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Dr. Laurin ist ein beliebter Allgemeinmediziner und Gynäkologe. Bereits in jungen Jahren besitzt er eine umfassende chirurgische Erfahrung. Darüber hinaus ist er auf ganz natürliche Weise ein Seelenarzt für seine Patienten. Die großartige Schriftstellerin Patricia Vandenberg, die schon den berühmten Dr. Norden verfasste, hat mit den 200 Romanen Dr. Laurin ihr Meisterstück geschaffen. Patricia Vandenberg ist die Begründerin von "Dr. Norden", der erfolgreichsten Arztromanserie deutscher Sprache, von "Dr. Laurin", "Sophienlust" und "Im Sonnenwinkel". Sie hat allein im Martin Kelter Verlag fast 1.300 Romane veröffentlicht, Hunderte Millionen Exemplare wurden bereits verkauft. In allen Romangenres ist sie zu Hause, ob es um Arzt, Adel, Familie oder auch Romantic Thriller geht. Ihre breitgefächerten, virtuosen Einfälle begeistern ihre Leser. Geniales Einfühlungsvermögen, der Blick in die Herzen der Menschen zeichnet Patricia Vandenberg aus. Sie kennt die Sorgen und Sehnsüchte ihrer Leser und beeindruckt immer wieder mit ihrer unnachahmlichen Erzählweise. Ohne ihre Pionierarbeit wäre der Roman nicht das geworden, was er heute ist. Der Name Holtenau kam Dr. Laurin gleich bekannt vor, als Moni Hillenberg eine neue Patientin anmeldete. Er erinnerte sich auch sofort an einen jungen Kollegen, den er im Vorjahr auf einem Gynäkologenkongress kennengelernt hatte. Der junge Mann hatte einen starken Eindruck bei ihm hinterlassen, und auch von Elisa Holtenau war Dr. Leon Laurin gleich sehr beeindruckt, als sie nun sein Sprechzimmer betrat. Sie war etwa fünfzig, ziemlich groß, sehr schlank und eine Dame im besten Sinne des Wortes. Ihr schmales blasses Gesicht wurde von großen dunklen Augen beherrscht. »Mein Sohn hat darauf bestanden, dass ich mich gründlich von Ihnen untersuchen lasse. Er hat Sie voriges Jahr kennengelernt und hat oft mit großer Bewunderung von Ihnen gesprochen. Obwohl ich nicht glaube, dass mir noch zu helfen ist, wollte ich Oliver den Gefallen tun und mich bei Ihnen anmelden.« »Ich kann mich gut an Ihren Sohn erinnern. Ich hörte auch von Professor Rittberg, dass meinem jungen Kollegen eine große Karriere vorausgesagt wird.« »Oliver will das nicht hören. Er tut sein Bestes, und ich bin deshalb sehr stolz auf ihn, aber manchmal denke ich auch, dass er sehr verletzlich ist und deshalb manchen Anforderungen nicht gerecht werden könnte.« Sie ist gekommen, um über ihren Sohn zu sprechen, nicht wegen irgendwelcher Beschwerden, die tatsächlich sehr ernst genommen werden sollten. Der erfahrene Dr. Laurin hatte bereits eine bange Ahnung, nachdem er Elisa Holtenau forschend betrachtet hatte. Er ließ sie reden. Er nahm sich gern Zeit für sie. Er erfuhr, dass Oliver Holtenau in der Genforschung eine Stellung bekommen hatte, die ihm tatsächlich alle
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Seitenzahl: 125
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Der Name Holtenau kam Dr. Laurin gleich bekannt vor, als Moni Hillenberg eine neue Patientin anmeldete. Er erinnerte sich auch sofort an einen jungen Kollegen, den er im Vorjahr auf einem Gynäkologenkongress kennengelernt hatte. Der junge Mann hatte einen starken Eindruck bei ihm hinterlassen, und auch von Elisa Holtenau war Dr. Leon Laurin gleich sehr beeindruckt, als sie nun sein Sprechzimmer betrat.
Sie war etwa fünfzig, ziemlich groß, sehr schlank und eine Dame im besten Sinne des Wortes. Ihr schmales blasses Gesicht wurde von großen dunklen Augen beherrscht.
