Terminus 10: Spur nach Nirgendwo - Dietmar Schmidt - E-Book + Hörbuch

Terminus 10: Spur nach Nirgendwo E-Book und Hörbuch

Dietmar Schmidt

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Beschreibung

1500 Jahre nach dem Aufbruch ins All hat sich die Menschheit über die Milchstraße ausgebreitet. Doch die Bewohner vieler Welten fühlen sich der Erde nicht mehr verbunden – mit der Antiterranischen Koalition planen sie einen Bruderkrieg. Perry Rhodan lässt das Sonnensystem hinter einem Zeitschirm verstecken. Der große Krieg wird verhindert. Aber die Menschen finden heraus, dass in der Milchstraße seit vielen Jahren ein geheimer Konflikt herrscht. Uralte Mächte sind auf verschiedenen Planeten aktiv, sie bedrohen nicht nur die Erde, sondern auch zahlreiche andere Welten. Rhodan musste erleben, wie der Gegner skrupellos einen ganzen Planeten vernichtete, um seine Spuren zu verwischen. Es setzt deshalb alles daran, das Zentrum des Heimlichen Imperiums zu finden – er folgt der SPUR NACH NIRGENDWO ...

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Zeit:3 Std. 40 min

Sprecher:Renier Baaken

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Nr. 10

Spur nach Nirgendwo

Sie suchen das Heimliche Imperium – und finden das Zentrum der Macht

Dietmar Schmidt

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

Prolog: TERMINUS-ALPHA

1. CART RUDO

2. CART RUDO

3. 17-F, Rot-12-37

4. CART RUDO

5. YOGUL

6. YOGUL

7. YOGUL

8. CART RUDO

9. Terminussystem

10. CART RUDO

11. BERT HEFRICH

12. TROSS

13. BERT HEFRICH

14. TROSS

Epilog: TERMINUS-ALPHA

Lesermagazin

Impressum

1500 Jahre nach dem Aufbruch ins All hat sich die Menschheit über die Milchstraße ausgebreitet. Doch die Bewohner vieler Welten fühlen sich der Erde nicht mehr verbunden – mit der Antiterranischen Koalition planen sie einen Bruderkrieg.

Perry Rhodan lässt das Sonnensystem hinter einem Zeitschirm verstecken. Der große Krieg wird verhindert.

Aber die Menschen finden heraus, dass in der Milchstraße seit vielen Jahren ein geheimer Konflikt herrscht. Uralte Mächte sind auf verschiedenen Planeten aktiv, sie bedrohen nicht nur die Erde, sondern auch zahlreiche andere Welten.

Rhodan musste erleben, wie der Gegner skrupellos einen ganzen Planeten vernichtete, um seine Spuren zu verwischen. Es setzt deshalb alles daran, das Zentrum des Heimlichen Imperiums zu finden – er folgt der SPUR NACH NIRGENDWO ...

Die Hauptpersonen des Romans

Perry Rhodan – Der Großadministrator wird Explorerkommandant.

Renier Bievre – Dem Hyperphysiker platzt der Kopf.

Alaska Saedelaere – Der Mann mit der Maske sprüht Blitze.

Takayo Sukurai

Prolog

TERMINUS-ALPHA

2. Dezember 3430

Caruso fuhr sich über das schwarze Haar. Er wusste, dass sein scharf geschnittenes Gesicht und die Haltung seiner hochgewachsenen Gestalt Stolz ausdrückten, aber unter seinesgleichen galt Stolz nicht als unschicklich.

Obwohl er sich das Äußere eines Terraners gegeben hatte, neigte er nicht zu ihren Allüren. Zu lange hatte er auf diesen Moment hingearbeitet, um nun bescheiden zu tun. Darum kokettierte er nicht mit dem Gedanken, kaum glauben zu können, was er vor sich sah. Der Anblick des Schaltzentrums ihrer Macht weckte in ihm weder Staunen noch ein Gefühl von Unwirklichkeit.

