Skull-Ranch 102 - H. J. Wayne - E-Book

Skull-Ranch 102 E-Book

H. J. Wayne

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Beschreibung

Es war so heiß in Amarillo, dass sich nicht einmal die Hunde auf die Mainstreet wagten. Die Sonne stand wie eine riesige Feuerkugel am strahlendblauen, wolkenlosen Texashimmel. Niemand sah oder hörte den hochgewachsenen Mann, der aus dem Schatten der Passage neben dem General Store trat. Er war dunkelhaarig, breitschultrig und bewegte sich mit der lässigen Eleganz eines Pumas. Keiner wusste, wer der Mann, der sich Chet Quade nannte, wirklich war und dass ein blutiger Mord die Männer von der Skull zu einem höllischen Kampf zwingen sollte...


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Seitenzahl: 146

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

Cover

Der falsche Marshal

Vorschau

Impressum

Der falsche Marshal

von H. J. Wayne

Es war so heiß in Amarillo, dass sich nicht einmal die Hunde auf die Mainstreet wagten. Die Sonne stand wie eine riesige Feuerkugel am strahlendblauen, wolkenlosen Texashimmel.

Niemand sah oder hörte den hochgewachsenen Mann, der aus dem Schatten der Passage neben dem General Store trat. Er war dunkelhaarig, breitschultrig und bewegte sich mit der lässigen Eleganz eines Pumas. Keiner wusste, wer der Mann, der sich Chet Quade nannte, wirklich war und dass ein blutiger Mord die Männer von der Skull zu einem höllischen Kampf zwingen sollte...

Das Pferd stand einige Yards hinter dem Fremden. Der Mann war vor der Stadt abgestiegen, hatte es am Zügel bis hierher geführt und es dann gedreht. Der Kopf des braunen Wallachs zeigte die Richtung, in der die Gärten der Häuser lagen.

Langsam ging der Mann weiter. Schritt für Schritt. Bis er die Mitte der Mainstreet erreicht hatte. Hier blieb er stehen, griff zu den Holstern, zog beide Revolver, überprüfte sie und ließ sie dann zurückgleiten.

Seine Augen zogen sich zu schmalen Schlitzen zusammen, als er sich nach allen Seiten umsah. »Okay, Hombre«, murmelte er, »besser kann es gar nicht kommen!«

Sein Kopf drehte sich ein wenig nach links, sein Blick fing das Haus ein, an dem ein Schild verriet, dass es das Marshal's Office beherbergte. Dann wanderte sein Blick nach rechts, blieb auf einem pompös wirkenden Haus haften. An der falschen Fassade prangte in riesigen Lettern der Name: ALAMO.

Der Mann grätschte die Beine, blieb so stehen, die Arme vor der Brust verschränkt. Von seinen Augen war nichts zu sehen, sie lagen jetzt im Schatten der breiten Hutkrempe.

»Forrester...!«, peitschte die harte Stimme des Mannes in die Stille.

Nichts rührte sich. Niemand zeigte sich. Kein Hund bellte. In Amarillo war es so still wie zuvor. Nur die Sonne schien unbarmherzig, ließ die Luft wabern und machte das Atmen zur Qual.

»Forrester, ich weiß, dass du da bist! Komm raus! Oder ich hole dich! Und was ich verspreche, halte ich auch!«

Der Mann nahm die Arme herunter. Nun baumelten sie an seinem Körper, als wäre kein Leben in ihnen. Um den schmallippigen Mund des Mannes war ein verkniffener Zug erschienen. Sein Gesicht war schweißbedeckt, das graue Flanellhemd wies dunkle Schweißflecke auf.

Die Pendeltüren des Alamo-Saloon schwangen nach außen. Ein mittelgroßer Mann betrat den Sidewalk. Er trug ein weißes Hemd, dessen Kragen offen war, eine dunkle Tuchhose, keinen Hut, aber einen Gurt, in dessen Holster ein Sechsschüsser steckte.

