SPANNEND AUF HOHEM NIVEAU - Jörg Weigand - E-Book

SPANNEND AUF HOHEM NIVEAU E-Book

Jörg Weigand

0,0

Beschreibung

Romanhefte und ihr Inhalt, gemeinhin auch als »Kioskliteratur« bekannt, haben einen schlechten Ruf. Man spricht von »Schund« und meint die über lange Jahrzehnte weitverbreiteten Unterhaltungsromane im flexiblen und handlichen Format. Heutzutage, im Zeitalter des Internets und der digitalen Unterhaltung spielt diese Form der Vermarktung von unterhaltender Lektüre zunehmend eine untergeordnete Rolle. Freilich ist dieses Urteil – wie bei fast allen Verallgemeinerungen – lediglich ein Teil der Wahrheit, wenn auch ein wichtiger. Wer sich genauer informiert, stößt immer wieder, wenn auch nicht gleichmäßig verteilt, auch in dieser Form der Vermarktung auf gute Unterhaltungsliteratur, ja Weltliteratur. Für den Konsumenten sind solche Romanhefte einfach spannende Lektüre, ohne zu wissen, wie »gut« diese Texte sind. In diesem Buch finden Sie eine Auflistung der Autoren und ihrer Werke der anspruchsvollen Literatur im Romanheft.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 89

Veröffentlichungsjahr: 2026

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Jörg Weigand

Spannend auf hohem Niveau

Anspruchsvolle Literatur im Romanheft

Außer der Reihe 101

Jörg Weigand

SPANNEND AUF HOHEM NIVEAU

Anspruchsvolle Literatur im Romanheft

Außer der Reihe 101

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.d-nb.de abrufbar.

© dieser Ausgabe: Februar 2026

p.machinery Michael Haitel

Die Urheberrechtsinhaber behalten sich die Verwertung der urheberrechtlich geschützten Inhalte dieses Werkes für Zwecke des Text- und Data-Minings nach § 44 b UrhG ausdrücklich vor. Jegliche unbefugte Nutzung ist ausgeschlossen.

Titelbild: N. N. (freepik.com)

Layout & Umschlaggestaltung: global:epropaganda

Lektorat & Korrektorat: Michael Haitel

Herstellung: global:epropaganda

Verlag: p.machinery Michael Haitel

Norderweg 31, 25887 Winnert

www.pmachinery.de

ISBN der Printausgabe: 978 3 95765 500 4

ISBN dieses E-Books: 978 3 95765 662 9

Wichtige Vorbemerkung

Zu unterscheiden sind zwei Begriffe:

Romanheft

Darunter ist die Publikationsform zu verstehen: Broschur im Gegensatz zum gebundenen Hardcover bzw. zum Taschenbuch. Romanhefte werden zu den Zeitschriften gezählt und über den Zeitschriftengroßhandel vertrieben. Zu den Romanheften rechnet man auch die sogenannten Taschenhefte, ein Zwischending zwischen Romanheft und Taschenbuch, oft wegen des größeren Umfangs auch als »Großband« oder »Sonderband« bezeichnet.

Heftroman

Darunter sind speziell für die Publikationsform Romanheft geschriebene Unterhaltungstexte, oft schnell und routiniert heruntergeschrieben. Der oft erschreckend miesen Qualität, was Stil und Einfallsreichtum angeht, verdanken die Heftromane unter anderem ihren schlechten Ruf als »Schundliteratur«.

Anspruchsvolle Literatur im Romanheft

Eine Einführung

Romanhefte und ihr Inhalt, gemeinhin auch als »Kioskliteratur« bekannt, haben einen schlechten Ruf. Man spricht von »Schund« und meint die über lange Jahrzehnte weitverbreiteten Unterhaltungsromane im flexiblen und handlichen Format. Heutzutage, im Zeitalter des Internets und der digitalen Unterhaltung spielt diese Form der Vermarktung von unterhaltender Lektüre zunehmend eine untergeordnete Rolle.

Freilich ist dieses Urteil – wie bei fast allen Verallgemeinerungen – lediglich ein Teil der Wahrheit, wenn auch ein wichtiger. Wer sich genauer informiert, stößt immer wieder, wenn auch nicht gleichmäßig verteilt, auch in dieser Form der Vermarktung auf gute Unterhaltungsliteratur, ja Weltliteratur. Für den Konsumenten sind solche Romanhefte einfach spannende Lektüre, ohne zu wissen, wie »gut« diese Texte sind.

