zu ignorieren versuchen.

Ohne einen Kommentar drücke ich auf den Türöffner, werfe mir das zerknitterte Shirt von gestern über und fahre mir durch mein zerzaustes Haar. Zum Glück habe ich anscheinend genug getrunken, um zu vergessen, was meinen Vater dieses Mal zu seinem Wutanfall getrieben hat. Dass meine Haare und mein Bart zu lang waren oder dass ich keinen Schlips zum Anzug trug? Egal. Der Abend war überstanden und ich muss ihn erst in einer Woche wiedersehen.

Schnell noch Zähne putzen und die Kontaktlinsen einsetzen, dann hechte ich bereits zur Tür, um mich mit einem düsteren Gesichtsausdruck gegen den Rahmen zu lehnen.

„Du bist früh“, sage ich, während Sarah aus dem Fahrstuhl tritt. Meine Stimme klingt rau vom Alkohol und lässt die blonde Schönheit vor mir stärker zusammenzucken, als ich es beabsichtigt hatte. „Ich hoffe, du hast dabei, was ich von dir verlangt habe?“

Sarah lässt ihre Tasche auf den Boden sinken und sich selbst direkt daneben. Ihr Blick ist starr auf ihre Hände gerichtet, die sie verkrampft auf ihre Oberschenkel presst. „Ich habe es nicht rechtzeitig geschafft, Herr.“

Ich wusste es. Warum habe ich mich nur gestern so gehen lassen? Ich habe nicht einmal Lust, den strengen Master rauszukehren, der ich eigentlich sein müsste. Keine Ahnung, ob es an meinem Kater liegt oder an Sarah.

Grob greife ich nach ihrem Kinn und zwinge sie, mich anzusehen. „Und jetzt? Wie willst du dich dieses Mal dafür entschuldigen?“

Sie wendet ihre Augen ab. „Ich weiß es nicht. Ich hatte einfach nicht genug Zeit.“

„Wie viel Zeit brauchst du noch?“

„Nur noch eine Woche, Herr.“

Ich lasse ihr Kinn los, sofort starrt sie wieder auf ihre Hände. „Gut. Die bekommst du.“

„Danke, Herr.“

„Allerdings sehe ich mich gezwungen, dich für jeden Tag Verzug zu bestrafen. Es sind bereits fünf Tage und du hast es mir nur per SMS gebeichtet. Das sieht nicht gut für dich aus, Sarah.“

Sie blickt erschrocken auf, und einen Moment funkeln ihre Augen, als wolle sie mir widersprechen.

Bitte, tu es! Sei ein Mal ein böses Mädchen.

Doch sie wendet ihren Blick wieder ab. „Das verstehe ich, Herr.“

Ich rolle gelangweilt mit den Augen, während ich es trotzdem schaffe, mit strenger Stimme zu sagen: „Zieh dich aus und beuge dich über die Couchlehne. Ich habe deinen Arsch schon lange nicht mehr rot leuchten gesehen.“

Sarah folgt augenblicklich meinem Befehl. Wie eigentlich ständig. Sie achtet in letzter Zeit penibel darauf, keinen Fehler zu machen, der zu einer härteren Strafe führen könnte. Mittlerweile kommen mir immer mehr Zweifel, ob sie überhaupt noch Interesse an unserem Arrangement hat. Aber warum sagt sie dann nichts?

Mit langsamen Handgriffen knöpft Sarah ihre Bluse auf. Es gleicht schon beinahe einer Routine. Einer einschläfernden Routine. Ein weiteres Zeichen, dass ich allmählich die Lust an ihr verliere. Das ist mir noch nie passiert. Eigentlich steigert sich die Bindung zu einer Sub, je länger das Arrangement anhält. Bislang haben meist zuerst die Frauen unsere besondere Beziehung beendet. Was vollkommen in Ordnung ist. Aber nicht so Sarah. Sie treibt das Spiel immer weiter. Sie bemerkt vermutlich nicht einmal, dass es ihr keine Freude mehr bereitet. Also muss ich es für sie beenden, bevor sie Schäden davonträgt. Und damit meine ich keine körperlichen, denn diese hat sie bis vor einigen Wochen wirklich genossen. Und ich genieße es, Schmerzen zuzufügen, um die Lust einer Frau zu steigern. Einer Frau, die durch den Lustschmerz erregt wird.

Ich mustere Sarahs wunderschönen und makellosen Körper. Blasse Haut, runde Kurven und glänzendes, blondes Haar, das ihr weich über die Schultern fällt. Sie ist perfekt. Perfekt für jeden anderen Mann, nur nicht für mich.

