Tochter von Frankreich - Kirsten Klein - E-Book

Tochter von Frankreich E-Book

Kirsten Klein

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Beschreibung

Wohlbehütet und fernab der Nöte ihres Volkes, verbringt Marie Thérèse Charlotte de Bourbon, die älteste Tochter Marie Antoinettes, ihre Kindheit. Nach dem Verlust ihrer Familie und über einem Jahr in Einzelhaft, soll die mittlerweile Siebzehnjährige im Austausch gegen französische Gefangene nach Wien gebracht werden. Aber dort kommt sie niemals an, denn das Schicksal hat anderes mit ihr vor. "Tochter von Frankreich – Das Geheimnis der Dunkelgräfin" schildert den Lebensweg von Frankreichs letzter Prinzessin Marie Thérèse, wie er auch hätte verlaufen können – als Geschichte eines außergewöhnlichen Lebens und einer nicht minder außergewöhnlichen Liebe zur Zeit der französischen Revolution.

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Seitenzahl: 476

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Kirsten Klein

Tochter von Frankreich

Das Geheimnis der Dunkelgräfin

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Widmung und Dank

Prolog

I

II

III

IV

V

VI

VII

VIII

IX

X

XI

XII

XIII

XIV

XV

XVI

XVII

XVIII

XIX

XX

XXI

XXII

XXIII

XXIV

XXV

XXVI

XXVII

XXVIII

XXIX

XXX

Impressum neobooks

Widmung und Dank

Für Olaf,

der mich zu diesem Roman inspirierte

Danksagungen

Mein ganz besonderer Dank gilt meinem lieben Freund, dem Historiker Olaf Schulze, der mich bei historisch relevanten Fragen beriet und den Roman lektorierte.

Prolog

„Da! Sie kommt, die Dunkelgräfin, sie kommt zurück!“, rief das Mädchen, ehe die Mutter ihm die Hand auf den Mund pressen konnte.

Die anderen waren seinem Blick bereits gefolgt. Einige bekreuzigten sich. Manche liefen weg, zurück in ihre Häuser, zu ihrer Arbeit, von der sie sich davongestohlen hatten, aber die meisten bannte die Neugier.

So standen die Hildburghäuser also am Fuße des Schulerberges, der eigentlich nur ein Hügel war, und starrten auf die dunkel verschleierte Frau. Plötzlich, in der Ferne, war sie aufgetaucht. Zwischen den Bäumen, die keinen Schutz mehr boten und das frische Steingrab umstanden, trat sie hervor. Dabei müsste sie doch darin ruhen – die Dunkelgräfin.

Wer war diese Frau? Sie trug etwas in der Hand, doch was es war, erkannten die Schaulustigen nicht.

Ein kleiner Junge wollte es unbedingt wissen, riss sich von seiner Mutter los und rannte auf die Verschleierte zu. Nicht weit, denn zu ihr hin traute er sich nicht. Andere Kinder eiferten ihm nach, machten ein Spiel daraus, wagten sich immer ein bisschen näher heran und rannten dann schreiend zurück.

Die Erwachsenen ermahnten sie. Immerhin hatte hier kürzlich eine Beerdigung stattgefunden.

Jetzt hob die Frau ihren Blick. Brachten die Wolken den ersten Schnee mit sich oder Regen? Besonders stürmisch wurden sie heute über den Himmel geweht, immer wieder durchbrochen von Sonnenstrahlen. Einer traf das Steingrab.

Näher trat die Frau heran, und ein wehmütiges Lächeln umspielte ihre grau verschleierten Lippen. Ihr Blick fiel den Hügel hinab auf die Leute, die dort standen.

Insgeheim gebot sie ihnen zu weichen, und tatsächlich, sie entfernten sich – zumindest so weit, dass die Frau auf dem Hügel sich nicht mehr von ihnen beeinträchtigt fühlte.

Langsam hob sie ihren Schleier, senkte den Blick auf den trapezförmigen Stein und drehte den Stiel der weißen Lilie in ihrer Hand, ließ sie tanzen vor ihren Augen.

Eine Träne benetzte die Blüte. Oder beschloss der Himmel zu weinen? Die Trauernde ließ sie fallen und betrachtete sie, nun hinter einem Tränenschleier – die einzige Blume auf dem Grab. Ihr, Marie Thérèse Charlotte von Frankreich, hatte van der Valck, der Dunkelgraf, es offenbar vorbehalten, das Grab damit zu schmücken.

Sie ließ den Schleier vors Gesicht fallen und sah auf. Doch ihr Blick wich nach innen, fort von diesem 1837, in dem sie sich dem Ende ihres sechsten Lebensjahrzehntes näherte.

I

Verborgen zwischen den Falten des Vorhangs am Bett ihrer Mutter Marie Antoinette, lauschte die achtjährige Marie Thérèse den Worten des Leibarztes. Dabei waren diese Worte an ihren Vater, König Louis XVI., gerichtet. Alles konnte Marie Thérèse nicht verstehen, denn immer wieder stöhnte und schrie die Mutter vor Schmerzen. Wie krank mochte sie wohl sein? Sie würde doch nicht etwa sterben?

Aus Angst um sie hatte Marie Thérèse sich hier versteckt. Nein, sie konnte ihre Mutter jetzt nicht alleine lassen, verkrampfte ihre schweißnassen Finger in den Vorhangstoff und presste ihren Rücken gegen das prachtvolle Blütenrankenmuster der Brokatpaneele an der Wand. Wenn sie nur artig wäre, bei ihr bliebe und den lieben Gott inbrünstig darum bäte, dann würde er ihr die Mutter nicht fortnehmen. So hoffte Marie Thérèse.

Ob es vielleicht etwas mit dem zornigen Volk zu tun hatte, dass es der Königin so schlecht ging? Jedenfalls sprachen Vater und Leibarzt darüber, soviel verstand das Kind. Es verstand überhaupt viel mehr, als sie Erwachsenen glaubten. Die sprachen oft achtlos in Gegenwart der Kinder über die politische und wirtschaftliche Lage Frankreichs, über den Unmut des Volkes, seinen Zorn auf die Monarchen. Angstvoll und auch wütend schnappte Marie Thérèse solche Worte auf. Wie konnte das Volk denn ihrer Mutter zürnen, ausgerechnet ihr, die den Armen doch so viel gab, die Bälle für Kinder veranstaltete und sogar die Bürgerlichen dazu einlud? Das Volk sollte Kuchen essen statt Brot, sollte die Mutter einmal gesagt haben. Marie Thérèse konnte darüber nicht genug staunen. Kuchen für die Armen. So großzügig war die Mutter. Marie Thérèse mochte Kuchen allemal lieber als Brot.

Allein bei dem Gedanken daran knurrte ihr der Magen, so laut, dass sie fürchtete, er könnte sie verraten. Doch schon im nächsten Moment dachte sie nicht mehr an Kuchen und Magenknurren. Was hatte der Arzt eben gerufen? Es kommt! Was kam? Sehen konnte Marie Thérèse kaum etwas durch den dicken, mit goldenen Stickereien durchwirkten Brokat des in grün und rosé gemusterten Vorhangs, nur schemenhafte Bewegungen des Mannes. Der beugte sich nun wieder über ihre Mutter. Vor Schmerzen wand sich ihr Leib. „Ich sehe den Kopf.“

Fast hätte Marie Thérèse alle Vorsicht vergessen und am Vorhang vorbei gespickt. Wovon sprach der Arzt? Wessen Kopf sah er? Auch der Vater schien vor Neugier zu platzen. „Was ist es?“, hörte Marie Thérèse ihn fragen. Der Arzt antwortete nicht. Stattdessen schrie die Mutter wieder, so laut, wie das Kind hinterm Vorhang sie noch nie hatte schreien hören. Erschrocken hielt es sich die Hand vor den Mund. Zu spät. Der Schrei war ihm bereits entwichen. Marie Thérèse starrte entgeistert in das Gesicht ihres Vaters, der ihr mit einer Bewegung seiner großen Hand den Vorhang entrissen hatte. Ihre Lippen bebten, brachten das „verzeiht Vater“ nicht heraus. Auch Louis XVI. fand vor Überraschung keine Worte, schob seine Tochter an der vergoldeten Balustrade entlang, welche das Bett vom übrigen Raum abgrenzte, zur Tür. Sie rannte hinaus, blieb aber hinter der angelehnten Tür stehen und presste ein Ohr dagegen. Ein schwaches, dünnes Stimmchen drang zu ihr. War das möglich? Jetzt begriff Marie Thérèse. Sie hatte ein Geschwisterchen bekommen. Wie schön und wie ärgerlich zugleich! Endlich hätte sie sehen können, woher die kleinen Kinder kamen, und was war? Sie hatte alles verpatzt! War es vom Himmel herabgeschwebt, vielleicht durchs Fenster? Das stand offen. Marie Thérèse hatte es beim Hinauseilen genau gesehen, schon zuvor den Luftzug gefühlt. Aber warum musste ihre Mutter so furchtbar schreien?

Plötzlich erinnerte sich das Mädchen an ein Gespräch zwischen zwei Hofdamen, das sie vor einiger Zeit belauscht hatte. Da erzählte doch eine der anderen, bei der ersten Niederkunft sei die Luft im Raum durch die vielen Leute so schlecht gewesen, dass die Königin ohnmächtig geworden sei. Deshalb hätte der König beim nächsten Mal keine Anwesenden mehr geduldet, außer ihm und dem Leibarzt.

