Shlomi findet Worte - Gottfried Schleinitz - E-Book

Shlomi findet Worte E-Book

Gottfried Schleinitz

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Beschreibung

Shlomi geht auf Reisen - und findet Worte! Seit 80 Jahren entdeckt sie die Welt und was sie im Innersten zusammenhält! Sie reist. Allein oder mit Freunden, mit Gruppen aus der Pfarrgemeinde. Es geht nach Ost, West, Süd und Nord. Shlomi ist in Ägypten, Italien, Irland, Frankreich, in Österreich und Deutschland unterwegs, in der Türkei, Spanien, Ungarn, England, Portugal, Schottland. Überall findet sie Worte: worte würden wahrheit wecken wenn worte wieder werte wiegen worte würden wirklich werden wenn worte wieder weisheit wagen worte würden welten wenden wenn worte wieder wandlung wollen Und Shlomi weiß sich geborgen. Shlomi ist nie allein. Shlomi ist immer mit dem Himmel auf Erden unterwegs. Shlomi liebt und glaubt und hofft. Voller Dankbarkeit. Und mit einer stets wachsenden Sehnsucht nach Schalom. Innen und außen.

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Seitenzahl: 128

Veröffentlichungsjahr: 2018

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worte würden wahrheit wecken

wenn worte wieder werte wiegen

worte würden wirklich werden

wenn worte wieder weisheit wagen

worte würden welten wenden

wenn worte wieder wandlung wollen

Inhalt

Ägypten

Italien

Irland

Frankreich

Deutschland

Österreich

Türkei

Dänemark

Spanien

Ungarn

Wales

Auf dem Ärmelkanal zwischen England und Frankreich

Portugal An der Guave

Schottland Am Ufer der Insel Iona

meinem zwilling

in seinem

jubiläumsjahr

2018

„Shlomi“ heißt meine ziemlich besondere Freundin. Sie kennt meine Erinnerungen ebenso gut wie meine Hoffnungen, kennt mein Ich und mein Du, fordert mich heraus und bringt mich an Orte, wo sie mir Worte zeigt, die mit der Welt und mit Gott und mit mir zu tun haben. Und sie freut sich, wenn Leserinnen und Leser Verwandtschaften entdecken. Anlass zu diesen Reisen der etwas anderen Art ist das Ende vom Ende 1945. Ereignisse, die nun schon siebzig Jahre zurückliegen und die meine besondere Freundin einfach nicht vergessen kann:

Einschulung:

Mit Hakenkreuzen und gelben Fahnen.

Beim Bäcker:

Das nächste Mal „Heil Hitler“, sonst gibt’s nix.

Nachbarn:

Morgen zieh’n wir um (Judenkinder von nebenan, vom KZ erfuhren wir erst später).

Glück im Unglück:

Die Bombe bleibt im Treppenhaus stecken.

Verführte Wünsche:

Mal auf einem richtigen Panzer sitzen.

Ein Päckchen mit Kennmarke und Käppi:

Alles, was vom Bruder übrigblieb.

Gut, dass sie danebenschießen:

Tiefflieger über uns.

Spielsachen:

Wer hat die „schönsten“ Bombensplitter.

Die etwas andere Brotzeit:

Sechs Stunden anstellen und dann endlich Brot.

Besonders niedlich:

Ratten in den Trümmern als niedliche Spielgefährten.

Eigentlich logisch:

Nie wieder!

Nun kommen Sie einfach mit. Wo die Reise beginnt, entscheiden Sie bitte selbst.

In Ägypten, Italien oder Spanien. In der Türkei oder auf dem Ärmelkanal. In Dänemark, Irland oder Frankreich. In Ungarn, Österreich, Schottland, Portugal oder Wales. Oder in Deutschland!

Alles ist authentisch – Orte, Texte, Zeitgenossen.

Alles im Zusammenhang – mit der tiefen Sehnsucht nach SCHALOM.

Ägypten

Shlomi mag Tarek

Wie oft war Shlomi schon in Ägypten! Noch immer hat sie dorthin Sehnsucht. Trotz aller politischen Unwägbarkeiten. Trotz aller Gefahren. Trotz ihres hohen Alters.

Aber warum? Sie mag Kairo und Abydos, Assuan und Alexandria, den Blick über den Suezkanal zur Sinaihalbinsel und Abu Simbel am Großen Nasser-See im tiefen Süden. Sie mag Wüsten und Oasen, uralte Tempel und geheimnisschwere Museen. Sie mag die heißen Tage, auch wenn das Thermometer 53° C anzeigt. Wenn genug Wasser im Gepäck ist, versteht sich. Und sie mag die kalten Nächte in der Wüste unter dem herrlichen Sternenhimmel. Mit den wunderbaren kleinen Wüstenfüchsen auf Du und Du und auf Augenhöhe.

