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Die Frage ist heute noch genauso berechtigt wie in den Tagen der Apostel: Verstehst du auch, was du liest? (Apg 8,30) Nur ganz wenige werden darauf bei der täglichen Schriftlesung mit einem uneingeschränkten "ja" antworten können. In diesem Buch wird für jeden Tag ein kurzer Impuls zu einem Bibeltext aus der liturgischen Leseordnung vorgelegt.
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Seitenzahl: 386
Veröffentlichungsjahr: 2017
Dieser Titel ist auch als Printausgabe erhältlichISBN 978-3-87614-098-8
Sie finden uns im Internet unterwww.pallotti-verlag.de
Wichtiger Hinweis des Verlags: Der Verlag hat sich bemüht, die Copyright-Inhaber aller verwendeten Zitate, Texte, Bilder, Abbildungen und Illustrationen zu ermitteln. Leider gelang dies nicht in allen Fällen. Sollten wir jemanden übergangen haben, so bitten wir die Copyright-Inhaber, sich mit uns in Verbindung zu setzen.
Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
ISBN 978-3-87614-099-5 (eBook)
Verlag:
© Pallotti Verlag 201786316 Friedberg (Bay.)
Künstlerin:
Gertraud Amanda Hohmann97753 Karlstadt / Main
Gesamtherstellung:
Friends Media Group GmbHZeuggasse 7–9, 86150 Augsburgwww.friends-media-group.de
eBook-Herstellung:
HEROLD Auslieferung Service GmbHwww.herold-va.de
Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift© 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart
© Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlags reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Ein Wort zuvor …
Viele, die im Dienste der Verkündigung und der Liturgie stehen, bedauern es, dass die Gottesdienstbesucher täglich eine wertvolle Botschaft meist ohne eine Verstehenshilfe hören. Die Frage ist heute noch genauso berechtigt wie in den Tagen der Apostel: „Verstehst du auch, was du liest?“ (Apg 8,30) Nur ganz wenige werden darauf mit einem uneingeschränkten „ja“ antworten können. Gerade jene, die tagtäglich dem biblischen Wort begegnen, sollten der Chance nicht verlustig gehen, immer etwas mehr zu verstehen.
Wenn die hier vorgelegten knappen täglichen Gedanken die eine oder andere Hilfe für Verkündiger und Hörer bieten, dann würde ich mich freuen. Im gemeindlichen Hören und Überdenken der biblischen Botschaft wurden sie im Laufe von Jahrzehnten im Gottesdienst angeboten und schließlich absichtslos im PC abgelegt. Ich habe mich lange dem Verlangen nach einer Veröffentlichung widersetzt. Vieles ist eine Frucht der eigenen Meditation oder des Studiums, manches habe ich auch irgendwo aufgeschnappt, gelesen und ich kann längst nicht mehr die Quellen benennen. In dankbarer Erinnerung sind mir viele überraschende Hinweise des wahrhaft „radikalen“ Exegeten Karl Herbst zu den Evangelien-Texten (Was wollte Jesus selbst? Düsseldorf 1979), an dessen vorausgehendem Briefkurs ich mich gerne beteiligte. Sollten sich noch weitere Autoren als Urheber von Gedanken und Formulierungen melden, will ich den verdienten Dank gerne nachholen.
Danken möchte ich Gertraud A. Hohmann für ihre Bereitschaft, dieses Buch durch die Botschaft ihrer Bilder zu bereichern.
Immer wieder bestätigen sich die Worte von Hans-Hermann Bittger:
Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht;
es hat Hoffnung und Zukunft gebracht;
es gibt Trost, es gibt Halt
in Bedrängnis, Not und Ängsten,
ist wie ein Stern in der Dunkelheit.
(Gotteslob 450)
Friedberg b. Augsburg 2017
Peter Hinsen SAC
Weihnachtszeit
24. Dezember
Weihnachten – in der Nacht
1. Lesung: Jes 9,2-7
2. Lesung: Tit 2,11-14
Evangelium: Lk 2,1-14
Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.
Lk 2,11
Die Weihnachtsgeschichte beginnt mit dem Heimkommen. Der Kaiser will, dass jeder sich für die Volkszählung in seine Heimatstadt begibt. Aber Heimat ist nicht immer dort, wo staatliche Behörden sie vorgesehen haben. Für Josef war Betlehem wohl schon lange nicht mehr sein Zuhause, sonst wäre er anders aufgenommen worden. Dem Kind, das sich den Weg ins Leben sucht, ist die ganze Erde als Heimat recht. Das Kind will auf die Welt kommen, und wenn es sein muss in einem Stall. Vielleicht ist das eines der ganz großen Geheimnisse unserer Welt, dass Gott überall daheim ist.