Wenn sie mir letztes Jahr nicht eine gute Note für die Bachelorarbeit beschert hätte und mir nun noch mindestens eine weitere Arbeit für die langweiligen Fächer schreiben müsste, hätte ich mir schon längst ein anderes Spielzeug gesucht. Keine Ahnung, was in letzter Zeit mit mir los ist. Früher hat es mir gefallen, meine Spuren auf ihrem Körper zu hinterlassen … Es ist das Gefühl der Macht, das mich pusht, doch bei Sarah kommt es mir immer mehr so vor, als würde sie das Interesse daran verlieren, meine Sub zu sein. Das spüre ich und trotzdem konnte ich sie bislang nicht aufgeben. Aber wenn es weiter so geht, muss ich das wohl, denn ich mache nur Frauen zu meinen Sklavinnen, die mich darum bitten … um nicht zu sagen anflehen.

Während sie sich auf der Couch positioniert, hole ich ein paar meiner Spielzeuge: meine Lieblingspeitsche mit den ledernen Riemen und eine Augenbinde.

Ich ziehe mir das Shirt über den Kopf und lasse es neben Sarah auf den Boden fallen. Sie zuckt leicht zusammen, als ich auch die Peitsche genau in ihrem Sichtfeld fallen lasse, kurz bevor ich ihr die Augenbinde umlege. „Du wirst nie wieder eine Deadline verstreichen lassen, Sarah.“

„Das werde ich nicht, Herr.“

Ich lasse die ledernen Riemen über ihren Rücken gleiten. Ganz sanft. Doch selbst bei dieser Berührung zittert sie. Ich sollte dringend aufhören. Meine guten Vorsätze schwinden bereits, als sie versucht, sich aufzurichten. Augenblicklich lasse ich die Peitsche auf sie niedersausen, ohne mich zurückhalten zu können. Ein Fehler. Das merke ich an ihrem heftigen Zusammenzucken.

„Bitte keine sichtbaren Spuren, Herr!“, fleht sie mit schwacher Stimme.

„Wie soll ich dich dann für deinen Ungehorsam bestrafen?“, knurre ich an ihrem Ohr, bevor ich ihr in die Schulter beiße. Sie windet sich unter mir und wimmert: „Nicht die Peitsche!“

Also gut, diesen einen Ausrutscher lasse ich ihr durchgehen, aber wenn sie mir noch einmal Befehle erteilt, wird sie zwei Tage lang nicht sitzen können.

Scheiße, nein. Das geht nicht. Bevor ich die Kontrolle verliere, ziehe ich mich zurück.

Doch ich schaffe es nur einen kurzen Augenblick, packe sie und werfe sie mir über die Schulter. Keine fünf Sekunden später landet sie in meinem Bett und ich beuge mich über sie.

„Hier wird keiner irgendwelche Spuren sehen.“ Dann beiße ich in ihre rosafarbene Knospe.

Es laufen ihr bereits Tränen die Wangen hinab und sie krallt sich mit lustvoll verzerrter Miene in dem Laken unter ihr fest. Ihr Stöhnen klingt, als würde es ihr gefallen. Also lasse ich zwei Finger in sie gleiten. Allerdings spüre ich auch hierbei ihren leichten Widerstand. Sie lässt sich heute nicht fallen. Ich schnaufe und ziehe mich endgültig zurück. Ich bin nicht so dumm und zwinge ein Mädchen zu solchen Spielen. Das geht niemals gut aus.

„Was willst du wirklich, Sarah? Beim letzten Mal hast du mich angefleht, dir Schmerzen zuzufügen und dadurch für die besten Orgasmen deines Lebens zu sorgen.“

„Das will ich auch immer noch. Aber kannst du nicht ein Mal mit mir schlafen, als wäre ich deine Freundin?“

Ich lache laut, bis ich ihren ernsten Gesichtsausdruck sehe. Sie hat sich die Augenbinde ohne meine Erlaubnis von den Augen gezogen. Ich ignoriere das und gehe stattdessen auf ihre lächerliche Bitte ein: „Das willst du? Langweiligen Sex?“

Sie nickt und im nächsten Moment sitzt sie auf meinem Schoß und küsst mich.