»Ich bin Forrester, Mann! Was wollen Sie?«

Hinter ihm tauchte das Gesicht einer Frau auf. Sie hatte rote Haare. »Geh nicht, Jim!«, schrie sie. »Siehst du nicht, was er vorhat?«

Jim Forrester wandte etwas den Kopf. »Verschwinde, Sheila!« Es war deutlich zu hören.

Sie versuchte, ihn zurückzuhalten, doch er machte sich mit einer Handbewegung frei und verließ den Sidewalk, betrat die Mainstreet und ging bis zur Mitte. Hier blieb er stehen und drehte sich um. Die beiden Männer standen sich nun gegenüber.

»Also? Wer sind Sie? Und was wollen Sie von mir, Hombre?«, fragte Jim Forrester.

»Dich«, klang es schneidend zurück. »Sagt dir der Name Mark Brent etwas? Oder erinnerst du dich nicht mehr an ihn?«

Forrester zuckte mit den Schultern.

»Ich erinnere mich genau«, gab er zurück. »Und?«

»Du hast ihn erschossen, Forrester! Deswegen bin ich hier. Eigentlich sollte ich dich mit deinem richtigen Namen anreden. Nicht Forrester, sondern Rossiter!«

»Okay. Es ist egal, wie du mich nennst. Aber vielleicht solltest du deinen Namen verraten, Hombre. Ich wüsste gern, wen ich in die Hölle schicke.«

Der andere nickte. »Klar, du hast das Recht, zu erfahren, wer Mark Brents Tod rächen will. Ich bin Chet Quade. Du hast ihn abgeknallt, ohne ihm eine Chance zu lassen! Du hast eine. Also zieh!«

»Nun mal langsam, Mann! Brent hat nicht nur falsch gespielt, sondern auch meine Schwester verge-«

Weiter kam Forrester nicht. »Zieh!«, unterbrach ihn die peitschende Stimme. »Genug geredet! Du hast jetzt deine Chance.«

Es blieb dem Mann, der sich in Amarillo Forrester nannte, nichts übrig. Er musste ziehen, wenn er sein Gesicht nicht verlieren wollte.

Forrester war schnell, aber der andere war noch schneller. Er zog erst, als Forrester seinen Sechsschüsser bereits aus dem Holster und die Schusshand hochgebracht hatte.

Zwei Schüsse krachten. Aber nur eine Kugel traf. Das 44 – 40er Geschoss aus Forresters Colt schlug links von seinem Herausforderer in den Boden der Mainstreet.

Sekundenlang stand Jim Forrester steif und starr da, sah erst auf seine Waffe, dann an sich herunter. Seine Augen weiteten sich ungläubig, als er den roten Fleck auf seinem weißen Hemd sah. Dann ließ er den Sechsschüsser fallen, kippte vornüber und schlug zu Boden.

Die beiden Schüsse hatten die Leute von Amarillo aus ihrem Siesta-Dösen gerissen. Fenster wurden geöffnet, Gesichter zeigten sich. Die Rothaarige stürzte aus dem Saloon, lief zu Forrester, kniete bei ihm nieder, warf sich über ihn, sprang dann aber jäh auf, öffnete den Mund.

»Mörder!«, wollte sie schreien, doch der Mann, der Jim Forrester erschossen hatte, war nicht mehr da. Wenig später klangen Hufschläge auf. Der Mann verließ Amarillo. Niemand folgte ihm. Marshal Hubbard befand sich nicht in der Stadt, sondern am Wild Horse Lake. Beim Angeln. Seine beiden Deputies lagen im leeren Jail und schliefen fest. Schuld daran waren außer der Hitze einige Whiskys, die ihnen Jim Forrester kurz vor Mittag spendiert hatte.

Niemand in Amarillo machte den drei Gesetzesvertretern einen Vorwurf, denn wer hätte auch damit rechnen können, dass ausgerechnet während der Siesta ein Mann kommen würde, um Jim Forrester einer Sache wegen zu töten, an die schon niemand mehr dachte?

