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"Tanzpalast Granada" is ein Roman von Ravi Ravendro. Der Kriminalroman erzählt die Geschichte von Hans Peter, einem Theaterschauspieler, der eine persönliche Beziehung zu seiner Kollegin Carola hat. Was mit ihm als nächstes passiert?
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Zwischen Tischen und Stühlen hindurch, die den weiten, schönen Garten des Ausflugslokals füllten, ging Hans Peters mit eiligen Schritten über den Kiesweg zu dem großen Saaleingang. Musik tönte ihm entgegen.
Unwillkürlich machte er auf der Schwelle halt und lehnte sich an einen Türpfosten. Aber dann richtete er sich hoch auf, um die Menschenmenge im Innern zu übersehen. Vergnügt leuchteten seine dunkelblauen Augen auf, als er zur Bühne hinübersah, wo eben Fritz Rohmer, der Personalchef der Firma, an die Rampe trat. Der Mann wurde mit lautem Jubel begrüßt und konnte sich nur schwer Gehör verschaffen.
»Geliebtes Volk der berühmten Kaffee- und Tee-Importgesellschaft Herkomer & Harrelt –«
Erneuter stürmischer Beifall und lebhafte Zurufe unterbrachen ihn.
»Nach der prachtvollsten Wanderfahrt über die märchenhaften Wellen des Indischen Ozeans – wollte sagen der Spree – feiern wir nun hier das fünfzigjährige Jubiläum unserer stolzen Firma, die ihre Kaffeekähne über alle Meere fahren läßt. Nach einem gelungenen Kaffeeklatsch und hochkünstlerischen Vorträgen kommen wir jetzt zu einem nie geahnten Höhepunkt des Festes. Es folgt jetzt unter Vorantritt der einzigartigen Kapelle Ali Babas und der vierzig Räuber die größte chinesische Lampion-Polonäse, die die Welt je gesehen hat, und zwar aus der Zeit des Kaisers Sing-Tang-Fu von der siebenundneunzigsten Dynastie des himmlischen Reiches.«
Ein ohrenbetäubender Tusch der Kapelle erstickte den Jubel der Zuhörer. Dann traten einige junge Leute in chinesischen Kostümen aus den Kulissen der Bühne heraus und verteilten brennende Lampions an die Festteilnehmer.
Peters nickte befriedigt. Alles schien improvisiert zu sein, und doch klappte es vorzüglich. Einen besseren Festleiter als Rohmer konnte man sich kaum wünschen.
Paare bildeten sich und nahmen Aufstellung, die Kapelle setzte sich an die Spitze des großen Zuges. Mit einem kühnen Sprung kam Rohmer von der Bühne herunter und wurde sofort von mehreren Damen umringt, die von ihm geführt sein wollten. Schließlich hatte er in jedem Arm eine und schritt gleich hinter der Kapelle, die erst einen Rundgang im Saal machte und dann durch die gegenüberliegende breite Tür in den Garten marschierte.
Peters sah sich suchend um, als eine junge Dame auf ihn zukam. Zuerst bemerkte er sie nicht, aber dann erkannte er Carola Schöller und ging ihr einige Schritte entgegen. Früher war er viel mit ihr gewandert, und bei Kanupartien war sie eine gute Kameradin gewesen.
»Fabelhaft, daß Sie doch noch zum Jubiläum gekommen sind!« sagte sie freudig erregt und schaute strahlend in sein sonnengebräuntes, männlich – schönes Gesicht. »Ihnen scheint es ja glänzend zu gehen. Ich dachte, Sie wären auf Urlaub in Ihren geliebten Bergen.«
»Eigentlich ist es ein Zufall – ich bin erst heute nachmittag um drei Uhr zurückgekommen. An das Jubiläum hatte ich während meines Urlaubs wirklich nicht mehr gedacht, und ich war höchst erstaunt, als ich eine Einladung zum Herbstfest der Firma zu Hause vorfand.«
Er reichte ihr den Arm und ging mit ihr zur Bühne, wo sie sich auch Lampions und buntfarbige Kopfbedeckungen holten. Dann schlossen sie sich der Polonäse an. Überall tönten ihnen Lachen und frohe Zurufe entgegen.
»Ich freue mich so, daß Sie wieder hier sind«, sagte Carola und warf ihm einen warmen Blick aus ihren klaren, blauen Augen zu. Ihre auffallend hellblonden Haare standen in einem reizvollen Gegensatz zu ihrer gesunden, braunen Gesichtsfarbe und ihrem stahlblauen Kleid.
Peters nickte nur, er schien nicht ganz bei der Sache zu sein. Seine Blicke schweiften wieder suchend über die Menge, denn er hätte gern ein anderes Mädchen an seiner Seite gesehen. Carola hatte er wohl gern, sie war ein liebes Sportmädel, stand fest und sicher im Leben, und es arbeitete sich gut mit ihr zusammen. Früher hatte sie ihm mehr bedeutet, aber seitdem Marianne Körber in seine Abteilung versetzt worden war, hatte sie weniger Einfluß auf ihn.
