Verführung der Unschuld - Lilly Grünberg - E-Book
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Beschreibung

Die Lust an Verführung und Unterwerfung. Giulia tritt unsicher und doch neugierig ihre neue Stellung als Hausmädchen bei den attraktiven Zwillingsbrüdern Lorenzo und Federico Moreno an. Da die unsichere, junge Frau den beiden gefällt und ihnen auch Giulias wachsendes Interesse an dem erotischen Interieur des Hauses auffällt, beschließen die dominanten Brüder, ihre Angestellte in die Geheimnisse der Lust und der Unterwerfung einzuführen. Doch dann kommen Gefühle ins Spiel ...

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:363


Lilly GrünbergVerführung der UnschuldTeil 1– romantischer SM Roman –

Lilly Grünberg

Unter verschiedenen Namen hat sich die Autorin in die Herzen der Erotik- und SM-Leser aber auch in die der Fantasy-Liebhaber geschrieben. Unter dem Namen »Lilly Grünberg« sind bisher erschienen:

»Begierde« (PDA)

»Verführung der Unschuld« (Erstausgabe PDA und als Lizenz bei Heyne und im Club Bertelsmann erhältlich; überarbeitete Neuauflage Elysion-Books)

»Dein« (Elysion-Books)

In Vorbereitung bei Elysion-Books sind u. a.: »Sein« und die »Verführung der Unschuld 2«

Mehr über die Autorin auf ihrer Homepage:

www.lilly-romane.de

Lilly Grünberg

VerführungderUnschuld

Teil 1

Romantischer SM Roman

www.Elysion-Books.comELYSION-BOOKS TASCHENBUCHBAND 4056überarbeitete Neuauflage: Januar 2013

VOLLSTÄNDIGE TASCHENBUCHAUSGABE

ORIGINALAUSGABE© 2013 BY ELYSION BOOKS, GELSENKIRCHENALL RIGHTS RESERVED

UMSCHLAGGESTALTUNG: Ulrike Kleinertwww.dreamaddiction.deFOTOS: © Svetlana Fedosesva/FotoliaLAYOUT & WERKSATZ: Hanspeter Ludwigwww.imaginary-world.de

PRINTED IN POLANDISBN 978-3-942602-35-8

Mehr himmlisch heißen Lesespaß finden Sie auf:www.Elysion-Books.com

Inhalt

Kapitel   1: Ein neuer Lebensabschnitt

Kapitel   2: Gelüste

Kapitel   3: Veränderungen

Kapitel   4: Ein Neuanfang

Kapitel   5: Erotische Konfrontationen

Kapitel   6: Ein neues Spielzeug

Kapitel   7: Unter Druck

Kapitel   8: Konsequenzen der Ungeschicklichkeit

Kapitel   9: Strafe muss sein

Kapitel 10: Verwirrender Alltag

Kapitel 11: Verwirrende Regeln

Kapitel 12: Unterschiedliche Erwartungen

Kapitel 13: Heimlichkeiten

Kapitel 14: Die Nacht wird zum Tag

Kapitel 15: Irrungen der Nacht

Kapitel 16: Heimspiel

Kapitel 17: Das ungezogene Schulmädchen

Kapitel 18: Liebesbeweise

Kapitel 19: Hausaufgaben

Kapitel 20: Lustvolle Bestrafung

Kapitel 21: Erotische Historie

Kapitel 22: Das Ende einer Romanze

Kapitel 23: Dornröschen

Ein neuer Lebensabschnitt

Der Zug fuhr langsam in den Bahnhof ein. Vor Giulia standen zwei junge Männer, die sich durch ihre überdimensionalen Rucksäcke und ihre fremde Sprache, die nach Deutsch oder Holländisch klang, eindeutig als Touristen outeten. Einer davon öffnete schwungvoll die Zugtür. Giulia stieg hinter ihnen aus und sah sich nach Onkel Bruno um, der versprochen hatte, sie persönlich abzuholen. Aber in dem wilden Durcheinander von Menschen, die den Bahnsteig hinauf und hinunter liefen, war er nirgends auszumachen.

»Giulia!« Sie drehte sich um und sah ihn mit einem strahlenden Lächeln auf sich zukommen. »Giulia, du bist noch hübscher geworden, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben.« Er nahm sie in seine Arme, drückte sie an seine breite Brust und küsste sie überschwänglich links und rechts auf die Wangen.

