9,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 3,99 €
Nachdem Ash Younger als Kind miterleben musste, wie die Ehe seiner Eltern zerbrach, hat er sich geschworen, sein Herz niemals zu riskieren. Tagsüber ist er erfolgreich in seinem Job, doch nachts genießt er das Leben – unverbindlich, ohne Gefühle. Bis er Violet trifft …
Violet Fielding hat die Liebe ihres Lebens bereits gefunden - und verloren. Seit dem Tod ihres Mannes konzentriert sie sich voll und ganz auf ihren Neuanfang in der Kleinstadt Fair Haven. Romantik ist für sie keine Option. Schon gar nicht mit einem berüchtigten Playboy, der auch noch jünger ist als sie. Doch dann küsst Ash sie – und mit einem Mal steht alles Kopf. Ist es nur ein Moment der Leidenschaft, oder wagt Violet eine zweite Chance auf die Liebe?
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 294
Veröffentlichungsjahr: 2025
Liebe Leserin, lieber Leser,
Danke, dass Sie sich für einen Titel von »more – Immer mit Liebe« entschieden haben.
Unsere Bücher suchen wir mit sehr viel Liebe, Leidenschaft und Begeisterung aus und hoffen, dass sie Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und Freude im Herzen bringen.
Wir wünschen viel Vergnügen.
Ihr »more – Immer mit Liebe« –Team
Nachdem Ash Younger als Kind miterleben musste, wie die Ehe seiner Eltern zerbrach, hat er sich geschworen, sein Herz niemals zu riskieren. Tagsüber ist er erfolgreich in seinem Job, doch nachts genießt er das Leben – unverbindlich, ohne Gefühle. Bis er Violet trifft …
Violet Fielding hat die Liebe ihres Lebens bereits gefunden - und verloren. Seit dem Tod ihres Mannes konzentriert sie sich voll und ganz auf ihren Neuanfang in der Kleinstadt Fair Haven. Romantik ist für sie keine Option. Schon gar nicht mit einem berüchtigten Playboy, der auch noch jünger ist als sie. Doch dann küsst Ash sie – und mit einem Mal steht alles Kopf. Ist es nur ein Moment der Leidenschaft, oder wagt Violet eine zweite Chance auf die Liebe?
Einmal im Monat informieren wir Sie über
die besten Neuerscheinungen aus unserem vielfältigen ProgrammLesungen und Veranstaltungen rund um unsere BücherNeuigkeiten über unsere AutorenVideos, Lese- und Hörprobenattraktive Gewinnspiele, Aktionen und vieles mehrFolgen Sie uns auf Facebook, um stets aktuelle Informationen über uns und unsere Autoren zu erhalten:
https://www.facebook.com/aufbau.verlag
Registrieren Sie sich jetzt unter:
http://www.aufbau-verlage.de/newsletter
Unter allen Neu-Anmeldungen verlosen wir
jeden Monat ein Novitäten-Buchpaket!
Iris Morland
Then came you
Aus dem Amerikanischen von Silvia Gleißner
Cover
Titel
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Titelinformationen
Grußwort
Informationen zum Buch
Newsletter
Widmung
Kapitel eins
Kapitel zwei
Kapitel drei
Kapitel vier
Kapitel fünf
Kapitel sechs
Kapitel sieben
Kapitel acht
Kapitel neun
Kapitel zehn
Kapitel elf
Kapitel zwölf
Kapitel dreizehn
Kapitel vierzehn
Kapitel fünfzehn
Kapitel sechzehn
Kapitel siebzehn
Kapitel achtzehn
Kapitel neunzehn
Kapitel zwanzig
Kapitel einundzwanzig
Kapitel zweiundzwanzig
Epilog
Impressum
Für meine Spice Girls – rock on.
Violet Fielding verzog das Gesicht, als ihr Handy zum gefühlt millionsten Mal heute klingelte. Sie musste nicht auf die Anruferkennung schauen, um zu wissen, dass es ein Gläubiger war. Sie stellte ihr Handy auf Vibration und beschloss, dass sie sich ein wenig Verdrängungszeit verdient hatte. Wenn sie die Anrufe nicht hörte oder sah, gab es sie nicht, richtig?
Violet spürte, wie ihr Schreibtisch wegen eines weiteren Anrufs vibrierte. Mit einem unterdrückten Fluch schaltete sie das Handy aus und war fast versucht, es zur Sicherheit noch aus dem Fenster zu werfen. Leider konnte sie es sich nicht leisten, ein neues Handy zu kaufen, nur weil sie das derzeitige in einem Anfall von Gereiztheit kaputtmachen wollte.
Im Moment war ihr Schreibtisch übersät mit Perlen, Drähten, Anhängern und Kristallen, die alle zu ihrem Schmuckgeschäft gehörten, das sie vor vier Jahren gegründet hatte. Eine Halskette, die sie für einen ihrer Lieblingskunden angefangen hatte, lag auf dem Tisch, erst halb fertig, und schien sie schweigend zu verurteilen.
»Schau mich nicht so an«, brummelte Violet die Halskette an und schob sie zur Seite. Wenn sie jetzt schon anfing, mit leblosen Gegenständen zu reden, brauchte sie definitiv eine Pause. Vielleicht einen Urlaub, weit, weit weg. Gab es Gläubiger an Orten wie Sibirien?
Violet atmete hörbar aus. Sie war dreiunddreißig, Witwe und kürzlich nach Washington in die Kleinstadt Fair Haven gezogen – zu ihrer Schwiegermutter Martha Fielding –, um sich um sie zu kümmern, obwohl Martha hartnäckig leugnete, irgendwelche Hilfe zu brauchen. Auch mit sechsundsechzig Jahren war sie noch eine feurige Frau, die sich von niemandem verhätscheln lassen wollte. Violet liebte sie dafür und hatte sie von dem Moment an als zweite Mutterfigur betrachtet, seit ihr Ehemann William, inzwischen seit zwei Jahren tot, sie einander vorgestellt hatte.
