Stepbrother Dearest - Penelope Ward - E-Book

Stepbrother Dearest E-Book

Penelope Ward

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Beschreibung

Der neue Stern am New-Adult-Bestsellerhimmel!


Greta freut sich auf das letzte Jahr an der Highschool, denn ihr Stiefbruder Elec, dem sie noch nie begegnet ist, zieht für das Abschlussjahr von Kalifornien zu ihnen nach Boston. Doch Elec stellt sich als rebellischer Macho heraus, der jeden Abend ein anderes Mädchen mit nach Hause bringt – am meisten aber stört Greta die Art, wie ihr Körper auf ihn reagiert. Und als eine gemeinsame Nacht alles verändert, ist es auch um ihr Herz geschehen. Doch so schnell wie Elec in Gretas Leben getreten ist, so schnell verschwindet er auch daraus. Jahre später begegnet sie ihm wieder und muss feststellen, dass aus dem Teenager ein Mann geworden ist, der immer noch die Macht besitzt, ihr Herz in tausend Teile zu zerbrechen ...

Prickelnde Leidenschaft, Gefühlschaos und ein unwiderstehlicher Bad Boy – der New-York-Times-Bestseller endlich auf Deutsch!

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Buch

Greta freut sich auf ihr letztes Jahr an der Highschool. Doch nervös ist sie auch – denn ihr Stiefbruder Elec, dem sie noch nie begegnet ist, soll für das Abschlussjahr zu ihnen ziehen. Schnell lernt sie ihn zu hassen – er ist ein rebellischer, tätowierter Macho, der jeden Abend ein anderes Mädchen mit nach Hause bringt. Aber am meisten stört sie, dass ihr Herz schneller schlägt, wenn er den Raum betritt, dass sein schönes Gesicht ihren Verstand außer Kraft setzt. Und als eine Nacht alles verändert, muss Greta sich eingestehen, dass sie rettungslos in ihn verliebt ist. Doch so schnell wie Elec in ihr Leben getreten ist, so schnell ist er auch wieder daraus verschwunden. Jahre später, als eine Tragödie sie zwingt, in ihre Heimatstadt zurückzukehren, steht Elec plötzlich wieder vor ihr. Und aus dem Teenager ist ein Mann geworden, der immer noch die Macht besitzt, ihr Herz in tausend Teile zu zerbrechen …

Autorin

Penelope Ward ist eine New-York-Times-, USA-Today- und Wall-Street-Journal-Bestsellerautorin. Sie ist in Boston mit fünf Brüdern aufgewachsen und arbeitete als Nachrichtensprecherin beim Fernsehen, bevor sie sich eine familienfreundlichere Karriere suchte. Penelope liebt New-Adult-Romane, Kaffee und ihre Freunde und Familie. Sie ist stolze Mutter zweier Kinder und lebt in Rhode Island.

PENELOPE WARD

StepbrotherDearest

Roman

Aus dem Amerikanischenvon Julia Brennberg

Die amerikanische Originalausgabe erschien 2014 unter dem Titel »Stepbrother Dearest«

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1. AuflageDeutsche Erstveröffentlichung Juli 2016Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2016by Wilhelm Goldmann Verlag, München,in der Verlagsgruppe Random House GmbH,Neumarkter Str. 28, 81673 MünchenUmschlaggestaltung: UNO Werbeagentur, MünchenUmschlagmotiv: Getty Images/Pando HallRedaktion: Antje SteinhäuserMR · Herstellung: Str.Satz: DTP Service Apel, HannoverISBN: 978-3-641-17338-8V002www.goldmann-verlag.deBesuchen Sie den Goldmann Verlag im Netz

TEIL I

Kapitel 1

Die Luft war so kalt, dass das Erkerfenster in unserem Wohnzimmer beschlug, während ich nervös dahinter wartete und versuchte, nach draußen zu spähen. Jeden Moment musste Randys Volvo-Kombi in die Einfahrt biegen. Er war zum Bostoner Flughafen Logan Airport gefahren, um seinen Sohn Elec abzuholen, der das nächste Jahr bei uns wohnen würde, während seine Mutter aus beruflichen Gründen ein Jahr im Ausland verbrachte.