Und schließlich hatte es auch noch nie um diese Zeit einen Zwischenfall in der Stadt gegeben, wenn der Marshal seinem Hobby, dem Angeln im Wild Horse Lake, nachging.

Sheila Cole war nun Besitzerin des Alamo-Saloon. Es gab viele Zeugen dafür, dass Jim Forrester einmal gesagt hatte, sie solle alles haben, was er besäße, stieße ihm irgendwann einmal etwas zu. Nun war ihm etwas zugestoßen.

Am gleichen Tage noch fand Jim Forrester seine letzte Ruhestatt auf dem Boot Hill. Die rothaarige Sheila aber schrieb einen Brief, den die Postkutsche am nächsten Tag mitnahm.

Adressiert war er an Lon Rossiter, postlagernd in Wichita, Kansas.

Mehr als ein halbes Jahr musste Sheila warten, bis Lon Rossiter eines Tages vor ihr stand. Die beiden schienen sich zu kennen. Jedenfalls kam es Marshal Hubbard so vor, der zufällig im Saloon war und das Treffen der beiden beobachtete.

Nicht, dass die beiden sich offensichtlich kannten, wunderte ihn, sondern vielmehr die Tatsache, dass Sheila die Trauer um Jim Forrester plötzlich vergessen zu haben schien. Misstrauisch aber war der Marshal, als er sich Rossiter und dessen Begleiter genauer betrachtete.

»Ich verschlucke meinen alten Filz, wenn sie allesamt nicht Revolverschwinger übelster Sorte sind«, meinte er später zu seinen Deputies.

Vielleicht hatte der Marshal recht, vielleicht auch nicht. Die drei Männer benahmen sich unauffällig. Es geschah nichts. Ihre Sechsschüsser blieben in den Holstern.

Einen Tag später verließen Lon Rossiter und seine Begleiter Amarillo.

Sie sind von der Skull-Ranch nach Golden City gekommen, um an einer Hochzeitsfeier teilzunehmen. Lance Carr, der Büchsenmacher, gedenkt, an diesem Tag in den heiligen Stand der Ehe zu treten.

Für die Skull-Leute ist es selbstverständlich, dass sie seiner Einladung gefolgt sind, schließlich ist die ganze Mannschaft Kunde in »Carr's Armoury«.

Aber noch ist es nicht so weit, noch haben die Glocken der kleinen Kirche nicht geläutet. So stehen sie vor dem Saloon und warten: John Morgan, seine hübsche Tochter Mary-Lou und Chet Quade, der Vormann. Etwas abseits unterhalten sich Doc Smoky, der Ranchkoch, Brazos und Shorty.

Zur Feier des Tages haben sie sich, wie Doc Smoky grinsend erklärte, mal vernünftig angezogen. Statt der Westen und Flanellhemden, tragen sie alle richtige Jacken, weiße Hemden und Schnürsenkelkrawatten aus New Hamphire-Samt. Und im Hotel haben sie sich vom schwarzen Hausdiener die Stiefel auf Hochglanz bringen lassen.

Auf eins haben sie jedoch nicht verzichtet: auf die Revolvergurte. »Ohne mein Schießeisen komme ich mir nackt vor«, erklärte Doc Smoky. Und die anderen pflichteten ihm bei. Nur Mary-Lou ist unbewaffnet.

Am Abend zuvor sind sie nach Golden City gekommen und haben im Hotel übernachtet. John Morgan und seine Tochter sind im Buggy gefahren, die anderen geritten.

»Yaaahu!« Doc Smoky schlägt sich klatschend auf den Schenkel. »Das wird ein Fest, Jungs!« Er wirft einen schnellen Blick zu Chet Quade und Mary-Lou hinüber. Dann senkt er die Stimme und flüstert Brazos und Shorty zu: »Möchte wissen, wann wir so'n Fest auf der Ranch feiern können!«

Sie alle auf der Skull wissen, dass die Tochter ihres Bosses den Vormann liebt und dass diese Liebe erwidert wird. Doch es sieht nicht so aus, als würde aus den beiden in absehbarer Zeit ein Paar werden. Am Rancher liegt das ganz sicher nicht. John Morgan hat gegen Chet Quade als Schwiegersohn nichts einzuwenden.

