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Dr. Baumann ist ein echter Menschenfreund, rund um die Uhr im Einsatz, immer mit einem offenen Ohr für die Nöte und Sorgen seiner Patienten, ein Arzt und Lebensretter aus Berufung, wie ihn sich jeder an Leib und Seele Erkrankte wünscht. Seine Praxis befindet sich in Deutschlands beliebtestem Reiseland, in Bayern, wo die Herzen der Menschen für die Heimat schlagen. Der ideale Schauplatz für eine besondere, heimatliches Lokalkolorit vermittelnde Arztromanserie, die ebenso plastisch wie einfühlsam von der beliebten Schriftstellerin Laura Martens erzählt wird. »Ich kann nur sagen, herzlich willkommen, Frau Schneider.« Dr. Eric Baumann drückte die Hand seiner neuen Arzthelferin. »Es ist schön, Sie in unserem Team begrüßen zu können.« »Wir sind alle froh, daß Sie jetzt bei uns arbeiten«, meinte Tina Martens zu ihrer neuen Kollegin. »Seit Frau Doktor Bertram nicht mehr bei uns ist, ist uns die Arbeit ziemlich über den Kopf gewachsen.« Franziska Löbl, die als Krankengymnastin in der Praxis von Dr. Baumann arbeitete, begrüßte Barbara ebenfalls mit einem Händedruck. Da sie seit einem Unfall in ihrer Kindheit nicht mehr sprechen konnte, begnügte sie sich mit einem Lächeln. »Was würdet ihr davon halten, wenn wir heute abend alle zusammen essen gehen, um die Erweiterung unseres Teams gebührend zu feiern?« fragte Eric. »Meine Haushälterin würde auch mit von der Party sein. Wir haben uns allemal wieder einen gemütlichen Abend verdient.« »Ich habe heute noch nichts vor«, sagte Tina, »und Joachim trifft sich mit Freunden.« »Und wie ist es mit dir, Franziska?« »Geht in Ordnung«, schrieb die junge Krankengymnastin. »Manfred hat ohnehin Dienst.«
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Seitenzahl: 113
Veröffentlichungsjahr: 2020
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»Ich kann nur sagen, herzlich willkommen, Frau Schneider.« Dr. Eric Baumann drückte die Hand seiner neuen Arzthelferin. »Es ist schön, Sie in unserem Team begrüßen zu können.«
»Wir sind alle froh, daß Sie jetzt bei uns arbeiten«, meinte Tina Martens zu ihrer neuen Kollegin. »Seit Frau Doktor Bertram nicht mehr bei uns ist, ist uns die Arbeit ziemlich über den Kopf gewachsen.«
Franziska Löbl, die als Krankengymnastin in der Praxis von Dr. Baumann arbeitete, begrüßte Barbara ebenfalls mit einem Händedruck. Da sie seit einem Unfall in ihrer Kindheit nicht mehr sprechen konnte, begnügte sie sich mit einem Lächeln.
»Was würdet ihr davon halten, wenn wir heute abend alle zusammen essen gehen, um die Erweiterung unseres Teams gebührend zu feiern?« fragte Eric. »Meine Haushälterin würde auch mit von der Party sein. Wir haben uns allemal wieder einen gemütlichen Abend verdient.«
»Ich habe heute noch nichts vor«, sagte Tina, »und Joachim trifft sich mit Freunden.«
»Und wie ist es mit dir, Franziska?«
»Geht in Ordnung«, schrieb die junge Krankengymnastin. »Manfred hat ohnehin Dienst.«
»Und bei mir sind auch keine Schwierigkeiten zu erwarten«, erklärte Barbara Schneider. »Wie ich meinen Verlobten kenne, hat er nichts dagegen, wenn ich mal einen Abend ohne ihn verbringe.« Die junge Frau war vor einigen Wochen für einen Urlaub nach Tegernsee gekommen und hatte durch einen Bootsunfall Arno Vögele kennengelernt, der in Rottach-Egern eine Werbeagentur besaß. Sie hatten sich verliebt, und Barbara, die am Tegernsee zur Welt gekommen war, hatte beschlossen, für immer hierher zurückzukehren.
