Taking a chance of Love - Iris Morland - E-Book
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Taking a chance of Love E-Book

Iris Morland

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Beschreibung

Anthony Bertram hat sich ein Imperium aufgebaut – mit harter Arbeit, eisernem Willen und ohne Ablenkungen. Seit seiner Scheidung ist für Gefühle kein Platz mehr in seinem Leben. Doch dann taucht während seines Urlaubs eine Fremde in seiner abgeschiedenen Hütte auf – wunderschön, temperamentvoll und absolut nicht gewillt, sich von ihm einschüchtern zu lassen …

Thea Younger liebt ihre Freiheit – und verachtet alles, wofür Männer wie Anthony stehen. Als ein Sturm sie zwingt, mit ihm unter einem Dach zu bleiben, beginnt sie hinter seine eiskalte Fassade zu blicken. Stark, leidenschaftlich – und gefährlich unwiderstehlich. Aber Thea hütet ein Geheimnis, das alles zerstören könnte. Ist sie bereit, zu vertrauen und ihr Herz zu riskieren?

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Seitenzahl: 325

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Liebe Leserin, lieber Leser,

Danke, dass Sie sich für einen Titel von »more – Immer mit Liebe« entschieden haben.

Unsere Bücher suchen wir mit sehr viel Liebe, Leidenschaft und Begeisterung aus und hoffen, dass sie Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und Freude im Herzen bringen.

Wir wünschen viel Vergnügen.

Ihr »more – Immer mit Liebe« –Team

Über das Buch

Anthony Bertram hat sich ein Imperium aufgebaut – mit harter Arbeit, eisernem Willen und ohne Ablenkungen. Seit seiner Scheidung ist für Gefühle kein Platz mehr in seinem Leben. Doch dann taucht während seines Urlaubs eine Fremde in seiner abgeschiedenen Hütte auf – wunderschön, temperamentvoll und absolut nicht gewillt, sich von ihm einschüchtern zu lassen …

Thea Younger liebt ihre Freiheit – und verachtet alles, wofür Männer wie Anthony stehen. Als ein Sturm sie zwingt, mit ihm unter einem Dach zu bleiben, beginnt sie hinter seine eiskalte Fassade zu blicken. Stark, leidenschaftlich – und gefährlich unwiderstehlich. Aber Thea hütet ein Geheimnis, das alles zerstören könnte. Ist sie bereit, zu vertrauen und ihr Herz zu riskieren?

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Iris Morland

Taking a chance of Love

Aus dem Amerikanischen von Silvia Gleißner

Übersicht

Cover

Titel

Inhaltsverzeichnis

Impressum

Inhaltsverzeichnis

Titelinformationen

Grußwort

Informationen zum Buch

Newsletter

Widmung

Kapitel eins

Kapitel zwei

Kapitel drei

Kapitel vier

Kapitel fünf

Kapitel sechs

Kapitel sieben

Kapitel acht

Kapitel neun

Kapitel zehn

Kapitel elf

Kapitel zwölf

Kapitel dreizehn

Kapitel vierzehn

Kapitel fünfzehn

Kapitel sechzehn

Kapitel siebzehn

Kapitel achtzehn

Kapitel neunzehn

Kapitel zwanzig

Kapitel einundzwanzig

Kapitel zweiundzwanzig

Kapitel dreiundzwanzig

Epilog

Impressum

Für meine Familie. Ihr seid die wirklich wichtigsten Menschen.

Kapitel eins

Thea Younger warf einen Blick über die Schulter, um sicherzugehen, dass ihr Boss gerade nicht in der Nähe war, und öffnete einen neuen Tab im Internetbrowser. Sie war schon einmal in Schwierigkeiten geraten, weil sie auf diese Website gegangen war, doch sie konnte einfach nicht anders.

Die Fotos faszinierten sie. Sie machten ihr den Mund wässrig und ließen ihr Herz schneller schlagen. Ihr wurde ganz warm vor Vorfreude, als sie durch die Bilder klickte, eins nach dem anderen. Sie kannte sie schon, aber sie musste sie sich ansehen, nur noch einmal.

Wer hätte gedacht, dass es so einen Reiz darstellen könnte, sich Bäume anzuschauen?

»Was machst du da?«, fragte Nicole, Theas Kollegin in der Anwaltskanzlei, wo sie beide als Verwaltungsassistenzen arbeiteten. Als Nicole sah, was Thea tat, kicherte sie. »Siehst du dir etwa schon wieder diese Hütte an?«

Thea seufzte glücklich. »Ist sie nicht wundervoll? In drei Tagen bin ich dort, Nicole. Nur. Noch. Drei. Tage.«

Sie blätterte zu dem Foto, das das Innere der Hütte zeigte, mit einem ausladenden Kamin und hohen Decken, die ganz aus wundervollem Eichenholz gefertigt waren. Thea wünschte sich schon seit über zwei Jahren einen Aufenthalt in einer Hütte von Mighty Pine. Vor einem Monat war es ihr endlich gelungen, eine der Hütten zu buchen, und dort oben im Kaskadengebirge würde sie dann zwei Wochen ganz allein verbringen.

Nicole seufzte. »Süße, wenn du zum tausendsten Mal diese Woche beim Anblick von Kiefern ins Sabbern gerätst, müssen wir dir echt ein Date besorgen. Was ist überhaupt so toll an dem Ort? Ist ja nicht so, als gäbe es in Washington nicht überall Bäume.«

»Aber es ist die Gegend. Die freie Natur. Man kann die Sterne sehen! Mal aus der Stadt rauskommen …«

»Wir leben wohl kaum in einer Stadt …«

Nun ja, da konnte Thea nicht widersprechen. Sie lebten in Fair Haven, Washington, das mit dem Begriff »Dorf« treffender beschrieben war.

»Spielt keine Rolle, denn zwei Wochen lang lasse ich alles hinter mir.« Thea seufzte noch einmal selig.

Genau da hörte sie Schritte. Sofort schloss sie die Website, gerade noch rechtzeitig, bevor ihr Boss um die Ecke kam und auf ihren Schreibtisch zusteuerte.

Als Kind hätte sie nie gedacht, dass sie als Erwachsene einmal in einem Büro arbeiten und sich zu Tode langweilen würde. Kaum der Stoff, aus dem Träume waren.

