Unter Deiner Haut - Don Both - E-Book

Unter Deiner Haut E-Book

Don Both

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Beschreibung

Die Mafiaprinzessin und der Polizist. Das Gesetz und das Verbrechen. Und eine Familienfehde, die unter die Haut geht. Was macht ein Robert Wrangler, wenn er seinem Vater eins auswischen will? Er wird Polizist und schon bald verdeckt in die Mafiaszene eingeschleust – als illegaler Kämpfer. Dort rettet er eher unfreiwillig das Temperamentbündel Gianna Devito aus ihrem goldenen Käfig und verliebt sich unsterblich in die kleine Rebellin, die sich von keinem etwas sagen lässt. Erst recht nicht von ihm. Sie ist für ihn die Luft zum Atmen, und doch muss er sich fernhalten. Er ist für sie der strahlende Held und gleichzeitig der Bad Boy. Eine Geschichte über die Mafia, Familie, Verrat und Leidenschaft. Eine Geschichte, über eine verbotene Liebe.

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EPUB

Seitenzahl: 339

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Table of Contents

Prolog

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

13.

14.

15.

16.

17.

18.

19.

20.

21.

22

23.

24.

25.

26.

27.

28.

29.

30.

31.

32.

33.

34.

35.

35.

36.

37.

38.

39.

40.

Epilog

Tom und Vivis Ausschnitt

Zurück in die Vergangenheit

DomTom

Bruch

Danksagung

Bisher in der Immer wieder – Reihe erschienen:

Über die Autorin

Unter deiner Haut / Band 1

von Don Both

Drama / Romanze/ Erotik

Deutsche Erstausgabe Februar 2017

© Don Both

Kontakt: [email protected]

https://www.facebook.com/pages/DonBoth/248891035138778

http://donboth.weebly.com/

Lektorat: Belle Molina

Korrektorat: Anke Neuhäußer

Cover: Babels Art

Erschienen im A.P.P.-Verlag

Peter Neuhäußer

Gemeindegässle 05

89150 Laichingen

ISBN – mobi: 978-3-96115-083-0

ISBN – E-pub: 978-3-96115-084-7

ISBN – Print: 978-3-96115-085-4

Alle Rechte vorbehalten!

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages. Personen und Handlungen sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Dieser Roman wurde unter Berücksichtigung der neuen deutschen Rechtschreibung verfasst, lektoriert und korrigiert.

Für meinen Sohn, weil du die Vorlage für Robbie warst.

Die Mafiaprinzessin und der Polizist. Das Gesetz und das Verbrechen. Und eine Familienfehde, die unter die Haut geht.

Was macht ein Robert Wrangler, wenn er seinem Vater eins auswischen will? Er wird Polizist und schon bald verdeckt in die Mafiaszene eingeschleust – als illegaler Kämpfer. Dort rettet er eher unfreiwillig das Temperamentbündel Gianna Devito aus ihrem goldenen Käfig und verliebt sich unsterblich in die kleine Rebellin, die sich von keinem etwas sagen lässt. Erst recht nicht von ihm.

Sie ist für ihn die Luft zum Atmen, und doch muss er sich fernhalten.

Er ist für sie der strahlende Held und gleichzeitig der Bad Boy.

Eine Geschichte über die Mafia, Familie, Verrat und Leidenschaft.

Eine Geschichte, über eine verbotene Liebe.

Auszug:

»Wir dürfen das nicht. Wir dürfen nichts füreinander empfinden«, wisperte er, visierte dabei aber bereits wie ein Raubtier seine Beute meine Lippen an.

»Ich weiß«, hauchte ich zurück und beugte mich allerdings schon wie hypnotisiert nach vorne. »Nur … nur … einmal … kurz«, flüsterte ich und strich mit meinen Lippen hauchzart über diesen Göttermund vor mir. Er stöhnte tief.

»Gia nein!« Seine Hand krallte sich in meine Haare, er wollte mich zurückziehen, aber ich machte lediglich »Shhh« und dann krabbelte ich auf seinen Schoß, nahm sein wunderschönes Gesicht in meine Hände und küsste ihn – richtig.

***

Robert Wrangler war absolut perfekt.

Aber er war Romeo – stand auf der falschen Seite dieser Geschichte – und ich war nichts weiter als eine verräterische, hinterhältige Julia. Was hatte ich mir auch dabei gedacht, ihn einfach zu küssen? Hatte ich gedacht, das würde mich kalt lassen?

Tada.

Überraschung.

Es ließ mich nicht kalt.

Dieser Kuss machte das Chaos in mir nur größer, genauso wie die Sehnsucht nach ihm. Aber ich durfte dem nicht nachgeben, denn er war immer noch ein Wrangler. Anscheinend hatte er keine Ahnung davon, was dieser Name zu bedeuten hatte – besonders im Bezug auf unsere Familien.

Ich durfte mich nicht auf ihn einlassen.

Es gab keinen Weg.

Egal, wie sehr ich auch glaubte, mich unsterblich in Robert Wrangler verliebt zu haben. Bei dieser Geschichte konnte nur eine Seite gewinnen.

Cavalli oder Wrangler.

Oder?

Prolog

Alles Lutscher außer Papa, ging mir spontan durch den Kopf, als ich das Innere des Hauses betrat. Carlos’ Eltern waren um einiges lockerer als meine, deswegen fanden die großen Partys hier statt. Und heute würde sogar ich mich dazu hinreißen lassen, zu feiern. Denn ich hatte es geschafft; ich hatte nicht nur mein Abitur mit Auszeichnung bestanden, nein, ich war auch noch nach einem knallharten Auswahlverfahren bei der Polizeifachhochschule angenommen worden und hatte die ersten Monate überstanden! Mit Kusshand.

Wieso ich Polizist werden wollte?

Gerade weil mein Vater wie ein Irrer getobt hatte, als ich ihm meinen Berufswunsch mitgeteilt hatte. Allein sein Blick war unbezahlbar gewesen.