»Violet, hast du Hunger?«, rief Martha vom Flur. »Ich bin am Verhungern. Soll ich etwas zum Abendessen bestellen?«
Wenn man bedachte, dass Martha Diabetikerin war, sollte sie ganz bestimmt keine Pizza oder Chinesisch essen.
»Nein, ich mache uns etwas«, antwortete Violet und ging in die Küche. Sie öffnete den Kühlschrank, aber trotz der Überfülle an potenziellen Zutaten waren ihre Gedanken zu abgelenkt, um sich auf mögliche Gerichte zu konzentrieren.
»Bloß nicht diese Kohlsuppe«, meinte Martha und schnappte sich ein Mineralwasser, das neben Violet stand. Marthas Sucht nach Softdrinks hatte zwangsläufig ein Ende gefunden, als ihr Diabetes sich in den letzten zwei Jahren verschlimmert hatte. Sie hatte zuckerhaltige Cola gegen Diätcola getauscht, aber Violet hatte sie überredet, es stattdessen mit Mineralwasser zu probieren. Martha hatte nur unter der Bedingung zugestimmt, dass Violet versprechen musste, sie nie wieder zu zwingen, Tofu zu essen.
»Wir haben sowieso keinen Kohl.«
Violet nahm etwas Huhn, Spinat und eine Zitrone heraus. Doch als ihr zehn Minuten später auffiel, dass sie vergessen hatte, die Herdplatte einzuschalten, um das Wasser für die Pasta zum Kochen zu bringen, gab sie ein paar Schimpfwörter von sich.
Martha schnalzte mit der Zunge, als sie Violet fluchen hörte. Sie war eine drahtige Frau mit hellem silberblondem Haar und einer übergroßen Plastikbrille, die sie schon seit den frühen achtziger Jahren trug. Obwohl sie gerade mal einen Meter fünfzig groß war, hielt sie das nicht davon ab, Schuhe mit irre hohen Absätzen zu tragen. Sie blieb immer modisch, trug weiterhin die Handtasche passend zu den Schuhen und dazu Hüte wie in ihrer Jugend. »Dass Menschen keine Hüte mehr tragen, ist ein Jammer«, beklagte sie stets. »Zu meiner Zeit ging keine Frau ohne aus dem Haus.«
»Du wirkst abgelenkt«, bemerkte Martha, als Violet die Spinatblätter zu zupfen begann. Martha warf einen finsteren Blick auf das Mineralwasser, trank aber trotzdem weiter. »Irgendwas los?«
Da Violet Martha versprochen hatte, sich von nun an um sie zu kümmern, hatte sie nicht vor, zu erzählen, dass ihr Schmuckgeschäft in sich zusammenbrach oder dass sie mehr Schulden hatte, als sie Gewinn machte. Sie hatte gedacht, sie wäre in der Lage, die Dinge wieder ins Lot zu bringen, und dass das Ganze nur ein kurzer Schluckauf wäre. Aber inzwischen war sie nicht mehr so sicher, ob sie das Schiff noch vom Sinken abhalten konnte.
»Nichts ist los. Wann hast du deinen Blutzucker zuletzt getestet?«
»Oh, mach kein Theater. Ich bin eine erwachsene Frau. Mir geht es gut. Sage ich doch immer. Diese ganzen Tests und Pillen.« Martha schnaubte. »Als ich noch jung war …«
»Habt ihr Blutegel und Gebete angewandt, wenn man krank war?« Violet lächelte.
»Sei nicht grob zu den Älteren.« Martha nahm noch einen Schluck Wasser und runzelte die Stirn. »Auf jeden Fall haben wir keinen Schrott wie das da getrunken.«
Wenn Martha so wie jetzt die Stirn runzelte, erinnerte sie Violet an William. Er war die Liebe ihres Lebens gewesen. Sie hatten sich an der University of Washington kennengelernt. Eigentlich wirkte William wie eine seltsame Wahl für Violet, die ein beliebtes Mitglied einer Studentenverbindung gewesen war und in Richtung Modedesign gehen wollte. William war ein Büchernarr mit Hauptfach Ingenieurwesen gewesen, doch als sie für ihren Kurs in Geschichte der Antike an einem Gruppenprojekt arbeiten mussten, hatte er Violet unerwartet um ein Date gebeten. Zur Überraschung aller hatte sie Ja gesagt.
Direkt nach dem College hatten sie sich verlobt und ein Jahr später geheiratet.
Nur acht Jahre danach war er in einer regnerischen Nacht verunglückt, als ihm ein anderer Wagen in die Seite krachte. Der Aufprall hatte William auf der Stelle getötet. Violet würde nie den Anruf des Polizeibeamten in jener Nacht vergessen, der ihr sagte, dass ein Unfall passiert war und ihr Mann nicht überlebt hatte.
Sie schob die Erinnerungen beiseite. Inzwischen konnte sie das bis zu einem gewissen Grad. Der Kummer lag immer noch auf der Lauer und packte sie manchmal, aber nicht mehr so oft wie zu Anfang. Manchmal sah Violet sogar eine Zukunft für sich – eine, zu der William nicht länger gehörte.
»Was willst du heute Abend machen? Domino oder Dame?«, fragte Violet Martha beim gemeinsamen Abendessen.