»Mein Sohn hat darauf bestanden, dass ich mich gründlich von Ihnen untersuchen lasse. Er hat Sie voriges Jahr kennengelernt und hat oft mit großer Bewunderung von Ihnen gesprochen. Obwohl ich nicht glaube, dass mir noch zu helfen ist, wollte ich Oliver den Gefallen tun und mich bei Ihnen anmelden.«
»Ich kann mich gut an Ihren Sohn erinnern. Ich hörte auch von Professor Rittberg, dass meinem jungen Kollegen eine große Karriere vorausgesagt wird.«
»Oliver will das nicht hören. Er tut sein Bestes, und ich bin deshalb sehr stolz auf ihn, aber manchmal denke ich auch, dass er sehr verletzlich ist und deshalb manchen Anforderungen nicht gerecht werden könnte.«
Sie ist gekommen, um über ihren Sohn zu sprechen, nicht wegen irgendwelcher Beschwerden, die tatsächlich sehr ernst genommen werden sollten.
Der erfahrene Dr. Laurin hatte bereits eine bange Ahnung, nachdem er Elisa Holtenau forschend betrachtet hatte.
Er ließ sie reden. Er nahm sich gern Zeit für sie.
Er erfuhr, dass Oliver Holtenau in der Genforschung eine Stellung bekommen hatte, die ihm tatsächlich alle Möglichkeiten für eine schnelle Karriere bot.
»Sein Wunschtraum ist in Erfüllung gegangen«, erzählte sie, »und ich bin glücklich und dankbar, dass er in dieser Arbeit Erfüllung findet. Ich weiß, dass ich nicht mehr lange leben werde. Ich habe Krebs, aber ich möchte es Oliver so lange wie möglich verschweigen. Sie bitte ich auch, ihm nichts zu sagen.«
»Ich weiß nicht, ob das möglich sein wird, da er ja selbst Arzt ist und über entsprechende Kenntnisse verfügt. Aber wieso sind Sie überzeugt, dass es Krebs ist?«
»Ich war schon bei anderen Ärzten, ohne es Oliver zu sagen, und ich beobachte mich schon mehrere Wochen.«
»Und Sie sind überzeugt, dass Ihr Sohn nichts bemerkt hat?«
»Ich lasse mir nichts anmerken.«
»Da Sie nun aber hier sind, sollten wir auch eine gründliche Untersuchung vornehmen.«
»Das können Sie gern, aber Sie werden auch nichts anderes feststellen.«
»Ist Ihnen nicht zu einer Operation geraten worden?«
Sie zuckte die Schultern. »Machen Sie sich ruhig selbst ein Bild.«
Die Untersuchung dauerte eine Stunde. Gründlicher konnte man wirklich nicht vorgehen, als Dr. Laurin es in diesem Fall tat. Er ließ auch Dr. Sternberg kommen, und es wurde mit modernen technischen Möglichkeiten gearbeitet.
»Ich würde zu einer Operation raten, da keine Metastasen festzustellen sind«, sagte Dr. Laurin. »Aber der Eingriff sollte bald geschehen.«
Sie sah ihn sekundenlang schweigend an, als wolle sie sein Innerstes erforschen, dann atmete sie tief durch.
»Nun gut, wenn Sie es meinen, kommt es auf einen Versuch an. Aber wir sagen Oliver, dass es ein Myom ist oder so was Ähnliches …«
»Er wird es genau wissen wollen, aber darüber kann man ja noch reden. Resignieren sollten Sie jedenfalls nicht«, sagte Dr. Laurin energisch. »Ich kann Ihnen Fälle nennen, die weit kritischer waren, und die Patientinnen konnten sich noch vieler guter Jahre erfreuen.«
»Aber eine Garantie gibt es nicht«, sagte sie mit einem flüchtigen Lächeln.
»Wann gibt es die schon? Wir werden unser Bestmögliches tun, und ich denke, dass Ihr Sohn das auch von uns erwarten wird.«
»Ich sagte es ja schon, dass er Sie bewundert. Wann kann es losgehen? Ich bin bereit.«
Jetzt bewunderte Dr. Laurin Elisa Holtenau. Sie wirkte ganz gelassen, aber vielleicht hatte sie tatsächlich schon mit dem Leben abgeschlossen.
»Ich werde gleich mit meinen Kollegen sprechen. Gedulden Sie sich bitte ein paar Minuten.«
Er ging hinaus.
