Verlag: Heyne Verlag Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2019

Triumph und Fall E-Book

Jeffrey Archer  

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E-Book-Beschreibung Triumph und Fall - Jeffrey Archer

Im Londoner East End verkauft der junge Charlie Trumper Obst und Gemüse auf der Straße. In sehr ärmlichen Verhältnissen lebend, träumt er davon, einmal das größte Kaufhaus der Welt zu besitzen. Aber die Zeiten sind hart, und der Erste Weltkrieg reißt Charlie zunächst aus seinen Träumen. Doch auch die schlimmsten Feinde und Widerstände, selbst eine große tragische Liebe können ihn nicht aufhalten … In seinem großen Epos schildert Jeffrey Archer den Weg seines Helden über mehrere Jahrzehnte, aus den finsteren Gassen Whitechapels in die Welt der Reichen und Mächtigen - und seinen Kampf, sich hier zu behaupten und gleichzeitig aufrecht zu bleiben.

Das Buch erschien in Deutschland bereits unter dem Titel »Der Aufstieg«.

Meinungen über das E-Book Triumph und Fall - Jeffrey Archer

E-Book-Leseprobe Triumph und Fall - Jeffrey Archer

DAS BUCH

Im Londoner East End verkauft der junge Charlie Trumper Obst und Gemüse auf der Straße. In sehr ärmlichen Verhältnissen lebend, träumt er davon, einmal das größte Kaufhaus der Welt zu besitzen. Aber die Zeiten sind hart, und der Erste Weltkrieg reißt Charlie zunächst aus seinen Träumen. Doch auch die schlimmsten Feinde und Tragödien können ihn nicht aufhalten …

DER AUTOR

Jeffrey Archer, geboren 1940 in London, verbrachte seine Kindheit in Weston-super-Mare und studierte in Oxford. Archer schlug zunächst eine bewegte Politiker-Karriere ein. Weltberühmt wurde er als Schriftsteller, »Kain und Abel« war sein Durchbruch. In Deutschland erscheinen seine großen Werke im Heyne Verlag. Mittlerweile zählt Jeffrey Archer zu den erfolgreichsten Autoren Englands, sein historisches Familienepos »Die Clifton-Saga« begeistert eine stetig wachsende Leserschar. Archer ist verheiratet, hat zwei Söhne und lebt in London, Cambridge und auf Mallorca.

JEFFREY ARCHER

TRIUMPH UND FALL

ROMAN

Aus dem Englischen

von Lore Strassl

Bearbeitet von

Barbara Häusler

WILHELM HEYNE VERLAG

MÜNCHEN

Die Originalausgabe AS THE CROW FLIES

erschien erstmals 1991 bei Hodder and Stoughton Ltd

Der Roman erschien in Deutschland bereits unter dem Titel Der Aufstieg bei Lübbe.

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Vollständige deutsche Erstausgabe 02/2019

Copyright © 1991 by Jeffrey Archer

Copyright © 2019 dieser Ausgabe

by Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH,

Neumarkter Straße 28, 81673 München

Redaktion: Barbara Häusler

Umschlaggestaltung: DAS ILLUSTRAT, München,

unter Verwendung von Motiven von

CollaborationJS / Trevillion Images und ahau1969 / Shutterstock

Satz: KompetenzCenter, Mönchengladbach

ISBN: 978-3-641-21796-9V001

www.heyne.de

Für James

Charlie

1900 – 1919

1

»Der kostet keine zwei Penny!«, pflegte mein Großvater mit lauter Stimme zu rufen, wobei er einen Kohlkopf in die Höhe hielt. »Der kostet nich mal einen oder ’nen halben! Nein, den schenk ich euch für einen lumpigen Viertelpenny!«

Das waren die ersten Sätze, an die ich mich erinnern kann. Ich hatte noch nicht laufen gelernt, da setzte meine älteste Schwester mich schon in einer Apfelsinenkiste neben Großpapas Standplatz ab, um sicherzugehen, dass ich früh genug mit meiner Lehrzeit anfing.

»Der Kleine hier schaut schon mal nach dem Rechten«, erklärte mein Großvater dann seinen Kunden, wenn ich aus der Kiste hervorlugte. Tatsächlich war mein erstes Wort »Gopapa« und mein zweites »Penny«, und schon vor meinem dritten Geburtstag konnte ich die Anpreisungen meines geschäftstüchtigen Großvaters Wort für Wort nachplappern.

Nicht dass auch nur einer in meiner Familie genau gewusst hätte, an welchem Tag ich geboren war. Mein Vater hatte die Nacht in einer Ausnüchterungszelle verbracht, und meine Mutter starb, noch ehe ich meinen ersten Atemzug tat. Großpapa meinte, es könnte ein Samstag gewesen sein, glaubte sich zu erinnern, dass es im Januar gewesen war, war sich ziemlich sicher, dass man das Jahr 1900 schrieb, und wusste ganz bestimmt, dass Königin Victoria noch gelebt hatte. Also einigte man sich auf den 20. Januar 1900.

Meine Mutter kannte ich nicht, denn wie ich bereits erwähnt habe, starb sie bei meiner Geburt – bei der »Niederkunft«, wie sie es nannten, was ich jedoch erst viel später verstand. Unser Pfarrer, von einigen Leuten Hochwürden, von den meisten aber Vater O’Malley genannt, erzählte mir immer, dass sie eine wahre Heilige gewesen war. Mein Vater – den bestimmt niemand einen Heiligen genannt hätte – arbeitete tagsüber im Hafen, verbrachte seine Nächte im Pub und kam am frühen Morgen heim, weil er nur da ungestört seinen Rausch ausschlafen konnte.

Der Rest meiner Familie bestand aus drei Schwestern – Sal, die älteste, war bei meiner Geburt fünf; sie wusste immerhin, wann sie geboren war, denn sie kam mitten in der Nacht zur Welt und hatte so unseren Vater um seinen kostbaren Schlaf gebracht; Grace war drei und verursachte nie jemandem eine unruhige Nacht; und die rothaarige Kitty war gerade achtzehn Monate alt und plärrte die ganze Zeit.

Familienoberhaupt war Großvater Charlie, nach dem man mich benannt hatte. Er schlief in seinem eigenen Zimmer im Erdgeschoss unserer Wohnung in der Whitechapel Road, während die restliche Familie im gegenüberliegenden Zimmer zusammengepfercht war. Außerdem gab es noch eine Küche und einen winzigen Raum, den man mit bestem Willen höchstens als Besenkammer bezeichnen konnte; Grace jedoch hatte ihn feierlich zum Wohnzimmer ernannt.

Im Garten gab es zwar kein Gras, dafür aber ein gewisses Örtchen, das wir gemeinsam mit einer irischen Familie benutzten, die über uns wohnte und es stets um drei Uhr in der Frühe aufzusuchen schien.

Großpapa – der von Beruf Obst- und Gemüsehändler war – hatte sich einen guten Standplatz an der Ecke der Whitechapel Road gesichert. Als ich groß genug war, um aus meiner Apfelsinenkiste hinauszuklettern und zwischen den anderen Verkaufskarren herumzustromern, fand ich bald heraus, dass man meinen Großvater hier für den besten Händler im ganzen East End hielt.

Mein Vater, der – wie ich bereits erwähnte – Hafenarbeiter war, schien sich nie sonderlich für uns Kinder zu interessieren, und obwohl er manchmal bis zu einem Pfund die Woche verdiente, landete sein gesamter Lohn so gut wie immer im Black Bull, wo er sein Geld für ein Bier nach dem anderen ausgab und beim Karten- und Dominospiel verlor, gewöhnlich in Gesellschaft von Bert Shorrocks, der unser Nachbar war und offenbar nie redete, sondern bloß ab und zu vor sich hin brummte.

Wäre Großvater nicht gewesen, hätte sich auch niemand darum gekümmert, dass ich wenigstens die Grundschule besuchte. Und »besuchte« war das treffende Wort, denn ich tat dort nicht viel mehr, als den Deckel meines kleinen Pults zuzuknallen und hin und wieder an den Zöpfen von »Schickidickie« zu ziehen, die vor mir saß. Ihr richtiger Name war Rebecca Salmon, und sie war die Tochter von Dan Salmon, dem die Bäckerei an der Ecke Brick Lane gehörte. Schickidickie wusste ganz genau, wann und wo sie geboren war, und sie ließ keine Gelegenheit aus, uns ständig unter die Nase zu reiben, dass sie ein ganzes Jahr jünger war als sonst jemand in der Klasse.

Ich konnte es kaum erwarten, dass die Glocke um vier Uhr zum Schulende läutete. Dann schmetterte ich den Deckel meines Pults zum letzten Mal am Tag zu und raste zur Whitechapel Road, um meinem Großvater am Gemüsekarren mitzuhelfen.

Am schönsten aber fand ich es, wenn Großpapa mich am Samstag schon ganz früh auf den Morgenmarkt in Covent Garden mitnahm, wo er das Obst und Gemüse aussuchte, das er dann an seinem Stand, unmittelbar gegenüber von Mr. Salmons Bäckerei und Dunkleys Fischimbiss, verkaufen würde.

Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre ich gar nicht mehr in die Schule gegangen, aber Schwänzen war nicht drin, nicht einmal für eine Stunde, denn Großpapa hätte es herausgefunden und mich dann am Samstagnachmittag nicht zum Fußballplatz mitgenommen, um West Ham anzufeuern – oder, noch schlimmer, er wäre am Morgen ohne mich zum Markt gefahren.