Wie auch immer, reimte sich Marie Thérèse zusammen, es musste sehr anstrengend sein, ein Kind zu bekommen, zumindest für die Mutter. Noch immer stand das Mädchen hinter der Tür und lauschte. Nur die Stimmen der beiden Männer waren zu hören. Sie klangen aufgeregt, aber was sie berieten, konnte Marie Thérèse nicht verstehen. Ob die Mutter wieder in Ohnmacht gefallen war, trotz des offenen Fensters und des leeren Raumes. Nun, sie, Marie Thérèse, war ja noch drin gewesen. Aber sie konnte ihrer Mutter nicht viel Luft genommen haben, hatte ja fast nicht zu atmen gewagt.

Das Mädchen fieberte vor Aufregung. Hier durfte sie nicht stehen bleiben, wenn sie nicht wieder ertappt werden wollte, aber sie musste wissen, wie es ihrer Mutter ging. Maman Mackau, die Untergouvernante, ja, die sollte nach ihrem Befinden fragen.

So schnell ihr weites, langes Kleid es zuließ, eilte Marie Thérèse durch die Privaträume der Königin und erreichte eben die Treppe, die zu den Räumen unterhalb der Spiegelgalerie führte, als ihr die Gesuchte, Baronin Marie-Angélique de Mackau, auch schon entgegenkam. Unterstützt durch das elegante, dunkle Gewand, welches die Würde ihrer fortgeschrittenen Jahre betonte, und die hochgesteckte Frisur, verriet ihr energischer Schritt Ärger, noch bevor das Mädchen ihn von den Gesichtszügen ablesen konnte. Es verharrte.

Frau von Mackau hatte sie gesucht, natürlich. Es war Anfang Juli und draußen fast dunkel, also Schlafenszeit. Doch Marie Thérèse wehrte jeden Anflug von Schuldgefühl ab wie eine lästige Fliege, reckte das Kinn und sah ihrer Gouvernante standesbewusst entgegen. „Verzeihen Sie, Maman Mackau, wenn ich mich verspätet habe, aber ich muss dringend zu meiner Mutter. Bitte melden Sie mich bei ihr.“ Noch während sie sprach, bereute Marie Thérèse ihren hochmütigen Ton. Frau von Mackau gehörte nicht zu jenen, die sich von einer Achtjährigen, und sei sie auch Frankreichs Dauphine, verunsichern ließ. Sie nahm das Mädchen an der Hand und führte es die Treppe hinab. Die Kleine folgte zwar, warf aber laufend Blicke zurück, so dass sie zu stolpern drohte. Da nahm die Erzieherin ihren Kopf in beide Hände und sah ihr eindringlich ins Gesicht. „Die Königin muss jetzt für Ihr Geschwisterchen da sein, Madame Royale.“

Ungläubig und entrüstet zugleich weiteten sich die Kinderaugen. „Sie wussten davon?“

Anstelle einer Antwort zog Frau von Mackau die Prinzessin mit sich fort und lächelte amüsiert. Hochnäsiges Geschöpfchen, diese kleine Madame Royale, dachte sie bei sich. Übt sich frühzeitig im Regieren und Kontrollieren.

Noch während sie in ihrem Schlafgemach entkleidet wurde, rang Marie Thérèse innerlich mit ihrer Empörung. Alle schienen von diesem wichtigen Ereignis gewusst zu haben, nur ihr hatte man es vorenthalten. „Und mein Bruder?“

„Der Dauphin schläft schon lange“, antwortete die Gouvernante.

Marie Thérèse wusste, sie würde nicht einschlafen können, nicht, bevor sie erfuhr, wie es ihrer Mutter ging. Dennoch konnte sie sich erst zu ihrer Bitte überwinden, als die Erzieherin das Zimmer verlassen wollte. „Maman Mackau...“

Die Angerufene blieb im Türrahmen stehen und wandte sich zu ihrem Zögling um.

„Bitte sagen Sie mir, ist meine Mutter wohlauf?“

Prüfend blickte Frau von Mackau dem Mädchen ins Gesicht. Den Hochmut, den hat sie von ihrer Mutter, dachte sie dabei wieder einmal. Und die Augen, diese ausdrucksvollen, leicht vorstehenden, blauen Augen – die, so wie jetzt, auch bitten können, wenn ihr etwas wirklich am Herzen liegt.

Bei diesen Gedanken schwand die Strenge auf dem Gesicht der Gouvernante. „Ihre königliche Hoheit ist nur etwas müde, Madame Royale – so wie Sie. Schlafen Sie gut.“ Damit zog sie die Vorhänge vors Fenster, schloss die Tür hinter sich und ließ das Kind mit seinen Gedanken allein.

Marie Thérèse wartete, bis das Klacken der hochhackigen Schuhe Frau von Mackaus auf dem Parkett verhallte. Dann schälte sie sich aus ihren seidenen Decken und tapste barfüßig zum Fenster. Beiläufig schnappte sie sich einen der gebratenen Hühnerschlegel vom Teller auf der Kommode neben dem Bett, knabberte aber nur nervös darauf herum. Sie war nicht hungrig, hatte auch kaum etwas zu Abend gegessen. Umso mehr als sonst üblich, stand nun als nächtliche Mahlzeit für sie bereit und erfüllte die stickige Luft mit dem Duft nach Fleischsuppe, Brathühnchen, hartgesottenen Eiern und einigen Flaschen Bordeaux. Marie Thérèse achtete kaum noch darauf, gehörten doch diese Dinge seit ihrem Säuglingsalter zum nächtlichen Inventar ihres Gemachs, gewissermaßen eine Art essbare Dekoration. Allmorgendlich wurden sie von den Zimmerlakaien abgeräumt und auf deren eigene Rechnung verkauft.

Die Mutter war also nur müde, laut Frau von Mackau. Das musste an dem neuen Kind liegen. Was es wohl war? Erst ein gutes Jahr zuvor, im März 1785, hatte die kleine Prinzessin ein Brüderchen bekommen. Das war plötzlich einfach da gewesen, lag in seiner Wiege wie eine lebendige Puppe.

Vorsichtig zog Marie Thérèse die Vorhänge auseinander und spickte hinaus in den Garten, der sich ab der letzten Stufe hinter der Spiegelgalerie endlos weit erstreckte. Kamen sie allein, die kleinen Kinder? Nein. Augenblicklich verwarf Marie Thérèse diesen Gedanken. Sie konnten ja nicht laufen, und Flügel wie die kleinen Putten, von denen so viele überall auf Wandmalereien und als vergoldete Figuren im Schloss herumschwebten, flogen und spielten, die hatten sie auch nicht. Sie mussten also gebracht werden. Oder – bei diesem Gedanken ließ das Mädchen vor Schreck das Hühnerbein fallen – verloren sie womöglich nach der Landung ihre Flügel?

Nein, nein, sie wurden gebracht, bestimmt wurden die Kinder gebracht, ganz sicher. Aber von wem?

Marie Thérèses Blick versuchte den Garten zu durchdringen – Bäume, Sträucher, ja, Wolken, die vom Wind getrieben wurden und sich zu bizarren grauen Figuren am schwarzblauen Himmel verzerrten. Dann fiel ihr ein, dass man offenbar im Bett liegen musste, um ein Kind zu bekommen. Immer, so erinnerte sie sich, wurde vom „Wochenbett“ gesprochen. Sie wandte sich um. Ob ihres den Ansprüchen eines solchen „Wochenbettes“ wohl genügte? Ein richtiges, lebendiges Kind, das wäre doch tausendmal schöner und interessanter als die prächtigste Puppe. Vielleicht, so überlegte Marie Thérèse, war dieses Wesen, das die kleinen Kinder brachte, noch in der Nähe und hatte noch eines für sie dabei. Mit diesem Gedanken legte sie sich zurück in ihr Bett und stellte sich schlafend.

Indem keine Reize ihre Augen mehr ablenkten, wurden ihre Ohren hellhöriger und glaubten endlich, Stimmen und Geräusche wahrzunehmen, Rascheln von Reifröcken, leises Klirren aneinander schlagender Armreifen. Ein Lufthauch, wie wehende Fächer ihn für gewöhnlich verursachen, strich über ihre Stirn. Oder war es der Flügel eines Engels? Ihn bloß nicht verscheuchen!

Marie Thérèse rührte sich nicht. Nur ihre zitternden Lider hätten einem Betrachter verraten, wie unruhig die Pupillen dahinter waren. Allmählich formten sich Worte aus dem Gewisper und Geflüster um sie herum. Ein Lächeln umspielte die Lippen des Kindes, als es zu verstehen glaubte: Du hast ein Brüderchen bekommen – ein kleines, feines Brüderchen.

Marie Thérèse schlug die Augen auf. Helles Tageslicht drang durchs Fenster, abgemildert durch die mit bunten Blüten gemusterten Vorhänge. Die Gesichter der Hofdamen ihrer Mutter beugten sich über das Mädchen, lächelten verheißungsvoll. Dazwischen erschien das Frau von Mackaus. „Aufstehen Madame Royale“, grüßte sie freundlich. „Sie haben ein Schwesterchen bekommen.“

Ungläubig erwiderte Marie Thérèse ihren Blick. „Ein Schwesterchen“, kam es schlaftrunken über ihre Lippen.

