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Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Die Serie von Patricia Vandenberg befindet sich inzwischen in der zweiten Autoren- und auch Arztgeneration. Mit gesenktem Kopf saß Michaela Kunz an ihrem Schreibtisch und dachte angestrengt nach. Wie soll ich es nur Peter sagen, ging es ihr wieder, wie schon so oft, durch den Sinn. Aber heute würde er zurückkommen von seiner Geschäftsreise, und sie würde es ihm sagen müssen. Vielleicht ist alles auch für ihn gar nicht so schlimm, dachte sie weiter. Manche Männer sind plötzlich ganz närrisch, wenn sie Vater werden. Das hatte Dr. Norden auch zu ihr gesagt. Sie schrak zusammen, als sie jetzt die Stimme ihres Chefs vernahm. »Es tut mir leid, gnädige Frau, aber ich kann Ihren Fall nicht übernehmen. Ich habe meine Prinzipien, und mit falschen Karten spiele ich nicht. Es gibt sicher Anwälte, die bereit sind, Ihnen zu helfen. Ansonsten würde ich Ihnen empfehlen, lieber Ihrem Gatten reinen Wein einzuschenken.« Michaela wußte, daß Dr. Kraemer wollte, daß sie das mithörte. Er schaltete manchmal die Sprechanlage unauffällig ein, wenn er einen Klienten nicht loswerden konnte. Für sie war es der Zeitpunkt, einzugreifen. Sie raffte sich auf und ging zu seinem Zimmer, klopfte an, und auf sein »Bitte, herein«, betrat sie den großen getäfelten Raum. »Ich muß leider stören, Herr Doktor«, sagte sie, »ich möchte Sie an Ihren Termin erinnern.
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Seitenzahl: 122
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Mit gesenktem Kopf saß Michaela Kunz an ihrem Schreibtisch und dachte angestrengt nach. Wie soll ich es nur Peter sagen, ging es ihr wieder, wie schon so oft, durch den Sinn. Aber heute würde er zurückkommen von seiner Geschäftsreise, und sie würde es ihm sagen müssen.
Vielleicht ist alles auch für ihn gar nicht so schlimm, dachte sie weiter. Manche Männer sind plötzlich ganz närrisch, wenn sie Vater werden. Das hatte Dr. Norden auch zu ihr gesagt.
Sie schrak zusammen, als sie jetzt die Stimme ihres Chefs vernahm. »Es tut mir leid, gnädige Frau, aber ich kann Ihren Fall nicht übernehmen. Ich habe meine Prinzipien, und mit falschen Karten spiele ich nicht. Es gibt sicher Anwälte, die bereit sind, Ihnen zu helfen. Ansonsten würde ich Ihnen empfehlen, lieber Ihrem Gatten reinen Wein einzuschenken.«
Michaela wußte, daß Dr. Kraemer wollte, daß sie das mithörte. Er schaltete manchmal die Sprechanlage unauffällig ein, wenn er einen Klienten nicht loswerden konnte. Für sie war es der Zeitpunkt, einzugreifen. Sie raffte sich auf und ging zu seinem Zimmer, klopfte an, und auf sein »Bitte, herein«, betrat sie den großen getäfelten Raum.
»Ich muß leider stören, Herr Doktor«, sagte sie, »ich möchte Sie an Ihren Termin erinnern. Sie sind schon knapp in der Zeit.«
»Danke, Frau Kunz. Frau Burger wollte sowieso gerade gehen.«
Nun blieb Frau Burger auch gar nichts anderes übrig.
»Vielleicht überlegen Sie es sich doch noch«, sagte sie spitz zu Dr. Kraemer, maß Michaela mit einem herablassenden Blick und rauschte hinaus.
Er atmete auf.
»Das war unerfreulich«, sagte er. »Meine Schlußworte haben Sie ja mitbekommen. Was sich nur manche Frauen alles ausdenken, um die Scheidung zu erreichen und sich dabei noch gesundzustoßen, obwohl sie den Mann nach Strich und Faden betrogen haben. Entschuldigen Sie, Michaela, das mußte einfach heraus.«
»Ich habe es schon vergessen.« Sie zwang sich zu einem Lächeln, aber er sah sie forschend an.
