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Ruben ist spurlos verschwunden! Für Turmal und Saphira beginnt eine abenteuerliche Suche, auf der sie nicht nur rätselhaften Wesen begegnen, sondern auch vertraute Freunde wiedersehen. Verirrt auf einem abgelegenen Planeten - weit entfernt von der Erde - stoßen sie auf das verborgene Wissen hochentwickelter Kulturen und lernen, die Wirklichkeit durch die Kraft der Gedanken zu formen. Werden sie Ruben und den Weg nach Hause wieder finden? Mit "Turmal und der Dranilofant" setzt Timo Schwagerick die Geschichte um den Glücksdrachen Turmal und seine Freunde Saphira und Ruben fort. Dich erwartet ein fantastisches Abenteuer über Freundschaft, Mut und die Kraft des Geistes.
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Veröffentlichungsjahr: 2026
„Echte Freundschaft ist ein Schatz, der niemals an Wert verliert“
William Shakespeare
Kapitel 1 – Ein Tag im Rat der Drachen
Kapitel 2 – Wo ist Ruben?
Kapitel 3 – Der Scheiz mit dem Eiz
Kapitel 4 – Was ist ein Dranilofant?
Kapitel 5 – Drei Tore im Eis
Kapitel 6 – Da fehlt doch der Sinn
Kapitel 7 – Ich sehe was, was du nicht siehst
Kapitel 8 – In Catos Unterricht
Kapitel 9 – Der Weg zurück
Kapitel 10 – Das Turnier des Feuers
1
„Guten Morgen, meine Drachendamen und Drachenherren“, begrüßte der weiße Glücksdrache Turmal die Ratsmitglieder an diesem wundervoll sonnigen Julimorgen in der Drachenhöhle, mitten im Drachenberg, so wie er es an jedem Morgen zu tun pflegte.
Nur wenige Jahre waren vergangen, seit Turmal Catos Platz im Rat der Drachen übernommen hatte. Und nicht nur das – er war sogar der neue Vorsitzende des Rates geworden! Seitdem gab er sich alle Mühe, weise und gerecht zu entscheiden. Wenn man die Drachen fragen würde, hätten sie keinen Zweifel: Turmal machte seine Sache großartig.
Trotz seines jungen Alters hatte er sich den Respekt der anderen Ratsmitglieder mit Leichtigkeit verdient. Selbst die anfangs misstrauischen Kampfdrachen, hatten schnell gemerkt: Turmal war der perfekte Nachfolger für Cato.
Einer dieser Kampfdrachen stand auf und entfachte die Holzscheite neu, die Wärme und Licht spendeten. Sie waren nicht mehr ganz so nötig wie in den vergangenen Wintermonaten. Die Morgensonne warf ihr warmes goldenes Licht durch die große runde Deckenöffnung in die Höhle. Trotzdem nickte Turmal ihm dankbar zu
„Was haben wir heute auf unserer Tagesordnung?“, fragte Turmal in die Runde und seine Augen fielen auf den halbglatzigen Leerdrachen, der sich ein paar Plätze links von ihm entfernt im Sitzkreis hockte.
Dieser räusperte sich, rückte sein ins Auge geklemmtes Monokel zurecht und sagte: „Nun, der erste Tagesordnungspunkt heute ist die Organisation unseres alljährlichen Turniers des Feuers.“ Der Leerdrache blickte in die Runde. Nicken folgte seinen Worten.
Turmal stand auf und die Blicke der anderen Ratsmitglieder waren auf ihn gerichtet.
„Ich möchte einen Antrag vorbringen.“
Dann machte er eine Pause. Es war so still in der Höhle, dass man eine fallende Stecknadel hätte hören können.
„Ich möchte beantragen, dass Ruben zum diesjährigen Turnier des Feuers zugelassen wird.“
Die Ratsmitglieder schauten sich verdutzt an und begannen, untereinander undeutlich zu murmeln.