Und sie mag Tarek. Ein einzigartiger Mensch. Mit seiner hübschen Frau an seiner Seite. Die beiden niedlichen Kinder sind inzwischen mehr als herangewachsen. Was mag aus ihnen werden? In einer Heimat voller Gegensätze, mit einer fragwürdigen Zukunft, mit so manchen sozialen Verwerfungen.

Shlomi kennt Tarek. Sein Zuhause und seine Arbeit, seine Art und viele seiner Gedanken. Shlomi kennt Kairo. Ein wenig freilich nur. Tarek hat ihr diese Zwanzigmillionenstadt „lieb und wert“ gemacht. Wo Touristen nur selten hinkommen, war er mit ihr unterwegs. Das Essen hat auch immer gut geschmeckt, selbst wenn Hühner zwischen den Tellern schon etwas gewöhnungsbedürftig waren. Und die Umarmungen der interessanten Menschen waren echt, auch wenn zunächst alles oft unerwartet fremd erschienen ist.

Unvergesslich die Fahrt mit dem Jeep auf einer gefährlich holprigen Piste zu den alten Alabasterminen unweit des teilweise ausgegrabenen Amarna. Hin- und Rückfahrt ein intensives Erlebnis. Wieder und wieder der aufgewirbelte Sand auf der schweißnassen Haut und das ewige Flimmern der heißen Luft, wohin das Auge schaut. Arbeiten in den Minen müssen grenzwertige Strapazen gewesen sein.

Und genau dort, auf dem Grund einer solchen Mine, findet Shlomi Worte. Wie sich herausstellt, sind es ziemlich grundlegende Worte. Worte vom Lebens-Grund und von Lebens-Begründung.

FUND 1: KOMMUNIKATION

Kommunikation bedeutet Verbindung, Zusammenhang, Mitteilung, Teilnahme, Gemeinschaft. Kommunikation ist die unbewusste oder bewusste, zufällige oder gewollte Beziehung zwischen einzelnen Menschen, zwischen Gruppen und innerhalb einer Gemeinschaft. Kommunikation ist das durchgängige Thema in den verschiedensten Geschichten der Bibel. Kommunikationsprobleme haben ihre Wurzeln in Beziehungsstörungen (Sündenfall, Brudermord, Sintflut, Turmbau, Dekalog, Bergpredigt, Abendmahl, Urgemeinde).

Am Anfang war Kommunikation.

Mit diesem Wort – wohlgemerkt zunächst nur das Wort! – geschieht in unserer Zeit zweierlei: Entweder erfreut es sich einer geradezu unvergleichlichen Konjunktur oder es erleidet eine ebenso unvergleichliche Inflation.

Am Anfang von Leben ist die Kommunikation mit der Um-Gebung. Menschen werden in ein Vor-Gegebenes hineingeboren. In ein System von Personen und Gegenständen, in ein System von Gewohnheiten (was Berührung und Sprache, was Zuwendung und Gestik betrifft), in ein System mit einer bestimmten Vergangenheit. Und schon das Klima (in mehrfachem Sinn!) ist Teil der Um-Gebung, mit der ein Mensch von Beginn der Zeugung an (!) kommuniziert.

Am Anfang von Liebe ist die Kommunikation der Sinne. Liebe ist – zunächst – ein doppelt wahrgenommenes Kommunikations-Bedürfnis. Vom Du zum Ich. Vom Ich zum Du. Liebe ist dann vor allem die praktizierte Balance zwischen erwarteter und gewährter Kommunikation. Liebe ist schließlich bereits die Sehnsucht nach Kommunikation, erst recht Wiederherstellung von Kommunikation und nicht selten notwendige Korrektur von Kommunikation.

Am Anfang von Freundschaft ist die Kommunikation der Sympathien. Sinngemäß gelten alle Beschreibungen von Kommunikation zwischen Liebenden auch für die zwischen Freunden.

Am Anfang von Glauben ist die Kommunikation mit dem ganz Anderen außer mir selbst. Zunächst vielleicht nur eine Ahnung von jener Realität. Dann der Versuch einer Annäherung an sie. Schließlich ihre ebenso intime wie individuelle Gestaltung. In dieser Kommunikation wird erkannt und erlebt, wie ohne positive gegenseitige Abhängigkeit keine Kommunikation gelingen kann.