Randy und meine Mutter Sarah waren erst seit ein paar Jahren verheiratet. Mein Stiefvater und ich kamen eigentlich ganz gut miteinander klar, aber ich würde nicht sagen, dass wir uns nahestanden. Über Randys früheres Leben wusste ich nur wenig: Seine Exfrau Pilar war eine Künstlerin aus Ecuador, die in der San Francisco Bay Area lebte, und sein Sohn war ein tätowierter Taugenichts, der nach Aussage von Randy machen durfte, was er wollte.

Ich war meinem Stiefbruder nie zuvor begegnet und hatte nur mal ein Foto von ihm gesehen, das aber schon einige Jahre alt war. Es war aufgenommen worden kurz bevor Randy und meine Mutter geheiratet hatten. Auf dem Bild konnte ich sehen, dass er dunkles Haar hatte, wahrscheinlich ein Erbe seiner südamerikanischen Mutter. Genau wie die etwas dunklere Haut. Von Randy hatte er allerdings die hellen Augen und das hübsche Gesicht. Damals war er noch brav, aber Randy meinte, seit einer Weile sei Elec in einer rebellischen Phase. Dazu gehörten Tattoos, obwohl er erst fünfzehn war, Schwierigkeiten wegen Alkoholkonsum trotz Minderjährigkeit und das Rauchen von Gras. Randy gab Pilar die Schuld, weil sie zu flatterhaft sei und zu fokussiert auf ihre Karriere als Künstlerin, sodass sie ihm wahrscheinlich auch einen Mord durchgehen lassen würde.

Randy hielt sich zugute, er habe Pilar ermuntert, eine zeitlich befristete Stelle als Dozentin in einer Londoner Kunstgalerie anzunehmen und dass der inzwischen siebzehnjährige Elec bei uns leben könne.

Zwar unternahm Randy zweimal jährlich kurze Trips an die Westküste, er war aber eben nicht täglich da, um Elec Grenzen aufzuzeigen. Das machte ihm zu schaffen, und er sagte, er freue sich schon auf die Gelegenheit, seinem Sohn im kommenden Jahr den Kopf zurechtzurücken.

In meinem Bauch flatterten Schmetterlinge, während ich in den schmutzigen Schnee hinausstarrte, der die Straße säumte. Das kalte Wetter in Boston würde für meinen in Kalifornien aufgewachsenen Stiefbruder ein ernüchterndes Erwachen sein.

Ich hatte einen Stiefbruder.

Das war ein seltsamer Gedanke. Ich hoffte, wir würden klarkommen. Als Einzelkind hatte ich mir immer Geschwister gewünscht. Ich musste darüber lachen, dass ich mir naiv vorstellte, das könnte über Nacht so eine Art märchenmäßige Beziehung werden, wie bei Donny und Marie Osmond oder Jake und Maggie Gyllenhaal. Heute Morgen hatte ich mir einen Coldplay-Song angehört, von dessen Existenz ich bis dahin gar nichts wusste. Er hieß Brothers and Sisters. Darin geht es zwar nicht ausdrücklich um Geschwister, aber ich beschloss, dass es trotzdem ein gutes Omen war. Das hier würde gut werden. Ich hatte nichts zu befürchten.

Meine Mutter schien genauso nervös zu sein wie ich. Andauernd lief sie die Treppe rauf und runter, um Elecs Zimmer fertigzumachen, das zuvor ein Büro gewesen war. Mom und ich waren zu Walmart gefahren, um Bettwäsche und andere notwendige Dinge zu besorgen. Es war komisch, Sachen für jemand auszusuchen, den man nicht kannte. Wir entschieden uns für dunkelblaue Bezüge.

Ich begann, etwas vor mich hin zu murmeln, während ich überlegte, was ich zu ihm sagen sollte, worüber wir uns unterhalten würden und was ich ihm hier zeigen könnte. Das war aufregend und nervenaufreibend zugleich.

Da knallte eine Autotür zu. Ich sprang von der Couch auf und strich mein zerknittertes Shirt glatt.

Jetzt beruhig dich mal, Greta.