Seit mir Luca, mein Patenonkel – ein dunkelhaariger Italiener, der aber fünf Sprachen perfekt beherrschte –, das erste Mal im Alter von zwölf Jahren Schießunterricht gegeben hatte, war meine Zukunft besiegelt. Meine Hände waren feucht, als wir in einen abgelegenen Wald fuhren und kurz darauf alleine mitten in der Pampa standen, vor uns auf einem umgefallenen Baum ein paar alte Blechdosen aufgereiht. Dieser Nervenkitzel war unbeschreiblich, als ich das erste Mal das schwere Eisen einer Pistole in der Hand fühlte; das Anspannen, das Luftanhalten und die Befriedigung, als die Munition ihr Ziel traf … Das alles war vergleichbar mit einem Orgasmus. Vor allem, weil ich genau wusste, dass mein Dad toben würde, wenn er davon erfuhr. Ja, ich wollte nie werden wie mein Vater und ich tat alles, um ihm das auch zu zeigen.

Meine Mutter, Mia Engel, war wohl dafür zuständig, dass aus mir ein wohl erzogener Mann geworden war, trotz des Einflusses meiner verwöhnten Cousine Alexandra, meiner Zickenschwester Eli – der Irren –, einem Kontrollfreakvater aus dem Bilderbuch und einem Patenonkel, der durch seinen Job als italienischer Waffenhersteller Zugang zu allerhand Illegalem hatte. Trotzdem stand ich mit beiden Beinen im Leben, und zwar auf der richtigen Seite von Moral und Anstand!

Ich rauchte nicht, obwohl mein Dad mir selber die erste Kippe in den Mund gezwängt hatte, als er mich im Alter von 13 Jahren dabei erwischt hatte, wie ich mir eine von ihm klauen wollte. Vielleicht auch gerade deswegen, denn ich hatte mir fast die Lunge aus dem Hals gehustet. Das war’s dann auch mit meiner Raucherkarriere. Ich war Vegetarier, aber wie auch nicht? Schließlich lebte ich auf einem Gnadenhof, wo nicht nur ein gerettetes Schlachtvieh fröhlich über unsere Wiesen hoppelte oder stolzierte. Mittlerweile war unser Garten ein halber Tierpark. Jeden Freitag gab es sogar Besuchszeiten, an denen die Menschen unsere verschiedenen Attraktionen bestaunen und für den Hof spenden konnten. Wir hatten ein Totenkopfäffchen, zwei Hunde, zwei Schweine, drei Katzen, einen Esel, zwei Pferde, Hasen, Meerschweinchen, Aggro-Gänse, einen Schwan, Enten, Hühner und vor allem Berta, unsere älteste Kuh, eine meiner besten Freunde – sie war schon 24 Jahre alt! Ich konnte einfach kein Fleisch essen, es wäre Verrat an ihr gewesen! Davon abgesehen achtete ich streng auf meine Ernährung sowie auf meine Gesundheit. In meiner Freizeit spielte ich Gitarre und hatte mich nie mit den Idioten meiner Schule abgegeben. Mit ihrer eingeschränkten Denkweise kam ich nicht klar, wollte auch gar nicht damit klarkommen und war somit Einzelgänger.

Meine einzigen Freunde waren Carlos und Julian. Sie waren beide mit mir auf einer Kleinkaffschule gewesen. Carlos hatte sogar seit der ersten Klasse die Schulbank mit mir gedrückt, wobei er sich echt verdammt dämlich angestellt hatte. Ein bisschen erinnerte mich diese Zeit an 21 Jump Street, mit mir als Channing Tatum in intelligent, aber ohne ständig Weiber aufreißen zu müssen, um das Ego zu polieren. Auf Schlunzen (wie sie mein Vater liebevoll nannte), Liebe und sexuelle Ablenkungen gab ich nämlich gar nichts. Carlos war der kleine, dicke, trottelige und immer freundliche Kerl von nebenan. Er war mein kleiner Teddybär und genauso beschützte ich ihn auch – seit dem ersten Schultag. Unsere beschränkten Mitschüler hatten ihn gemobbt, indem sie ihn mit seiner Schultüte in die Pfütze getreten hatten. Da ich Ungerechtigkeit und dieses typische »Wegsehen« hasste, war ich dazwischen gegangen, hatte ihm seine Schultüte aufgehoben und ihm aufgeholfen. Seitdem teilten wir uns eine Bank, eine Lunchbox und ein Herz und eine Seele. Da die anderen wussten, wer mein Vater war, trauten sie sich nie wieder an mich oder an Carlos heran, was auch besser so war, denn ich hätte ihnen auch ohne dessen Hilfe den Arsch sperrangelweit aufgerissen. Dann war da noch Julian, mein anderer Freund – groß, dunkelhaarig, trainiert –, der absolute Aufreißer und damit von der Mentalität her das genaue Gegenteil von Carlos und mir. Er gab einen Scheiß darauf, was andere sagten, folgte keinen Trends, sondern setzte sie – zumindest behauptete er das – und hatte dennoch das Herz an genau dem richtigen Fleck. Dies erfuhr man aber erst, wenn man ihn genauer kennenlernte. Alle hatten ihn ausgelacht, als er in der zweiten Klasse zu uns gewechselt war, weil er durchgefallen war – alle außer Carlos und mir. Wir nahmen ihn gern in unsere kleine Runde auf – gerade, weil er ein Außenseiter war. Wir alle entsprachen nicht der Norm. Wahrscheinlich klappte deswegen unser Dreiergespann so perfekt. Ansonsten brauchte ich keine anderen Menschen. Auch keine Partys, Drogen, Cola, Gummibärchen, Kohlenhydrate … Das ganze Scheißzeug eben.

Für mich existierte eigentlich nur eines: Boxen, später Kickboxen. Ich trainierte fünfmal die Woche fünf Stunden mit dem besten Coach, den man haben konnte – dem Teufel persönlich: meinem Vater. Jede freie Minute nutzte ich, um beim Sport Anerkennung von ihm zu bekommen.

Daneben gab es nur noch meine berufliche Karriere, denn ich hatte bereits früh felsenfest beschlossen, was ich werden würde. Ein Hüter des Gesetzes. Ein Kämpfer für die Schwachen – die geilste Polizistensau dieses Planeten! Ach, was sag ich? Des Universums!

Und wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann tat ich das auch.

Jetzt war ich 22, und ja, man glaubt es kaum, legendärer Sohn des legendären Tristan Wrangler, und bis auf ein Mal, was aber nicht wirklich zählte, noch Jungfrau. Und wisst ihr was? Es interessierte mich einen feuchten Furz, um es mal mit den Worten meines Vaters auszudrücken.