Dass das entscheidende Wort noch immer nicht gesprochen ist, liegt daran, dass Mary-Lou genauso dickköpfig ist wie Chet Quade. Und dann gibt es häufig – nach Doc Smokys Ansicht viel zu oft – Missverständnisse zwischen Vormann und Rancherstochter.

»Vielleicht finden sie Gefallen daran, wenn sie Carr und sein Mädchen vor dem Altar sehen«, meint Shorty, der kleine krummbeinige Cowboy, ebenso leise wie der Ranchkoch.

»Hoffentlich geht's bald los«, brummt Brazos. »Ich könnte einen guten Schluck brauchen, Freunde!«

Doc Smoky sieht den Hünen missbilligend an. »Himmel, Brazos, du bist unver... Höllenpest, ich sehe Ärger auf uns zukommen!« Er deutet mit der ausgestreckten Linken die Mainstreet hinunter, wo drei Reiter aufgetaucht sind.

Auch Chet Quade, der Rancher und Mary-Lou sind aufmerksam geworden. Die große schlanke Gestalt des Vormanns strafft sich. »Sternträger«, sagt er halblaut. »Was mögen die hier wollen?«

John Morgan wendet sich ihm zu. »Irgendeinen Grund werden sie schon haben, Chet. Wir werden's gleich erfahren.«

Noch ahnt niemand, dass es sie alle betrifft.

Langsam kommen die drei näher. Der Reiter in der Mitte trägt das silbern blinkende Wappenschild mit dem ausgestanzten Stern auf der schwarzen Lederweste, das ihn als US-Marshal ausweist. Die anderen ziert der fünfzackige Stern mit der Aufschrift US DEPUTY MARSHAL.

Sie haben harte Gesichter mit kalt blickenden Augen. Jeder von ihnen trägt zwei Sechsschüsser in den Holstern. In den Scabbards stecken Winchester-Gewehre.

Vor den Skull-Leuten parieren sie ihre Pferde. Der ganz in Schwarz gekleidete US-Marshal beugt sich ein wenig vor, stützt sich mit beiden Händen aufs Sattelhorn.

»Wir suchen einen Mann! Man hat uns gesagt, dass wir ihn hier finden«, sagt er. Seine Stimme klingt rau, seine eisgrauen Augen richten sich auf Chet Quade. Vielleicht ist es Zufall, möglicherweise aber auch Absicht.

Der Vormann hält dem funkelnden Blick stand. »Okay. Sie suchen einen Mann, Marshal! Warum erzählen Sie das uns? Dort drüben ist das Sheriff's Office. Wenn Sie was erfahren können, dann dort!«

»Ist gar nicht nötig! Ich denke, dass ich meinen Mann bereits gefunden habe. Sie sind doch Chet Quade, nicht?«

Sofort versteifen sich die Körper der Skull-Leute. Doc Smoky stößt einen Zischlaut aus, Brazos brummt irgendetwas. Und Shorty lacht meckernd.

Chet Quade wirft einen Blick zu John Morgan hinüber, dessen Gesicht sich verhärtet hat. Die Wangenknochen treten stark hervor. Mary-Lous Augen flackern unruhig.

»Wie meinen Sie das, Marshal?«, fragt der Rancher in scharfem Ton.

»Ihr habt schon verstanden«, klingt es halblaut zurück. Der drohende Unterton ist nicht zu überhören. »Wir haben einen Haftbefehl gegen Chet Quade.«

Der Vormann macht einen Schritt nach vorn. »Ah ja«, sagt er, »und weswegen?«

»Wegen Mordes!«, zischt der US-Marshal.

Mary-Lou stößt einen spitzen Schrei aus, klammert sich an den Arm ihres Vaters. Chet steht starr da, weiß im Moment nicht, was er darauf erwidern soll.