»Fehlt Ihnen etwas? Sie sind so blaß«, stellte er fest.
»Es ist sicher der Föhn. Ich bekomme da leicht Kopfschmerzen«, redete sie sich heraus.
»Sie können für heute auch Schluß machen. Ich muß tatsächlich noch fort. Ruhen Sie sich am Wochenende aus. Mir ist offengestanden auch nicht ganz wohl. Es war eine schlimme Woche.«
Zwischen ihnen herrschte ein Vertrauensverhältnis. Seit vier Jahren war Michaela bei ihm als Anwaltsgehilfin tätig. Gleich nach dem Abitur war sie zu ihm gekommen. Studieren konnte sie nicht, weil sie bald Geld verdienen mußte, aber sie hatte sich schon immer für die Rechtswissenschaften interessiert und war sehr froh, einen Chef wie Dr. Kraemer gefunden zu haben, der selbst erst Anfang Dreißig war, aber sich als sehr guter Lehrmeister erwies.
»Gönnen Sie sich wirklich mal Ruhe«, sagte er besorgt, »und wälzen Sie nicht wieder schlaue Bücher. Sie wissen ja schon bald mehr als ich.«
»Das stimmt aber nicht«, erwiderte sie. »Ich habe von Ihnen nur schon sehr viel abgeguckt.«
Er lächelte, was sein ernstes Gesicht sehr anziehend machte. Er lächelte selten. Michaela wußte, daß er in seinem Leben schon viel Leid erfahren hatte, und auch diesbezüglich fühlte sie sich ihm irgendwie verbunden.
Dr. Kraemer sollte Michaela an diesem späten Nachmittag aber nochmals sehen, und da war er sehr überrascht, aber auch froh, daß sie ihn nicht bemerkt hatte, denn sie kam aus Dr. Nordens Praxis, und er wollte ihn gerade aufsuchen.
*
Michaela hatte sich zu Dr. Norden geflüchtet. Da sie früher als sonst die Kanzlei verlassen konnte, war es noch Zeit, ihn in seiner Praxis aufzusuchen. Er war der einzige Mensch, den sie um Rat fragen konnte. Er war der Einzige, der wußte, daß sie schwanger war. Ihre Eltern waren geschieden, und beide hatten wieder andere Partner. Für Michaela war die Welt in Unordnung geraten, als dies geschehen war, und so hatte sie sich an Peter Stoll geklammert, ihren Jugendfreund, den sie schon seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr kannte. Und dann war es auch ein Glück für sie gewesen, die Stellung bei Dr. Kraemer zu bekommen, denn einen verständnisvolleren Chef konnte sie sich nicht wünschen.
Sie konnte auch keinen verständnisvolleren Arzt als Dr. Norden finden, und als sie jetzt vor ihm saß, blaß und nervös, war er sehr besorgt.
»Was bedrückt Sie, Michaela?« fragte er.
»Es ist wegen des Babys. Ich weiß nicht, wie ich es Peter sagen soll. Er denkt doch jetzt an seine Karriere, und er wollte nie früh ein Kind haben. Meinen Sie nicht, daß ein Schwangerschaftsabbruch besser wäre?«
Es hatte sie viel Überwindung gekostet, und das merkte Dr. Norden auch.
»Wollen Sie das wirklich?« fragte er behutsam.
»Wenn es nur nach mir ginge, nicht. Aber was soll ich tun, wenn Peter dagegen ist, daß ich das Kind austrage? Was soll ich denn machen, wenn er mich sitzen läßt?«
»Da würde sich immer ein Weg finden lassen, Michaela. Sie könnten es auch zur Adoption geben, wenn Sie es dann wirklich nicht behalten wollen. Aber ich glaube nicht, daß Sie diese Einstellung haben.«
»Aber was soll ich Dr. Kraemer sagen? Wenn er mich nun entläßt?«
»Das dürfte er gar nicht, und außerdem würde er es auch nicht tun, wie ich ihn kenne.«
»Sie kennen ihn?« fragte Michaela erstaunt.