Falls sich überhaupt ein Gefühl regte, war es Ungeduld: das unbändige Verlangen, die Früchte langer Arbeit endlich zu ernten. Was hatten sie alles geleistet! Heimlich und beharrlich.

Ein kleines Zubringerboot brachte ihn zum Zentrum der Macht. Die Bordpositronik versuchte, ihm alle Wünsche zu erfüllen. Doch im Moment wollte Caruso nichts weiter, als sein Triumphgefühl auskosten.

Wie gekonnt sich der Freiheitsbund bis zum letzten Moment vor seinen Feinden verborgen hatte, von denen die Gegner aus den eigenen Reihen ungleich gefährlicher waren als die unterentwickelten Bewohner dieser Galaxis. Aber trotz ihrer Beschränktheit konnten die Milchstraßenvölker nützlich sein. Mit den Gegnern aus den eigenen Reihen hatte er andere Pläne.

Vor ihm prangte die Schaltstelle von Terminus am Himmel des verwüsteten Planeten. Acht alte terranische Superschlachtschiffe spannten einen Würfel auf, in dessen Zentrum ein neunter 1500 Meter durchmessender Kugelrumpf saß. Weite Röhren verbanden die Zentralkugel mit allen acht Würfelecken und die Eckkugeln untereinander. Das Gebilde hatte eine Gesamtlänge von mehr als siebeneinhalb Kilometern und glich der kubisch-raumzentrierten Elementarzelle eines Eisenkristalls.

»Wie passend«, sagte Caruso zu niemandem im Besonderen. »Denn wir werden nicht nur dieser Galaxis Eisen zu schmecken geben.«

»Mit den Raumlandebrigaden, die hier ausgebildet werden, kann der Freiheitsbund bald die Macht über das Heimliche Imperium übernehmen – und damit über die gesamte Milchstraße«, pflichtete ihm die Positronik bei.

Caruso ging nicht auf die Worte des Bordrechners ein. Er hatte es nicht nötig, sich positronisch lobhuldigen zu lassen.

»Bald sind hier und in den anderen Werftsystemen genügend Kampfschiffe gefertigt, um jede Verteidigung niederzuringen und die Soldaten an ihre Einsatzorte zu transportieren.« Die Bordpositronik war von der redseligen Sorte. Aber sie hatte recht, wie es Positroniken allgemein zu eigen war.

Der Rückschlag im Werftplanetensystem, dessen Sonne die Terraner laut einigen dort aufgefangenen und nachträglich ausgewerteten Funksprüchen den Namen Arcane gegeben hatten, war bedeutungslos. Das Aggregat – ihre Version des terranischen Hyperinmestrons – bauten sie im Terminussystem.

Die hyperenergetische Waffe erzeugte durch den Wiezold-Effekt Antimaterie und riss das Raum-Zeit-Gefüge auf. Auf diese Weise ließen sich ganze Sonnen zur Explosion bringen. Oder Planeten sterilisieren, indem man einen kleinen Teil der Atmosphäre umwandelte, wie im Fall von Arcane 2.

»Es ist schon erstaunlich«, murmelte er, »wie erfinderisch die Terraner einerseits sind, wenn es ums Vernichten geht, und wie sehr es ihnen andererseits hinterher vor dem graut, was sie angerichtet haben.«

»Skrupel des Gegners kann man sich immer zunutze machen«, kommentierte die Positronik.

Caruso wollte missmutig aufseufzen, aber fast gegen seinen Willen sagte er stattdessen: »Mit einer Waffe wie dem Hyperinmestron bräuchte sich Rhodan eigentlich nicht in der Relativzukunft zu verstecken. Ein Beweis seiner Entschlossenheit würde genügen, und er hätte wieder die Zügel der Macht über die gesamte Menschheit in der Hand. Lediglich eine Sonne einer Kolonialwelt, die erst durch ihren Untergang Bedeutung erlangen würde, müsste er zünden. Schon wäre die Menschheit, an der ihm so viel liegt, wieder unter seiner Führung vereint.«

»Das ist richtig«, bestätigte die Positronik. »Nichts anderes will Rhodan. Mit dem Hyperinmestron braucht er sich vor keiner Macht in der Milchstraße zu fürchten.«

»Vor keiner Macht, die er kennt«, verbesserte Caruso. »Und der Freiheitsbund ist nun bereit.«

Die Positronik setzte zu einer weiteren Äußerung an. Doch Caruso schnitt ihr das Wort ab. Er wollte den Augenblick nicht trüben, indem er sich noch mehr banale Feststellungen anhörte.

