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Tödliches Neujahrsfest.
Hanoi, Ende Januar. Zehn Wochen war Kommissar Ly suspendiert. Dann holt ihn sein Chef, Parteikommissar Hung, in der Neujahrsnacht zurück in den Dienst. Während die Stadt feiert, wird eine alte Frau tot auf einer Baustelle aufgefunden. Nur wenige Stunden später stirbt ein chinesischer Immobilieninvestor an Rattengift. Was zuerst nach Unfällen aussieht, erweist sich bald als Beginn einer Mordserie. Ly stößt auf eine Gemeinsamkeit aller Fälle: In den Wohnungen der Toten liegen Weidenkränze ...
Ein packender Kriminalroman, der im exotischen Vietnam spielt.
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Seitenzahl: 258
Veröffentlichungsjahr: 2015
Tödliches Neujahrsfest
Hanoi, Ende Januar. Zehn Wochen war Kommissar Ly suspendiert. Dann holt ihn sein Chef, Parteikommissar Hung, in der Neujahrsnacht zurück in den Dienst. Während die Stadt feiert, wird eine alte Frau tot auf einer Baustelle aufgefunden. Nur wenige Stunden später stirbt ein chinesischer Immobilieninvestor an Rattengift. Was zuerst nach Unfällen aussieht, erweist sich bald als Beginn einer Mordserie. Ly stößt auf eine Gemeinsamkeit aller Fälle: In den Wohnungen der Toten liegen Weidenkränze.
Ein packender Kriminalroman, der im exotischen Vietnam spielt.
Nora Luttmer
Totenkranz
Kommissar Ly ermittelt
Kriminalroman
Inhaltsübersicht
Informationen zum Buch
Buch lesen
Nachwort und Dank
Über Nora Luttmer
Impressum
Leseprobe aus: Nora Luttmer – Der letzte Tiger
Wem dieses Buch gefallen hat, der liest auch gerne …
Bui Dai saß auf einem Schemel in der zum Hof geöffneten Tür. Seinen grünen Motorradhelm hatte er in den Nacken geschoben, die Ellenbogen auf die Knie gestützt. Draußen war es nasskalt. Zehn Grad Celsius und ein feiner Nieselregen, der seit Tagen anhielt. In der Senke hinter dem Deich hing noch Nebel.
Bui Dai sog den vertrauten Geruch von Dung und nassem Gras ein und ließ seinen Blick über die Landschaft gleiten. Abgeerntete schlammig-braune Reisfelder, darüber der graue Himmel. Der Lehmboden im Hof war so durchnässt, dass er das Wasser nicht mehr aufnahm und es knöchelhoch auf dem Boden stand.
Es war still. Das Einzige, was Bui Dai hörte, war sein eigener Atem. Er schlang die Arme um seinen Körper und spürte, wie er zitterte. Mit der Zunge fuhr er sich über die Lippen. Sie schmeckten salzig. Er musste geweint haben, ohne es zu merken. Er sah zu seinem Sohn hinüber, der mit dem Rücken an die Wand gelehnt auf dem Boden saß. Trotz seiner zwanzigJahre sah er aus wie ein Kind. Er hatte die Augen geschlossen und die Stirn gegen den Lauf der Schrotflinte gedrückt, die er sich zwischen die Beine geklemmt hatte.
»… wir teilen Ihnen mit, dass Sie innerhalb von zwei Monaten Ihr Land zu räumen haben.« Bui Dai konnte sich noch genau an seine Verzweiflung erinnern, als er den Brief erhalten hatte. Von der Entschädigung, die die Gemeindeverwaltung ihm angeboten hatte, hätte er niemals neues Land kaufen können, von dem er leben konnte.
Er würde nicht gehen, er konnte nicht einfach so gehen.
Sie hatten versucht, ihn einzuschüchtern. Erst waren sein Wasserbüffel vergiftet und seine Karpfenteiche sabotiert worden, dann hatten sie seine Tochter zwei Tage auf der Polizeiwache festgehalten. Er hatte nicht gewusst, wo sie war, und sie hatte ihm später nie erzählt, was auf der Wache geschah.
Seine Klage gegen die Enteignung hatte das Gericht gar nicht erst zugelassen. Er solle sich gefälligst wie ein Patriot verhalten, hatte ihm einer der Gerichtskader an den Kopf geworfen. Infrastruktur sei wichtig für die Entwicklung des Landes.
Was Luxusappartements mit Infrastruktur und Patriotismus zu tun haben sollten, verstand er nicht. Denn das war es doch, was die auf seinem Land bauen wollten. Aber er verstand so vieles nicht mehr, was um ihn herum passierte. Das hatte alles nichts mit dem zu tun, wofür er als junger Mann gekämpft hatte. Wofür sie alle einmal gekämpft hatten. Jeder Einzelne von ihnen.
Er sah sie nicht kommen, aber er hörte sie. Motorengeräusche, die immer lauter wurden. Der Boden vibrierte, als würden Panzer vorfahren. In seinem Inneren krampfte sich alles zusammen.
Langsam stand Bui Dai auf, schloss die Tür und trat neben das offene Fenster, so dass man ihn von draußen nicht sehen konnte. Sein Sohn war ebenfalls aufgestanden und stellte sich jetzt neben ihn. Dieses Zucken seines rechten Mundwinkels, das Flackern in seinen Augen. Er kannte seinen Jungen gut genug, um zu wissen, wie nervös er war. Er hätte ihn wegschicken sollen, als noch Zeit dazu gewesen war. Er legte ihm eine Hand auf den Arm. Gerne wollte er ihm sagen, er brauche keine Angst zu haben. Aber das wäre eine Lüge gewesen.