»Er ist ab und zu auch mal mein Patient.«
»Das wußte ich nicht.«
»Oft kommt er auch nicht.« Auf keinen Fall wollte Dr. Norden jetzt sagen, daß er damals die Stelle für Michaela vermittelt hatte. Als sie Dr. Norden gesagt hatte, daß sie sich bei ihm bewerben wollte, hatte er Christoph Kraemer auf sie aufmerksam gemacht, und er wußte, daß sie es beide nicht bereuen mußten.
»Dr. Kraemer ist ein so feiner Mensch«, sagte Michaela gepreßt. »Er wird es sicher nicht verstehen. Ich schäme mich doch so, aber ich habe bestimmt gedacht, daß Peter mich heiraten würde.«
Dr. Norden betrachtete sie nachdenklich. Sie war nicht ausgesprochen hübsch zu nennen, aber dafür hatte er sowieso nicht viel übrig. Michaela hatte ein ausdrucksvolles Gesicht und wunderschöne topasfarbene Augen, eine zierliche Figur, sehr schöne Hände und ansehnliche Beine. Er kannte sie schon lange genug, um beurteilen zu können, daß sie sich von einem schlaksigen Teenager immer vorteilhafter entwickelt hatte, aber jetzt war sie traurig und in sich zerrissen, und das drückte sich auch in ihrem Gesicht aus.
»Gerade weil Dr. Kraemer ein wirklich feiner Mensch ist, wird er Sie verstehen, Michaela«, sagte er ermutigend. »Will Ihr Verlobter denn nicht heiraten?«
»Später mal, sagt er immer. Seine berufliche Karriere ist vorrangig. Er will Verkaufsleiter werden. Da ist er viel unterwegs, und Kinder behindern nur, wenn man öfter mal umziehen muß, meint er auch.«
»Aber Sie lieben ihn?«
Michaela senkte den Blick. »Ich habe mich nie für einen anderen Mann interessiert. Wir kennen uns schon so lange und haben uns auch immer vertragen. Er hat keine Eltern mehr und mit meinen verstehe ich mich nicht mehr. Ich kenne keine anderen Männer, da hat man auch keine Vergleichsmöglichkeiten«, fügte sie stockend hinzu.
Es sind ihr also schon Zweifel gekommen, ging es Dr. Norden durch den Sinn.
»Sie kennen doch zum Beispiel Dr. Kraemer und auch mich«, meinte er lächelnd.
»Damit ist doch Peter nicht zu vergleichen. Das sind andere Welten.«
»Liebe Güte, Sie sind eine gebildete junge Frau, und Sie haben aus Ihrer schwierigen Situation das Bestmögliche gemacht. Sie brauchen Ihr Licht doch nicht unter den Scheffel zu stellen.«
»Sie können gut trösten, Herr Dr. Norden, aber Männer wie Sie oder Dr. Kraemer schauen mich doch gar nicht an.«
»Jetzt ist es aber genug, Michaela. Ich schaue Sie sehr gern an, und wenn ich nicht glücklich verheiratet wäre und fünf Kinder hätte, würde ich Sie auch mal zum Essen einladen. Und vielleicht würde das auch Dr. Kraemer tun, wenn er nicht wüßte, daß Sie gebunden sind.«
Michaela errötete. »Das sagen Sie doch nur so, aber es ist sehr nett von Ihnen, nur nutzt es mir nicht viel in meiner Lage. Sie würden mir also von einer Schwangerschaftsunterbrechung abraten?«
»Aber gewiß. Sie würden es später sehr bereuen, davon bin ich überzeugt. Ich kenne Sie, Michaela. Ihr Gewissen würde Sie plagen. Aber was ich Ihnen sage, ist kein Dahingerede. Sie können sich auf mich verlassen. Ich werde Ihnen helfen. Und wenn Sie einverstanden sind, werde ich auch mit Dr. Kraemer reden, wenn Sie sich nicht trauen.«
Sie straffte sich. »Ich werde erst mit Peter reden«, sagte sie. »Vielleicht geht alles besser, als ich denke.«
Hoffentlich, dachte Dr. Norden, denn er wünschte Michaela einen Mann, der ihrer wert war.
