Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Frech, unterhaltsam und zugleich tiefgründig: In der WDR-Kolumne "Kirche in 1Live" erzählt Florian Sobetzko über den christlichen Glauben im Alltag und erreicht damit Zehntausende. Sein Erfolgsrezept ist die Mischung aus Beobachtungen im Alltag, verbunden mit Gedanken zu Gott, Glaube und der Welt und einer modernen, frischen Sprache. Er zeigt: Glauben geht immer, Glauben kann man überall. Jetzt gibt es das Buch zur Kolumne – perfekt, um sich an den kleinen Dingen des Alltags zu freuen und über die großen Sachen des Lebens zu grübeln. Egal wo.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 69
Veröffentlichungsjahr: 2017
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Florian Sobetzko
Stille
Wörtchen
Von Null auf Gott in 90 Sekunden
Für Elisabetta, Jan Federico und Anna Laura
Alle Texte dieses Buches sind entstanden und vorveröffentlicht als Radioandachten der Reihe Kirche in 1LIVE im WDR, Abdruck mit freundlicher Unterstützung des katholischen Rundfunkreferates NRW, Info: www.kirche-im-wdr.de
Die Texte „Objects in mirror are closer than they appear“, „Jesus als Anwalt“, „Gott spritzt nicht mit Wasser“ und „Lenkzeiten sind Denkzeiten“ sind ebenfalls veröffentlicht in: Firmung vernetzt. Die Welt ist nicht genug. Jugendbuch, hrsg. von K. Vellguth u.a., © 2015, Kösel Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH
© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2017
Alle Rechte vorbehalten
www.herder.de
Gestaltung: wunderlichundweigand, Stefan Weigand
Umschlagmotiv: © Ilya Bolotov/shutterstock.com
E-Book-Konvertierung: wunderlichundweigand, Stefan Weigand
ISBN Print 978-3-451-37730-3
ISBN E-Book 978-3-451-81177-7
Inhalt
Vorwort
Christlich in der Küche, an der Kasse – und auf dem Klo
Christlich aufs Klo
Scheiße parken
3-2-1-Gott
Wir öffnen Kasse 3 für Sie
Rotgeld-Opi
Abräumen wär mir lieber
Mit Taxen Menschen bewegen
Milchkauf, zweite Reihe
Schwer zu verstehen
Maschinenlesbares Leben
Aus mir selbst aussteigen
Stand der Technik
Nicht erste Wahl
Staatsbürger des Herrn
Licht geht automatisch an
Speicherlöcher
Neuen Vertrag machen
Zweite Reihe, auch niedlich
Wie originell
Neuen Vertrag machen
Gott Strich-Acht
Schwedisches Finale
404 Gott not found
Ära Trump oder noch schlimmer
Abwesenheitssimulation
Objects in mirror are closer than they appear
Gottblitzer
Gott privat treffen
Mailbox des Herrn
Zustellgott
Tassen mit Sprüngen mit Tassen
Der beste Scheidungsanwalt
Bonusmeilen bei Gott
Espressotassenleben
Jesus als Anwalt
Diese Erfahrung – nie wieder
Rücksendungen
Schnulzengott
Gott aus der Milchflasche lassen
Windstärken*
Gott in der Milchflasche
Sprechperlen
Alles meins
Haarspängchenjesus
Gott spritzt nicht mit Wasser
WG-Gott
Schwimmkurs des Grauens
Fiderallala
Lifetime Support
Freundschaft, Ehe oder Scheidung?
Sätze mit nie und immer
Wo bist du nur gewesen?
Scheidungsgrund: Hunger
Sich entschuldigen
Weggedrücktwerden
Meine Zeit im Kühlschrank
Effectuation
Kollege kommt gleich
Opportunity creation
Fahrkartenautomaten
Wer betet dann für die?
Lenkzeiten und Denkzeiten
Polizeigewerkschaft
UPS-Fahrer Gottes
Sauberer Abgang
Priority Exit
Schneller Abgang
Nummern statt Namen
Jüngster Waschtag
Heliumleben
Nachwort von Klaus Nelissen
Vorwort
Technologie sollte schön sein – oder unsichtbar. Soll Steve Jobs mal gesagt haben, der ja recht schöne Technologie rausgehauen hat. Beim iPad 3 hieß es dann sogar: Technologie ist am besten, wenn sie unsichtbar ist. Wenn man sich nur der Sache bewusst ist, mit der man beschäftigt ist – und nicht des Gerätes, mit dem man daran arbeitet.
Unsichtbare Theologie in dem Sinne finde ich auch schön. Wenn ich eigentlich nur mit dem Leben beschäftigt bin, das ich gerade lebe, und dabei gar nicht groß über Gott nachdenke, obwohl ohne ihn alles nichts wäre.
Noch schöner finde ich es, wenn Theologie heimlich daherkommt. Wenn man beim Hingucken auf den ersten und auch den zweiten Blick noch sagen würde: Das hat ja nun wohl mit Gott und Glauben gar nichts zu tun. Und beim dritten Hinsehen merkt, dass da gerade das komplette Sonntagsevangelium dargeboten wird an der Aldikasse, zwischen den Espressotassengriffen meiner römischen Schwiegermutter oder beim Einkaufeinladen neben mies geparkten Geländewagen.
Das ist gelegentlich keine schöne Theologie in dem Sinne, dass es da nur um kluge Reflexionen auf metaphysischen Höhenflügen ginge, wo schöne neue Worte für schöne alte Worte zu finden wären. Die Theologie, die ich meine, macht sich auch mal die Schuhe dreckig. Die Theologie, die ich meine, ist gelegentlich verblüffend und sogar unangenehm simpel. Manchmal zum Weinen, auch lustig oder sogar lächerlich. Und wie angedeutet: Das ist keine Theologie, die wir als Theologen irgendwo hinbringen und mit ernstem Blick verkünden. Sie ist schon da draußen und wir entdecken sie.