Am Anfang von Hoffnung ist die Kommunikation mit Zukunft. Es ist typisch menschlich, dass er mit dem kommuniziert, was noch nicht ist. Spätestens an dieser Stelle ist deutlich, dass eine Kommunikation immer zu tun hat mit Auseinandersetzung. Wenn ich mich nicht öffne für die Zukunft, wird Zukunft (also etwas, was auf mich zukommen wird und will) mich nicht erreichen können. Transformiert auf die Gegenwart bedeutet das: Wenn ich mich nicht öffne für die Menschen in meinem Lebens- und Arbeitskreis, wird Kommunikation mit ihnen nicht realisierbar sein.

Am Anfang von Gemeinde ist Kommunikation. Gemeinde ist nicht die Verwischung aller Individualität. Gemeinde ist gegenseitige Bereicherung aller Individualitäten. Individualismus ist im Ernstfall Verweigerung von Kommunikation mit anderen. Und Individualismus in der extremsten Form ist die Reduzierung von Kommunikation auf die Kommunikation mit sich selbst. Zugleich ist sie ein Entwurf von Kommunikation auf Kosten anderer. Die Gemeinde ist ein Ort, an dem der lebendige Ausgleich von Kommunikation mit sich selbst, mit anderen und mit Gott versucht und konstruiert werden kann.

Am Anfang von Theater ist Kommunikation von Geist und Leib. Kommunikation mit den Texten und Rollen, mit Technik und diversen Utensilien. Kommunikation mit Spielorten und Spielsituationen. Kommunikation zwischen den einzelnen Akteuren des Stückes. Besonders wichtig: Der Umgang mit den eigenen Schwächen wie mit denen anderer muss kommunikabel bleiben. Selbstverständlich gilt das auch für den Umgang mit den eigenen Stärken wie mit den Stärken der anderen. Kommunikation im Theater ist zugleich die erhöhte Sensibilisierung für die gemeinsame Chance von Aufführungen. Um der Zukunft willen kann die Kommunikation auf, vor und hinter der Bühne nur konstruktiv gemeint und gemacht sein.

Am Anfang war Kommunikation. Ohne sie gäbe und gibt es keine Entwicklung. Und dort, wo sie nicht ist, ist der Tod. Nicht-Kommunikation ist Nicht-Leben. Schöpferisch sein besteht nie nur in Kreativität. Schöpferisch sein gelingt nur in Kommunikation.

Shlomi auf Spurensuche

Unterhalb alter Kupferminen quartiert sich Shlomi in einem Beduinen-Camp ein. Vor mehr als dreitausend Jahren soll hier in der Nähe das Volk Israel vorbeigezogen sein. Dass davon keinerlei Spuren erhalten geblieben sind, gehört bis heute zu den archäologischen Rätseln der israelitischen Frühgeschichte. Die Bewirtung ist wie immer im Orient von ausgezeichneter Qualität. Beduinen auf dem Sinai seien ägyptische Sicherheitspolizisten – sagt ein hartnäckiges Gerücht. Diese Halbinsel ist ja bekanntlich so etwas wie eine entmilitarisierte Zone.

Shlomi ist das egal. Das Camp muss vor einigen Wochen von einer Gruppe christlicher Pfadfinder besucht worden sein. Es seien deutsche Jugendliche gewesen. Aber auch andere, vor allem westeuropäische Jugendliche von ähnlichen Organisationen wie die Christlichen Pfadfinder aus Deutschland.

Shlomi, neugierig wie sie halt ist, erfährt mehr über die Gruppe. Sie sei quer durch Ägypten unterwegs. Ihr erstes Ziel sei der Moses-Berg und das Katharinen-Kloster. Fast „um die Ecke“ also. Dort wollen sie die Erinnerung an die legendären Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten und an die legendäre Begegnung zwischen Moses und Jahwe am „Brennenden Dornbusch“ auffrischen. Der Gottesstratege Moses gehört zu den Urvätern jüdischen Denkens und Glaubens. Und Jahwe wird so ehrfürchtig verehrt, dass man vermeidet, seinen Namen auszusprechen. Das Erlebnis eines Sonnenaufgangs auf dem Berg ist mehr als ein touristisches Muss.

Im Katharinen-Kloster würde die Gruppe das nächste Ziel genannt bekommen: das große Denkmal am Suezkanal, das an den ägyptisch-israelischen Krieg im vergangenen Jahrhundert erinnert.