Sie trat derweil ans Fenster und blickte auf den Klinikgarten. Schön war es hier, und irgendwie fühlte sie auch eine leise Hoffnung aufkeimen. Dr. Laurin verstand es, eine positive Einstellung zu erzeugen. Eigentlich war sie ja nur zu ihm gekommen, weil Oliver es gewünscht hatte und sie immer wieder dazu drängte. Oliver wusste nicht, dass sie sich aufgegeben hatte …
Dr. Laurin kam schon zurück. »Sie können morgen kommen, und dann bereiten wir Sie gleich auf die Operation vor. Einverstanden?«
»Sie sind sehr überzeugend. Ihnen kann ich genauso wenig widersprechen wie meinem Sohn. Aber Sie werden sich an meine Bitte halten?«
»Selbstverständlich. Nur werde ich nicht verhindern können, dass er sich unterrichten wird.«
»Dem Sie diplomatisch ausweichen können.« Sie lächelte hintergründig. »Ich darf mich jetzt ein bisschen umschauen?«
»Selbstverständlich. Schwester Marie wird Ihnen zeigen, was Sie sehen möchten.«
So lernte Elisa Holtenau Schwester Marie kennen, die es meisterhaft verstand, den Patientinnen jede Angst zu nehmen.
Sie zeigte Elisa das Zimmer, in dem sie untergebracht werden würde. Die Patientin, die es gerade verließ, hatte auch eine schwere Operation hinter sich, aber sie scherzte mit den Schwestern und Dr. Thiele, den Elisa dann auch kennenlernte.
Die elegante Frau wollte aber auch die Säuglingsstation sehen, was Marie verwunderte.
Andächtig betrachtete Elisa die Babys. »Ich würde so gern ein Enkelkind erleben«, sagte sie leise. »Wenn ich wüsste, dass mein Junge glücklich ist, wäre alles viel leichter für mich.«
»Sie müssen leben wollen«, sagte Marie eindringlich. »Der Wille und die Zuversicht machen viel aus.«
»Sie sind schon lange hier an dieser Klinik?«, fragte Elisa, ohne auf diese Bemerkung einzugehen.
»Schon viele Jahre. Sie ist mein Zuhause.«
»Wo gibt es heute noch solche Treue«, sagte Elisa leise. »Vor zwei Jahren habe ich meine Haushälterin verloren. Sie war zwanzig Jahre bei uns. Ich vermisse sie sehr, denn jetzt habe ich ständig jemand anderen um mich. Auch Ehrlichkeit wird immer seltener.«
Sie ging schweigend neben Marie zum Ausgang. »Morgen werde ich also kommen. Es freut mich, dass ich Sie kennengelernt habe, Schwester Marie. Ich fühle mich nicht mehr so fremd«, sagte sie gedankenverloren.
Hoffentlich ist ihr zu helfen, dachte Marie, denn Elisa Holtenau besaß bereits ihre volle Sympathie.
*
Oliver Holtenau hatte es besonders eilig, an diesem Abend heimzukommen. Es behagte ihm gar nicht, dass Vanessa Jörgens eilig über die Straße kam, als er aus seinem Wagen stieg.
»Wie nett, dass man sich mal wieder trifft«, sagte sie anzüglich. »Du machst dich sehr rar, Olli.«
Er konnte es nicht ausstehen, Olli genannt zu werden, aber Vanessa lachte nur darüber, und ihr gegenüber war er sehr vorsichtig geworden. Dafür gab es mehrere Gründe.
»Ich habe viel zu tun«, entgegnete er mit erzwungener Ruhe. »Und jetzt werde ich von meiner Mutter erwartet.«
»Du entwickelst dich wohl zum Muttersöhnchen«, spottete sie. »Ich möchte wenigstens wissen, warum du mich meidest. Es ist noch nicht lange her, dass wir schon beinahe verlobt waren.«
»Das war deine Absicht. Ich aber habe dir gesagt, dass ich noch keine feste Bindung will.«
»Okay, aber deshalb brauchst du mir doch nicht aus dem Weg zu gehen. Dauernd werde ich gefragt, was zwischen uns passiert ist. Ich stehe richtig dumm da.«
»Du hast doch auch andere Freunde«, sagte Oliver.
Sie warf ihm einen schrägen Blick zu. »Bist du etwa deswegen eifersüchtig?«
»Ich bin nicht eifersüchtig. Es ist mir gleichgültig, mit wem du herumziehst. Ich habe meinen Beruf, der mich sehr beansprucht. Und jetzt habe ich wirklich keine Zeit mehr.«
»Du vergisst deine gute Erziehung«, warf sie ihm vor.
»Wieso denn das?«
»Du lässt mich hier einfach stehen.«
»Ich war nicht mit dir verabredet«, konterte er gereizt.
»Ich bin noch nicht fertig mit dir!«, zischte sie.
