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Luisa Siebenstern wird erwürgt in ihrer Wohnung aufgefunden. Die Wohnungstür wurde nicht aufgebrochen, sie schien den Täter gekannt zu haben. Als Tatverdächtige kommen ihr Exfreund und einige Arbeitskollegen in Betracht. Dann wird der Hauptverdächtige Opfer eines Mordanschlags. Was ist hier geschehen?
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Seitenzahl: 128
Veröffentlichungsjahr: 2026
Tod im Doppelpack
Ein Marburg-Krimi
Rainer Güllich
Impressum
Copyright: Novo-Books im vss-verlag
Jahr: 2026
Lektorat/ Korrektorat: Peter Altvater
Covergestaltung: Hermann Schladt
Verlagsportal: www.novobooks.de
Gedruckt in Deutschland
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig
Christian Herwege war ziemlich erschöpft von der Arbeit nach Hause gekommen. Er hängte seine Jacke, in der sich Portemonnaie und Schlüssel befanden, an die Garderobe. Die Straßenschuhe tauschte er mit seinen bequemen Hausschuhen. Dann ging er direkt in die Küche und schenkte sich ein Glas Orangensaft ein. Er schlurfte ins Wohnzimmer, setzte sich in seinen Lieblingssessel und schaltete den Fernseher ein. Er schaute die Nachrichtensendung im zweiten Fernsehprogramm an. Israel und die Palästinenser verhandelten wieder, irgendwo war ein Öltanker leck gelaufen.
Das Tagesgeschehen interessierte Christian wenig, also zappte er herum. Bei irgendeiner Liebes-Soap blieb er hängen. Es ging darum, dass irgendein Typ sich in einem Juweliergeschäft verschiedene Ringe zeigen ließ. Der junge Mann erzählte dem Juwelier etwas von einer Verlobung, deshalb der Ring. Am Ende fand er einen Ring für seine Angebetete. In der nächsten Szene trat wieder der junge Mann auf. Als Partnerin hatte er eine junge hübsche Frau, der er mit seinem Ring einen Heiratsantrag machte und was von Familie und Kindern erzählte. Christian fand die Szene langweilig und schaltete um. Aber er fand nichts, was ihn interessiert hätte. Also schaltete er den Fernseher aus und schaute ins Leere.
Doch die Szene mit dem Heiratsantrag ging ihm nicht aus dem Kopf. Ihm war das absolut spießig vorgekommen. Aber warum? Was war mit ihm und Emma? Sie waren jetzt zwei Jahre zusammen und er war überzeugt davon, dass sie die Frau seines Lebens war.
Es war sein Wunsch, einmal eine Familie zu haben, mit Emma sein Leben zu teilen. Er wollte sehen, wie seine Kinder aufwuchsen, wie sie sich entwickelten. Und das mit einer Frau, die er liebte, bei der er sich vorstellen konnte, mit ihr alt zu werden.
Irgendwie hatte er diese Tatsache verdrängt, hatte lange nicht mehr an diesen Traum gedacht. Hatte er Angst, diesen Schritt zu wagen? Er war jetzt vierunddreißig Jahre alt, ewig konnte er nicht mehr warten. Oder wollte er, dass seine Kinder ihn später mit Opa anreden müssten, weil er so alt war? Oder bestanden etwa Zweifel, dass Emma doch nicht die Richtige für ihn war. Auf welche Idealfrau wollte er denn warten? Er sollte sich ein Herz nehmen und Emma endlich einen Heiratsantrag machen. Sie war achtundzwanzig und wollte ebenfalls Kinder und Familie. Gesprochen hatten sie oft darüber, nur den entscheidenden Schritt wagte er bisher nicht.
Als er später zu Bett ging, trug er diese Gedanken immer noch mit sich herum. Das Ergebnis war eine unruhige Nacht.