»Erzählen Sie mir doch ein wenig von Ihrem Urlaub«, bat sie. »Haben Sie wieder das Matterhorn besiegt, Sie verwegener Bergkönig?«
Damit hatte sie ein Lieblingsthema von ihm angeschlagen, und er unterhielt sich lebhaft mit ihr.
Die Spitze der Polonäse bog um und kam im Gegenzug an den anderen vorüber.
»Ich habe mir so sehr gewünscht, daß Sie heute kommen möchten. Ohne Sie wäre das Fest nur halb so schön«, sagte Carola und drückte leise seinen Arm. Erwartungsvoll blickte sie zu ihm auf.
Er aber musterte die entgegenkommenden Paare und wäre beinahe stehengeblieben, als Direktor Bachwitz mit Marianne Körber dicht an ihnen vorüberkam. Das Erkennen war gegenseitig, und ihm war es sehr peinlich, daß Marianne sicher den zärtlichen Blick Carolas aufgefangen hatte. Wie eine Prinzessin schwebte sie in einem auffallend schönen Kleid an ihm vorbei und grüßte mit einem leichten Kopfnicken.
»Fräulein Körber sieht aber heute abend bezaubernd aus!«, sagte er unwillkürlich.
»Nun ja, sie kommt sich auch viel mehr vor als wir anderen«, entgegnete Carola etwas spitz. Sie wußte natürlich, wie sehr er sich für Marianne interessierte.
Er antwortete nicht darauf, und sie schwiegen beide einige Zeit.
Fritz Rohmer machte seine Sache als Führer der Polonäse sehr gut und hatte stets neue Einfälle. Nun marschierten sie wieder in den Saal, und als Peters an der Spitze vorbeikam, bemerkte ihn der Personalchef. Sofort machte er sich von seinen beiden Begleiterinnen frei, zog Hans Peters mit Carola in die Mitte und ließ die anderen einen großen Kreis um sie bilden.
Peters und Carola Schöller wußten kaum, wie ihnen geschah, als sie plötzlich im Mittelpunkt standen und alle auf sie aufmerksam wurden.
Auf einen Wink Rohmers stoppte die Musik plötzlich. Dann hielt er eine kurze, witzige Ansprache und brachte ein Hoch auf den verlorenen Sohn der Firma, Hans Peters, den Bergkönig vom Nanga Parbat im Himalaya, und seine Kaffeedame Carola Schöller aus.
Peters hätte ihn am liebsten erwürgt. Alle Blicke richteten sich auf das schöne, stattliche Paar.
Gleich darauf stimmte die Kapelle einen Walzer an, der Zug löste sich auf, und alle drehten sich im Dreivierteltakt.
Peters war rot vor Ärger. Wieder fühlte er sich vor Marianne beschämt.
»Damenwahl!« rief der Festordner plötzlich mit weithinschallender Stimme durch den Saal, nachdem der Walzer zu Ende war. Carola nahm sofort die Gelegenheit wahr und knickste schelmisch vor Peters. Er mußte mit ihr tanzen, und nach ein paar Takten wäre er im Gedränge beinahe mit Marianne Körber zusammengestoßen, die Direktor Bachwitz zum Partner hatte. Bald wurde er von anderen Damen geholt, denn er war mit seinen dreißig Jahren der jüngste Abteilungsleiter in der Firma und sehr beliebt wegen seines freundlichen Wesens.
Viele tanzten mit ihm, nur Marianne kam nicht, und er war froh, als die Kapelle endlich eine Pause machte. Vergeblich sah er sich nach Marianne um, aber es wurde vorläufig nicht mehr getanzt, da Rohmer die Gesellschaft von zweihundertundfünfzig Personen in den angrenzenden Saal führte, in dem für alle zum Abendessen gedeckt war.
Schließlich mußte auch er sich niederlassen. Carola hatte es wieder so eingerichtet, daß sie neben ihm saß. Nun entdeckte er auch Marianne, die schräg gegenüber Platz genommen hatte und sich lebhaft mit Direktor Bachwitz unterhielt.
Heute abend ging auch alles verkehrt! Wie sehr hatte er sich gefreut, als er die Einladung zum Fest in seiner Wohnung gefunden hatte. Gewiß, der Urlaub war schön gewesen, aber Peters hatte sich doch sehr allein gefühlt, und während der letzten Wochen war es ihm immer klarer geworden, daß er Marianne liebte. Er war einen Tag früher zurückgekehrt, nur um wieder in Berlin und in ihrer Nähe zu sein, und er hatte sich fest vorgenommen, sich bei der nächsten Gelegenheit mit ihr auszusprechen.