Dieses besagte letzte Treffen war gerade mal zwei Wochen her, als Onkel Bruno zu einem Krisengespräch mit Giulias Eltern nach Florenz gebeten worden war. Sie erinnerte sich nur ungern an die Tagung des Familienrates und schob die düsteren Gedanken daran von sich. Vielleicht würde alles gar nicht so schlimm werden, wie sie befürchtete?

Onkel Bruno nahm Giulias großen Koffer und ihre prall gefüllte Reisetasche, und ging voraus. Mit ihrem Rucksack und einer Plastiktüte mit Zeitschriften und Erfrischungen für die Bahnfahrt beladen, die kleine Handtasche an den überlangen modischen Griffen in der Ellenbeuge baumelnd, lief sie hinter ihm her zum Auto.

Onkel Bruno war der Bruder ihres Vaters. Die gelegentlichen Besuche bei ihm und seiner Familie wurden in der Regel mit einem Spaziergang durch die schöne Altstadt verbunden.

Lucca, im Schwemmlandgebiet des Flusses Serchio gelegen, der nördlich der Stadt in den Apenninen entspringt, gefiel Giulia trotz der Provinzialität, die es verglichen mit ihrer Geburts- und Heimatstadt Florenz ausstrahlte. Durch Produkte wie Olivenöl, Gemüse und Wein, Möbelindustrie, Textilien und chemische Erzeugnisse hatte sich Lucca im Laufe der Jahrhunderte zu einem wichtigen Markt- und Handelszentrum entwickelt.

Das Stadtbild war von der überwiegend mittelalterlichen und renaissancezeitlichen Bausubstanz mit vielen Palästen, Kirchen und Plätzen geprägt. Auf der beeindruckenden, über vier Kilometer langen, zwölf Meter hohen und bis zu dreißig Meter breiten Stadtmauer aus dem 16. und 17. Jahrhundert ließ es sich vorzüglich promenieren. Mindestens einmal im Jahr stand außerdem ein Besuch des 1820 angelegten Botanischen Gartens an. Die Liebe zu schönen Pflanzen, einheimischen wie exotischen Blumen hatte Giulia von ihrer Mutter übernommen. Sie liebte es stundenlang herumzuschlendern, den Insekten zuzuschauen, wie sie von Blüte zu Blüte schwirrten oder die Düfte der verschiedenen Blumen zu erschnuppern, und dabei selig in den Tag hinein zu träumen.

Der Weg vom Bahnhof zum Wohnhaus von Onkel Bruno dauerte ein wenig länger als sonst, weil sie in einen Stau gerieten. Giulia schaute die alte, etwas restaurierungsbedürftige Fassade aufmerksamer als sonst hinauf. Dies würde also vorläufig ihr Zuhause sein. Schweren Herzens folgte sie Onkel Bruno hinein.

Im Erdgeschoss und in einem nach hinten gelegenen Anbau befand sich das Geschäft von Bruno Brunelli, ein Spezialitätenhandel mit Cateringservice. Er hatte es im Laufe weniger Jahre geschafft, sich einen Namen bei der besseren Gesellschaft zu machen, und war ständig ausgebucht. Sein Service belieferte offizielle Empfänge der nächstgelegenen Städte und viele Partys der Reichen bis im Umkreis von nahezu hundert Kilometern.

Entsprechend wenig war Onkel Bruno zuhause. Der Reichtum, den er angehäuft hatte, war kaum zu merken. Im ersten und zweiten Stock befand sich die Wohnung seiner Familie. Das ganze Interesse seiner Frau Teresa galt der Erziehung der fünf Kinder zwischen zwei und fünfzehn Jahren, drei Mädchen und zwei Jungen. Teresa war eine strenge Mutter und eine sparsame Hausfrau. Dementsprechend war das Mobiliar schon älter und sehr gediegen. Im Gegensatz zu Onkel Bruno, der gerne laut und herzlich lachte, sah man Tante Teresa allenfalls dezent lächeln, aber niemals offen heraus lachen oder gar ausgelassene Fröhlichkeit versprühen.