„Du willst also Sex, bei dem du keinerlei Genugtuung erfährst?“

Sie greift in meine Haare und zieht meinen Kopf in den Nacken. Scheiße, darauf habe ich wirklich keinen Bock. Nicht jetzt. Nicht mit ihr. Vermutlich niemals. Ich weiß, das macht mich zu einem egoistischen Arsch. Aber das muss man ja heutzutage sein, um weiterzukommen. Ich denke lieber an mich als an andere. Das habe ich von meinem alten Herren gelernt, und das war der einzige Ratschlag, der sich bislang tatsächlich bewährt hat.

In meinem gesamten Körper beginnt es zu kribbeln, als Sarah ihre Hüften bewegt und sich an meinem Schoß reibt. Doch das Kribbeln kommt nicht von der Erregung, sondern weil ich sie endlich packen, aufs Bett drücken und fesseln will, damit sie mich nicht mehr ununterbrochen antatscht. Sie soll wieder unter mir liegen, wo sie hingehört und wo sie sich meinen Befehlen fügen muss.

Ihr spontaner Anflug von Eigeninitiative sollte eigentlich vollkommen andere Gefühle in mir auslösen, aber wenn ich nicht ich selbst sein kann und mich für sie verändern soll, dann regt sich in mir gar nichts mehr. Ich realisiere, dass sie allein durch diese Aktion mein ganzes Interesse an ihr verspielt hat. Ich muss schleunigst retten, was noch zu retten ist, bevor sie mich völlig entmannt.

So schnell, wie sie auf mir saß, liegt sie nun unter mir. Sie keucht erschrocken, lässt sich von mir jedoch nur allzu willig zwingen, sich auf die Knie zu begeben und sich auf ihre Unterarme zu stützen, damit ihr prächtiger Hintern vor mir aufragt. Eilig streife ich mir ein Kondom über und bin mit einer einzigen Bewegung komplett in ihr. Sarah japst auf und endlich ändert sich das Prickeln in meinem Körper wieder in ein gutes Gefühl. Nach ein paar weiteren tiefen Stößen ziehe ich mich weit genug aus ihr zurück und gebe meinen inneren Trieben nach. Ich schlage ihr mit der flachen Hand auf ihr knackiges Hinterteil, gerade so fest, dass sie sich nicht sträubt. Das rote Glühen ihrer Haut hypnotisiert mich. Ich muss mich zurückhalten, nicht noch zwei Schläge hinterherzusetzen. Um mich abzulenken, stoße ich härter in sie als davor. Immer und immer wieder.

Sarah rührt sich nicht unter mir, obwohl ich gelegentlich bemerke, wie sie mir ihre Hüfte entgegenschiebt. Sie will meinen Schwanz, auch wenn sie nicht bereit ist dies zuzugeben. Trotzdem kommt es mir so vor, als würde sie das Ganze lediglich stillschweigend ertragen. Ich komme mir zunehmend wie ein Arsch vor. Nein, ich bin ein Drecksack, der nicht dazu in der Lage ist, irgendwelche Emotionen zuzulassen. Allerdings nur, weil ich weiß, wie sinnlos diese sind.

Fuck! Wenn ich so weitermache, bin ich nicht besser als ein Typ, der sich Frauen einfach nimmt, ohne an ihre Gefühle und ihr Wohl zu denken. Das bin ich aber nicht. Das ist alles nur der Einfluss dieser miesen Vaterfigur – einem Arschloch, wie es im Buche steht, und das schon immer an sich gerissen hat, was es wollte.

Ich löse mich endgültig von Sarah und schwöre mir, mich ihr nicht mehr zu nähern, wenn ich wieder einen Scheißabend bei meinen Eltern hatte. Das hat sie nicht verdient.

Natürlich liegt sie nun völlig unbefriedigt unter mir. Ich stehe auf und gehe in Richtung Bad. So gedemütigt habe ich noch nie eine Frau zurückgelassen. So kann das wirklich nicht weitergehen. Einer von uns muss sich entscheiden. Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, was ich will. Und das ist definitiv keine Beziehung mit eintönigem Sex.

„Das, was du willst, kann ich dir nicht bieten, Sarah. Ich bin der Mann, den du die vergangenen Nächte, die vergangene Jahre kennengelernt hast, und keine Frau konnte mich bisher zum Schmusekätzchen machen. Auch du wirst das nicht schaffen“, erkläre ich Sarah, ohne sie anzusehen.

Ich schließe die Badezimmertür hinter mir ab, stelle mich augenblicklich in die Dusche und das heiße Wasser weckt langsam meine müden Knochen auf. Es sollte mit einer Frau nicht so anstrengend sein, und das war es bislang auch nie. Ich hoffe, Sarah ist erst einmal verschwunden, wenn ich aus dem Badezimmer komme.