Rohmer hielt eine glänzende Rede auf die Frauen im allgemeinen und im besonderen und sprach ausgelassen, sprühend und witzig. Nachdem alle in das Hoch auf das schöne Geschlecht eingestimmt hatten, erließ er ein Redeverbot bis zum Ende des Essens.
Carola sprach eifrig auf Peters ein. Er antwortete auch, aber manchmal hörte er kaum, was sie sagte. Ab und zu warf er einen Blick auf Mariannes Platz, aber plötzlich vermißte er sie.
Ein helles Trompetensignal unterbrach gleich darauf die lebhafte Unterhaltung, und vor dem Vorhang erschien Fritz Rohmer in einem wallenden Purpurmantel. Noch ehe er den Mund auftun konnte, klatschten alle laut Beifall.
Beschwörend hob er die Arme, während die Pauke dumpf anschlug, und es wurde still im Saal.
»Nun kommt der unwiderruflich letzte und höchste Höhepunkt unseres Märchenfestes«, erklärte er feierlich. »Die unsterbliche Tänzerin Maria Pawlowa ist aus höheren Regionen zu uns herniedergeschwebt, um uns noch einmal durch ihre göttliche Kunst zu erfreuen.«
Er verschwand wieder zwischen den Falten des Vorhangs, der gleich darauf auseinanderrauschte.
Ein Raunen der Bewunderung ging durch den Saal, als die stilvolle Bühnendekoration sichtbar wurde. Die Lichter im Raum wurden verdunkelt, nur die Bühne war hell erleuchtet, und Scheinwerfer spielten darauf. Feurig und wild setzte die Musik ein, und aus den Kulissen heraus trat in spanischem Kostüm Marianne Körber!
Peters erschrak. War das noch seine Marianne?
Leidenschaftlich tanzte sie die Tarantella. In scharfem Rhythmus klapperten die Castagnetten, und wie ein Dämon wirbelte sie in ihrem farbenstrahlenden Kleid über die Bühne. Glühend blitzten ihre dunklen Augen auf.
Die Zuschauer sahen gebannt zu ihr empor, während tiefe Stille im Saal herrschte. Das sprühende Temperament der Tänzerin riß alle mit.
Unwillkürlich hielt Peters den Atem an. So kannte er Marianne nicht, so wild und zügellos. Immer toller drehte sie sich, immer aufreizender wurde der Rhythmus – dann war der Tanz zu Ende.
Hochaufgerichtet und herausfordernd stand sie in der Mitte der Bühne, die Rechte mit den Castagnetten hoch erhoben. Einen Augenblick herrschte noch Schweigen, dann brach der Beifallssturm los, und mehrmals wurde sie hervorgerufen.
Zwei weitere Tänze folgten. In stärkstem Gegensatz zu dem spanischen stand ein entzückender Wiener Walzer, zu dem sie in Biedermeierkostüm erschien. Den Schluß bildete ein Phantasietanz, der in seiner Art vielleicht noch schöner und vollendeter war als die ersten Darbietungen.
Begeistert verlangten die Zuschauer Wiederholung und wollten sich nicht zufriedengeben, aber an Stelle von Marianne zeigte sich Rohmer auf der Bühne und beruhigte mit launigen Späßen sein Volk. Dann wurde die Tafel aufgehoben, und alle strömten wieder in den Tanzsaal.
Peters blieb an der offenen Tür zum Speiseraum stehen, während das Personal die Tische abdeckte. Er wollte und mußte Marianne sprechen. Vorsichtig trat er zur Seite und stellte sich halb hinter eine Portiere, damit ihn Carola nicht sofort wiederfinden sollte.
Kurze Zeit später erschien Marianne auf der Treppe neben der Bühne. Sie trug ein schwarzes Samtkleid mit einer großen, brennendroten Schleife, die die Form eines Schmetterlings hatte. Vorteilhaft und geschmackvoll war sie ja immer gekleidet, aber so blendend schön und jugendfrisch wie heute war sie ihm noch nie entgegengetreten. Mit ihren schwarzbraunen Locken, ihrer dunklen Hautfarbe und dem natürlichen Rot ihrer Wangen, das die Freude über den Erfolg noch vertieft hatte, war sie auch wirklich eine bezaubernde Erscheinung.
Peters war nicht der einzige, der auf sie wartete, aber er eilte auf sie zu und kam allen anderen zuvor.
Marianne lächelte ihm zu, und gleich darauf wiegten sich beide im Walzertakt.
»Endlich treffe ich Sie auch einmal, Marianne! Wie geht es Ihnen denn? Ich habe Sie heute abend ja kaum wiedererkannt! Sie sind eine große Künstlerin – ich stehe wie vor einem Wunder. Sie haben doch nie ein Wort davon gesagt, daß Sie so herrlich tanzen können?«
»Es freut mich, wenn es Ihnen gefallen hat«, erwiderte sie und lachte glücklich.
Ein Aufleuchten ging über sein gutgeschnittenes Gesicht, das von dunkelblonden Locken umrahmt war.