Die Motorengeräusche wurden lauter, und sein Herz pochte immer heftiger. Als die Jeeps um die Ecke schossen und scharf vor der Hofeinfahrt bremsten, meinte er, kaum noch Luft zu bekommen. Drei Jeeps zählte er, außerdem einen Mannschaftswagen und zwei Bulldozer. Mit so vielen hatte er nicht gerechnet.
»Kommen Sie aus dem Haus«, dröhnte eine blecherne Stimme aus dem Lautsprecher, der auf einem der Jeeps installiert war.
Die Motoren der Bulldozer liefen mit einem hustenden Knattern aus.
Die Männer in den Fahrzeugen warteten. Er wartete. Die erneute Stille wurde nur von heiserem Kläffen durchbrochen, das aus einem der Wagen drang. Irgendwann öffnete sich die Tür des Mannschaftswagens. Männer in Kampfanzügen, mit dicken, schusssicheren Westen sprangen heraus. Er sah die Hunde, die an ihren Leinen zerrten. Panik stieg in Bui Dai auf.
Er wollte einen Warnschuss abgeben, aber seine Hände zitterten so sehr, dass er kaum das Gewehr halten konnte. Atme ruhig, sagte er sich.
Er sah, wie die Männer von den Wagen weg zur Mauer rannten, die seinen Hof umgab.
Wieso nur war dieses Räumungskommando so gut ausgerüstet, fragte er sich. Sie konnten doch unmöglich wissen, dass er bewaffnet war. Und schon gar nicht, dass er auf seinem Grundstück Minen verlegt hatte. Mit dem wenigen, was er mit seinem Geld auf dem Schwarzmarkt hatte bekommen können, hatte er sie selbst gebaut. Das zumindest hatte er im Krieg gelernt. Und doch, sie mussten es wissen. Einer der Männer dort draußen trug ein Minensuchgerät vor sich her. Mit den Augen suchte Bui Dai die Gegend ab. Hielt Ausschau nach den Details. Er wusste aus Erfahrung, wie wichtig es war, die Details zu kennen. Und da entdeckte er sie: den Gemeindevorsteher, der die Enteignung unterschrieben hatte, und den lokalen Polizeichef. Sie standen beisammen, seitlich hinter einem der Jeeps. Beide feist und fett. Verdammte Bastarde.
Bui Dais Wut verdrängte mehr und mehr seine Angst. Er spürte, wie er langsam immer ruhiger wurde.
Er hob sein Gewehr, legte den Zeigefinger auf dieKrümmung des Abzugs. Er kniff die Augen zusammen, zielte und drückte ab. Die Flinte riss nach oben. Er spürte den Kolben hart an seiner Schulter. Erde flog auf. Der Polizeichef sprang zurück. Der Gemeindevorsteher duckte sich und verschwand hinter dem Jeep. Die Männer in den Kampfanzügen kamen aus ihrer Deckung und rückten näher. Rauchgranaten vernebelten den Hof. Er legte sein Gewehr wieder an und schoss nun blind. Glas splitterte. Jemand schrie. Die Hunde bellten. Er drückte in so schneller Folge ab, dass es wie ein einziger Schuss klang. Das Blut rauschte in seinen Ohren, er konnte nicht einmal sagen, ob die anderen auch schossen oder nur er. Er wechselte die Gewehre, schoss, lud nach, schoss.
Aus dem Augenwinkel sah er, dass sein Sohn auf dem Boden lag. Bäuchlings, zusammengekrümmt, das Gesicht zwischen den Unterarmen vergraben. Sein Körper bebte.
Er wollte sich zu ihm hinunterbeugen. Doch da flammte ein grelles Licht auf, gefolgt von einem dumpfen Knall, der alles erschütterte. Er rang nach Atem. Mit einem Donnern flog die Holztür aus den Angeln. Schmerz durchfuhr ihn, auf seinem rechten Hemdsärmel breitete sich ein roter Fleck aus. Eine zweite Explosion folgte. Das Licht blendete. Er presste die Augen zusammen. Die Druckwelle schleuderte ihn zurück.
*
Das Geschrei der Hähne weckte Ly. Es war höchstens fünf Uhr morgens, draußen war es noch dunkel. Ly presste sich ein Kissen auf die Ohren, wusste aber, dass er nicht mehr einschlafen würde. Seit Tagen ging das nun schon so. Niemand, der sich nicht für das vietnamesische Neujahrsfest einen Hahn auf dem Dach hielt. Auch Lys Schwiegermutter hatte ihnen für das Tet-Fest einen aus dem Dorf mitgebracht. Hauseigene Zucht. Bei den Tieren vom Markt wusste man nie, ob sie nicht aus China kamen. Dort kursierte gerade wieder die Vogelgrippe.
»Ò ó o… ò ó o …« Etwas heiser klang das Krächzen der Hähne da draußen auch schon, dachte Ly und musste an die Warnung denken, die jetzt tagsüber fast stündlich über den kommunalen Lautsprecher am Laternenmast vor ihrem Haus lief: »… halten Sie sich von lebenden Vögeln fern. Meiden Sie Geflügelmärkte. Schlachten Sie nicht selbst …«
»Ò ó o… ò ó o …« Verfluchte Viecher. Ly konnte es kaum abwarten, dass die Vögel heute Abend endlich allesamt auf den Altären landeten. Er schob das Kissen zur Seite und tastete über Thuy hinweg nach seinen Zigaretten. Seine Frau schien das Gekrähe nicht zu stören, die Kinder, die eng aneinandergeschmiegt auf der Matratze neben dem Bett lagen und beide leise schnarchten, auch nicht. Ly klopfte eine Thang Long aus der Packung, zündete sie an und inhalierte tief. Er hielt den Rauch, so lange es ging, in der Lunge, bevor er ganz langsam ausatmete. Das war besser als jeder Kaffee.
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