»Gut, somit wäre das geklärt«, meinte Dr. Baumann. Er schaute zur Eingangstür, die sich in diesem Moment öffnete. Frau Becker trat ein. Der Tag fängt gut an, dachte er und wünschte seiner Patientin einen guten Morgen, bevor er in seinem Sprechzimmer verschwand.
Lina Becker war zu einer Blutsenkung gekommen. Tina Martens machte sie mit ihrer neuen Kollegin bekannt. »Ich kenne Ihren Vater, Frau Schneider«, sagte die Patientin. »Wir haben unsere gesamten Elektrogeräte in seinem Geschäft gekauft. Wie geht es ihm?«
»Sein Magen macht ihm nach wie vor zu schaffen«, erwiderte die junge Frau. Ihre Eltern hatten sich scheiden lassen, als sie noch ein Kind gewesen war. Da ihr Vater keinen Wert darauf gelegt hatte, mit ihr in Verbindung zu bleiben, hatten sie sich kaum gesehen. Erst ihr Urlaub in Tegernsee hatte sie einander nähergebracht.
»So eine Magengeschichte kann sehr langwierig sein«, bemerkte Lina Becker. »Es wird ihm guttun, daß Sie nun bei ihm wohnen.« Sie sah Barbara neugierig an. »Oder wohnen Sie nicht bei ihm?«
»Nein, ich wohne nicht bei meinem Vater, sondern bei meinem Verlobten, Frau Becker.« Barbara ließ sich nicht gern ausfragen, aber sie wollte auch nicht unhöflich sein.
»Würden Sie bitte noch einen Moment im Wartezimmer Platz nehmen, Frau Becker.« Tina Martens schenkte der Patientin ein freundliches Lächeln. »Ich werde Sie dann aufrufen.«
»Natürlich.« Lina wandte sich bedauernd dem Wartezimmer zu.
Tina Martens wartete, bis sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, bevor sie Barbara zuflüsterte: »Da haben Sie gleich die Zeitung vom Narzissenweg kennengelernt, Frau Schneider. Frau Becker wird so genannt, weil sie im Narzissenweg wohnt und vermutlich eine der größten Klatschbasen Tegernsees ist. Sie müssen ihr gegenüber sehr vorsichtig sein.«
»Danke für die Warnung.«
»Es ist gut, wenn man weiß, woran man ist«, meinte Tina leise, weil in diesem Moment ein weiterer Patient die Praxis betrat.
Den ganzen Vormittag gaben sich die Patienten regelrecht die Klinke in die Hand. Dr. Baumann kam kaum dazu, zwischendurch mal eine Tasse Kaffee zu trinken. Trotzdem gelang es ihm festzustellen, daß sich Barbara Schneider fast im Handumdrehen in den Betrieb seiner Praxis einfand. Besonders schätzte er an ihr, daß sie mit dem Ozongerät umgehen konnte. Seit Frau Dr. Bertram in die Praxis von Dr. Häußermann eingetreten war, um sie im Januar zu übernehmen, hatte er sich selbst um die Ozontherapie kümmern müssen.