Angesichts des knappen Wohnraums war Teresa über die Ankündigung ihres Mannes, dass seine Nichte Giulia vorläufig bei ihnen leben und arbeiten würde, alles andere als begeistert. Sie kannte Giulia nur als verzogenes und flippiges Mädchen, das am liebsten in knappen Tops und kurzen Röcken herumlief und dafür ihr gesamtes, obgleich spärlich bemessenes Taschengeld ausgab. Sie konnte sich daher nicht vorstellen, wie ihr Mann aus ihr eine fleißig arbeitende – und sich möglichst auch noch anständig benehmende – junge Dame machen wollte. Schulterzuckend hatte sie zur Kenntnis genommen, dass die Entscheidung darüber längst gefallen war.

Ihre Begrüßung fiel entsprechend frostig aus. Sie schüttelte Giulia nur leicht die Hand ohne sie zu umarmen und ging ihr dann voraus nach oben, um ihr das Zimmer zu zeigen. Sofern man es überhaupt wagte, den schäbigen Raum als einen solchen zu bezeichnen.

Im ersten Stock des alten Bürgerhauses befanden sich Wohnzimmer und Küche, Schlafzimmer der Eltern und ein kleines Bad, im zweiten Stock ein weiteres Bad und drei Kinderzimmer, von denen eines die beiden Jungs, ein weiteres die beiden jüngeren Mädchen und das dritte die älteste Tochter bewohnte. Der einzige freie Platz für einen zusätzlichen Mitbewohner befand sich unter dem Dachspitz, der in einen Bereich zum Wäscheaufhängen und ein davon abgetrenntes Zimmer gegliedert war. Dieses glich jedoch eher einer Rumpelkammer als einem richtigen Wohnraum, da die nutzbare Fläche durch die bis zum Fußboden hinab reichende Dachschräge zusätzlich begrenzt und mit allem möglichem Unrat zugestellt war.

Jetzt war sich Giulia endgültig darüber im Klaren: es würde furchtbar werden! Ihr schönes Leben war vorbei, endgültig vorbei. Cosi e la vita!

Das Mobiliar bestand aus einem Bett, einer Schubladenkommode und zwei Kleiderschränken, von denen man einen für Giulia frei geräumt hatte. Dazwischen konnte man sich gerade mal um die eigene Achse drehen. Überall stapelten sich prall gefüllte Kisten, darauf lose geschichtete Spielsachen, mit denen wohl niemand mehr spielen wollte. An einem Haken an der Wand hingen aussortierte Kleidungsstücke, über die durchsichtige Hüllen gestülpt waren. Über allem hing der beißende Geruch von Mottenkugeln in der Luft.

»Es tut mir leid, aber etwas Besseres kann ich dir nicht anbieten. Wir haben ja selbst kaum genug Platz für uns«, erklärte Tante Teresa kühl. »Ich lass dich jetzt alleine, damit du deine Sachen auspacken kannst. Ich nehme an, dazu wenigstens bist du fähig.« Sie wartete Giulias Antwort nicht ab, sondern drehte sich um und ging mit hoch erhobenem Kopf hinaus.

Als erstes riss Giulia das Gaubenfenster auf, schnappte nach frischer Luft und sah hinaus. Aber die Aussicht war nicht weniger armselig als ihr Zimmer. Außer Dächern und Schornsteinen gab es nichts zu sehen. Mutlos setzte sie sich auf die Bettkante. Die fein geblümte Bettwäsche war rau und fast geruchslos, wie sie feststellte, als sie an dem Kissen roch. Tante Teresa hielt offensichtlich nichts von duftenden Weichspülern.

Heimweh überkam Giulia. Wenn ihre Mutter wüsste, wie sie hier hausen musste! Bei den seltenen Verwandtenbesuchen waren sie nie weiter als bis ins Wohnzimmer gekommen. Sie seufzte. Bei Mama war immer alles aufgeräumt und gemütlich, die Zimmer hell und freundlich, ein Duft von Frische und Schnittblumen erfüllte die Räume. Niemals würde sie diese altmodischen Mottenkugeln verwenden, die aus einem anderen Jahrhundert stammen mussten! Giulia erinnerte sich nicht, woher sie wusste, um was es sich bei diesen grässlichen Dingern handelte. Wo Tante Teresa dieses Zeug wohl her hatte? Es gab doch längst fortschrittlichere Mittel im Handel, um lästiges Ungeziefer abzuhalten, beispielsweise angenehm riechende Sandelholzstäbchen.