Als er am nächsten Tag in seiner Mittagspause eine Besorgung in der Oberstadt machte, kam er am Marktplatz vorbei. Dort sah er am Marktbrunnen einige Leute beisammenstehen, alle hielten ein Glas Sekt in der Hand. Die Männer alle im Anzug, die Frauen mit schicken Kleidern oder Kostümen. Im Fokus stand ein junges Paar, offensichtlich Braut und Bräutigam. Sie in einem weißen Kleid, den Brautstrauß in der Hand, er in schwarzem Anzug, mit einer Nelke im Knopfloch. Alle prosteten sich zu. Es war ein schönes Bild.
Im Hintergrund sah er das nächste Brautpaar aus dem sogenannten Steinernen Haus treten. Er wusste, dass dort das Standesamt war. Doch war ihm das nie bewusst geworden, denn er erinnerte sich jetzt, schon oft Hochzeitsgesellschaften am Marktplatz gesehen zu haben.
Er blieb stehen und sah sich die Szenerie in Ruhe an. Es kam ihm gerade so vor, als solle das ein Zeichen sein. Gestern diese Hochzeitsantragsszene im Fernsehen und nun diese realen Hochzeiten. Ja, er würde nicht mehr zögern, er würde Emma einen Heiratsantrag machen. Es war ja dass, was er wollte.
***
Christian saß im Café »Mahlzahn« an einem der Fenstertische. Man konnte von dort auf die Barfüßerstraße schauen. Das Café war schon ewig sein Stammlokal. Er feierte hier Geburtstag, ertränkte Liebeskummer, stieß auf Erfolge im Schulsport an. Das Lokal war Teil seines Lebens geworden. Bereits zur Schulzeit war er hier mit Schulfreunden gewesen. Er hatte die Berufsfachschule im Bereich Wirtschaft an der Kaufmännischen Schule in Marburg besucht. War eine gute Zeit für ihn gewesen. Vor diesem Schulbesuch ödete ihn die Schule eher an. Hier aber zeigte er Interesse am Unterricht, war ehrgeizig geworden. Er legte einen guten Abschluss hin und machte dann eine Ausbildung zum Bürokaufmann.
Er schaute konzentriert zum Fenster hinaus. Es war reger Fußgängerbetrieb. Hier in der Oberstadt war eingeschränkter Autoverkehr. Die Leute waren leicht bekleidet. Es war Anfang Juni und der Monat bescherte der Bevölkerung schon einige heiße Tage.
Er blickte auf die Uhr. Wo Emma nur blieb? Er hatte sich mit ihr zu seiner Mittagspause verabredet. Die ging von zwölf bis ein Uhr. Jetzt war es viertel nach zwölf. Sie sagte zu, um zwölf da zu sein. Vielleicht gab es aber wieder Probleme mit einem der Kinder und Emma war dadurch aufgehalten worden. Sie arbeitete als Erzieherin in einer Kindertagesstätte im Ortsteil Cappel.
Da sah er sie. Sie tauchte hinter einer Gruppe Jugendlicher auf, die mit nacktem Oberkörper unterwegs war. Christian stieß so etwas eher ab. Hing damit zusammen, dass er nie recht Freund mit seinem Körper geworden war. Er war ein kopfbetonter Mensch.
Die Gasthaustür öffnete sich und Emma kam herein. Sie trug eine hellblaue Jeans und ein rotes Top. Sah gut aus zu ihren hellblonden Haaren. Sie sah sich suchend um. Ein Lächeln überflog ihre Züge, als sie ihn entdeckte. Sie kam auf ihn zu, beugte sich zu ihm nieder und küsste ihn flüchtig auf den Mund.
»Tut mir leid«, sagte sie, »Tobias, mein Sorgenkind, hat wieder ein paar Probleme verursacht, deshalb bin ich zu spät.«
Christian hob beide Arme an. »Ich habe mir so was gedacht. Na ja, jetzt bist du ja da.«
Bevor Emma noch etwas sagen konnte, erschien die Bedienung, eine junge Frau um die zwanzig und fragte nach der Bestellung. Christian, der schon eine Cola vor sich stehen hatte, bestellte noch ein Salamibaguette. Emma schloss sich an, bestellte zu dem Baguette noch einen Orangensaft.
