Tag der Hoffnung - Patricia Vandenberg - E-Book

Tag der Hoffnung E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Extra Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. Mit düsterer Miene kam Dr. Graef aus einem Krankenzimmer und lief an Dr. Jenny Behnisch vorbei. Er schien sie gar nicht zu sehen, und sie blieb bestürzt stehen. »Michael, was habe ich dir denn getan?« fragte sie. Jetzt drehte er sich erschrocken auf dem Absatz um und starrte sie geistesabwesend an. »Entschuldige, Jenny, aber ich war mit meinen Gedanken ganz woanders.« »Darf ich fragen, wo du warst? Es geht doch Frau Becher nicht etwa wieder schlechter?« »Das nicht, aber sie ist die dritte Patientin, die sich über die Mellet beschwert, aber sie hat mich auch ganz direkt gefragt, wie wir auf die gekommen sind, sie passe doch gar nicht zu uns.« Jenny Behnisch seufzte schwer. »Ich wollte Professor Schwerdt einen Gefallen tun. Er hat sich sehr für sie eingesetzt und ihr ein gutes Zeugnis ausgestellt.« »Und warum beschäftigt er sie nicht selbst? Er hat doch alle Möglichkeiten«, sagte Michael Graef, entgegen aller Gewohnheit, aggressiv. »Was die Mellet für einen Ton anschlägt, ist unter aller Kritik. Du mußt etwas dagegen unternehmen, Jenny.« Er verstand sich sehr gut mit Jenny Behnisch, und sie waren mit der Zeit Freunde geworden, obgleich Jenny sonst sehr zurückhaltend war.

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Seitenzahl: 125

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Dr. Norden Extra – 149 –Tag der Hoffnung

Unveröffentlichter Roman

Patricia Vandenberg

Mit düsterer Miene kam Dr. Graef aus einem Krankenzimmer und lief an Dr. Jenny Behnisch vorbei. Er schien sie gar nicht zu sehen, und sie blieb bestürzt stehen.

»Michael, was habe ich dir denn getan?« fragte sie. Jetzt drehte er sich erschrocken auf dem Absatz um und starrte sie geistesabwesend an.

»Entschuldige, Jenny, aber ich war mit meinen Gedanken ganz woanders.«

»Darf ich fragen, wo du warst? Es geht doch Frau Becher nicht etwa wieder schlechter?«

»Das nicht, aber sie ist die dritte Patientin, die sich über die Mellet beschwert, aber sie hat mich auch ganz direkt gefragt, wie wir auf die gekommen sind, sie passe doch gar nicht zu uns.«

Jenny Behnisch seufzte schwer. »Ich wollte Professor Schwerdt einen Gefallen tun. Er hat sich sehr für sie eingesetzt und ihr ein gutes Zeugnis ausgestellt.«

»Und warum beschäftigt er sie nicht selbst? Er hat doch alle Möglichkeiten«, sagte Michael Graef, entgegen aller Gewohnheit, aggressiv. »Was die Mellet für einen Ton anschlägt, ist unter aller Kritik. Du mußt etwas dagegen unternehmen, Jenny.«

Er verstand sich sehr gut mit Jenny Behnisch, und sie waren mit der Zeit Freunde geworden, obgleich Jenny sonst sehr zurückhaltend war. Sie waren immer sehr ehrlich zueinander und teilten auch alle Schwierigkeiten, wie sie in einer Klinik unvermeidbar waren.

Es ging um die Aushilfsärztin Bridget Mellet, die seit zwei Wochen an der Behnisch-Klinik arbeitete. Sie hatte in England studiert und wollte in Deutschland promovieren. Professor Schwerdt hatte sich für sie eingesetzt, warum, darüber rätselten Jenny Behnisch und Michael Graef jetzt sehr.

»Ich werde gleich mit ihr sprechen«, erklärte Jenny seufzend. »Wenn ich nur wüßte, warum Schwerdt soviel von ihr hält.«

»Wahrscheinlich hat sie ihn becirct. Mein Typ ist sie nicht, aber die Geschmäcker sind ja verschieden. Es könnte aber auch sein, daß er sie einfach nur loswerden wollte.«

»So was denken nur Männer«, meinte Jenny ironisch.