Der Schlüssel drehte sich im Schloss. Randy kam allein rein und ließ die Tür einen Spalt offen, durch den eisige Luft hereinwehte. Nach ein paar Minuten hörte ich Schritte auf der Eisschicht, die den Kiesweg zum Haus bedeckte. Aber Elec war noch nicht zu sehen. Er musste draußen stehengeblieben sein. Randy steckte den Kopf noch mal hinaus. »Jetzt beweg schon deinen Hintern rein, Elec.«

Ich spürte einen Kloß im Hals, als er im Türrahmen erschien. Ich schluckte schwer und musterte ihn ein paar Sekunden lang. Mein Herz klopfte immer heftiger, während mir bewusst wurde, dass er mit dem Bild, das ich gesehen hatte, praktisch nichts mehr gemein hatte.

Elec war größer als Randy. Das auf dem Foto noch kurze Haar fiel ihm jetzt als tintenschwarze strubbelige Mähne fast bis über die Augen. Er roch nach Zigaretten oder vielleicht auch Pfeifentabak, denn es kam mir süßlich vor. An seiner Jeans hing eine Kette. Er sah mich nicht an, sodass ich die Gelegenheit nutzte, ihn weiter zu studieren, bis er seine Tasche auf den Boden fallen ließ.

Wumm.

War das mein Herz oder die Tasche?

Er schaute Randy an und fragte mit rauer Stimme: »Wo ist mein Zimmer?«

»Oben. Aber du gehst nirgendwohin, bevor du nicht deiner Schwester Hallo gesagt hast.«

Jeder Muskel meines Körpers verspannte sich, als ich bei dieser Bezeichnung zusammenzuckte. Ich wollte ganz bestimmt nicht seine Schwester sein. Erstens sah er, als er sich zu mir umdrehte, so aus, als wolle er mich umbringen. Und zweitens wurde mir nach einem Blick in sein kantiges Gesicht unmissverständlich klar, dass mein Kopf zwar misstrauisch war, mein Körper aber wie unter einem Bann stand, dem ich mich um alles in der Welt nur zu gern entzogen hätte.

Seine Augen bohrten sich wie Dolche in meine, und er sagte kein Wort. Ich machte ein paar Schritte auf ihn zu, schluckte meinen Stolz hinunter und hielt ihm die Hand hin. »Ich bin Greta. Nett, dich kennenzulernen.«

Er sagte nichts. Ein paar Sekunden verstrichen, bevor er zögernd meine Hand ergriff. Sein Händedruck war unangenehm fest, fast schmerzhaft, bevor er mich rasch wieder losließ.

Ich hustete und sagte: »Du siehst anders aus … als ich mir dich vorgestellt hatte.«

Er kniff die Augen ein bisschen zusammen. »Und du siehst schön … brav aus.«

Meine Kehle schnürte sich zu. Eine Sekunde lang hatte ich gedacht, er mache mir ein Kompliment, bevor auf das »schön« das »brav« folgte. Das Traurige daran war, wenn man mich gefragt hätte, wie ich mich fühle, dann hätte ich vielleicht auch das Wort »brav« gewählt.

Er musterte mich mit eiskaltem Blick von Kopf bis Fuß. Obwohl ich seine Persönlichkeit jetzt schon verachtete, erfüllte seine physische Erscheinung mich mit Ehrfurcht. Und das widerte mich an. Seine Nase war perfekt gerade, sein Kinn klar definiert. Seine Lippen waren perfekt – zu perfekt für den Dreck, den er über sie nach außen schleuderte. Körperlich war er mein Traum, in jeder anderen Hinsicht mein Albtraum. Dennoch weigerte ich mich, ihm zu zeigen, dass seine Worte irgendeine Wirkung auf mich hatten.

»Möchtest du, dass ich dir dein Zimmer zeige?«, fragte ich.

Er ignorierte mich, packte seine Tasche und ging auf die Treppe zu.

Klasse. Das fing ja gut an.

Meine Mutter kam die Treppe herunter und umarmte Elec sogleich.

»Es ist so schön, dich endlich kennenzulernen, mein Lieber.«

Sein Körper wurde starr, bevor er sich von ihr losmachte. »Wünschte, ich könnte dasselbe behaupten.«

Randy stürmte zur Treppe und drohte mit dem Zeigefinger. »Lass den Mist, Elec. Du sagst Sarah auf anständige Art und Weise Hallo.«

»Sarah auf anständige Art und Weise Hallo«, wiederholte Elec mit monotoner Stimme, während er die Stufen hinaufging.