Eigentlich wollte ich jetzt noch die Kurve dahin kriegen, dass ich die Welt besser hinterlassen möchte, als ich sie vorgefunden habe, und dass das mit so ’nem Buch wie diesem hier sogar auf dem stillen Örtchen gehen sollte, so von wegen »christlich aufs Klo« und so. Im Essener Generalvikariat hängt der Beitrag zu dem Thema ja sogar irgendwo auf dem Damen-WC, seitdem ist es da immer sauber. Echt jetzt. Aber eigentlich, ja eigentlich ist es genau umgekehrt: Ständig finde ich die Welt besser vor, als ich sie hinterlassen hatte. Und das wäre dann wirklich schöne Theologie in dem Sinne, dass ich die Welt schön hinterlassen will, weil schön eben schön ist. Vielleicht ist es das dann auch mit dem komischen Technologie-Theologie-Vergleich. Theologie braucht von mir aus nicht unbedingt schön zu sein oder unsichtbar, aber wirksam wäre wichtig. Nicht in jedem Detail jedes wissenschaftlichen Fachartikels. Aber da, wo ich mich als Theologe dem Radiohörer zumute, da sollte das in Form und Inhalt so passieren, dass die da draußen kein Mitleid oder Fremdschämgefühle kriegen, sondern dass sie Lust bekommen, die Welt besser vorzufinden, als sie sie hinterlassen hatten.
Oder umgekehrt.
Florian Sobetzko, Aachen
Christlich in der Küche, an der Kasse – und auf dem Klo
Christlich aufs Klo
Ein weiser Freund von mir sagt: Wie christlich ich bin, das entscheidet sich auf dem Klo. Das ist zwar kein so schönes Thema, aber Hand aufs Herz: Wie glaubwürdig fändest du jemanden, der von Nächstenliebe redet, in der Seminarpause aber das Klo so hinterlässt, dass das niemand mehr benutzen will?
Und jetzt kommt’s: Was ich an dem Beispiel so extrem stark finde, ist die Tatsache, dass das jeder mit sich selbst ausmachen muss – denn man kann’s ja kaum kontrollieren. Hier geht es also gar nicht darum, über andere zu urteilen. Hier geht es einzig und allein um mich. Oder – wenn du die Frage abkannst – um dich.
Machst du vorne raus einen auf nett und Freund und guter Kollege und lässt hinten die Sau raus? Oder meinst du es auch in den kleinen Dingen des Alltags ernst und hinterlässt die Orte und Örtchen so, wie du sie vorfinden willst?
Man muss nicht groß rumchristeln, um für so was aufmerksam zu sein. Aber es ist schon echt ein Kriterium. Schließlich geht es hier um niemand anders als den Nächsten.
Scheiße parken
Kennst du das: Du suchst nach einem Parkplatz und dann steht da so’ n Vollpfosten ganz leger auf anderthalb bis zwei Parkplätzen? Könnt ich ausrasten, vor allem wenn das dann auch noch ein Riesen-SUV von irgend’nem Wohlstandstypen ist, der für seine breite Karre den doppelten Platz braucht und die knappe Ressource Parkfläche ganz alleine aufsaugt. Jedes Mal, wenn mir das passiert, nehme ich mir vor, mir solche »Sie parken scheiße«-Zettel zu drucken und die demnächst dabeizuhaben.
Dummerweise bin ich so ein Kirchentyp und muss jetzt gleich dran denken, dass wir in Europa auch irgendwie scheiße parken – zumindest aus der Sicht von Flüchtlingen, die wegen Krieg, Folter oder Hunger – lass das Radio an, ich will das hören! – die wegen Krieg, Folter oder Hunger ihre Heimat verlassen müssen. Und wenn sie nicht im Meer ersoffen sind, dann stellen sie bald fest: In Europa gibt es keinen Platz. Den brauchen wir für uns, und zwar komplett – keine Lust, irgendso ’ne olle Kombitür in meine Metalliclackierung zu kriegen, wenn hier alle so eng neben’ander stehen.
3-2-1-Gott
Wenn ich es richtig verstanden habe, dann ist es doch mit eBay-Versteigerungen so, dass der Gewinner erst in den letzten Sekunden einer Auktion feststeht, oder? Ich kann tagelang um die Wette bieten, aber wenn ich am Ende nicht dabei bin, am Rechner oder am Smartphone, oder wenn ich einfach zu wenig biete, dann krieg ich nichts.
Trotzdem stelle ich fest, dass bei den Auktionen, die mich interessieren, irgendwelche Leute immer schon Tage vor Ablauf der Zeit den Preis in die Höhe treiben, was ich einfach nicht kapieren will. Klar, als Verkäufer freue ich mich über so etwas, aber ich rufe doch auch nicht vor dem Tanken bei Aral oder Shell an und teile mit, dass ich gleich komme und sie die Preise ruhig was hochsetzen können, weil ich heute nicht aufs Geld achten will.
»Sie sind derzeit der Höchstbietende.« Aaaah, das fühlt sich gut an – und zack, fünf Minuten später, bietet jemand ein paar Cent mehr: Der Artikel kostet jetzt 27,83 Euro oder so, und bumm: »Sie wurden leider überboten.« Mein Fazit: Ich biete erst in den letzten zwanzig Sekunden und gebe mich vorher unauffällig ...
