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Tim ist zehn Jahre alt. Er ist etwas übergewichtig und hat nur wenige Freunde. Vier Jungen aus seiner Klasse hänseln und bedrohen ihn regelmäßig. Nachts hat Tim immer denselben Albtraum. Ein schwarzes Viech verfolgt ihn in einer dunklen Gasse. Durch einen Zufall kommt Tim mit dem Traumzauberer Sapulius in Kontakt. Der zeigt ihm nützliche Tricks, wie man böse Träume besiegt, in dem man die Kontrolle über die Handlung gewinnt. Das hilft Tim am Ende nicht nur gegen das Viech im Traum. Mit diesem Buch soll Kindern auf anschauliche Weise ein Weg gezeigt werden, mit Alpträumen umzugehen, damit Hilflosigkeit und das Ausgeliefertsein im Traum nicht zur Belastung werden müssen.
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Seitenzahl: 41
Veröffentlichungsjahr: 2018
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Als Tim an diesem Tag zur Schule geht, hat er wieder mal ein ungutes Gefühl im Magen. Er ist spät dran. Würden sie wieder da sein und auf ihn warten? Langsam schlurft er die enge Straße entlang und malt sich aus, wie es heute passieren würde.
Kaum war Tim um Ecke gebogen, sieht er sie schon unter dem gelben Schild des Kiosks stehen. Philipp, Noah, Leon und Lennart albern herum und versuchen, sich gegenseitig eine kleine leere Flasche durch die Beine zu schießen. Sie sehen ihn sofort. Enttäuscht blickt Tim zu Boden. Hat er doch irgendwie gehofft, heute mal an ihnen vorbei zu kommen.
„Hey, du Fettkloß“, begrüßt ihn Leon. Die anderen lachen. Tim sieht nicht zu ihm auf und versucht, einfach an den Jungs vorbei zu gehen. Die vier lassen ihn jedoch nicht so einfach ziehen. Noah rempelt ihn so hart von der Seite an, dass Tims schwerer Rucksack von der Schulter rutscht und auf das Pflaster knallt. Es ist ein dumpfes Klirren zu hören. Das war dann wohl die Flasche mit dem selbstgemachten Himbeersirup seiner Mutter, die er nach der Schule noch bei Tante Ulla vorbeibringen sollte. Die anderen lachen wieder, außer Lennart.
Schnell nimmt Tim den Rucksack wieder auf und will weiter gehen, da stellt sich ihm Philipp in den Weg. Er ist der Stärkste von den Vieren. Wo Leon eher eine große Klappe hat, haut Philipp lieber gleich drauf. Vor ihm hat Tim am meisten Angst.
„Lass mich vorbei“, sagt Tim leise, ohne Philipp direkt anzusehen. Der lächelt nur und sagt: „Gib mir fünf Euro, dann kannste gehen!“ Tim hat keine fünf Euro, und selbst wenn er sie hätte, würde er sie Philipp bestimmt nicht geben. Er spart schon so lange für ein neues Konsolenspiel.
Zum Glück hört man schon von hier aus die Schulglocke und alle wissen, was ihnen blüht, würden sie auch nur eine weitere Minute zu spät kommen. Frau Weiland würde ihnen eine dicke Extrahausaufgabe aufbrummen. „Für heute haste noch mal Glück, Fettkloß“, brüllt Philipp, als der mit Leon, Noah und Lennart sofort Richtung Schulgebäude davon rennt.
Von hier aus sind es nur noch ein paar Meter. Tim kommt nur schleppend voran. Zum einen trägt er viel mehr Kilos mit sich herum und zum anderen ist sein Rucksack heute ganz besonders schwer. Außerdem ergießt sich langsam aber sicher eine rötlich klebrige Flüssigkeit aus einer Ecke seines Rucksacks. Den Himbeersirup kann Tante Ulla jetzt wohl vergessen. Hoffentlich hat das neue Mathebuch nicht zu viel abbekommen.
Der Tag schleicht so dahin. Wie die meisten Tage in Tims Leben. Jetzt terrorisieren diese Irren ihn schon seit vier Wochen. „Haben die nichts Besseres zu tun?“, fragt er sich, als er abends in seinem Bett liegt. Obwohl Tim sehr müde ist, kann er nicht einschlafen. Oder besser gesagt, er will nicht einschlafen. Denn wenn er einschläft, besteht die Gefahr, dass wieder dieser Traum kommt.
Dieser eine Traum kommt oft. Fast jede Nacht. Und jedes Mal wacht Tim danach schweißnass auf und ist völlig verängstigt. Nachdem Tim sich noch ein paar Seiten aus seinem Vokabelheft angesehen hat, was dringend nötig war, siegt die Müdigkeit doch irgendwann. Nach so einem miesen Tag konnte es nicht anders kommen und Tim findet sich nach einer unruhigen Einschlafphase schnell auf der ihm bereits bekannten Straße wieder.
Sie sieht aus wie die Sternstraße auf dem Weg zur Schule, nur noch enger und düsterer. Dort, wo sie immer auf ihn warten. Tim erkennt das Schild am Kiosk. Aber jetzt ist es nicht gelb, sondern schwarzweiß. Es ist niemand auf der Straße zu sehen. Er ist allein. Aber eben nicht ganz allein. Es ist hier auch irgendwo.
Tim kann es noch nicht sehen, aber er spürt seine Anwesenheit bedrohlich im Rücken. Gleich wird er wieder rennen müssen, was er am wenigsten gut kann. Tim dreht sich vorsichtig um und da steht es. Groß und schwarz, mit riesigen fletschenden Zähnen. Dieses Viech verfolgt Tim jetzt schon seit Wochen in jedem seiner Träume.
Eigentlich ist es immer dasselbe. Tim rennt die Straße entlang. Er weiß, dass es hinter ihm lauert und ihn verfolgt. Tim wird immer langsamer. Es scheint, als käme er nicht von der Stelle. Dieses schwarze Viech ist ihm dicht auf den Fersen. Es kommt immer näher. Tim hört sein schnelles Atmen direkt hinter sich. Dieses Geräusch treibt ihm eine Gänsehaut auf Arme und Beine. Er will schneller rennen, aber seine Füße kleben mit einer zähen klebrigen Masse am Boden fest. Er kann sie kaum heben. Mit aller Kraft versucht Tim, sich nach vorne zu schmeißen, aber vergeblich. Gleich wird dieses Monster ihn erwischen. Sein Herz klopft ihm bis in den Kopf, dann wird alles ganz heiß. Um ihn herum ist es auf einmal schwarz.