Sie hat es noch nicht begriffen, missdeutete die Gouvernante des Mädchens Erstaunen und strich ihr über die Stirn. „Ja, eine kleine Sophie – Marie Sophie Helene Beatrice.“

Stumm formten Marie Thérèses Lippen die Namen nach. Ein Schwesterchen – sie konnte es noch immer nicht glauben.

Während überall im Land sogar verunreinigtes Roggenbrot immer knapper und somit unerschwinglicher wurde und hungernde Arbeiter und Tagelöhner manch Großbauern und Kaufleute verdächtigten, Getreide zu horten, um es auf diese Weise künstlich zu verteuern, speiste man bei Hofe allerfeinstes Weißbrot. Darüber hinaus vertilgte allein Louis XVI. bereits morgens um sechs ungeheuere Mengen an Gebratenem und Gesottenem.

Abgeschirmt vom Volkszorn, der darüber brodelte und kochte, genossen Marie Thérèse und ihre Geschwister, dass sich die Mutter im Sommer des Jahres 1786 vorrangig ihnen widmete. Der tiefere Grund dafür wurzelte freilich darin, dass man an ihrer Unschuld bezüglich der so genannten „Halsbandaffäre“ zweifelte.

Marie Antoinette trotzte der höfischen Etikette, ließ ihren Kindern luftige Baumwollkleider mit weiten Ärmeln anziehen und flüchtete, wann immer sie konnte, mit ihnen vor der Öffentlichkeit in die Idylle ihres Dorfes Hameau. Erst vor wenigen Jahren war es im Park des kleinen Trianons erbaut worden – ein Spielplatz mit Mühle, Hühnerstall, Taubenschlag, Molkerei-Käserei und Ställen, alles malerisch gelegen an den Ufern eines Sees. Hier konnte die verwöhnte Königin, gemäß der Naturlehre Rousseaus, nach Herzenslust Bäuerin spielen, ohne mit der realen Not ihrer Vorbilder konfrontiert zu werden.

Und waren sie oder die Kinder des Melkens und dergleichen leid, so lockte das große Trianon. Dieses einstöckige Gebäude lag an den Grenzen von Versailles. Es war zwar weniger prunkvoll, als das nahe gelegene Schloss, bot aber dennoch einen einladenden Anblick mit seinen beiden Seitenflügeln, deren Fassaden aus einem gleichmäßigen Wechsel von Pfeilern und großen Bogenfenstern bestanden und mit weißem und rosa Marmor verkleidet waren. Verbunden wurden sie durch einen Säulenhof, den der König selbst entworfen hatte. Er führte in einen Garten, dessen Bepflanzung den strengen geometrischen Formen der übrigen Versailler Gärten unterworfen war, wenn auch in wesentlich kleinerem Maßstab.

An dieser Pracht durften selbst Bürgerliche teilhaben – zumindest gelegentlich und falls sie gut gekleidet waren, was gering Betuchte von vornherein ausschloss.

Vor allem Marie Thérèse war es zu verdanken, dass im Herbst nach der Geburt des Geschwisterchens wieder einmal ein Kinderball im großen Trianon stattfand. Lange zuvor saß das Mädchen in seinem Ankleidezimmer vor der Spiegelkommode und ließ sich von zwei Zofen herrichten, unter strenger Aufsicht Frau von Mackaus. Mehrere Flaschen Lavendelwasser, Tiegel mit Pomade und Reispuder wurden angebrochen, seidene Bänder ins Haar geflochten, dann durch andere ersetzt, die der kleinen Prinzessin besser gefielen, so dass ihr Stuhl schließlich umgeben war von einem bunten Meer aus Seidenstoffen.

Als Stunden später alle Beteiligten sie zufrieden umstanden, glich Marie Thérèse in ihrem weit ausladenden, golddurchwirkten und mit Perlen sowie Juwelen bestückten Damastreifrock verblüffend einer Miniaturausgabe ihrer Mutter. „Mousseline-la-sérieuse“ hätte ihr Onkel, der Graf von Artois, sie wieder einmal nennen können, wäre er da gewesen.

Endlich nahm die königliche Gesellschaft in mehreren Kutschen Platz und fuhr, entlang der weitläufigen Gärten, deren Farben in der untergehenden Sonne ein letztes Mal aufleuchteten, beim großen Trianon vor.

Standesbewusst empfing die Dauphine ihre kleinen Gäste, das Haupt mit der hochgesteckten und durch den Reispuder künstlich gealterten Rokokofrisur stolz erhoben, so stolz, dass keiner der wenigen Bürgerlichen es wagte, sie anschließend zum Tanz aufzufordern. Den kleinen Herzögen und Grafen, entsprechend hergerichtet, winkte die Gnade ihrer hohen Geburt. „Traut euch!“, schien sie ihnen zuzurufen, „bewerbt euch beizeiten um den Platz an der Seite von Frankreichs Dauphine“, während ihre erwachsenen Begleiter insgeheim auf eine solch hervorragende Partie spekulierten. Doch auch von diesen Blaublütigen fanden zunächst nur zwei den Mut, unter den Blicken der anderen die Gunst Marie Thérèses zu erbitten. Der etwas jüngere dieser beiden, etwa neun Jahre alt, trat rasch auf die Prinzessin zu, als er hinter sich seinen Nebenbuhler bemerkte, und forderte sie mit artiger Verbeugung zum Tanz.

Nicht gerade begeistert folgte ihm Marie Thérèse von ihrem rotsamtenen Bänkchen aufs Parkett. Der andere wäre ihr lieber gewesen, aber das verbarg sie hinter ihrem hochmütigen Blick. Ein Lächeln? Nein, der hier sollte froh sein, dass sie ihn überhaupt erhörte.

Mit zierlichen Schritten tanzten die Kinder ein Menuett, bald gefolgt von anderen Paaren. Immer noch saßen viele auf den mit Samt überzogenen Bänken an den mit vergoldetem Stuckwerk und Spiegeln verzierten Wänden – abwartend, gelangweilt, manche auffallend schüchtern. In Grüppchen standen einige Mädchen herum, warfen verstohlene Blicke auf die Tanzenden, besonders auf Marie Thérèse, kicherten in sich hinein und tuschelten miteinander. Zuvor hatten sie sich vergewissert, dass kein Erwachsener in unmittelbarer Nähe weilte und sie beobachtete. Nicht einmal den Anschein durfte es haben, dass jemand sich der Prinzessin gegenüber ungebührlich verhielt. Und sie selbst, wie empfand Marie Thérèse ihre Sonderstellung? Mit einigen der Mädchen war sie von vorigen Bällen her bekannt, und während sie sich von ihrem kleinen, sichtlich stolzen Kavalier zu den Klängen der Musik übers Parkett führen ließ, schweiften ihre Blicke immer wieder ab.

Da! Die, die gerade scheu wegschaute, als ihr Blick sie traf, war das nicht jene Tochter des Kammerdieners Lampriquet und dessen Gattin Marie-Philippine, die vor noch gar nicht allzu langer Zeit auf Anordnung der Mutter mit ihr speisen durfte, der sie sogar Ehrerbietungen erweisen sollte? Marie Thérèse hatte ihren Namen vergessen, nicht aber ihr Gesicht. Keines der beiden Mädchen hatte bei jenem Mahl viel verzehrt, die Prinzessin aus Empörung und die andere aus sichtlicher Beklemmung.

Marie Thérèses Blicke waren ihrem Tanzpartner nun so lange untreu gewesen, dass der kleine Graf sich vernachlässigt fühlte und sie ansprach, aber er musste seine Worte wiederholen, denn ihre Gedanken hatten sich allzu weit von ihm entfernt. „Danke, ich befinde mich sehr wohl“, entgegnete sie geistesabwesend, verabschiedete sich mit einem Knicks und ließ ihn stehen.

Auf einer der Bänke, etwas abseits in einer Nische, hatte sie Louis Joseph entdeckt, ihren Bruder. Das Gesicht des meist ernsten und nachdenklichen Fünfjährigen wirkte heute noch schmaler als sonst. Die weiße Schminke und das Grau seiner Perücke taten ihr Übriges dazu, ihn weit älter wirken zu lassen. Marie Thérèse setzte sich zu ihm und ergriff besorgt seine Hand. „Was hast du, möchtest du nicht tanzen? Geht es dir nicht gut?“

Louis Joseph zwang sich zu einem Lächeln. „Warum sollte ich mich noch im Tanzen üben?“

Erschrocken sah die Schwester ihn an. „Warum? Aber du wirst tanzen müssen, noch viel, sehr viel sogar. Denk nur, du bist doch der Thronfolger. Wenn...“ Sie stockte, denn sie hatte bemerkt, dass er ihr nicht wirklich zuhörte. Sanft, fast mit dem Ausdruck eines wissenden Greises, ruhten seine Augen auf ihr. Marie Thérèse fühlte einen Stich im Herzen. Was machte ihr auf einmal solche Angst? Sie verstand es nicht, fühlte nur, dass etwas nicht so war, wie es sein sollte. Irgendetwas bedrohte ihre heile Kinderwelt. Marie Thérèse wollte das nicht zulassen, wehrte es ab. Trotz lag auf ihrem Gesicht, als sie sich dem Jungen zuwandte, der plötzlich vor ihr stand und sie zum Tanz aufforderte.