Meine Mutter legte eine Hand auf Randys Schulter. »Ist okay. Er wird schon warm werden. Lass ihn in Ruhe. Dieser Umzug quer durchs ganze Land kann ja nicht leicht sein. Er kennt mich noch nicht. Er ist nur ein bisschen unsicher.«

»Ein bisschen respektlos ist der Idiot.«

Hoppla.

Ich musste zugeben, dass es mich erstaunte, Randy so über seinen Sohn reden zu hören, egal wie schlecht Elec sich benahm. Mein Stiefvater hatte solche Ausdrücke mir gegenüber nie verwendet, obwohl ich auch nie etwas in der Art getan hatte, um das zu verdienen. Aber Elec war wirklich ein respektloser Idiot.

An jenem Abend blieb Elec hinter verschlossenen Türen. Randy ging einmal zu ihm hinein, und ich hörte sie streiten. Aber Mom und ich entschieden, sie das ausfechten zu lassen, und hielten uns – was auch immer sich da zwischen ihnen abspielte – raus.

Auf meinem Weg nach oben ins Bett konnte ich nicht anders als stehenbleiben und Elecs geschlossene Zimmertür anstarren. Ich fragte mich, ob seine abweisende Art uns gegenüber bezeichnend für den Fortgang des ganzen Jahrs sein würde und ob er überhaupt so lange bleiben würde.

Weil ich mir die Zähne putzen wollte, öffnete ich die Badezimmertür und zuckte zusammen, weil Elec sich dort gerade nach dem Duschen abtrocknete. Dampf und der Duft eines Duschgels für Männer erfüllten die Luft. Aus irgendeinem gottverdammten Grund rannte ich nicht raus, sondern erstarrte. Noch beunruhigender war, dass er, anstatt sich mit dem Handtuch zu verhüllen, es lässig zu Boden fallen ließ.

Mir fiel die Kinnlade runter.

Meine Augen blieben ein paar Sekunden lang an seinem Schwanz hängen, bevor sie zu den zwei Kleeblättern wanderten, die auf seinen muskulösen Torso tätowiert waren und weiter auf den bis zum Handgelenk tätowierten linken Arm. Von seiner Brust tropfte das Wasser. Seine linke Brustwarze war gepierct. Als mein Blick endlich bei seinem Gesicht angelangt war, grinste er boshaft. Ich versuchte, etwas zu sagen, aber die Worte kamen mir einfach nicht über die Lippen.

Endlich warf ich den Kopf zur Seite und sagte: »Ach … oh mein Gott … ich … es tut mir … ich gehe besser wieder.«

Als ich mich umdrehte und hinauswollte, ließ seine Stimme mich innehalten. »Du benimmst dich, als hättest doch noch nie einen nackten Typen gesehen.«

»Ehrlich gesagt … habe ich das auch noch nicht.«

»Wie enttäuschend für dich. Das dürfte ja richtig hart für den nächsten Typen werden, der da mithalten muss.«

»Ziemlich überheblich, was?«

»Sag du’s mir. Habe ich nicht allen Grund dazu?«

»Mein Gott … du benimmst dich wie …«

»Ein Riesenarschloch?«

Das war wie bei einem schlimmen Autounfall, von dem man den Blick nicht lassen konnte. Ich schaute schon wieder an ihm runter. Was war bloß los mit mir? Er stand splitternackt vor mir, und ich konnte mich nicht rühren.

Ach du heilige Scheiße … seine Penisspitze war auch gepierct. Was für ein Anblick bei meinem ersten Ding in natura.

Er unterbrach mein Starren. »Viele Möglichkeiten gibt’s hier jetzt echt nicht. Wenn du also nicht vorhast, irgendwas zu tun, dann solltest du wohl besser gehen, damit ich mich fertig anziehen kann.«

Ich schüttelte ungläubig den Kopf und knallte die Tür hinter mir zu.

Meine Knie zitterten, als ich in mein Zimmer floh.

Was war denn da gerade passiert?

Kapitel 3

In der Schule fing es genauso an, wie ich es erwartet hatte. Elec ignorierte mich jedes Mal, wenn wir im selben Kurs oder gleichzeitig in der Cafeteria waren. Wo er ging und stand scharten sich Mädchen um ihn, und er musste kaum ein Wort sagen, war aber trotzdem auf der Stelle beliebt. Am wenigsten überraschend war Victorias aufgekratzte Reaktion.