»Ich möchte lieber wissen, was die Mellet denkt.«

Jenny ließ die Ärtzin zu sich kommen. Sie war hübsch, wenn man diesen blasierten Typ mochte, diese herablassende Art, die Jenny momentan auch aggressiv machte, und das wollte viel heißen.

»Wir müssen einmal miteinander reden, Frau Mellet«, sagte sie ruhig.

»Wenn Sie Zeit haben, bitte schön.« Bridget Mellets Augen funkelten eiskalt.

*

Zu gleicher Zeit erschien in der Praxis von Dr. Norden eine Dame, Anfang dreißig mochte sie sein und sehr dezent gekleidet. Sie sah blaß und erschöpft aus. Dr. Norden erkannte sie nicht gleich.

»Sie können sich nicht mehr an mich erinnern, Dr. Norden«, sagte sie enttäuscht. »Maximiliane Gambill…«

Er hörte die Stimme, eine weiche, wohlklingende Stimme.

»Geborene Dannenberg!« rief er aus. »Jetzt hab’ ich es. Ich hatte Sie aber als strahlende junge Frau in Erinnerung, die sich von mir verabschiedete, um auf ihre Hochzeitsreise in die Karibik zu gehen.«

Ihre Mundwinkel bogen sich abwärts. »Träume sind oft Schäume«, sagte sie gepreßt. »Ihnen brauche ich nichts vorzumachen.«

»Wie kann ich Ihnen helfen?«

»Es genügt mir schon, wenn ich mich einmal aussprechen kann.«

»Das können Sie gern, wenn Sie noch Zeit haben. Ich muß zwei Patienten versorgen, dann werden wir ungestört sein.«

»Ich warte gern. Ich bin dankbar, wenn Sie mich nicht wegschicken.«

Es war sechs Jahre her, daß sie zum letzten Mal bei Dr. Norden gewesen war. Damals war Wendy noch nicht bei ihm gewesen. Das stellte Wendy fest, als sie Maximilianes Karte heraussuchte, die noch auf den Namen Dannenberg lautete. Wendy stellte fest, daß die Familie ganz in der Nähe gewohnt hatte. Sie fragte, ob die Adresse noch dieselbe sei.

»Nein, mein Vater ist inzwischen gestorben. Meine Mutter wohnt jetzt in Steinebach, und ich wohne zur Zeit bei ihr«, erklärte Maximiliane. »Sie können mich aber weiterhin unter meinem Mädchennamen führen. Ich habe ihn wieder angenommen.«

Wendy stellte keine indiskreten Fragen, die ihr taktlos erschienen. Sie spürte, wie bedrückt Maximiliane war.

»Ich hätte mich wohl besser anmelden sollen, aber es war ein spontaner Entschluß von mir, schon heute Dr. Norden zu besuchen«, erklärte sie.

»Es ist heute auch offizielle Sprechstunde«, erwiderte Wendy, »und Sie haben es gut getroffen. Die beiden Patienten bekommen nur Injektionen, Sie werden nicht lange warten müssen.«

Es dauerte wirklich nicht viel länger als zehn Minuten, dann verabschiedete Dr. Norden die letzte Patientin.

»Nun erzählen Sie mal, was Ihnen fehlt, Frau Dannenberg.«

»Bitte, sagen Sie doch wieder Maxi, es macht mir alles leichter.«

Er sah sie forschend an. Traurig konnte man ihren Gesichtsausdruck nicht nennen, eher gehetzt und gequält.

»Ich hätte nie für möglich gehalten, daß sich ein Mensch so ändern kann«, erklärte sie stockend, »aber vielleicht ist Ray auch ein Mann mit zwei Gesichtern, verdorben vom Geld und der Umgebung, in der er sich wohl fühlt, oder ich war nur die falsche Frau für ihn.«

»Hat er Sie mißhandelt?«

»Körperlich nicht, aber psychisch. Ich habe mit der Zeit immer mehr Angst vor ihm bekommen, und ich habe Angst, daß er mir meinen Sohn wegnehmen will. Momentan steht er noch unter dem Einfluß seiner Geliebten, aber er hat es ja nie lange mit einer Frau ausgehalten.«