„Ruben hat sich mit seinen feuerspeienden Künsten in den letzten Monaten stark verbessert, seit dem Dolf sein Trainer ist.“
Ein Kampfdrache, der für die Ernennung der feuerspeienden Drachen zum Turnier des Feuers mitverantwortlich war, stand nun ebenfalls auf und richtete sich direkt an Turmal: „Turmal, bei allem Respekt. Ich weiß, dass du und Ruben Freunde seid. Das darf aber kein Grund sein, dass er bevorzugt behandelt wird. Nach unserer Ansicht reichen seine Künste im Feuerspeien noch lange nicht dazu aus, um zum Turnier zugelassen zu werden.“
Er schaute in die Runde der Versammelten und sah allgemeines zustimmendes Nicken. Er setzte sich wieder hin.
„Wenn hier alle anderen so denken – schön“, sagte Turmal etwas beleidigt. „Ich bin da anderer Auffassung, aber lassen wir uns das zu einem anderen Zeitpunkt besprechen.“
Turmal setzte sich nun auch wieder hin. Er wusste genau, was eine Teilnahme am Turnier des Feuers für Ruben bedeutet hätte. Es war das Ereignis des Jahres für alle Drachen. Ruben träumte seitdem er klein war, davon, am Turnier mitzumachen. Darum wollte er für ihn um die Teilnahme kämpfen.
Der halbglatzige Leerdrache fuhr mit seiner Tagesordnung fort: „Es geht zum einen darum, was der beste feuerspeiende Drache zu leisten im Stande sein muss, um am Ende als Sieger gekürt zu werden. Zum anderen aber auch um den Pokal an und für sich, der wie jedes Jahr neu angefertigt werden muss.“
Seit Tausenden von Jahren bestand das Turnier aus drei großen Aufgaben, die jeder Drache bestehen musste. Schafften es mehrere Drachen bis zum Ende, durften sie in einer letzten Runde in einer Kür zeigen, was wirklich in ihnen steckte.
Am Ende entschied das Publikum mit seinem Applaus, wer Sieger wurde. Aber eines war klar: Nur wer alle drei Aufgaben gemeistert hatte, konnte gewinnen. So war es seit Anbeginn der Zeit.
Eine Kampfdrachen-Dame mit funkelnd roten Augen und einer Nase voller Warzen hob ihre Klaue.
„Wie wäre es, wenn eine Aufgabe darin besteht, ein Dutzend Hühnereier so zu erhitzen, dass sie weichgekocht sind – aber das Eigelb muss noch flüssig bleiben?“
„Das ist ja großartig!“, rief Turmal. Ein breites Grinsen zeigte sich von einem Ohr bis zum anderen. „So eine ausgefallene Idee hatten wir noch nie im Programm, oder?“ Gespannt wie ein Flitzebogen wandte er sich an den Leerchronisten.
Dieser blätterte umgehend in der riesigen Chronik der Spiele, die auf seinem Schoß offen lag. „Nasenspeien, nein zu weit… Kopfstand … G, F, E … Eier … Eier … weichgekocht – ah, hier.“
Turmal hielt den Atem an.
Endlich nickte der Leerchronist und zeigte mit dem Daumen seiner rechten Kralle nach oben. „Dies hatten wir bisher noch nicht. Das kann ich zulassen.“
Turmal schaute zufrieden auf. „Diese Aufgabe würde ich sehr gerne als erste der drei Aufgaben mit aufnehmen“, sagte er und schaute in die Runde.
Alle elf Drachen des Rates nickten.
Turmal war über diese ausgefallene Idee, deshalb so begeistert, da es bei den Spielen des Feuers keine Aufgabe zweimal geben durfte. Jede Prüfung musste neu und anders sein!
Damit das auch wirklich so war, gab es sogar einen Leerdrachen dafür – den Leerchronisten -, der dies überwachte. Er blätterte in den riesigen Chroniken der Spiele, um zu prüfen, ob eine Aufgabe nicht schon einmal vorkam. So waren die einfachen Wettkämpfe wie, wer hat das heißeste Feuer, oder wer kann am weitesten spucken, schon nach den ersten Jahrhunderten erledigt. Seitdem wurden die Aufgaben immer verrückter! Im letzten Jahr zum Beispiel mussten die Drachen Feuer speien – im Kopfstand! Und zwar aus der Nase!
„Kommen wir also zur offiziellen Abstimmung. Wer also dafür ist, hebt die Kralle“, sprach er und alle Ratsdrachen hoben ihre rechte Kralle in die Höhe.