»Ich hab ja gehofft, dass du mehr wie Rebecca Salmon wirst«, sagte er oft. »Das Mädel wird’s weit bringen …«

»Je weiter weg von der, desto besser«, entgegnete ich dann immer, aber er lachte nie darüber, sondern erinnerte mich nur daran, dass sie in jedem Fach die Beste war.

»Außer im Rechnen!«, erwiderte ich stolz. »Da hält sie mit mir nicht mit.« In der Tat hatte ich eine Aufgabe bereits im Kopf gerechnet, während Rebecca Salmon noch die Zahlen in ihr Heft kritzelte; das wurmte sie entsetzlich.

Mein Vater erkundigte sich in all den Jahren nie in der Schule nach meinen Fortschritten. Großpapa dagegen suchte Mr. Cartwright, meinen Lehrer, mindestens alle drei Monate auf, um zu erfahren, wie ich mich im Unterricht machte. Mr. Cartwright versicherte ihm dann, dass ich mit meiner Begabung für Zahlen einmal Buchhalter oder Ähnliches werden könnte. Einmal sagte er, dass er mir vielleicht sogar eine »Stelle in der City«, also im Finanzdistrikt, besorgen könnte. Das war natürlich reine Zeitvergeudung, weil ich nichts anderes wollte, als mit Großvater Obst und Gemüse zu verkaufen.

Ich war sieben, als mir klar wurde, dass der Name, der auf Großpapas Karren stand – »CHARLIE TRUMPER, DER EHRLICHE HÄNDLER. Gegründet 1823.« –, der gleiche wie meiner war und dass mein Vater, der mit Vornamen George hieß, gar nicht daran dachte, den Karren zu übernehmen, sobald Großvater in den Ruhestand ging. Er betonte oft genug, dass er nicht vorhatte, seine Kameraden am Hafen im Stich zu lassen.

Nichts hätte mich mehr freuen können als diese Haltung, und ich sagte zu Großpapa, wir müssten nicht einmal den Namen ändern, wenn ich den Karren mal übernahm.

Doch er seufzte nur und entgegnete: »Ich möcht nich, dass du im East End kleben bleibst, Junge. Du bist viel zu gut, um den Rest deines Lebens hinterm Gemüsekarren zu stehn.« Es betrübte mich, dass er so dachte; er begriff offenbar nicht, dass ich gar nichts anderes wollte, als von seinem Karren zu verkaufen. Die Schule zog sich endlos Monat um Monat, Jahr um Jahr dahin, und jedes Jahr, wenn es Zeugnisse gab und die Preise für die besten Schüler in den einzelnen Fächern verteilt und Reden gehalten wurden, stieg Rebecca Salmon auf die Bühne hoch und nahm einen Preis nach dem anderen entgegen. Und am schlimmsten an diesem alljährlichen Festtag war, dass wir immer zuhören mussten, wie sie von dort oben in ihrem weißen Kleid, den weißen Söckchen und weißen Schuhen den dreiundzwanzigsten Psalm vortrug. Sogar die Schleife in ihrem langen schwarzen Haar war weiß.

»Und ich wette, dass sie jeden Tag eine frische Unterhose anzieht«, flüsterte mir Klein Kitty ins Ohr.

»Und ich wette, dass sie noch eine Jungfrau ist«, meinte Sal.

Ich lachte laut, denn das taten alle Händler in der Whitechapel Road, wenn sie dieses Wort hörten. Ich muss allerdings gestehen, dass ich damals keine Ahnung hatte, was eine Jungfrau eigentlich war.

Großpapa machte ärgerlich »Psst!« und lächelte erst wieder, als ich auf die Bühne stieg, um mir den Preis im Rechnen abzuholen – eine Schachtel mit bunten Kreidestiften, mit denen ich nicht viel anzufangen wusste, trotzdem immer noch besser als ein Buch.

Als ich den Preis entgegennahm, klatschte Großvater so laut, dass sich einige Mütter lächelnd umdrehten. Das bekräftigte ihn noch in seinem Entschluss, dafür zu sorgen, dass ich bis vierzehn auf der Schule blieb.

Als ich zehn war, erlaubte mir Großpapa, die Ware für den Vormittag auf dem Karren herzurichten, bevor ich mich auf den Weg zur Schule machte. Kartoffeln ganz nach vorn, Gemüse in die Mitte und Obst nach hinten, das war seine goldene Regel.

»Du musst aufpassen, dass die Leute das Obst nicht betatschen, bevor sie dafür bezahlt haben«, mahnte er. »Kartoffeln sind ja schwer zu zerquetschen, aber Trauben sind noch schwieriger zu verkaufen, wenn sie erst ’n paarmal hochgehoben und fallen gelassen worden sind.«

Mit elf nahm ich bereits das Geld von den Kunden entgegen und durfte ihnen das Wechselgeld herausgeben. Da kam ich das erste Mal dahinter, dass manche gern was in der Hand verschwinden ließen. Manchmal, nachdem ich ihnen ihr Wechselgeld herausgegeben hatte, öffnete der eine oder andere die Hand, und ich musste feststellen, dass eine der Münzen, die er ganz sicher von mir bekommen hatte, verschwunden war. Mir blieb dann nichts anderes übrig, als ihm eine zweite zu geben.

Auf diese Weise brachte ich Großvater um einiges von unserem Wochengewinn, bis er mir beibrachte zu sagen: »Zwei Pence zurück, Mrs. Smith«, und die Münzen so hochzuhalten, dass alle sie sehen konnten, bevor ich sie der Kundin aushändigte.

Mit zwölf hatte ich gelernt, wie man mit Pokermiene mit den Großhändlern in Covent Garden feilschte und die erworbene Ware anschließend in Whitechapel mit breitem Lächeln verkaufte. Es entging mir nicht, dass Großpapa die Großhändler regelmäßig wechselte.

»Soll keiner für selbstverständlich halten, dass ich bei ihm kauf«, erklärte er mir.

Mit dreizehn war ich zu seinen Augen und Ohren geworden, denn inzwischen kannte ich den Namen jedes einzelnen Obst- und Gemüsehändlers in Covent Garden. Ich kam rasch dahinter, welche Händler faules Obst unter den guten Früchten zu verstecken versuchten oder es mit dem Abwiegen nicht so genau nahmen – und, was beim Verkauf das Wichtigste war, welche Kunden ihre Schulden nicht bezahlten und deswegen nicht mehr anschreiben lassen durften.

Ich weiß noch, wie meine Brust vor Stolz schwoll, als Mrs. Smelly, die eine Pension in der Commercial Road führte, zu mir sagte, ich sei aus dem gleichen Holz wie mein Großvater und würde vielleicht einmal sogar ebenso gut wie er. Zur Feier des Tages bestellte ich mir am Abend mein erstes Bier und rauchte meine erste Zigarette. Ich trank weder das Bier aus, noch nahm ich mehr als einen oder zwei Züge.

Nie werde ich den Samstagvormittag vergessen, als Großvater mich ganz allein verkaufen ließ. Fünf Stunden lang verkniff er sich jede Bemerkung, und als er die Einnahmen am Ende des Tages zusammenrechnete, gab er mir wie an jedem Wochenende ein Sixpencestück, obwohl wir zwei Shilling und fünf Pence weniger eingenommen hatten als gewöhnlich an einem Samstag.

Ich weiß, dass Großvater es gern gesehen hätte, wenn ich noch länger in die Schule gegangen wäre, aber am letzten Tag des Schuljahres im Dezember 1913 schritt ich das letzte Mal durchs Tor der Volksschule in der Jubilee Street. Den Segen meines Vaters hatte ich jedenfalls. Er hatte immer schon gesagt, man verplempere in der Schule nur sinnlos seine Zeit, und ich war da ganz seiner Meinung – auch wenn Schickidickie ein Stipendium für eine Schule bekommen hatte, die St. Paul hieß und meilenweit entfernt in Hammersmith war. Und wer will schon in eine Schule in Hammersmith gehen, wenn man im East End leben kann?

Mrs. Salmon war da offenbar anderer Meinung, denn sie erzählte jedem, der in ihren Bäckerladen kam, von der »überragenden Intelligenz« ihrer Tochter.

»Rebecca kann offenbar alles viel eher als andere Kinder in ihrem Alter«, hatte sie einmal zu meinem Vater gesagt.

»Und mir fällt da noch was ein, was die Kleine wahrscheinlich auch viel früher tun wird, als ihre Mutter erwartet«, hatte er mir da ins Ohr geflüstert und hinzugefügt: »Diese Angeberin!«

Ich hatte ungefähr die gleiche Meinung von Schickidickie wie Vater von Mrs. Salmon. Mr. Salmon dagegen war in Ordnung. Er war nämlich selber mal Straßenhändler gewesen, ehe er Miss Roach, die Bäckerstochter, heiratete.

Jeden Samstagmorgen, während ich den Karren herrichtete, ging Mr. Salmon in die Synagoge und überließ seiner Frau den Verkauf im Laden. Sie ließ keine Gelegenheit aus, uns mit schriller Stimme wissen zu lassen, dass sie aus einem besseren Stall kam als wir.