Es gab echt Wichtigeres im Leben als Liebe und Sex!

1.

Ja, Mann! Kommt darüber hinweg! Ich war noch fast Jungfrau! Also irgendwie …

Aber was hätte ich denn auch mit den Hohlbirnen an meiner Schule anfangen sollen? Entweder sie waren wunderschön – hatten aber nur Pappe im Kopf – oder so unansehnlich, dass ich sowieso keinen hochbekommen hätte. Wobei mich die zweite Kategorie von jeher eher reizte. Ich mochte sie nicht, diese Volltussen, die es nötig hatten, in kurzen Röckchen und knappem Oberteil einem alles förmlich unter die Nase zu reiben und sich Masken aus Tierfett ins Gesicht zu schmieren. Stattdessen bevorzugte ich die unscheinbaren, natürlichen Mädchen, die mit einem Buch abseits unter einem Baum saßen und lasen. Die beobachtete ich am allerliebsten, aber niemals hätte ich mich getraut, einen Annäherungsversuch zu unternehmen. Doch in der achten Klasse hatte ich eine von ihnen eher unfreiwillig angesprochen: Ich war in der Cafeteria in sie reingerannt, wobei ihr Tablett zu Boden ging. Sie fand das irgendwie ganz fantastisch, wie ihr Lachsbrötchen durch die Gegend flog, und wollte mit mir Kaffee trinken gehen.

Bei unserem ersten Kuss am Abend übergab ich mich fast vor Aufregung und musste abbrechen. Was für eine Blamage!

Als wir vier Wochen später unser erstes Mal hatten, war dies der Wendepunkt unserer süßen unschuldigen Beziehung. Alles ging schief, was schiefgehen konnte.

Das Laken fing Feuer, weil eines der Teelichter umgekippt war, mit denen ich ihren Namen auf dem Bett ausgelegt hatte. Das Beste daran war, dass ich ihren Namen auch noch falsch geschrieben hatte. Sie hieß nämlich Meli mit einem ›l‹, nicht mit zweien – meine Fresse. Als ich dann die Flammen mit meiner Jeans totgeschlagen hatte, stand ich nur noch in Shorts und T-Shirt da. Wie in diversen Filmen wollten wir uns aufeinanderstürzen und schlugen uns prompt die Köpfe an. Also entschieden wir uns dazu, es weniger hektisch anzugehen und uns erst mal gegenseitig nicht mehr anzufassen. Jeder sollte sich mit Sicherheitsabstand selbst ausziehen. Ich beobachtete fasziniert, wie sie ihren strengen Pferdeschwanz löste, und ihre Haare in dunklen Locken über ihre blassen Schultern fielen. Wie sie ihre Brille abnahm und ihre Augen nur noch halb so groß wirkten. Wie ihre Hände bebten und wie sie mich unsicher angrinste, wobei ihre Zahnspange aufblitzte. Als wir dann irgendwann nackt auf dem Bett lagen und ich mich über sie schob, um sie zu küssen, waren ihre Hände so kalt, dass ich beinahe aufgeschrien hätte, als sie mich mit ihnen berührte. Außerdem saugte sie kurz darauf an meiner Zunge, als wäre sie ein Eis. Oh du meine Güte, wo hatte die bloß küssen gelernt? Hatte sie sich Tipps und Tricks aus der Bravo geholt und dann an ihrem Arm ausprobiert? Schnell küsste ich mich an ihr hinab, wollte sie zwischen den Beinen verwöhnen, weil mir Carlos und Julian eingebläut hatten, darauf zu achten, dass sie verdammt noch mal auch ja bereit war, bevor wir zur Endstufe kamen. Woher Carlos das wusste, keine Ahnung, der war auch noch Jungfrau, während Julian eine nach der anderen flachlegte. Wie auch immer. Ich hatte eine Zahnspange und sie einen Urwald – ich schwöre, wenn man die Ohren spitzte, konnte man die Grillen hören, die Affen sowie das Brüllen der Tiger, und Tarzan, der sich mit lautem Gejodel an den Lianen entlang hangelte. Fuck! Wrangler! Kopfkino aus! Natürlich verfing ich mich mit der Spange in den nicht gerade wenigen Löckchen. Es war nicht sexy, als ich diese ausspuckte und wir uns wieder küssten, denn ein paar waren immer noch da. Dann wollte ich sie schwungvoll herumrollen, sodass sie auf mir landete, aber letztendlich landete sie fast auf dem Boden. Also ließ ich die Bettakrobatik lieber außen vor und schob mich wieder über sie, küsste sie erneut und ertrug ihre kalten Hände auf mir. Dabei spielte ich noch ein bisschen mit ihren Brustwarzen, um mir zu überlegen, wie ich zur nächsten Stufe übergehen könnte. Irgendwann schien es ihr jedoch zu reichen, denn sie stoppte mein hilfloses Herumgefummel mit einem entnervten »Mach endlich!« und sah zur Uhr auf dem Nachttisch.

Wegen all dieser Katastrophen war ich nicht mehr ganz so bereit. Eigentlich wollte ich es mittlerweile nur noch hinter mich bringen und half ein wenig mit der Hand nach, damit er wieder voll einsatzfähig war. Kurz darauf drang ich langsam und supervorsichtig in sie ein – und kam prompt.

Danach hatte ich sie nie wiedergesehen – zumindest nicht in meinem Bett.

Allerdings prahlte sie am nächsten Tag in der ganzen Schule damit, dass wir Sex gehabt hatten, und in ihren Prahlereien war ich der tollste Stecher überhaupt. Ich trennte mich sofort von ihr. Wenn ich etwas hasste, dann Unehrlichkeit – und kalte Hände!

In meinem Inneren wusste ich nicht, wieso ich überhaupt mit ihr geschlafen hatte. Nur um mit den anderen mitzuhalten? Tja, das war ein Fehler!

Und ein Zeichen!

Das war mein erstes und letztes Mal. Seitdem verstand ich nicht, wieso jeder so ein Trara um Bettsport machte! Ehrlich! Was sollte das?