Viele beobachteten die beiden, und der Personalchef schaute nachdenklich drein, als er dicht neben sich Carola Schöller bemerkte, die Peters keine Sekunde aus den Augen ließ. Sofort wandte er sich mit ein paar liebenswürdigen Worten an sie und forderte sie auf.
Noch lange herrschte frohe Laune beim Tanz. Immer ausgelassener wurde die Stimmung, immer blumenreicher wurden die Ansprachen und Reden des Festleiters, aber er hatte trotzdem sein Volk in der Gewalt.
Als es am schönsten und gemütlichsten war, schmetterten die Fanfaren zum Aufbruch, und er ließ alle antreten. Dann galoppierte er auf einem Steckenpferd die Front entlang, meldete Direktor Bachwitz die angetretene Truppe und ließ noch einen Parademarsch vor ihm ausführen.
Schließlich ging es unter fröhlichem Gesang an Bord des Dampfers, der besonders für die Gesellschaft gemietet war. Rohmer richtete es so ein, daß Direktor Bachwitz mit seiner Privatsekretärin Ilse Kaun und Marianne Körber zusammensaß. Am gleichen Tisch hatten sich Carola Schöller, Peters und er niedergelassen.
Bachwitz trank Marianne zu, und alle stießen auf ihre Kunst an. Peters sagte ihr noch viele anerkennende Worte über ihre Leistungen, und sie war in bester Stimmung.
Carola Schöller beobachtete die beiden argwöhnisch. Sie gab sich keinen Täuschungen hin, und sie wußte nur zu gut, daß der Anwesende stets recht hat. Selbst wenn Rohmer sie und die Sekretärin gewandt in die Unterhaltung zog, ließ sie sich dadurch nicht ganz ablenken. Aber sie war zu klug, um ihre Eifersucht zu offen zu zeigen.
»Könnten wir nicht nächsten Sonntag einen Ausflug machen?« fragte Peters leise, während er sich etwas näher zu Marianne neigte.
Froh nickte sie ihm zu.
»Ja. Wo wollen wir uns treffen?«
»Ganz in der Nähe Ihrer Wohnung – auf dem Stadtbahnhof Kolonnenstraße. Sagen wir um zehn Uhr. Vielleicht fahren wir nach Wildpark hinaus?«
»Gut, ich komme.«
Marianne hob das Glas und stieß mit Peters auf einen vergnügten Sonntagsausflug an.
Unruhig saß Hans Peters in einem Abteil der Stadtbahn und sah nach der Uhr. Dann warf er einen Blick auf den trüben Himmel. Es regnete nicht, aber es ging ein scharfer, kühler Wind.
Peters war ärgerlich, daß er in Grünau den Zug nicht erreicht hatte. Gerade heute hätte das nicht vorkommen dürfen! Am Sonnabendnachmittag war er wie gewöhnlich zum Seglerhaus hinausgefahren und hatte die Nacht dort verbracht.
Er hatte die Zeit so ausgerechnet, daß er genau um zehn Uhr auf dem Bahnhof Kolonnenstraße ankommen mußte, und nun hatte er den nächsten Zug nehmen müssen, was eine Verspätung von zwanzig Minuten bedeutete. Wieder einmal war er zu gutmütig gewesen. Im letzten Augenblick noch hatte ihn ein Klubkamerad aufgehalten und gebeten, ihm eine Stellung bei seiner Firma zu verschaffen. Und am Sonntagmorgen war zu dieser frühen Stunde auch nirgends eine Taxe in der Nähe des Bahnhofs Grünau zu sehen gewesen.
Der Zug hielt. Schnell schaute Peters hinaus auf den Bahnsteig und bemerkte das große Stationsschild »Tempelhof«. Noch zwei Stationen.
Seine Verspätung war gerade kein angenehmer Auftakt für die entscheidende Aussprache mit Marianne, die er sich für heute vorgenommen hatte. Aber dann dachte er wieder daran, wie froh und vergnügt er auf der Heimfahrt vom Fest mit ihr gewesen war, und wie herzlich sie sich von ihm verabschiedet hatte. Sicher würde sie auf ihn warten. Während der letzten Tage hatte er sie im Büro kaum gesprochen, denn nach der Rückkehr aus dem Urlaub hatte er viel aufzuarbeiten.
Endlich fuhr der Zug in die Station Kolonnenstraße ein. Peters stand schon erwartungsvoll an der Tür. Er sah nur wenig Leute, und Marianne war nicht unter ihnen. Das war ja auch nicht möglich – sie wartete sicher auf dem Wannseebahnsteig. Noch bevor der Zug vollkommen hielt, sprang Peters ab. Der Stationsbeamte warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu, aber Peters eilte hinauf zu dem Übergang auf den anderen Bahnsteig. Als er die Treppe hinunterstürmte, wäre er beinahe gefallen. Vielleicht konnten sie noch den Zug um zehn Uhr achtundzwanzig benutzen. Aber als er die Plattform erreichte, klappten die Türen gerade zu, und im nächsten Augenblick fuhren die Wagen an.