Giulia seufzte ein weiteres Mal. Ihr wurde in diesem Augenblick schmerzlich bewusst, was sie aufgegeben hatte, und daran war nur sie alleine schuld. Und wer ahnte schon, welche hässlichen Überraschungen noch auf sie warteten! Sie presste die Lippen zusammen. Mit Tränen in den Augen räumte sie ihren Koffer und ihre Tasche aus, und stopfte alles in den viel zu kleinen Kleiderschrank.

Eine halbe Stunde später rief Tante Teresa zum Abendessen, und Giulia traf die Kinder, die begeistert waren, dass ihre Cousine bei ihnen leben würde, denn sie erinnerten sich an die Familientreffen. Wenn die Erwachsenen irgendwann unter sich sein wollten, waren Giulia immer Spiele eingefallen, und sie war geduldig und wusste spannende Geschichten zu erzählen. Allzu oft sollten sie allerdings nicht in diesen Genuss kommen. Denn bereits am nächsten Morgen lernte Giulia die anderen Angestellten kennen und wurde in ihre erste Arbeit eingelernt – das Herstellen Hunderter Canapés für die Eröffnungsfeier eines Schmuckladens.

Wenn Giulia in den folgenden Tagen nach zehn bis zwölf Stunden Arbeit beim Abendessen saß, fielen ihr beinahe die Augen zu. Nur das ausgelassene Durcheinandergerede ihrer Cousins und Cousinen hielt sie wach. Tante Teresa war in dieser Hinsicht erstaunlich duldsam, solange ihre Kinder manierlich aßen. Stattdessen hielt sie fast jeden Tag Giulia einen Vortrag über irgendetwas, was ihrer Meinung nach an der Nichte ihres Mannes nicht in Ordnung war.

Es fing damit an, dass Giulia gewohnt war, jeden Morgen und Abend zu duschen. Sie fühlte sich nur richtig wohl, wenn sie das Gefühl hatte, vollkommen sauber zu sein und entsprechend frisch zu riechen. Dies sei für die Haut extrem ungesund, wurde sie von Tante Teresa belehrt, und zudem sei der Wasserverbrauch enorm hoch. Zweimal die Woche die Haare zu waschen und zu duschen würde völlig ausreichen.

Die Liste setzte sich fort mit Kritik an Giulias Frisur, ihrem MakeUp, ihrer Pünktlichkeit – bis hin zur Länge ihrer sorgfältig manikürten Fingernägel. Giulia war stolz auf ihre gepflegten langen Nägel, musste allerdings bald selbst feststellen, wie unpraktisch diese beim Arbeiten waren und entschloss sich schweren Herzens, sie zu kürzen.

Nach dem Abendessen musste sie zusammen mit einer ihrer Cousinen beim Abtrocknen helfen und anschließend die Kleinen ins Bett bringen. Wenn sie dann endlich selbst ins Bett fiel, war sie zu ausgebrannt, um über ihr Schicksal zu grübeln. Nur sonntags, wenn sie endlich frei hatte und es ihr erlaubt war, auch mal alleine für sich zu sein, reflektierte sie das volle Ausmaß dieses Lebens und fragte sich frustriert, wo der Ausweg aus dieser Misere sein sollte. Wenigstens erntete sie ab und zu Lob von Onkel Bruno und Maria, seiner rechten Hand.

»Übermorgen Abend findet eine Gartenparty bei den Gemelli statt. Du wirst mitfahren und die Gäste bedienen«, erklärte Maria an einem Freitag sechs Wochen nach Giulias Ankunft. »Wir müssen noch prüfen, was du anziehst und ich werde dir genau sagen, was du zu tun hast.«

Giulia machte große Augen. Die Namen von Onkel Brunos Stammkundschaft waren ihr inzwischen geläufig und ebenso die Spitznamen, die die Angestellten zum Teil verwendeten. Sie wusste daher, dass die Familie Moreno ein äußerst lukratives Baugeschäft betrieb und die beiden erwachsenen Söhne, eineiige Gemelli, erfolgreiche Immobilienmakler waren. Endlich würde es ein wenig Abwechslung in ihrem tristen Arbeitsalltag geben! Beflügelt von diesem Gedanken hörte sie Maria aufmerksam zu, die ihr ihre neue Aufgabe detailliert erklärte.