***

Diese Party langweilte mich. Diese aggressiven sexuellen Angriffe der Frauen auch, erst recht das besoffene Machogelaber von Julian: »Nimm sie, knall sie, schick sie weiter! Das ist das Beste, was man mit diesen hirnlosen Schlampen machen kann. Komm schon, Rob, du Idiot! Sie werfen sich dir an den Hals und du spielst immer noch die Diva. Soll ich dir ein Snickers bringen? Vielleicht wirst du ja dann endlich mal normal in der Birne und bedienst dich am Muschi-und-Titten-Buffet!« Dies war nur ein kleiner Auszug seiner verbalen Entgleisungen, der euch ein Bild von der Lage vermitteln soll. Ich würde euch zu Tode langweilen und auch zu Tode anwidern, sollte ich hier Julians gesammelte Anekdoten und Weisheiten des Abends preisgeben. Nur so viel: Julian war ein frauenverachtender Idiot – ein guter Freund, aber ein Idiot. Und ich hatte keine Lust mehr auf seine dummen Sprüche, mit denen er jede zweite Frau als »Miststück«, »Nutte« oder »Schlampe« bezeichnete. Das war einfach nicht mein Niveau. Dafür hatte ich zu viel Respekt vor Frauen.

Carlos war schon seit zwanzig Minuten verschwunden. Wahrscheinlich musste er mal wieder, der hatte nämlich einen Reizdarm und ich so langsam ein Reizhirn. Also verabschiedete ich mich von Julian, sonst von keinem, und bahnte mir meinen Weg ins untere Schlafzimmer der großen Villa, wo die Besucher ihre Jacken in einem riesigen Haufen aufs Bett geschmissen hatten. Ich natürlich nicht. Meine braune Lederjacke hing akkurat an der Schranktür. Keinen Bock, dass irgendjemand sie antatschte oder mich. Wie Moses durchs Rote Meer schritt ich durch die ausgelassenen Partymassen, wobei ein paar Brüste fast in meiner Nase landeten und Hände sich eindeutig viel zu weit südlich verirrten, während knallrot geschminkte Lippen und dünn gezupfte Augenbrauen über grell angemalten Augen, sich zu einer Fratze verzogen. Vermutlich sollte das ein missratener Versuch sein, lasziv zu lächeln. Wer weiß das schon? Aber es war einfach nur peinlich. Fremdschämen pur war angesagt. Ich hatte Mühe, meine Mimik unter Kontrolle zu halten, denn diese ahnungslosen Mädchen wirkten wie auf einem schlechten Trip oder als hätten sie einen Anfall – und dabei kamen sie sich auch noch so verdammt toll vor, dass es nur noch peinlich war.

Da ich nur Wasser getrunken hatte, so wie immer, war ich bei Weitem nicht betrunken genug, um auf eines der billigen Angebote dieser kleinen Mädchen mit dem überzogenen Selbstbewusstsein einzugehen. Jedes Mal war es ein Spießrutenlauf, wenn ich mich irgendwo blicken ließ, deswegen hasste ich die Öffentlichkeit.

Ich war heilfroh, als ich endlich das Schlafzimmer erreichte, die Tür öffnete, hindurch schlüpfte und sie hinter mir schloss. Schwer seufzend lehnte ich mich für einen kurzen Moment mit geschlossenen Lidern gegen das kühle Holz, doch als ich die Augen wieder öffnete, erwartete mich nicht das erwartete Bild.

Nö. Wieso auch?

Da war zwar der Jackenhaufen und meine Jacke hing akkurat auf einem Bügel, aber der befand sich in kleinen schlanken Händen mit schwarz lackierten Fingernägeln. Braune, lange Ombre-Haare flogen leicht gelockt umher, als sie herumwirbelte und mich anstarrte. Der weite, graue, lange Pullover verdeckte alles, was die knallenge, schwarze Strumpfhose zeigte. Die Füße steckten in kaputten Boots mit Hello Kitty-Anhängern am Reißverschluss, und schwarz geschminkte Augen mit stechend grünen Iriden sahen mich schockiert an. Ein voller, weicher Mund klappte ertappt auf, so ganz ungeschminkt, ohne ätzendes Gloss, und ein kleines Keuchen drang an mein Ohr. Vor ihr lagen alle Münzen auf dem Boden verstreut, die ich irgendwann mal in eine meiner Taschen gesteckt hatte. Vermutlich hatte sie diese vor Schreck fallen lassen, als ich ins Zimmer gekommen war.

Die erste Information, die sofort an mein Hirn gesendet wurde, lautete:

Fuck, ist die heiß!

Als Nächstes wurde diese gleich an meinen Schritt weitergeleitet, der fröhlich zum Leben erwachte.

Da stand ich hier also und bekam einen Ständer, während sie mich augenscheinlich ausraubte.

Oh, yeah!

»Ooopsi«, war ihr erster geistreicher Kommentar. Sie öffnete ruckartig die Hände, sodass die Jacke zu Boden fiel.

Fuck, war die heiß!

Ja, ich hatte mich immer noch nicht erholt, aber langsam, ganz langsam, begann mein Verstand, wieder zu arbeiten und mir wurde klar, wer ich war und was hier gerade passierte. Also griff ich in die hintere Tasche meiner Jeans, holte meinen laminierten, vorläufigen Dienstausweis hervor, hielt ihn hier vor die Nase und brüllte:

»Ich bin Robert Wrangler und Sie sind verhaftet!«

Ja, ja jetzt weiß ich auch, wie verdammt bescheuert und klischeehaft das klingt, aber in dem Moment fand ich, war das eine echt gute Idee! Und ja, jetzt muss ich auch darüber lachen! Und Gia auch! Klappe! Ihr alle!

2.

»Du bist ja witzig!« Sie lachte ausgelassen, melodisch und schwanzanregend, als wäre gar nichts geschehen, während sie locker auf mich zukam. Ihre Wangen waren gerötet, die wilden Locken ein einziges Chaos. Wie eine Löwin bahnte sie sich auf langen Beinen in den dunklen engen Hosen und klappernden Boots ihren Weg auf mich zu und nahm mir den Ausweis aus der Hand. »Nettes Spielzeug! Zieht das bei den Weibern?«, hauchte sie und beugte sich vor, um die Karte wieder in meine hintere Hosentasche zu stecken. Dabei traf mich ihr Duft so unvorbereitet, dass ich fast aufgestöhnt hätte – er war schlichtweg genial und das, obwohl sie ganz sicher kein Parfum aufgelegt hatte. Ihre Haare rochen ein bisschen nach Keksen, Schokolade und Haarkur und vor allem einer verflucht exotischen Frucht, die ich umgehend vernaschen wollte.