Um ehrlich zu sein – als Thea klein war, hatte sie ein Einhorn sein wollen. Dann, als ihr klar wurde, dass sie als Einhorn nicht wirklich einen Job bekommen konnte, hatte sie beschlossen, Künstlerin zu werden. So konnte sie wenigstens nach Herzenslust Einhörner zeichnen.

Auch jetzt noch wollte sie eine Künstlerin werden, die für ihre Kunst tatsächlich bezahlt wurde – wenngleich sie keine Einhörner mehr zeichnete. Aber das würde bedeuten, dass sie ihre Arbeit anderen Menschen zeigen musste. Und das war etwas, das sie immer noch nicht fertigbrachte.

»Oooooh, ist der heiß. Thea, komm und sieh dir das an.« Nicole steckte den Kopf über die Wand ihrer Bürozelle wie ein Murmeltier. »Dein Lieblingstyp redet wieder.«

Thea sollte der Versuchung nicht nachgeben. Sie hatte Arbeit zu erledigen. Belege zu erfassen, Terminpläne zu erstellen … Allein der Gedanke an diese beiden Aufgaben brachte sie dazu, stattdessen von ihrem Stuhl aufzustehen und in Nicoles Bürozelle zu gehen. Sie hatte nie behauptet, die tollste Angestellte der Welt zu sein. Außerdem war der Tag fast vorbei.

Thea verzog den Mund, als sie sah, wer da auf Nicoles Bildschirm prangte: niemand anderes als Anthony Bertram, CEO von Bertram, Sons und Co., der schlimmsten Firma in der Geschichte. Die Firma war nicht nur ein Multimilliarden-Dollar-Unternehmen, dessen CEO ein obszön riesiges Gehalt kassierte, sondern führte auch immer noch Tierversuche für ihre Kosmetik- und Reinigungsprodukte durch, obwohl es dafür keinerlei Grund gab. Letztlich folterten sie Tiere für Geld. Es war abstoßend.

Thea hasste Anthony und alles, wofür er stand.

»Schau dir nur sein dummes, selbstgefälliges Gesicht an«, zischte sie.

»Scht!« Nicole stellte den Ton des Livestreams lauter. Offensichtlich interessierte es sie nicht, ob sie erwischt wurden. Das war eben die Anziehungskraft des gut aussehenden und reichen Anthony Bertrams.

Thea konnte einräumen, dass er tatsächlich gut aussah, auf eine reiche, selbstgefällige, dumme, arrogante und egoistische Art. Er hatte dunkles Haar, ein markantes Kinn und die Art Lächeln, bei der eine Frau ganz weiche Knie bekam. Offensichtlich trieb er Sport, denn seine Anzüge saßen perfekt und betonten die muskulösen Schultern und den breiten Brustkorb. Aber er war nicht wuchtig, sondern hochgewachsen und durchtrainiert. Im Moment trug er einen dunkelgrauen Anzug mit blauer Krawatte, und seine Manschettenknöpfe funkelten im Licht des Nachrichtenstudios. Wahrscheinlich hatten sie mehr gekostet, als Thea in einem Jahr verdiente.

»Wie ist das Unternehmen bisher mit der Kontroverse in den sozialen Medien umgegangen?«, fragte die Nachrichtensprecherin. Thea konnte nur mit Mühe ein Schnauben unterdrücken, da die forsche und vollbusige Sprecherin sich über die Unterlippe leckte, als sie Anthony die Frage stellte.

»Solche Dinge kommen und gehen«, antwortete er, ohne eine Miene zu verziehen. »In dieser Kampagne gab es sehr viele falsche Darstellungen und glatte Lügen, und leider haben solche Dinge die Neigung, sich wie ein Buschfeuer im Internet zu verbreiten. Das Beste ist, abzuwarten, bis sich das Ganze verzogen hat, statt direkt darauf einzugehen.«

»Können Sie zur Kontroverse selbst etwas sagen? Wird Bertram, Sons und Co. weiterhin Tierversuche durchführen?«

Anthonys Mundwinkel gingen hoch, aber es war kein Lächeln. Nicht wirklich. Es wirkte, als würde ein Raubtier seine Beute ausmachen. Thea schauderte, als sie den Ausdruck in seinen Augen sah.

»Dazu kann ich keine Aussage machen«, meinte er, »doch wie wir schon in unserer Stellungnahme diese Woche mitteilten, sind wir sehr stolz auf die Produkte, die wir verkaufen. Keines davon enthält Parabene oder Toxine, und alle sind zu einhundert Prozent organisch. Wir waren eins der ersten Unternehmen in der Branche, die damit anfingen.«

»Ja, aber die Vorwürfe gegen Sie …«

»… sind aberwitzig«, unterbrach Anthony. »Nichts als unbegründete Gerüchte und sensationslüsterner Tratsch. Ich applaudiere allen Aktivisten, die die Welt zu einem besseren Ort machen wollen. Aber wenn sie dabei anderen Menschen schaden, wen retten sie dann? Oder was retten sie? Nichts. Sie klopfen sich nur selbst auf die Schulter dafür, dass sie tun, was sie für richtig halten.«

Thea wurde rot vor Zorn, als sie das hörte. Sie wünschte, sie könnte Anthony Bertram durch den Bildschirm hindurch erwürgen. Was für ein arroganter Arsch! Bei dieser viralen Aktion war es darum gegangen, die Wahrheit zu enthüllen und Verbrauchern zu zeigen, wohin ihr Geld ging.

Thea musste es wissen: Sie war einer der wichtigsten Köpfe hinter der Aktion gewesen.

Die Grundidee dazu hatte ihr bester Freund gehabt, Mittens. Milton Haverford III., besser bekannt als Mittens, war immer der Impulsgeber in ihrem Kreis, während Thea Ideen aufgriff und in die Tat umsetzte. Doch diesmal war die ursprüngliche Idee zu einer viralen Aktion in den sozialen Medien gegen Anthonys Unternehmen von Thea gekommen.

Schon bald hatten sich ihnen andere Mitglieder ihrer Aktivistengruppe angeschlossen. Die Social-Media-Kampagne gegen Bertram, Sons und Co. war nur langsam vorangekommen, doch dann hatte eine hochberühmte Person die Fotos von den leidenden Tieren geteilt – Kaninchen und Ratten vor allem –, und das Ganze war explodiert.

