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Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. Patricia Vandenberg ist die Begründerin von "Dr. Norden", der erfolgreichsten Arztromanserie deutscher Sprache, von "Dr. Laurin", "Sophienlust" und "Im Sonnenwinkel". Ohne ihre Pionierarbeit wäre der Roman nicht das geworden, was er heute ist. »Sie haben mich von Kopf bis Fuß durchgecheckt, Blut abgenommen und in jedes Organ geschaut.« Unglücklich saß Sascha Kranzberg in Dr. Nordens Sprechzimmer und haderte mit seinem Schicksal. »Trotzdem gibt es keinen Anhaltspunkt, woher diese furchtbaren Kopfschmerzen und meine Herz-Kreislauf-Probleme kommen.« Die rasenden Schmerzen, unter denen er seit Monaten litt, brachten ihn langsam aber sicher zur Verzweiflung. Erstaunlicherweise lag ein Lächeln auf den Lippen des erfahrenen Arztes. »Ich glaube, ich bin des Rätsels Lösung auf der Spur«, verriet er und deutete auf den Laborbefund aus der Behnisch-Klinik. Der lag ihm bereits seit einigen Tagen vor. Schon seit Tagen zerbrach sich Dr. Daniel Norden den Kopf darüber, was seinem Patienten fehlen könnte. Sascha Kranzberg hatte recht, wenn er behauptete, dass der Arzt jede diagnostische Möglichkeit ausgeschöpft hatte, um den Grund für seine rätselhaften und unerträglichen Beschwerden ausfindig zu machen. »Die erhöhte Anzahl der Leukozyten lässt darauf schließen, dass es einen Entzündungsherd im Körper gibt«, fuhr Daniel fort. »Darüber haben wir schon einmal gesprochen.« Sascha Kranzberg wiegte skeptisch den Kopf. »Trotz aller Bemühungen haben Sie aber bisher nicht herausgefunden, wo sich dieser befindet.« »Das ist richtig«, räumte Daniel ein. Dabei lächelte er unverändert.
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Seitenzahl: 113
Veröffentlichungsjahr: 2024
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»Sie haben mich von Kopf bis Fuß durchgecheckt, Blut abgenommen und in jedes Organ geschaut.« Unglücklich saß Sascha Kranzberg in Dr. Nordens Sprechzimmer und haderte mit seinem Schicksal. »Trotzdem gibt es keinen Anhaltspunkt, woher diese furchtbaren Kopfschmerzen und meine Herz-Kreislauf-Probleme kommen.« Die rasenden Schmerzen, unter denen er seit Monaten litt, brachten ihn langsam aber sicher zur Verzweiflung.
Erstaunlicherweise lag ein Lächeln auf den Lippen des erfahrenen Arztes.
»Ich glaube, ich bin des Rätsels Lösung auf der Spur«, verriet er und deutete auf den Laborbefund aus der Behnisch-Klinik. Der lag ihm bereits seit einigen Tagen vor. Schon seit Tagen zerbrach sich Dr. Daniel Norden den Kopf darüber, was seinem Patienten fehlen könnte. Sascha Kranzberg hatte recht, wenn er behauptete, dass der Arzt jede diagnostische Möglichkeit ausgeschöpft hatte, um den Grund für seine rätselhaften und unerträglichen Beschwerden ausfindig zu machen. »Die erhöhte Anzahl der Leukozyten lässt darauf schließen, dass es einen Entzündungsherd im Körper gibt«, fuhr Daniel fort.
»Darüber haben wir schon einmal gesprochen.« Sascha Kranzberg wiegte skeptisch den Kopf. »Trotz aller Bemühungen haben Sie aber bisher nicht herausgefunden, wo sich dieser befindet.«
»Das ist richtig«, räumte Daniel ein. Dabei lächelte er unverändert. »Ich hatte heute Nacht eine Idee.«
»Heute Nacht?«, fragte Sascha mit großen Augen. »Was sagt Ihre Frau dazu, wenn Sie die Arbeit mit ins Bett nehmen?«
Daniel lachte.