Da mein Blut gerade noch im Untergeschoss weilte, dauerte es etwas, bis ich mich geräuspert und einen Schritt zur Seite gemacht hatte. »Dieser Ausweis ist echt und Sie sind jetzt in genauso echten Schwierigkeiten!«

»Oh Officer, werden Sie mich jetzt mit Handschellen an das Bett ketten und verhören?« Mit riesigen Augen, in denen der Schalk tanzte, schlug sie die Hände vor den Mund und sah mich wie ein kleines, verdammt scharfes Hoppelhäschen an.

Sie nahm mich nicht ernst!

Fuck!

Und sie war immer noch das Heißeste und gleichzeitig Frechste, was ich je gesehen hatte.

Gottseidank bekam das keiner der Jungs meiner Einheit mit! Die belächelten mich sowieso alle, weil bei der Polizei kein Schwein wusste, wer mein Vater war, da man uns zur Ausbildung alle aus den verschiedensten Städten dieses Landes zusammengewürfelt hatte und ich eher so der stille, unscheinbare Kerl war, der sich seinen Teil dachte, und von dem deswegen jeder annahm, er wäre ein Trottel – nur, weil er nicht ständig schwafelte.

Eigentlich war sie so scharf, dass ich ihr fast hätte durchgehen lassen, dass sie mich gerade ausrauben wollte, aber das war jetzt natürlich unmöglich. Wenn ich schon bei meinem ersten Einsatz versagte, was wäre ich dann für ein Polizist? Und was wäre ich für ein Mann, wenn ich mir von diesem süßen Ding so auf der Nase rumtanzten ließe?

Was würde Dad dazu sagen?

Sofort, als ich meinen Vater dachte, schoss mein Blut endgültig zurück in mein Hirn. Danke Dad!

»Das werde ich nicht tun. Das Verhör werde ich im Revier vornehmen. Ausweis bitte!«

HA!

Das hatte jetzt gesessen!

In ihren großen grünen Augen blitzte Unsicherheit auf, ganz kurz, dann fiel das Lächeln in ihrem Gesicht zusammen und sie sah mich drohend an, bevor sie zischte: »Jetzt hör mal zu, Süßer, ich hab keine Zeit mehr für dieses Spielchen. Da draußen …«, sie wollte an mir vorbeigehen und die Tür öffnen, »warten meine Freunde auf mich, also Bye!« Allerdings wurde sie durch meinen Arm gestoppt, der die Tür wieder schloss, sobald sie etwas daran gezogen hatte. Ich war hinter ihr. Mein Arm lehnte über ihre Schulter und ich konnte nicht anders, als in ihre Haare zu hauchen: »Ich entscheide, wann du gehst.«

Huch? Woher kam denn jetzt diese tiefe Reibeisen-Sexstimme?

Ja, huch, das dachte wohl auch sie, denn nun stockte sie, drehte sich zu mir um und kaute auf ihrer Unterlippe. Das war scharf. Ich wollte das tun!

»Du bist wirklich Bulle«, stellte sie fest, ohne daran zu denken, dass dies Beamtenbeleidigung war.

»Ich bin wirklich Bulle«, meinte ich ruhig und sah ihr direkt in diese Strahler, die sich Augen nannten. Ich war deswegen nicht beleidigt, schon allein, weil mein Dad die Polizei nicht ausstehen konnte und ›Bulle‹ noch auf nette Art beschrieb, was er von diesem Berufsstand hielt. Bei schwuchtelige Dackeltreiber, Polypen oder blautragende Blasomaten wurde das deutlicher.

»Wow«, wisperte sie jetzt leise. »Das hätte ich nicht gedacht. Ich dachte, solche Bullen wie dich gibt es nur im Fernsehen.« Ihre kleinen kerzengeraden weißen Zähne bohrten sich in diese volle rosa Unterlippe.

Und schon schwappte das Blut langsam aber sicher wieder nach unten.

»Zum Glück nicht«, meinte ich und machte schnell einen Schritt von ihr zurück. Ihr Duft war zu einnehmend, die Nähe zu ihr zu intensiv. Etwas in ihren Augen erweckte eine ungewöhnliche Art Beschützerinstinkt in mir, dem durfte ich jetzt aber auf keinem Fall nachgeben. Ich musste professionell bleiben und sachlich. Immer die Ruhe bewahren und Abstand halten. Eine Armlänge. Dumme Kuh.

»Warte kurz, ich hab meinen Ausweis hier. Moment …« Und dann schob sie einfach so diesen Pullover ihre wunderschönen schlanken Schenkel hoch. Und nein, das waren überhaupt keine Leggins, es waren Strümpfe – halterlose, inklusive einem knappen schwarzen Höschen. Wahrscheinlich ein Tanga.

Blut?

Kopf?

Denken?

Hä?

Ich starrte nur dumm, konnte mich nicht mehr rühren und musste ein Stöhnen unterdrücken, als sie am Bund einer ihrer Strapse nach etwas suchte und es auch fand – einen winzigen Geldbeutel. »Ich hab da alles reingesteckt, weil ich keinen BH anhabe«, verkündete sie offenherzig und ließ ihren langen grauen Pullover wieder fallen. Ich runzelte die Stirn. »Na, wenn ich keine Taschen bei einem Outfit habe, stecke ich normalerweise immer alles in meinen BH. Geld. Schlüssel und so … Aber ich trage heute auch keinen BH, deswegen hatte ich es im Strumpf. Hier ist mein Ausweis, willst du mich jetzt echt festnehmen?«

CUT

3.

Eigentlich sah ich nur noch ihre perfekt geformten Schenkel in diesen Strümpfen, während ich in ihr Gesicht schaute, und eigentlich hörte ich auch nur. »Bitte … Herzlos … War gar nicht so … Ausgehen …«

»Ausgehen?«, meinte ich sofort, und sie stockte in der Wortflut, die sie auf mich abließ, während ich ihren Personalsauweis genauestens in Augenschein nahm.

Gianna Devito.

Wohnhaft in: München.

Geburtsdatum: 14.12.1994.

Geburtstort: Sizilien

Staatsangehörigkeit: Italienisch. Ah, deswegen das südländische Temperament, die gebräunte Haut und vor allem diese fast schon überirdische Schönheit. Dazu diese grellen grünen Augen, das war schon sehr außergewöhnlich.