Er schaute sich nach allen Seiten um, entdeckte aber nur vier ihm unbekannte Leute.
Berlin schläft gewöhnlich am Sonntagvormittag und wacht erst gegen elf Uhr auf.
Mit langen Schritten ging er bis zum Nordende des Bahnsteigs, aber Marianne fand er nicht.
Sollte das unfreundliche Wetter sie abgehalten haben? Aber so kannte er sie eigentlich nicht von früher. Nach Hause war sie sicher auch nicht wieder gegangen, denn eine halbe Stunde mußte sie doch mindestens auf ihn warten. Vielleicht hatte sie verschlafen! Bei dem Gedanken atmete er erleichtert auf. Seine eigene Unpünktlichkeit kam dann nicht zutage.
Langsam schlenderte er zurück und musterte die wenigen Menschen, die mit ihm wanderten. Als er auf die Stationsuhr sah, zeigte sie bereits halb. Er trat an die Fahrplantafel und studierte die Folge der Züge, obwohl er sie genau kannte. Alle zehn Minuten ging von hier ein Zug in Richtung Potsdam ab. In Wannsee mußten sie umsteigen.
Mißmutig setzte er schließlich seine Wanderung fort. Immer wieder ertappte er sich dabei, daß er nervös nach der Uhr sah. Als er am Zeitungsautomaten vorbeikam, blieb er stehen und las die Überschriften. Dann warf er die nötigen Geldstücke ein und nahm die umfangreiche Sonntagsnummer heraus. Er drehte dem Wind den Rücken und versuchte zu lesen, aber dazu fehlte ihm die Ruhe. Endlich ging er in den Warteraum und setzte sich auf eine Bank. Die Zeitung legte er neben sich, die Uhr hielt er in der Hand.
Zehn Uhr vierzig!
Sollte er schnell zu Mariannes Wohnung am Kaiser-Wilhelm-Platz hinübergehen? Sie lag nur wenige Minuten entfernt. Aber Marianne mochte auf einem anderen Weg kommen, und dann verfehlten sie sich. Außerdem wollte er sich nichts vergeben – sie konnte das vielleicht so auffassen, als ob er ihr nachliefe.
Noch fünf Minuten wollte er warten, dann war eine Dreiviertelstunde vergangen.
Er sah starr auf die Uhr, und als er schließlich wieder aufschaute, bemerkte er Carola Schöller neben sich, die ihn freundlich begrüßte.
»Wollen Sie heute vormittag einen Ausflug nach Wannsee machen?« fragte sie anscheinend harmlos. In Wirklichkeit hatte sie seit zehn Uhr auf dem Bahnsteig gewartet, um Peters zu beobachten. Auf dem Dampfer hatte sie gehört, daß er sich zum Sonntag mit Marianne verabredete, und sie glaubte zu wissen, wie die Dinge sich entwickeln würden.
»Ja. Eigentlich –« Peters brach ab. Aber warum sollte er es verheimlichen? »Eigentlich wollte ich Fräulein Körber treffen. Aber sie scheint verschlafen zu haben.«
Nach dem langen, vergeblichen Warten freute er sich, daß er mit jemand sprechen konnte.
Carola trug ein dunkelbraunes Kostüm, das die Anmut ihrer schlanken Gestalt betonte. Der Wind hatte ihre Wangen gerötet, und eine schnittige, braune Kappe und ein kurzer Schleier hielten die widerspenstigen, hellblonden Locken zusammen.
»Marianne hat sicher etwas anderes vor«, sagte sie langsam.
Er sah sie erstaunt an.
»Wie kommen Sie darauf? Warum sollte sie denn etwas anderes vorhaben?« fragte er schnell.
»Ach, sie fährt in letzter Zeit soviel Auto – und nicht allein –«
»Woher wissen Sie das?«
»Ich könnte Ihnen viel erzählen, aber ich weiß nicht, ob ich es tun soll«, erwiderte sie vorsichtig, aber in einem eigentümlichen Tonfall, der ihn aufhorchen ließ.
Inzwischen waren sie aus dem kleinen Warteraum wieder auf den Bahnsteig hinausgegangen.
Er wollte antworten, aber ein Zug in Richtung Wannsee fuhr polternd ein, und bei dem Geräusch war eine Unterhaltung unmöglich.
»Sie können offen mit mir sprechen – dazu kennen wir uns doch gut genug«, sagte er, als die Wagen zum Stehen gekommen waren.
»Im Vertrauen will ich Ihnen gern berichten, was ich weiß. Aber wir müssen nicht auf dem zugigen Bahnsteig bleiben. Ich hatte die Absicht, heute vormittag nach Wildpark zu fahren und ein wenig dort spazierenzugehen. Wie wäre es, wenn Sie mitkämen?«
Der Zug fuhr ab.