Unter Marthas scharfem Adlerblick wollte sie sich am liebsten auf ihrem Stuhl winden. »Wieso gehst du nicht mal zur Abwechslung aus? Du musst nicht jeden Abend zu Hause bleiben und eine alte Dame unterhalten.«
»Ich unterhalte gern alte Damen.«
»Ich denke, du nutzt das als Ausrede, um nicht irgendwen in deinem Alter treffen zu müssen. Vor allem nicht jemanden männlichen Geschlechts.« Marthas Miene wurde weicher. »Ich weiß, wie sehr du meinen Sohn geliebt hast. Mir fehlt er auch, jeden Tag. Aber an dem Tag, als ich meinen lieben Harold verlor, wurde mir klar, dass man nicht zu leben aufhören darf, wenn man jemanden verliert. Denn wo liegt denn dann der Sinn des Lebens?«
Violets Kehle schnürte sich zu. Ging sie dem Leben aus dem Weg, selbst nach zwei Jahren noch? Es stimmte, dass sie seit Williams Tod keinen Mann mehr angesehen hatte. Es käme ihr wie Verrat vor. Sie drehte an dem Ehering an ihrem Finger, den sie noch immer stets trug.
»Ich bin erst hergezogen. Wo sollte ich denn hingehen?«
»Oh, Schätzchen, dies ist eine Kleinstadt. Wohin schon? Geh in eine Bar. Trink etwas. Lerne einen Mann kennen. Geh vielleicht mit ihm nach Hause.«
Violet verschluckte sich fast an ihrem Wasser. »Martha!«
»Nun mach dir nicht gleich ins Höschen. Ich bin alt, nicht tot. Es ist nicht falsch, etwas männliche Gesellschaft zu genießen. Also, ich dachte daran, Dennis anzurufen …«
Violet hob eine Hand und unterdrückte ein Prusten. »Nein, bitte, das will ich gar nicht wissen.«
»Und da sagt deine Generation, meine wäre prüde. Du musst mal hier raus. Du bist jung. Du könntest wieder heiraten. Verstecke dich nicht hinter Williams Tod. Ich weiß, es ist schwer, wieder in den Sattel zu steigen, aber glaub mir: Wenn irgendwer das kann, dann du.«
Violet beäugte Martha etwas genauer. »Was hat das alles so plötzlich zu bedeuten?«
»Nichts.« Als Violet sie skeptisch ansah, fuhr sie fort: »Okay, vielleicht nicht nichts. Heute Abend gibt es ein Singletreffen …«
Violet stöhnte. »Gott, nein, bitte. So was habe ich schon gemacht.«
»Ein Mal vor einem Jahr, und du warst ganze fünfzehn Minuten da, hast du mir zumindest erzählt. Du musst es einmal wirklich versuchen.« Martha holte ein gefaltetes Blatt Papier hervor und schob es Violet hin. »Du solltest hingehen.«
»Martha …«
»Nein, lass das. Ich weiß zu schätzen, was du alles für mich tust, dass du hierhergezogen bist, dass du mir hilfst. Das hier ist meine Art, dir zu helfen.«
Violet lächelte und spürte, wie ihre Augen feucht wurden, als sie Marthas Hand in stillem Dank drückte. Bevor eine von beiden noch in Tränen ausbrach, wechselte Violet das Thema und beschloss, dass sie viel lieber etwas über Marthas männlichen Gesellschafter Dennis hören wollte, als über William oder ihr eigenes Chaos von Leben nachzudenken.
Violet wollte nicht zu einem Singletreffen gehen, denn falls ihr jemand Neues begegnete, würde das bedeuten, dass William wirklich fort war. Es bedeutete, dass sie sich erneut möglichem Herzenskummer öffnen musste.
Wie könnte sie sich verlieben, wenn sie doch schon die Liebe ihres Lebens verloren hatte?
Aber sie wollte auch Martha eine Freude machen. Also zog sie ihre Hose für große Mädchen an – die tatsächlich ein winziges Höschen war, das angebrachter schien, um Männer zu treffen –, ihr neuestes Top und eine Halskette, die sie für sich selbst gefertigt hatte, bevor sie leuchtend roten Lippenstift und etwas Wimperntusche auftrug. Nach kurzem Zögern nahm sie ihren Ehering ab. Nur für heute Abend, sagte sie sich. Sie warf einen Blick in den Spiegel – sie sah müde aus. Wenigstens war es in Bars dunkel, so dass die Tränensäcke unter ihren Augen hoffentlich niemandem auffielen.
»Viel Spaß«, meinte Martha, die sich schon glücklich in ihrem Lieblingssessel niedergelassen hatte und die Seifenopern guckte, die sie zuvor am Tag aufgenommen hatte. »Vergiss nicht zu lächeln!«
Lächeln, ja. Männer mochten Frauen, die lächelten. Nicht so sehr standen sie auf Frauen, die weinten, wenn sie Lieder hörten, die sie an ihren toten Ehemann erinnerten, oder denen Gläubiger die Tür einrannten, oder …
Es wird schon gut gehen. Violet lachte unterdrückt. Wenigstens sprangen bei dem Ganzen hoffentlich ein oder zwei kostenlose Drinks für sie heraus.
Als sie bei der Bar mit dem Namen Fainting Goat ankam, atmete sie die Düfte nach fettigem Essen und Alkohol ein und versuchte dabei ihr hämmerndes Herz unter Kontrolle zu bekommen. Die Bar war brechend voll, und sie erkannte nicht auf Anhieb, ob alle wegen dieses Singletreffens da waren oder ob hier mehrere Partys gleichzeitig stattfanden. In einem Bereich der Bar hingen rosafarbene Luftballons. Als sie näher kam, erkannte sie, dass dort eine Gruppe anscheinend eine Geburtstagsparty für ein Baby feierte. Wer feierte denn in einer Bar eine Party für ein Baby?
