Titanic - Maja Nielsen - E-Book

Titanic E-Book

Maja Nielsen

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Beschreibung

Über 100 Jahre ist es her, dass die Titanic unterging und mehr als 1000 Menschen in den Tod riss. Auch heute noch bewegt die wohl berühmteste Katastrophe in der Geschichte der Seefahrt uns in besonderer Weise. Welche dramatischen Umstände führten zum Untergang des schwimmenden Grandhotels? Maja Nielsen erzählt in diesem Band packend, was in der Nacht des 14. April 1912 geschah. Und sie berichtet - unterstützt von dem Meeresforscher Jean-Louis Michel -, wie es gelang, das legendäre Schiff, das jahrzehntelang verschollen war, schließlich doch zu finden. Hier berichtet der Franzose zum ersten Mal von der spannenden Suche und dem ergreifenden Moment, als die Titanic im Dunkel des Meeres vor dem Expeditionsteam auftauchte.

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Seitenzahl: 70

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Maja Nielsenkam durch ihre Söhne zum Schreiben spannender Abenteuergeschichten. Viele davon sind als Bücher und Hörbücher erschienen oder wurden als Hörspiele und Reportagen im Rundfunk gesendet. Für die Bücher der Reihe Abenteuer! stehen ihr Experten der jeweiligen Sachgebiete zur Seite.

Wissenschaftliche Beratung dieses Bandes: Günter Bäbler und Jean-Louis Michel

Günter Bäblerinteressiert sich seit seiner Kindheit für die Titanic und hat in über 40 Jahren eines der größten Titanic-Archive der Welt zusammengetragen. Er veröffentlichte mehrere Bücher über das berühmte Schiff und arbeitete als historischer Berater für diverse Titanic-Ausstellungen. Zweimal war er auf Expeditionen zur Titanic mit dabei. Seit 1998 ist er Präsident des Titanic-Vereins Schweiz. Der Verein gibt die Titanic Post heraus, ein Magazin mit Artikeln rund um die Titanic. Das Heft zählt zu den meistbeachteten Fachpublikationen der Welt. Weitere Informationen unter www.titanicverein.ch

Jean-Louis Michelhat Ingenieurswissenschaften studiert und arbeitete beim französischen Meeresforschungsinstitut IFREMER. Er entwickelte zahlreiche Geräte zur Erforschung der Meere, darunter auch optische Geräte, mit denen es 1985 gelang, das Wrack der Titanic zu finden.

Copyright 2024 Gerstenberg Verlag, Hildesheim

Alle Rechte vorbehalten.

Illustrationen: Magdalene Krumbeck, Wuppertal

Cover: © 2024 iStockphoto LP

Der Gerstenberg Verlag behält sich die Nutzung seiner Inhalte für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG ausdrücklich vor.

www.gerstenberg-verlag.de

ISBN E-Book: 978-3-8369-9228-2

Inhalt

Passagierschiffe

1. Die Königin des Ozeans

2. Der Eisberg

3. SOS

4. Der Untergang

5. Die Rettung

6. Die Suche nach dem Wrack

7. Der Fund

Chronik

Museen

Buch- und Hörbuchtipps

Filmtipps

Webtipps

Passagierschiffe

Heute fliegen täglichviele Dutzend Flugzeuge im Linienverkehr zwischen Europa und Amerika hin und her. Vor hundert Jahren war das noch ganz anders: Wer den „großen Teich“ überqueren wollte, tat das an Bord eines Dampfschiffes. Um dem Strom der Auswanderer gerecht zu werden, die es um die Jahrhundertwende aus allen Teilen Europas in die neue Welt zog, machten sich täglich mehrere Passagierschiffe auf die Reise von Europa nach Nordamerika.