Die restlichen zehn Minuten in der Dusche versuche ich, die Scheiße, die eben passiert ist, einfach fortzuspülen. Doch als ich das Bad verlasse, werde ich sofort wieder damit konfrontiert. Sarah ist zwar gegangen, aber auf meinem Spiegel im Schlafzimmer steht fett mit rotem Lippenstift geschrieben: „Du bist krank!!!” Normalerweise müsste dort eine Telefonnummer stehen, nachdem wir diesen grandiosen Sex hatten, denke ich sarkastisch. Aber das habe ich wohl nicht verdient. Liegt vermutlich daran, dass ich nicht einmal auf die Reihe kriege, eine Frau glücklich zu machen.

Ich lache freudlos auf. Scheiße, jetzt gleitet mir sogar das mit Sarah aus der Hand. Also bin ich doch der Versager, für den mich mein Vater hält …

Kapitel 3

Charly

„Du willst was?“, schreit Mark beinahe durch die gesamte Mensa und ich drücke ihn wieder zurück auf seinen Stuhl, ehe ich eindringlich, aber leise sage: „Ich möchte, dass du mir zeigst, wie man Männer verführt.“

Meinem besten Freund steht der Mund weit offen, und neben uns beginnt Leni zu lachen.

„Mein Gott, Charly, das kannst du nicht den schüchternen Mark fragen. Sieh doch, wie rot er schon wird.“

„Ich bin nicht schüchtern“, faucht Mark sofort zurück. „Aber ich will nicht, dass sich Charly irgendwelchen Männern an den Hals wirft.“

Ich spüre seine Abneigung und seinen enttäuschten Blick, den er mir zuwirft. Seit Mark sich mir gegenüber wieder so herzlich wie immer verhalten hat, habe ich mir keine Gedanken mehr darüber gemacht, dass er mich verurteilen könnte, wenn ich ihm doch von meinem neuen Job erzählen würde. Aber nach dieser Reaktion beschließe ich, es weiterhin als Geheimnis zu hüten. Er kann ja nicht wissen, dass alles seriös zugeht. Schließlich wusste ich es bislang auch nicht, und der Ruf dieser Branche ist immerhin ziemlich negativ, auch wenn Christopher mich eines Besseren belehrt hat. Er und sein Team bemühen sich wirklich, mir ein gutes Gefühl zu geben. Sie wollen gemeinsam mit mir ein Profil für ihre Homepage anlegen, in dem ganz deutlich steht, für welche Dienste ich buchbar bin. Das klingt immer noch total verrückt, aber ich bin etwas beruhigter als vor meinem offiziellen Termin mit Christopher. Denn wie ich es gewünscht habe, werden nirgendwo Anspielungen auf sexuelle Handlungen gemacht. Ich versuche also, meine anfängliche Skepsis zu verdrängen, und werde mir das Ganze einfach mal anschauen.

Lediglich die Tatsache, dass ich noch nicht genau weiß, wie ich dann mit den Kunden umgehen soll, bereitet mir große Sorgen. Deswegen hatte ich eigentlich auf ein wenig Unterstützung von Mark gehofft. Aber nach seiner Reaktion schaffe ich es wieder nicht, ihm die Wahrheit zu verraten, also rudere ich schnell zurück: „Es geht ja nicht um irgendwelche dahergelaufenen Männer. Nur um einen. Ich brauche deine Hilfe, damit er sich in mich verliebt.“ Wow, Charly, das klingt gleich viel besser, schnaufe ich innerlich.

Leni hingegen jubelt neben mir und ergreift enthusiastisch meine Hand. „Wahnsinn! Charlotte Newman wird endlich zu einer erwachsenen Frau. Wer ist denn dein Auserwählter?“

Marks Gesichtsausdruck hat sich immer noch nicht aufgehellt und ich weiche seinem finsteren Blick aus.