*
Dr. Norden dachte noch über Michaela nach, als sich draußen vor der Tür Christoph Kraemer ebenfalls Gedanken über seine Mitarbeiterin machte. Sie hatte ihn nicht bemerkt, und darüber war er erleichtert. Sie brauchte nicht zu wissen, daß er Dr. Norden aufsuchen wollte. Aber was fehlte Michaela? Ihm war aufgefallen, daß sie schon ein paar Tage blaß und bedrückt war. Und auch jetzt schien sie völlig geistesabwesend zu sein. Er wollte Dr. Norden fragen, ob ihr etwas fehle.
Dr. Norden dachte indessen, daß Michaela nicht der Typ Frau war, der leicht über eine Schwangerschaftsunterbrechung hinwegkommen würde. Aber die Erfahrung hatte ihn auch gelehrt, daß es für manche Kinder tatsächlich besser sein mochte, wenn sie gar nicht erst geboren wurden. Aber er hatte auch Frauen kennengelernt, die aus ähnlichen Gründen wie Michaela auf ein Kind verzichteten und es später bitter bereuten. Zudem war er ein guter Psychologe und wußte, daß Michaela gegen ihre innere Überzeugung redete. Er hätte ihr noch viel mehr sagen wollen, aber vielleicht konnte er das später noch tun. Er erwartete ja Dr. Kraemer, und dem war es gewiß nicht recht, hier mit Michaela zusammenzutreffen. Das sollte er auch gleich bestätigt bekommen.
»Ich wäre fast mit Frau Kunz zusammengestoßen«, sagte er leicht verlegen. »Zum Glück hat sie mich nicht bemerkt. Sie war bei Ihnen?«
»Ja, sie war bei mir.«
»Sie ist doch hoffentlich nicht ernsthaft krank? Sie ist schon seit ein paar Tagen so blaß.« Echte Besorgnis klang jetzt aus seiner Stimme.
»Sie ist nicht eigentlich krank«, erwiderte Daniel Norden ausweichend.
»Dann hat sie Kummer. Würden Sie mir sagen, warum und wie man ihr helfen könnte?«
»Momentan weiß ich es auch nicht.«
Christoph Kraemer sah ihn forschend an. »Ist sie etwa schwanger?« fragte er heiser.
»Das haben Sie gesagt, ich nicht. Ich dürfte es nämlich nicht sagen.«
»Aber wäre das denn ein Problem? Sie ist doch verlobt.«
»Anscheinend hapert es da aber an Übereinstimmung. Ich darf mich dazu nicht weiter äußern.«
»Doch das dürfen Sie. Ich bin Anwalt. Betrachten Sie mich also als Michaelas Anwalt. Ihr Wohl liegt mir sehr am Herzen. Sie wissen, in welche Situation ich bald kommen kann. Ich könnte noch einiges für sie tun.«
»Sie braucht viel Verständnis. Sie fürchtet, ihre Stellung zu verlieren. An dem Mann hat sie bestimmt keinen Rückhalt.«
»Sie hat nie über ihn gesprochen. Sie ist sehr zurückhaltend.«
»Sie ist eines jener gutgläubigen Geschöpfe, die sich aus einem Gefühl der Einsamkeit an einen Mann klammern, den sie lange kennen und gut zu kennen glauben. Und es gibt leider genügend Männer, die solche Anhänglichkeit schamlos ausnutzen, aber keinerlei Verantwortung übernehmen wollen.«
»Sie hat viele Qualitäten, die ich zu schätzen weiß«, sagte Christoph. »Es gibt ja nicht nur Männer, denen man nicht vertrauen kann, es gibt auch Frauen, die ehrliche Zuneigung schamlos ausnutzen. So gesehen habe ich mit Michaela mehr gemeinsam, als ich bisher wußte. Ich bin Ihnen jedenfalls dankbar für Ihre Andeutungen. Und nun zu mir. Was sagte der Befund?«
»Daß Sie sich einer klinischen Untersuchung unterziehen müssen, da eine eingehende Röntgenuntersuchung gemacht werden muß, auch eine Gastroskopie.«
»Es ist also Krebs?« sagte Christoph dumpf.