Ein gut verschlossenes Metallkästchen am Fuße des Sockels würde die Informationen für das dritte Ziel enthalten. Das ist dann schon eine wesentlich größere Etappe dorthin: Die Pyramiden von Sakkara, die ältesten erhaltenen aus den Anfängen der ägyptischen Hochkultur. Eine dieser Pyramiden ist zugänglich gemacht. In ihrem Inneren würde die Gruppe schließlich das letzte Ziel erfahren: das koptische Kloster Amba Baramus zwischen Alexandria und Kairo.

Diese vier Etappen seien aber nicht nur touristische Unternehmungen, von und für europäische junge Christen aus Europa organisiert. Die Besuche seien verbunden mit einer besonderen Aufgabenstellung. Die Teilnehmenden sollen biblische Texte eigener Wahl „transformieren“, also übersetzen, übertragen, in gegenwärtige Denkrahmen und Erlebnisstrukturen unter Beibehaltung ihrer ursprünglichen Zielsetzungen und Überlieferungsmotive. In und an den vier Zielorten sollen die Transformationsergebnisse fünfsprachig hinterlegt werden. Nachfolgende Unternehmungen sollen später mit darauf aufbauenden und daran anknüpfenden Aufgaben weitergeführt werden.

Shlomi hat „Feuer gefangen“. Und sie entwirft sofort einen Plan. Sie will unbedingt auf den Spuren dieser Jugendgruppe jene Zielorte besuchen und jene Texte ausfindig machen. Shlomi hat Glück. Sie wird in der Tat fündig. Im Katharinen-Kloster, am großen Denkmal, in der Pyramide bei Sakkara und im koptischen Kloster. Die jeweils deutsche Version hat sie abgeschrieben und mitgenommen.

In der Station am Moses-Berg findet sie „Die Story vom Brennenden Dornbusch“, im Metallkästchen am Denkmalsockel die „Zehn Gebote für den Frieden“, in der Pyramide die moderne Ausgabe vom „Turmbau zu Babel“ und vom Abt des koptischen Klosters erhält Shlomi ein Blatt, auf dem die europäischen Jugendlichen die „Aktualisierung des Vaterunser-Gebetes“ geschrieben haben.

Das Innere der Pyramide zu erreichen, war beschwerlich. 40 Meter lang war der Stollen. Nur gebückt, manchmal kriechend, kommt man dort voran. Die Luft wird so grenzwertig, dass Shlomi mehr als einmal daran denkt umzukehren. Doch wer weiß, sagt sie sich, ob sie jemals wieder hierher kommen wird. Also „Nase zu“ und weiter!

FUND 2: DIALOG AM LEGENDÄREN DORNBUSCH

A

Moses, bleib auf dem Teppich! Du kannst nicht beweisen, dass Gott zu dir geredet hat.

MI

Du hast nichts in der Hand. Das mit dem brennenden Dornbusch nimmt dir keiner ab.

MO

Aber ich habe es doch erlebt! Meint ihr, ich habe Bock auf Ägypten. Die werden sich noch sehr genau daran erinnern, dass ich den schärfsten ihrer Aufseher unschädlich gemacht habe. Die kennen mich. Ich bin doch mit ihnen von Kindesbeinen an immer zusammen gewesen. Ich erfinde eine solche Story nicht. Das müsst ihr mir glauben.

A

Moses! Vielleicht – ich frage das sehr vorsichtig – warst du nicht mehr Herr deiner Sinne. Du warst in letzter Zeit sehr, sehr erschöpft. Manchmal hört man da was, was es gar nicht gibt.

MI

Und vergiss nicht: Es war sehr heiß da draußen.

MO

Ihr könnt mir das nicht ausreden. Das sitzt zu tief. Wenn du Gott einmal erlebst – dann hast du eine Grenze überschritten in eine Zukunft, die mit der Zeit immer heller wird, dann lebst du in dieser Welt so, als wäre das, was du erlebst, noch längst nicht alles, als wäre da immer alles offen, als käme da noch was, was du noch nicht kennst.

MI

Hör auf. Das versteht doch sowieso keiner.

MO

Ich stand vor diesem Dornbusch, der brannte, aber nicht verbrannte. Und hörte fasziniert jene unvergesslichen Worte. Ich soll mein gequältes Volk aus der ägyptischen Sklaverei retten helfen. Ich soll zu Pharao gehen und von ihm die Freiheit für Israel fordern. Und wenn mich jemand fragt, wer mich in diese ägyptische Hölle geschickt hat, dann soll ich sagen, der „Überall und Immer“ hat mich geschickt. Ich werde gehen. Ich kann nicht anders.