Im Jahr 1912 sind nicht nur Auswanderer an Bord der Dampfschiffe, die im Liniendienst im Überseeverkehr vor allem auf der Transatlantikroute zwischen Europa und Nordamerika hin und her fahren. Bei der feinen Gesellschaft in der Alten und der Neuen Welt ist es Mode geworden, an Bord eines Luxusliners standesgemäß den Atlantik zu überqueren. Wetteiferten die Reedereien lange Zeit darum, welches Schiff das schnellste ist, geht es inzwischen auch darum, welches Schiff den größten Komfort auf der Überfahrt bieten kann. Die White-Star-Reederei will mit ihren drei eleganten neuen Schiffen – der Olympic, der Titanic und der noch nicht vom Stapel gelaufenen Gigantic – die Konkurrenz in den Schatten stellen.

Als die Titanic am 10. April 1912 von Southampton aus zu ihrer Jungfernfahrt antritt, versetzen ihre Größe, ihre Eleganz, ihre Vollkommenheit und der verschwenderische Luxus, der den 1.-Klasse-Passagieren geboten wird, die Menschen in Staunen. Solch ein Schiff hat die Welt noch nicht gesehen! Jubelnd verabschiedet eine begeisterte Menschenmenge, die neugierig am Dock zusammengelaufen ist, die Ausfahrt des stählernen Giganten aus dem Hafen.

Doch dann passiert die Katastrophe – und die Titanic, die umjubelte Königin der Meere, wird zur traurigen Legende. Ihr Schicksal ließ die Menschen auch Jahrzehnte nach dem Unglück nicht los. Immer wieder wurde versucht, das berühmte Schiff, das in den Tiefen des Atlantiks verschwunden war, zu finden – vergebens. Erst im Jahr 1985 kommen die beiden Tiefseeforscher Jean-Louis Michel und Robert Ballard der Titanic auf die Spur …

1. Die Königin des Ozeans

Der Himmel ist voller Sterne.Sie spiegeln sich im schwarzen Wasser. Mit 22 Knoten pflügt das größte Schiff der Welt, der Atlantikdampfer Titanic, durch die klare Nacht. Eine gewaltige Entfernung kann der wachhabende Offizier Charles Lightoller von der Brücke aus überblicken. Wegen der funkelnden, sich spiegelnden Sterne ist kaum auszumachen, wo der Ozean endet, wo der Himmel beginnt. Es herrscht völlige Windstille. Die See ist glatt wie poliertes Silber.

Die Temperaturen liegen um den Gefrierpunkt. Charles Lightoller haucht sich Wärme in die eiskalten Hände. Während seiner Wache trägt er die alleinige Verantwortung für das größte Schiff der Welt. Dieses Schiff stellt alle anderen Schiffe, die er kennt, in den Schatten: Fast 40000 Tonnen Stahl sind verbaut worden. Wenn man die Titanic hochkant stellen würde, wäre sie fast so hoch wie der Eiffelturm. Sie ist das größte bewegliche von Menschen geschaffene Objekt ihrer Zeit.

Auf dem 269 Meter langen Schiff kann man sich regelrecht verirren. In den ersten Tagen musste auch Lightoller erst einmal herausfinden, wie man auf dem kürzesten Weg vom Squashraum auf dem untersten Deck zum verglasten Promenadendeck der 1. Klasse auf dem A-Deck und von da zum eleganten Café Parisien auf dem B-Deck der 1. Klasse im 6. Stockwerk gelangen konnte. Jede Klasse hat ihr eigenes Deck. Einfach ist es nicht, den verschachtelten Weg aus dem Bauch des Schiffes, wo sich die Kabinen der 3. Klasse befinden, aufs Bootsdeck zu finden.

2208 Menschen sind an Bord, allein 891 Mann Besatzung! Einige der reichsten Männer der Welt finden sich unter den Passagieren. Der berühmteste unter ihnen ist sicherlich John Jacob Astor, dessen Geld in zahlreichen Luxushotels steckt. Oder sind Mr und Mrs Straus womöglich noch bekannter?, fragt sich Lightoller. Sie sind die Besitzer von Macy’s, dem größten Kaufhaus der Welt. Zum Kreis der Milliardäre gehört auch Benjamin Guggenheim. Die Guggenheims beherrschen einen Großteil der weltweiten Kupferproduktion. Anstelle von seiner Frau wird Guggenheim auf der Reise von seiner bezaubernden französischen Geliebten begleitet. 4000 Pfund kosten die teuersten Luxuskabinen während der Hauptsaison. Von dem Geld könnte sich Lightoller zu Hause in Chorley ein Häuschen kaufen.