»Und Sie haben es sechs Jahre mit ihm ausgehalten.«

»Nein, so war es nicht. Er war zeitweise monatelang weg, irgendwo, ohne daß ich etwas von ihm hörte. Ich habe als Übersetzerin für einen Verlag gearbeitet, das hat ihn auch nicht weiter interessiert, bis er herausfand, daß er Patrick als Druckmittel benutzen konnte, um für ihn undurchsichtige Geschäfte zu erledigen. Ich war nicht mehr ich selbst, und ich stand ständig unter Beobachtung. Da war diese Frau, die angeblich unseren Haushalt führen sollte. Vielleicht tat sie mir etwas ins Essen. Als ich einmal unterwegs war, wurde es mir schwindelig, jemand brachte mich, zu einem Arzt. Der fragte mich ob ich irgendwelche Mittel nehme. Da wurde ich erst auf den Gedanken gebracht, daß etwas im Essen sein könnte. Es gelang mir, etwas beiseite zu schaffen und es untersuchen zu lassen. Es war ein Betäubungsmittel, das mich willenlos machte. Ich hatte gerade noch soviel Energie, daß ich mit Patrick in einer Nacht, als wir allein im Haus waren, die Flucht ergreifen konnte. Ray war zu dieser Zeit in China, und Helen war an bestimmten Nächten nicht im Haus. Sie dachte, daß ich betäubt sei, aber ich wußte ja inzwischen, daß ich vorsichtig sein mußte. Patrick hat zuerst gar nicht begriffen, was los war. Ich sagte ihm, daß wir Ferien bei der Granny in Germany machen würden.«

Sie verharrte sekundenlang schweigend und verkrampfte die Hände ineinander. Dr. Norden betrachtete sie voller Mitgefühl und überlegte, wie er ihr helfen konnte. Aber sie erhob sich.

»Mein Gott, was müssen Sie von mir denken«, sagte sie tonlos. »Sie halten mich wahrscheinlich für verrückt oder total überdreht.«

»Das tue ich nicht, ich sehe doch, daß Sie verzweifelt sind, Maxi. Ich frage mich, wie es soweit kommen konnte. Sie waren vor sechs Jahren das Traumpaar des Jahres. Wie konnte diese Ehe einen solchen Verlauf nehmen? Es war doch nicht so, daß Sie nur einem Blender, einem Mitgiftjäger aufgesessen waren. Ihr Vater hatte genaue Erkundigungen über ihn eingezogen. Ich weiß das und erinnere mich jetzt wieder an alles.«

»Ich frage mich doch auch, wie sich das alles so entwickeln konnte! Drei Jahre ging es doch auch gut, dann starb sein Vater und hinterließ chaotische Zustände. Ray und seine Brüder zerstritten sich, weil kaum noch etwas vorhanden war. Einer schob es auf den anderen, dabei schien es so, als hätte der Senior die ganze Familie getäuscht. Ich habe nie einen Überblick gewonnen, aber Ray hat sich seit diesem Tag geändert. Ich merkte erst jetzt, welch ein Materialist er war. Von meinem Erbteil blieb letztlich auch nichts mehr, wie ich dann merken sollte. Obwohl er überall Geschäfte machte, mußte ich mich sehr einschränken. Es hätte mir nichts ausgemacht, wenn wir gemeinsam versucht hätten, wieder etwas aufzubauen. Mama wollte ich nichts mitteilen. Jetzt weiß sie natürlich Bescheid und kann es immer noch nicht fassen, daß Ray so ganz anders wurde, als sie ihn einschätzte. Aber wozu erzähle ich Ihnen das eigentlich?«

»Weil Sie sich mal aussprechen wollten, Maxi, und das ist gut so. Wie lange sind Sie schon bei Ihrer Mutter?«

»Drei Wochen, aber ich bin zum ersten Mal in die Stadt gefahren. Ich werde die Angst nicht los, daß er mich verfolgen läßt und Patrick wegholt. Ich habe schon ein paar Anrufe bekommen, aber immer, wenn ich mich gemeldet habe, wurde die Verbindung unterbrochen. Wenn Mama sich meldete, war eine Frau am Telefon, aber nur einmal fragte sie nach mir. Mama sagte, daß sie nicht wüßte, wo ich sei. Mir sitzt die Angst im Nacken, nicht um mich, sondern um Patrick. Er hat ein Loch in der Herzscheidewand und müßte operiert werden, aber ich traue mich nicht, ihn in eine Klinik zu bringen.«

