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Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Extra Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Tut mir leid, Mausi, aber ich kann es nun mal nicht ändern. Arbeit ist Arbeit, da kann ich auf meine privaten Vergnügungen keine Rücksicht nehmen.« »Ist es schon so weit, dass du deine Familie eine private Vergnügung nennst?« Caroline Hübner konnte es nicht vermeiden, dass ihre Stimme schrill klang. Wie so oft würde ihr Mann Richard wegen einer Besprechung nicht pünktlich nach Hause kommen, und die Enttäuschung darüber stand ihr ins Gesicht geschrieben. »Und was ist mit meinem Kurs heute Abend? Du hast mir doch versprochen, die Kinder zu übernehmen.« »Tut mir leid, das nächste Mal klappt's bestimmt. Und so wichtig ist dieser Computerkurs auch wieder nicht. Eine reine Beschäftigungstherapie. Aber ich muss jetzt aufhören. Bis später.« Richard beendete das Gespräch abrupt, und Caro starrte auf den Hörer in ihrer Hand. »Das nächste Mal? Und was ist mit heute?«, fragte sie sich selbst, als eine quengelnde Kinderstimme ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. »Ich will auch mit Papa reden.« Kleine Hände klammerten sich an Caros Hosenbeine. Die holte tief Luft, als könnte sie sich so die nötige Geduld für ihre drei Kinder holen und bückte sich, um den kleinen Quälgeist hochzuheben. »Papa hat jetzt keine Zeit, Lilly.
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Seitenzahl: 125
Veröffentlichungsjahr: 2023
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»Tut mir leid, Mausi, aber ich kann es nun mal nicht ändern. Arbeit ist Arbeit, da kann ich auf meine privaten Vergnügungen keine Rücksicht nehmen.«
»Ist es schon so weit, dass du deine Familie eine private Vergnügung nennst?« Caroline Hübner konnte es nicht vermeiden, dass ihre Stimme schrill klang. Wie so oft würde ihr Mann Richard wegen einer Besprechung nicht pünktlich nach Hause kommen, und die Enttäuschung darüber stand ihr ins Gesicht geschrieben. »Und was ist mit meinem Kurs heute Abend? Du hast mir doch versprochen, die Kinder zu übernehmen.«
»Tut mir leid, das nächste Mal klappt’s bestimmt. Und so wichtig ist dieser Computerkurs auch wieder nicht. Eine reine Beschäftigungstherapie. Aber ich muss jetzt aufhören. Bis später.« Richard beendete das Gespräch abrupt, und Caro starrte auf den Hörer in ihrer Hand. »Das nächste Mal? Und was ist mit heute?«, fragte sie sich selbst, als eine quengelnde Kinderstimme ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. »Ich will auch mit Papa reden.« Kleine Hände klammerten sich an Caros Hosenbeine. Die holte tief Luft, als könnte sie sich so die nötige Geduld für ihre drei Kinder holen und bückte sich, um den kleinen Quälgeist hochzuheben.
»Papa hat jetzt keine Zeit, Lilly. Er muss arbeiten.«
»Papa immer arbeitet. Lilly will aba Papa.«
»Komm, lass uns in die Küche gehen und sehen, was wir uns Schönes zum Essenmachen.«
»Lilly nich will essen«, widersprach die Zweijährige bestimmt und wand sich in Carolines Armen. »Lilly will Papa.«
»Ist der Papa schon daheim?« Angelockt von dem Lärm steckte der sechsjährige Finn den Kopf zur Tür herein. Sein Fußballtrikot war über und über mit Dreck beschmiert, und seine Wangen leuchteten in schönstem Rot. »Ich muss ihm unbedingt die neuen Tricks zeigen, die mir mein Trainer beigebracht hat.« »Die kannst du mir auch zeigen«, seufzte Caro und ließ Lilly auf den Boden gleiten. Beinahe sofort ließ die sich von einer einsamen Ameise ablenken, die sich vom Garten hinein verirrt hatte. »Mit dir machts nicht soviel Spaß. Du kennst ja beinahe schon alles. Aber der Papa hat noch nichts gesehen«, gab Finn pampig zurück und blickte sich um. »Wo ist er denn jetzt?«
»Noch nicht zu Hause, und er wird so schnell auch nicht kommen, weil er noch eine Besprechung hat. Ob es dir passt oder nicht, du wirst schon mit mir vorliebnehmen müssen.« Obwohl Caro die Enttäuschung der Kinder durchaus verstand, traf sie die offensichtliche Ablehnung doch.
Finns Blick ließ indes keinen Zweifel daran, was er von diesem Vorschlag hielt. Mit mürrischem Gesicht schenkte er sich ein Glas Saft ein, trank es in tiefen Zügen leer und verließ die Küche wieder. Eine Dreckspur markierte seinen Weg, und nach kurzer Bedenkzeit beschloss die kleine Lilly, ihrem großen Bruder zu folgen. Caroline blickte ihren beiden Kindern mit gemischten Gefühlen nach. Natürlich liebte sie die Kleinen über alles. Jedes Einzelne war ein Wunschkind gewesen. Doch dass sich ihr Leben einmal ausschließlich um den Nachwuchs drehen würde, damit hatte sie nicht einmal in ihren kühnsten Träumen gerechnet. Trotz des Trubels, der den ganzen Tag um sie herrschte, fühlte sie sich einsam und verlassen. Ein Gefühl, das sie angesichts von Richards Ankündigung wie ein Zug zu überfahren drohte. Dem musste sie ausweichen, wollte sie nicht wieder wie so oft in Tränen ausbrechen. Mit einem kurzen Blick aus dem Fenster versicherte sich Caroline, dass die drei Kinder friedlich spielten, und griff dann zum Telefon, um sich bei ihrer besten Freundin Pia auszuweinen. »Glück!« Wie immer, wenn sich Pia am Telefon meldete, musste Caroline auch schon lächeln.