Der 1995 verstorbene Verleger Gustav H. Lübbe, Inhaber des Bastei-Verlages, hat im Jahre 1976 dem Verfasser dieser Zeilen gegenüber seine Theorie vom »Herauflesen« dargelegt. Seine These lautete, dass sich ein Heftromanleser von der seichten Unterhaltung bis in die Höhen der Weltliteratur emporlesen könne. Im Einzelnen führte Lübbe aus:

»Ich habe zunächst gemerkt, dass zum Beispiel bei Einstellungsgesprächen eine Unzahl von Menschen sagen, sie lesen überhaupt nicht. Das gilt sowohl für den Diplomkaufmann wie für die Putzfrau. Daraus habe ich geschlossen, dass man Menschen zum Lesen überhaupt erst einmal heranführen muss, an das Empfinden der Schönheit des abendlichen Lesens oder des Ruhewertes, und habe daraufhin überlegt: Wenn ein Mensch unentwegt liest, wird er natürlich anspruchsvoller, er wendet sich größeren Themen zu; man kann ihn durch Lesetraining dazu bringen, sich von volkstümlicher bis zur schöngeistigen Literatur hinauf zu lesen. Wir haben in der ›Neuen Ruhr Zeitung‹ einen Leserbrief gefunden, in dem es heißt: ›Ohne Jerry Cotton hätte ich niemals Zuckmayer, Beckett, Buck oder Spinoza in die Hand genommen. Ich habe mich tatsächlich hinaufgelesen, über Cotton, Abenteuergeschichten, Autoren wie Simmel und Heinrich hin zur Weltliteratur. Und wie mir ist es sicher auch noch anderen Leuten ergangen.‹«

Abgesehen davon, dass trotz vieler (auch berechtigter) Vorbehalte gegen Romanheftliteratur auch gilt, dass in manchem Heftroman ein besserer Stil gepflegt und spannender und ideenreicher (sprich: gekonnter) erzählt wird als in gar nicht so wenigen als Taschenbuch oder gar Hardcover verlegten Romanen, findet der aufmerksame Beobachter in diesen Reihen auch immer wieder anspruchsvollere Literatur, Weltliteratur gar.

Gewiss ist es nicht die Regel, dass Autoren wie James Fenimore Cooper, Edgar Allan Poe oder Theodor Fontane am Kiosk angeboten werden, aber: Es gibt sie! Und es gab sie auch schon vor dem Ersten Weltkrieg. Nur hat im Laufe langer Jahrzehnte dies kaum einmal jemand beachtet. Da nicht wenige dieser Romanheftreihen nicht oder nur unzureichend bibliografiert sind, scheint hier die Notwendigkeit eines Nachweises vonnöten.

Dies gilt insbesondere für sogenannte »Frauenroman«-Reihen, da es dafür weitaus weniger Sammler beziehungsweise Sammlerinnen gibt als für Kriminalromane, Western, Abenteuer- oder utopisch-fantastische Romane. So kann es geschehen, dass der Flohmarktbesucher in der Ramschkiste einen Band aus der Taschenheft-Reihe »Rothbarts Taschenbücher, eine Sammlung von Erzählungen und Novellen« (Kleinformat, 64 Seiten Umfang, Verlag von Friedrich Rothbart, Leipzig und Bern) entdeckt, in diesem Falle Band 20 »Brennende Reue« von Christine Ruhland, einer wohl nie bedeutenden und heute total unbekannten Autorin. Im Titelverzeichnis allerdings finden sich neben Erzählungen von Hedwig Courths-Mahler, Lola Stein oder A. von Panhys als Band 9 bis 11 auch drei Erzählungen von Theodor Storm. Dabei handelt es sich um die Titel »Immensee«, »In St. Jürgen« und »Stiefmütterchen« (d. i. Viola tricolor).