In den letzten zwei Wochen hatten Bertram, Sons und Co. auf die Anschuldigungen eingehen müssen, und ihre Aktie war offenbar auch abgestürzt. Die Menschen boykottierten ihre Produkte. Erst gestern, als Thea im Lebensmittelladen gewesen war, hatte sie die Reinigungsprodukte des Unternehmens auf dem Ausverkauf-Regal gesehen, wo sie Staub ansetzten.

Der Anblick hatte Thea mit Stolz erfüllt. Das war ihr Werk. Sie hatte etwas bewirkt. Wenn sie jetzt weiter Druck ausübten, würden Bertram, Sons und Co. und auch andere Unternehmen Veränderungen vornehmen müssen, wenn sie im Geschäft bleiben wollten. Ganz einfach.

Die Nachrichtensprecherin stellte nun andere Fragen, die keinen Bezug zu der Kontroverse hatten, und Anthony wirkte gelangweilt. Irgendwann blickte er auf die Uhr. Man sollte meinen, dass er nach allem, was passiert ist, wenigstens versuchen würde, sich zu entschuldigen, dachte Thea.

»Gott, er ist heiß«, wiederholte Nicole und seufzte verträumt.

»Er ist ein schrecklicher Mensch«, hielt Thea dagegen.

»Am Ende des Tages sind wir alle schreckliche Menschen.« Nicole verdrehte die Augen. »Außerdem ist er reich. Erzähl mir nicht, dass du mit dem kein Rodeo reiten würdest, wenn du auch nur die geringste Chance dazu hättest.«

Thea schnaubte, doch zu ihrem Ärger spürte sie, wie ihre Wangen glühten. Sie hatte schon viel zu lange überhaupt keinen Sex mehr gehabt.

»Ich ziehe es vor, wenn meine Männer Moral haben. Ethik. Ein Gewissen«, beharrte sie.

»Du meinst, du ziehst Männer vor, die langweilig sind und die du wieder in die Wüste schicken kannst, ohne Gefühle zu entwickeln? Ich kenne dich lange genug, um zu wissen, wie du tickst, meine liebe Miss Thea. Und ich habe die Typen gesehen, die du so datest. Die sind wie warme Tapioka: unnütz und fade.«

Thea verpasste Nicole einen kleinen Knuff. Sie wollte nicht zugeben, wie recht ihre Kollegin und Freundin hatte. Und wenn sie unaufregende Männer bevorzugte? Wenigstens waren sie nicht böse.

»Gibt es noch etwas, das Sie über die Angelegenheit sagen möchten?«, fragte die Interviewerin.

Anthony richtete seine Manschettenknöpfe. »Ich würde gern die Personen ansprechen, die das initiiert haben.« Er blickte direkt in die Kamera. »Ihre Handlungen haben Konsequenzen und werden echten Menschen schaden.« Sonst sagte er nichts, aber seine Worte fühlten sich schwer wie ein Felsbrocken in Theas Bauch an.

Sie hatten das getan, um Tieren und Menschen zu helfen. Wie könnten sie da jemandem schaden? Er war derjenige, der hier im Unrecht war. Warf Anthony sich hier nur in Pose, oder lag Wahrheit in seinen Worten?

Thea verwarf den Gedanken. Sie hatte nur noch drei Tage vor sich, dann wäre sie im Urlaub, würde die Schönheit der Wälder und der freien Natur genießen und sich keine Gedanken machen um selbstgefällige reiche Mistkerle wie Anthony Bertram.

Anthony Bertram, milliardenschwerer CEO von Bertram, Sons und Co., hatte einen überaus schlechten Tag.

Es hatte vor ein paar Wochen angefangen. Ein paar harmlose Posts in den sozialen Medien – nichts Neues. Das Internet war eine riesige Kloake voller unsinniger Meinungen. Anthony hatte seine Aufmerksamkeit noch nie an Menschen verschwendet, die irgendwelches Zeug über Dinge plapperten, von denen sie nichts verstanden, vor allem in Bezug auf Bertram, Sons und Co.

Bis urplötzlich ein Post viral gegangen war, in dem das Unternehmen zu einer Art bösem Schurken gemacht wurde, der darauf versessen sei, Tiere zu quälen. Der Post wurde über fünfzigmillionenmal geteilt, und seitdem hatten ununterbrochen Zeitungen, Blogs und Nachrichtensender angerufen. Anthony hatte zornbebend zusehen müssen, wie die Aktien seines Unternehmens gesunken waren, immer weiter nach unten, unten, unten. Und die Boykotte gegen ihre Produkte waren nur noch intensiver geworden.

Anthony hatte nicht die Absicht, zuzulassen, dass ein paar Hippiefreaks, die Tierversuche mit Tierquälerei gleichsetzten, zerstörten, was er aufgebaut hatte. Er würde kämpfend untergehen, und bei Gott, er würde diese Bastarde mit sich reißen.

Bis zum Vormittag hatte Anthony bereits Kopfschmerzen. Er hatte eine Mail nach der anderen, einen Anruf nach dem anderen zu diesem PR-Alptraum abgeblockt. Sein Vorstand wollte umgehend ein Meeting, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Anthony war also schon nervös, als Bruce Weaver in sein Büro geschneit kam. Bruce war ein Mitglied von Anthonys Vorstandsgremium und einer seiner ersten Aktionäre. Früher hatten sie eine respektvolle Geschäftspartnerschaft gehabt, aber seit Anthony vor einem Jahr Bruce’ Sohn Ryan gefeuert hatte, hatte sich die Beziehung verschlechtert. Anthony bereute die Entscheidung kein bisschen, doch Bruce hatte es sich seitdem zur Aufgabe gemacht, ihm das Leben zur Hölle zu machen. Und diese neue Entwicklung hatte Bruce jede Menge Munition geliefert.

Anthony bot Bruce mit einer – ganz und gar ironischen – Geste einen Sitzplatz an. »Du wolltest etwas besprechen?«

Natürlich würde Bruce einfach in sein Büro platzen, statt eine Antwort auf Anthonys Mail zu schicken wie ein normaler Mensch.