Schickidickie fiel es offenbar jedes Mal schwer, sich zu entscheiden, ob sie mit ihrem alten Herrn in die Synagoge gehen oder zu Haus am Fenster sitzen und Windbeutel verschlingen sollte, sobald ihre Mutter außer Sichtweite war.

»Immer das gleiche Problem bei Mischehen«, sagte Großvater des Öfteren, aber es dauerte Jahre, bis ich verstand, dass das nichts mit den Windbeuteln zu tun hatte.

An dem Tag, als ich mit der Schule aufhörte, sagte ich zu Großpapa, er könne jetzt am Samstag ausschlafen, während ich zum Covent Garden gehen würde, um Obst und Gemüse zu holen, doch davon wollte er nichts wissen. Immerhin ließ er mich zum ersten Mal allein verhandeln und einkaufen. Ich fand bald einen Händler, der sich bereit erklärte, mir ein Dutzend Äpfel für nur drei Pence zu geben, wenn ich ihm garantierte, dass ich ihm einen Monat lang jeden Tag gleich viel abnahm. Da Großpapa Charlie und ich immer jeder einen Apfel zum Frühstück aßen, passte diese Abmachung zu unserem Eigenbedarf und gab mir gleichzeitig die Gelegenheit, selbst zu kosten, was wir unseren Kunden anboten.

Von diesem Augenblick an war jeder Tag ein Samstag, und gemeinsam gelang es uns, manchmal bis zu vierzehn Shilling Gewinn die Woche zu machen.

Ich bekam einen Wochenlohn von fünf Shilling – für mich ein Vermögen. Davon legte ich regelmäßig vier in eine kleine Geldschatulle, die ich unter Großvaters Bett versteckt hatte, bis ich über zwanzig Shilling – meine erste Guinee – beisammen hatte. Jemand, der eine Guinee hat, hat Sicherheit, pflegte Mr. Salmon zu sagen, wenn er, die Daumen in den Westentaschen, vor seinem Laden stand, sodass alle seine goldene Taschenuhr an der goldenen Kette bewundern konnten.

An den Abenden, wenn Großpapa sich in sein Zimmer zurückgezogen hatte und Vater in den Pub gegangen war, wurde ich es bald leid, nur in der Gesellschaft meiner Schwestern herumzusitzen. So trat ich in den Sportclub von Whitechapel ein. Tischtennis am Montag, Mittwoch und Freitag; Boxen am Dienstag, Donnerstag und Samstag. Im Tischtennis kriegte ich nie den Bogen raus, wurde aber ein recht brauchbarer Bantamgewichtler.

Im Gegensatz zu Vater machte ich mir weder was aus Pubs noch aus Hunderennen oder Kartenspielen, aber ich schaute immer noch fast jeden Samstagnachmittag West Ham zu, und hin und wieder fuhr ich ins West End, um mir das neueste Varietéprogramm anzusehen.

Als Großpapa mich fragte, was ich mir zu meinem fünfzehnten Geburtstag wünschte, antwortete ich wie aus der Pistole geschossen: »Meinen eigenen Karren.« Dann fügte ich hinzu, ich hätte schon fast genug für einen gespart. Großvater lachte bloß und meinte, sein alter sei noch gut genug, wann immer ich so weit wäre, ihn mal zu übernehmen. Der Kauf eines neuen Karrens sei das, was reiche Leute eine Kapitalanlage nennen, warnte er mich und fügte noch hinzu, man solle nie in etwas Neues investieren, vor allem nicht, solange Krieg sei.

Obwohl Mr. Salmon mir schon erklärt hatte, dass der Krieg gegen die Deutschen vor einem Jahr erklärt worden war – keiner von uns hatte je etwas von Erzherzog Franz Ferdinand gehört –, wurde uns der Ernst der Lage erst klar, als viele der jungen Burschen, die auf dem Markt gearbeitet hatten, allmählich »an die Front« verschwanden und durch ihre jüngeren Brüder, manchmal sogar Schwestern, ersetzt wurden.

Das einzig andere aus dieser Zeit, an das ich mich erinnere, war der Umstand, dass das Schaufenster von Metzger Schultz, der so gute Wurst machte – für uns immer ein Samstagabendschmaus, insbesondere wenn er uns mit einem zahnlosen Grinsen bedachte und eine Wurst zugab –, fast jeden Morgen eingeschlagen war. Und dann war die Metzgerei eines Morgens mit Brettern vernagelt, und wir sahen Mr. Schultz nie wieder. »Internierung«, flüsterte Großpapa, was ich jedoch nicht verstand.

Mein Vater kam gewöhnlich samstagvormittags an den Gemüsekarren, aber nur, um Großpapa um Geld anzuhauen, das er dann mit Bert Shorrocks im Black Bull versoff oder verspielte.

Jedes Mal fischte Großpapa dann einen Shilling aus der Tasche, manchmal sogar eine Zweishilling-Silbermünze, was er sich eigentlich nicht leisten konnte – und das, obwohl er selbst nie trank und nichts von Glücksspielen hielt. Ich ärgerte mich jedenfalls immer darüber, während Vater das Geld einsteckte, lässig die Hand an die Mütze legte und in Richtung Black Bull verschwand.

So ging das fast jede Woche und wäre vielleicht immer so weitergegangen, bis eines Samstags eine hochnäsige Dame in einem langen schwarzen Kleid zu unserem Karren herüberkam und eine weiße Feder in Vaters Revers steckte.

Nie zuvor hatte ich ihn so wütend werden gesehen. Es war sogar noch schlimmer als samstagnachts, wenn er heimkam, nachdem er wie üblich sein ganzes Geld verspielt hatte, und so betrunken war, dass wir uns alle unter dem Bett versteckten.

Doch obwohl er drohend die Faust schüttelte, wich die Dame keinen Schritt vor ihm zurück, sondern schimpfte ihn sogar laut einen Feigling. Er brüllte ein paar Worte zurück, die er sich gewöhnlich für den Mieteinsammler aufsparte. Dann packte er ihre gesamten Federn, trampelte in der Gosse darauf herum und stürmte in Richtung Black Bull davon. Er war noch nicht wieder daheim, als Sal uns mittags Fisch und Fritten vorsetzte. Mir war das ganz recht, zumal ich mich aus dem Staub machte, um zu West Ham zu gehen, nachdem ich auch seine Portion vertilgt hatte. Er war noch nicht wieder da, als ich am Abend zurückkam, und als ich am nächsten Morgen aufwachte, sah ich, dass seine Seite des Betts unberührt geblieben war. Als wir mit Großvater vom Gottesdienst heimkamen, war er immer noch nicht da; so hatte ich das Doppelbett schon die zweite Nacht für mich allein.

»Wahrscheinlich haben sie ihn mal wieder in die Ausnüchterungszelle gesteckt«, meinte Großpapa, als ich am Montag früh unseren Karren mitten auf der Straße vorwärtsschob, um den Pferdeäpfeln von den Trams auszuweichen, welche jeden Tag die Metropolitan Line entlang zur Innenstadt und wieder zurück gezogen wurden.

Als wir am Haus Nummer 110 vorbeikamen, bemerkte ich, dass Mrs. Shorrocks mich durchs Fenster anstarrte. Sie hatte ein blaues Auge und sah auch sonst ziemlich lädiert aus. Es gab kaum ein Wochenende, an dem sie nicht von ihrem besoffenen Ehemann Prügel bezog.

»Du kannst deinen Pa mittags auslösen«, meinte Großvater. »Bis dahin dürfte er wieder nüchtern sein.«

Ich machte ein finsteres Gesicht bei dem Gedanken, dass es uns eine halbe Krone kosten würde, seine Strafe zu bezahlen; damit war wieder mal ein ganzer Tagesgewinn im Eimer. Kurz nach zwölf ging ich zum Revier. Der diensthabende Wachtmeister sagte mir, dass zwar Bert Shorrocks noch in der Zelle sitzen und nachmittags dem Richter vorgeführt würde, meinen Vater hingegen hätte man das ganze Wochenende nicht gesehen.

»Du kannst Gift drauf nehmen, sobald er Geld braucht, taucht er wieder auf«, prophezeite Großvater.

Doch es dauerte einen ganzen Monat, ehe mein Vater sich wieder blicken ließ, und als ich ihn sah, wollte ich meinen Augen nicht trauen – er steckte von Kopf bis Fuß in Uniform. Er hatte sich zum 2. Bataillon der Royal Fusiliers gemeldet und erklärte, er würde zwar schon in den nächsten Wochen an die Front versetzt, wäre Weihnachten aber wohl wieder daheim. Ein Offizier hatte ihm erzählt, dass sie die verfluchten Hunnen – damit meinte er die Deutschen – bis dahin längst besiegt hätten.

Großvater schüttelte stirnrunzelnd den Kopf, aber ich war so stolz auf meinen Vater, dass ich den Rest des Tages an seiner Seite über den Markt marschierte. Sogar die schöne Dame, die an der Ecke stand und weiße Federn verteilte, nickte ihm anerkennend zu. Ich sah sie an und versprach meinem Vater, ihm zu helfen, die Hunnen in die Flucht zu schlagen, sollten sie bis Weihnachten noch nicht besiegt sein. An diesem Abend begleitete ich ihn sogar ins Black Bull, entschlossen, meinen Wochenlohn für alles auszugeben, was er nur wollte. Aber niemand ließ zu, dass er selbst nur einen einzigen Drink bezahlte, und so konnte ich mein ganzes Geld wieder mit nach Hause nehmen. Am nächsten Morgen kehrte mein Vater zu seinem Regiment zurück, noch ehe Großvater und ich zum Markt aufbrachen.