»Was willst du denn noch? Ich werde dich nicht heiraten – ist das deutlich genug?«
»Immerhin waren wir zwei Jahre zusammen, und wenn ich gewusst hätte, dass du es nicht ernst meinst, hätte ich meine Zeit auch anderweitig nutzen können.«
»Es hätte ganz bei dir gelegen. Und außerdem hast du dich auch anderweitig amüsiert, das wirst du doch nicht leugnen wollen?«
»Du bist also doch eifersüchtig«, lachte sie. »Wir sollten darüber reden. Ruf mich an, wenn du Zeit hast.«
Ehe er es sich versah, drückte sie ihm einen Kuss auf die Wange und tänzelte dann davon.
Worauf legt sie es an? Was soll das Theater bedeuten?, dachte er irritiert. Dann aber betrat er schnell das Haus, und mit einem Kuss begrüßte er seine Mutter, die ihm in der Diele schon entgegenkam.
»Wie war dein Tag, Mutsch?«, fragte er.
»Interessant, wie du es vorhergesagt hast. Ich war bei Dr. Laurin. Er hat sich sofort an dich erinnert.«
»Darauf bilde ich mir etwas ein. Und was sagt er zu dir?«
»Dass ein kleiner Eingriff notwendig ist, dann werde ich wieder wie neu«, flunkerte sie.
Er war sofort skeptisch, ließ es sich aber nicht anmerken.
»Morgen gehe ich in die Klinik. Warum es erst auf die lange Bank schieben?«
»Das ist okay, aber ich möchte mehr wissen.«
»Es ist eine kleine Sache, ein Myom, aber nichts Großartiges«, fuhr sie lässig fort. »Reden wir nicht mehr davon. Lass uns essen. Habe ich da vorhin nicht Vanessa weggehen sehen?«, lenkte sie dann ab.
Er war nicht dazu aufgelegt, über Vanessa zu sprechen, und er merkte, dass ihr diese Ablenkung gelegen kam.
»Ja, sie war es. Sie kann sich nicht damit abfinden, dass ich meinen Beruf vorziehe.«
»Vielleicht hättest du es ihr schon vorher klarmachen sollen, Oliver.«
Er äußerte sich nicht dazu. Gemeinsam holten sie das Essen aus der Küche.
»Es sieht sehr lecker aus, Mutsch«, lobte er.
Elisa kochte gern. Es war ein Hobby von ihr, und sie probierte auch gern neue Rezepte aus. Oliver schmeckte es. Vanessa hatte ihm den Appetit nicht verdorben, aber es missfiel ihm, dass seine Mutter später wieder auf sie zu sprechen kam.
»Mutsch, was soll ich dazu sagen – ich habe sie nie so ernst genommen, dass ich mir Vorwürfe machen müsste. Sie hat auch viel ohne mich unternommen. Ich weiß nicht, warum sie plötzlich so scharf auf eine Verlobung war. Wahrscheinlich deshalb, weil zwei von ihren Freundinnen geheiratet haben. Da wollte sie nicht nachstehen.«
Elisa sah ihn von der Seite her an. »Kann sie dir Schwierigkeiten machen?«, fragte sie zögernd.
»Wieso denn? Was meinst du damit?«
»Wie eng war eure Beziehung?«, fragte sie unumwunden.
»Liebe Güte, was heißt eng? Ich war nicht der erste Mann in ihrem Leben und werde bestimmt nicht der letzte sein. Ich zweifle auch daran, dass es ihr ernst war. Das Interesse kam erst, als ich den Ruf in die Forschung bekam und die Zeitungen darüber berichteten. Da wurde ich für sie interessant.«
»Aber vielleicht haben ihre Eltern ernsthaft auf eine Hochzeit spekuliert.«
»Mit ihren Eltern hatte ich nie etwas zu tun, und außerdem krachte es in dieser Ehe gewaltig. Vanessa hatte mit ihrem Stiefvater nie was am Hut, und ihre Mutter wird wahrscheinlich schon einen anderen Mann im Visier haben. Ich habe mich nie darum gekümmert.«
»Aber du hast Vanessa doch gern gehabt.«
»Sie hatte ja auch ihre guten Seiten, und wir hatten Spaß in unserem Club. Aber mit der Zeit flachte alles ab. Oder sagen wir besser – ich sah alles mit anderen Augen.«
»Gibt es eine andere Frau?«
Seine Lider senkten sich, und Elisa war erschrocken. Wollte er ihr ausweichen? Gab es etwas, was er ihr nicht sagen wollte? Es war ja nicht so, dass sie von ihm erwartete, alles zu erfahren, aber zwischen ihnen herrschte ein solches Vertrauensverhältnis, dass er ihr immer alles, was ihn bewegte, erzählt hatte.