Die Mehrzahl der Passagiere reist allerdings 2. oder 3. Klasse. Hier werden nahezu alle Sprachen Europas gesprochen: Englisch, Schwedisch, Deutsch, Russisch, Italienisch, Griechisch, Norwegisch, Arabisch und noch weitere Sprachen, die Lightoller noch nie zuvor gehört hat. Viele der Familien sind Auswanderer, die in Amerika ein neues Leben beginnen wollen. Sie sind einfach, aber gut und sauber in Vier- bis Acht-Bett-Kabinen untergebracht. Dort unten im Bauch des Schiffes gibt es auch einen Speisesaal, in dem die Leute bei Tisch bedient werden – für die meisten Passagiere der 3. Klasse ein Erlebnis, das sie an Land noch nie hatten.

Der Präsident der White-Star-Reederei, Bruce Ismay, hat es sich nicht nehmen lassen, auf der Jungfernfahrt der funkelnagelneuen Titanic nach Amerika dabei zu sein. Auch der leitende Konstrukteur des Schiffes, der erst 38-jährige Ingenieur Thomas Andrews, befindet sich an Bord. Er ist technischer Direktor der Werft Harland & Wolff im irischen Belfast, die das Schiff gebaut hat. Seine Aufgabe ist es, während der Überfahrt festzustellen, welche Verbesserungen auf dem Schiff noch vorzunehmen sind. In der 1. Klasse bleiben jedoch kaum Wünsche offen: elegante Möbel, fließend Wasser, Telefone, mehrere Aufzüge und ein elektrisches Klingelsystem, mit dem die Stewards in Sekundenschnelle herbeigerufen werden können. Ein Palmenhofcafé lädt zum Träumen ein, ein türkisches Bad zur Entspannung. Der Gymnastiksaal ist mit einem mechanischen Kamel ausgestattet, auf das sich die Passagiere unter Anleitung eines Gymnastiklehrers hinaufwagen können, zudem gibt es ein Schwimmbad und einen Squashplatz. Angesichts der mehrgängigen Menüs im eleganten Speisesaal tut ein wenig Bewegung gut.

Dampfschiffe sind Lightollers Leidenschaft. Seitdem er 13 Jahre alt ist, fährt er zur See. Das Matrosenhandwerk hat er auf Segelschiffen gelernt. Er hat so ziemlich alles erlebt, was man als Seemann erleben kann, Schiffbruch inbegriffen. Er ist buchstäblich mit den Wassern aller sieben Weltmeere gewaschen. Mehr als einmal ist er dem Tod erst in letzter Sekunde von der Schippe gesprungen. Irgendwann hatte er von dem gefahrvollen Leben auf See die Nase voll und hat sein Glück an Land versucht: Beim Viehtrieb in Kanada hat er als Cowboy seine Knochen hingehalten, als Wanderarbeiter ist er kreuz und quer durch ganz Amerika getingelt. Außerdem war er beim großen Goldrausch von 1898 am Klondike dabei. Eingebracht hat ihm das alles nichts, zuletzt ist er doch wieder zur See gefahren.

Seit nunmehr zwölf Jahren fährt er für die Reederei White Star Line, darunter auch schon unter dem Kommando von Kapitän E. J. Smith – seitdem verläuft sein Leben in ruhigerem Fahrwasser.

Der große, stämmige Smith sieht mit seinem Vollbart genau so aus, wie man sich einen brummigen Seebären vorstellt. Man denkt bei dem kräftigen Kerl, dass seine Stimme wie ein Nebelhorn klingen muss. Aber Smith hat es kaum nötig, herumzubrüllen. Die Mannschaft hat auch so Respekt vor ihm.