Vater schrieb nie, weil er gar nicht schreiben konnte, aber im East End wusste jeder: Solange einem nicht so ein brauner Umschlag unter der Tür durchgeschoben wurde, lebte der Familienangehörige, der an der Front war, noch.

Mr. Salmon las mir hin und wieder aus seiner Morgenzeitung vor, aber es stand nie irgendwas über die Royal Fusiliers drin, also wusste ich nicht, wo Vater im Einsatz war. Ich hoffte nur, dass es nicht an dem Ort namens Ypern war; denn die Zeitung schrieb, dass dort jeden Tag an die tausend Mann fielen.

Weihnachten blieb’s in diesem Jahr bei uns ziemlich ruhig, denn Vater war nun doch nicht von der Front heimgekommen, wie der Offizier es prophezeit hatte.

Sal, die schichtweise in einem Café an der Commercial Road arbeitete, musste am 26. wieder zur Arbeit. Grace arbeitete Weihnachten im Londoner Krankenhaus durch, denn so was wie Schichtdienst kannte sie nicht. Kitty lungerte herum, machte alle Geschenke auf, vor allem die der anderen, und ging dann wieder ins Bett. Kitty schaffte es offenbar einfach nie, einen Job jemals länger als eine Woche zu behalten. Aber sie war immer besser gekleidet als wir, ich nehme an, weil eine ganze Reihe junger Soldaten, denen sie schöne Augen machte, offenbar mit Freuden bereit war, den letzten Penny für sie auszugeben, ehe sie an die Front mussten. Manchmal fragte ich mich, was Kitty ihnen wohl sagen würde, falls sie alle am gleichen Tag zurückkehrten.

Hin und wieder half Kitty ein oder zwei Stunden freiwillig am Karren mit, doch sobald sie einen guten Teil des Tagesgewinns verfuttert hatte, trollte sie sich. »Die ist beim besten Willen kein Gewinn für uns«, brummte Großvater. Aber ich beklagte mich nicht. Ich war gerade sechzehn geworden, hatte keine Sorgen, und meine Gedanken beschäftigten sich nur damit, wie bald ich an einen eigenen Karren kommen konnte.

Mr. Salmon machte mich darauf aufmerksam, dass in der Old Kent Road die besten Karren verkauft wurden, weil so viele der jungen Händler Kitcheners Aufruf folgten, für König und Vaterland zu kämpfen. Er war überzeugt, dass es keinen günstigeren Zeitpunkt für ein gutes metsieh gäbe, wie er es nannte. Ich dankte ihm für den Tipp und bat ihn, Großvater nicht zu sagen, was ich vorhatte, da ich mir so ein Schnäppchen sichern wollte, ehe er etwas davon erfuhr.

Am nächsten Samstagvormittag bat ich Großvater, mir zwei Stunden freizugeben.

»Hast dir wohl eine Geliebte angelacht, was?« Er blickte mich eindringlich über den Karren an. »Ich hoff bloß, es ist nicht der Pub.«

»Weder noch«, versicherte ich ihm grinsend. »Aber du sollst als Erster erfahren, was es ist, Großpapa«, versprach ich ihm, legte zackig die Hand an die Mütze und marschierte Richtung Old Kent Road davon.

Es war ein langer Fußmarsch, der mich auf der Tower Bridge über die Themse führte; denn der fremde Markt lag viel weiter im Süden, als ich je gekommen war. Und als ich dort ankam, glaubte ich, meinen Augen nicht zu trauen. Noch nie hatte ich so viele Karren auf einem Haufen gesehen! In langen Reihen standen sie nebeneinander. Lange, kurze, gedrungene, in allen Regenbogenfarben und manche mit Namen, die seit Generationen einen guten Ruf im East End hatten. Über eine Stunde begutachtete ich alle Wagen, die zum Verkauf standen, kehrte aber immer wieder zu dem einen zurück, an dessen Seitenwand in blauer Schrift auf goldenem Grund die Worte standen: DER GRÖSSTE KARREN DER WELT.

Die Frau, die dieses Prachtstück anbot, versicherte mir, der Karren sei erst einen Monat alt. Ihr Mann, den die Hunnen umgebracht hatten, hatte drei Pfund dafür bezahlt, und sie würde ihn für keinen Penny weniger hergeben.

Ich erklärte ihr, ich besäße nur zwei Pfund, wäre aber bereit, ihr den Rest innerhalb von sechs Monaten zu bezahlen.

»In sechs Monaten können wir schon alle tot sein«, entgegnete sie und schüttelte den Kopf mit einem Gesichtsausdruck, der zu sagen schien, dass sie diese Art von Versprechen schon öfter gehört hatte.

»Dann geb ich Ihnen zwei Pfund und Sixpence und den Karren von meinem Großvater als Zugabe«, sagte ich, ohne zu überlegen.

»Wer ist dein Großvater?«

»Charlie Trumper«, antwortete ich stolz, obwohl ich, um ehrlich zu sein, nicht damit rechnete, dass sie je von ihm gehört hatte.

»Charlie Trumper ist dein Großvater?«

»Ja, und?«, fragte ich herausfordernd.

»Dann bin ich mit zwei Pfund und Sixpence einstweilen zufrieden, aber sieh zu, dass du mir den Rest noch vor Weihnachten bezahlst.«

Das war das erste Mal, dass mir der Wert eines guten Rufes deutlich wurde. Ich händigte der Frau also die Ersparnisse meines gesamten Lebens aus und versprach, dass sie den Restbetrag vor Jahresende bekommen würde.

Wir besiegelten den Handel mit einem Handschlag, und ich schob meine Neuerwerbung in Richtung Whitechapel Road und pfiff dabei den ganzen Weg fröhlich. Als Sal und Kitty das Gefährt sahen, hüpften sie vor Aufregung und halfen mir sogar, eine Seite zu beschriften: »CHARLIE TRUMPER, DER EHRLICHE HÄNDLER. Gegründet 1823.«

Nachdem unser Werk vollbracht und noch ehe die Farbe richtig trocken war, schob ich den Karren voller Stolz zum Markt. Als ich in Sichtweite von Großpapas Standplatz kam, strahlte ich schon übers ganze Gesicht.

Die Menschenansammlung um unseren Karren kam mir größer vor als normalerweise an einem Samstagvormittag, und ich verstand nicht, warum es plötzlich so ruhig wurde, als ich auftauchte. »Da ist der junge Charlie!«, rief jemand, und mehrere Köpfe drehten sich zu mir um und man starrte mich an. Irgendetwas stimmte nicht. Ich ließ die Griffe meines neuen Karrens los und rannte auf die Menge zu. Sofort öffneten die Leute eine Gasse für mich. Als ich hindurch war, sah ich Großpapa auf dem Pflaster liegen, den Kopf auf eine Kiste mit Äpfeln gestützt. Sein Gesicht war kreidebleich.

Ich fiel neben ihm auf die Knie. »Ich bin’s, Großpapa. Ich bin da«, schluchzte ich. »Was soll ich machen? Sag doch, was soll ich tun?«

Blinzelnd öffnete er die müden Lider. »Hör mir gut zu, mein Junge«, flüsterte er, während er mühsam nach Atem rang. »Der Karren gehört jetzt dir. Also lass ihn und den Standplatz nie länger als ein paar Stunden aus den Augen.«

»Aber es ist dein Karren und dein Standplatz, Großpapa! Wie willst du denn arbeiten ohne einen Karren und einen Standplatz?«, fragte ich. Aber er hörte es nicht mehr.

Bis zu diesem Augenblick war mir nie der Gedanke gekommen, dass jemand, den ich kannte, sterben könnte.

2

Der Trauergottesdienst für Großvater Charlie Trumper fand an einem wolkenlosen Augustmorgen in der Kirche St. Mary and St. Michael in der Jubilee Street statt. Nachdem der Chor sich auf seine Plätze begeben hatte, gab es nur noch Stehplätze. Selbst Mr. Salmon, der einen langen schwarzen Mantel und einen breitkrempigen schwarzen Hut trug, musste hinten stehen.

Als Charlie am nächsten Morgen seinen nagelneuen Karren auf den Standplatz seines Großvaters rollte, kam sogar Mr. Dunkley aus seiner Imbissstube, um die Neuanschaffung zu bewundern.

»Da ist doppelt so viel Platz drauf wie auf Großpapas altem Karren«, erklärte ihm Charlie stolz. »Und ich hab ihn bis auf ein knappes Pfund bezahlt.« Doch bis zum Ende der Woche musste Charlie zu seinem Leidwesen erkennen, dass sein Karren noch halb voll mit nicht mehr frischen Sachen war, die keiner mehr wollte. Sogar Sal und Kitty rümpften die Nase, wenn er ihnen schwarze Bananen und fleckige Pfirsiche nach Hause brachte.

Charlie brauchte mehrere Wochen, bis er ungefähr abschätzen konnte, welche Mengen er an jedem Tag brauchte, um seine Kunden zufriedenzustellen, und noch länger, bis er begriff, dass die Bedürfnisse seiner Kunden von Tag zu Tag wechselten.