»Bist du wegen des Singletreffens hier?«, trällerte eine Frau, bevor Violet das Mysterium hinter dem Bargeburtstag des Babys lüften konnte. »Du siehst etwas verloren aus.«
Violet lachte verlegen. »Nur ein wenig. Sind alle deswegen hier?«
»Nein, aber wir sind die größte Gruppe. Komm, setz dich zu uns, dann stelle ich euch vor. Leider sind nicht so viele Männer da, wie ich gehofft hatte. Ich bin übrigens Amber.«
»Freut mich.« Amber platzierte Violet hinten an einem langen Tisch, wo offenbar das Singletreffen stattfand. Obwohl es im Moment mehr wie ein »Augenkontakt vermeiden und aufs Handy starren« wirkte als wie ein Treffen.
»Hi. Ich bin Violet.« Sie hielt dem Mann rechts neben ihr die Hand hin.
Er brummelte etwas vor sich hin wegen etwas, das er auf seinem Handy sah, bevor er zu ihr aufblickte. »Hi, ich bin Eddy. Gehst du öfter zu so was? Ich finde nie eine Frau, die ein Gespräch wert ist.«
Okay. »Weißt du was, ich hole mir etwas zu trinken. Willst du etwas?«
»Ich trinke nicht.«
Violet verdrehte die Augen und drängte sich durch die Menge zur Bar. Wenn sie hierbleiben wollte, brauchte sie Alkohol. Vorzugsweise das Stärkste, was sie hatten.
»Einen Gin Tonic bitte«, bat sie den Barkeeper. »Mit extra viel Gin.«
Der Barkeeper war ein junger Mann, kaum älter als ein Schüler an der Highschool, aber seine Fähigkeiten ähnelten denen eines Mannes, der seit Jahren im Geschäft war. Violet gab ihm ein extragroßes Trinkgeld, nachdem er die Ginflasche erfolgreich in die Luft geworfen und ebenso geschmeidig aufgefangen hatte.
Sie trank ihren Gin Tonic und genoss den kalten Alkohol. Überall um sie herum plauderten und lachten Leute. Sie wusste, dass sie zu Amber zurückgehen und versuchen sollte, mit einem anderen männlichen Single ins Gespräch zu kommen, aber sie brachte es nicht über sich. Was war so falsch daran, Single zu sein? Dies hier war schließlich kein Roman von Jane Austen: Sie würde nicht verhungern oder dergleichen, wenn sie nicht ihren ganz persönlichen Mr. Darcy fand.
Als sie sich umdrehte, hatte sie perfekte Sicht auf die Geburtstagsparty. Das Baby war, wie sie nun feststellte, nicht so sehr ein Baby, sondern eher ein Kleinkind, und die Kleine schien ganz verzaubert von dem riesigen rosafarbenen Geburtstagskuchen vor sich. Ein Haufen Erwachsene lachte, als sie die Frau neben sich beim Kerzenausblasen zu imitieren versuchte – ihre Mutter, nahm Violet an. Ein blonder Mann mit Tattoos an den Armen stand hinter der Kleinen und half ihr dabei, die zweite Kerze auszupusten.
Alle Erwachsenen klatschten und jubelten. Auch ein Mann mit rotblondem Haar lachte, so dass seine Zähne im trüben Licht aufblitzten, als die Kleine mit beiden Händen nach ihrem Kuchenstück grapschte und sich das Gesicht mit dem rosa Zuckerguss vollschmierte. Sie quietschte etwas, das nach »Kuchen!« klang, und schob sich dazwischen ganze Hände voll mit Kuchen und Glasur in den Mund.
»Richtig so, Bea«, meinte der Mann schmunzelnd. »So genießt man seinen Geburtstag.«
Als der Mann ihr sein Profil zuwandte, war sie unwillkürlich von seinem Anblick gefesselt. Er hatte ein kantiges Kinn, eine Adlernase, und Violet hatte noch nie Haar in einer solchen Farbe gesehen. Fast beerenfarben, dachte sie. Ihr Herz fing zu hämmern an, vor allem, als der Mann bemerkte, dass sie ihn anstarrte, und ihr ein langsames Grinsen schenkte, das ihr durch und durch ging.
Hastig drehte sie sich auf dem Barhocker um und trank einen so großen Schluck von ihrem Gin, dass sie husten musste. Wie peinlich! Jetzt würde der Typ sie für eine Verrückte halten, die einfach grundlos Leute anstarrte.
»Kann ich ein Glas Wasser haben?«, fragte sie den Barkeeper mit Tränen in den Augen.
Als wüsste er, dass ihr Leben ein Chaos war, machte er ein mitfühlendes Gesicht, als er ihr ein Glas hinschob. »Nicht zu schnell trinken«, mahnte er.
Ich bin wahrscheinlich alt genug, um deine Mutter zu sein, dachte sie gereizt. Sie trank das Wasser, tupfte sich die Augen und hoffte inständig, dass der Mann nicht gesehen hatte, dass sie gestottert hatte wie ein verstopfter Kamin.
»Was trinken Sie? Gin Tonic?« Eddy setzte sich neben sie und machte den Barmann auf sich aufmerksam. »Ich habe Gin Tonic noch nie gemocht. Barkeeper, kann ich eine Cola haben?«
Der Angesprochene verdrehte die Augen, als Eddy nicht hinsah, woraufhin Violet ein Lachen unterdrücken musste.
»Oh, kein Eis, sorry. Tut meinen Zähnen weh.« Eddy schob die Cola zurück zum Barkeeper. »Amüsieren Sie sich?«, fragte er Violet.
»Oh, und wie.«
»Das überrascht mich. Ich habe nie Spaß bei so etwas. Ist immer eher öde.«
Violet musste sich förmlich die Zunge abbeißen, um nicht etwas Bissiges zu sagen. Aber als Eddy seine Cola ohne Eis erhielt und durch einen winzigen Strohhalm trank, bekam sie beinahe Erstickungsanfälle davon, ihr Lachen zu unterdrücken.