»Ich möchte dir noch einmal raten, nichts gegen dieses Theater zu unternehmen«, fing Bruce an und ignorierte den angebotenen Platz. »Du begehst einen Riesenfehler, wenn du diesen Leuten die Befriedigung gibst, dass man sie zur Kenntnis nimmt.«

»Wenn man bedenkt, dass ich darüber schon in den Medien gesprochen habe, sehe ich nicht, wie ein weiteres Interview noch schaden könnte.«

»Du denkst, du weißt alles, oder? Du magst ja der CEO sein, aber das macht dich nicht zu einem Diktator. Du fügst der Firma mit deinen Handlungen irreparablen Schaden zu.«

»Und ich sage, dass die gegenwärtige Strategie der Grund ist, warum wir schon Millionen verloren haben.«

Bruce zeigte mit einem Finger auf ihn. »Glaub nicht, dass du immun bist, Bertram. Die gleichen Leute, die dich zum CEO gemacht haben, können dich auch wieder absetzen. Vergiss das nicht.«

Anthony schluckte den Köder nicht. Schulterzuckend, als hätte Bruce gerade vorgeschlagen, Golf spielen zu gehen, antwortete er: »Tu, was du nicht lassen kannst. Du bist nicht der ganze Vorstand.«

Bruce machte ein finsteres Gesicht und marschierte aus dem Raum.

Anthonys Assistentin Cara, deren Schreibtisch sich direkt vor dem Büro befand, stand auf, als Bruce hinausstürmte. Ihre Augen wurden groß.

Sie blieb in Anthonys Tür stehen und öffnete den Mund, anscheinend um eine Frage zu stellen, als er ihr das Wort abschnitt: »Hat die Society schon den Entwurf für den Artikel geschickt?«

»Oh, ja, ja. Ist gerade gekommen«, stammelte sie.

»Schicken Sie ihn rüber. Ich will das raushaben.«

Cara war klug genug, sich nicht zu Anthonys Entscheidung zu äußern, weiter gegen das zu agieren, was der Vorstand – alias Bruce – für die richtige PR-Strategie hielt. Wenn Bruce mich rausdrängen will, erreicht er das nur mit einem höllischen Kampf, dachte er.

Bruce hielt nach Anthony die meisten Aktien im Unternehmen, doch um den CEO abzusetzen, bräuchte er die Zustimmung von mehr als der Hälfte des Vorstands. Bruce hätte einen harten Kampf vor sich, um diesen speziellen Coup zu landen.

Anthony war nur froh, dass er schon sehr bald für eine Weile die Stadt verlassen würde. Schon vor Monaten, bevor das alles angefangen hatte, hatte er sich eine Hütte oben in den Wäldern gebucht. Er war versucht, gleich jetzt hinzufahren, und zur Hölle mit allen, die dachten, sie wüssten besser als er, wie er sein eigenes Unternehmen zu führen habe.

Es war schon spät am Nachmittag, als Anthonys Bürotür aufging. »Schon mal was von anklopfen gehört?«, blaffte er ungehalten in dem Glauben, es sei ein weiteres abtrünniges Vorstandsmitglied.

»Begrüßt man so seine Ex-Frau?«, fragte eine wohlklingende Stimme.

Anthony roch ihr Blumenparfum, noch bevor er sie sah. Diesen Duft würde er immer wiedererkennen. Elise trug immer noch dasselbe Parfum, das er zu ihrem ersten Hochzeitstag gekauft hatte, obwohl sie inzwischen schon seit zwei Jahren geschieden waren. Anthony hatte das Gefühl, dass sie das nur tat, um ihn zu reizen.

Dieser beschissene Tag wird immer schlimmer, dachte er bitter. Er stand weder auf, als Elise hereinkam, noch bot er ihr einen Platz an. So viel Höflichkeit hatte sie nicht verdient.

Cara eilte in sein Büro. »Mr. Bertram, tut mir leid, ich habe ihr gesagt, dass Sie beschäftigt sind …«

»Dessen bin ich mir sicher«, fiel er ihr ins Wort. »Cara, schließen Sie bitte die Tür beim Hinausgehen.«

Als die Bürotür mit einem Klicken zuging, wandte sich Anthony wieder den Dokumenten auf seinem Schreibtisch zu. Er war nicht annähernd daran interessiert, Elise die Aufmerksamkeit zu widmen, nach der sie verlangte. Wenn sie etwas wollte – was auf jeden Fall der Fall war –, würde sie es ihm schon selbst sagen müssen.

Er hörte, dass sie ihm gegenüber Platz nahm, auf dem Stuhl, auf den Bruce sich vorhin nicht hatte setzen wollen. Wieso haben ausgerechnet heute alle beschlossen, mal eben in mein Büro zu platzen?, dachte er finster und strich ein paar Nummern auf dem Papier vor sich mit mehr Kraft durch als nötig.

Elise schnalzte mit der Zunge, um seine Aufmerksamkeit zu erregen.

Anthony blickte auf und konnte nicht umhin zu bemerken, dass sie trotz allem immer noch schön war. Verdammte Frau.

Elise trug ein smaragdgrünes Kleid, das all ihre Kurven betonte und doch irgendwie züchtig blieb. Sie strahlte Sex-Appeal aus in einer täuschend schlichten Verpackung. Nie trug sie roten Lippenstift, nur Pink und helle Pflaumentöne. Ihr Haar bevorzugte sie hochgesteckt statt offen, und ihre honigblonden Strähnen waren weich wie Seide und vollkommen natürlich in ihrer Farbe. Ihre angenehme Fassade war es gewesen, die Anthony ursprünglich zu ihr hingezogen hatte. Erst später hatte er erkannt, wie gut sie darin war, anderen Schmerz zuzufügen.

»Behandelst du so deine Gäste?«, fragte sie amüsiert. »Ich dachte, ich hätte dir bessere Manieren beigebracht.«

Er legte seinen Stift weg und wartete ab, eine dunkle Augenbraue hochgezogen. Als hätte er damit einen Fehdehandschuh geworfen, legte Elise daraufhin ihre Handtasche, eine kleine Clutch mit Goldrand, auf seinen Schreibtisch. Anthony wusste, dass er ihr diese Tasche nicht gekauft hatte, also musste es wohl Ryan gewesen sein. Der Gedanke weckte in ihm den Wunsch, Ryan Weaver noch einmal zu verprügeln.