A

Mirjam, dann gehen wir auch mit. Wir sind seine Geschwister, und unseren Bruder lassen wir nicht allein.

MO

Dann kommt.

FUND 3: EMPFEHLUNGEN FÜR FRIEDEN

1.

Kauft Kindern kein Kriegsspielzeug

Denn

Wer spielend Krieg lernt, für den wird selbst das Schlachtfeld

zum Spielplatz

2.

Malt Kindern den Frieden aus

Denn

Wer Friedensbilder malt, wirft die Feindbilder auf den Schrott

3.

Stellt gute Fragen Soldatenwerbern

Denn

Nachdenken ist auch für den Frieden die beste Vorarbeit

4.

Lernt Krieg hassen

Denn

Der Hass gegen den Krieg gehört zu den Überlebensmitteln

5.

Glaubt nicht an gerechte Kriege

Denn

Dieses Märchen hat bereits Millionen Tote gekostet

6.

Bringt sinnvolle Opfer

Denn

Hingabe macht lebendig, und was lebendig macht, ist

heldenhaft

7.

Trainiert untereinander Frieden

Denn

Je besser man miteinander umgeht, desto weniger wird man

einander umlegen

8.

Feiert schon jetzt Frieden

Denn

Was jemand hofft, das feiert er auch

9.

Haltet Kontakt zum Ausland

Denn

Frieden ist grenzenlos

10.

Sucht die Bibel nach Frieden ab

Denn

Sie war schon oft die größte Provokation zum Frieden

FUND 4: IMMER NOCH UND IMMER WIEDER TURMBAU

F

Irgendetwas liegt in der Luft.

R

Das sagst du schon seit Wochen.

A

Ich muss Farak zustimmen. Es wird immer verrückter. Man sagt, die Stadt habe ein Projekt ausgeschrieben von einer Größenordnung, die alles Bisherige in den Schatten stellt.

R

Hab auch davon gehört. Die Berechnungen hätten drei Jahre in Anspruch genommen.

F

Irgendetwas liegt in der Luft.

R

Unke doch nicht immer so.

F

Du wirst sehen.

E

Die Zeit vergeht. Sie vergeht sehr schnell. Ebenso schnell wächst das Projekt. „Die Spitze“ hat man es genannt. Im Internet kann man sich über alle Details genauestens informieren. Es ist ein internationales Projekt. Jede Nation, jedes Volk, jeder Stamm, jede Rasse ist beteiligt. In einer noch nie dagewesenen Bildungskampagne hat man in nur einem Jahr erreicht, dass alle Welt nur eine Sprache spricht. Die Weltsprache eben. Jeder versteht jeden. Und es gibt keine Kommunikationsprobleme. Ein ungeheurer Vorteil für das Projekt. „Die Spitze“ – der Name wurde nicht verändert – hatte in den ersten Bauabschnitten die Gestalt eines Turmes. Aber „Die Spitze“ war viel mehr als ein Turm. Niemand zweifelt daran, dass alles gelingt. Es gab noch keine Panne! Ungewöhnlich. Geradezu faszinierend.

F

Ich bleibe dabei. Irgendetwas …

R

… liegt in der Luft. Langsam gehst du einem auf den Geist.

F

Ihr kriegt wohl gar nichts mehr mit?

R

Was denn?

F

Seit gestern sind alle Religionen abgeschafft. Begründung: kein Bedarf und schon gar keine Notwendigkeit.

A

Na und! Das hat man doch kommen sehen. Wozu auch Religion?

R

Stört dich das, Farak?

F

Was heißt „stören“? Ich hab da meine Bedenken, um nicht zu sagen Angst! Menschen, die sich selbst zum Maßstab aller Dinge machen, scheuen vor nichts zurück. Für mich hat das ganze Projekt etwas Aggressives. „Die Spitze“ – warum hat man denn diesen blöden Namen nicht geändert – ist doch gegen irgendetwas gerichtet. Oder nicht?

A

Da macht mir anderes viel mehr zu schaffen. Wie hoch hinaus wollen die denn noch? Bisher sind alle Grenzen durchbrochen worden. Und es geht immer weiter. Kein Ende in Sicht. In den Medien wird auch immer nur berichtet, wie weit man

schon wieder gekommen ist – nie sagt einer genau, wohin das alles geht.

E