Uli Unsichtbar - Astrid Frank - E-Book

Uli Unsichtbar E-Book

Astrid Frank

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Beschreibung

Ulrich ist garantiert kein U-U-Uhu. Aber er stottert, als er sich in der neuen Klasse vorstellt. Sofort hat er seinen Spitznamen weg und landet in der Mobbing-Ecke. Niemand nimmt ihn richtig wahr. Er traut sich nichts mehr und sieht selbst nur noch den Uhu in sich. Aber er hat Glück: Denn eines Tages ist Ulrike da. Die zweite Uli. Sie sieht ihn – und sie ist mutig! Schon Erst- und Zweitklässler sind Mobbing ausgesetzt. Lehrer merken es nicht oder stehen hilflos da. Dabei könnte man dem Spuk schnell ein Ende bereiten. Manchmal ist dazu nur ein positives Beispiel und ein fröhlicher, mutiger und offener Mensch nötig. Dank Ulrike, einer richtigen "Uli Courage", wird aus dem stillen Uli Unsichtbar, der sich nichts mehr traut, wieder der nette, unkomplizierte Kerl, der gute Rechner, der Spielkamerad. Astrid Frank hat mit Uli Unsichtbar eine authentische, gewinnende Figur geschaffen, in deren Gedankenwelt und Rechenspiele man eintauchen kann. Eine feinfühlige, kindgerechte und lösungsorientierte Darstellung eines wichtigen Themas, das inzwischen in jeder Klasse präsent ist. ∙ Ein einfühlsames, altersgerechtes Buch zum Thema Mobbing. ∙ Eine liebenswerte Identifikationsfigur. ∙ Herausnehmbares Plakat mit Anti-Mobbing-Regeln.

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Seitenzahl: 49

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Astrid Frank

Uli Unsichtbar

Mit Illustrationen von Regina Kehn

Inhalt

1Wo ist »Zuhause«?

2Zweiter Stock rechts

3Dritter Stock rechts

415 Stufen zum Glück

624 neue Klassenkameraden

7U-U-Uhu

8Ein Uhu kommt selten allein

102.880 sehr lange Minuten

11Unsichtbar

12Noch ein(e) Uli

13111 Sommersprossen

148 neue Regeln

Wo ist »Zuhause«?

1

Eins, zwei, drei, vier, fünf.

Uli zählt die Fenster, die übereinander liegen.

Eins, zwei, drei, vier, fünf.

Uli zählt die Fenster, die nebeneinander liegen.

»25«, murmelt Uli. Im Rechnen ist er gut.

Die Hausfront ist in einem hellen Gelb gestrichen. Freundlich sieht das aus.

In der Mitte, über dem Hauseingang, ist ein breiter weißer Streifen.

Die Fenster in dem weißen Streifen gehören zum Hausflur. Das erkennt Uli auch von der anderen Straßenseite aus.

Links von dem weißen Streifen sind zwei Fenster und rechts von dem weißen Streifen sind zwei Fenster. Was jetzt tatsächlich links und was rechts ist, weiß Uli nicht so genau.

»Mit welcher Hand malst und schreibst du?«, fragt Mama ihn immer, wenn er nicht weiß, wo rechts und wo links ist. Zum Beispiel, wenn er die Teller aus dem Schrank holen soll.

Uli wackelt ein bisschen mit den Fingern, in denen er beim Malen und Schreiben den Stift hält.

Aha. Das ist also rechts.

Seine Mutter klettert mit einem Karton auf den Armen aus dem großen Umzugs-LKW, der mitten auf der Straße steht, und stellt sich neben Uli.

»Und?«, fragt sie.

Uli hat den Kopf in den Nacken gelegt. So kann er sogar die grauen Dachziegel sehen. Jetzt wendet er den Kopf und schaut seine Mutter an. »Was und?«

»Gefällt es dir?« Mama hievt den Karton von der einen Seite zur anderen. Von links nach rechts. Oder von rechts nach links?

Uli zuckt mit den Schultern. »Das Gelb ist das gleiche wie zu Hause«, antwortet er schließlich.

Seine Mutter lächelt. »Das ist jetzt dein Zuhause!«

Uli schüttelt stumm den Kopf. Zu Hause ist zwar auch gelb. Aber es gibt nur 3 Fenster übereinander und nur 2 Fenster nebeneinander. Das macht zusammen 6, und nicht 25. Das weiß Uli ganz genau, obwohl er nach den Sommerferien erst in die dritte Klasse kommt.