»Es könnte sich um ein Karzinom handeln, aber die Symptome sind unklar und nicht hilfreich. Es liegt keine Anämie vor, und auch die Blutsenkung ist fast noch normal zu nennen. Es gibt solche ungewöhnlichen Fälle, aber ich kann Ihnen auch sagen, daß dann eine Operation zu einem vollen Erfolg führen kann.«
»Kann«, wiederholte Christoph tonlos. »Auch mein Vater ist an Magenkrebs gestorben und meine Mutter aus Kummer über seinen Tod. Mir wird wenigstens niemand nachweinen.«
»Sie dürfen nicht resignieren. Ich habe nur den Ernst der Situation deshalb betont, um Sie möglicherweise zu einer baldigen Generaluntersuchung und auch Operation zu bewegen.«
»Wie lange darf ich überlegen?« fragte Christoph.
»Die genaue Untersuchung sollte möglichst sofort durchgeführt werden, und dann werden die Ärzte beraten, wieviel Zeit Sie sich noch mit einer möglichen Operation lassen können.«
»Ich habe nächste Woche ein paar wichtige Prozesse. Ich kann meine Mandanten nicht im Stich lassen.«
»Ich kann mit Dr. Behnisch sprechen, daß er die Röntgenaufnahmen nachmittags macht, und die Gastroskopie am frühen Morgen. Wir sind befreundet, er würde eine Ausnahme machen.«
»Sie meinen es gut, Dr. Norden«, sagte Christoph tonlos.
»Sie sind noch jung und dürfen nicht resignieren! Es ist dazu kein Anlaß vorhanden.«
»Der Kreislauf macht mir aber auch zu schaffen. Deshalb bin ich ja eigentlich zu Ihnen gekommen.«
»Und das kann Ihr Glück sein, denn eine Früherkennung kann zur Genesung führen.«
»Sind Sie davon überzeugt?«
»Aber gewiß, wenn sich herausstellt, daß das Karzinom begrenzt ist, und das nehme ich an, weil die Laborwerte noch keine Gefahr erkennen lassen.«
»Ich möchte genauestens informiert werden«, sagte Christoph mit erzwungener Ruhe. »Jedenfalls habe ich jetzt noch viel zu erledigen.«
»Positives Denken ist sehr wichtig«, erklärte Daniel. Sie sprachen noch lange darüber.
*
Währenddessen war Michaela auf dem Heimweg. Sie hatte noch für das Wochenende eingekauft und dabei versucht, jetzt nicht an das Baby zu denken, sondern erst einmal Peters Meinung zu erforschen.
Sie schaute auf die Uhr. Er konnte schon da sein. Sie beeilte sich trotzdem nicht und hoffte, daß sie noch ruhiger werden würde.
Durch Dr. Kraemers Vermittlung hatte sie eine hübsche Dachgeschoßwohnung bekommen. Die Miete war günstig, die Vermieterin eine nette ältere Dame. Sie hatte auch nichts dagegen gehabt, daß Peter vor sechs Wochen einzog, weil er seine Wohnung räumen mußte. Angeblich war ihm gekündigt worden, und Michaela hatte ihm das freilich geglaubt.
Daß er bei ihr billiger wohnen konnte und auch noch versorgt wurde, kam ihr nicht in den Sinn. Sie war völlig ahnungslos, welch übles Spiel er schon seit einiger Zeit mit ihr trieb.
Im Haus war es still, als sie kam. Peters Wagen stand auch nicht vor der Tür. Frau Wegner ließ sich nicht blicken, und sonst wohnte niemand im Haus.
In der Wohnung kam ihr gleich etwas verändert vor, aber sie war so nervös, daß sie nicht gleich merkte, was fehlte. Dann sah sie einen Zettel auf dem Tisch liegen.
Liebe Michaela, ich habe nur meine Sachen geholt. Ich werde für längere Zeit abwesend sein. Es ist besser, wenn wir uns trennen. Ich brauche meine Freiheit, um meine Ziele zu verwirklichen. Laß es Dir gutgehen, Peter.