»Sie macht sich mindestens genauso viele Gedanken über die Sorgen und Nöte ihrer Mitmenschen wie ich. Das ist also kein Problem.«
»Da bin ich ja beruhigt. Nicht, dass ich am Ende noch für eine Ehekrise verantwortlich bin.«
»Keine Angst! Da muss schon sehr viel mehr passieren«, gab Daniel aus tiefstem Herzen zurück.
Noch immer zog sich sein Magen zusammen, wenn er an die schlimmen Wochen und Monate dachte, in denen ein unheimlicher Verfolger seiner Frau und damit der ganzen Familie das Leben schwer gemacht hatte. Nicht daran denken! Mit einer fahrigen Handbewegung wischte er diesen Gedanken schnell beiseite und konzentrierte sich wieder auf Sascha Kranzbergs Problem.
»Ich möchte Sie bitten, Ihren Zahnarzt aufzusuchen.«
Saschas Gesicht war ein einziges Fragezeichen.
»Meinen Zahnarzt?«, fragte er ungläubig.
»Ich habe den Verdacht, dass ein Zahnherd, also ein auf Eiter sitzender Zahn, eine Zyste oder Ähnliches, verantwortlich für Ihre Beschwerden ist«, erklärte Daniel Norden ernst.
»Ich verstehe nicht«, machte Sascha keinen Hehl aus seiner Skepsis und blinzelte mehrmals. An diesem Tag fühlten sich seine Kontaktlinsen wieder einmal an wie Störfaktoren, und er sehnte sich seine Brille zurück. Mit der rechten Hand fuhr er sich über das kurzgeschorene Haar. »Was bitte hat denn ein Zahn mit meinen Herzproblemen und dieser ständigen Müdigkeit zu tun?«
»Allerhand«, wusste Dr. Norden zu berichten. »Störungen im Kieferbereich können zu gravierenden gesundheitlichen Belastungen des gesamten Körpers führen«, erklärte er das, worauf er hinauswollte. »Das bedeutet, dass die Erkrankung eines Zahnes nicht lokal begrenzt bleiben muss, sondern zu Schäden am gesamten Organismus führen kann.«
»Puh, wie gruselig.« Sascha schüttelte sich. »Wie kann das sein?«, wollte er wie immer den Zusammenhängen auf den Grund gehen.
»Das hängt mit den Akupunkturmeridianen zusammen, die sich durch den ganzen Körper ziehen. Sie haben Beziehungen zu den Zähnen respektive Zahnpositionen«, fuhr Dr. Norden fort. Dabei ignorierte er das ungläubige Grinsen seines Patienten. »Liegt der Störherd eines Zahnes auf so einem Meridian, kann der Energiefluss derart gestört werden, dass der Körper krank wird.«
»An diesen Hokuspokus glauben Sie?« Der Spott in Sascha Kranzbergs dunkelbraunen Augen war offensichtlich.
Doch davon ließ sich der Arzt nicht irritieren.
»Vor Jahren schon hat eine großangelegte Studie anerkannter Forscher Sicherheit über die Wirksamkeit der Akupunktur erbracht. Diese Behandlungsmethode basiert auf den Erkenntnissen über die Energiebahnen im Körper, den sogenannten Meridianen.«
Sascha war noch nicht vollkommen überzeugt aber verzweifelt genug, um nicht länger mit seinem Arzt zu diskutieren.
»Schön«, gab er sich schließlich geschlagen. »Wenn ich Ihnen damit einen Gefallen tue, gehe ich zu Dr. Arnold. Mal abgesehen davon, dass ich keine Wahl habe.« Er erhob sich langsam vom Stuhl, das gut geschnittene Gesicht schmerzverzerrt.
Auch Daniel stand schnell auf. Er wusste um die Kreislaufprobleme seines Patienten, um die Schwindelanfälle, die ihn immer öfter heimtückisch aus dem Nichts überfielen und eilte ihm zu Hilfe.
»Vielen Dank!«, grinste Sascha schief und nahm den dargebotenen Arm. »’s ist schlimm, wenn man alt wird, das Alter spricht, aber schlimmer ist es, man wird es nicht!«, zitierte er ein Sprichwort, das ihm eben in den Sinn gekommen war.