Nicht weil Anthony Elise immer noch liebte. Weit gefehlt. In dem Moment, als er sie in flagranti mit Ryan erwischt hatte, der zufällig auch noch sein damaliger Vizepräsident und bester Freund gewesen war, war sein Herz zu Stein erstarrt. Er hatte sich von ihr scheiden lassen, bevor sie erklären konnte, warum sie es für eine gute Idee gehalten hatte, mit seinem bis dahin besten Freund ins Bett zu steigen. Nein, er hatte es gehasst, dass die beiden ihn wie einen Trottel dastehen ließen und ihre Affäre direkt vor seiner Nase durchgezogen hatten.

Er würde sich nie mehr von irgendwem zum Narren halten lassen.

Er konnte auch nicht umhin, den gigantischen Diamanten an Elises Finger zu bemerken, zusammen mit dem Ehering. Sie hatte Ryan schnell dazu gebracht, sie zu heiraten, so viel war sicher.

»Wieso antwortest du nicht auf meine Nachrichten? Ich habe geschrieben, angerufen, gemailt. Ist dein Handy kaputt?«, fragte Elise und schob schmollend die Unterlippe vor.

Anthony lachte finster. »Ich sage es ja nur ungern, aber ich habe dich ignoriert. Also, falls du mir nicht etwas wirklich Wichtiges mitzuteilen hast, geh. Ich habe zu tun.«

Zu seinem immensen Ärger lachte sie. »Du bist so ein Grobian, Tony. Warst du schon immer.« Ihre Augen funkelten.

Er knirschte mit den Zähnen, als sie ihn Tony nannte. Sie war die Einzige, die ihn je so genannt hatte, und als er den Namen nun aus ihrem Mund hörte, hasste er sie noch mehr.

»Und du warst schon immer schlecht darin, Komplimente zu geben«, erwiderte er.

»Nur weil du darin noch schlechter bist«, konterte sie. Wahrscheinlich wurde ihr klar, dass seine Geduld sich dem Ende neigte, denn sie fuhr fort: »Ich will mehr Geld, Tony.«

Er schnaubte. »Natürlich willst du das. Die Tausende, die ich dir schon bezahlt habe, damit du den Mund hältst, waren nicht genug?« Er deutete auf den gigantischen Ring an ihrem Finger.

Sie errötete und bedeckte ihre linke Hand. »Du weißt sehr gut, dass dein Anwalt mich beschissen hat und dass das nicht reicht, um mich zu unterstützen.« Ihr Tonfall klang steif, fast schon zimperlich.

»Gibt Ryan dir denn kein Geld?«

Elise erstarrte. Anthony hatte nicht vorgehabt, ihren neuesten Ehemann zu erwähnen, aber bei Elise neigte seine Selbstbeherrschung dazu, sich in Luft aufzulösen.

»Er gibt mir keins, weil er immer noch arbeitslos ist. Deinetwegen.« Sie verengte die Augen. »Ich will mehr Geld.«

»Oder was? Vögelst du dann einen anderen Mann, während wir verheiratet sind?«, höhnte Anthony. »Oh warte, das hast du ja schon.«

Elises Wangen nahmen eine leuchtend rote Farbe an. »Du Mistkerl«, zischte sie, stand auf und schnappte sich ihre Tasche. »Genau deshalb habe ich dich verlassen. Du bist herzlos. Ein grober, unmenschlicher …«

»Ich erinnere mich deutlich daran, dass ich mich von dir habe scheiden lassen, nachdem ich dich nackt in unserem Bett erwischt habe. Mit einem anderen Mann.«

Die Erinnerung an diesen Moment hatte sich auf ewig in Anthonys Gedächtnis eingeprägt. Er schob den Gedanken daran beiseite und weigerte sich, zuzulassen, dass Elise wieder ihre Klauen in ihn schlug.

»Ich will mehr Geld, oder ich gehe an die Presse und erzähle denen alles«, drohte sie.

Anthony stand langsam auf, ging um seinen Schreibtisch herum und blieb hoch aufragend vor Elise stehen. »Das wagst du nicht«, sagte er rundheraus. »Du hast nicht den Mumm, deinen Ruf derart zu ruinieren.«

»Willst du das riskieren?«

Ihre Stimme bebte, und er wusste, dass sie bluffte. Angewidert deutete er auf die Tür. »Raus aus meinem Büro. Sollte ich dich wieder in meinem Gebäude sehen, lasse ich dich vom Sicherheitsdienst hinauswerfen.«

Daraufhin wurde ihr Rücken kerzengerade. »Also gut. Dann hörst du von meinem Anwalt.«

Anthony zuckte nicht einmal zusammen, als Elise die Bürotür hinter sich zuschlug.

Kapitel zwei

Thea schälte sich bibbernd aus der durchweichten Jacke und versuchte, in der dunklen Hütte einen Lichtschalter zu finden. Regen prasselte immer noch auf das Dach über ihr. Schließlich gab sie die Suche auf und schaltete ihr Handy ein, um es als Taschenlampe zu nutzen. Ihre Blase war kurz davor, zu platzen, und würde sich nicht darum scheren, ob sie sehen konnte oder nicht, um eine Toilette zu finden.

Zum Glück gab es gleich im Erdgeschoss ein Badezimmer mit Toilette und Waschbecken. Nachdem Thea sich erleichtert hatte, wagte sie sich in die Küche. Dort machte sie das Licht des Backofens an, das ihr genug Helligkeit lieferte, um eine bessere Vorstellung von ihrer Umgebung zu bekommen.

Es war kurz vor Mitternacht. Sie hatte ihre Ankunft für früher am Abend geplant, aber sie war erst spät weggekommen, und durch das Regenwetter, das die kurvenreichen Waldstraßen in Schlamm verwandelt hatte, war sie erheblich langsamer vorangekommen. Sie hatte fast schon daran gedacht, umzukehren, aber ihr Allrad-SUV und ihre eigene Sturheit hatten das verboten.