„Das möchte ich erstmal für mich behalten. Du weißt ja, dass ich manchmal wie ein Elefant im Porzellanladen bin. Ich will mich einfach nicht schämen müssen, wenn ich ihn nicht für mich gewinnen kann.“

„Oh, wie süß! Du meinst es wirklich ernst. Einmal in deinem Leben brauchst auch du Nachhilfe. Gleich zwei Weltneuheiten in Charlotte Newmans Leben. Ich muss mir sofort diesen denkwürdigen Tag im Kalender markieren.“

„Kannst du vielleicht damit aufhören, dich über mich lustig zu machen, und endlich mit sinnvollen Kommentaren an mein Problemchen herangehen?“

In diesem Moment betritt der Kerl von meiner letzten Schicht in der Bar die Mensa. Nicht Christopher, sondern der Schönling, dem ich am liebsten ein Glas an den Kopf geworfen hätte. Oh Gott, ich hoffe, er erkennt mich nicht. Irgendwie schaffe ich es, immer tiefer in meinen Stuhl zu sinken und mein halbes Gesicht hinter meinem Schaltuch zu verbergen. Zum Glück trage ich es auch heute, trotz des spontanen Sommereinbruchs. Aber so viel, wie der Typ getrunken hat, erinnert er sich vermutlich eh nicht mehr an mich. Wenigstens weiß ich jetzt, wieso er mir bekannt vorkam.

„Charly, Charly, Charly! Du hast dich doch nicht etwa in den Player der Uni verknallt?“ Wie ich erwartet hatte, kennt Leni ihn. Auch wenn er kein Promi ist.

„Natürlich nicht!“, platzt es sofort aus mir heraus und ich sitze wieder kerzengerade auf meinem Stuhl. „Ich steh doch nicht auf Schnösel. Wenn ich mich schon verliebe, dann in einen richtigen Mann.“

Mark steht auf einmal abrupt auf. „Ich geh vor. Das kann ich mir nicht länger mit anhören.“

Ach du Kacke. Ich habe ihn wirklich verärgert mit meiner unüberlegten Frage. Warum habe ich mir nicht vorher darüber Gedanken gemacht, dass mein bester Freund mir keine Tipps in solchen Dingen geben würde? Aber machen Freunde so was normalerweise nicht?

Leni anscheinend schon, denn sie blickt Mark lediglich mit einer wegwerfenden Handbewegung hinterher, ehe sie sich wieder mir zuwendet. „Vergiss Mark mal kurz. Ich wette, er steht selbst auf dich und will dir deswegen keine Nachhilfe geben.“

„Leni, du weißt, dass wir alle nur Freunde sind?“

„Ich schon. Aber ob es Mark auch weiß? Na ja, wenn es mit deinem unbekannten Schwarm nichts wird, kannst du es ja noch mal bei ihm versuchen.“

„So eine bin ich nicht!“

„Ja, das weiß ich doch. Das wissen alle. Deswegen hat Mark vermutlich einen Herzinfarkt bekommen, als du ihn mit dieser Frage überrascht hast.“ Sie zwinkert mir zu, bevor sie ihren Blick wieder zu dem Schnösel wandern lässt. Ich könnte schwören, dass sie ihn gerade mit ihren Augen auszieht. Schnell wende ich mein Gesicht ab, um nicht das Gleiche zu tun. Doch Leni legt ihren Finger unter mein Kinn, damit ich wieder aufschaue.

„Aber dieser Schnösel, wie du ihn nennst …“ Jetzt schiebt sie mein Gesicht nach rechts, und ich bin gezwungen, den Schönling direkt anzusehen, und dabei zu beobachten, wie er seinen Kaffee trinkt und mit unserem Dozenten in Finanzierung redet. Er ist anscheinend nicht nur ein Schnösel, sondern dazu noch ein Schleimer.

Trotz meiner abfälligen Gedanken kann ich es nicht verhindern, auch heute seine Lippen zu studieren.

„Der versteht bestimmt etwas von seinem Handwerk“, beendet Leni ihr Eingangsplädoyer. „Caro hat ihn mal aus dem Mädchenklo kommen sehen und darin nur eine völlig um den Verstand gevögelte Sarah gefunden.“ Sie seufzt sehnsuchtsvoll und ich löse mich endlich aus ihrem Griff um mein Kinn. „Benjamin Roth“, stöhnt sie seinen Namen, und ich rolle mit den Augen, weil sie so maßlos übertreibt. „Er ist bekannt dafür, Frauen willenlos zu machen. Es muss ja einen Grund geben, dass sie ihm reihenweise hinterherlaufen und sich ihm regelrecht an den Hals werfen.“

„Lalalala … Das will ich nicht hören!“

„Ich dachte, du willst etwas lernen? Er wäre sicher der perfekte Lehrmeister.“

„Verführen! Kein Sex.“

„Gibt’s da einen Unterschied? Das Ergebnis ist doch das Gleiche.“

Ich rolle mit den Augen. Schon wieder. Manchmal bringt sie mich mit ihren Ansichten noch um den Verstand.