Eines Samstagmorgens, nachdem Charlie auf dem Großmarkt seine Ware erstanden hatte und auf dem Rückweg nach Whitechapel war, hörte er einen lauten Ruf.

»Britische Truppen an der Somme hingemetzelt!«, brüllte ein Zeitungsjunge, der an der Ecke von Covent Garden stand.

Charlie gab ihm einen Halfpenny und erhielt dafür den Daily Chronicle. Er setzte sich damit aufs Pflaster und begann zu lesen, das heißt, er suchte die Worte heraus, die er verstand. Die Zeitung schrieb vom Tod Tausender britischer Soldaten bei einem gemeinsamen Einsatz mit den Franzosen gegen Kaiser Wilhelms Truppen. Die Monate dauernde Schlacht an der Somme hatte unter keinem guten Stern gestanden. General Haig hatte einen Vorstoß von vier Kilometern pro Tag prophezeit, es endete jedoch in einem Rückzug. Der Begeisterungsruf »Weihnachten sind wir daheim!« hatte sich als leere Angeberei erwiesen.

Charlie warf die Zeitung in den Rinnstein. Keinem Deutschen würde es gelingen, seinen Vater zu töten, davon war er überzeugt, allerdings quälte ihn in letzter Zeit sein Gewissen, weil er selbst nichts zum Sieg beitrug. Seine Schwester Grace hatte sich freiwillig zum Einsatz gemeldet und arbeitete nun in einem Zeltlazarett, nicht einmal einen Kilometer hinter der Front.

Obwohl sie Charlie regelmäßig jeden Monat schrieb, hatte sie keine Neuigkeiten, die ihren Vater betrafen. »Hier gibt es eine halbe Million Soldaten«, schrieb sie zur Erklärung, »und durchgefroren, nass und ausgehungert sehen alle gleich aus.« Sal arbeitete immer noch als Kellnerin in der Commercial Road und verbrachte offenbar ihre ganze Freizeit damit, einen Ehemann zu finden. Kitty hatte keinerlei Schwierigkeiten, Männer zu finden, die ihr nur zu gern alles gaben, was sie brauchte. Kitty war auch die Einzige der drei Schwestern, die tagsüber Zeit hatte, am Karren auszuhelfen, aber sie stand nie vor der Sonne auf und hatte sich längst wieder verzogen, bevor die Schatten länger wurden.

Es dauerte Wochen, ehe Charlie aufhörte, sich umzudrehen, um zu fragen: »Wie viel, Großpapa?« oder »Darf ich für Mrs. Davies anschreiben, Großpapa?«. Und erst nachdem er auch den letzten Penny für den neuen Karren abbezahlt hatte und kaum noch Bargeld besaß, erkannte er, was für ein guter Händler sein Großvater gewesen war.

In den ersten Monaten verdienten sie nur ein paar Pennys die Woche, und Sal kam mehr und mehr zu der Überzeugung, dass sie alle im Armenhaus enden würden, wenn sie nicht einmal die Miete bezahlen konnten.

Immer wieder flehte sie Charlie an, doch Großvaters alten Karren zu verkaufen, um wenigstens ein bisschen Geld im Haus zu haben. Doch Charlies Antwort blieb stets die gleiche: »Niemals!« Und er fügte hinzu, dass er das erinnerungsbeladene Stück lieber im Hinterhof verrotten ließe, als zuzulassen, dass ein Fremder es anfasste.

Doch dann ging es allmählich schrittweise aufwärts, und der »Größte Karren der Welt« brachte mit der Zeit sogar so viel Gewinn ein, dass es für ein Kleid aus zweiter Hand für Sal reichte, ein Paar Schuhe für Kitty und ein Jackett aus dritter Hand für Charlie.

Obgleich Charlie immer noch recht dünn war – jetzt nicht mehr Bantam-, sondern Fliegengewicht – und auch nicht übermäßig groß, fiel ihm doch auf, dass ihn nach seinem siebzehnten Geburtstag die schönen Damen an der Ecke der Whitechapel Road – die immer noch jedem Mann in Zivil, der aussah, als könnte er zwischen achtzehn und vierzig sein, weiße Federn ansteckten – wie die Geier beäugten.

Obwohl Charlie keine Angst vor den Deutschen hatte, hoffte er doch, dass der Krieg bald enden und sein Vater heimkehren und seine alten Gewohnheiten wiederaufnehmen würde, tagsüber die Arbeit im Hafen und abends im Black Bull herumhocken. Doch da keine Briefe kamen und die Nachrichten in den Zeitungen alle zensiert waren, konnte selbst Mr. Salmon ihm nicht sagen, was sich wirklich tat.

Im Laufe der Monate wusste Charlie immer besser einzuschätzen, welchen täglichen Bedarf seine Kunden an Obst und Gemüse hatten, und diese konnten ihrerseits feststellen, dass man an seinem Karren für das gleiche Geld bessere Ware bekam als bei anderen Händlern. Und als Mrs. Smelley an einem Tag lächelnd mehr Kartoffeln für ihre Pension kaufte als andere Stammkundinnen in einem ganzen Monat, zweifelte selbst Charlie nicht mehr daran, dass es aufwärtsging.

»Ich könnte Ihnen Ihre Bestellung auch liefern, Mrs. Smelley«, erbot er sich. »Jeden Montagmorgen direkt in Ihr Haus.«

»Danke, nicht nötig, Charlie«, entgegnete sie. »Ich möchte mir immer gern selbst aussuchen, was ich kaufe.«

»Geben Sie mir eine Chance, Mrs. Smelley, dann müssen Sie nich’ bei Sturm und Regen aus dem Haus, wenn Sie plötzlich mehr Gäste kriegen als erwartet.«

Sie blickte ihn nachdenklich an. »Na gut, versuchen wir’s mal für zwei Wochen. Aber wenn Sie mich je enttäuschen, Charlie Trumper …«

»Sie können sich auf mich verlassen«, versicherte ihr Charlie grinsend. Von diesem Tag an sah man Mrs. Smelley auf dem Markt nie mehr Obst und Gemüse einkaufen.

Nach diesem ersten Erfolg beschloss Charlie, seine Frei-Haus-Lieferungen auch anderen Kunden anzubieten. Vielleicht konnte er auf diese Weise sein Einkommen sogar verdoppeln. Am nächsten Morgen holte er Großpapas alten Karren aus dem Hof und setzte Kitty für den Zustelldienst ein, während er selbst an seinem Standplatz in Whitechapel blieb.

Innerhalb weniger Tage hatte Charlie den ganzen Gewinn eingebüßt, den er in den vergangenen sechs Monaten gemacht hatte. Kitty, so stellte sich heraus, konnte offenbar mit Geld überhaupt nicht umgehen, und, was noch schlimmer war, sie fiel auf jede rührselige Ausrede herein und verschenkte Ware oft sogar, statt sie sich bezahlen zu lassen. Am Ende dieses Monats war Charlie fast bankrott und bereits wieder mit der Miete im Rückstand.

»Und was hast du aus einem so gewagten Schritt gelernt?«, fragte ihn Dan Salmon, der in der Tür seiner Bäckerei stand, das Käppchen auf dem Kopf und den Daumen in der Westentasche, aus der seine goldene Taschenuhr hervorschaute.

»Dass man es sich zweimal überlegen sollte, bevor man Familienangehörige anstellt; und nie davon ausgehen darf, dass jeder seine Schulden bezahlt.«

»Gut«, lobte Mr. Salmon. »Du lernst schnell. Also, wie viel brauchst du, um über den nächsten Monat zu kommen?«

»Warum fragen Sie?«

»Wie viel?«, wiederholte Mr. Salmon.

»Fünf Pfund«, murmelte Charlie mit gesenktem Kopf.

Am Freitagabend drückte Mr. Salmon Charlie fünf Sovereigns in die Hand und schenkte ihm ein paar Matzen. »Zahl’s zurück, wann es dir möglich ist, Jungchen, und sag es ja nie meiner Frau, sonst kriegen wir beide was zu hören.«

Charlie zahlte seinen Kredit in Raten von fünf Shilling die Woche zurück, und zwanzig Wochen später war er wieder schuldenfrei. Der Tag, an dem er Mr. Salmon die letzte Rate übergab, sollte ihm in Erinnerung bleiben, denn an diesem Tag erfolgte der erste große Luftangriff auf London, und er verbrachte den größten Teil der Nacht unter dem Bett seines Vaters, wo sich Sal und Kitty in Todesangst an ihn klammerten.

Am nächsten Tag las Charlie im Daily Chronicle einen Bericht über die Bombardierung und erfuhr, dass es zwanzig Tote und zweiundachtzig Verletzte gegeben hatte.

Seinen morgendlichen Apfel kauend, stellte Charlie erst Mrs. Smelleys wöchentliche Lieferung zu, ehe er sich an seinen Standplatz in der Whitechapel Road begab. Montags war immer besonders viel los, weil sich jeder nach dem Wochenende wieder frisch eindecken wollte, und bis er zum Nachmittagstee heimkam, war er vollkommen erledigt. Er stürzte sich gerade hungrig auf sein Drittel des Hackbratens, als es an die Wohnungstür klopfte.

»Wer kann das sein?«, wunderte sich Kitty, während Sal Charlie eine zweite Kartoffel auf den Teller legte.

»Es gibt nur eine Möglichkeit, das rauszufinden«, entgegnete Charlie kauend und dachte gar nicht daran aufzustehen.