»Bei Ihnen unterm Hut scheint einiges nicht zu stimmen«, meldet sich Doc Smoky. »Wen soll er denn ermordet haben, Blechstern?«

»Das geht dich zwar nichts an«, schnaubt der Marshal, »aber ich will es dir trotzdem verraten. Meinen Bruder Jim!«

Ehe jemand etwas sagen kann, lacht Doc Smoky glucksend. »Ich werd' verrückt«, prustet er schließlich los, »Chet Quade und ein Killer! Marshal, Sie kenne ich nicht, dafür umso besser Chet! Wenn der also...«

»Shut up«, blafft der US-Marshal den Ranchkoch an. »Quade, waren Sie jemals in Amarillo?«

Der Vormann verschränkte die Arme vor der Brust, sieht dem Marshal ins harte Gesicht, in dem glühender Hass steht.

»Allerdings. Nicht nur einmal. Aber Ihren Bruder habe ich ganz sicher nicht getötet.«

»Was gibt's denn?«, erklingt hinter den drei Reitern eine Stimme. Sie gehört Sheriff George Rockwell. Er hält eine Parker unter dem rechten Arm.

»Nehmen Sie das Gewehr weg, Sheriff«, lässt sich John Morgan vernehmen. »Das sind drei US-Marshals. Sie wollen Chet verhaften. Wegen Mordes!«

»Einen größeren Blödsinn hab' ich noch nicht gehört«, meint der Sheriff von Golden City. Er senkt den Lauf der doppelläufigen Flinte und baut sich neben dem Rancher auf.

»Sind Sie sicher, Marshal?«, fragt er schließlich. »Sie wollen Chet Quade wegen Mordes verhaften? Das geht nur, wenn Sie einen richterlichen Haftbefehl haben!«

Der Marshal lacht gallig.

»Für was halten Sie uns, Sheriff? Ich kenne die Gesetze vielleicht besser als Sie! Natürlich hab' ich solchen Wisch. Ausgestellt von Richter Jenkins in Trinidad!«

Alle sehen sich an. Jeder von ihnen weiß, dass Trinidad in Colorado liegt. Somit hat der Haftbefehl in diesem Staat Gültigkeit.

Sheriff Rockwell räuspert sich, meint dann: »Na gut. Trotzdem sag' ich Ihnen, dass Chet Quade kein Mörder ist. Da können Sie jeden in dieser Stadt fragen. Und jeder wird Ihnen dasselbe antworten, Marshal! Da muss ein Irrtum vorliegen.«

»Wohl kaum«, klingt es zurück. »Quade gibt zu, in Amarillo gewesen zu sein. In dieser Stadt gibt es viele Zeugen, die gehört haben, wie der Mann, der meinen Bruder erschoss, seinen Namen nannte: Chet Quade. Zudem haben mir einige dieser Leute eine Beschreibung gegeben. Sie passt auf diesen Mann!« Seine Rechte weist auf Chet Quade.

Bis jetzt ist alles mehr oder weniger friedlich verlaufen. Weder die Skull-Leute noch die drei Marshals haben zur Waffe gegriffen. Nun zieht der US-Marshal seinen rechten Colt, richtet ihn auf Chet.

»Also, Mister, wir werden Sie mitnehmen. Skinny... Handy..., legt ihm Handschellen an!«

»Langsam, langsam«, meldet sich John Morgan zu Wort. »So einfach geht's nicht, Marshal. Erstens würde ich gern Ihren Namen wissen. Zweitens möchte ich den Haftbefehl sehen. Und drittens sollten Sie uns verraten, wann Quade Ihren Bruder in Amarillo erschossen haben soll!«

»Richtig«, knurrt George Rockwell, »und nehmen Sie Ihre Kanone ruhig weg, Marshal! Chet, dein Wort, dass du vernünftig bleibst!«

Der Vormann sieht den Sheriff an, nickt und erwidert: »Du hast mein Wort, George!«

Die drei Sternträger sehen sich an, und schließlich holstert der US-Marshal seine Waffe.