»Tut mir leid, Kumpel, aber das hier ist mein Date«, ertönte eine grollende Stimme über Violets Schulter hinweg. »Könntest du mal weggehen?«
Eddys Mund ging auf und zu wie bei einem Fisch, aber als der Fremde mit entschlossener Miene auf ihn zukam, glitt Eddy hastig vom Hocker und suchte das Weite.
Zu Violets Überraschung setzte sich der Mann, den sie angestarrt hatte, auf den Barhocker neben ihr und grinste, ein Grinsen, das ganz sicher in sämtlichen fünfzig US-Bundesstaaten verboten sein musste.
»Ich bin Ash Younger«, stellte er sich lässig vor. »Wie kommt es, dass ich eine Frau, die so schön ist wie Sie, noch nie hier gesehen habe?«
Ash wartete auf ihre Antwort. Wenn er einen Spruch wie diesen brachte, wurden die Frauen für gewöhnlich entweder rot oder fingen zu kichern an. Meistens beides. Aber diese Frau zog nur eine blonde Augenbraue hoch und musterte ihn von oben bis unten, als wäre er ein Idiot.
Daraufhin wurde sein Lächeln breiter.
»Wie oft haben Sie das schon in genau dieser Bar zu einer Frau gesagt?«, kam ihre Antwort. »Ich bin neugierig.«
»Nicht so oft, wie Sie denken.«
»Also, mindestens fünfzigmal? Hundert? Geben Sie mir eine ungefähre Schätzung.«
Er legte den Kopf in den Nacken und lachte. »Es schmeichelt mir, dass Sie mich für so produktiv halten.«
Sie nippte an ihrem Drink. »Oder so verzweifelt«, murmelte sie.
Mit seinen achtundzwanzig Jahren wusste Ash zwei Dinge: dass er Frauen mochte und dass er seine Beziehungen kurz, süß und mit einer Menge Sex bevorzugte, bevor sie unwiderruflich im Sande verliefen. Manchmal wollten die Frauen etwas Ernsthafteres, und manchmal waren sie ebenso uninteressiert an Verpflichtungen wie er.
Aber dass eine heterosexuelle Frau zwischen zwanzig und fünfundvierzig seine Anmache als lästig empfand, kam nur selten vor. Ash war nicht dumm: Er wusste, wie gut er aussah. Wusste, wie man eine Frau mit Worten und Blicken verführte. Und er wusste, dass Selbstsicherheit und ein paar Komplimente einen Mann weit bringen konnten.
»Zum Glück für Sie«, meinte er und winkte Reggie, dem Barkeeper, »bin ich nie verzweifelt. Also, wollen Sie mir wenigstens Ihren Namen verraten? Oder muss ich mir einen für Sie ausdenken?«
»Oje, was für Namen schweben Ihnen denn so vor?«
Er bestellte seinen üblichen Drink – Whiskey Sour – und wandte sich wieder ihr zu. »Ich denke da an Delilah. Oder Jezebel.«
»Wie subtil. Und biblisch dazu.« Sie warf sich das Haar über die Schulter, was die blasse, reizende Kurve ihres Halses entblößte. »Was, wenn ich sagen würde, ich heiße Gertrude?«
»Dann würde ich Sie Gertrude nennen wie der Gentleman, der ich bin.«
Ihre Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. Ash war schon mit vielen Frauen zusammen gewesen, aber diese hier hatte etwas an sich, das ihn seit dem Augenblick faszinierte, als er bemerkt hatte, dass sie ihn anstarrte.
Er hatte schon gedacht, diese Nacht würde wie jede andere mit seiner Familie und angeheirateten Verwandten verlaufen: verrückt und laut. Heute Abend feierten sie den zweiten Geburtstag seiner Nichte Bea. Sie war die Tochter seines älteren Bruders Trent und der Liebling des gesamten Younger-Clans. Auf jeden Fall war sie dessen niedlichstes Mitglied, so viel war sicher.
Ash liebte seine Familie, zu der seine älteren Geschwister Trent und Thea gehörten, ebenso wie seine jüngeren Geschwister Phin und Lucy. Da ihre Eltern inzwischen beide gestorben waren, hatten sie zusammenhalten müssen. Bis Trent wieder mit seiner ehemaligen Freundin Lizzie zusammengekommen war und sie schließlich geheiratet hatte. Sie war ihm nie aus dem Kopf gegangen. Ash war kein Fan von Lizzie gewesen, weil sie seinem Bruder das Herz gebrochen hatte, aber wenigstens waren sie jetzt glücklich. Und manchmal waren sie derart glücklich, dass Ash davon förmlich Zahnschmerzen bekam.
Er selbst war nicht für die Ehe gemacht. Das wusste er schon seit seiner Kindheit. Er hatte gesehen, was Ehe – und Liebe – mit einem Menschen anstellte, als er zugeschaut hatte, wie seine eigene Mutter an der perversen Art Liebe seines Vaters zerbrochen war.
Nein, mit Liebe hatte Ash nichts am Hut. Aber Sex? O ja, darin war er sehr gut.