Ein weiteres Mal wunderte sich Daniel Norden insgeheim über den gebildeten jungen Mann, der vor ein paar Jahren plötzlich in seiner Praxis aufgetaucht war. Laut eigenen Angaben verbrachte er den Großteil seiner Zeit damit, im Tierheim zu arbeiten. Zudem absolvierte er inzwischen ein Fernstudium der Tiermedizin. Doch außergewöhnlich gewählt drückte er sich bereits vom ersten Tag ihrer Bekanntschaft aus.
Die beiden Männer gingen nebeneinander den Flur hinab.
»Sie fahren hoffentlich nicht selbst?«, kehrten Daniel Nordens Gedanken zu den praktischen Dingen des Lebens zurück.
»Nein!« Zu seiner Erleichterung schüttelte Sascha den Kopf. »Ich hab das Taxi warten lassen.« Fast sofort ärgerte er sich über diese leichtsinnige Bemerkung. Was sollte der Arzt von ihm denken?
Immer öfter ertappte sich Sascha dabei, zu unvorsichtig zu sein. Das war nicht gut. Wenn er weiter in Frieden leben wollte, musste er sich wirklich am Riemen reißen.
Glücklicherweise schien sich Dr. Norden nicht zu wundern.
»Das war eine gute Idee«, lobte er seinen Patienten und brachte ihn persönlich vor die Tür.
Zum wiederholten Mal klingelte Anita Gandersheims Mobiltelefon. Ihre Handtasche lag auf dem Rücksitz. Unmöglich, während der Fahrt in ihre Nähe zu gelangen. So ignorierte sie das Geräusch so gut es ging. Schließlich ging ihr der schrille Klingelton aber derart auf die Nerven, dass sie den Wagen auf einen Parkplatz lenkte, um nachzusehen, wer der lästige Anrufer war.
»Rupert, das war ja klar«, murmelte sie unwillig und verdrehte die Augen, während sie das Gespräch mit einem Tastendruck annahm. »Sag mal, wie soll mein Buch jemals fertig werden, wenn du mich alle zwei Minuten mit Anrufen bombardierst?«, fragte sie betont gequält in den Apparat.
Rupert, der diese Masche seiner Starautorin kannte, verkniff sich ein amüsiertes Lachen.
»Hallo, meine Liebe! Ich hoffe sehr, dass es dir gut geht.«
»Wie soll es einem mit höllischen Zahnschmerzen gut gehen?«, schnaubte sie wütend zurück und presste die sorgfältig manikürte Hand auf die pochende Wange. Momentan ging auch alles schief. Nicht genug damit, dass sich ihr langjähriger Liebhaber Vincent vor genau zweiundachtzig Stunden von ihr getrennt hatte, war ihr beim Frühstück in diesem miserablen Hotel heute Morgen auch noch eine Zahnkrone kaputt gegangen. »Mal abgesehen davon, dass du dich sonst auch nicht für meine Gesundheit interessierst. Also tu nicht so scheinheilig, und sag mir, was du willst.«
Na schön!, dachte Rupert Heintz bei sich. Sie will es nicht anders!
»Das fragst du noch?«, hielt er nicht länger mit seiner schlechten Laune hinter dem Berg. »Seit Tagen versuche ich dich zu erreichen. Ich hab zig Nachrichten auf deinen verschiedenen Anrufbeantwortern hinterlassen. Aber offenbar scheinst du es nicht nötig zu haben, mich zurückzurufen.«
Anita war nicht in der Stimmung, irgendwelche Erklärungen abzugeben.
»Jetzt hast du mich ja am Apparat«, erwiderte sie kühl. »Also, was gibt es?«
Rupert unterdrückte einen zornigen Aufschrei. Diese Frau trieb ihn noch in den Wahnsinn.