Wenn es in der Kammer unter dem Dach nur nicht so brütend heiß würde! Giulia warf sich schon geraume Zeit schlaflos auf dem Bett hin und her. Längst hatte die Bettdecke einen ungeduldigen Tritt von ihrem Fuß erhalten und war auf dem Boden gelandet. Zwar stand das Fenster weit offen, aber die Hitze des Tages schien in dem kleinen Raum wie eingeschlossen zu sein.

Giulia zog ihr Nachthemd aus und stellte sich nackt vor das Gaubenfenster. Endlich verspürte sie einen Hauch angenehmer Kühle. Sie nahm die Arme hoch über den Kopf und drehte sich in dem schwachen Luftzug, der ihr entgegen strömte. Schade, wenn sie ruhigen Gewissens ihre Tür öffnen und einen Durchzug herstellen könnte, wäre der Raum sicherlich schnell von frischer Luft durchflutet. Aber sie traute sich nicht. Am Ende stünde plötzlich eines der Kinder oder ihre Tante da und würde sie entsetzt beobachten. Nicht auszudenken, welcher Ärger darauf folgen würde.

Wenn Giulia abends die Tür hinter sich schloss, war dies die einzige Zeit des Tages, ein bisschen Intimität zu finden. Als sie ihre Arme auf das hoch liegende Fensterbrett auflehnte, um ein bisschen über die nächtliche Stadt hinaus zu schauen, streiften ihre Brustwarzen zufällig die Brettkante und sie zuckte wie elektrisiert zusammen. Ihre Nippel versteiften sich, und das Gefühl der Einsamkeit und der Sehnsucht nach einem liebevollen Menschen packte sie mit den grimmigen Klauen der Nacht. Nein, das durfte sie nicht zulassen, nicht diese Traurigkeit, die sie oftmals überkam, wenn sie alleine war und mit Wehmut an zuhause dachte.

Ihre Eltern hatten sie, ihr einziges Kind, liebevoll und behütet aufgezogen. Obwohl ihr Vater als städtischer Polizist nur ein spärliches Gehalt heimbrachte, versuchte er, ihr und ihrer Mutter jeden Wunsch zu erfüllen, der in seiner Macht lag. Das einzige, was er von seiner Tochter erwartete, war ein anständiger, aufrichtiger und fleißiger Mensch zu werden – und das hatte sie leider gründlich vermasselt.

Giulia wehrte sich gegen diese Gedanken, die von ihr Besitz ergreifen und wie schon so oft in ihrem Kopf kreisen wollten. Wie von selbst fanden ihre Finger den Weg zu den noch beinahe mädchenhaften und doch wohlgeformt fraulichen Formen ihrer Brüste. Sie war stolz auf ihre Figur, schlank aber nicht mager, mit einem knackigen runden Po und einem Dekolleté, über dessen Wirkung auf das männliche Geschlecht sie sich durchaus bewusst war. Und obwohl es sie ein wenig verlegen machte, wenn man ihr auf den Busen schaute, konnte sie es nicht lassen, möglichst knapp sitzende und tief ausgeschnittene Tops zu tragen, die ihre Reize vorzüglich zum besten gaben. Denn andererseits fand sie es sehr erregend und schmeichelhaft, wenn sich Männer nach ihr umdrehten oder ihr auffordernde Blicke zuwarfen. Nicht, dass sie diesen nachgegeben hätte! Beim nächsten Mann würde sie überlegter vorgehen, das hatte sie sich fest vorgenommen, und hoffentlich war es auch ein richtiger Mann, in den sie sich vergucken würde, und nicht ein Junge, der genauso grün hinter den Ohren war wie sie selbst. Sie seufzte. Mit einem erfahrenen Mann würde das, worüber sie noch viel zu wenig wusste, sicherlich wesentlich mehr Spaß machen.

Giulia nahm ihre Brüste in die Hände, streichelte sanft über die weiche, nachgiebige Haut, fasste dann die Brustwarzen zwischen Daumen und Zeigefinger, begann sie streichelnd und zupfend zu stimulieren. In Sekunden verhärteten sie sich mehr und mehr, wurden noch sensibler, und die Haut außen herum kräuselte sich unter der Eregung.