Marcel Charier war es nicht leicht gefallen, das zu tun. Aber er wusste, er würde hier wohl zum ersten und gleichzeitig zum letzten Mal sein, denn die vorschriftsmäßige Kleidung, die er trug, gehörte ihm nicht. Ein Freund, der kurz vor dem Ball erkrankt war, hatte sie ihm heimlich geliehen und musste sie spätestens morgen zurück haben. Unmöglich hätte Marcels Vater, ein Kleinbauer, seinen Sohn so ausstaffieren können. Jetzt oder nie, sagte sich der Junge. Einmal mit einer Prinzessin tanzen, mit der Dauphine Frankreichs. Also hatte er sich ein Herz gefasst. Oh, wie es raste in seiner Brust, als er nun vor ihr stand, und seine Beine... Lange konnten die nicht mehr stillstehen. Schon wankten ihm die Knie. Doch die Prinzessin schien ihn nicht erlösen zu wollen. Warum sah sie ihn so feindselig an? Trotzdem konnte Marcel den Blick nicht von ihr wenden. Hinter ihrer stolzen Stirn, da verbarg sich noch etwas anderes, das spürte er genau. Und hinter seinem Rücken?

Da lauerten Marie Antoinettes Hof- und Ehrendamen. Ja, er glaubte bereits zu fühlen, wie ihre neugierigen Blicke sich in seinen Rücken bohrten.

Marie Thérèse betrachtete das Gesicht des Jungen. Hätte es einem Adligen gehört, dann hätte es ihr gefallen können, oh ja. Aber behaftet mit dem Makel des Bürgerlichen... Ein letzter Hauch von Sorge um den Bruder wich aufkeimendem Ärger. Warum nur hatte ihre Mutter keinen adligen Jungen eingeladen, der aussah wie dieser hier? Marcel Charier – kein Graf, kein Herzog, nein, einfach nur Marcel Charier. Würden die anderen Mädchen königlichen Geblüts sie nicht auslachen, wenn sie erfuhren, sie habe mit einem Marcel Charier getanzt? Und dennoch hätte sie es gern getan, zu gern.

„Nein“, hörte sie sich sagen und zog zornig ihre Stirn in Falten, „bedaure, ich bin unpässlich.“

Marcel verstand sehr wohl, was das wirklich hieß. Bis unter die Wurzeln seiner dunklen Locken spürte er, wie sein Gesicht rot anlief. Durchhalten, beschwor er seine Beine, haltet durch, wenigstens für einen ehrenhaften Abgang.

Leider konnte Marie Thérèse nicht mehr sehen, wie gut ihm dieser gelang, denn sie war schon aufgesprungen und durchquerte jetzt den Saal. Seltsamerweise hielt sich nämlich ihre Mutter bei solchen Begegnungen oft in der Nähe auf und nahm sie anschließend beiseite. Eine hochmütige Natur mache sich nicht beliebt, musste sich die kleine Prinzessin dann belehren lassen.

Artig erwiderte Marie Thérèse die Verbeugungen der an ihr vorüber schreitenden Hofdamen und versuchte, zwischen deren ausladenden Reifröcken den Marie Antoinettes auszumachen. Als es ihr nicht gelang, entspannte sie sich allmählich, und gleich bot sich ihren Augen ein passendes Objekt, um einen doch noch aufflackernden Funken von Schuldbewusstsein zu ersticken. Dabei handelte es sich um jene Tochter eines Kammerdieners. Schüchtern, fast scheu, stand sie da mit dem Rücken zur Wand, als wüsste sie nicht, wohin. Jetzt fiel der Prinzessin auch ihr Name wieder ein – Ernestine Lambriquet. Erfreut darüber, wäre Marie Thérèse beinahe auf sie zu gerannt, als ihr eben noch einfiel, dass sich das in einem Ballsaal nicht schickte, vor allem nicht für sie. Also raffte sie gekonnt elegant ihr Kleid an beiden Seiten und trippelte auf Ernestine zu. Die wirkte noch schüchterner, als sie bemerkte, dass die Prinzessin nahte und wäre gern nach hinten ausgewichen, am liebsten durch die Wand. Weil das natürlich unmöglich war, verbeugte sie sich untertänig.

„Nun richte dich wieder auf“, forderte Marie Thérèse ungeduldig, nahm das Mädchen an der Hand und zog es mit sich fort. „Hast du schon getanzt?“

„Nein, Madame“, erwiderte Ernestine.

„Ich durchaus“, sagte Marie Thérèse, ohne sich nach ihr umzusehen, „aber nun habe ich keine Lust mehr.“

Innerlich widerstrebend folgte Ernestine der kleinen Prinzessin zum hinteren Ausgang, der in den Garten führte. Was mochte die im Schilde führen?

Ein milder Luftzug wehte von draußen herein und bauschte die Kleider der Kinder. Marie Thérèse ließ Ernestines Hand los, drehte sich lachend im Kreis und tanzte dabei in den Garten hinaus. „Komm, tanz mit mir!“

Ernestines innere Anspannung löste sich. Für Augenblicke tanzten beide Mädchen gleichberechtigt, wie Blüten vom Wind getrieben, über Wiesen und Beete. Dann und wann leuchteten die bunten Kleider im grauen Dämmerlicht auf.

„Komm!“, rief Marie Thérèse atemlos, „ich zeige dir mein Schwesterchen.“

Ernestine warf einen unsicheren Blick zum Trianon zurück. „Ich weiß nicht, meine Mutter wird sich um mich sorgen.“

„Bis die uns vermissen, sind wir längst wieder da“, meinte die Prinzessin.

Achselzuckend folgte ihr Ernestine. So recht überzeugt war sie davon zwar nicht, doch wie hätte sie Madame Royale widersprechen können? Obendrein fühlte sie sich geehrt. Die Prinzessin zeigte sicher nicht jeder Hergelaufenen ihr Schwesterchen. Also ließ sich Ernestine durch die Versailler Gärten führen, vorbei an riesigen Wasserbassins und Springbrunnen mit Statuen, deren schattenhafte Umrisse vor dem marmorgrauen Himmel gespenstisch anmuteten. Unweigerlich ergriff sie die Hand Marie Thérèses, ließ sie aber gleich darauf erschrocken los und entschuldigte sich.

„Fürchtest du dich?“, fragte die Prinzessin mitfühlend. Ernestine nickte stumm.

„Das brauchst du nicht“, belehrte sie Marie Thérèse. „Die stehen alle hier, um uns zu beschützen.“

Das Laufen in den spitzen Seidenschuhen erwies sich als beschwerlich. Bald bezweifelte auch Marie Thérèse, dass sie rechtzeitig zurück sein würden, wenn sie das gegenüber Ernestine auch nie zugegeben hätte. Als sie die breite Treppe erreichten, die zum Spiegelsaal führte, verzog Ernestine das Gesicht.

„Was hast du?“, fragte Marie Thérèse vorwurfsvoll. „Willst du mein Schwesterchen nicht sehen?“

„Das ist es nicht“, versicherte Ernestine schnell. „Mir tun bloß die Füße so weh.“

Marie Thérèse seufzte. „Mir auch. Aber jetzt sind wir ja gleich da.“ Zielstrebig führte sie ihre Begleiterin durch die Spiegelgalerie in den angrenzenden Saal des Friedens, von wo aus sie in die im Südflügel gelegenen Prunkgemächer der Königin gelangten. Überall an den Türen standen Kammerlakaien. Sie grüßten die Prinzessin und schauten anschließend wieder scheinbar unbeteiligt vor sich hin. Nur einer, der gerade den Kamin im Schlafzimmer der kleinen Sophie beheizt hatte, wandte sich nach seiner Verbeugung nochmals zu den Kindern um und betrachtete sie nachdenklich. Dann trat er in den Friedenssaal und ließ seinen Blick durchs Fenster schweifen.

„Es scheint, da braut sich was zusammen“, wurde er von einem anderen Kammerlakaien angesprochen und nickte. Tatsächlich hatte der Wind aufgefrischt und dunkle Wolken herangetrieben. „Nicht nur da. Ich heizte eben das Gemach der kleinen Madame. Andere Kinder werden sicher im kommenden Winter erfrieren oder verhungern – oder beides. Wer weiß, wie lange das Volk die Not noch hinnimmt.“

Mit einem Ausdruck des Erstaunens in den Augen sah Sophie aus ihrem spitzenbesetzten Häubchen zu ihrer Schwester und deren Begleiterin auf. Letztere weilte allerdings gedanklich noch woanders. „Wieso sah der Kammerlakai uns so seltsam an?“, dachte sie laut.

Marie Thérèse hörte nicht hin. Auf Kammerlakaien pflegte sie selten zu achten. Weit mehr beschäftigte sie die Frage, wieso ihre Schwester hier ganz alleine lag. Wo mochte die Herzogin von Polignac sein? Oder eine andere ihrer Gouvernanten, Madame de Soucy, die Tochter Madame de Mackaus?

Sophie streckte ihre kleinen Händchen aus, grabschte den Mädchen in den Gesichtern herum und brabbelte vor sich hin.

„Oh, das kitzelt“, kicherte Ernestine.

Marie Thérèse hob das Kind aus der Fülle spitzenbesetzter Kissen, drückte es an sich und stellte insgeheim fest, dass es weit schwerer wog, als sie angenommen hatte. „Komm, wir nehmen sie mit ins Spielzimmer.“

Soll die Polignac ruhig erschrecken, wenn sie die leere Wiege sieht, überlegte die Prinzessin unterwegs auf dem Flur. Doch stattdessen wurde sie zur Rechenschaft gezogen und das ausgerechnet vor Ernestine. „Madame, wie können Sie die Kleine einfach aus der Wiege nehmen?“, kam die Herzogin von Polignac ihr vorwurfsvoll entgegen und nahm sie ihr aus den Armen.