»Ich heiße Violet.«
»Violet.« Ash konnte nicht umhin zu bemerken, dass sie sich jetzt etwas näher zu ihm lehnte. »Passt zu Ihnen.«
»Freut mich, dass Sie das denken, da es der einzige Name ist, den ich habe.« Sie warf einen Blick über die Schulter. »Sieht so aus, als würde Ihre Familie gerade Geschenke auspacken. Ist sie Ihre?«
»Wer? Bea? Nein, sie ist meine Nichte. Die erste in der Familie, also wird sie von allen hemmungslos verwöhnt.«
Violet lächelte. »Sie ist reizend. Da kann ich Ihnen keinen Vorwurf machen.« Sie zuckte mit einer Schulter. »Wahrscheinlich sollten Sie zurück zur Party.«
»Wollen Sie mich loswerden?«
»So rüde wäre ich nie.«
Doch als sie sich von ihm abwandte, begriff er die Botschaft: Bei ihr würde er nichts erreichen. Seine angeborene Hartnäckigkeit wollte, dass er blieb und sie überredete, ihr schmeichelte, sie zum Lachen und zum Erröten brachte. Seine rationalere Seite, dieselbe, die auf Zahlen, Statistiken und Algorithmen stand, sagte ihm, dass er nicht auf seinem Einsatz bestehen sollte. Verbuche es als Verlust. Passiert jedem mal.
Aber es passierte nicht ihm. Er war hin- und hergerissen zwischen Belustigung und Ärger, und er wusste nicht recht, welches Gefühl am Ende das stärkere war.
»Ash, da bist du ja«, meinte da seine Schwester Thea, als sie an die Bar kam. Mit ihrem blonden, zu einem Pixie-Cut geschnittenen Haar und einem Septum-Piercing sah sie eher wie die Leadsängerin einer Rockband aus und nicht wie die Empfangsdame einer Anwaltskanzlei. »Wir packen Geschenke aus, und deins ist das nächste.« Mit hochgezogener Augenbraue warf sie einen kurzen Blick auf Violet. »Obwohl, wenn du beschäftigt bist …«
Violet war immer noch auf ihren Drink konzentriert und schien Ash völlig vergessen zu haben. Autsch. »Nein, ich bin nicht beschäftigt.«
Er kehrte zur Party zurück, trank seinen Whiskey Sour und holte sich noch einen, während Bea mit unverhülltem Entzücken ihre Geschenke auspackte. Mit zwei Jahren war sie mehr am Geschenkpapier und den Bändern interessiert als an den Spielsachen und Kleidern. Als Lizzie ihr ein Stück Geschenkband wegnahm, an dem sie gerade kaute, verzog Bea das Gesicht, wurde knallrot und gab dann ein Heulen von sich, das förmlich die Wände der Bar zum Wackeln brachte.
»Hier ist dein Kaninchen«, sagte Lizzie, holte Bea aus ihrem Hochstuhl und gab ihr ihr Lieblingsplüschtier. »Sch, Kleines.« Sie sah Trent an. »Ich denke, Bea hat genug für heute Abend.«
Er streichelte Bea über die Wange, während sie weiter weinte und ihr Gesicht an der Schulter ihrer Mutter rieb. Ash hatte keinen blassen Schimmer von Kleinkindern, aber sogar er konnte erkennen, wann eines völlig erschöpft und überreizt war.
Lizzie tröstete Bea, und schließlich schlief die Kleine in den Armen ihrer Mutter ein. Ash setzte sich neben Thea, der Phin und Lucy gegenübersaßen. Phin arbeitete als Anwalt in Portland, während Lucy ihren Traum verfolgte, Schauspielerin in Los Angeles zu werden.
Phin war eher der stille Typ, der Menschenansammlungen mied, wohingegen Lucy mehr wie Ash war – sie blühte in Gesellschaft auf. Sie lachte und plauderte mit Abby und Megan Thornton, Lizzies Schwägerinnen. Lucy war groß, aber biegsam und hatte dunkelbraunes Haar. Mit ihren großen grauen Augen und den scharf geschnittenen Wangenknochen war sie schon häufiger gefragt worden, ob sie nicht als Model arbeiten wolle, aber sie hatte jedes Mal abgelehnt, weil sie Schauspielerin werden wollte und nichts anderes.
»Hast du Spaß?«, fragte Ash Phin über den Tisch hinweg. »Du siehst unglücklich aus, Bro.«
Phin verzog den Mund. »›Unglücklich‹ ist ein wenig hyperbolisch.«
»Das Wort ›hyperbolisch‹ in einer Unterhaltung zu benutzen, bringst auch nur du fertig.«
»Deshalb ist Phin ja auch der Klügste von uns allen«, meinte Thea ohne jeden Neid. »Immerhin hat er die Highschool vorzeitig abgeschlossen.«
Phin widersprach der Aussage nicht, denn er wusste genau, wie intelligent er war. Ash hatte seinen jüngeren Bruder immer für dessen Tatendrang und Zielstrebigkeit bewundert. Er selbst war im Vergleich dazu immer eher der irrlichternde Typ gewesen. Verdammt, selbst Trent war trotz seiner ziellosen Vergangenheit sesshaft geworden: Seitdem hatte er seine drei Restaurants eröffnet, und nun hatte er eine Familie gegründet.
An manchen Tagen erkannte Ash die Geschwister gar nicht wieder, so wie er sie in seiner Kindheit gekannt hatte. Sie sind erwachsen geworden, sagte seine logische Seite. Vielleicht solltest du es auch mal damit versuchen.
Er kippte seinen Drink hinunter und schob den Gedanken zügig beiseite.
»Würdest du Bea einen Moment lang halten?«, fragte Lizzie Thea. »Sie ist eingeschlafen, aber ich muss mal, und Trent macht gerade Drinks …«
Thea setzte zu einer Antwort an, als Ash sich einmischte. »Ich nehme sie.« Als die Frauen ihn ansahen, verdrehte er die Augen. »Leute, ich hatte sie schon öfter auf dem Arm.«
»Ja, aber normalerweise meldest du dich nicht freiwillig dafür«, konterte Thea.
»Sei nicht sexistisch«, witzelte er, während Lizzie ihm vorsichtig Bea gab. Die Kleine murmelte im Schlaf vor sich hin und kuschelte sich dann enger an ihn. Sie fand ihre Faust und fing an, am Daumen zu nuckeln, was Ash mehr als hinreißend fand – aber das würde er nie zugeben.