»Ich bin nicht neugierig«, sagte sie lächelnd.
»Das weiß ich doch, Mutsch. Es war keine andere Frau im Spiel, als ich mich von Vanessa distanzierte. Es war dieses plötzliche von mir Besitz ergreifen wollen, das mir klarmachte, dass meine Gefühle für sie nicht ausreichten für eine Ehe – an die ich übrigens gar nicht gedacht hatte.«
»Du bist von deiner Arbeit völlig gefangen genommen, nicht wahr?«
»Man kann es so nennen. Wir sind auch ein sehr harmonisches Team.«
»Du hast mir noch nicht viel von deinen Kollegen erzählt.«
»Wir mussten uns doch auch erst kennenlernen. Was willst du wissen, Mutsch?«
Eigentlich hatte sie warten wollen, bis er von selbst mehr erzählte, aber jetzt war sie froh, ein Thema zu haben, das von Vanessa und auch von der Operation ablenkte.
»Was du erzählen kannst und willst.«
»Wir sind vier Leute, weil der Chef meint, dass dies besser als drei sei, denn da könnten sich leicht zwei gegen einen verbünden. Ich denke, er hat eine glückliche Hand bewiesen, als er unser Team zusammenstellte – wenngleich da drei Männer mit einer Frau fertig werden müssen, die eine Klasse für sich ist.«
Elisa hütete sich, ihn jetzt zu auffällig anzusehen. »Passt sie denn zu euch?«, fragte sie beiläufig. »Ich meine, gibt es da keine Komplikationen?«
»Nein, sie zieht Rittberg vor.«
»Vielleicht können wir deine Kollegen mal einladen, wenn ich wieder gesund bin«, lenkte Elisa ab, um ihn auch in Sicherheit zu wiegen, dass sie die Operation leicht nahm.
»Das machen wir, Mutsch.«
»Erzählst du mir noch ein bisschen von ihnen? Ich höre das gern.« Und sie hoffte auch, so noch mehr über die Kollegin zu erfahren.
»Da ist Richard Loewe, Rick genannt. Er ist Biologe, vierunddreißig, verheiratet. Dann Till Brecht, einunddreißig, Chemiker, Junggeselle. Und dann Patricia Jackson, Deutschamerikanerin, Medizinerin wie ich. Allerdings ist sie auf Neurologie spezialisiert.«
»Wie alt?«, fragte Elisa.
»Erst sechsundzwanzig, aber ein Genie.«
»Ist Rittberg da nicht ein bisschen zu alt für sie?« Elisa tat ganz harmlos.
»Er ist wohl ihr Mentor, vielleicht auch ihr Mäzen. Jedenfalls ist eine große Sympathie zwischen beiden vorhanden, und wir verstehen uns. Rittberg ist ein großartiger Mensch. Ich bin in diesem Team sehr glücklich, Mutsch. Wir respektieren uns alle gegenseitig.«
»Darüber bin ich sehr froh.«
»Ich werde dich morgen zur Prof.-Kayser-Klinik bringen und mit Dr. Laurin sprechen. Ich will schon genau wissen, was dir fehlt.«
»Ich kann mit dem Taxi fahren, und Dr. Laurin wird bestimmt wissen, was er tut.«
»Ich will ihm doch keine Vorschriften machen, Mutsch. Aber schließlich geht es um den liebsten Menschen, den ich habe, und Dr. Laurin wird gewiss erwarten, dass ich mich entsprechend um dich kümmere.«
»Ich habe mir alles angeschaut. Eine sehr moderne Klinik mit bestem Personal ist das. Mit Schwester Marie habe ich mich schon angefreundet. Die Säuglingsabteilung ist besonders zu beachten. Da bekommt man gleich großmütterliche Gefühle.«
Er warf ihr einen schrägen Blick zu. »Diesbezüglich muss ich dich leider vertrösten, Mutsch. Ich habe noch keine Frau kennengelernt, die ich mir als Mutter meiner Kinder wünschen würde.«
Ein feines Lächeln umspielte Elisas Lippen. »Nun, in erster Linie solltest du auch daran denken, dass es die große Liebe sein sollte. Das ist wichtiger, als an Kinder zu denken.«
»Hast du Vater sehr geliebt?«, fragte Oliver. Es war das erste Mal, dass er eine solche Frage stellte.
»Ja, sehr«, erwiderte sie. »Er war sicher kein perfekter Vater, aber er war der beste Ehemann, den ich mir wünschen konnte.«