Marie Thérèse lief rot an, gleichermaßen vor Wut wie vor Beschämung. „Verzeihen Sie Madame, aber Sie waren abwesend. Ich sorgte mich um meine Schwester.“

Grinsend wies die Herzogin zum Spielzimmer. „Und da wollten Sie mit ihr spielen gehen. Haben Sie nicht genügend Puppen aller Art, Madame?“

„Gewiss“, konterte Marie Thérèse, „aber nur eine Schwester.“

Stumm wohnte Ernestine der Szene bei. Vielleicht konnte sie sich damit einen Vorwurf ersparen, vielleicht übersah man sie einfach, wie so oft. Doch wie hatte sie auch nur für einen Augenblick vergessen können, dass Menschen untergeordneter Klasse nie übersehen wurden, wenn man ihnen etwas anlasten konnte. „Und du“, traf sie auch gleich der scharfe Blick der Herzogin, „hast die Prinzessin zu diesem Unsinn verleitet.“

Ernestine wusste nicht, was sie sagen sollte, blickte hilfeheischend zu Marie Thérèse. „Ich wollte ihr mein Schwesterchen zeigen“, bekannte diese.

Die Herzogin lachte auf, ging in Sophies Schlafzimmer und legte sie in ihre Kissen zurück. Dann erst wandte sie sich wieder den Mädchen zu. „Dazu hätten Sie noch oft Gelegenheit gehabt, Madame. Ihre königliche Hoheit veranlasste bereits, die kleine Lambriquet hier aufzunehmen. Ja, sie wird künftig hier bei Ihnen wohnen und sogar mit Ihnen unterrichtet werden“, fuhr die Herzogin fort in Ernestines bestürztes Gesicht.

Lauthals krähend brach Sophie das eintretende Schweigen. Marie Thérèse, die wusste, wie zwecklos es war, sich gegen Beschlüsse ihrer Mutter zu wehren, schupste die Wiege an, so heftig, dass der Säugling erschrak und verstummte. Sogleich beschwichtigte ihn die große Schwester, bedeckte sein Gesichtchen mit Küssen. Vielleicht war es gar nicht so übel, Ernestine bei sich zu haben. Den Rang konnte sie ihr ohnehin nicht streitig machen, sagte sich die Prinzessin. Und hatte sich Ernestine heute Abend nicht als sehr umgänglich erwiesen, wenn auch ein wenig ernst und einsilbig.

Falls nur Gleichberechtigte miteinander Freundschaft schließen könnten, so hätte Marie Thérèse schlechte Karten gehabt. Über ihr standen, von den Eltern mal abgesehen, nur ihre beiden Brüder, unter ihr die ganze übrige Hofgesellschaft.

Wirklich? Es ließ ihr keine Ruhe. Sie musste es wissen. Die Oktobersonne besaß nicht mehr genug Kraft, um Räume und Flure unangenehm aufzuheizen. Trotzdem schlug die Dauphine eines frühen Nachmittags einen Fächer auf, während sie mit Ernestine zum Südflügel spazierte. Kichernd tänzelte sie über den Flur, drehte sich im Kreis, hielt den Fächer aus Elfenbein, Papier und Federn kokett vors Gesicht und spickte darüber hinweg.

War es Zufall?, fragte sich Ernestine, als der Fächer ausgerechnet dann zu Boden fiel, während Madame de Tourzel nahte? Mit hoheitsvoller Geste, bedeutete die Dauphine ihrer Gouvernante, ihn aufzuheben. Die gehorchte und reichte ihn ihr.

Doch Marie Thérèse blieb kaum Zeit, ihren Triumph auszukosten, weil kurz darauf die Königin ihr den Fächer entriss und demonstrativ zu Boden warf. „Heb ihn selbst auf.“

Ernestine sah sie nicht kommen und erschrak fast noch mehr, als die Dauphine, bückte sich reflexartig nach dem Fächer. Dann hielt sie aber in der Bewegung inne und verfolgte aus einem Blickwinkel, wie Marie Thérèse ihn aufhob und geschwind damit fort eilte. Ernestine holte sie ein, warf prüfende Seitenblicke auf sie. Zornig und beschämt zugleich, reagierte Marie Thérèse nicht darauf. Wie konnte die Mutter sie nur so bloßstellen, vor den Augen der Gespielin!?

Erst später gestand sie sich ein, dass sie diese Schmach selbst provoziert hatte. Denn hätte sie nicht längst wissen müssen, dass ihre Mutter sie mit Ernestine auf eine Stufe stellte?

Der Gedanke, mit der Freundin könnte das Ganze vielleicht gar nichts zu tun haben, sollte Marie Thérèse erst Jahre danach kommen. Vorerst nahm sie an, es gäbe außer Sophie noch jemanden, der ihr ebenbürtig sei – Ernestine. Dabei verhielt die sich nicht dementsprechend, sondern fügte sich in alles. Was immer auch Marie Thérèse mit ihr unternehmen oder spielen wollte, Ernestine schien das Gleiche zu wünschen. Jedenfalls widersprach sie nie. Eigentlich hätte Marie Thérèse es schön finden können, eine so gleichgesinnte Freundin zu haben, wenn, ja, wenn sie gewusst hätte, ob Ernestine wirklich immer einer Meinung mit ihr war. Was, wenn sie sich nur dazu verpflichtet fühlte? Zwar setzte die Prinzessin das voraus, hätte sich aber doch gefreut, wenn Pflichtgefühl und Neigung bei ihrer Gesellschafterin eins gewesen wären. Gerade darüber war sich Marie Thérèse niemals völlig im Klaren. Und – so erstrebenswert sie es auch fand, immer an erster Stelle zu stehen, so langweilig konnte es ihr werden. Langeweile kann reizbar machen, und so geschah es immer öfter, dass Marie Thérèse ihrer Gefährtin einzureden versuchte, sie wolle doch etwas ganz anderes, als sie behaupte und wage bloß nicht, es zuzugeben. So trieb sie die arme Ernestine bisweilen in völlige Verwirrung, denn die dachte, seitdem sie mit der Prinzessin erzogen wurde, nie mehr über ihre eigenen Wünsche nach. Überzeugt davon, dass sie alles tun und lassen wollte wie diese, widersprach Ernestine ihr nie.

Aber war das nicht auch eine Art von Ungehorsam? Wenn Madame Royale nun unbedingt Widerspruch verlangte, hatte sie ihn ihr dann nicht zu geben?

Die kleine Ernestine, mit derlei Gedanken hoffnungslos überfordert, aß kaum noch, fand nachts keinen Schlaf und konnte den Ansprüchen, die Marie Thérèse tagsüber an sie stellte, immer weniger gerecht werden.

Weiterhin bestrebt, ihrer Tochter den vermeintlichen Hochmut auszutreiben, ordnete Marie Antoinette eines Mittags an, dass Ernestine bei den Mahlzeiten zuerst bedient werden sollte. Die Mädchen hatten nach anstrengendem Musikunterricht im Garten Fangen gespielt und waren hungrig zu Tisch geeilt. Doch so laut Ernestines Magen knurrte, sie starrte nur fassungslos auf all die Köstlichkeiten, die ihr aufgetischt wurden. Nichts davon rührte sie an, auch nachdem die Prinzessin bedient worden war.

Marie Thérèse, ebenso verblüfft, sah den Diener an. Er musste sich geirrt haben. Gleich würde er sich vor ihr verbeugen und um Verzeihung bitten. Aber nichts dergleichen geschah – im Gegenteil. „Anordnung Ihrer Majestät, der Königin“, verkündete er Marie Thérèse mit festem Blick, verbeugte sich knapp und zog sich zurück. Die Prinzessin sah ihm nach, vergebens. Er wandte sich nicht um. Dann schaute sie in Ernestines bleiches Gesicht.

„Verzeihen Sie“, stammelte das Mädchen.

Marie Thérèse spürte, wie ihre Welt aus den Fugen geriet, blickte die bittende Freundin an. Sollte die nun ihre Stellung einnehmen und womöglich sogar – den Platz im Herzen ihrer Mutter?

Wie zu Stein erstarrt, saßen beide Mädchen vor ihren gefüllten Tellern, unfähig, sie anzurühren.

„Warum speisen Sie nicht – Madame Royale, Madame Lambriquet?“

Unbemerkt von den Kindern, war Frau von Mackau eingetreten. Marie Thérèse fand zuerst ihre Stimme wieder. „Maman Mackau“, heftete sie flehentlich ihren Blick auf die Gouvernante. „Bitte sagen Sie mir, warum zürnt mir meine Mutter?“

Erstaunt hob Frau von Mackau die Brauen. „Wieso glauben Sie, Ihre königliche Hoheit könnte Ihnen zürnen, Madame Royale?“ Dann betrachtete sie die unberührten Gerichte. „Oh, ich verstehe. Ich selbst gab die Anweisung Ihrer königlichen Hoheit an den Diener weiter.“

Marie Thérèse erstarrte innerlich noch mehr. Dann war es also wirklich kein Irrtum gewesen. „Dann...“ Ihr Blick fiel auf Ernestine. „Dann ist sie jetzt die Dauphine?“

Die Tochter des Kammerdieners wandte sich mit bebenden Lippen an die Gouvernante, brachte aber kein Wort heraus.