Mama seufzt. »Willst du helfen, die Sachen nach oben zu tragen? Du könntest zum Beispiel die Blumentöpfe nehmen.«

»Meinetwegen«, antwortet Uli. »Zu welchem Fenster denn?«

»Wie bitte?«

»Welches ist unsere Wohnung?« Uli spricht ganz deutlich, damit seine Mutter ihn versteht.

»Ach so!« Ulis Mutter lacht. »Dritter Stock rechts«, antwortet sie. »Weißt du, wo rechts ist?«

Uli geht auf den großen LKW zu, der mitten auf der Straße parkt, und winkt dabei lässig mit den Fingern seiner rechten Hand. »Na klar«, sagt er. »Ich bin ja nicht blöd.«

Zweiter Stock rechts

2

Der Blumentopf, den ihm der Mann vom Umzugsunternehmen in den Arm drückt, ist ganz schön schwer. Und viel sehen kann Uli mit den Palmenblättern vor dem Gesicht auch nicht.

Eins, zwei, drei, vier, fünf links und eins, zwei, drei, vier, fünf rechts. 10 Klingeln insgesamt. Auf 9 Klingelschildern stehen Namen. Nur auf dem zweiten von oben rechts steht keiner. Noch nicht. Später wird dort WINTER stehen. Zu Hause gibt es nur zwei Klingeln und zwei Klingelschilder. Und auf beiden steht WINTER. Unten steht L. WINTER und oben steht Fam. WINTER. Dabei wohnt unten gar nicht nur L. Winter, sondern auch G. Winter. Ludwig und Gaby Winter, Ulis Großeltern, Oma und Opa. Und oben wohnen Mama, Papa und Uli.

Wohnten, verbessert sich Uli. Denn jetzt wohnen sie ja hier, weil Papa hier eine bessere Arbeit gefunden hat. Nächstes Wochenende wollen Oma und Opa sie in der neuen Wohnung besuchen kommen.

»Das geht nur am Wochenende, Schatz«, hat Ulis Mutter ihm erklärt. »Mit zwei Stunden Fahrt muss man schon rechnen. Und das lohnt sich nur mit einer Übernachtung. Opa arbeitet ja auch noch, wie du weißt. Da geht das in der Woche nicht.«

Rechnen kann Uli zwar schon ganz gut, aber das hat er trotzdem nicht verstanden. Oder vielleicht will er es auch nur nicht verstehen.

Wenn Oma und Opa schon nur am Wochenende kommen können – wann sollen ihn dann seine Freunde Tommy und Benni jemals besuchen?

Tommy und Benni und Uli. Das sind drei.

Jetzt sind es nur noch Tommy und Benni. Das macht zwei.

Und eins. Das ist er. Uli. Ganz allein.

Genau genommen waren sie ja sogar vier, denn Rosa war ja auch noch dabei.

Einmal hat Uli Rosi zu Rosa gesagt. Weil es so gut passte. Tommy, Benni, Uli und Rosi. Aber da hat sie ihn so böse angestarrt, dass er vor Schreck einen Schritt rückwärts gestolpert ist.

»Es ist schon schlimm genug, wie eine Farbe zu heißen«, hat Rosa gesagt. »Und dann auch noch wie eine Mädchenfarbe! Aber wenn du jetzt auch noch Rosi daraus machst, dann sind wir die längste Zeit Freunde gewesen!«

Und das hat Uli gut verstanden. Also hat er nie wieder Rosi zu Rosa gesagt. Schließlich will er ja auch nicht, dass seine Freunde ihn Ulrich nennen. Denn so heißen nur Opas, findet Uli. Das weiß er deswegen so genau, weil er seinen Namen auch von seinem Opa hat. Also nicht vom Ludwig, sondern vom Ulrich.

Aber jetzt ist Rosa nicht mehr da. Oder besser gesagt: Uli ist nicht mehr da. Denn Rosa wohnt ja immer noch im Auenweg 5. Aber er, Uli, wohnt nicht mehr im Auenweg 3. Uli wohnt jetzt in der Römerstraße 22. Im dritten Stock rechts.

Jetzt ist Uli im zweiten Stock angekommen. Und hier kichert es.