Peters überlegte kurz. Carola war im allgemeinen zuverlässig, und vielleicht war es besser, zu erfahren, was sie ihm mitteilen konnte. Während seiner Abwesenheit mochte sich manches ereignet haben, von dem er nichts wußte.
Er nickte.
»Das ist ein guter Vorschlag.«
»Schade, daß der Zug eben abgefahren ist.«
Carola verfolgte ein bestimmtes Ziel. Sie war dreiundzwanzig, liebte Hans Peters und wollte ihn heiraten. Früher hatte sie geglaubt, daß er ihre Neigung erwiderte, aber seit Mariannes Dazwischentreten zog er sich mehr und mehr von ihr zurück.
Als sie in dem warmen Abteil nebeneinander saßen, brachte Peters nach einer Weile das Gespräch wieder auf Marianne. Carolas Andeutungen hatten ihn unruhig gemacht.
»Was wollten Sie mir denn von Fräulein Körber berichten?« fragte er ohne weitere Umschweife.
»Uns allen ist aufgefallen, daß sie in letzter Zeit häufig mit neuen Kleidern ins Büro kommt. Eins ist immer schöner und teurer als das andere –«
»Nun, sie hat doch schon immer Wert auf ihr Äußeres gelegt«, entgegnete Peters zögernd. »Wenn weiter nichts gegen sie zu sagen ist –«
»Vielleicht merken Sie es nicht so, weil Sie ein Mann sind. Aber der Luxus, den sie treibt, kostet viel Geld. Wir anderen können uns jedenfalls ein solches Auftreten bei unserem Gehalt nicht leisten, und sie bekommt doch weniger als wir, weil sie noch nicht so lange bei der Firma ist.«
Er sah sie groß an, aber er wollte die Frage, die sich ihm aufdrängte, nicht aussprechen.
Sie merkte wohl, daß sie vorsichtig sein mußte und nicht zu weit gehen durfte, denn er sollte ihre Eifersucht nicht erkennen.
»Sie dürfen mich aber nicht falsch verstehen, wenn ich Ihnen weitererzähle. Ich weiß, daß das, was ich zu sagen habe, ein schlechtes Licht auf Marianne wirft, und einem anderen würde ich es auch nicht mitteilen. Vor allem müssen Sie mir versprechen, daß Sie sich nicht darüber aufregen.«
Wenn Peters gewöhnlich auch ruhig und überlegt erschien, konnte er doch leidenschaftlich und heftig werden, und Carola kannte sein hitziges Temperament. Sie sah, daß er die starken Augenbrauen zusammenzog. Das war kein gutes Zeichen.
Er zwang sich zu einem Lächeln.
»Gut, ich verspreche Ihnen, daß ich nicht explodiere.«
»Alle reden davon, daß sich Mariannes Wesen geändert hat –«
»Ach, was die anderen sagen, ist doch gleichgültig«, wehrte er ab.
»Ich wollte damit nur ausdrücken, daß ich nicht die einzige bin, der die Sache verdächtig vorkommt.«
»Nun, so schlimm wird es doch nicht sein, daß man Verdacht schöpfen muß!« suchte er abzuschwächen.
»Ich glaube, wenn ich Ihnen alles erzählt habe, denken Sie anders darüber.«
Er schaute sie unsicher an.
»Marianne kleidet sich nicht nur luxuriös, sie wird in letzter Zeit auch immer in einem eleganten Auto vom Büro abgeholt. Es ist ein großer Mercedes, der immer am Karlsbad parkt, nicht direkt in der Potsdamer Straße. Sie haben ihn sicher auch schon gesehen. Ein wunderbarer Sportwagen, kaffeebraun – der Chauffeur hat eine Livree von derselben Farbe.«
Peters schüttelte den Kopf.
»Merkwürdig, daß Ihnen das noch nicht aufgefallen ist. Das ganze Büro spricht davon. Am Mittwoch feierten wir doch das Jubiläum. Am Donnerstag ging ich nach Büroschluß hinter Marianne her und sah, daß sie in das Auto einstieg. Diesmal wurde sie vom Chauffeur abgeholt. Ich wollte der Sache auf den Grund gehen, weil ich schon längst neugierig geworden war, und stieg auf eine Achtundachtzig, die zufällig hielt. Aber beim Untergrundbahnhof Bülowstraße bog der Wagen nach rechts ab. Ich konnte zwar noch rechtzeitig abspringen, verlor ihn aber doch aus den Augen.«
»Daran ist doch nichts Besonderes?«
»Mag sein. Aber am Freitag habe ich dann gesehen, daß Marianne von einem Herrn abgeholt wurde, der bestimmt ein Ausländer ist.«
Peters horchte auf.
»Können Sie ihn etwas genauer beschreiben?« fragte er nach einer Pause.