Ihr Magen knurrte, doch die Müdigkeit war noch schlimmer. Sie wollte ins Bett kriechen und einen ganzen Tag schlafen. Wieso war es so erschöpfend, mit seinem Hintern in einem Auto zu sitzen? Gähnend ging sie in die Küche, stellte die Lebensmittel hin, die sie mitgebracht hatte, und begann sie einzuräumen.

Es dauerte einen langen Moment, bis sie registrierte, dass sich in dem Kühlschrank schon Lebensmittel befanden. Und auf dem Tresen. Thea runzelte die Stirn. Hatte Ted, der Eigentümer der Hütte, nicht nach den vorherigen Gästen aufgeräumt? Wenn man bedachte, dass sie eine Kaution hatte hinterlegen müssen, falls sie die Hütte zumüllte, erschien ihr das kaum fair.

Sie rümpfte die Nase, als sie sah, dass wer auch immer überall auf dem Tresen Brotkrümel hinterlassen hatte. Und war das Fleisch aus dem Feinkostladen da im Kühlschrank? Eklig. Sie warf es in den Mülleimer, zusammen mit Käse, Mayo und allem anderen, das sie nie, niemals aß. Und tschüss.

Nachdem sie ihre Lebensmittel verstaut hatte, wanderte sie ins Wohnzimmer. Endlich fand sie einen Lichtschalter, und als sie ihn drückte, sah sie auf dem Beistelltisch Bücher liegen. Sie runzelte die Stirn. Lauter langweilige Sachbücher über Wirtschaft, die nach einer schrecklichen Wahl für irgendwelche Gäste klangen. Oder der letzte Typ war der langweiligste Mensch aller Zeiten und hatte sie hier zurückgelassen.

In diesem Augenblick entdeckte sie die Stiefel neben der Haustür und erstarrte. Sie waren riesig im Vergleich zu ihren, also gehörten sie offensichtlich einem Mann. Thea ging in die Hocke, um die Schuhe zu begutachten, und ihr gefror das Blut in den Adern, als sie den Schlamm an den Stiefeln berührte und erkannte, dass er noch nass war. Wenn der Schlamm noch nass war, dann war der Träger erst kürzlich noch draußen gewesen. Und wenn der Träger sie innerhalb der letzten Stunden oder so hier hingestellt hatte …

Sie unterdrückte einen Schrei, als sie oben Schritte hörte.

O Gott, was soll das denn? Wer sollte denn hier draußen mitten im Nichts sein?

Theas Gedanken wirbelten durcheinander, und ihr Herz hämmerte so schnell, dass ihr ganz schwindlig wurde. Was, wenn ein Serienkiller hierhergekommen war, um sie zu töten? Aber wieso sollte er dann seine dummen Stiefel genau da stehen lassen, wo sie sie sehen konnte? Vielleicht weiß er, dass das keine Rolle spielt, sobald er mir die Kehle aufschlitzt.

Unbewusst war sie zurück in die Küche geschlichen, als sie oben an der Treppe Schritte hörte. Ihr schlug das Herz bis zum Hals. Wenn sie zur Tür hinausrannte, würde er sie hören, und wenn er sie zu fassen bekam …

Sie huschte, so schnell und leise sie konnte, los und schnappte sich ein Fleischermesser aus dem Messerblock in der Küche, bevor sie sich in der Speisekammer versteckte. Ihre einzige Hoffnung war, dass der Eindringling nicht ihre Sachen überall bemerkte. Oder allermindestens nicht auf die Idee kam, die Tür zur Speisekammer zu öffnen.

Thea hielt den Atem an, als in der Küche das Licht anging. Sie hörte, wie die Kühlschranktür geöffnet wurde, und dann brummte der Eindringling etwas vor sich hin. Sie runzelte die Stirn. Wieso kramte er im Kühlschrank herum?

»Was zur Hölle soll das?«, erklang eine Männerstimme.

Thea hörte, wie seine Schritte sich ins Wohnzimmer entfernten, doch zu ihrem Entsetzen kehrten sie in die Küche zurück. Sie umklammerte das Messer. Zwar könnte sie den Notruf wählen, aber sie war so weit von jeder Zivilisation entfernt, dass sie längst tot wäre und ihre Leiche im nahe gelegenen Bach läge, bis die Cops auftauchten.

O Gott, das sollte doch ein entspannender Urlaub sein!

Als die Tür zur Speisekammer schwungvoll geöffnet wurde, schrie Thea auf und stürzte sich auf den Eindringling. Er brüllte überrascht auf und stieß sie von sich, bevor er sie packte. Das Messer fiel klappernd zu Boden. Der Eindringling hielt sie fest, und sie blickte auf, in die Augen des Mannes, der sie umbringen würde.

Und als sie ihn erkannte, war sie so geschockt, dass ihr die Stimme wegblieb.

Es war Anthony Bertram.

Sie starrte ihn an, und ihr Mund ging auf und zu, als wäre sie ein Fisch. Wie ein böses Raubtier sah er sie stirnrunzelnd an. Er war um einiges größer als sie, da sie ihm nur bis zur Schulter reichte. Sein Griff war fest, fast schmerzhaft, doch sie spürte ihn kaum. War das hier eine Art bizarrer Alptraum? Hatte er herausgefunden, was sie getan hatte, und beschlossen, sie selbst umzubringen? Aber wieso dazu hier rausfahren? Ihre Gedanken rasten, und sie fing zu zittern an.

»Was zur Hölle machen Sie hier?«, wollte Anthony mit einer Stimme wie Donner wissen. Thea zuckte zusammen. Er fuhr fort: »Wieso verstecken Sie sich in der gottverdammten Speisekammer? Und noch wichtiger: Wer sind Sie?«

Wenn er sie umbringen wollte, hätte er es schon getan. Thea wurde klar, dass sie nicht wirklich in Gefahr war, holte Luft und versuchte die Worte zu finden, um alles zu erklären.

Und dann, zu ihrer beider Überraschung, fing sie zu lachen an.

Anthony ließ sie los, als hätte sie ihm Säure entgegengeschleudert. Thea lachte weiter. Ihr war klar, dass sie sich wie eine Irre anhörte, aber das war ihr egal. Das Ganze war so lächerlich, und sie war so auf Adrenalin, dass Lachen das Einzige war, womit sie sich wieder beruhigen konnte.