„Ist ja auch egal, wie großartig er angeblich im Bett ist. Ich könnte niemals einen Fremden in dieser Hinsicht um Rat bitten. Außerdem würde er wohl kaum Interesse daran haben, eine Jungfrau in Nöten bei einer schier aussichtslosen Mission zu begleiten.“

„Ich glaube, jeder Mann will einer Jungfrau in Nöten helfen. Du musst es ihm nur schmackhaft genug machen oder an deinen Druckmitteln arbeiten.“

„Warum starrst du mir dabei auf die Brüste, Leni?“

Sie zuckt mit den Schultern und steht auf. „Weil du unter deinen Schlabberklamotten sicher gute Argumente versteckst.“

„Spinner!“ Schnell sammele ich meine Karteikarten ein, die über den gesamten Tisch verteilt sind, während Leni mir gekonnt ein schlechtes Gewissen verpasst, indem sie sagt: „Beeil dich mal. Wir müssen schauen, ob Mark seinen Herzinfarkt überlebt hat.“

Oh Mann. Bei Mark muss ich mich jetzt erst einmal entschuldigen.

Kapitel 4

Ben

Ich wusste, dass sie mir von irgendwoher bekannt vorkam. Diese kleine Brillenschlange aus der Bar geht tatsächlich auf meine Uni. Aber kein Wunder, dass sie mir nie zuvor ins Auge gefallen ist. Sie ist einfach eine völlig unscheinbare Person mit ihren schlichten Klamotten, dem riesigen Knoten auf dem Kopf und diesem dämlichen blauen Rucksack mit den weißen Punkten drauf. Allein wegen ihrer Freundin ist sie mir letzten Freitag in der Mensa überhaupt aufgefallen. Wäre diese nicht so übertrieben laut gewesen, hätte ich die kleine Streberin wieder übersehen. Doch kaum hatte sie erst mal meine Aufmerksamkeit gewonnen, fiel es mir gar nicht mehr so schwer, sie in der vergangenen Woche überall auf dem Campus auszumachen. Zumal sie sowieso fast die gleichen Kurse wie ich besucht.

Was ich außerdem höchst interessant finde, ist ihr Freund. Er beobachtet sie den ganzen Tag wie eine Beute, die er jeden Moment reißen will oder die er unter allen Umständen vor einem anderen Raubtier beschützen will. Diesen Blick kenne ich – es ist der eines Alphas. Der gleiche, den ich bei mir erkenne, wenn ich ein Mädchen als Sub auserkoren habe. Der gleiche Blick, den ich noch bis vor wenigen Tagen hatte, wenn ich Sarah angesehen habe.

Apropos Sarah. Sie hat mich für vierzehn Uhr vor die Bibliothek bestellt. Gut, dass ich sowieso eine Freistunde habe. Vielleicht hat sie ja diese dämliche Hausarbeit für den Greilich endlich fertiggestellt. Ich habe keine Lust, in Marketing irgendetwas selbst auszuarbeiten. So ein schwachsinniges Fach. Eigentlich studiere ich Wirtschaftswissenschaften ja nur, um meinem Vater eins auszuwischen. Er hätte mich am liebsten gezwungen, noch weiter in Richtung Finanzen zu gehen. Zum Glück war ich zu Studienbeginn bereits älter als achtzehn Jahre, sonst hätte ich ihm glatt zugetraut, dass er auch diese Entscheidung für mich getroffen hätte.

„Bist du fertig geworden?“, frage ich Sarah direkt, als ich sie bei den Schließfächern vor der Bibliothek entdecke.

„Nicht ganz.“ Sie weicht meinem Blick aus und ich schlage extra etwas lauter gegen die Metalltür links neben ihrem Kopf.

„Du widersetzt dich schon wieder?“

„Nein. Ich … ich höre auf.“

„Was?“, fahre ich sie an und verfluche mich innerlich, weil ich mich für einen Moment nicht unter Kontrolle hatte. Ich will schließlich nicht, dass irgendjemand in der Nähe etwas von unserem Gespräch mitbekommt.

„Ich kann das nicht mehr, Ben.“ Sie drückt mir einen USB-Stick gegen die Brust und ich starre das Ding an, als hätte sie mich gebeten, mir damit selbst ein unheilbares Virus zu spritzen. „Da ist alles drauf, was ich bisher geschrieben habe. Du musst es nur fertigstellen.“