»Ja«, meinte sie und ich wagte nicht, den Blick zu heben, weil ihre Stimme tief, leise und verdammt anregend klang. Sie machte einen Schritt zum naheliegenden Schreibtisch, schnappte sich da einen Stift und einen Zettel und kritzelte eine Zahlenabfolge darauf. »Hier, ruf mich morgen an.«

»Und dann?« Ich sah sie immer noch nicht an, während sie den Zettel faltete, sich nach vorne beugte – mir wieder verboten nah kam – und ihn in meine hintere Hosentasche verfrachtete. Dann packte sie meinen Arsch, worauf ich zischte und schnell nach ihrem Handgelenk fasste, um diese forschen Finger von meinen südlichen Regionen fernzuhalten – auch von den hinteren. Noch hatte sie schließlich nicht gemerkt, dass ich einen Riesenständer vor mir hertrug. Ich bedankte mich gedanklich beim Designer meiner etwas lockeren Boss-Jeans.

»Und dann … äh … dann zeige ich mich dafür erkenntlich, dass du mich jetzt gehen lässt? Ich lade dich ein, egal, was du willst, du kannst es haben!« Sie blinzelte mit diesen meterlangen Wimpernfächern und klang mehr als anzüglich, zu anzüglich. An dieser Stelle hatte sie verkackt. Ich hasste billige Anmachen mehr als die Pest und schob sie von mir.

»Oh, aber natürlich, ich lasse dich jetzt gehen, obwohl du ein Verbrechen begangen hast, und rufe dann wie ein Idiot bei dieser gefakten Nummer an, nur damit dann mein kleines Herz bricht?«, konterte ich immer noch locker, ohne sie anzusehen, und genoss die kleine verwunderte Stille und dann ihr trotziges Schnauben.

»Du bist ein harter Brocken für einen Anfänger!«

»Ich bin kein …«, wollte ich sagen und sah ihr nun doch ins Gesicht. Aber ihr schiefgelegter Kopf, ihr Blick und ihre verschränkten Arme belehrten mich eines Besseren. Sie wusste ganz genau, dass ich ein Anfänger war, riss mir ihren Personalausweis aus den Händen und stemmte ihre Fäuste in die Hüften. Ihre Augen funkelten wütend – so sexy.

»Also was? Willst du mich jetzt echt mit auf die Wache nehmen, hunderttausende an Steuergeldern verschwenden und all so ein Scheiß, weil ich … was weiß ich … zehn Euro hätte klauen können?«

»Natürlich.«

»Was bist du denn für ein Pingelscheißer?«

»Ich bin kein …« Auch jetzt ließ mich ihr Blick stocken und ich schluckte. Sie war fast schon umwerfend in ihrer unbändigen Wut. Dieses Ehrliche, Raue, Leidenschaftliche machte mich tausend Mal mehr an als die angebliche Femme Fatale im Schafspelz, denn sie kleidete sich eher etwas schräg und rockig, nicht wie eine Verführerin aus dem Bilderbuch. »Wie auch immer, bitte drehen Sie sich um, ich werde Ihnen jetzt Handschellen …« Ihr lautes Gegacker durchbrach meine Worte. Schnell schlug sie eine Hand vor den Mund, kicherte aber immer noch weiter und grunzte sogar ein bisschen.

»Sorry, aber kannst du bitte mit dieser John-Wayne-Cowboy-Stimme aufhören? Das ist einfach wie in einem schlechten Film!« Ich biss die Zähne aufeinander. Langsam verlor ich die Geduld, denn jedes Mal, wenn ich dachte, ich hätte die Oberhand, entriss sie sie mir wieder. Und ihr Lachen war leider wirklich zu schön und witzig, um deswegen ernsthaft beleidigt zu sein. Irgendwie klang ich echt wie der Cop in einem drittklassigen B-Movie. Trotzdem! Nie Unsicherheit zeigen!

»Haben Sie Drogen genommen?« Ihre Pupillen waren nämlich unnatürlich geweitet, ihre Augen gerötet, dementsprechend lag es nah – vor allem, weil sie jetzt vor Lachen losbrüllte und wieder ein paar Mal grunzte. Sie bekam sich gar nicht mehr ein, schlug sich sogar auf die Schenkel. Verdammt! Ich war ein Schenkelklopfer!

»Entschuldigung! Ich wollte Sie wirklich nicht auslachen!« Mit einem Mal wurde sie ganz ernst, dennoch schwang noch ein leichtes Kichern in ihrer Stimme mit, während Lachtränen in ihren Augenwinkeln glitzerten. »Das macht man nicht, es stimmt. Ich bin böse, ich habe zu viel getrunken und mich völlig danebenbenommen. Normalerweise bin ich wirklich besser erzogen. Es tut mir wirklich, wirklich leid! Ich komme mit und mache alles; ich werde mich ab jetzt benehmen, Officer!« Ich hob eine Augenbraue, besonders, als sie näher an mich herantrat … und ihr Duft …

Von meinem Blut brauche ich wohl gar nicht mehr anfangen, oder?

Auf jeden Fall legte sie kurz darauf diese kleinen, süßen Patschehändchen auf meine Brust – Hände, die ich nehmen und nie wieder loslassen wollte – und sah mit diesen großen, großen grünen Augen zu mir hoch, die eine leichte Katzenform hatten und von dunklen dichten Wimpern umrahmt waren. Ich wollte sie ja stoppen – na gut, von wollen kann nicht die Rede sein –, ich sollte sie stoppen, hatte aber gerade keine Lust drauf. Eher auf diese Lippen … um meinen Schwanz!

Wo zum Fuck kamen diese Gedanken plötzlich her?

Ich schwöre, so was existierte bei mir sonst nicht. Okay, außer ich holte mir einen am Abend runter, aber das auch nur, weil ich danach einfach besser schlafen konnte.