Beruhigend strich Frau von Mackau ihr über den Kopf. „Schon gut, mein Kind. Madame Royale lässt dir heute den Vortritt beim Speisen, um dir ihren Großmut zu erweisen. Großmut“, so fuhr sie fort, nun an Marie Thérèse gerichtet, „ist eine Eigenschaft, auf die kein Königskind verzichten darf.“

Die Prinzessin rang mit sich. Keiner sollte sehen, wie sehr sie insgeheim zitterte und bangte, keiner. Noch hatte sie nicht ganz verstanden, was Frau von Mackau ihr eigentlich sagen wollte, nur eines: Sie war immer noch die Dauphine Frankreichs. Heißhungrig griff sie nach ihrem silbernen Besteck, aß hastig und verschluckte sich fast.

Damit löste sich Ernestines innere Erstarrung. Endlich begann sie zu speisen, wenn auch wesentlich verhaltener.

Schon wenige Tage darauf beendete ein unerwarteter Kälteeinbruch das ausgelassene Treiben der Gespielinnen in den Schlossgärten. Zwar bot das Schlossinnere mit seinem Labyrinth aus Fluren, Stiegen und Verbindungstüren reichlich Gelegenheit für Fang- und Versteckspiele, doch statt Blütenduft atmete man hier Moder und Fäkalien. Und brach sich auch in noch so vielen Facetten der kristallenen Lüster das Licht, so konnte es doch eine gewisse Schwermut nicht vertreiben, die sich mit dem dahinscheidenden Jahr allmählich einstellte.

Besonders auf dem geistig wie seelisch über sein Alter hinaus gereiften Louis Joseph Xavier schien sie zu lasten. Statt stolz und aufrecht, wie es sich für Frankreichs Dauphin gebührte, ging er gebückt. Schmerz durchzog seine ernsten Züge und dominierte sie zusehends.

Die Ärzte diagnostizierten Rachitis. Aufgeschnappt hatte Marie Thérèse den Namen der Krankheit, Seitdem stand er irgendwie zwischen ihr und dem Bruder, wann immer sie ihn sah. Kaum noch wagte sie ihn an sich zu drücken, wie sie es früher gern getan hatte, als er klein war. Nur noch sacht über die Hand strich sie ihm gelegentlich, so zerbrechlich erschien er ihr.

Aber so schlimm sein sichtbares Leid auch für sie war – ungleich schlimmer dünkte Marie Thérèse, was sie weder sehen noch einordnen konnte, wohl aber fühlen – nahendes Unheil. Und sie bemerkte, dass auch ihre Mutter es spürte. Warum sonst wirkte sie seit einiger Zeit so bedrückt, sie, die sonst immer so unbeschwert und ausgelassen war?

Das Ungeheuer musste unsichtbar sein, vielleicht entsprungen aus der Märchenwelt. Doch eines Abends, da konnte Marie Thérèse es spüren. Nachdem sie zu Bett gebracht worden war, stand sie wieder auf und überredete Ernestine, Verstecken mit ihr zu spielen.

Nun kauerte sie hinter einer der vergoldeten Holzstatuen im Spiegelsaal, lange schon. Ernestine hatte sie noch nicht gefunden, oder wollte sie nur wieder nicht? Ein Lakai löschte die Kerzen. Warum nur? Das war doch sonst nicht so. Sie hatten doch genug davon. So gut wie noch nie hatte Marie Thérèse erlebt, dass es an irgendetwas mangelte und wenn doch, so bestellte man es einfach.

Jetzt hockte sie hier im Dunkeln, und alle Geräusche, die ihr sonst vertraut waren, wirkten fremd – das Gekläff der Schoßhündchen, das von angrenzenden Gemächern herüber drang, Stimmen, Gelächter, Musik, die Schritte der Bediensteten, sogar der eigene Atem und Herzschlag. Im Licht der Sonne oder der Kerzen, da erschien es, als strahle die Spiegelgalerie von innen heraus, wie aus eigener Kraft. Da hatten Ungeheuer keinen Zutritt. Unvorstellbar für die kleine Prinzessin, dass es einmal anders sein könnte – bisher. Nun breitete sich mit der Kälte auch Angst in ihr aus. Fast hätte sie gerufen. Doch wer oder was würde dann kommen? Maman Mackau, die anderen Gouvernanten, ihre Mutter – niemand vermisste sie. Jeder glaubte, sie läge im Bett. Oh, wenn das nur so wäre. Das Kind klammerte sich an die Figur, deren goldener Überzug selbst in der Finsternis noch leicht schimmerte. Bald hinterließen ihre Finger feuchte Abdrücke darauf, denn sie begann vor Angst zu schwitzen. Ganz deutlich spürte sie, dass sich in ihrer Nähe etwas aufhielt, etwas Lebendiges. Es musste böse sein, denn warum sonst gab es sich nicht zu erkennen, sondern schlich immer nur um sie herum? Marie Thérèse presste sich noch enger an die Figur. Ach, könnte sie doch in ihr verschwinden. So fest, dass es schmerzte, kniff sie die Augen zusammen, drückte sie gegen das kühle Gold. Aber sie wusste ja längst, dass man auch gesehen werden konnte, wenn man selbst nichts sah. Stumm erbat sie sich Hilfe vom Himmel. Mochte Gott bloß mächtiger sein als dieses Wesen hier. Dann fühlte sie den Griff im Nacken.

„Ich hab Sie!“ Der Triumph in Ernestines Stimme war unüberhörbar. Ha, sie hatte es doch selbst gewollt, hatte sie herausgezerrt aus dem Bett. „Komm spielen, Ernestine“, hatte sie befohlen, die Prinzessin. Und die Gespielin hatte gehorcht, wie immer. Lange war sie suchend umhergeirrt, schlotternd vor Kälte in ihrem Nachtgewand. Tatsächlich wie ein kleines Gespenst hatte sie sich gefühlt, hier in der Spiegelgalerie, als die Lichter plötzlich erloschen. Und als sie die Prinzessin endlich entdeckte, zusammengekauert am Boden hinter dieser Figur, nicht hochmütig wie sonst, da übernahm etwas in Ernestine das Regiment. Endlich machte das Spiel Spaß. Auf leisen Sohlen schlich sie zurück und lauschte, lauschte dem angstvollen Atmen der Prinzessin. Sie, Ernestine, die Tochter eines Kammerdieners, hatte es in der Hand. Mit einem Wort, mit einer Geste konnte sie Marie Thérèse von ihrer Angst erlösen. Aber sie tat es nicht, jedenfalls nicht sofort. Stattdessen schlich sie um dieses Häuflein Elend hinter der Statue herum. War das überhaupt noch Marie Thérèse, die Prinzessin, die Dauphine Frankreichs?

Vorsichtig näherte sich Ernestine und streckte eine Hand nach der Kauernden aus. Wie klein die jetzt wirkte. Aufrecht verharrte Ernestine und hielt ihre Hand über das Haar, das goldblond schimmernd über Marie Thérèses Nacken floss – einen köstlichen Augenblick. Länger ertrug sie ihren Triumph nicht und packte zu.

Marie Thérèse sprang auf. Noch schien sie nicht zu begreifen, dass wahrhaftig Ernestine vor ihr stand.

„Madame, ich habe Sie gefunden. Können wir jetzt zu Bett gehen?“

Die Prinzessin nickte.

II

Am Morgen des neunzehnten Dezembers stand Ernestine mit offenem Mund auf der Schwelle zum Spielzimmer. Fast hätte man meinen können, sie sei das Geburtstagskind, nicht Marie Thérèse. Die wirkte eher beunruhigt. Zwar entdeckte sie beim Auspacken der vielen Pakete einiges, was sie sich gewünscht hatte, ein Tric-Trac-Spiel zum Beispiel. Doch es waren deutlich weniger Geschenke als letztes Jahr. Suchend, als könnten irgendwo noch ein paar Päckchen versteckt sein, schweiften ihre Augen umher und blieben endlich auf Ernestine haften, die noch immer im Türrahmen stand. „Komm schon, ich möchte mit dir Tric-Trac spielen“, forderte sie die Freundin auf.

Ernestine setzte sich zu Marie Thérèse, konnte sich aber kaum auf das Spiel konzentrieren. Noch immer stand ihr der Mund offen vor Staunen.

Die Prinzessin beobachtete sie verwundert. „Was ist mir dir? Fühlst du dich nicht wohl?“

„Doch, doch.“ Ernestine nickte. „Sie haben aber viele Geschenke bekommen, Madame.“

„Gefallen sie dir? Möchtest du ein paar davon haben?“, fragte Marie Thérèse, im nächsten Moment selbst erstaunt über ihre Freigebigkeit.

Ernestines Augen wurden noch größer. „Wirklich?“

Marie Thérèse griff nach einer Puppe, die ihr ohnehin nicht besonders gefiel, und reichte sie der Freundin. „Hier, sie gehört dir“, verkündete sie feierlich.

Zaghaft, mit ungläubigem Blick, nahm Ernestine das kostbare Geschenk entgegen. Erst, als Marie Thérèse sie immer noch offen anlächelte, wagte sie es zu glauben und wurde von ihrer Freude geradezu überwältigt.

Ein Glücksgefühl, gewürzt mit einer Prise Stolz, durchströmte die Prinzessin. Sie besaß die Macht, andere froh zu machen. Durchdrungen von dieser Erkenntnis, vermochte sie nicht mehr sitzen zu bleiben, sprang auf, fasste Ernestine an den Händen und tanzte mit ihr durchs Zimmer. Vergessen war ihre Beunruhigung über die verminderte Zahl an Geschenken. Heute hatte sie sich selbst etwas geschenkt, das ungleich wertvoller war als sämtliche Spielsachen der Welt.