»Du machst so ein zufriedenes Gesicht, Eric«, meinte Katharina Wittenberg, als sie um eins in der Küche beim Mittagessen saßen. »Sieht aus, als wärst du mit Frau Schneider äußerst zufrieden.«
»Ja, das bin ich auch«, bestätigte sie. »Sie scheint ein wirklicher Gewinn für die Praxis zu sein. Es wurde allerhöchste Zeit, Tina ein wenig zu entlasten. Und mir nimmt sie auch eine Menge Arbeit ab. Davon abgesehen ist es gut, daß sie jetzt am Tegernsee lebt. So kann sie ein Auge auf ihren Vater haben, sonst verfällt Herr Schneider wieder seinem alten Trott. Krankhafter Geiz ist auch mit Psychotherapie nicht von einem Tag auf den anderen zu heilen.«
»Wenn er sich überhaupt heilen läßt«, bemerkte seine Haushälterin skeptisch. »Ich kann mir nicht vorstellen, daß Herr Schneider nicht nach wie vor jeden Bissen bereut, den er zu seiner Ernährung in den Mund stecken muß.«
»Mag sein, nur vorerst ist es erst einmal wichtig, daß er überhaupt bereit ist, sich vernünftig zu ernähren«, meinte Eric und sagte Katharina, daß er für den Abend bereits einen Tisch im »Benji« bestellt hatte. Seit dieses Restaurant in Rottach-Egern eröffnet hatte, ging er kaum noch woanders essen. Nicht nur, weil jedes Essen dort ausgezeichnet schmeckte, Benjamin Ahlert, dem Besitzer des Restaurants gelang es auch, seinen Gästen ein ganz besonderes Flair zu bieten.
Nach dem Mittagessen besuchte Eric mehrere Patienten, die zu krank waren, um in die Praxis zu kommen, dann fiel ihm ein, daß er am Freitagabend bei Freunden in Bad Wiessee eingeladen war und noch ein paar Pralinen kaufen mußte. Er stellte seinen Wagen in der Nähe des ehemaligen Klosters ab und ging zu Fuß zum Café Marquard, in dem neben Gebäckspezialitäten auch Pralinen hergestellt wurden.
An diesem Nachmittag stand Jessica Reichelt, die Besitzerin des Cafés selbst hinter der Verkaufstheke des kleinen, dem Café angeschlossenen Ladens. Der Arzt hatte das Geschäft zu einer Zeit betreten, in der es ziemlich viel Kunden gab.
Jessica und die beiden Verkäuferinnen hatten alle Hände voll zu tun und keine Zeit, auf den Buben zu achten, der sich bei einem Regal mit hausgemachten Pralinen herumdrückte.
Auch Dr. Baumann hätte nicht weiter auf ihn geachtet, wenn sich der Bub nicht so auffällig desinteressiert benommen hätte. Plötzlich steckte er blitzschnell eine teure Schachtel Pralinen in seinen offenen Parka und wollte das Café verlassen.
»Hallo, Cedric«, sagte Eric.
Cedric Binder schrak so heftig zusammen, daß er fast gegen einen Ständer mit Süßigkeiten gestoßen wäre. »Doktor Baumann, ich habe Sie gar nicht gesehen«, meinte er. »Mein Vater wartet auf mich.« Er wies zu den Leuten, die sich vor der Theke drängten. »Ich habe keine Zeit.« Mit einem schiefen Grinsen öffnete er die Tür.
Eric schaute sich rasch um. Er war überzeugt, daß ihnen die anderen Kunden keine Aufmerksamkeit schenkten. »Hast du nicht etwas vergessen, Cedric?« fragte er und sah den Vierzehnjährigen eindringlich an.
Cedric wurde feuerrot. Er wußte, daß er nicht einfach davonlaufen konnte. Einmal gehörte seine Familie zu den Patienten von Dr. Baumann, zum anderen wollte er kein Aufsehen erregen. »Ich habe kein Geld«, flüsterte er und wagte es nicht, den Arzt anzuschauen.
Eric kannte die Binders sehr gut. Er konnte sich nicht vorstellen, daß Cedric aus purer Abenteuerlust zum Ladendieb geworden war. »Gib mir die Pralinen«, verlangte er. »Und lauf nicht weg. Es hätte wenig Sinn. Ich möchte mich mit dir noch unterhalten.« Er legte eine Hand auf die Schulter des Buben.
Cedric nickte. Vorsichtig griff er nach der Pralinenschachtel und gab sie dem Arzt. Er spürte, wie ihm der Schweiß ausbrach. Nicht auszudenken, wenn Dr. Baumann mit dieser Geschichte zu seinem Vater ging.