»Was glaubst du, wie meine Chancen bei ihm stehen?«

»Chancen wofür?«

»Elec zur Strecke zu bringen.«

»Lass mich aus der Sache bitte raus.«

»Warum denn? Mir ist schon bewusst, dass ihr nicht miteinander klarkommt, aber du bist mein einziger Zugang.«

»Er hasst mich aus tiefster Seele. Also wie soll ich dir da helfen können?«

»Du könntest mich zu dir nach Hause einladen, es so arrangieren, dass wir uns alle im selben Zimmer aufhalten, und uns dann allein lassen.«

»Ich weiß nicht. Du verstehst nicht, wie er tickt.«

»Wenn du ihn nicht magst, stört es dich dann wirklich, wenn ich versuche, bei ihm zu landen? Es könnte euer Verhältnis am Ende vielleicht sogar verbessern, wenn ich ihn date.«

»Ich glaube nicht, dass Elec der Typ ist, der sich datet.«

»Nein … er ist der Typ, der sofort vögelt, und das soll mir auch recht sein. Ich nehme ihn auch so.«

Mein Herz schlug schneller, und ich hasste mich selbst dafür. Jedes Mal wenn Victoria davon anfing, machte mich das wahnsinnig eifersüchtig. Das war wie ein Kampf im Verborgenen, den ich permanent kämpfte. Ich hätte das niemand gegenüber zugeben können. Was mich daran am meisten aufregte, war mir selbst nicht klar. War es die Vorstellung, dass meine Freundin mit Elec schlief, ihn berühren und meine dunkelsten Fantasien ausleben konnte? Klar, das passte mir nicht, aber ich glaube, am meisten störte mich der Gedanke, dass Elec mit irgendjemand anderem eine tiefere Beziehung einging, während er mich offensichtlich weiter hasste.

Ich hasste, dass mir das etwas ausmachte.

Ich holte meinen Rucksack aus dem Spind. »Du spinnst. Können wir bitte das Thema wechseln?«

»Okay. Ich habe gehört, Bentley will dich fragen, ob du mit ihm ausgehst.«

Auf diese Neuigkeit hin knallte ich den Spind mit voller Kraft zu. »Von wem?«

»Er hat es meinem Bruder erzählt. Er will dich ins Kino einladen.«

Bentley war einer der beliebten »Preppy«-Jungs. Mir war nicht klar, warum er an mir interessiert sein sollte, weil er normalerweise mit Mädchen aus seiner eigenen Clique ausging. Ich gehörte weder zu dieser Truppe noch zu irgendeiner anderen. Es gab Schüler wie Bentley aus der reichen Gegend der Stadt, die eine Clique bildeten. Dann gab es die an Kunst und Theater Interessierten. Außerdem internationale Austauschschüler. Schließlich gab es noch diejenigen, die nur deshalb beliebt waren, weil sie gut aussahen, neugierig machten oder sich irgendwie auffällig benahmen (Elec). Victoria und ich bildeten quasi eine eigene Gruppe. Wir kamen mit allen aus, hatten gute Noten und achteten darauf, keinen Ärger zu kriegen. Im Gegensatz zu meiner Freundin war ich noch Jungfrau.

Ich hatte erst einen Freund gehabt, Gerald. Der hatte mit mir Schluss gemacht, weil ich ihm nicht mehr erlaubt hatte, als meine Brüste anzufassen. Es sprach sich herum, dass ich noch Jungfrau war, und manche Leute an der Schule machten sich hinter meinem Rücken darüber lustig. Von Zeit zu Zeit sah ich Gerald noch auf den Fluren, aber ich versuchte, ihm aus dem Weg zu gehen.

Victoria ließ eine Kaugummiblase platzen. »Also, wie auch immer, falls er mit dir ausgehen will, sollten wir auf jeden Fall auch Elec einladen. Er könnte mit mir gehen und du mit Bentley. Wir könnten uns diesen neuen Horrorfilm anschauen.«

»Nein danke. Mit Elec unter einem Dach zu wohnen ist schon Horror genug.«

* * *

Meine Worte sollten sich schon am nächsten Morgen bewahrheiten, als ich mich für die Schule anzog, meine Wäscheschublade aufzog und sie leer war.