Am Silvestertag nahm Marie Antoinette ihre Kinder an den Händen und führte sie in ihr Kabinett. Wie alljährlich hatte Madame Campan, eine ihrer Kammerfrauen, die neuesten Spielzeuge aus Paris kommen und dort aufstellen lassen. Zwischen Armeen aus Zinnsoldaten standen Schaukelpferde, überzogen mit echtem Rosshaar und bereit, vom Dauphin und seinem kleinen Bruder, dem Herzog der Normandie, beritten zu werden. Mechanische Figuren mit raffinierten Aufziehmechanismen trippelten herum, als wäre Leben in sie gefahren.

Auf der anderen Seite des Raumes prunkte ein Puppenschloss, möbliert wie manche der Gemächer in Versailles und bewohnt von einer kostbar gekleideten Puppenkönigsfamilie. Natürlich fehlten auch Zofen und Diener nicht.

Der Herzog der Normandie streckte verlangend seine Ärmchen nach dem nächststehenden Schaukelpferd aus, doch seine Mutter hielt ihn zurück. „Louis Charles, mein Kleiner“, strich sie ihm zärtlich über das flaumige Blondhaar, „versteht das noch nicht. Aber meine großen Kinder“, wandte sie sich an den Dauphin und die Dauphine, „die kennen bereits ihre Pflichten. Die können auch verzichten.“

Irritiert sah Marie Thérèse zu ihrer Mutter auf, während Louis Joseph ernst vor sich hinschaute, als verlockten ihn all die vor ihm aufgebauten Herrlichkeiten nicht, als sei er über das Spielzeitalter längst hinausgewachsen.

Die Königin zuckte bedauernd die Achseln und wies mit großzügiger Geste auf die Spielsachen. „Das alles – seht es euch nur an -, wollte ich euch zum Neujahrstag schenken. Leider geht das nun aber nicht, denn wir müssen das Geld dafür den Armen geben.“

Marie Thérèse hörte nicht mehr hin. Ein kurzes Spiel damit, vielleicht sogar schon eine Berührung, hätte die meisten dieser Dinge schnell ihrer Anziehungskraft beraubt, wie jedes Jahr. Doch nun, da all dies für sie in unerreichbare Ferne rückte, obwohl zum Greifen nah, stieg selbst der Reiz, nur ein Mal eines der Puppenstubenpüppchen in die Hand zu nehmen, ins Unermessliche.

Verborgen zwischen den Falten ihres Kleides, ballte die kleine Prinzessin ihre Hände zu Fäusten, kniff die Lippen zusammen und unterdrückte jede Träne, während der Herzog der Normandie zu greinen begann.

„Die Armen haben nicht mal genügend Brot“, fuhr Marie Antoinette unbeirrt fort. „Sie frieren, brauchen warme Decken und Kleider. Das versteht ihr doch.“

„Gewiss, Maman“, meinte der Dauphin ernsthaft.

Am Abend lag Marie Thérèse schlaflos in ihrem Bett, wie üblich umgeben von ihren Nachtmahlzeiten. Und wie üblich überkam sie auch heute Nacht kein plötzlicher Heißhunger, zumindest nicht nach Gebratenem, Gesottenem, Fleischbrühe oder sonstigen Lebensmitteln. Stattdessen dachte sie über die Armen nach. Die trugen Schuld daran, dass sie heute keine Geschenke bekommen hatte. Verletzt, traurig und nicht zuletzt verärgert, schweifte ihr Blick über die gefüllten Teller und Krüge. Sollten sie doch das alles hier haben, die Armen. Sie brauchte nichts davon. Warum nahmen sie es nicht und ließen ihr dafür die Spielsachen?

Aber – wie sollten sie das tun? Sie hatten ja keinen Zutritt zum Schloss. Zumindest hatte Marie Thèrèse hier noch keinen Armen getroffen. Hier gab es nur gutgekleidete und wohlgenährte Leute. Ja, wenn sie es sich so richtig überlegte, so hatte sie überhaupt noch nie einen Armen gesehen, wusste nicht einmal, wie sie sich so jemanden vorstellen sollte.

Dabei hatte Marie Antoinette ihrer Tochter vom Elend anderer Menschen erzählt, ja, sie sogar Hemden und Wickelzeug nähen lassen für die Armen. Zu gern hätte Marie Thérèse mal jemanden gesehen, der etwas am Leibe trug, was sie genäht hatte. Früher waren sie öfters in der Kutsche durch Paris gefahren, und die kleine Prinzessin hatte versucht, durchs Fenster so viele Eindrücke wie nur möglich zu gewinnen. Ab und an erhaschte sie auch einen Blick in schmale, dunkle Gassen, wo ebenso dunkle Gestalten gebeugt umherhuschten. Waren das Arme?

Noch bevor sie darauf eine Antwort finden konnte, waren diese Bilder in Marie Thérèses Gedächtnis fast wieder verblasst. In letzter Zeit, so fiel ihr plötzlich auf, fuhren sie nur noch selten nach Paris, eher dahin, wo sich nur wenige oder ihnen vertraute Menschen aufhielten, ins Trianon oder durch die Versailler Gärten nach Hameau. Dort hatte sie sogar schon Ziegen gemolken. Die Bauern, auch deren Kinder, würden das täglich tun, erzählte ihr die Mutter. Es sei ihre Arbeit. Sie lebten davon. Marie Thérèse gefiel es, denn sie konnte es tun, wann immer sie Lust dazu hatte.

Je länger sie über all das nachdachte, desto munterer wurde sie. An Schlaf war gar nicht mehr zu denken. Sie stieg aus dem Bett und packte all ihre Lebensmittel in einen Korb. Dann zog sie einen warmen Mantel über ihr Nachtgewand, umhüllte ihren Kopf mit einem Tuch und stahl sich mit dem Korb aus dem Schloss. Nach kurzem Überlegen entschied sie sich für den zur Stadt hin gelegenen Ausgang, denn in den Gärten vermutete sie keine Armen. Da die Räume der unteren Galerie sich von der Terrasse bis zum Marmorhof erstreckten, erreichte sie diesen auf ziemlich direktem Weg.

Zwar hielten sich auch jetzt am Abend Leute im Schloss auf, vornehmlich Dienstpersonal, aber die schienen die kleine, vorbeihuschende Gestalt überhaupt nicht zu bemerken. Um sich Mut für ihr Vorhaben einzuflößen, stellte Marie Thérèse sich vor, sie trüge einen Zaubermantel, der sie unsichtbar mache. Und tatsächlich, es funktionierte.

Vom Marmorhof aus führte ihr Weg sie über den Königshof. Obwohl sie die Teller zurückgelassen hatte, wog der Korb ziemlich schwer. Trotz der kühlen Dezemberluft stiegen ihr die Gerüche daraus in die Nase, vor allem die des gebratenen Geflügels.

Marie Thérèse hatte den Königshof halb überquert und überlegte gerade, wie sie an den Wachen vorbei kommen sollte, die am Eingang zum nächsten Hof, dem Hof der Minister, postiert waren, als eine entgegenkommende Kutsche ihre Gedanken unterbrach. Sie wich beiseite und starrte wie gebannt die Pferde an. Ungewöhnlich rasant war die Kutsche in den Königshof eingefahren und stoppte nun so abrupt, dass die vier Rösser sich kurz aufbäumten und erregt schnaubten. Schweiß glänzte auf ihren dunklen Leibern, und das Weiß ihrer Augen blitzte auf. Die Prinzessin verfolgte, wie der Gesandte Mercy aus der Kutsche sprang, noch ehe deren Räder vollständig zum Stillstand gekommen waren. Mit großen Schritten eilte er über den Königshof und verschwand dann im Eingang zum Herkulessaal, der im äußersten Ende des Nordflügels gelegen war. Von Marie Thérèse nahm keiner Notiz. Wie hätte man sie auch zu dieser Zeit hier vermuten können?

Warum nur hatte Mercy es so eilig? Was mochte geschehen sein, dass er es ihren Eltern unbedingt noch heute Abend mitteilen musste?

Marie Thérèse beschloss, ihr Vorhaben zu verschieben, ließ den schweren Korb stehen und folgte dem Gesandten.

Herumstreunende Pariahunde und Katzen waren auch arm und würden sich über den Inhalt freuen.

Ungeduldig wartete sie, bis die Diener beidseits der Tür zum Herkulessaal sich zurückgezogen hatten, zog vorsichtig den großen Schlüssel aus dem Loch und spickte hindurch. Die Eltern hatten Mercy bereits empfangen. Als Marie Thérèse sah, wie aufgeregt ihr Vater vor dem goldverzierten Marmorkamin hin und her schritt, konnte auch sie ihre Füße nicht mehr ruhig halten und trat auf der Stelle. Die Mutter dagegen stand da wie erstarrt, das Gesicht noch bleicher als sonst durch den Puder. Doch was das Kind am meisten beunruhigte, war ihr trauriger Blick. „Und Sie meinen wirklich, dass es jetzt schon geschehen soll?“, fragte sie den Gesandten.