Immer noch bei ihrem Thema sagte Emma: »Ich muss unbedingt mal mit seinen Eltern reden, irgendetwas stimmt nicht mit ihm. Die Aggressionen, die der Junge zeigt, müssen ja irgendwo herkommen.«
»Beruhige dich. Ich muss etwas mit dir besprechen. Es geht um Wichtiges.«
Emma sah erschreckt auf. »Ist etwas passiert? Geht es um deinem Vater?«
Hubert Herwege, der Vater von Christian, litt an einer Herzschwäche, war deswegen in Frührente.
»Nein, nein. Mit meinem Vater ist alles in Ordnung. Also, mir ist nichts Gegenteiliges bekannt. Dass was ich besprechen möchte, ist eher was Erfreuliches.«
»Ach, da bin ich aber gespannt.«
Christian sah Emma fest in die Augen, griff in eine Jackentasche und holte ein kleines Etui hervor, öffnete es und zeigte es Emma. Zu erkennen war ein schmaler Ring mit einem kleinen, bläulich schimmernden Diamanten, gebettet in dunkelblauem Samt.
Emma hielt kurz den Atem an, dann sagte sie: »Ähem, was bedeutet das?«
Eine leichte Röte überzog ihr Gesicht.
Christian antwortete in sanftem Ton: »Das bedeutet, dass ich um deine Hand anhalte. Ich liebe dich und möchte dich heiraten. Und das ist der Verlobungsring.«
Ihre Röte vertiefte sich. »Ich bin total überrascht. Als du dich mit mir verabredet hast, hätte ich nicht gedacht, dass es um einen Heiratsantrag geht. An diesem Ort.«
»Ach entschuldige. Hier das »Mahlzahn« war an allen wichtigen Ereignissen in meinem Leben beteiligt und da wollte ich, dass der Antrag auch dazugehört. Tut mir leid, wenn der Ort nicht angemessen und schlecht ausgewählt war.«
Emma streckte ihm abwehrend beide Hände entgegen. »Nein, ist okay. Aber jetzt willst du wahrscheinlich eine Antwort von mir.«
Christian lächelte unsicher. »Ja, wäre schön.«
Emma stand auf, beugte sich über den Tisch, umarmte Christian so gut es ging und sagte in zärtlichem Ton: »Ja, ich will. Ich will dich gern heiraten und möchte, dass wir als Frau und Mann zusammenleben. Ich will das schon lange und warte bereits ewig auf deinen Antrag.«
Sie lösten sich voneinander, Christian zog den Ring aus der Schatulle und zog ihn Emma über den Ringfinger. Er passte wie angegossen. »Der ist ja wie für mich gemacht. Wie ging das denn?« Sie streckte ihre linke Hand aus und begutachtete den Ring an ihrem Finger. »Toll«, sagte sie, »wie er glänzt und wie der Stein funkelt.« Tränen traten aus ihren Augen.
Christian, seine Rührung unterdrückend, sagte sachlich: »Ich habe in einem unbeobachteten Moment einen deiner Ringe aus deiner Spiegelkommode herausgenommen und abgemessen. War ganz einfach.«
»Du Schurke«, sagte Emma und lachte. »Liebling«, fuhr sie fort. »Könnten wir den Abend bei mir verbringen? Ich möchte meinen Eltern gern von dem freudigen Ereignis berichten. Ich kaufe nach der Arbeit ein, zwei Flaschen Sekt. Ich möchte gern mit meinen Eltern anstoßen.«
»Einverstanden«, sagte Christian. »Dann treffen wir uns um sieben Uhr bei deinen Leuten.«
»Machen wir«, entgegnete sie. »Wenn Noah zu Hause ist, bringe ich ihn mit. Er soll auch was von dem Glück mitbekommen.«
Noah war Emmas Bruder. Emma und er lebten zusammen in einer Wohnung im Stadtteil Wehrda.