Widerstrebend verließ Kitty den Tisch und kehrte einen Augenblick später mit hochnäsiger Miene zurück, »Es ist Becky Salmon. Sagt, sie ›würde dich gern sprechen‹.«

»Dann führ Miss Salmon ins Wohnzimmer«, wies Charlie sie an.

Kitty schlurfte wieder davon, und Charlie nahm den Rest des Hackbratens in die Finger und ging in das einzige Zimmer, das – von der Küche abgesehen – nicht zum Schlafen benutzt wurde. Er ließ sich in den alten Ledersessel fallen und kaute weiter, während er wartete. Sekunden später marschierte Schickidickie herein und baute sich vor ihm auf, sagte jedoch keinen Ton. Charlie erschrak regelrecht, als er sah, wie sie zugenommen hatte. Obwohl sie mindestens sechs Zentimeter kleiner war als er, wog sie bestimmt fünf Kilo mehr; ein echtes Schwergewicht, dachte er unwillkürlich. Offensichtlich hatte sie nicht aufgehört, sich mit den Windbeuteln aus Salmons Bäckerei vollzustopfen. Charlie starrte auf die strahlend weiße Bluse, die in einem dunkelblauen Plisseerock steckte, und den gut geschnittenen blauen Blazer mit einem eingestickten Adler, um den herum Worte in einer Sprache standen, die er nicht kannte. In ihrem jetzt kurzen schwarzen Haar steckte etwas wackelig eine rote Schleife, und Charlie entging nicht, dass ihre schwarzen Schuhe und weißen Söckchen so makellos sauber waren wie eh und je.

Er hätte ihr einen Stuhl angeboten, aber das war nicht möglich, da er die einzige Sitzgelegenheit in der winzigen Kammer für sich selbst beanspruchte. Er sagte Kitty, sie solle sie allein lassen.

»Was kann ich für dich tun?«, fragte Charlie.

Rebecca Salmon begann zu zittern, als sie sich um eine feste Stimme bemühte. »Ich muss mit dir sprechen, weil meinen Eltern etwas zugestoßen ist.« Sie artikulierte jedes Wort langsam und deutlich und zu Charlies unangenehmer Überraschung ohne auch nur die Spur eines East-End-Akzents.

»Und was is’ deinen Eltern zugestoßen?«, fragte Charlie barsch in der Hoffnung, sie würde nicht merken, dass er seinen Stimmbruch noch nicht ganz hinter sich hatte. Becky brach plötzlich in Tränen aus. Charlie starrte aus dem Fenster, weil er nicht wusste, was er tun sollte.

Becky zitterte am ganzen Leib, während sie schluchzend hervorstieß: »Tata ist gestern bei dem Luftangriff ums Leben gekommen, und Mami hat man ins Krankenhaus gebracht.« Sie fügte keine weitere Erklärung hinzu.

Charlie sprang auf. »Das hat mir keiner gesagt!«, rief er aus und sprang auf.

»Es weiß bis jetzt auch niemand«, erwiderte Becky. »Ich habe es noch nicht einmal den Leuten in der Bäckerei gesagt. Sie glauben, mein Vater wäre krank und deshalb heute nicht gekommen.«

»Willst du, dass ich’s ihnen sage?«, fragte Charlie. »Bist du deswegen hergekommen?«

»Nein.« Becky hob den Kopf und machte eine kurze Pause. »Ich möchte, dass du die Bäckerei übernimmst.«

Wie vom Donner gerührt blieb Charlie stehen und wusste nicht, was er sagen sollte.

»Mein Vater hat immer gesagt, dass du nicht lange brauchen würdest, bis du deinen eigenen Laden hättest. Deshalb dachte ich …«

»Aber ich versteh doch überhaupt nichts vom Backen!«, stammelte Charlie entgeistert, als er sich in seinen Sessel zurückfallen ließ.

»Damit kennen sich die zwei Gesellen aus, und ich nehme an, dass du dich schon in sechs Monaten besser auskennen wirst als sie. Was die Bäckerei jetzt braucht, ist ein Verkäufer. Vater meinte immer, dass du so gut bist wie dein Großvater, und jeder weiß, dass er der Beste war.«

»Und was ist mit meinem Karren?«

»Er steht nur ein paar Meter vom Laden entfernt, also könntest du leicht beide im Auge behalten.« Sie zögerte und fügte dann hinzu: »Im Unterschied zu deinen Hauslieferungen.«

»Du weißt davon?«, fragte Charlie und blickte zu ihr hoch.

»Sogar, dass du versucht hast, Vater die letzten fünf Shilling in die Hand zu drücken, als er letzten Samstag zur Synagoge gehen wollte. Wir hatten keine Geheimnisse voreinander.«

»Und wie hast du dir das vorgestellt?« Charlie hatte allmählich das Gefühl, dass er immer ein paar Schritte hinter dem Mädchen herhinkte.

»Du kümmerst dich um den Karren und den Laden, und wir sind Partner, fifty-fifty.«

»Und was wirst du für deinen Anteil tun?«

»Ich mache die monatliche Buchführung, kümmere mich darum, dass pünktlich die Steuern gezahlt und keine Gewerbeverordnungen verletzt werden.«

»Ich hab noch nie Steuern bezahlt«, protestierte Charlie, »und wen kümmern schon Gewerbeverordnungen?«

Becky sah ihm zum ersten Mal direkt in die Augen. »Leute, die hoffen, eines Tages ein seriöses Geschäft zu führen, Charlie Trumper!«

»Halbe-halbe find ich trotzdem nicht in Ordnung.« Charlie versuchte, vielleicht doch noch die Oberhand zu gewinnen.

»Mein Laden ist viel mehr wert als dein Karren und erzielt ein viel höheres Einkommen.«

»Hat er vielleicht, bevor dein Vater gestorben ist.« Charlie bereute seine Worte, kaum dass sie ihm über die Lippen gekommen waren.

Becky senkte erneut den Kopf. »Willst du mir nun helfen oder nicht?«, fragte sie.

»Sechzig-vierzig«, sagte Charlie.

Sie zögerte eine Weile, dann streckte sie schließlich die Hand aus. Charlie stand auf und schüttelte sie heftig, um ihre Partnerschaft zu besiegeln.

Nach Dan Salmons Begräbnis begann Charlie, regelmäßig den Daily Chronicle zu lesen in der Hoffnung, etwas über das 2. Bataillon der Royal Fusiliers zu erfahren und vielleicht auch, wo sein Vater sein könnte. Er wusste, dass das Regiment irgendwo in Frankreich im Einsatz war, aber wo genau, stand nie in der Zeitung, also half das ihm auch nicht weiter.

Doch die Tageszeitung interessierte ihn bald auch noch aus einem zweiten Grund. Fasziniert las er die Werbeanzeigen auf fast jeder Seite. Es fiel ihm schwer, sich vorzustellen, dass die feinen Pinkel aus dem West End tatsächlich bereit waren, Geld für Dinge auszugeben, die er für unnötigen Luxus hielt. Was ihn jedoch reizte, war, einmal dieses Coca-Cola zu probieren, ein Getränk, das vor Kurzem aus Amerika herübergekommen war und das es für einen Penny die Flasche zu kaufen gab; auch dieser neue Sicherheitsrasierer von Gillette interessierte ihn, obwohl er sich immer noch nicht zu rasieren brauchte und ihm sechs Pence für den Halter und zwei Pence für eine Sechserpackung Klingen doch recht viel erschien; außerdem war er sicher, dass sein Vater, der immer nur ein Rasiermesser benutzt hatte, so etwas für weibisch halten würde. Und ein Damenkorsett für zwei Guineen, also, das fand Charlie nun absolut lächerlich. Weder Sal noch Kitty würden je so was brauchen – Schickidickie vielleicht schon, wenn sie so weitermachte.

So sehr faszinierten Charlie diese offenbar unerschöpflichen, sogenannten Sonderangebote, dass er anfing, am Sonntagvormittag die Trambahn zum West End zu nehmen, um zu sehen, was es dort in den Läden alles gab. Nachdem er aus diesem von Pferden gezogenen Gefährt in Chelsea ausgestiegen war, spazierte er ostwärts zurück nach Mayfair und studierte unterwegs die Auslagen. Er achtete auch darauf, wie sich die Leute hier kleideten, und bewunderte die neuen Motorfahrzeuge, die zwar Qualmwolken ausstießen, aber zumindest keine Pferdeäpfel fallen ließen, während sie die Straße entlangratterten. Er begann sich sogar zu fragen, wie viel es wohl kosten würde, einen Laden in Chelsea zu mieten.

Am ersten Sonntag im Oktober 1917 nahm Charlie seine Schwester Sal mit ins West End – um ihr die Sehenswürdigkeiten zu zeigen, wie er ihr erklärte.

Er schlenderte mit ihr von Schaufenster zu Schaufenster, sichtlich begeistert von allem Neuen, das er entdeckte. Herrenanzüge, Hüte und Schuhe, Damenkleider, Parfümflaschen, Unterwäsche, sogar Kuchen und Torten konnte er minutenlang bewundern.