Anthony starrte sie nur an, und dadurch musste sie nur noch mehr lachen.

»O mein Gott«, konnte sie nur immer wieder japsen. »O mein Gott, Sie haben mich zu Tode erschreckt.«

»Ich habe Sie zu Tode erschreckt?« Er warf ihr einen ungläubigen Blick zu. »Was zur Hölle machen Sie hier? Ich habe diese Hütte für mich gemietet, und zwar nur für mich. Sind Sie obdachlos?«

Auf die Frage hin erstarb Theas Lachen. Sie trug eine alte Jogginghose und ihr Haar brauchte eine Wäsche, aber sie sah wohl kaum nach obdachlos aus.

»Sie haben diese Hütte gemietet? Ich denke, da haben Sie einen Fehler gemacht. Ich habe diese Hütte für zwei Wochen gemietet. Also sind Sie hier der Eindringling«, sagte sie.

Anthony schüttelte den Kopf und biss die Zähne zusammen. Sie konnte nicht umhin zu bemerken, dass ihr Erzfeind in persona sogar noch besser aussah. Sein Kinn war quasi wie aus Marmor gemeißelt und sein Haar so dunkel wie die Nacht draußen. Auch seine Augen waren dunkel, obwohl Thea goldene Sprenkel darin erkannte, wenn sie genauer hinsah.

Nicht, dass sie genauer hinsah. Auf keinen Fall.

Und dann fiel ihr auf, dass er nur Boxershorts trug. Sie hatte solche Angst gehabt, dass ihr gar nicht aufgefallen war, dass er fast ganz nackt war. Ihr Gesicht wurde heiß, als sie seinen muskulösen Oberkörper, den festen Bauch und die Brustmuskeln erfasste. Dunkle Haare bedeckten seinen Oberkörper, von denen noch mehr direkt nach unten in den Bund seiner Boxershorts führten.

Sie schluckte, und ihr Mund wurde trocken.

Als hätte er bemerkt, dass sie ihn anglotzte, verschränkte Anthony die Arme und zog eine dunkle Augenbraue hoch. »Wer. Zum. Teufel. Sind. Sie?«, fragte er langsam und musterte sie von oben bis unten. »Wenn Sie nicht obdachlos sind, wieso zum Teufel sind Sie dann in meiner Hütte?«

Thea seufzte. Der langsam versiegende Adrenalinrausch ließ sie zittrig werden, und es fiel ihr schwer, alles zusammenzubekommen. Und dass sie nicht wusste, ob sie Anthony ihren Namen nennen sollte, war dabei nicht hilfreich. Was, wenn er genau wusste, wer diese Aktion gegen sein Unternehmen gestartet hatte?

Sie hatte keine Ahnung, woher man das wissen sollte – sie und Mittens waren vorsichtig gewesen –, aber Anthony hatte Kontakte und Geld. Das allein sollte sie schon skeptisch machen. Andererseits, wenn er Bescheid wüsste, hätte er ihr schon seine Anwälte auf den Hals gehetzt.

Sein wütender Blick verriet ihr, dass er nicht vorhatte, ihr Schweigen hinzunehmen. Also beschloss sie, bei der Wahrheit zu bleiben, und sagte: »Mein Name ist Thea. Und wer sind Sie?« Offensichtlich wusste sie ja, wer er war, aber sie würde ihm nicht die Befriedigung bieten, dass sie ihn erkannte.

»Anthony Bertram. Und jetzt zu meiner nächsten Frage …« Er ging zum Kühlschrank und öffnete ihn. »Wo zur Hölle ist mein ganzes Essen hin?«

Anthony war nach unten gekommen, um sich einen Mitternachtssnack zu gönnen, weil er nicht schlafen konnte – und dann hatte er eine verdammte Irre in der Küche vorgefunden. Er war immer noch nicht ganz überzeugt, dass sie ihn nicht abstechen würde. Aber wenn man bedachte, dass sie quasi nur halb so groß war wie er und ihn nicht noch ein zweites Mal zu erstechen versucht hatte, hatte er das Gefühl, dass sie ebenso überrascht war wie er.

Das Messer auf dem Boden glänzte. Er hob es auf und warf Thea einen ironischen Blick zu. Dann steckte er es zurück in den Messerblock und deutete noch einmal auf den Kühlschrank. »Was ist mit meinem Essen passiert?«, fragte er wieder. Denn mal im Ernst, er war nach unten gekommen, um etwas zu essen, und alle seine Lebensmittel waren weg. Hatte sie alles aufgegessen, während er oben gewesen war?

Sie sagte: »Deswegen machen Sie sich hier Sorgen? Um Ihr Feinkostfleisch, das voller Natrium ist und irgendwann Ihr Herz zum Platzen bringt?«

O Gott, sie war eine von denen. Stöhnend schloss er den Kühlschrank. Ihm war ohnehin der Appetit vergangen. Er musste diese Frau aus der Hütte kriegen. Und zwar sofort.

Sie war verrückt, ja, doch als sie sich auf ihn gestürzt hatte, hatte er gespürt, dass sie eine angenehme Armvoll weiblicher Rundungen war. Sie war nicht im Geringsten sein Typ: zu kurzes Haar, einen Ring in der Nasenscheidewand, und den ganzen rechten Arm hinauf Tattoos. Außerdem war sie unerträglich klein. Er bevorzugte Frauen, die so groß waren, dass er keine Nackenschmerzen beim Küssen bekam.

Nicht, dass er sie überhaupt küssen wollte. Er küsste keine Verrückte.

Er war heute zur Hütte gefahren und hatte sich darauf gefreut, die nächsten zwei Wochen allein zu sein. Mitten in dem PR-Fiasko hatte er seine Reservierung ganz vergessen, bis Cara ihn daran erinnert hatte. Er hatte überlegt, zu stornieren, aber er wollte Bruce und dem übrigen Vorstand nicht die Befriedigung bieten. Bruce würde es als Schwäche ansehen und denken, er hätte Anthony zugesetzt.

Außerdem würde Anthony sowieso arbeiten – das ließ sich nicht vermeiden –, und er hatte sichergestellt, dass die von ihm gewählte Hütte über zuverlässiges WLAN verfügte. Dazu war Cara nur einen Anruf entfernt, und wenn alles andere scheiterte, konnte er innerhalb von drei Stunden zurück in Seattle sein.