»Wenn Sie wollen, setze ich mich mit einem Spezialisten in Verbindung. Man könnte ihn unter einem anderen Namen operieren lassen, wenn Sie keine Krankenversicherung in Anspruch nehmen.«

»Aber ich habe das Geld nicht und möchte auch Mama nicht zu sehr beanspruchen. Es ist alles so schwierig. Ich sehe schon überall Gespenster. Bevor ich zu Ihnen fuhr, machte ich bei der Behnisch-Klinik halt. Ich hatte gehört, daß Dr. Behnisch gestorben ist. Es ist mir sehr nahe gegangen. Er hat meinen Vater so lange behandelt, und ich wollte gern Jenny Behnisch besuchen. Aber da sah ich Bess Melvin, ich habe es mir wenigstens eingebildet, daß sie es sei… aber diese Ähnlichkeit… sie hat mich auch angestarrt. Ich habe gleich die Flucht ergriffen. Ich weiß ja nicht, wie sie herkommen konnte, was sie hier macht an der Klinik, aber sie trug einen weißen Kittel.«

»Wer ist diese Bess Melvin?« fragte Dr. Norden.

»Sie war Pflegerin bei meinem Schwiegervater und hatte auch eine Beziehung zu Ray. Ich weiß, daß alles verrückt klingt, aber ich kann es mir nicht nur einbilden. Manchmal zweifle ich schon selbst an meinem Verstand.«

Sie sah ihn so hilflos und voller Angst an, daß es ihn erschütterte.

Was hatte Ray Gambill aus dieser Frau gemacht? Aus einem bezaubernden Mädchen, das überall, wohin es auch kam, Frohsinn verbreitete. Dem außerdem alle Wege zu einer beruflichen Karriere offenstanden. Was Daniel Norden jetzt sah, war ein völlig verstörtes Geschöpf, dessen Augen um Hilfe flehten. Aber er wußte nicht, wie er helfen konnte.

Er überlegte kurz. »Ich könnte Sie und Patrick sofort auf der Insel der Hoffnung unterbringen«, erklärte er.

»Aber Patrick muß operiert werden, wenn er einmal ein normales Leben haben soll.«

»Ich kenne in der Schweiz einen Herzchirurgen, Dr. Dechy, mit dem ich sprechen könnte. Der Weg von der Insel ist nicht weit bis nach Zürich. Lassen Sie es sich durch den Kopf gehen, besprechen Sie es mit Ihrer Mutter.«

Sie nickte zustimmend. »Ich möchte aber auch gern wissen, wer diese Frau in der Behnisch-Klinik ist, die so aussieht wie Bess Melvin.«

»Können Sie mir eine Beschreibung geben?«

»Sie ist blond, ganz attraktiv, wirkt sehr arrogant und hat grüngraue Augen, die kalt glitzern.«

Dr. Norden hielt den Atem an, denn danach konnte man Bridget Mellet erkennen, aber das wollte er lieber nicht sagen, denn Ähnlichkeiten gab es immer.

»Mit welcher Bekannten hat sie Ähnlichkeit?«

»Mit Bess Melvin, der Pflegerin meines Schwiegervaters. Wenn sie hier als Krankenschwester tätig ist, frage ich mich, warum sie ausgerechnet in München ist. Sie spricht allerdings sehr gut deutsch.«

»Und Sie haben vermutet, daß sie ein Verhältnis mit Ihrem Mann hatte?«

»Vielleicht ist das etwas übertrieben, er hatte mit manchen Frauen geflirtet. Ich neige wohl dazu, alles ganz schwarz zu sehen und bitte um Nachsicht, weil ich so am Boden zerstört bin.«

»Sie dürfen sich jetzt nicht unterkriegen lassen. Ich werde Ihnen ein Medikament geben, das beruhigend und auch aufmunternd wirkt.«

»Ich hatte schon eins verschrieben bekommen, aber ich habe den Eindruck, daß es mich noch nervöser macht.«

»Haben Sie es dabei?«

Sie nickte und entnahm es ihrer Handtasche. Das Glasfläschchen war halbvoll. Er schraubte es auf und roch daran.