Eric nahm noch eine zweite Schachtel Pralinen aus dem Regal. Es dauerte eine Weile, bis er an die Reihe kam. Er legte die Süßigkeiten auf den Ladentisch, wechselte ein paar Worte mit Frau Reichelt, die auch zu seinen Patienten gehörte, und ließ sich die Pralinenschachteln, jede für sich, als Geschenk einpacken.
»So, und nun sollten wir ein paar Worte miteinander reden, Cedric«, sagte er, als er zusammen mit dem Buben das Café verließ. »Magst du eine Currywurst?« Etwa hundert Meter weiter gab es einen Würstchenstand.
Der Bub schüttelte den Kopf. »Werden Sie es meinen Eltern erzählen?«
»Nein«, erwiderte Eric spontan.
Cedric atmete auf. »Jetzt würde ich doch eine Wurst essen«, erklärte er erleichtert.
»Gut, also komm.«
Gemeinsam gingen sie zum Würstchenstand. Trotz der Dezemberkälte wollte Cedric eine Cola zu seiner Wurst, während Eric einen Tee trank.
»Meine Schwester ist vor vierzehn Tagen mit mir zu einem Rockkonzert nach München gefahren«, erzählte Cedric. »Ich wollte ihr die Pralinen schenken, um mich dafür zu bedanken. Die Karten sind irrsinnig teuer gewesen. Meinem Vater hätte ich nicht damit kommen dürfen.«
Joanna Binder arbeitete als Kindergärtnerin im Hotel »Luisenhof«. Dr. Baumann mochte die junge Frau sehr. »Und warum hast du ihr keine Pralinen von deinem Taschengeld gekauft?« erkundigte er sich. »Alles schon ausgegeben?«
»Ich bekomme kaum noch Taschengeld«, erwiderte der Vierzehnjährige. »Mein Vater meint, ich sollte endlich sparen lernen.« Er verzog das Gesicht. »Sparen Sie mal von fast nichts.« Niedergeschlagen biß er in seine Currywurst.
»Hast du nicht mit deinem Vater darüber gesprochen?« fragte der Arzt überrascht. Er hatte Norbert Binder bisher nicht für knauserig gehalten und konnte sich auch nicht vorstellen, weshalb er es mit einem Mal geworden sein sollte. Geldsorgen konnten die Binders nicht haben. Als Konstrukteur verdiente Cedrics Vater sehr gut, das Haus war schon lange abbezahlt, und erst im letzten Jahr hatte sich die Familie einen vierwöchigen Floridaurlaub geleistet.
»Ich habe es versucht«, antwortete Cedric. »Zu meiner Mutter ist mein Vater auch schon seit Monaten so knauserig. Er hat ihr drastisch das Haushaltsgeld gekürzt und verlangt, daß sie ein Ein- und Ausgabenbuch führt. Es ist einfach nicht mit ihm zu reden. Den ganzen Tag ist er auf der Arbeit und wenn er heimkommt, vergräbt er sich meistens in seinem Zimmer.«
Der Bub starrte in seinen Colabecher. »Was meinen Sie, wie oft mir meine Schwester schon einen Taschengeldzuschuß gegeben hat. Nur, ich kann sie nicht ständig anbetteln. Wenn ich mir wenigstens etwas verdienen dürfte! Mein Vater ist strikt dagegen und meint, ich sollte mich lieber mehr um die Schule kümmern. Dabei kommt bald Weihnachten und ich habe noch keine Geschenke.«
Nein, das klang nicht nach dem Norbert Binder, den er bisher kennengelernt hatte! Dr. Baumann überlegte, was den Mann so verändert haben konnte. Cedrics Vater war schon seit einigen Wochen nicht in seiner Praxis gewesen, was ihn allerdings nicht weiter wunderte, weil ihm nur selten etwas fehlte.