»Ja. Er ist ungefähr so groß wie Sie, vielleicht etwas kleiner. Wie alt er ist, kann ich nicht sagen, aber er sieht jugendlich aus. Er hat einen dunklen Teint, fast schwarze Augen und gewelltes, schwarzes Haar. Das konnte ich alles so gut erkennen, weil er keinen Hut trug. Außerdem war er auffallend gut gekleidet.«
Peters runzelte böse die Stirn, und Carola sah ihn besorgt an.
»Ich wußte ja, daß Sie sich aufregen würden. Aber bleiben Sie doch bitte ruhig. Vielleicht sprechen wir später weiter darüber, wenn wir einen schönen Spaziergang gemacht haben. Wir müssen übrigens gleich in Wannsee sein und umsteigen.«
»Sie können mir alles erzählen. Es regt mich nicht besonders auf«, erwiderte er langsam.
»Ich weiß auch seinen Namen – ich habe ihn allerdings erst später erfahren. Er heißt Juan Perqueda.«
»Wie sind Sie darauf gekommen?«
»Ich werde Ihnen einmal alles der Reihe nach berichten. Als ich am Freitag sah, daß sie sich neben ihn setzte, nahm ich eine Taxe, die auf der anderen Straßenseite hielt, und sagte dem Chauffeur, daß er dem braunen Mercedes folgen und ihn nicht aus den Augen verlieren sollte. Er schien ein alter, gerissener Berliner zu sein, denn er zwinkerte mir verschmitzt zu. ›Na, Frollein, haben Se man keene Sorge, dat Ding wern wir schon drehn‹, sagte er.
Diesmal fuhr der Wagen über die Tauentzienstraße und den Kurfürstendamm und hielt schließlich vor einer alleinstehenden Villa in der Hubertusallee. Mein Chauffeur schien tatsächlich in solchen Dingen erfahren zu sein, denn er brachte sein Auto in der richtigen Entfernung zum Stehen. Ich zahlte schnell und ging dann vorsichtig zu der Gartentür. Dort las ich auf einem Messingschild den Namen ›Perqueda‹.
Ich sah gerade noch, daß die beiden ins Haus gingen, stellte mich in der Nähe an eine Haltestelle und beobachtete die Tür. Aber schon nach kurzer Zeit kamen sie wieder heraus und fuhren in der Richtung nach dem Kurfürstendamm davon. Eine Taxe war nicht in der Nähe, und so konnte ich leider nicht folgen. Ich hätte in meinem Wagen sitzenbleiben und von dort aus beobachten sollen.«
Carola warf ihrem Begleiter einen schnellen Blick zu. Sie wußte nicht, ob sie fortfahren sollte. Da sich in seinem Gesicht aber nichts von seinen Gefühlen und Gedanken verriet, sprach sie weiter.
»Ich ging dann in eine Konditorei und suchte den Namen Perqueda im Telephonbuch auf. Dabei fand ich, daß er der Inhaber des Tanzpalastes ›Granada‹ in der Fasanenstraße ist. Später habe ich auch im Adreßbuch nachgeschlagen. Er wohnt in der Villa Hubertusallee 77 zur Miete, sie gehört ihm nicht. Nun fiel mir ein, daß Marianne uns oft von der luxuriösen Einrichtung im Granada-Tanzpalast vorgeschwärmt hat. Sie geht öfter dorthin.«
Peters senkte den Kopf leicht und räusperte sich nervös, sagte aber nichts.
Gleich darauf hielt der Zug in Wannsee. Sie stiegen aus und gingen auf den anderen Bahnsteig, um nach Wildpark weiterzufahren, und erst als sie durch das schöne Portal des Schloßparks traten, setzte Carola das Gespräch über Marianne fort.
»Direktor Bachwitz scheint auch mächtig viel von ihr zu halten.«
»Das ist verständlich – sie ist wirklich tüchtig. Es gibt natürlich auch noch andere Angestellte in unserer Abteilung, die viel leisten«, fügte er schnell hinzu, als er sah, daß Carola die Bemerkung auf sich bezog.
»Lange wird sie aber wohl nicht mehr bei uns bleiben –«
»Warum denn nicht?«
»Sie hat in letzter Zeit mehrmals erzählt, daß sie zur Bühne gehen oder Tänzerin werden will. Sie läßt sich auch ausbilden und lernt Florettfechten. Vom Büroleben will sie nichts mehr wissen, das ist ihr nicht mehr gut genug.«
Carola sah, daß ihre Worte getroffen hatten, und machte eine Pause, um die letzte Bemerkung noch mehr wirken zu lassen.
Eine Weile wanderten sie schweigend unter den herrlichen alten Bäumen weiter.