Ich schlüpfte in eine Yogahose und marschierte in Elecs Zimmer, wo er sich gerade ein Hemd anzog.

»Was zum Teufel hast du mit meiner Unterwäsche gemacht?«

»Das fühlt sich nicht so schön an, wenn dir jemand dein Zeug wegnimmt, was?«

»Ich habe dir eine Schachtel Zigaretten für weniger als fünf Minuten weggenommen und übrigens gleich wieder zurückgegeben. Du hast dagegen meine komplette Unterwäsche geklaut! Das ist wohl ein klitzekleiner Unterschied.«

Ich konnte selbst nicht glauben, dass ich gedacht hatte, er würde sich nicht an mir rächen. Zuletzt hatte er mich besonders heftig ignoriert, und ich hatte einfach angenommen, die Geschichte sei vergessen.

Ich begann, seine Schubladen zu durchsuchen. Als ich auf Kondompackungen stieß, zog ich meine Hand allerdings schnell wieder zurück.

»Du kannst hier drin suchen, bis die Sonne untergeht. Hier ist nichts. Also verplemper deine Zeit nicht.«

»Ich kann dir nur raten, sie nicht weggeworfen zu haben!«

»Da waren ein paar scharfe Sachen dabei. Das hätte ich nicht übers Herz gebracht.«

»Das liegt daran, dass sie auch ein Vermögen kosten.«

Gute Dessous waren so ungefähr das Einzige, wofür ich richtig Geld ausgab. Jede einzelne Garnitur stammt von einer teuren Lingerie Boutique im Internet.

Als ich mich hinkniete, um unter sein Bett zu schauen, lachte er. »Deine Hose ist dir übrigens in die Ritze gerutscht.«

Ich sprang auf und biss die Zähne zusammen. »Das passiert eben, wenn man keine verdammte Unterwäsche hat!«

Elec musterte mich von oben bis unten. »Du kriegst sie zurück, wenn ich bereit dazu bin. Wenn du mich jetzt bitte entschuldigst …« Damit rauschte er an mir vorbei und die Treppe runter.

Ich machte mir nicht mal die Mühe zu versuchen, ihn umzustimmen, denn das wäre sowieso vergeblich gewesen. Auf dem Weg zur Schule machte ich einen Abstecher in ein Kaufhaus und erstand dort billige Slips, bis mir einfiel, wie ich meine zurückbekommen könnte.

An diesem Tag kam ich ziemlich verunsichert aus der Schule nach Hause. Nach dem Verschwinden meiner Unterwäsche und bevor Bentley mich tatsächlich fragte, ob ich mit ihm ausginge, brauchte ich dringend Eis. Und zwar nicht irgendein Eis, sondern das, was ich gelegentlich selbst mit der Eismaschine machte, die ich letztes Jahr zu Weihnachten bekommen hatte.

Ich warf all meine Süßigkeiten, die ich von Halloween noch übrig hatte, hinein, sodass eine köstliche neue Sorte aus Snickers und anderen Schokoriegeln auf Vanillebasis daraus wurde.

Sobald das Eis fertig war, setzte ich mich mit der Riesenschüssel an die Frühstückstheke und genoss mit geschlossenen Augen jeden einzelnen Löffel.

Dann knallte die Haustür, und kurz danach kam Elec in die Küche geschlendert. Der Geruch von Nelkenzigaretten und Rasierwasser hing in der Luft. Ich hasste ihn.

Ich liebte den Duft dermaßen, dass ich am liebsten darin ertrunken wäre.

Wie immer ignorierte er mich, ging nur zum Kühlschrank, nahm die Milch heraus und trank direkt aus dem Karton. Da fiel sein Blick auf mein Eis, und er kam zu mir. Er nahm mir den Löffel aus der Hand, steckte ihn in seinen Mund und verspeiste einen großen Bissen. Das Metall seines Lippenrings machte ein Geräusch, als er gegen den Löffel stieß, den er sauber ableckte. Mir wurde schon vom Zusehen ganz anders. Danach gab er mir den Löffel zurück. Mit der Zunge fuhr er sich über die Zähne. Sogar seine verdammten Zähne waren sexy.

ENDE DER LESEPROBE