»Werden Sie es wirklich nicht meinen Eltern verraten? Ich glaube, mein Vater würde durchdrehen, wenn er wüßte, daß ich Pralinen klauen wollte.«
»Nein«, versicherte Eric erneut. »Bitte, Cedric, versprich mir, daß du so etwas nicht noch einmal tust.«
»Ich verspreche es«, sagte Cedric. »Es ist dumm gewesen, so einen Irrsinn überhaupt zu versuchen.«
»Ich verlasse mich darauf.« Der Arzt gab ihm eine der Pralinenschachteln. »Für deine Schwester. Du mußt ihr ja nicht verraten, wie du zu den Pralinen gekommen bist.«
»Danke.« Cedric strich mit den Fingerspitzen über die Schachtel. »Sie sind super, Doktor Baumann. Ein anderer wäre sofort zu meinen Eltern gerannt.« Er steckte die Pralinen in den Parka. »Wenn ich mal etwas für Sie tun kann, werde ich…«
»Ich werde daran denken«, versprach Eric. »So, und nun wird es Zeit für mich, nach Hause zurückzukehren. In zwanzig Minuten beginnt meine Sprechstunde.« Blitzschnell steckte er dem Jungen einen Geldschein in die Tasche des Parkas. »Kleiner Zuschuß für die Weihnachtsgeschenke. Tschüs!« Mit eiligen Schritten ging er in Richtung Parkplatz.
Cedric schaute ihm nach, dann nahm er den Geldschein aus der Tasche. »Der Mann ist super, einfach super«, meinte er zu sich selbst und überlegte, was er für seine Eltern und für seine Schwester von dem Geld kaufen konnte.
*
Joanna Binder beugte sich über das kleine Mädchen, das an einem der niedrigen Tische im Kindergarten des »Luisenhofes« saß und eifrig damit beschäftigt war, eine große Sonne auf ein Blatt Papier zu malen. »Fein machst du das, Claire«, sagte sie und strich dem Kind durch die goldblonden Locken.
»Und ich, Tante Joanna?« Christopher Koch, Claires Zwillingsbruder, wies auf sein Werk. »Ist der Hund nicht schön geworden?«
»Ja, das ist er. Wem willst du dein Bild denn schenken, Christopher?«
»Dem Papa«, sagte der Fünfjährige.
»Der mag keine Bilder. Der mag nur seine Arbeit«, erklärte Claire. Sie bewegte ihren Farbpinsel durch die Luft. Ein großer, gelber Tropfen löste sich. Erst jetzt bemerkte Joanna, das die Plastikschürze der Kleinen zur Seite gerutscht war. Die gelbe Farbe klatschte auf das teure Kleid, das sie trug. »Oh!« Claire starrte entsetzt auf den gelben Fleck, der den blauen Stoff verunzierte.
»Komm, mal sehen, ob wir die Farbe nicht herauswaschen können.« Joanna nahm das Mädchen bei der Hand. Sie wußte, daß Louise Koch, die Mutter der Zwillinge, wegen des Flecks ein großes Theater machen würde. Bisher hatte sie die Kochs, die ein exklusives Modehaus in Stuttgart besaßen, nur als äußerst unangenehme Gäste kennengelernt. Sie kümmerten sich kaum um ihre Kinder. Sie brachten sie meist noch vor dem Frühstück in den Kindergarten und holten sie erst am späten Nachmittag wieder ab. Abends wurden die Zwillinge von einem Babysitter betreut.
Die Farbe hatte sich bereits im Stoff eingefressen und ließ sich nicht mehr vollständig entfernen. Joanna überlegte, ob sie ein bißchen fester reiben sollte, befürchtete jedoch, das Kleid womöglich völlig zu ruinieren.
»Meine Mama wird schrecklich böse werden«, sagte Claire mit weinerlicher Stimme.
»Es ist nicht deine Schuld gewesen. Ich hätte aufpassen müssen, daß die Schürze dein Kleid völlig bedeckt«, versuchte Joanna die Kleine zu trösten. Sie schickte Claire zum Tisch zurück und warf einen Blick in die Küche des Kindergartens, wo eine ihrer Helferinnen damit beschäftigt war, den Kuchen zu schneiden, den die Kinder bekommen sollten.