»Hey, ich bin ganz dafür, dass Männer Babys halten. Sie sind zu fünfzig Prozent der Grund, wieso es welche gibt«, meinte Thea und streichelte über Beas dunkle Locken. »Sie bringt mich fast dazu, dass ich selbst eins will.«
»Mich nicht«, meinte Lucy. »Babys legen dein ganzes Leben auf Eis.«
»Wir wissen, dass du eine berühmte Schauspielerin wirst«, meinte Ash, »und außerdem, wie alt bist du? Zweiundzwanzig?«
Lucy streckte ihm die Zunge heraus. »Dreiundzwanzig.«
»Also noch ein Kind. Ich würde nicht wollen, dass meine Kindschwester in näherer Zukunft ein Kind bekommt.« Ash schauderte. Ihm gefiel es immer noch nicht, dass Lucy allein in L.A. war, ganz zu schweigen von dem Gedanken, dass irgendein Widerling sie schwängern könnte.
Lucys Aufmerksamkeit richtete sich schließlich auf etwas anderes, während Phin in die Ecke getrieben wurde von James, dem zehnjährigen Sohn von Harrison und Sara Thornton. Harrison war Lizzies ältester Bruder, und er und Sara waren inzwischen seit drei Jahren verheiratet. James stammte aus Saras vorheriger Ehe, doch Harrison hatte den Jungen gewissermaßen als sein Kind angenommen.
Bea gurrte leise im Schlaf, und Ash ließ sein Kinn an ihrem Kopf ruhen.
Thea fragte leise: »Denkst du je daran, zu heiraten? Kinder zu haben?«
Ash hatte immer das Gefühl gehabt, dass ihm von allen seinen Geschwistern Thea am ähnlichsten war. Obwohl sie als Rezeptionistin arbeitete, galt ihre wahre Leidenschaft der Kunst. Im Moment arbeitete sie an einem Comic. Mit ihrer Überschwänglichkeit und ihrem Hang zur Zerstreutheit war Thea kein bisschen für einen Bürojob geeignet. Und auch wenn Ash ein Büromensch war, der Zahlen liebte und für Trent als Buchhalter für dessen Restaurants arbeitete, verstand er doch Theas Sehnsucht nach Freiheit.
»Nein«, antwortete er ohne Zögern. »Ich habe immer gewusst, dass das kein Leben für mich ist.«
»Wirklich? Weil du schon eine heimliche Frau und Kinder hast, von denen du uns nichts erzählt hast?«
»Weil wir beide die Kehrseite der Ehe gesehen haben. Du hast gesehen, wie Mom war.« Er schauderte. »Nein danke.«
Thea zuckte mit den Schultern. »Das verstehe ich, aber wir sind auch nicht unsere Eltern.«
»Sagt die Frau, die wie lange kein richtiges Date mehr hatte?«
»Hier ist niemand, der ein Date wert wäre. Und du musst gerade reden.«
Das konnte er nicht abstreiten. Aber bei dem Gedanken an ein Date huschte sein Blick unausweichlich wieder zu Violet, um die sich inzwischen eine kleine Gruppe Frauen geschart hatte, während sie ihnen etwas zeigte, das aussah wie Schmuckstücke.
Verkaufte sie etwa Schmuck in einer Bar am Freitagabend? Ash wunderte sich über sie. Woher in Gottes Namen kam sie?
Thea warf einen Blick über ihre Schulter. »Oh, sie ist noch da. Ich habe gesehen, wie du mit ihr geredet hast. Sie wirkt nett, also solltest du sie echt in Ruhe lassen.«
»Wir haben nur geplaudert.«
»Warte, sag es mir nicht.« Thea machte große Augen. »Hat sie dich abblitzen lassen?«
Ash sah sie nur finster an.
Thea lachte auf und drückte sich dann die Hand auf den Mund, als Bea sich daraufhin rührte. »Ist nicht wahr! O mein Gott, ich liebe sie jetzt schon. Wie heißt sie? Die will ich heiraten, und dabei bin ich nicht einmal lesbisch.«
Ash verdrehte genervt die Augen. »Ich bin auch früher schon mal abgeblitzt.«
»Wann? Ich will Datum. Uhrzeit. Ich will die Namen und den genauen Wortlaut, was sie gesagt haben.«
Er und Thea kabbelten sich weiter, bis Lizzie endlich zurückkehrte, um ihm Bea abzunehmen. Danach beobachtete Ash Violet und war vollkommen fasziniert, während sie weiter ihre Waren zeigte.
Sie war eindeutig in ihrem Element. Sie half einer Frau, eine Halskette aus Bernsteinperlen anzuprobieren. Als eine der anderen Frauen daraufhin etwas sagte, lachte Violet, und ihre blauen Augen blitzten.
Ash wollte derjenige sein, der ihre Augen zum Blitzen brachte. Er wollte sie zum Lachen bringen. Und bei Gott, er wollte sie zum Erbeben bringen, wenn er sie küsste.
Violet holte noch mehr Schmuck aus ihrer Handtasche. Hatte sie ihren gesamten Warenbestand da drin? Wenn man bedachte, wie groß die Tasche war, hielt er es für möglich. Nur wenige Minuten später hatte sie mindestens einem halben Dutzend Frauen ihre Visitenkarte überreicht und dazu drei Schmuckstücke verkauft. Faszinierend. Er musste herausfinden, wer sie wirklich war.
Als die Frauen sich entfernten, stand Ash auf und glitt wieder auf den Stuhl neben Violet. Sie packte gerade Schmuckstücke in einzelne Plastiksäckchen, so dass ihr völlig zu entgehen schien, dass er wieder da war.