„Ich habe eine geeignete Familie gefunden und mit Verlaub...“ Mercy brach ab, rang sichtlich um die richtigen Worte. „Wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, ich fürchte, es wird Ihnen schwerer fallen, je länger Sie es hinauszögern.“

Abrupt stoppte Louis XVI. und wandte sich dem Gesandten zu. „Sie haben recht, und da unsere Entscheidung nun mal getroffen ist...“ Redegewandtheit war dem König nicht in die Wiege gelegt worden. Als ihm seine Gemahlin nun auch noch eine Hand auf den Arm legte, wusste er gar nichts mehr zu sagen. „Ich weiß“, begann sie, „auch, dass man es nicht mehr rückgängig machen kann.“

Marie Thérèse erschrak noch heftiger, als sie das Zittern in der Stimme ihrer Mutter vernahm. „Wovon redeten sie bloß? Sie verstand kein Wort.“

„Dennoch“, fuhr Marie Antoinette fort. „Es ist zu früh. Er ist noch nicht kräftig genug für eine so weite Reise.“

Von wem sprachen sie nur? Die Prinzessin zermarterte sich ihren Kopf. Wer sollte verreisen, und warum besorgte sich die Mutter so darüber?

Vor lauter Grübeln vergaß sie jede Vorsicht und ließ vor Schreck den Schlüssel fallen, als sich eine Hand auf ihre Schulter legte. Frau von Mackau schaute auf sie herab, mehr erstaunt als erzürnt. „Madame Royale, warum liegen Sie nicht in Ihrem Bett?“

Die Kleine war viel zu verblüfft, um darauf eine wohlüberlegte Antwort geben zu können. Sagte sie, sie habe nicht schlafen können, so würde die Gouvernante sofort die Ärzte holen. Aber etwas anderes fiel ihr nicht ein. Also schwieg sie und ließ sich in ihr Schlafgemach führen.

Darin sah Frau von Mackau sich erstaunt um. „Wo sind denn Ihre Nachtmahlzeiten?“

„Die habe ich verzehrt“, sagte Marie Thérèse in das ungläubige Gesicht ihrer Gouvernante und fügte schnell hinzu: „Dafür sind sie doch da, oder?“

Frau von Mackau konnte nur den Kopf schütteln. „Sie kommen offenbar sehr nach Ihrem Vater, Madame Royale.“ Noch immer kopfschüttelnd verließ sie den Raum.

Weil sie den merkwürdigen Dialog zwischen ihren Eltern und dem Gesandten Mercy nicht verstand, ja, nicht einmal den geringsten Ansatzpunkt dafür hatte, ließ der Schlaf ihn Marie Thérèse noch in selber Nacht vergessen.

Frau von Mackau dagegen hatte vorsorglich den Ärzten vom ungewöhnlichen Appetit der Prinzessin berichtet. Kaum schlug diese am nächsten Morgen ihre Augen auf, als sie auch schon anrückten, bestückt mit Klistieren. Marie Thérèse zog sich die Bettdecke über den Kopf und rollte sich so klein wie möglich zusammen. Sie hasste Einläufe. Warum hatte sie der Gouvernante auch nicht die Wahrheit gesagt, wenigstens die halbe? Aber wie hätte sie dann das Verschwinden der Gerichte erklären können? Die konnten ja nicht von selbst weglaufen, und ihr war es nun mal streng untersagt, nach Einbruch der Dunkelheit alleine das Schloss zu verlassen.

Während es in ihren Gedärmen zu grummeln begann, beschloss Marie Thérèse inbrünstig, nichts Ungehöriges mehr zu tun.

Monatelang hielt sie durch. Als der harte Winter sich dem Ende zuneigte und die Tage mit mehr Licht auch wieder mehr Freiheit brachten, keimte nicht nur in ihr neue Lebensfreude auf. Man hatte ihr erzählt, sie habe bereits mit acht Monaten das Gehen erlernt. Damals bewohnte sie ein ebenerdiges Appartement am Ende des Südflügels des Schlosses. Von dort aus konnte man direkt auf die Gartenterrasse, welche die Orangerie beherbergte, hinaustreten. Marie Antoinette hatte ein Gitter aufstellen und damit ein Stück des Gartens vom übrigen Park abtrennen lassen. An diesem Gitter hatte sich Marie Thérèse hochgezogen und ihre ersten Schritte getan.

Nun schleppten sie und Ernestine, nach Genehmigung der Gouvernanten, das mittlerweile fast neun Monate alte Schwesterchen nach dorthin. Aber Sophie machte zunächst keine Anstalten, ihre Fingerchen in das Gitter zu verkrallen. Staunend saß sie in ihrem weißen Kleidchen zwischen bunten Frühlingsblumen im Gras und ließ sich von der Sonne bescheinen. Allerdings nicht lange, denn schon nahte Frau von Mackau mit einem Schirm.

„Komm Sophie, komm zu mir“, forderte Marie Thérèse das Kleinkind auf und kroch rückwärts auf den Knien von ihm weg. Die Gouvernante stellte den Sonnenschirm auf, und Sophie blinzelte nicht mehr. Aus großen blauen Augen blickte sie die Schwester an, blieb aber sitzen. Überhaupt war sie ein auffallend ruhiges Kind, das wenig Bewegungsfreude entwickelte – bisher zumindest. Marie Thérèse dachte daran, wie sie um diese Zeit im vergangenen Jahr mit ihrer Mutter und dem jüngsten Bruder hier gewesen war. Wo war die Mutter heute? Sie wusste es nicht, sah sie selten in letzter Zeit – und fast nie zusammen mit Sophie.

Immer mehr Fragen, auf die sie keine Antworten fand, sammelten sich in Marie Thérèses Kopf. Der Stoff des täglichen Schulunterrichts hatte dagegen immer weniger Platz. Zunächst konnte sie das vor ihren Lehrern verbergen, schützte Kopfschmerzen vor, was oft genug der Wahrheit entsprach. Doch damit riskierte sie auch stets eine ärztliche Visite.

Noch vor den Lehrern bemerkte Ernestine, dass die Prinzessin geistig anderswo weilte, sogar während des gemeinsamen Spiels. Beim Tric-Trac verlor sie dauernd, und beim Versteckspiel suchte sie meistens die gleichen Büsche und Sträucher auf. Doch wenn Ernestine sie darauf ansprach, schüttelte sie nach kurzer Überlegung immer den Kopf. Ach, es hätte so wohl getan, sich der Freundin anzuvertrauen. Aber was, wenn diese ihre geheimen Befürchtungen teilte, wenn auch sie bemerkt hatte, dass der Königin an ihrem jüngsten Kind offenbar nichts lag? Wann, so fragte sich Marie Thérèse in bangen Nächten, würde die Mutter auch an ihr jegliches Interesse verlieren?

Eines Tages – es war der achtzehnte Juni –, fiel Marie Thérèse erstmals an ihrem Vater eine Wesensveränderung auf. Wie gewöhnlich, so wohnte er auch heute dem Geographieunterricht bei, schnitt die Erdteile aus den Landkarten und setzte sie dann unter den Augen seiner Tochter zusammen. Doch die konnte sich nur schwer darauf konzentrieren. Wo war die phlegmatische Ruhe geblieben, welche Louis XVI. sonst ausstrahlte? Marie Thérèse blickte kaum auf die zusammengesetzten Erdteile, sah nur die zitternden Hände ihres Vaters. Nie zuvor sah sie seine Hände zittern.

Abends kam Marie Antoinette ans Bett ihrer Tochter, setzte sich zu ihr und schaute sie lange aus rotgeweinten Augen an. Dann streichelte sie ihr die Hände, so zärtlich wie noch nie.

Nun begann Marie Thérèse zu zittern. Was ist geschehen, wollte sie fragen, brachte aber kein Wort heraus.

„Dein Schwesterchen ist heute von uns gegangen“, sprach stattdessen die Königin.

„Von uns gegangen?“ Das Mädchen hatte noch nicht verstanden, was die Mutter ihr zu sagen versuchte, nur, dass es etwas ganz Schreckliches sein musste. „Wo ist es denn hingegangen, Maman?“

Marie Antoinettes Blick wich dem ihrer Tochter aus und schweifte gedankenverloren über das bemalte Deckengewölbe, das wie so viele im Schloss eine himmlische Landschaft mit musizierenden Putten darstellte. „Die Engel haben es geholt.“

Noch in der gleichen Nacht verließ ein Grafenpaar mit einem Kleinkind in einer Reisekutsche den Versailler Hof. Im Schutz der Dunkelheit versuchten sie, sich so schnell wie möglich der Landesgrenze Richtung Österreich zu nähern.

Und ohne bemerkenswertes Aufsehen zu erregen, worüber man später berichten würde, betraten sie Tage später österreichischen Boden.

III

Marie Thérèse ging nicht aus dem Kopf, dass Engel ihr Schwesterchen geholt hatten. Folglich hatten sie es damals auch gebracht, aber warum nur für so kurze Zeit?

Glaubten sie womöglich, Sophie hätte es hier nicht gefallen? Oder hatten sie ganz einfach Sehnsucht nach ihr, wollten sie wieder bei sich haben?

In den ersten Wochen ohne ihr Schwesterchen, musste Marie Thérèse unweigerlich an letztes Silvester denken, an all die schönen Sachen, die ihr präsentiert und dennoch vorenthalten wurden, weil die Mutter das Geld dafür den Armen geben musste.

Geld – hatte Sophie auch Geld gekostet? Wollten die Engel womöglich welches für sie haben, aber die Mutter besaß keins mehr, weil sie alles den Armen geben musste?