Wie wäre es schön, wenn nicht sie selbst, sondern ein Mann diese Aufgabe übernehmen und sie liebkosen würde, und sie nur zu genießen brauchte. Giulia holte tief Luft. Aber ein Mann sollte es sein, ruhig ein paar Jahre älter als sie und auf jeden Fall mit Erfahrung, nicht so ein ungehobelter Junge wie Dario es gewesen war. Wenn sie daran zurückdachte, musste sie über sich selbst den Kopf schütteln. Warum nur hatte sie sich diesem Tölpel hingegeben? Wieso hatte ihr Verstand sie nicht davon abgehalten?

Sie spürte jetzt nicht mehr die Wärme, die in ihrem Zimmer stand, nur noch die dezente Abendkühle am Fenster und ihre eigene Hitze, die ihre Finger verursachten. Sie streichelte sich über die Arme, über den Rücken, erkundete ihren Körper, knetete ihre Pobacken und zog sie auseinander, gab sich selbst kleine Klapse dabei und jauchzte leise vor Vergnügen. Jede noch so kleine Berührung trug dazu bei, ihre Erregung voran zu treiben. Dann presste sie die Lippen zusammen und ächzte dumpf in ihren Hals hinein. Nur keinen Laut von sich geben, der Tante Teresa nach oben locken könnte.

Weit spreizte Giulia ihre Beine auseinander, fühlte entzückt den Luftstrom, der über das Fensterbrett nach unten fiel und zwischen ihren Schenkeln auf ihre geschwollenen, erhitzten Schamlippen traf. Sie stellte sich vor, sie nicht schließen zu können – warum, war egal – und als sie nach unten schaute, sah sie die feinen Tröpfchen in den Locken ihres Schamhaares hängen. Die meisten ihrer Freundinnen hatten es sich längst abrasiert. Aber Giulia hatte Angst gehabt, ihre Mutter würde sie dabei im Badezimmer überraschen und Fragen stellen, und deshalb hatte sie es unterlassen. Und da Tante Teresa jeden zu langen Aufenthalt im Badezimmer kritisierte, hatte sie sich auch jetzt noch nicht getraut.

Giulia teilte ihre Schamlippen, benetzte den Zeigefinger mit ihrem Saft, der die Innenseiten überzogen hatte und klebrige Fäden zog, und rieb über ihre geschwollene Klitoris. Es tat beinahe weh, so prall und unbefriedigt war diese. Behutsamer fuhr sie fort und verspürte auf der Stelle ein erregendes Ziehen tief drinnen in ihrer Vagina, das noch verstärkt wurde, als sie mit der anderen Hand erneut ihre Brustwarzen streichelte, im Wechsel mal die eine, dann die andere. Zu wenig Hände, zu wenig Hände, flüsterte sie. Wie wäre es schön, wenn sie überall gleichzeitig Hände spüren und dazu noch geleckt und geküsst würde. Ein Traum, ein wunderschöner unerreichbarer Traum!

Giulia seufzte, streichelte, fühlte. Ihre Erregung stieg, ihr wurde immer heißer, je länger sie weiter machte, und dennoch merkte sie, dass sie von einem Orgasmus zu weit entfernt war. Wenn sie Erlösung wollte, brauchte sie noch eine zusätzliche Stimulation. Also hörte sie auf, sich zu streicheln, richtete sich auf und öffnete die Tür ihres Nachttischchens. Ihre Schenkel klebten und ihre Brustwarzen standen steil und prall hervor. Ihr Körper empörte sich über die abrupte Unterbrechung, quittierte diese rüde Behandlung mit einer Gänsehaut, aber es ging nicht anders. Sie brauchte diese Schachtel, die sich in ihrem Nachttisch befand. Mit zittrigen Fingern nahm sie den Deckel ab und die lange schmale Kerze heraus, die, von einem Stück Frischhaltefolie fest umwickelt, dort auf ihren Einsatz wartete.

Giulia kniete sich aufs Bett, teilte mit geschickten Fingern ein weiteres Mal ihre Schamlippen und führte die Kerze vorsichtig ein. Sofort verstärkte sich die Erregung ihres Körpers. Die Muskeln ihrer Vagina zuckten um die Kerze, kontraktierten, wollten sie nicht mehr hergeben, gerieten in köstliche Vibrationen, als Giulia anfing, die Kerze erst vorsichtig, dann immer heftiger heraus zu ziehen und wieder hinein zu stoßen. Dabei beugte sie sich weit herunter, um ihr Gesicht in das Kissen zu pressen, und damit ihr Stöhnen zu dämpfen. Gleichzeitig rubbelte sie so fest an ihrer linken Brustwarze, dass diese ein wenig schmerzte. Aber selbst dieses Gefühl stimulierte sie.