»Okay, okay«, meinte er, »es soll alles korrekt zugehen. Ich bin Lon Rossiter. Der links ist Skinny McArthur, der andere Handy Blysh. Hier sind die Papiere!« Er zieht zwei Schriftstücke aus der Ledertasche seiner Weste, reicht sie dem Sheriff. »Mein Bruder wurde im Juli vergangenen Jahres auf der Mainstreet von Amarillo erschossen.«

Chet Quade schüttelt den Kopf. »Dann kann ich's nicht gewesen sein, Marshal. Ich war im vorigen Jahr nur einmal in Amarillo. Für 'ne halbe Stunde. Und zwar im Mai.«

»Richtig«, posaunt Doc Smoky. »Im Juli war er hier, Marshal! In dieser Stadt. George, erinnere dich mal! Und wenn's dir nicht einfällt, siehst du ganz einfach in deinem Office nach.«

»Was soll das heißen?«, schnaubt Marshal Rossiter. »Es ist mir vollkommen gleich, wo und wann Quade war! Für mich zählt der Haftbefehl! Sonst nichts! Quade kann sich ja verteidigen, wenn er in Amarillo vor Gericht steht. Wir nehmen ihn mit!«

John Morgan wischt mit der Rechten durch die Luft. »Ich habe den Haftbefehl gesehen! Auch die Bestätigung, dass Sie US-Marshal Rossiter sind. Trotzdem: So einfach lasse ich es nicht zu, dass Sie meinen Vormann mitnehmen, Marshal! Sie werden uns ein paar Stunden Zeit geben! Unser Richter ist leider heute nicht in der Stadt, aber wir können über den Telegrafen Erkundigungen einziehen. Irgendetwas ist an dieser ganzen Sache faul! Quade war im Juli vorigen Jahres hier. Und nicht in Texas. Der Sheriff kann es Ihnen beweisen. Quade hat zwei Viehdiebe in die Stadt gebracht.«

»Der Juli hat einunddreißig Tage«, meint der Marshal und grinst spöttisch.

»Stimmt. Und die übrige Zeit war Quade auf der Ranch. Beziehungsweise im Bluegrass Valley bei den Herden«, kontert der Rancher.

»Na gut, wir werden warten. Bis heute Abend, Mister! Sheriff, Sie werden Quade so lange ins Jail sperren! Nur zur Vorsicht.«

Dagegen hat niemand einen Einwand. Abgesehen von Mary-Lou, deren Protest jedoch nichts nützt.

»Es wird sich herausstellen, dass es ein Irrtum ist«, meint John Morgan. »Und bei George Rockwell ist er in guter Obhut. Also, Chet, mach dich auf den Weg.«

Betont langsam bindet Chet seinen Gurt ab und übergibt ihn George Rockwell. Alle sehen den beiden nach, als sie über die Mainstreet zum Sheriff's Office gehen.

Die drei US-Marshals wenden ihre Gäule und reiten ein Stück weiter. Vor dem Saloon steigen sie ab, binden die Tiere am Hitchrack fest und betreten den Sidewalk. Hier dreht sich Rossiter um und blickt über die Straße. Dann nickt er und folgt den anderen beiden in den Saloon.

In diesem Moment beginnen die beiden Glocken der kleinen Kirche zu läuten.

»Es stinkt! Und zwar ganz gewaltig!«, knurrt Doc Smoky. »Beim Kochlöffel, Boss, diese drei Sternträger gefallen mir überhaupt nicht. Haben Sie sich mal diese Gesichter angesehen? Solche Visagen schleppen Galgenvögel mit sich herum und keine US-Marshals.«

John Morgan winkt ab. »Mir sind die drei auch unsympathisch, aber das ändert nichts daran, dass der Haftbefehl echt und von Richter Jenkins in Trinidad unterschrieben ist. Die Legitimation Rossiters stimmt ebenfalls. Da es aber Chet nicht war, muss es sich um ein Missverständnis handeln. Und das werden wir aufklären.«

»Aber wie?«, will Shorty wissen.