Die Erfahrung lehrt: Es ist ein mühsames Unterfangen, gewissermaßen ein Geduldspiel durch mehrere Jahrzehnte, quer durch alle Romanreihen detektivisch genau zu überprüfen, ob und wie viel anspruchsvolle(re) Literatur Eingang in diese Kioskliteratur gefunden hat. Das beginnt bereits mit der Frage, welche Autoren und Autorinnen bei der Suche quer durch die Kioskreihen berücksichtigt werden können beziehungsweise müssen, um in das hier vorgelegte Verzeichnis aufgenommen zu werden. Was in diesem Zusammenhang ausreichende (literarische und unterhaltende) Qualität darstellt, basiert auch auf subjektiven Kriterien, je nachdem, in welcher Wertigkeit Stil, Spannungsaufbau und Ideenreichtum prozentual als wichtig erachtet werden.

Das gilt besonders für die Werke von Autoren und Autorinnen vor dem Ersten und zwischen den beiden Weltkriegen, da viele der damals besseren – wenn auch vielleicht nicht herausragenden – Schriftsteller uns heute nicht mehr oder nur in ungenügendem Ausmaß geläufig sind. Hier kommt die persönliche Bewertung durch den Kompilator dieser Liste zum Tragen. Mit allen Möglichkeiten des Irrtums.

Dem Benutzer dieses Kompendiums mag mancher Name fehlen, andere als überflüssig oder zu Unrecht eingefügt erscheinen. Es ist ihm unbenommen, Autorennamen und Werke hinzuzufügen oder in seinem persönlichen Exemplar manche Eintragung zu streichen.

Mir selbst hat bei der Auswahl der Eintragungen ein berühmter Autor, Nobelpreisträger gar, durch seine eigene Arbeit geholfen: Thomas Mann. Zusammen mit Hermann Georg Scheffauer hat er Ende der Zwanziger-/Anfang der Dreißigerjahre des 20. Jahrhunderts die Reihe »Romane der Welt« herausgegeben, in der so renommierte Autoren wie John Galsworthy, Hugh Walpole oder Walter Mehring vorgestellt wurden. Die Reihe erschien im Verlag Knaur zu Berlin.

Bei näherem Zusehen bemerkte ich mit Erstaunen unter den ausgewählten Autoren einen Namen, den ich hier keinesfalls vermutet hätte. Gleich zwei Titel des amerikanischen Autors von Wildwest-Romanen Max Brand haben die Aufmerksamkeit des späteren Nobelpreisträgers Thomas Mann erregt, sodass sie Aufnahme in diese exklusive Sammlung von gehobenen Unterhaltungsromanen gefunden haben: »Der siebente Mann« und »Die Unbesiegbaren«.

Nun muss man wissen, dass Max Brand zwar ein solider Schreiber war, von Westernkennern aber nicht unbedingt zu den Topautoren dieses Genres gerechnet wird. Umso bemerkenswerter ist diese Bewertung durch Mann und Scheffauer. Dies Beispiel mag genügen, um darzulegen, wie so mancher Autor und sein Werk in diese Liste gelangen konnten. Denn, wie gesagt: Es ist alles auch eine Frage der subjektiven Einschätzung.

Bei der Untersuchung, welche anspruchsvollere Literatur Eingang in den Romanheftmarkt gefunden hat, war unbedingt zu beachten, dass sich selbstverständlich nicht jeder Roman oder jede Novelle für die Veröffentlichung im Heft eignet. Gewisse Voraussetzungen wie Spannung bzw. gute, flüssige Lesbarkeit müssen gegeben sein. Man kann sagen: Wichtig ist Spannung auf hohem Niveau. Dies umso mehr, als das Romanheft zu einem hohen Prozentsatz jugendliche Leser hatte und hat und diese Hefte von Redaktion und Verlag auch bewusst für diesen Leserkreis konzipiert werden. Aus diesem Grunde ist der Abenteuerroman mit all seinen Ausprägungen in dieser Form der Vermarktung sehr oft zu finden.

Ebenso ist wichtig, dass viele Heftpublikationen, eigentlich fast alle, einen begrenzten Umfang hatten und haben, der umfangreichere Romane von einer solchen Veröffentlichung im Heftroman auszuschließen scheint. Aber auch da haben findige Redakteure und Lektoren einen Ausweg gefunden. Bearbeitung heißt das Zauberwort; so manches Mal in einem Ausmaß, dass der ursprüngliche Text kaum wiedererkannt werden kann. Oder aber auch radikale Kürzung, was zu Textfassungen führen kann, die in sich selbst nicht mehr schlüssig sind.