»Lassen Sie es bitte mal hier, und nehmen Sie das von mir, Maxi. Mal sehen, ob das besser hilft. Und dann sagen Sie mir bald Bescheid, ob Sie mit Patrick auf die Insel oder in die Schweiz gehen wollen.«

»Das tue ich, und Sie sagen mir bitte, wie die Pflegerin heißt.«

»Ich werde mich erkundigen.« Er hatte ein unbehagliches Gefühl und eine Ahnung, daß Jenny Behnisch einigen Ärger bekommen könnte, den er ihr gern ersparen wollte. Er ertappte sich auch dabei, daß er Maxi nachschaute, um sich zu vergewissern, ob ihr jemand folgte, aber das war nicht der Fall.

Bevor er heimfuhr, hielt er beim Labor, mit dem er viel zusammenarbeitete. Er brachte Maxis Tabletten hin und bat, sie zu analysieren. Sie hatte ihn mit ihrem Mißtrauen tatsächlich bereits angesteckt.

*

Fee Norden betrachtete ihren Mann besorgt, weil er gar so wortkarg war. Den Kindern fiel es nicht so auf, denn sie waren lebhaft wie immer.

»Fehlt dir was, mein Schatz?« fragte sie, als sie ihren üblichen Kaffee tranken.

»Du wirst nicht glauben, wer heute bei mir war«, begann er geistesabwesend. »Maxi Dannenberg.«

»Heißt sie nicht Gambill, seit sie verheiratet ist?«

»Jetzt hat sie wieder ihren Mädchennamen angenommen und lebt bei ihrer Mutter.«

»Oh, das bedeutet also, daß auch diese Ehe schiefgelaufen ist.«

»Und wie schief!« Daniel erzählte, was er von Maxi erfahren hatte und Fee schüttelte ein über das andere Mal den Kopf. Er ließ auch ihren Kurzbesuch in der Behnisch-Klinik nicht aus und ihre Ängste.

Fee runzelte die Stirn.

»Wenn sie sich nicht getäuscht hat, könnte es sein, daß sich da jemand eingeschlichen hat, der Ärger machen könnte.«

»Der Gedanke ist mir auch gekommen, und es wäre besonders schlimm, wenn sie gar keine Ärztin wäre.«

»Aber sie wurde von Professor Schwerdt empfohlen.«

»Man müßte sich dann fragen, in welcher Beziehung sie zu ihm steht. Ich erinnere mich allerdings, daß er vor einigen Jahren in England tätig war. Viel weiß ich nicht über ihn.«

»Ich werde sie mir mal anschauen«, sagte Fee, schnell entschlossen. »Jenny kann wirklich keinen Ärger brauchen, und natürlich tut mir auch Maxi leid, wenn sie unter Druck gesetzt wird. Man hört ja oft genug, daß Kinder von ihren Vätern entführt werden und manchmal sogar getötet, um die Mutter an ihrer empfindlichsten Stelle zu treffen.«

»Soweit wollen wir lieber nicht denken, Feelein. Aber ich muß gestehen, daß ich ein ungutes Gefühl habe. Maxi redet sich das alles nicht nur ein. Sie ist verzweifelt.«

»Und was war das für eine Hochzeit! Ihre Eltern waren doch so zufrieden mit dem Schwiegersohn.«

»Es geht halt nicht immer so gut wie bei uns«, sagte Daniel nach längerem Schweigen. »Wie man immer wieder hört, folgt bei sehr vielen Paaren schnell die Ernüchterung. Der Alltag ist stärker als die Flitterwochen es sind.«

»Man kann auch sagen, der Lack ist ab, man sieht sich nicht mehr mit verklärtem Blick«, fügte Fee gedankenvoll hinzu.

»Und wenn dann noch andere Frauen im Spiel sind…« Fee riß die Augen auf. »Das auch noch«, seufzte sie, »vielleicht auch noch ein anderer Mann?«