Die Engel sagten, Gott sei zur Welt gekommen, der Heiland, Christus, der Herr. Die Stadt Davids ist die ganze Welt. So haben es die Propheten vorhergesagt.
25. Dezember
Weihnachten – am Tage
1. Lesung: Jes 52,7-10
2. Lesung: Hebr 1,1-6
Evangelium: Joh 1,1-18
Das Wort ist Fleisch geworden.
Joh 1,14
Weihnachten heißt: Er ist gekommen. Er hat die Nacht hell gemacht. Er hat die Nacht unserer Finsternis, die Nacht unserer Unbegreiflichkeiten, die grausame Nacht unserer Ängste und Hoffnungslosigkeiten zur Weihnacht, zur heiligen Nacht gemacht. Gott hat sein letztes, sein tiefstes, sein schönstes Wort im fleischgewordenen Wort in die Welt hineingesagt. Und dieses Wort heißt:
Ich liebe dich, du Welt und du Mensch. Ja, zündet die Kerzen an! Sie haben mehr recht als alle Finsternis.
Karl Rahner
26. Dezember
Hl. Stephanus
Lesung: Apg 6,8-10;7,54-60
Evangelium: Mt 10,17-22
Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an.
Apg 7,60
Es ist gut, an der Wahrheit festzuhalten, auch wenn es schwierig wird. Wer dies tut, der bleibt sich selbst treu und kann vor sich bestehen. Er kann vielleicht durch seine Nachteile, die er um der Wahrheit willen in Kauf nimmt, sogar andere nachdenklich machen und so der Wahrheit zum Sieg verhelfen. So hat das Martyrium des Stephanus gewirkt.
Aber – und dieses „aber“ ist wichtig! – es kommt immer darauf an, wie ich für die Wahrheit eintrete. Versuche ich den andern fertig zu machen? Schlage ich ihm das, was ich für die Wahrheit halte, wie einen nassen Putzlappen um die Ohren? Das hätte nichts mit dem von Christen geforderten Einsatz für die Wahrheit zu tun.
Stephanus hat es wie Jesus gehalten: Er hat sich für die Wahrheit eingesetzt, sich für die Wahrheit sogar totschlagen lassen, aber er hat dabei die Liebe nicht aufgekündigt. Er hat liebend das Schicksal seiner Feinde bedacht, und nicht nur still für sich, sondern so, dass sie es hören und spüren konnten.
Wahrheit und Liebe müssen eine Einheit sein. Wahrheit ohne Liebe ist grausam.
27. Dezember
Fest des hl. Johannes (Apostel und Evangelist)
Lesung: 1 Joh 1,1-4
Evangelium: Joh 20,2-8
Er sah und glaubte.
Joh 20,8
Dieser Evangeliumsabschnitt führt uns schon zum Osterereignis. Zugleich lässt er uns sehr einfühlsam und zurückhaltend die Spannungen der frühen Kirche erahnen. Die einen hielten zu Petrus, die andern zu Johannes, dem Lieblingsjünger. In einer ungeheuren Souveränität schildert der Evangelist den Lieblingsjünger, der zwar den Vorteil der Jugend hatte, aber dennoch auch die Größe, einen Schritt zurückzutreten und dem älteren Petrus den Vortritt zu lassen. Damit soll dokumentiert werden: Petrus ist die Nummer eins.
Aber beiden war gemeinsam: sie sahen und glaubten. Wir sehen oft nicht, aber der Glaube ist dennoch von uns gefordert. Er wird uns eine Lebenshilfe sein.
28. Dezember
Fest der unschuldigen Kinder
Lesung: 1 Joh 1,5-2,2
Evangelium: Mt 2,13-18
Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn.
Mt 2,13
„Träume sind Schäume.“ – So sagt der Volksmund, aber die Bibel sagt etwas anderes. Immer wieder erzählt sie davon, dass Gott durch Träume zu den Menschen spricht. So erhält auch Josef im Traum eine Warnung vor den Mordplänen des Herodes und zugleich den Weg zur Rettung gewiesen.
Wer sich Orientierung verschaffen will, was Gott von ihm erwartet, der hat in der Heiligen Schrift eine gute Hilfe. Aber er sollte auch seine Träume nicht außer acht lassen. Sie sagen nicht nur sehr viel über uns selbst aus, sondern machen auch kund, was unser Herz ersehnt oder fürchtet, was ihm zum Heil oder Unheil gereichen kann.