»Der Verlag macht Druck. Du bist mit deinem Buch seit Wochen im Verzug.«
»Na und?«, fragte Anita spitz zurück. »Ich bin Bestseller-Autorin und kann mir das leisten. Warte ab! Wenn es erst in den Läden steht, stürzen sich die Leute wie die Geier drauf.«
»Deine Bescheidenheit in allen Ehren«, presste Rupert wütend durch die schmalen Lippen. »Dummerweise scheinst du zu vergessen, dass du durchaus noch Konkurrenz hast, die nur auf einen Fehler von dir wartet. Mal abgesehen davon, dass es einen Vertrag mit dem Verlag gibt. Noch ein paar Wochen länger und dir droht eine saftige Geldstrafe.«
Nur ungern dachte Anita an den Laptop, der in einer Tasche hinter ihr auf dem Rücksitz lag und die Fragmente des Romans barg, auf den der Verlag händeringend wartete.
»Ach, die sollen sich nicht so haben«, verdrängte sie diesen unangenehmen Gedanken rasch. Im Augenblick hatte sie wahrhaft andere Probleme als einen halbfertigen Roman, zu dem ihr obendrein noch die zündende Idee fehlte, das Überraschungsmoment, das aus einer schlichten Geschichte einen reißerischen Bestseller machte. »Ich werd schon fertig irgendwann.«
Rupert stöhnte auf.
»Kannst du dich bitte genauer ausdrücken? Wo steckst du überhaupt? Wie viele Kapitel hast du in den vergangenen Tagen geschrieben?«
»Ich brauchte mal einen Tapetenwechsel«, beantwortete Anita die Unverfänglichste von Ruperts Fragen und suchte nach einem Straßenschild. »Wenn ich mich recht erinnere, bin ich ein paar Kilometer vor München.«
»München?« Ruperts entsetzter Aufschrei klingelte in ihrem Ohr. »Was hast du da verloren?«
»Ich hab nichts verloren. Ich such was. Nämlich meine Ruhe, die ich brauche, um zu arbeiten«, zischte Anita zurück. Langsam aber sicher hatte sie genug von diesem Verhör. Der Zahn pochte und pulsierte unaufhörlich, die Schmerzen waren kaum auszuhalten. Oder war es der Seelenschmerz wegen Vincent, der sie quälte? »Und bevor ich überhaupt etwas tu, such ich mir einen Zahnarzt. Danach sehen wir weiter«, beschloss sie, in die Offensive zu gehen.
Sie hörte, wie ihr Agent am anderen Ende der Leitung ein paar Mal tief ein und aus atmete. Sie konnte sich sein rundes Gesicht mit den schmalen Lippen lebhaft vorstellen.
»Gut, dann geh meinetwegen zum Zahnarzt«, erklärte er gefährlich leise. »Und danach suchst du dir ein hübsches Hotel mit Blick auf die Berge – wenn du schon mal in München bist – und arbeitest an deinem Buch. Nicht mehr und nicht weniger. Haben wir uns verstanden?« Und um noch mehr Eindruck zu schinden, fügte er hinterhältig hinzu: »Denk an deine Anfänge. Und daran, wie froh du warst, diesem aggressiven Journalismus der Boulevard-Presse zu entkommen. Ich glaube kaum, dass du eines Tages dorthin zurückkehren willst.«
Allein beim Gedanken daran schüttelte sich Anita. Nein, nie wieder wollte sie den Schönen und Reichen dieses Landes nachjagen und ihnen möglichst intime Details aus ihrem Privatleben entlocken. Wie immer, wenn sie an diese unerfreuliche Zeit in ihrem Leben dachte, kroch ihr eine Gänsehaut über den Rücken, meldete sich ihr Gewissen zu Wort. Ich habe Cedric Cohn nicht in den Tod getrieben! Er wollte sterben! Seit Jahren sagte sie diesen Satz wie ein Mantra vor sich her.
Anita holte ein paar Mal tief Luft und schob das schlechte Gefühl zusammen mit den widerwärtigen Gedanken weit fort.
»Du vergisst, dass ich drei Bestseller geschrieben habe, die sich verkaufen wie geschnittenes Brot«, erinnerte sie ihren Agenten lieber an die harten Fakten.