»Alles klar.« Christian sah auf seine Uhr. »Oh, es ist schon knapp vor voll. Ich muss zurück an die Arbeit.«
Sie standen auf, gingen an die Theke, um zu zahlen und verließen das Lokal Hand in Hand.
***
Christian stand Punkt sieben Uhr am Abend vor der Haustür der Marlans. Wilfried und Sabine Marlan besaßen ein kleines Häuschen im Stadtteil Ortenberg. Sie waren alteingesessene Marburger und lebten bereits ewig hier.
Nach Christians Läuten öffnete die Hausherrin die Tür. Sie ließ ein erstauntes »Oh« ertönen, als Christian ihr einen Blumenstrauß entgegenhielt.
»Für die Dame des Hauses«, sagte Christian und deutete eine Verbeugung an.
»Das war aber nicht nötig«, entgegnete Sabine Marlan. »Die angekündigte Hochzeit, Emma ist schon da und hat es uns erzählt, ist Freude genug. Dann komm herein.«
Christian folgte ihr ins Wohnzimmer, wo auf dem Sofa, das gegenüber der Fernsehwand stand, Emma und ihr Bruder Noah saßen. Wilfried Marlan, ein Endfünfziger mit dünnen Haaren, erhob sich aus seinem Sessel und begrüßte Christian mit Handschlag.
»Freut mich, dich zu sehen, mein lieber Schwiegersohn«, sagte er, lachte und setzte sich in seinen Sessel. Christian setzte sich auf den Zweisitzer, der diagonal zum Sofa stand. Sabine Marlan setzte sich neben ihn. Noah grüßte Christian mit einem Kopfnicken. Er strich sich durch seine gelockten Haare und lächelte.
Auf dem langen niedrigen Wohnzimmertisch standen Sektgläser, eine Flasche Sekt stand bereit. Emmas Vater erhob sich aus seinem Sessel, öffnete die Sektflasche und schenkte jedem ein. Er blieb stehen, hob sein Glas und sagte in feierlichem Ton: »Lasst uns auf das zukünftige Brautpaar anstoßen. Prosit!« Man stieß die Gläser aneinander und trank.
Christian fühlte sich merkwürdig. Ihm kam die Situation unwirklich vor. Das ging alles rasend schnell. Vor einigen Monaten noch hatte er keinen Gedanken an Hochzeit und Familie verschwendet und nun saß er hier mit Emmas Eltern und stieß mit ihnen auf Emmas und seine Zukunft an.
Er wandte sich an Noah. »Und? Was sagst du dazu?«
Noah sah ihn an. Sein dünner Mund lächelte. »Wozu? Dass ihr heiraten wollt? Ist okay. Wird eh Zeit. Was ich bedaure, ist, dass ich dann allein wohnen muss. Ich habe mich nämlich sehr an mein Schwesterchen gewöhnt. Obwohl sie nicht wie eine Mutter zu mir ist.«
»Das wäre ja noch schöner«, meinte Emma. Wenn du in deinem Zimmer vergammelst, ist das deine Sache und geht mich nichts an.«
Noah war nicht der Ordentlichste, er bemühte sich aber, die Bereiche der Wohnung, die sie beide benutzten, in Ordnung zu halten.
»Wollt ihr auch kirchlich heiraten?«, fragte Sabine Marlan.
Christian und Emma schauten sich an. Emma antwortete: »Wir haben noch keine Einzelheiten besprochen. Das steht noch alles in den Sternen.«
»Ihr wollt aber sicher ein Haus bauen. Das ist genau das Richtige für eine Familie mit Kindern. Denn Kinder wollt ihr doch, ist ja klar.«
»Ja, Kinder wollen wir«, sagte Christian. »Ob wir aber ein Haus wollen, da haben wir noch nicht drüber gesprochen. Ich weiß nicht, ob wir das finanzieren können.«
Wilfried Marlan winkte ab. »Da lässt deine Bank sicher mit sich reden. Ihr habt beide ein geregeltes Einkommen ...«
Christian schnitt ihm das Wort ab. »Das wird schon alles werden. Das soll jetzt kein Thema sein. Wir wollen lieber noch einmal anstoßen und fröhlich sein.«
Wilfried Marlan nickte einsichtig und öffnete die zweite Flasche Sekt.