Manches geborene und ungeborene Kind, manches was in uns heranwachsen möchte, könnte sich seines Lebens erfreuen, wenn Menschen ihren Träumen folgen würden. Die Beobachtung der eigenen Träume kann eine sehr fruchtbare Lebenshilfe sein.
29. Dezember
Lesung: 1 Joh 2,3-11
Evangelium: Lk 2,22-35
Ein Licht, das die Heiden erleuchtet.
Lk 2,32
Jesus ist als das Licht in die Welt gekommen,
nicht nur in die Welt der Juden, sondern auch in die der Heiden,
nicht nur in die der Frommen, sondern auch in die der Frevler,
nicht nur in die der Gerechten, sondern auch in die der Sünder.
Er ist auch in unsere Welt, in unser Leben gekommen.
Aber haben wir ihn wahrgenommen?
Oder machen wir die Augen zu, weil in diesem Licht so manches von uns zum Vorschein kommt, was wir lieber im Dunkeln belassen wollen?
Aber wir brauchen keine Angst zu haben: trotz unserer dunklen Flecken können wir uns in diesem Licht durchaus sehen lassen, denn dieses Licht ist nicht grausam, sondern mild.
30. Dezember
Lesung: 1 Joh 2,12-17
Evangelium: Lk 2,36-40
Hannah sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.
Lk 2,38
Lukas bezeichnet Hannah als Prophetin. Propheten sind nicht nur jene kraftvollen Männer, die wir so oft in den Bildern der Kunst dargestellt sehen: Mose, Elia, Jeremia oder Jesaja, die den Mächtigen ins Angesicht widerstanden haben. Propheten können auch schon Kinder sein, Jugendliche, aber auch alte und kranke Menschen wie Hannah. Propheten sind Menschen, die es gelernt haben, auf Gottes Willen zu hören. In einem langen Leben des Gebetes ist Hannah sehend und wissend geworden, und darum ist es ihr auch geschenkt, Jesus als den erwarteten Messias zu erkennen.
31. Dezember
Lesung: 1 Joh 2,18-21
Evangelium: Joh 1,1-18
Und das Wort ist Fleisch geworden.
Joh 1,14
„Im Anfang war das Wort.“ Johannes spricht hier wie ein Philosoph. Mancher hat schon diesen Ausspruch in Zweifel gezogen. Denken wir nur an Goethes Faust, der meint, es besser zu wissen: „Im Anfang war die Tat.“ – Nein: „Im Anfang war das Wort!“
„Das Wort bringt Leben, bringt Licht.“ Auch hier kann man seine Zweifel anmelden. Bringt es nicht auch Streit, Feindschaft, gelegentlich sogar Tod?
Dieses Wort nicht! Dieses Wort schafft Verbindungen zwischen Himmel und Erde, baut eine Brücke zwischen Gott und den Menschen. Aber auch das muss nicht so sein. Manches Wort zerstört Gemeinschaft, reißt Gräben auf.
Wenn wir Gottes Wort in uns Fleisch annehmen lassen, dann wird man dies unseren Worten anmerken. Wenn man nichts merkt, dann stimmt etwas nicht.
1. Januar
Hochfest der Gottesmutter Maria (Neujahr)
1. Lesung: Num 6,22-27
2. Lesung: Gal 4,4-7
Evangelium: Lk 2,16-21
Man gab ihm den Namen Jesus.
Lk 2,21
Eine Mutter, die ihr Kind in den Armen hält, erlebt viele Augenblicke des Glücks. Unfähig, diese Gefühle in Worten zu fassen, drückt sie ihre Liebe in Gesten aus: sie streichelt über das kleine Köpfchen, sie liebkost und küsst es, umfasst die kleinen Händchen. Dabei kostet sie jeden Moment aus, nimmt dieses Glück ganz tief in sich auf und bewahrt es in ihrer Erinnerung.
So auch Maria. Das Kind war geboren; Maria und Josef waren glücklich. Selbst die Hirten hatten sich über dieses Kind gefreut, weil sie erkannten: Dieses Kind ist der Retter der Welt. Alle waren einfach überwältigt. Und Maria? Von ihr sagt Lukas: „Sie bewahrte all diese Geschehnisse und bewegte sie in ihrem Herzen.“
2. Januar
Lesung: 1 Joh 2,22-28
Evangelium: Joh 1,19-28
Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt.
Joh 1,26