»Ich habe das alles in Ihrem Interesse getan«, sagte Carola schließlich unvermittelt. »Sie waren sechs Wochen auf Urlaub, und in der Zeit hat sich hier viel geändert. Nur aus dem Grund bin ich vorgestern abend ins Granada gegangen. Ich wollte mich selbst überzeugen, was eigentlich dahintersteckt.«
Sie bogen gerade um eine Ecke und wurden von einem heftigen Windstoß erfaßt. Carola lehnte sich an Peters an, dann schob sie schüchtern ihren Arm in den seinen. Er ließ es geschehen, vielleicht merkte er es gar nicht.
»Was haben Sie denn dort beobachtet?« Seine Stimme klang rauh, denn es fiel ihm schwer, die Frage zu stellen.
»Ich habe sofort den Herrn wiedererkannt, der sie im Auto abgeholt hat. Es war tatsächlich Perqueda. Ich habe einen Kellner gefragt. Sie haben viel miteinander getanzt. Aber am meisten war ich darüber erstaunt, daß sie dort als Solotänzerin während der Vorstellung auftrat.«
»Als Solotänzerin?« wiederholte er betroffen.
»Jeden Abend wird zwischen dem Tanz eine Vorstellung gegeben, und Marianne Körber bestreitet zwei von den zwölf Nummern.«
Peters sah starr vor sich hin. Seine Träume von einem zukünftigen Glück mit Marianne zerrannen mehr und mehr.
Carola ging schweigend neben ihm her.
Erst als sie zum Chinesentempel kamen, schaute er wieder auf, und nun versuchte sie, ihn auf andere Gedanken zu bringen.
»Wissen Sie, wen ich von unseren Bekannten noch im Granada getroffen habe? Sie werden es kaum ahnen. Es war unser Personalchef – Herr Rohmer!«
Eisblaues Licht durchzitterte die großen, festlichen Bogenarkaden, die den Mittelraum des Tanzpalastes »Granada« umgaben.
Das zahlreiche Sonntagspublikum spendete donnernden Beifall, aber es dauerte noch einige Zeit, bis die Tänzerin sich noch einmal zeigte. Das Klatschen flaute ab, setzte dann aber mit erneuter Gewalt ein, bis schließlich ein schlanker, eleganter Herr von anscheinend spanischem Typus Marianne Körber hereinführte.
Sofort schalteten die Beleuchter auf weißes Licht um, das nach der vorherigen Dämmerung blendete. Ein Page brachte Marianne einen großen Blumenkorb.
Die Zuschauer suchten durch stürmische Kundgebungen eine Zugabe zu erzwingen, aber sie verneigte sich nur einige Male liebenswürdig, schüttelte lächelnd den Kopf und verschwand.
Die Musik setzte wieder ein, und bald darauf war das mittlere Parkett von tanzenden Paaren belebt.
Perqueda führte Marianne zu ihrem Ankleideraum, öffnete die Tür und ließ sie eintreten, während der Page ihnen folgte und die Blumen ins Zimmer stellte. Sie entdeckte ein Briefchen, trat schnell näher und nahm die kleine Karte aus dem Umschlag.
»Ach, du hast mir die herrlichen Blumen geschenkt? Das ist aber lieb von dir, Juan«, sagte sie und wandte sich nach ihm um.
Seine Augen blitzten leidenschaftlich auf.
»Ach, Marianne, wenn du ahntest, wie ich dich verehre, wie ich dich liebe!«
Mit einem glücklichen Lächeln schaute sie ihn an.
»Das sagst du nur so, Juan. Ich kann es dir kaum glauben. Alle Frauen beten dich doch an!«
Er wollte ihre Hand nehmen, aber sie entschlüpfte ihm und trat hinter einen großen Wandschirm.
»Marianne!«
»Jetzt mußt du mich fünf Minuten in Ruhe lassen. Ich muß mich umziehen. Nachher wollen wir miteinander tanzen.«
Er ließ sich in einem Polstersessel nieder, nahm sein Etui heraus und steckte sich eine Zigarette an.
»Du hast heute wieder fabelhaft ausgesehen. Ich bin ans andere Ende des Saales gegangen und habe deinen Tanz von dort aus beobachtet. Wirklich zu schade, daß du immer noch ins Büro läufst! Du hättest deine Stellung längst aufgeben und dich energisch deinem neuen Beruf widmen müssen.«
»Ach, fang nicht wieder davon an. Darüber haben wir uns doch schon genügend ausgesprochen.«
»Nein, in deinem Interesse muß ich jetzt endlich energisch sein. Du zersplitterst dich und deine Kraft. Maschineschreiben können tausend andere auch, aber eine Künstlerin, ein Genie wie du, darf keine Sklavenarbeit leisten.«
»Du hast natürlich recht, aber –«
»Versprich mir, daß du noch heute abend einen Brief an deine Firma schreibst und den Leuten rundheraus erklärst, daß du nicht mehr dort arbeiten wirst.«
»So plötzlich geht das doch nicht! Ich kann sie doch nicht einfach im Stich lassen.«