Sie hatten das Hyperinmestron an sich gebracht und seine Modifikationen so gut wie abgeschlossen. Endlich hielt der Freiheitsbund das Instrument in der Hand, um gegen den Schmiegeschirm vorzugehen und ihn für alle Zeit zu zerstören.

Ohne den Schmiegeschirm war der Schwarm nicht mehr der Schwarm. Und gab es den Schwarm nicht mehr, war der Anker gelöst, der die Gegner des Freiheitsbunds an die Vergangenheit kettete.

Das Volk könnte endlich wieder vereint die Visionen von der Zukunft in die Realität umsetzen. Die Milchstraßenbewohner durften dann eine Rolle einnehmen, die ihrem Entwicklungsstand entsprach und sie nicht so offensichtlich überforderte wie die Verwaltung interstellarer Staatengebilde.

Im Terminussystem wurden viele von ihnen schon für die Kolonisierung vorbereitet, auf ein sinnvolles Leben als Hilfsvolk des nicht mehr Heimlichen Imperiums. Sie wären die Keimzellen der Herrschaft des wieder vereinten Volkes.

Caruso wandte den Blick von TERMINUS-ALPHA ab und sah auf die rote Sonne. Wäre sie ein vernunftbegabtes Wesen, was empfände sie wohl, dass sie am späten Abend ihres Daseins den Schauplatz bestrahlte, an dem die Zukunft begann, ohne diese noch erleben zu können?

In den Epen der Terraner gab es die Geschichte des Propheten, der sein Volk zum gelobten Land führte. Er selbst durfte es wegen seiner Verfehlungen aber nicht betreten, sondern nur von fern betrachten. Empfände der Rote Riese die gleiche Melancholie? Oder auch Stolz?

1.

CART RUDO

2. Dezember 3430

Juki Leann bekam eine Gänsehaut. Das Kältegefühl kündigte den nächsten Zeitsprung an.

Darren Zitarra drehte den Kopf zu ihr. »Ich merke es auch.«

Sie nickte. »Zumindest das ist gleich geblieben: dass wir gleichzeitig springen.«

Die »Weite« und die Dauer ihrer Zeitsprünge hatten sich seit dem ersten Vorfall dieser Art mehrfach verändert. Auch die in der zweiten Novemberhälfte von Professor Renier Bievre festgestellte Systematik, dass die Sprünge ziemlich genau eine Stunde in die Zukunft beziehungsweise Vergangenheit führten und jeweils vierzig Prozent länger dauerten als zuvor, hatte sich bei den zurückliegenden zwei Sprüngen nicht als beständig erwiesen. Nur dass die Zeitversetzungen weiterhin grob alle drei Tage erfolgten, war ein verlässlicher Faktor.

Auf der Suche nach dem Heimlichen Imperium waren die Zeitspringer an Bord des terranischen Schlachtkreuzers CART RUDO in die Eastside der Milchstraße vorgedrungen. Sie hatten das Arcanesystem entdeckt, in dem ihr geheimnisvoller Gegner Raumschiffe baute. Dort waren sie auf Pläne für ein modifiziertes Hyperinmestron gestoßen, eine der schrecklichsten Waffen, die Menschen je entwickelt hatten.

Die CART RUDO suchte nun nach weiteren Systemen dieser Art, denn die Spur war im Arcanesystem erkaltet.