»Himmel, lass uns zuseh’n, dass wir wieder nach Whitechapel kommen, wo wir hingehör’n«, forderte ihn Sal ungeduldig auf. »Denn so viel steht fest, hier würd ich mich nie daheimfühlen.«

»Aber verstehst du denn nicht?«, fragte Charlie. »Eines Tages wird mir hier so ein Laden gehören.«

»Red doch keinen Mist«, entgegnete Sal. »Nicht mal Dan Salmon hätte sich hier einen leisten können.«

Charlie machte sich nicht die Mühe, ihr zu widersprechen.

Becky behielt mit ihrer Einschätzung recht, dass Charlie binnen eines halben Jahres das Bäckerhandwerk beherrschen würde. Schon nach einem Monat wusste er fast so viel wie die beiden Gesellen über Backofentemperaturen, die Gerätschaften, Hefe ansetzen und das richtige Verhältnis von Wasser und Mehl. Und da die Bäckerei dieselbe Kundschaft hatte wie Charlies Karren, ging der Verkauf bei beiden nur minimal zurück, und das auch nur im ersten Monat.

Becky hielt Wort. Sie machte die Buchführung nicht nur für die Bäckerei, sondern auch für den Karren, nachdem sie dafür Geschäftsbücher erstanden hatte. Am Ende ihres ersten Vierteljahres als Geschäftspartner konnten die beiden einen Gewinn von vier Pfund und elf Shilling verbuchen, obwohl in der Bäckerei ein Gasofen hatte repariert werden müssen und für Charlie die Anschaffung seines ersten Anzugs – aus zweiter Hand – bewilligt worden war.

Sal arbeitete nach wie vor als Kellnerin in dem Café in der Commercial Road, Charlie wusste jedoch, dass sie lieber heute als morgen einen Mann geheiratet hätte – ganz egal, in welcher Verfassung er war –, nur, wie sie sagte, um endlich mal in einem eigenen Zimmer schlafen zu können.

Grace vergaß nie, jeden Monat zu schreiben, und sie schaffte es sogar, fröhlich in ihren Briefen zu klingen, obwohl sie ständig vom Tod umgeben war. Sie ist genau wie ihre Mutter, sagte Vater O’Malley dann zu seinen Schäfchen. Kitty kam und ging immer noch, wie es ihr beliebte, lieh sich Geld sowohl von ihrer Schwester wie von Charlie und hielt es in keinem Job länger als ein paar Tage aus. Genau wie ihr Vater, sagte der Pfarrer hinter ihrem Rücken.

»Steht dir gut, dein neuer Anzug«, lobte Mrs. Smelley, als ihr Charlie an diesem Montag die wöchentliche Lieferung brachte. Er errötete, griff sich an den Mützenschirm und tat, als hätte er das Kompliment nicht gehört. Dann eilte er zur Bäckerei zurück.

Das zweite Vierteljahr versprach einen noch beachtlicheren Gewinn aus beiden Unternehmen einzubringen, und so teilte Charlie Becky mit, dass er ein Auge auf die Metzgerei geworfen habe, nachdem dort der einzige Sohn des Besitzers in Frankreich gefallen war. Doch Becky warnte ihn davor, sich auf ein weiteres Geschäft einzulassen, bevor sie nicht herausgefunden hatte, wie hoch die Gewinnspannen waren, und auch dann wäre ein solches Unterfangen nur sinnvoll, wenn die doch schon ziemlich alten Gesellen der Sache gewachsen waren.

»Denn eines steht fest, Charlie Trumper«, sagte sie, als sie sich in das kleine Hinterzimmer der Bäckerei setzten, um die Monatsabrechnungen durchzugehen, »vom Metzgerhandwerk verstehst du nichts. ›Charlie Trumper, der ehrliche Händler, gegründet 1823‹ gefällt mir immer noch. ›Charlie Trumper, der leichtsinnige Bankrotteur, geschlossen 1917‹ dagegen gar nicht.«

Auch Becky machte eine anerkennende Bemerkung über den neuen Anzug, aber erst nachdem sie mit den langen Zahlenreihen durch waren. Charlie wollte das Kompliment gerade zurückgeben und sagen, dass sie offenbar ein bisschen abgenommen hatte, als Becky sich ein Törtchen mit Marmeladefüllung in den Mund stopfte.

Mit klebrigem Finger fuhr sie die Monatsbilanz hinunter, dann verglich sie die Zahlen mit dem handgeschriebenen Bankauszug. Gewinn: acht Pfund und vierzehn Shilling, schrieb sie in die unterste Zeile.

»Bei dem Tempo sind wir Millionäre, wenn ich vierzig bin«, meinte Charlie grinsend.

»Vierzig, Charlie Trumper?«, entgegnete Becky abfällig. »In Eile bist du offenbar nicht.«

»Was meinst du damit?«, fragte Charlie.

»Ich hatte eigentlich gehofft, wir schaffen das deutlich früher.«

Charlie lachte laut, um die Tatsache zu verbergen, dass er nicht wusste, ob sie es ernst meinte oder nicht. Nachdem Becky sicher war, dass die Tinte getrocknet war, klappte sie die Bücher zu und steckte sie in ihre Aktentasche, während Charlie sich daranmachte, die Bäckerei abzusperren.

Draußen vor der Tür wünschte er seiner Geschäftspartnerin mit einer übertriebenen Verbeugung gute Nacht. Dann drehte er den Schlüssel um, bevor er sich auf den Weg nach Hause machte. Er pfiff mehr laut als richtig einen Schlager vor sich hin, während er seinen Karren mit den wenigen Überresten des Tages der untergehenden Sonne entgegenschob. Könnte er wirklich eine Million machen, ehe er vierzig war, oder hatte sich Becky bloß über ihn lustig gemacht?

Er schob den Karren an Bert Shorrocks Haus vorbei und hielt abrupt an. Vor der Haustür von Nummer 112 stand Vater O’Malley mit einer schwarzen Bibel in der Hand.

3

Charlie saß im Zug nach Edinburgh und dachte über alles nach, was er in den vergangenen vier Tagen gemacht hatte. Becky war nicht sonderlich erfreut über seine Entscheidung gewesen, und Sal hatte sie sogar für ausgesprochen idiotisch gehalten. Mrs. Smelley fand, dass er hätte warten sollen, bis er sowieso einberufen worden wäre. Grace arbeitete nach wie vor im Lazarett an der Westfront, darum wusste sie auch nichts von seinem Entschluss. Und Kitty schmollte bloß und fragte, wie er sich vorstellte, wovon sie jetzt leben sollte.

Private George Trumper war am 2. November 1917 bei Passchendaele im tapferen Kampf für sein Vaterland gefallen, stand in dem Brief. Über tausend Mann waren an diesem Tag beim Sturm auf den fünfzehn Kilometer langen Frontabschnitt zwischen Messines und Passchendaele umgekommen, deshalb konnte es nicht überraschen, dass der Brief des Leutnants kurz und bündig war.

Nach einer schlaflosen Nacht stand Charlie am nächsten Morgen als Erster vor der Tür der Rekrutierungsstelle in Great Scotland Yard. Das Plakat an der Wand forderte Männer zwischen achtzehn und vierzig auf, sich zu »General Haig’s« Armee zu melden.

Charlie hoffte, man würde ihn nehmen, auch wenn er noch nicht achtzehn war.

Als der Rekrutierungssergeant bellte: »Name?«, holte Charlie tief Luft und brüllte fast: »Trumper.« Dann wartete er besorgt.

»Geburtsdatum?«, fragte der Mann mit den drei weißen Streifen auf dem Ärmel.

»20. Januar 1899«, log Charlie, ohne zu zögern, er errötete aber. Der Sergeant sah ihn an und zwinkerte. Die Angaben wurden kommentarlos auf ein braunes Formular gekritzelt. »Nehmen Sie die Mütze ab, Junge, und melden Sie sich bei unserem Arzt.«

Eine Frau in Schwesterntracht führte Charlie in einen mehrfach abgeteilten Raum, wo ihm ein Mann in langem weißem Kittel befahl, in einer der Abteilungen den Oberkörper frei zu machen, zu husten, die Zunge herauszustrecken und tief ein- und auszuatmen, bevor er ihn mit einem Gerät aus kaltem Gummi abtastete. Dann blickte er in Charlies Ohren und Augen und schlug ihm mit einem Gummihämmerchen auf die Kniescheiben. Nachdem Charlie auch noch Hose und Unterhose hatte ausziehen müssen – zum ersten Mal in seinem Leben vor jemandem, der nicht zur Familie gehörte –, sagte ihm der Arzt, dass er keine übertragbaren Krankheiten habe – was immer das auch heißen mochte.

Er betrachtete sich im Spiegel, während sie ihn maßen. »Eins vierundsiebzig«, sagte der Sanitäter.

Und ich wachse noch, wollte Charlie hinzufügen, während er sich eine Haarsträhne aus der Stirn strich.

»Zähne gut, Augen braun«, diktierte der ältliche Arzt. »Alles in Ordnung mit Ihnen«, wandte er sich dann an Charlie. Der Arzt hakte noch allerlei auf dem braunen Formular ab und wies Charlie schließlich an, zu dem Sergeant zurückzugehen.

Bis er an der Reihe war, musste Charlie erst in einer längeren Schlange anstehen.

»Gut, Junge, unterschreiben Sie hier, dann stellen wir Ihnen den Marschbefehl aus.«

Charlie kritzelte seine Unterschrift an die Stelle, auf die der Sergeant mit dem Finger getippt hatte. Erst da bemerkte er, dass dem Mann der Daumen fehlte.