Mit jeder Bewegung der Kerze floss ein wenig ihres Lustsaftes aus ihr heraus und machte ihre Schenkel klebriger. Aber das war ihr alles egal. Denn im selben Zuge stieg ihre Erregung mehr und mehr an, verstärkte das lustvolle Ziehen in ihrem Unterleib, und endlich schaffte sie es nicht nur, die Kerze zu bewegen, sondern gleichzeitig mit einem Finger über die Knospe ihrer Klitoris zu streicheln. Schneller, heftiger, ungestümer ... und dann, endlich, entlud sich ihre Lust in dem ersehnten Orgasmus, und sie prustete einen Aufschrei unterdrückend in ihr Kissen und befeuchtete es dabei ungewollt mit der Spucke aus ihrem geöffneten Mund.

Erschöpft, die Kerze noch immer in ihrer Vagina steckend, ließ sie sich auf die Seite fallen. Ihr Herz klopfte zum Zerspringen. Hatte sie jemand gehört? Nein, im Haus war alles ruhig. Sie atmete tief durch.

Als sich wieder beruhigt hatte, zog sie die Kerze heraus, entfernte die völlig verschleimte Frischhaltefolie, knäuelte sie sorgfältig in einem Taschentuch zusammen, das sie in den Papierkorb warf, und wickelte für das nächste Mal ein Stück neue Folie um die Kerze. Dann räumte sie alles wieder ordentlich ein.

Auf die Idee mit der Frischhaltefolie war sie gekommen, nachdem sie festgestellt hatte, dass die Kerze bei mehrmaligem Gebrauch immer weniger wurde oder zu ihrem Schreck sogar abbrach, und die Einzelteile nur noch vom Docht zusammengehalten wurden.

Sicher, es war keine tolle Lösung, es gab professionelle Liebesstangen – aber wie hätte sie sich unauffällig einen Vibrator kaufen sollen – abgesehen davon, dass sie das Geld dafür nicht hatte. Und sollte sie etwa einfach in einen Sexshop gehen und einkaufen? Nein, das würde sie sich nicht trauen! Was wäre, wenn sie dabei zufällig jemand beobachtete, der sie kannte? Nicht auszudenken!

Sie hob die Bettdecke vom Boden auf, schüttelte sie aus und kuschelte sich hinein. Sekunden später war sie eingeschlafen.

Zufrieden warf Bruno Brunelli einen letzten prüfenden Blick über die gedeckten Tafeln. Dann verabschiedete er sich, und überließ die Koordination und Verantwortung seinem Oberkellner Vittorio. Giulia war als einzige weibliche Bedienung dabei, und ihr Onkel hatte sie nicht nur mitgenommen, damit sie mal einen Abend außer Haus verbrachte und einen attraktiven Kontrapunkt zu den Kellnern bildete. Er verfolgte dabei einen bestimmten Plan.

Giulia war dafür zuständig, mit einem Tablett zwischen den Partygästen umher zu gehen, unaufdringlich Getränke oder Häppchen anzubieten, und nebenbei leere Gläser einzusammeln.

Immer lächeln, aber ganz dezent, nicht aufdringlich grinsen, niemanden unnötig ansprechen. Wenn du etwas gefragt wirst, antworte höflich und zurückhaltend, lass dich in kein Gespräch verwickeln und nicht von den Männern anmachen. Denk immer daran, du bist in diesen Kreisen ein Nichts, einfach nur eine Bedienung ... Marias von ihrem Chef übernommene Litanei klang Giulia noch in den Ohren, als sie von Vittorio ihr vorbereitetes, dicht mit Gläsern bestücktes Tablett entgegennahm, und ihre erste Runde antrat.

Interessiert hatte sie zum Autofenster des Catering-Kleinbusses hinaus gesehen, als sie dem langen, von hohen Zypressen flankierten Zufahrtsweg durch den Park folgten. Um wie viel mehr aber war sie von der Landhausvilla der Morenos und den Partyvorbereitungen beeindruckt. Die Zwillinge feierten ihren Neunundzwanzigsten mit einem Aufwand, als ob es ein runder Geburtstag wäre.