Das Schiff bildete mit seiner vollzählig ausgeschleusten Beibootflottille ein Ortungsnetz. Der Schlachtkreuzer, seine drei Korvetten, fünfundzwanzig Space-Jets, fünfzig Micro-Space-Jets und zahlreiche Ortungssonden verteilten sich über ein kugelförmiges Raumgebiet mit einem Durchmesser von zehn Lichtstunden. Mithilfe ihrer Masse- und Energietaster konnten sie die dreihundert Sonnensysteme der »näheren Umgebung« nach verborgenen Werftwelten absuchen. Das allerdings dauerte seine Zeit – Tage würden vergehen.

Der Großadministrator hatte die CART RUDO inzwischen als Expeditionsschiff der Explorerflotte tarnen lassen. Nach wie vor legte Perry Rhodan größten Wert auf Geheimhaltung. Dass das Solsystem und er selbst noch existierten, durfte keinesfalls bekannt werden. Seit der stellvertretende Leiter der Solaren Abwehr, Admiral Sadinoha, als Agent des Heimlichen Imperiums enttarnt worden war, wusste Rhodan nicht, wem er noch trauen konnte.

Noch ein Kälteschauer durchfuhr Leann. Gleich würde sie springen. Sie begann unkontrolliert zu zittern.

Professor Bievre hatte Leann und Zitarra allein in eine Kammer gesetzt und beobachtete sie von außen. Nach dem Zeitsprung sollte Leann den Raum verlassen und sich frei im Schiff bewegen. Nur nicht zu ihrer eigenen Kabine, wo sich ihr Original befinden würde. Auf diese Weise sollte verhindert werden, dass sie sich selbst begegnete.

Schwärze trat Leann vor die Augen. Sie merkte, wie sie erschlaffte. Sie rutschte im Sessel nach vorn, und nur die Anschnallgurte verhinderten, dass sie zu Boden glitt. Finsternis und Kälte hüllten sie ein, als wäre sie in den Weltraum geschleudert worden. Sie verlor das Bewusstsein.

Leann wusste nicht, wie lange sie so dagelegen hatte. Sie schlug die Augen auf und blickte auf die Wanduhr.

Zwei Stunden. Um zwei Stunden war sie in die Zukunft gesprungen. Sie stand auf und ging zum Schott. Die Drucktür fuhr vor ihr beiseite, sie trat auf den Gang hinaus. Im Korridor wollte sie innehalten, um sich zu orientieren, aber ihre Beine trugen sie stattdessen zwei Schritte weiter. Ohne ihr Zutun.

Leann blieb mit einer bewussten Willensanstrengung stehen. Ihre Beine zuckten, wollten weiter. Unbehagen breitete sich in ihr aus. Sie beschloss, dem Drang nachzugeben. Sie wollte sehen, wohin es sie zog.

Das ungute Gefühl schwand nicht, obwohl sie dem Drang freien Lauf ließ. Immer weiter ging sie, ihre Füße standen nicht still. Mehr und mehr fühlte sie sich wie in einem schlechten Traum. Sollte sie sich dem Drang nicht lieber widersetzen? War es schädlich, was sie dort erwartete, wohin ihre Beine sie wie von eigenem Willen beseelt lenkten?

Aus dem Augenwinkel sah sie, wie an einer Ecke ein Kopf zurückzuckte. Eine rotblonde Haarsträhne flatterte unter einem weißen Funkhelm hervor. Angehörige der Bordwache in leichten, lindgrünen Kampfmonturen beobachteten sie. Geschickt bemühten sich die Leute, ungesehen zu bleiben. Aber als Agentin der Schwarzen Garde war Leann darin ausgebildet, Dinge zu entdecken, die normalen Menschen entgingen.

Nur die Kontrolle über ihre Beine entzog sich ihr.

Durch Gänge und Antigravschächte führte sie ihr Weg. Ohne die Richtungspfeile an den Wänden hätte sie die Orientierung verloren. Als sie schließlich vor einem Schott stehen blieben, war sie noch immer im Wohnkomplex der CART RUDO. Leann wusste, dass sie ihr Ziel erreicht hatte. Sie las die Kabinennummer neben dem Rahmen der Tür: »17-F, Rot-12-37«. Mit der Hand berührte sie die Kontaktfläche.