Langsam aber sicher wurde sie ungeduldig. Sie stand schon viel zu lang auf diesem Parkplatz. Ein älterer Mann mit Halbglatze ging nun schon zum dritten Mal vorbei und musterte unverhohlen die attraktive Frau in dem schicken Wagen.
Rupert räusperte sich umständlich. Ein Geräusch, das Anita zu gut kannte.
»Der Verlag hat mir die aktuellen Verkaufszahlen durchgegeben«, gestand er Unheil verkündend. »Die Veröffentlichung deines letzten Romans liegt zwei Jahre zurück. Wenn du nicht demnächst nachlegst, gerätst du in Vergessenheit. Dann kauft bald kein Mensch mehr deine Bücher.« Er lachte bitter. »Und nachdem du in den letzten Jahren auf extrem großem Fuß gelebt hast und es immer noch tust, dürftest du dann ein kleines Problem bekommen.«
Anita biss sich auf die Lippe. Rupert hatte recht, und sie wusste nicht, was sie mehr ärgerte: Das, oder die Tatsache, nicht besser auf ihr Vermögen geachtet zu haben statt in jedem erdenklichen Luxus zu schwelgen.
Oh, wie ging ihr dieses Gespräch auf die Nerven! Sie hatte gewusst, warum sie nicht an den Apparat gegangen war.
»Schon gut. Ich melde mich wieder«, murmelte sie und beendete das Gespräch damit.
Rupert hörte das leise Klicken in der Leitung und legte das Handy zur Seite. Fürs Erste würde er Anita Gandersheim wenigstens in Ruhe zum Zahnarzt gehen lassen. Doch wenn sie sich dann nicht an die Arbeit machte, musste er härtere Geschütze auffahren. Er wusste auch schon, mit welcher Drohung er den Anfang machen würde.
»Gratulation! Der Kollege Norden hatte den richtigen Riecher.« Begeistert über die nahezu hellseherischen Fähigkeiten des Allgemeinmediziners deutete der Zahnarzt und Kieferchirurg Dr. Peter Arnold auf das Röntgenbild, das im Behandlungszimmer an einer beleuchteten Wand hing. »Da haben wir den Übeltäter.«
Sascha Kranzberg, der neben dem Arzt vor der Wand stand, begutachtete ratlos die Aufnahme.
»Ich sehe nichts.«
Dr. Arnold schmunzelte und griff nach einem Stift, mit dem er die entsprechende Stelle auf dem Bild umkreiste.
»Hier sehen Sie einen verlagerten Weisheitszahn, der nicht durchgebrochen ist. Bei der dunklen Stelle drum herum handelt es sich um eine sogenannte Kieferzyste«, erläuterte er in einfachen Worten. »Eine Zyste muss man sich als Hohlraum in einem Knochen oder anderem Gewebe vorstellen, der normalerweise dort nicht sein sollte.«
Trotz seiner Schmerzen musste Sascha grinsen.
»Eine Zyste wird durch eine Zystenwand, einer Kapsel oder dünnen Weichteilhülle vom angrenzenden Gewebe abgetrennt und enthält eine flüssige oder zähflüssige Substanz«, setzte er die Ausführungen des Zahnarztes fort.
Dr. Arnold stutzte kurz. Dann lachte er.
»Da hab ich es wohl mit einem Kollegen zu tun«, folgerte er aus Saschas Erläuterungen.
»Nicht direkt«, gestand der und folgte dem Arzt aus dem Zimmer durch den Flur und hinüber zum Tresen. »Ich studiere Tiermedizin an einer Fernuniversität. Mit den Zysten hab ich mich erst vor Kurzem befasst.«
»Na, dann sind Sie ja sicher auch über die Therapiemöglichkeiten informiert.«
Sie waren im Eingangsbereich angelangt, und Dr. Arnold wies seine Sprechstundenhilfe an, einen passenden Operationstermin auszusuchen.
»Ich könnte Ihnen erzählen, wie man eine Zyste vom Eierstock einer Katze entfernt«, bemerkte Sascha so trocken, dass Peter Arnold den Kopf in den Nacken warf und schallend lachte.