Nach klassischer Bauart bestand das Gebäude aus zwei Geschossen, über denen sich nur im Eingangsbereich noch ein drittes erhob. Die große Terrasse hinter dem Haus und die daran anschließende frisch gemähte Rasenfläche waren mit gemütlichen Sitzgruppen ausgestattet, zu denen auch zwei Schaukeln aus massivem Teakholz mit dicken Polstern aus naturfarbener Baumwolle gehörten. Vasen und Schalen im Empirestil ergänzten das Ganze zu einem noblen Ambiente. Ein sechseckiges Zeltdach über dem Buffet und kleinere gespannte Dreieckssegel über den Sitzgruppen schützten vor zu viel Sonneneinstrahlung und würden auch einem eventuellen Gewitterregen standhalten.

An anderer Stelle hatte man hohe Bistrotische platziert, ein kleines Podium für eine Band war aufgebaut und über die großen Lautsprecher lief bereits dezente Partymusik. Für die feste und auch flüssige kulinarische Verpflegung gab es ein Buffet, hinter dem drei von Brunellis Kellnern darauf warteten, die Gäste zu bedienen.

Als es allmählich dunkel wurde, sorgten die zwischen den Bäumen gespannten Lichterketten und die Fackeln, die in den Beeten oder in Blumentrögen steckten, für eine stimmungsvolle Partybeleuchtung. Inzwischen hatte auch die Band ihre Plätze eingenommen und anstelle von Musikkonserven wurden alte und neue Hits live zum Besten gegeben.

Giulia nahm von alledem kaum etwas bewusst wahr. Sie hatte keine Vorstellung davon gehabt, dass sie an diesem Abend gar nicht mehr aus dem Laufen herauskommen würde. Ein Tablett mit diversen Aperitifs, eines mit Prosecco, bevorzugt gemischt mit Aperol, dann Wein, härtere Spirituosen, dazwischen eine Runde Espressi und so fort. Sie war Maria dankbar, die ihr empfohlen hatte, Schuhe mit nicht allzu hohen Absätzen anzuziehen, somit verzögerte sich das Einsetzen der Schmerzen in ihren Füßen, die diese Strapazen nicht gewöhnt waren.

Bruno Brunelli stand im Halbschatten an der Hauswand. Seit rund einer halben Stunde beobachtete die schlanke Frau neben ihm mit aufmerksamer und ernster Miene Giulia bei der Arbeit. Brunelli übte sich schweren Herzens in Geduld. Wenn sie sich über ihren Handel einig würden, bekäme er endlich seinen häuslichen Frieden zurück und das allabendliche Lamentieren seiner Frau, die Giulia wieder loswerden wollte, würde aufhören.

Dann, nach einer gefühlten Ewigkeit, stellte Mamsell Concetta fest: »Ich habe genug gesehen, kommen Sie mit!«

Er folgte ihr ins Haus und in die Küche, die eine halbe Etage tiefer lag als der Eingangsbereich und die Wohnräume.

Concetta fasste sich kurz. Sie bot ihm keinen Stuhl an, sondern kam gleich zur Sache. »Einverstanden, Signor Brunelli. Das Mädchen scheint fleißig und belastbar zu sein, eben genau so, wie Sie mir Giulia beschrieben haben. Ob sie meinen Erwartungen tatsächlich entspricht und ihre Aufgaben ordentlich erledigt, werden die nächsten Wochen zeigen. Ich gebe ihr eine Probezeit von zwei Monaten.«

Brunelli nickte zustimmend und bemühte sich, seine Erleichterung nicht zu offensichtlich zu zeigen.

»Sie holen Giulia also wie besprochen ab?«, fragte er.

Die Mamsell nickte.

Gelüste

Lorenzo stand auf der untersten der fünf Stufen, die von der Terrasse in den Garten führten, und nippte an seinem Prosecco Aperol. Der bitter-süße Geschmack entsprach im Augenblick vollkommen seiner ambivalenten Stimmung. Am liebsten hätte er sich sinnlos betrunken, und er war zufrieden, einen leichten Schwips zu spüren. Aber der Abend war noch lange nicht vorbei, und als einer der beiden Gastgeber sollte er sich wohl noch ein wenig aufrecht halten.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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