Das Schott fuhr beiseite, und sie blickte in eine Unterkunft für vier Personen. An einer Seite waren zwei Doppelstockkojen angebracht, um den Tisch in der Mitte standen drei Männer. Leann kannte keinen davon. Sie trugen nicht die lindgrüne Uniform der Solaren Flotte, sondern enge, schwarze Overalls.

Wie ein Mann wandten sie sich ihr zu. Unvermittelt verspürte Leann den Drang, den Raum zu betreten. Ihre Beine übernahmen wieder die Gewalt über ihren Aufenthalt. Sie versuchte, sich gegen die Bewegung zu stemmen. Aber sie betrat den Raum und blieb starr vor den drei Männern stehen. Hinter ihr schloss sich das Schott.

Nun erst bemerkte Leann, dass die drei einander ähnelten wie ein Ei dem anderen. Nein, das stimmte gar nicht. Sie unterschieden sich stark, und zwar ...

Ihr wurde kurz übel, alles verschwamm ihr vor den Augen. Im nächsten Moment ging es ihr wieder gut. Das Aussehen der drei Männer spielte keine Rolle. Wichtig war nur, was sie ihr zu sagen hatten.

»Wir haben dich erwartet«, sprach einer der drei sie an. »Zitarra hatte uns überrascht. Mit ihm konnten wir nicht rechnen, aber nachdem er zielstrebig zu uns gekommen war, wussten wir, dass du uns ebenfalls aufsuchen würdest.«

»Wir ziehen dich an«, sagte der Zweite. »Wenn du einen Zeitsprung machst, und einer von uns ist in der Nähe, kommst du zu ihm.«

»Falls du bei deinen bisherigen Zeitsprüngen unbewusst von einem bestimmten Ziel angezogen wurdest«, übernahm der Dritte, »waren Wesen wie wir in der Nähe, die das bewirkt haben.«

»Der Mann damals im Park ...«, spekulierte Leann. »Er war einer von euch?«

»Bei Zitarra war es das Gleiche«, ergriff wieder der Erste das Wort. War es der Erste? Sie sahen einander so ähnlich. Nein ... sie unterschieden sich völlig ... Leann schwindelte es. »Bei seinem ersten Zeitsprung in Imperium-Alpha fand er einen von uns und hat ihn beobachtet.«

Leann dachte an ihre ersten Zeitsprünge. Wie hatten die Männer ausgesehen, die sie gesehen hatte? Wie die drei in diesem Raum? Alle, zu denen es sie gezogen hatte, waren ihr irgendwie vertraut vorgekommen.

»Etwas von Wloto Gribsen ist noch in dir«, fuhr der zweite Mann fort. »Deshalb wirst du nach wie vor von uns angezogen. Aber das spielt keine Rolle. Denn du wirst vergessen. Vergessen, dass wir uns begegnet sind. Dass wir uns an Bord befinden.«

»Und vergessen wirst du auch deine Bedenken«, ließ sie der Dritte wissen. »Du wirst nicht mehr rätseln, weshalb Perry Rhodan auf seinem Alleingang beharrt und die Solare Flotte nicht zu Hilfe ruft. Nachdem er einmal diesen Entschluss gefasst hatte, war es für uns ein Leichtes, Rhodan darin zu bekräftigen, diese Entscheidung aufrechterhalten, obwohl die Umstände dagegensprachen. So muss es bleiben, denn wir brauchen euch noch.«

Warum erzählen sie mir das alles?, rätselte Juki Leann. Und vor allem: Woher wissen die das alles? Sie können das nicht wissen. Es sei denn ... Sie vermochte ihren Gedankengang nicht mehr zu beenden. Der Raum war plötzlich leer, und die Kälte brach wieder über sie herein.