Ein wichtiger Aspekt, weswegen klassische Texte so gerne Aufnahme in Romanheftreihen finden, ist der Kostenfaktor. Gemeinhin rechnen die einschlägigen Verlage sozusagen mit dem »Pfennig« oder mit dem »Cent«; Autorenhonorare – so gering sie dem einzelnen Autor auch scheinen mögen – sind ein wichtiger Faktor in der Kalkulation. Klassische Texte sind – 70 Jahre nach dem Tode des Verfassers – lizenzfrei abzudrucken und Bearbeiter bzw. Textkürzer erhalten stets nur einen Bruchteil des eigentlichen Autorenhonorars, sofern nicht gleich der fest angestellte Lektor die Arbeit übernimmt.

Im Einzelnen kann der Abdruck anspruchsvollerer Texte in der Kioskliteratur in folgende Kategorien unterteilt werden:

Abenteuerromane inkl. Wildwestabenteuer

Kriminalliteratur

Fantastisches und Märchen/Sagen/Legenden

Erotische Literatur

Schöngeistige Literatur

Insgesamt wurden für diese Zusammenstellung 240 Romanheftreihen berücksichtigt, beginnend Ende des 19. Jahrhunderts. Die Hefte erschienen im Deutschen Kaiserreich, in der Weimarer Republik, im Dritten Reich, in der Bundesrepublik Deutschland sowie in der Deutschen Demokratischen Republik. Ferner wurden österreichische und schweizerische Reihen gesichtet.

Dabei ging es nicht nur um Romanheftreihen einschlägiger Spezialverlage. Ebenso berücksichtigt werden mussten von Jugendverbänden oder kirchlichen Organisationen speziell für junge Leser konzipierte Reihen oder aber auch Herausgaben von Buchverlagen, die zum Beispiel unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg preiswerten Lesestoff auf den Markt bringen wollten. Paradebeispiel dafür ist Ernst Rowohlt, der ab 1946 zunächst in Stuttgart seine »Rowohlts Rotationsromane« im Zeitungsformat und im Rotationsdruck herausgab, ehe er daraus die »rororo«-Taschenbücher machte. Anders Henri Nannen, der in den Jahren 1958/59 in Hannover seine verlegerische Tätigkeit zunächst mit der Romanheftreihe »Die bunten Hefte« begann, in der romanhaft erzählte Real-Abenteuer wie die Eroberung des Südpols erschienen. Später wurde er der Gründer und Verleger der Illustrierten »Stern«. Berücksichtigt werden mussten hier auch Spezialeditionen für den Schulunterricht, die auch jederzeit frei verkäuflich und damit für jedermann zugänglich waren und sind. Erfolgreichstes Beispiel dürften die »Hamburger Lesehefte« sein.

Eine besondere Rolle spielte das Romanheft in der Deutschen Demokratischen Republik. Hier hat mit Gewissheit der Geld- wie Papiermangel dazu geführt, dass ungewöhnlich viele Broschüren herausgegeben wurden – gemessen an der Gesamtzahl der jährlichen Publikationen. Dies erklärt auch den großen Erfolg der »Romanzeitung«, in der unerwartet viele berühmte Autoren der Weltliteratur Platz gefunden haben. Hier bewahrheitete sich tatsächlich der Slogan von der »Literatur fürs Volk«.

Was in diese Auswertung nicht einbezogen wurde, sind die sogenannten Feldpostausgaben, als Spezialeditionen für die Soldaten im Felde oder im Lazarett. Sie sind anderswo bereits zur Genüge bearbeitet worden.

Der absolute Favorit bei den Abdrucken im Romanheft ist der Abenteuer-Schilderer Friedrich Gerstäcker. Er ließ alle seine »Mitbewerber« weit hinter sich. Mit insgesamt 127 Abdrucken liegt er an der Spitze, weit abgeschlagen folgt Winnetou-Autor Karl May, bei dem die Spezialausgaben im Heft seiner Titel für den zweiten Platz (80 Abdrucke) sorgten.