Ein Kampfdrache in der Runde hob seine Kralle zögerlicher und murmelte zu sich: „Verflixt und zugenäht.“
Turmal musste darüber schmunzeln. Dieser Kampfdrache hatte nämlich einen Sohn, der sich dieses Jahr große Chancen ausmalte. Und der besagte Sohn konnte sein Feuer leider nur schwer zügeln.
Einige verrückte und rauchige Vorschläge später beschloss der Rat die beiden anderen Aufgaben.
Die zweite Aufgabe war knifflig: Ein Kerzenkranz mit sieben Kerzen sollte aus 200 Metern Entfernung entzündet werden – ohne dass der Kranz in Flammen aufging! Dazu brauchte man nicht nur einen starken Feuerstrahl, sondern auch viel innere Ruhe und Treffsicherheit.
Die dritte Aufgabe war noch spektakulärer: Jeder Drache musste zwölf Feuerkreise in die Luft speien und sie so anordnen, dass er anschließend durch alle hindurchfliegen konnte – ohne sich die Flügel zu verbrennen!
Seitdem es das Turnier des Feuers gab, wurde noch nie ein Drache als Sieger gekürt, der kein Kampfdrache war. Feuer war deren angeborene Spezialität und niemand konnte ihnen das Wasser reichen, auch wenn vereinzelt andere Drachenarten versuchten. Obwohl andere feuerspeiende Drachenarten von Jahr zu Jahr versuchten, ihnen den Sieg streitig zu machen.
Nachdem alles rund um die Feuertage insoweit besprochen war, machte der Rat eine Pause, um sich zu stärken, etwas in den Hallen des Drachenbergs zu spielen oder auch, um sich einfach nur auf den Boden zu legen und zu dösen.
Turmal konnte es, wie jedes Mal, nicht erwarten, um endlich zu Saphira und Ruben zu kommen. Es hatte sich viel für ihn geändert, seitdem er in den Rat der Drachen berufen wurde, aber das ließ er sich nicht nehmen. Seine beiden Freunde zu treffen, in der höchsten Baumkrone zu sitzen und sich Geschichten vom Tag zu erzählen, das war ihm heilig.
2
„Wie war dein Tag in der Schule?“, fragte Turmal Saphira.
„Schön, ich habe heute den Kleinen heute etwas über Pilze und ihre giftigen Verwandten beigebracht. Du weißt ja, die können uns nicht wirklich etwas anhaben, aber Bauchschmerzen will dann doch keiner haben, wenn er einen Giftpilz erwischt“, sagte sie.
Turmal nickte zustimmend. „Musstest du heute auch wieder von unseren Abenteuern mit Ruben berichten?“
„Klar.“ Sie grinste.
Turmal kicherte in sich hinein, dann hielt er inne. „Wo ist Ruben heute?“
„Ach, der ist wieder einmal bei seinem Training zum Perfektionieren des Feuerspeiens“, antwortete sie und schmunzelte. Du weißt ja, wenn er sich mal etwas in den Kopf gesetzt hat, dann lässt er sich auch nicht mehr davon abbringen.“
„Ach richtig, dann ist er also wieder bei Dolf dem Furchtlosen“, sagte Turmal.
„Ja.“ Saphira lachte verschmitzt. „Weißt du noch, als Ruben ihn gefragt hatte, ob er sein Mentor werden will?“ Durch das unterdrücken des Lachens, wurde Saphiras Gesicht leicht rötlich.
Turmal nickte und musste ebenfalls beinahe loslachen. Er gluckste: „Ja, der Vorschlag hat Dolf nicht gerade begeistert – bis Ruben ihm erzählt hat, dass ich sein bester Freund bin. Dann wollte Dolf nur noch ein Autogramm von mir und hat zugestimmt.“
Bei beiden brach das Lachen heraus und Turmal musste sich einen Schluckauf unterdrücken.
„Ruben hat mir einmal erzählt, dass Dolf für den Siegespokal eine Vitrine aus massivem, rotem Marmor gebastelt hatte. Damit muss er Monate verbracht haben“, kicherte Saphira.
„Und mir hat Ruben erzählt, dass er den Pokal jeden Tag mit seiner Spucke poliert, damit er auch immer schön glänzt und funkelt.“
Beide lachten noch lauter als zuvor und Saphiras blauer geflochtener Zopf wirbelte hin und her.