»Zur Honourable Artillery Company oder zu den Royal Fusiliers?«, fragte der Sergeant.

»Royal Fusiliers«, antwortete Charlie. »Das war das Regiment meines Vaters.«

»Gut, dann Royal Fusiliers.« Wieder hakte der Sergeant etwas auf dem Formular ab.

»Wann bekomme ich meine Uniform?«

»Erst in Edinburgh, Junge. Seien Sie morgen früh Punkt acht am King’s Cross. Der Nächste.«

Charlie kehrte in die Whitechapel Road 112 zurück und verbrachte dort eine weitere schlaflose Nacht. Seine Gedanken sprangen von Sal zu Grace und dann weiter zu Kitty, und er fragte sich, wie seine beiden Schwestern hier wohl ohne ihn zurechtkommen würden. Er dachte auch an Rebecca Salmon und ihre geschäftliche Abmachung, aber schließlich kehrten seine Gedanken wieder zu dem Grab seines Vaters auf einem Schlachtfeld in fremdem Land zurück und zu der Vergeltung, die jeder deutsche Soldat würde zu spüren bekommen, der es wagen sollte, seinen Weg zu kreuzen. Diesen Gedanken hing er immer noch nach, als es allmählich hell wurde.

Charlie zog seinen neuen Anzug an, der Mrs. Smelley so gefallen hatte, sein bestes Hemd, die Krawatte seines Vaters, eine Mütze und sein einziges Paar Lederschuhe. Ich ziehe ja in den Krieg und gehe nicht zu einer Hochzeit, sagte er sich, während er sich kritisch in dem gesprungenen Spiegel über dem Waschbecken musterte. Er hatte bereits einen Brief an Becky geschrieben – Vater O’Malley hatte ihm ein bisschen dabei geholfen – und sie angewiesen, die Bäckerei und die Karren nach Möglichkeit zu verkaufen und ihm seinen Anteil aufzuheben, bis er nach Whitechapel zurückkehrte. Im Moment allerdings redete niemand mehr von einem Kriegsende vor Weihnachten.

»Und wenn du nicht zurückkommst?«, hatte Vater O’Malley ihn mit gesenktem Kopf gefragt. »Was soll dann mit deinem Anteil geschehen?«

»Dann soll alles, was übrig ist, zu gleichen Teilen zwischen meinen drei Schwestern aufgeteilt werden«, war Charlies Antwort.

Vater O’Malley hatte alles nach Anweisung seines ehemaligen Schülers niedergeschrieben, und zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen setzte Charlie seine Unterschrift unter ein rechtsgültiges Dokument.

Als Charlie fertig angezogen war, warteten Sal und Kitty an der Tür auf ihn, aber er erlaubte ihnen trotz ihres tränenreichen Bettelns nicht, dass sie ihn zum Bahnhof begleiteten. Die Schwestern küssten ihn – auch das war noch nie vorgekommen –, und er musste Kittys Hand fast mit Gewalt von seiner lösen. Dann nahm er sein in braunes Papier gewickeltes Paket, das seine gesamten Habseligkeiten enthielt, und ging.

Allein schritt er zum Whitechapel Road Markt und betrat zum letzten Mal die Bäckerei. Die beiden Gesellen schworen ihm, dass sich nichts ändern würde, bis er zurückkehrte. Als er den Laden verließ, sah er, dass ein Karrenjunge, der etwa ein Jahr jünger war als er, bereits an seinem Standplatz Kastanien verkaufte. Langsam ging er über den Markt in Richtung King’s Cross, ohne noch einmal zurückzublicken.

Er kam eine halbe Stunde zu früh am Bahnhof an und meldete sich sofort bei dem Sergeant, der ihn einen Tag zuvor gemustert hatte. »Gut, Trumper, holen Sie sich ’nen Becher Kaffee, und warten Sie auf Bahnsteig 3.« Charlie konnte sich nicht erinnern, wann ihm jemand zum letzten Mal einen Befehl erteilt hatte, geschweige denn, wann er einen ausgeführt hatte. Ganz bestimmt seit Großvaters Tod nicht.

Auf Bahnsteig 3 drängten sich bereits Männer in Uniform, aber auch in Zivil. Manche unterhielten sich lautstark, andere standen schweigend und allein herum; jeder versuchte, seine Unsicherheit auf eigene Art in den Griff zu bekommen.

Um elf Uhr, drei Stunden nachdem man sie hierher beordert hatte, erhielten sie endlich den Befehl, in einen Zug zu steigen. Charlie setzte sich in die Ecke eines unbeleuchteten Wagens und starrte durch das schmutzige Fenster auf vorüberziehende englische Landschaften, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Auf dem Gang im Zug spielte jemand auf der Mundharmonika die gängigen Schlager, wenn auch nicht immer ganz richtig. Während sie durch die Bahnhöfe von Städten fuhren, die er zum Teil nicht einmal vom Namen her kannte – Peterborough, Grantham, Newark, York –, winkten Menschen auf den Bahnsteigen ihren Helden jubelnd zu. In Durham blieb die Lokomotive stehen, um Wasser und Kohle aufzunehmen. Der Rekrutierungssergeant rief, alle sollten aussteigen, sich die Füße vertreten und einen Becher Kaffee geben lassen, und wenn sie Glück hätten, bekämen sie vielleicht sogar was zu essen.

Charlie spazierte auf dem Bahnsteig auf und ab und kaute ein klebrig süßes Gebäck, während eine Militärkapelle Land of Hope and Glory spielte. Der Krieg war überall. Als sie wieder im Zug saßen, wurden viele Taschentücher von behüteten Damen geschwenkt, die wohl den Rest ihres Lebens Jungfern bleiben würden.

Der Zug ratterte wieder nordwärts, immer weiter weg vom Feind, bis er schließlich im Bahnhof Edinburgh Waverley anhielt. Beim Aussteigen wurden die Rekruten auf dem Bahnsteig von einer kleinen Gruppe Uniformierter und unzähligen Damen in Empfang genommen.

Charlie hörte den Befehl: »Übernehmen Sie, Sergeant-Major!« Einen Augenblick später trat ein Mann vor, der bestimmt zwei Meter groß war und dessen Uniformjacke auf der mächtigen Brust vor Auszeichnungen nur so strotzte.

»In Reih und Glied, Männer!«, bellte der Riese in einem kaum verständlichen Dialekt, von dem Charlie annahm, dass es Schottisch war. Rasch – aber, wie Charlie später lernte, nach seinen Maßstäben langsam – ordnete er die Neuen in Dreierreihen und machte jemandem Meldung, von dem Charlie annahm, dass es ein Offizier war. Er salutierte zackig und sagte: »Alle anwesend und abmarschbereit, Sir.« Dann salutierte er noch einmal.

Der eleganteste Mann, den Charlie in seinem ganzen bisherigen Leben gesehen hatte, erwiderte den Gruß. Er wirkte fast klein neben dem Sergeant-Major, obwohl er selbst über eins achtzig sein musste. Seine Uniform war makellos, wies jedoch keine Medaillen auf, und die Bügelfalten seiner Uniform waren so scharf, dass Charlie sich fragte, ob er sie heute zum ersten Mal trug. Der Offizier hielt ein Lederstöckchen in der behandschuhten Hand und tippte damit hin und wieder auf die Seite seines Beins, als säße er hoch zu Ross. Dann wanderte Charlies Blick zu seinem Gürtel und den braunen Lederschuhen, die auf Hochglanz poliert waren und Charlie unwillkürlich an Rebecca Salmon denken ließen.

»Ich bin Captain Trentham«, stellte sich der Mann der erwartungsvollen Schar noch unausgebildeter Rekruten vor, und zwar mit einem Akzent, der, wie Charlie vermutete, besser ins Ritz gepasst hätte als auf einen Bahnhof in Schottland. »Ich bin der Bataillonsadjutant«, fuhr er fort und verlagerte dabei sein Gewicht von einem Fuß auf den anderen, »und während eurer Ausbildung in Edinburgh euer Kompaniechef. Wir marschieren jetzt zur Kaserne, wo ihr eure Ausrüstung bekommt und euch Betten zugeteilt werden. Abendessen gibt es um neunzehn Uhr, und das Licht wird um einundzwanzig Uhr ausgemacht. Wecken ist um Punkt fünf Uhr, und nach dem Frühstück beginnt eure Grundausbildung, die zwölf Wochen dauern wird. Und ich verspreche euch, dass es zwölf Wochen sein werden, in denen ihr nichts zu lachen habt«, fügte er hinzu, und es hörte sich an, als gefiele ihm diese Vorstellung. »In dieser Zeit wird Sergeant-Major Philpott euch die Befehle erteilen. Er hat an der Somme gekämpft und weiß genau, was euch erwartet, wenn ihr schließlich in Frankreich landet und den Feind vor euch habt. Lasst euch kein Wort von dem entgehen, was er euch sagt, denn es rettet euch vielleicht einmal das Leben. Übernehmen Sie, Sergeant-Major.«

»Danke, Sir!«, bellte Sergeant-Major Philpott.

Die bunte Schar starrte halb ehrfürchtig, halb furchtsam auf den Riesen, der die nächsten drei Monate ihr Leben bestimmen würde. Er war immerhin ein Mann, der gegen den Feind gekämpft hatte und davon erzählen konnte.