»Ich weiß auch nicht, was über mich kam, als ich an eine fremde Jacke ging. So was hab ich wirklich noch nie gemacht. Ich glaube, ich habe einfach einen zu viel getrunken«, wiederholte sie unnützerweise, denn ich hörte ihr sowieso schon lange nicht mehr zu, und stellte sich auf die Zehenspitzen. Eine Hand auf meine Schulter gestützt streiften ihre vollen Lippen mein Ohr. »Oh Gott, du riechst genial! Was ist das für ein After Shave?«

»Axe«, wisperte ich wie hypnotisiert. Ihre aufgestellten Nippel, unter diesem, mit einem Mal viel zu dünnen Pullover, streiften meine Brust, mein Schwanz ihren Bauch, als sie mich ruckartig gegen die Wand drückte. Dann schmiegte sie sich ganz an mich, mit ihrer gesamten weichen, weiblichen Kontur und hüllte mich in ihren Duft. In ihrem Blick lag etwas Unerbittliches, Gieriges und so verdammt Feuriges. Sie sah in meine Augen, auf meinen Mund, in meine Augen … und wisperte dann: »Sorry, aber das muss ich jetzt tun!« Langsam lehnte sie sich vor und schloss die Augen. Zeitgleich, als meine Lider zuglitten und ihr Mund auf meinen treffen sollte, traf mich etwas anderes.

Ihr Knie meine Eier – mit voller Wucht.

»SORRY!«, rief sie und sprang von mir weg, während ich vornüber klappte und mit beiden Händen meinen Schwanz und meine Eier umfasste, die gerade aus Leibeskräften schrien. Ich versuchte, vor Schmerzen nicht auf den Teppich zu kotzen oder ohnmächtig zu werden. Meine Knie gaben fast nach. »Es tut mir so leid! Geht’s?«, brüllte sie weiter, hechtete dabei aber schon zur Tür, während ich – völlig gelähmt – nur zusehen konnte, und riss diese auf. »Du bist wirklich süß! In einem anderen Leben, in dem du nicht so ein Pingelscheißer wärst, hätte ich dich geküsst!«, meinte sie noch entschuldigend und hatte die Frechheit, schuldbewusst das Gesicht zu verziehen und zu sagen: »Kühl ihn gut!«, bevor sie durch die Tür schlüpfte und sie mit einem lauten Knall hinter sich schloss.

Erster Einsatz:

Voll verkackt!

Robert Wrangler, du Lutscher!

4.

»Und Robbielein …«, durchkreuzte die liebliche Stimme meines Vaters das alltägliche Stimmengewirr beim Abendessen. »Wie ist dein neuer Job so? Schon ein paar fiese Verbrecher eingesackt? Schon zehn Kilo Heroin gefunden? Schon dem Bat-Zeichen gefolgt? Schon die gesamte Menschheit vor einem vernichtenden Alienangriff gerettet?«

»Tristan, halt die Klappe!« Das war Mum. Sie war die Einzige, die sich traute, so mit Dad zu reden. Eli – meine kleine Schwester – gab den Sonnenschein schlechthin, immer so süß, dass der Zucker nur so tropfte, wenn Dad da war, und grinste mich breit an. Ansonsten war sie eine zickige, verwöhnte Göre, eine Wrangler eben – so wie ihre und leider auch meine Cousine Alexandra die Große, die Tochter von Tante Katha und Onkel Phil.

»Noch nicht, Dad, aber bald. Und du hör auf, so dämlich zu grinsen, sonst bleibt das so!«, meinte ich leicht genervt zu meiner Schwester und schnappte mir noch eine Kartoffel, die ich mir aggressiv in den Mund steckte und drauf kaute. Eli streckte mir die Zunge raus und stocherte weiter in ihrem Essen. Ja, ich aß noch bei meinen Eltern, was aber nicht hieß, dass ich noch bei ihnen wohnte – zumindest nicht direkt. Sie hatten angebaut, ein ganzes kanadisches Holz-Haus mit zwei Wohnparteien, von der ich die obere mein Eigen nannte. Zwei Zimmer, eine Küche, ein Megabad und eine Dachterrasse. Ich wäre dämlich, da wegzuziehen. Vor allem, weil ich mich in meiner Freizeit noch um das Benimmcamp von meiner Mum und Tante Hannah kümmerte und natürlich auch noch um den Gnadenhof. Nicht verwandt, aber eindeutig seelenverwandt waren Mum und Hannah, denn sie dachten sich immer wieder allerhand neuen Blödsinn aus, mit dem sie Dad auf Trab hielten. Wie auch immer, ich wäre auch verrückt gewesen, wenn ich zu Mums vorzüglichen Kochkünsten nein gesagt hätte. Deswegen saß ich hier jeden Abend mit meiner Familie und meist noch unseren Mitarbeitern am Esstisch, während wir in großer chaotischer Runde aßen. Es war laut, es war derb, es war lustig und es war ehrlich. So war mir das am liebsten, denn hier konnte ich sein, wie ich wirklich bin.

Es gab nämlich genau drei Sachen, die für mich im Leben zählten.

Mein Sport.

Meine Berufung.

Und allen voran meine Familie.

Sie war alles für mich, obwohl mein Dad echt verdammt streng und schmerzhaft ehrlich war, obwohl ich, als ich jung gewesen war, immer vorgegeben hatte, meine kleine Schwester nicht ausstehen zu können, aber sie eigentlich von ganzem Herzen liebte, und obwohl ich weiterhin vortäuschte, die Oberzicke Alexandra zu hassen und von dem Trouble, der hier tagtäglich herrschte, genervt zu sein, liebte ich es genauso, wie es war. Wir Wranglers waren eine chaotische Einheit. Keiner konnte uns etwas anhaben; zusammen standen wir alles durch. Meine Mum hatte immer ein offenes Ohr für mich. Sie war wirklich ein Engel von Mensch. Eine moderne Mutter Theresa. Das genaue Gegenteil meines Vaters, aber das machte die beiden so verdammt perfekt.

Das und die dummen Sprüche meines Vaters.

»Aber wehe du machst miminimimimi, wenn du mit der ersten Schürfwunde nach Hause kommst.«

»Sag so was nicht!« Mum bekam große, glasige Augen und er verdrehte seine.

»Er wird schon auf sich aufpassen. Baby. Er ist ein Wrangler, wie oft soll ich dir das noch sagen?«, raunte er ihr zu und küsste ihre Wange, während er ihre Hand auf dem Tisch nahm und drückte.

»Mum, bitte, nicht schon wieder.«

»Aber es ist so gefährlich, Robbie!«, platzte es trotz jeglicher Beruhigungsversuche aus ihr heraus.