Er lehnte sich an den Küchentresen und verschränkte die Arme. »Wie wäre es, wenn Sie mal erklären, wieso Sie hier sind?«, fragte er. Zuerst musste er sich um diese Frau kümmern.

»Weil ich die Hütte für zwei Wochen gemietet habe.« Ihr Gesichtsausdruck wurde stur. »Also, wieso sind Sie hier?«

Er holte sein Handy heraus und rief die Mail von Ted auf, die seine Reservierung bestätigte. »Sie müssen das Datum verwechselt haben.« Er zeigte ihr die Mail.

Doch zu seiner Bestürzung holte sie ihr eigenes Handy heraus – das Display hatte einen Sprung, so dass er es kaum ablesen konnte –, aber er sah, dass sie dieselbe Mail erhalten hatte. Hier Ihre Bestätigung für die Peaceful-Waters-Hütte in Mighty Pine, für den dritten bis siebzehnten April. Genau derselbe Zeitraum wie in seiner eigenen Bestätigungsmail.

Er warf ihr das Handy zu. »Dann hat es hier eine Verwechslung gegeben. Ich rufe Ted morgen früh an und sorge dafür, dass Sie eine Rückerstattung erhalten.« Am liebsten wollte er Ted den Hals umdrehen. Wie hatte er das zulassen können? Wer buchte denn zwei Fremde gleichzeitig ein?

»Wieso sollte ich gehen?«, konterte Thea. Sie spiegelte Anthonys Haltung, indem sie ebenfalls die Arme verschränkte – was nur ihre kleinen Brüste betonte. Er beschloss, das zu ignorieren. »Ich habe ebenso sehr ein Recht, hierzubleiben, wie Sie. Außerdem sind Sie reich. Sie können überall hin. Ich habe für diese Reise sparen müssen, aber ich bin sicher, für Sie ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein.«

»Wer sagt, dass ich reich bin?«, fragte er, obwohl das absolut wahr war.

»Weil Sie das Gesicht eines reichen Mistkerls haben, und Sie tragen eine teure Armbanduhr. Ziemlich leicht, sich den Rest zusammenzureimen.«

»Dann werde ich etwas dagegen unternehmen müssen, dass ich so offensichtlich zu durchschauen bin.«

Er rief Cara an. Er musste die Sache geklärt bekommen. Cara war daran gewöhnt, zu jeder Tages- und Nachtzeit Anrufe zu bekommen. Wenn irgendwer dieser Verrückten ein Hotelzimmer buchen oder eine neue Hütte für sie finden konnte, dann sie.

»Was machen Sie da?«, wollte Thea wissen.

Anthony ignorierte sie.

»Cara, hier gibt es eine Situation. Sie müssen mir ein Hotelzimmer für heute Nacht suchen. Irgendwo in der Nähe der Hütte. Ja, für heute Nacht. Nein, es ist nicht für mich …«

Bevor er Caras Antwort hören konnte, nahm Thea ihm das Handy aus der Hand und beendete den Anruf. Anthony starrte sie an, und immenser Ärger stieg in ihm auf.

»Geben Sie mir mein Telefon wieder«, sagte er in demselben Tonfall, den er benutzte, wenn er nur zehn Sekunden davon entfernt war, jemanden fertigzumachen. Demselben Tonfall, der Leute zum Zittern brachte. Mit diesem speziellen Tonfall hatte er schon so einige Praktikantinnen zum Weinen gebracht.

Thea jedoch sah nicht so aus, als würde sie gleich in Tränen ausbrechen. Sie reckte nur trotzig das Kinn.

Er ragte über ihr auf und drängte sie langsam rückwärts, bis sie an die Wand prallte. So nahe konnte er sie riechen – irgendetwas Zitrusartiges, aber auch würzig –, und er sah, dass ihre Augen ein dunkles Graugrün hatten. Er war ihr so nahe, dass nur wenige Zentimeter sie noch trennten.

Sie hatte die Hände hinter den Rücken geschoben und umklammerte weiter sein Handy.

»Ich gehe nicht«, konstatierte sie demonstrativ mutig. »Ich habe ebenso sehr ein Recht darauf, hier zu sein, wie Sie. Ich habe für meine Reservierung bezahlt. Und ich lasse mir von Ihnen nicht meinen Urlaub verderben.«

Anthony lächelte, aber darin lag kein Humor. »Mir ist absolut egal, wofür Sie bezahlt haben. Mir ist egal, ob Sie die gottverdammte Königin von England sind. Ich wollte allein in dieser Hütte sein, und ich habe nicht vor, mir das von irgendeiner irren Hippiefrau ruinieren zu lassen.«

Thea schäumte. »Ich bin nicht irre.«

»Sie haben versucht, mich zu erstechen.«

»Ich dachte, Sie wollten mich umbringen!«

»Im Augenblick denke ich ernsthaft darüber nach.«

Thea gab keinen Zollbreit nach, und Anthony war unwillkürlich beeindruckt. Die meisten Frauen hätten schon längst zu heulen angefangen. Elise ganz bestimmt. Sie benutzte Tränen wie ein Soldat seine Knarre, und sie konnte sie zum passendsten Zeitpunkt einsetzen, um zu bekommen, was sie wollte.

Er streckte die Hand nach seinem Handy aus, aber Thea schob es höher ihren Rücken hinauf. Er würde sie umdrehen und es ihr aus den Händen winden müssen, doch das bedeutete, dass er sie noch einmal anfassen müsste. Er wollte sie kein zweites Mal anfassen.

»Geben. Sie. Mir. Mein. Handy. Wieder«, forderte Anthony mit zusammengebissenen Zähnen.

»Nur wenn Sie versprechen, mich nicht rauszuwerfen.«

»Nein.«

»Dann bleiben wir die ganze Nacht hier.«

Er stützte die Hand über ihrem Kopf an die Wand und sperrte sie damit ein. Ihr Brustkorb hob und senkte sich sichtbar, und er konnte sehen, dass sie nicht so ruhig war, wie sie ihn glauben machen wollte.

»Ich habe alle Zeit der Welt«, meinte er leise. »Und ich verliere nie.«