***
Christian hörte einen Vogel zwitschern. Klang, als sei er im Zimmer. Christian hatte nachts die Fenster immer geöffnet, wurde aber dadurch leicht durch das Zwitschern der Vögel geweckt. Wenn sie zu früh loslegten, was manchmal schon um halb fünf geschah, schloss er das Fenster. Heute passte es aber, wie er feststellen konnte, denn es war gerade kurz vor sieben. Um acht Uhr musste er an der Arbeit sein. Neben ihm fing Emma an, sich zu rühren. Da fiel es ihm ein. Emma war ja noch mit zu ihm gefahren und sie leerten bei ihm noch eine Flasche Sekt. Danach liebten sie sich und läuteten dann die Nachtruhe ein. War spät geworden. Kein Wunder, dass es ihm schwerfiel, die Augen aufzumachen. Es half aber alles nichts. Die Pflicht rief.
»Ich gehe schnell ins Bad, dann kannst du dich fertigmachen«, sagte er zu Emma und verschwand im Badezimmer. Er rasierte sich seinen Dreitagebart aus und gelte seine kurz geschnittenen schwarzen Haare. Nachdem Emma ihn »abgelöst« hatte, ging er in die Küche und machte für sie und sich Rühreier und mehrere Toasts. Es war ein schnelles Frühstück, denn Christian musste Emma noch zur Kita in Wehrda fahren, denn sie hatte ihren Toyota Yaris bei Ihren Eltern stehenlassen. Das hieß ebenfalls, dass Christian sie nach Feierabend abholen musste, damit sie wieder an ihren Wagen kam.
War etwas umständlich, doch der letzte Abend rechtfertigte das. Christian fuhr in der Regel mit dem Fahrrad zur Arbeit. Er wohnte in der Nähe des alten Friedhofs im Ortsteil Cappel und die Paternoster GmbH, in der er arbeitete, lag im Industriegebiet von Cappel und war nur wenige Minuten mit dem Rad entfernt.
Er lud Emma in der Kita ab und kam gerade noch pünktlich an seinem Arbeitsplatz an. Christian arbeitete mit zwei Kollegen in der Buchhaltung. Die Firma kaufte gebrauchte Paternosterregalsysteme, bereitete sie auf und verkaufte sie wieder. Sie wartete und reparierte diese Anlagen. Deshalb gab es noch einen Montagetrupp, der aus sechs Monteuren bestand. Inhaber und Geschäftsführer war Thorben Fleischer, ein sechsundreißig Jahre alter Mann, der die lukrative Firma von seinem Vater geerbt hatte. Er zeigte nicht viel Interesse an dem Geschäft und stellte einen sogenannten stellvertretenden Geschäftsführer ein, der die Geschäfte regelte. Trotzdem war Fleischer jeden Tag im Betrieb und spielte den Chef. Was er den ganzen Tag machte, wusste niemand. Kam man in sein Büro, saß er meist vor seinem Computer. Das machte zwar einen geschäftigen Eindruck, doch ob er sich irgendwelche Bilanzen ansah oder ein Computerspiel spielte, war nicht ersichtlich.
Als Christian auf dem Firmenparkplatz seinen weißen Toyota Coupe abgestellt hatte, traf er vor dem Eingang auf drei der Montagearbeiter. Mit einem von ihnen, Matthias Runzler war er befreundet. Sie trafen sich mal auf ein Bier, mal schauten sie sich ein Fußballspiel vor dem Fernseher an.
»Moin, Leute«, grüßte Christian freundlich. Die Arbeiter grüßten zurück.
»Hast du einen Moment«, fragte Matthias und strich sich eine Strähne seines braunen Haares aus der Stirn.
»Klar«, sagte Christian, »was gibt es denn?«
