Tannertschok - Christoph W. Bauer - E-Book

Tannertschok E-Book

Christoph W. Bauer

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Beschreibung

Noch in ferner Zukunft wird man vom Tannerismus sprechen - doch wer begründete diese epochemachende Kunstform? ***Erzählung Nr.5 aus dem Sammelband "In einer Bar unter dem Meer"*** Die Figuren in Christoph W. Bauers Erzählungen mögen auf den ersten Blick verschroben wirken. Dabei sind sie vertrauter, als einem lieb ist: Sie trauern verpassten Chancen nach, verrennen sich in Träume, sind unglücklich in ihren Berufen, sprechen von Treue und wandern von einem Bett ins andere, geben sich kühl und erfahren, im nächsten Moment innig und schmachtend. In den unterschiedlichsten Tonarten sprechen sie an, was wir alle kennen: Einsamkeit, Sehnsucht, Liebe und Verlust. Temporeich und direkt sind Bauers Geschichten, manchmal kurz und energisch wie ein Punksong, manchmal eigenbrötlerisch und elegisch wie ein Blick aufs Meer. Dabei oft von einer bestechenden Komik und voll plötzlicher Wendungen, die unversehens den Blick öffnen auf eine Wirklichkeit, die uns alle betrifft. Alle Erzählungen aus "In einer Bar unter dem Meer": Zwei plus eins Die Meidlinger Bellevue Kalifornien Irgendwo in Deutschland Samsas Erben Windburgen Der Fall Branzer Traunstein Das Gewicht Full Shot Fassbare Formen Eine Melange im Nirgendwo Schusstechnik Relaunch, Schauraum sieben Emira und das Meer Figuren Stecknadeln

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Seitenzahl: 17

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Christoph W. Bauer

Tannertschok

Erzählung

„Und glaub ich noch ans Meer, so hoffe ich auf Land.“

Ingeborg Bachmann

Was haben wir uns nicht gewundert, als Tanner eines Spätnachmittags nackt und mit einer Schellenkappe auf dem Kopf vor das Wahrzeichen der Stadt trat und sein Tun als Kunst im öffentlichen Raum ausrief. Ausgerechnet Tanner, der Stillste in unserer Runde, welcher Furor hatte sich seiner bemächtigt? Dass er seiner Deklaration ein Watch me now nachgeschickt hätte, taten wir ohnedies ins Reich der raschen Legendenbildung ab, Tanner und Englisch, niemals! Wenn er schon einmal den Mund aufmachte, so um sich über die Verenglischung der Welt zu ärgern, drei Worte stieß er dann aus, geht gar nicht oder nicht mit mir. Und war ihm etwas gänzlich zuwider, fand seine Wut das Trio: So ein Scheiß!

Die Kunstexpertin der führenden hiesigen Tageszeitung hingegen sah in Tanners Zusatz einen An­spruch auf Internationalität manifestiert. Und da wir in unserem Kreis selbst der diffusesten Ansicht mit allergrößter Diskussionsfreude begegneten, konnten wir uns schließlich davon überzeugen, dass wohl ein Fünkchen Wahrheit in der Expertise lag. Dafür sprach vor allem Tanners Beibehalten der Dreiwortregel, die er in Watch me now perfekt zur Anwendung gebracht hatte.