»Ich habe eine erstklassige Ausbildung genossen, die ich als Jahrgangsbester abgeschlossen habe. Ich mache Kampfsport, seitdem ich sieben bin, und schießen kann ich zufällig auch noch. Ich bin außerdem erstmal bei der Streife gelandet und nicht im Spezialeinsatzkommando für besonders gefährlichen Scheiß. Mum, bitte komm runter!«

»Siehst du, er weiß schon, was er tut. Vertrau ihm und seinen Wrangler-Genen«, meinte Dad und wollte Mum auf seinen Schoß ziehen.

»Nicht jetzt, Tristan! Wir sind beim Essen«, empörte sie sich aber sofort, und Hannah, die am anderen Ende der riesigen runden Tafel mitten zwischen Wohnbereich und Küche saß, zeigte ihr den erhobenen Daumen.

»Du bist echt ein Idiot, Robbie, das deiner Mutter anzutun! Es gäbe so viel andere gute Berufe für dich! Und du, Hannah, nervst!«, knurrte mein Vater unsere Anstandsdame des Camps an, doch sie grinste nur breit.

»Ich liebe dich auch, Tristan.«

»TUST DU NICHT!«, brüllte Mason Hunter, Hannahs Mann und weltbekannter Rockstar, der sich gerade auf Tour-Pause befand und das Scheißhaus besetzte, weil er groß musste. Was er natürlich jedem am Tisch verklickert hatte, bevor er gegangen war.

Ja, ja, wir waren verrückt, aber hey, wir hatten Spaß!

»Wie auch immer …« Ich stand auf und räumte meinen Teller in die Küche, dann ging ich zu meiner Mutter, umarmte sie von hinten und küsste ihren Scheitel, wie sie es als Kind so oft bei mir getan hatte. Langsam aber sicher mischten sich die ersten grauen Strähnen in ihr volles braunes Haar. Es tat weh. Es tat weh zu sehen, dass sie älter wurde und dass ich sie irgendwann nicht mehr haben würde. »Beruhige dich, mir wird nichts passieren! Zumindest nicht jetzt, denn jetzt geh ich schlafen! Gute Nacht!« Ich winkte nochmal in die Runde.

Alles trällerte: »Naaaacht!« Nur Mason auf dem Klo wünschte mir: »Gutes Wichsen!«

Vor mich hin glucksend verließ ich das Haus, trat in die laue Frühlingsnacht, machte zehn Schritte zu meiner Haustür, sperrte sie auf und betrat das Treppenhaus. Schnell sprintete ich zwei Stufen nehmend nach oben in die zweite – in meine – Etage (der Rest würde irgendwann Eli gehören, aber die machte sich noch bei unseren Eltern breit), betrat meine Wohnung und knallte die Tür hinter mir zu.

Dann fiel mein Lachen in sich zusammen. Schwer lehnte ich mich mit dem Rücken an die Tür.

Denn seitdem mich ein kleines Mädchen – okay, eine verdammt sexy Frau, aber sie war echt klein von der Größe her – so auf den Arm genommen hatte, fragte ich mich, ob meine Berufung wirklich die richtige für mich war. Ob ich nicht, tief in mir, viel zu weich für diesen Job war …

CUT

5.

Immer noch nicht richtig wach, denn das war ich vor meinem dritten Kaffee mit Hafermilch nie, trommelte ich mit meinem Kugelschreiber auf meinen Diensttisch ein, der wiederum in einem kleinen Büro stand, welches ich mir seit drei Tagen mit meinem Kollegen und besten Freund Carlos teilte. Ich weiß nicht, wie er es auch in diese Abteilung geschafft hatte, aber wahrscheinlich hatte sein Vater – Alec Morgan, der Bürgermeister dieser elendigen, korrupten Stadt – einiges dazu beigetragen.

Was sein Sohn wollte, bekam sein Sohn auch. Na gut, alles außer das perfekte Aussehen des Vaters. Leider.

Auf jeden Fall hatte ich mich in meinem neuen Bürostuhl zurückgelehnt, die Beine auf dem Schreibtisch überschlagen, womit ich meine komplette Seite des kleinen Raumes einnahm, denn er war nicht gerade groß. Aber hey, wir hatten unser eigenes Büro! Yeah!

Und dachte nach …

Da ich ein fotografisches Gedächtnis hatte, war es kein Problem gewesen, mir ihre Daten zu merken, vor allem ihre Personalausweis-Nummer. Es wäre leicht, sie in meinen Computer einzugeben und zu sehen, was ich da so finden würde. Dann könnte ich sie für ihre Tat zur Rechenschaft ziehen und ihr zeigen, dass sie so mit dem Gesetz nicht umgehen konnte. Und auch nicht mit mir!

Aber dafür würde ich natürlich nicht meinen Job missbrauchen. Nein, ich würde sie nicht checken, stattdessen ging ich zu unserem ersten Meeting, um unseren neuen Chef kennenzulernen. Buddy Maier. Er war nicht schwarz und auch kein koreanischer Jesus, er war einfach nur ein dicker bierbäuchiger fünfzigjähriger Bayer, der kein Wort hochdeutsch konnte.

»Jo hagottzagrafix, jetzt hob i scho wieda so an Haufn Klapspatn, aber wir mochan des scho, gei. Mia keman scho zam«, würgte er vor sich hin, was so viel hieß wie: Ich habe Zeit meines Lebens zu viel Schweinebraten gefressen und Bier getrunken und versuche jetzt, noch die letzten Jahre bis zur Rente ohne Herzinfarkt über die Bühne zu kriegen, und was ihr macht, ist mir eigentlich scheißegal. Ich hasste den Kerl. Ich hasste es, wenn jemand nicht bei dem, was er tat, 100 Prozent gab. Ich hasste Inkompetenz. Schon meine Lehrer hatten mich nicht ausstehen können, weil ich es nun mal sagte, wenn mir etwas gegen den Strich ging oder ich etwas besser wusste. Und ich wusste dank meines fotografischen Gedächtnisses sehr viel. Außerdem gab ich immer 100 Prozent. Ein Grund mehr, warum es mich wurmte, bei meinem ersten Einsatz so versagt zu haben.

Ich hatte mich von ihr überlisten lassen, mir in die Eier treten lassen, als wäre ich ein Kerl in einer Disco, der sich einen Kuss in einer dunklen Ecke klauen wollte. Ganz toll.

***