Zwei Stunden früher

Machten sie ihm etwas vor? Oder erinnerten sie sich wirklich nicht, was sie beim jüngsten Zeitsprung erlebt hatten? Professor Renier Bievre fuhr sich durch das lange, zu einem Pferdeschwanz gebundene Haar und rätselte.

Einige Elemente des Vorgangs blieben konstant. Zitarra sprang in die Vergangenheit, Leann in die Zukunft – alle drei Tage. Aber die meisten anderen Parameter ...

Bislang hatten sie jedes Mal berichtet, was während des Zeitsprungs vorgefallen war – es sei denn, sie waren ihrem Original begegnet und ins Koma gefallen. Diesmal war dieser Fall ausgeschlossen gewesen. Aber die Zeitspringer behaupteten trotzdem, sie wüssten nicht, was geschehen war.

Bievre zog an seiner Zigarette, dass die Glimmzone hellrot aufstrahlte.

Nachdem die Zeitspringer zurückgekehrt waren und gemeldet hatten, dass ihnen keine Erinnerung geblieben war, hatte er Leann und Zitarra zusammengestaucht und in ihre Quartiere geschickt.

Nun wuchtete er sich in den Sessel vor dem Positronikterminal, ächzte einmal und rief Überwachungsvideos auf. Er sah, wie Zitarras Chronoduplikat vor zwei Stunden im Versuchsraum erschien. Einen Augenblick wirkte der Dabrifaner desorientiert, dann richtete er sich auf und ging zielstrebig zur Tür.

Bievre runzelte die Stirn. Sein Unmut wich Argwohn. Fast schien Zitarras Oberkörper woandershin zu wollen als seine Beine. Der Hyperphysiker reihte Aufnahmen der Überwachungskameras aneinander, in denen Zitarra Korridore durchquerte und Antigravschächte benutzte. Er schien genau zu wissen, wohin er wollte, aber trotz seines forschen, unbeirrten Schritts machte der Schwarzgardist einen konfusen Eindruck.

Am Ende seines Wegs blieb er vor einem Schott im Wohnbereich des Schlachtkreuzers stehen. Die Kabinennummer war im Video nicht zu erkennen. Aber der positronische Lokalisator verriet Bievre, dass das Schott zur Kabine 37 von Korridor 12 gehörte, im Sektor Rot auf Deck 17-F, eine unbenutzte Vier-Personen-Unterkunft.

Zitarras Chronoduplikat öffnete das Schott und ging hinein. Heraus kam er nicht mehr. Die Zeitanzeige verriet Bievre, dass Zitarra zwei Minuten und siebenundfünfzig Sekunden darin verbracht hatte, bis sein Zeitsprung endete.

Bievre forderte einen Blick in Kabine 17-F, Rot-12-37 an. Die Positronik reagierte mit der Entgegnung, dass eine Überwachung von Besatzungsquartieren nur in Sonderfällen zulässig sei. Bievre wies darauf hin, dass der Raum unbenutzt war, und die Positronik passte die erforderliche Ermächtigungsstufe an.

Das Kamerabild zeigte eine leere Kabine mit zwei Doppelstockkojen, bereit, von Besatzungsmitgliedern belegt zu werden, die zu einem Einsatz zusätzlich an Bord kamen. Während Zitarra sich dort aufgehalten hatte, war selbstverständlich keine Überwachung erfolgt.

Bievre rechnete aus, wann Leann in der Unterkunft erscheinen müsste, und befahl ab einer Viertelstunde davor eine fortlaufende Videoaufzeichnung. Die Positronik bestätigte, und Bievre streckte den Arm nach dem Interkom aus.

*

Gucky materialisierte mit Perry Rhodan und Takayo Sukurai in Renier Bievres Rücken. Der Hyperphysiker verdeckte mit seiner Körperfülle den Blick auf die Bildschirme, vor denen er saß. Rhodan ließ die Hand des Teleporters los, und Bievre schwenkte seinen Sitz zu ihnen herum. Er sah zerzaust aus, seine randlose Brille funkelte, und in seinem Mundwinkel steckte die unvermeidliche Zigarette.