»Haben Sie auch Schmuck für Männer?«, fragte er.
Sie fuhr zusammen, drückte ein Plastiksäckchen an ihre Brust und sagte: »Sie haben mich erschreckt!«
»Meine Frage steht noch. Haben Sie etwas für mich?«
»Leider habe ich keine edelsteinbesetzten Maulkörbe mehr.«
Er lehnte sich näher zu ihr. »Oh, keine Sorge, Schätzchen«, raunte er, »ich kann immer noch jede Frau wild machen, mit Maulkorb oder ohne.«
Endlich kroch eine leichte Röte in ihre Wangen. Ash wollte am liebsten in Triumphgeschrei ausbrechen. Er inhalierte ihren blumigen Duft, fühlte, wie sein Körper zum Leben erwachte, sein Blut rauschte und Begehren in seinem Unterleib aufloderte.
Violet lachte schnaubend. »Wenn Sie mir schon auf den Wecker gehen wollen, spendieren Sie mir wenigstens einen Drink.«
»Es wäre mir ein Vergnügen.«
Violet wusste, dass sie aufstehen und gehen sollte. Ash sah viel zu gut aus und war viel zu verführerisch für jemanden wie sie. Sein Lächeln strahlte pure Sinnlichkeit aus. Seit William gestorben war, hatte sie keinen Sex mehr gehabt. Um ehrlich zu sein, hatte sie nicht einmal daran gedacht – bis jetzt.
Und nun war da Ash, der sie mit einem Blick ansah, der sehr offensichtlich sagte »Ich will dich«, dem das Haar in die Stirn fiel und dessen Kieferpartie aussah wie die eines griechischen Gottes. Wie machte er das? Das war nicht fair. Violet war nicht so dumm, zu glauben, sie könnte sich gegen derart offensichtlichen Sex-Appeal wehren.
Also reagierte sie wie immer: Sie tat so, als wäre nichts.
Sie nippte an ihrem Gin Tonic und bemerkte erheitert, dass Ash dasselbe bestellt hatte. In diesem Augenblick beschloss sie, wenn er ihr schon so unbedingt an die Wäsche wollte, müsste er sich ordentlich ins Zeug legen.
Ashs Lippen zuckten amüsiert, als er zusah, wie sie schweigend trank. »Sie verkaufen Schmuck?«
»Ich fertige und verkaufe ihn, ja. Ich habe mein eigenes Geschäft.«
»Wirklich? Wann haben Sie damit angefangen?«
Den meisten Leuten waren die Einzelheiten eher egal, wenn sie Fragen stellten, das hatte Violet bereits festgestellt. Sobald sie über Dinge sprach wie Inventur, finanzielle Hochrechnungen, Verschlüsse und Kettentypen, bekamen sie glasige Augen, und Violet wusste, dass sie nicht zugehört hatten.
»Ich habe es vor etwa vier Jahren gegründet. Damals hasste ich meinen Job und hatte die Nase voll davon. In meiner Freizeit fertigte ich Schmuck, und zu meiner Überraschung fingen Leute an, ihn zu kaufen. Und sie wollten mehr. Bald darauf produzierte ich genug, um Vollzeit an meinem Geschäft arbeiten zu können.«
»Beeindruckend. Wie sind Sie dazu gekommen, Schmuck selbst herzustellen?«
Violet hatte keine Ahnung, ob ihn das wirklich interessierte, aber sie zuckte innerlich mit den Schultern. Sie würde ihm alles über Perlengrößen, Anhänger, Zangen und Drähte erzählen, bis er an der Bar einschlief.
»Ich habe einen Kurs belegt und meine Liebe dazu entdeckt. Am Ende habe ich noch mehr Kurse belegt, und von da an wurde es irgendwie immer mehr.« Sie öffnete ihre Handtasche, nahm ein paar Musterstücke heraus, die sie vorhin den Frauen gezeigt hatte, und breitete sie vor Ash aus. »Hauptsächlich fertige ich Ohrringe, Armbänder und am liebsten Halsketten. Und Ringe. Schauen Sie mal die Halskette hier. Die besteht aus einer Infinity-Kette – sehen Sie die verschlungenen Achten?«
Ash beugte sich vor. »O ja. Ich wusste gar nicht, dass es so viele verschiedene Ketten gibt.«
Sie unterdrückte ein Kichern, vor allem, weil er sich Mühe gab, begeistert zu klingen. Das ist mehr, als ich über die meisten Leute sagen kann, die sich nicht für Schmuck interessieren, dachte sie.
»Diese Kettenart mag ich mit am liebsten. Sie sollte zart sein und gleichzeitig mit den größeren Perlen und der Blume ein Statement-Stück.« Sie lächelte milde über Ashs leicht abwesenden Gesichtsausdruck. »Langweile ich Sie?«
»Ganz und gar nicht.« Er hob ein Paar Chandelier-Ohrringe auf. »Wie haben Sie die zusammengefügt?«
Was für ein Spiel spielte er hier eigentlich? Misstrauisch und amüsiert zugleich lieferte sie ihm eine ausführliche Erklärung, wie sie die Drähte zugeschnitten, die Perlen ausgewählt und aufgefädelt hatte. Zu ihrem Erstaunen hing er nicht nur an ihren Lippen, sondern stellte gezielte Fragen, die zeigten, dass er wirklich zugehört hatte.
Ich bin so was von geliefert, dachte sie missmutig. Wieso kann er kein Idiot sein? Heiße Typen sind doch immer Idioten!
Ash lächelte nur und trank seinen Whiskey Sour ohne ein weiteres Wort. Sein Blick schien sie herauszufordern, als hätte er gewusst, dass sie davon ausging, er sei nichts weiter als ein ichbezogener Mistkerl. Gut, die Runde hast du gewonnen