»Was für ein Glück, dich zu haben. Ich könnte dich schon wegen deines Nachnamens fünfmal am Tag anrufen.«
»Tu das. Du weißt, dass ich mich immer freue, dich an der Strippe zu haben. Aber was ist los? Du klingst irgendwie nicht besonders fröhlich.« »Ich hab’ doch noch kaum was gesagt.«
»Das bisschen reicht. Nach all den Jahren kenne ich dich in- und auswendig. Heraus mit der Sprache. Welche Laus ist dir denn heute über die Leber gelaufen?«
»Das Übliche. Richard hat gerade angerufen, dass er wegen einer Besprechung später nach Hause kommt. Und das ausgerechnet heute, wo ich doch in meinen Computerkurs muss.«
»Schon verstanden. Tante Pia steht bereit. Aber das ist nicht der Grund, weshalb du anrufst, nicht wahr?«
»Nein. Ich muss einfach mal wieder mit einem Erwachsenen reden. Wenn man den ganzen Tag so wie ich mit Kleinkindern verbringt, sehnt man sich hin und wieder nach einem vernünftigen Gespräch«, seufzte Caroline erschöpft. »Weißt du, eigentlich hatte ich mir mein Leben ganz anders vorgestellt. Dabei hat damals alles so schön angefangen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich werde nie vergessen, wie der Blitz bei uns beiden gleichzeitig eingeschlagen hat. Es war auf diesem Faschingsfest. Erinnerst du dich? Richard war damals Scheich und ich hatte mich zufällig als Haremsdame verkleidet.«
»Wie könnte ich diese schöne Geschichte je vergessen?« Pia lächelte geduldig. Immer und immer wieder kam Caroline auf diese Faschingsnacht vor sieben Jahren zurück. Die Nacht, die ihrem Single-Dasein ein jähes Ende bereitet hatte.
»Die folgenden Wochen waren die schönsten meines Lebens. Was wir alles vorhatten! Wie grandios unser Leben sein sollte! Reisen wollten wir, gemeinsam Abenteuer erleben, das Leben erforschen. Und jetzt? Was ist jetzt aus uns geworden? Ein langweiliges Ehepaar, das hin und wieder Tisch und Bett teilt. Kein Gedanke mehr an Abenteuer und Träume.«
»Ist es wirklich so schlimm?«, fragte Pia besorgt. Sie kannte die unglaubliche Liebesgeschichte von Richard und Caroline zu gut, um sich einen so frustrierenden Alltag zwischen den beiden auch nur annähernd vorstellen zu können. »Noch viel schlimmer«, gestand Caro, die gewöhnlich nur wenig über ihr Privatleben sprach. Dazu sah sie sich zu gerne als glücklich verheiratete Ehefrau und zufriedene Mutter von drei wohlgeratenen, hübschen Kindern. Aber jetzt konnte sie ihr ganzes Unglück nicht länger verleugnen. »Ich fühle mich einsam, regelrecht verlassen. Meine ganzen Träume und Ziele sind hinter einem fernen Horizont verschwunden.«
»Was sagt denn Richard dazu, wenn du mit ihm darüber redest?«
»Richard? Der bezeichnet meinen Computerkurs als Beschäftigungstherapie. Er glaubt mir nicht, dass ich wirklich vorhabe, wieder arbeiten zu gehen, wenn ich für Lilly erst einmal einen Betreuungsplatz gefunden habe.«
»So was sagt Richard? Das kann ich gar nicht glauben. Ich hatte ihn immer für so einen modernen, aufgeschlossenen Mann gehalten, den Traumtypen schlechthin.«
»Wenn’s um die Karriere geht, sind sie wohl alle gleich.« Caroline spitzte die Ohren, als lautes Kindergeschrei aus dem Garten zu ihr in die Küche drang. »Aber jetzt muss ich aufhören. Sophie brüllt sich die Seele aus dem Leib.«
»Schon gut. Wann soll ich denn heute Abend da sein, damit du deiner Beschäftigungstherapie nachgehen kannst?«, fragte Pia verständnisvoll. Sie selbst hatte zwar keine Kinder. Aber als Patentante von Finn bekam sie genug vom turbulenten Leben der Familie mit, um zu wissen, was für eine Herausforderung jeden Tag aufs Neue auf Caroline wartete.
*
Eine ähnliche Herausforderung war für Caroline der Computerkurs, den sie vor einigen Wochen begonnen hatte. Schon seit Jahren hegte sie den heimlichen Wunsch, wieder berufstätig zu sein. Jetzt, wo die Familienplanung abgeschlossen und Lilly aus dem Gröbsten heraus war, wollte sie diesen Plan endlich in die Tat umsetzen. Nicht nur für sich selbst erhoffte sie neue Impulse. Insgeheim träumte sie auch davon, ihrer Ehe damit neuen Schwung zu verleihen. Hätte sie erst einmal wieder eigene Erfahrungen, würde sie wieder eine ungleich interessantere Gesprächspartnerin für ihren Mann sein. »Was haben Sie denn vor, wenn der Kurs erst einmal zu Ende ist?«, fragte Marcel Engelmann in ihre Gedanken hinein. Er war ein gut aussehender junger Mann und einer von Carolines Mitstreiter, die am Ende des Kurses ihre Tasche packte. Sie sah ihn überrascht an. »Ehrlich gesagt verrate ich das nicht so gerne. Ich habe nämlich recht hochtrabende Pläne und weiß nicht, ob sie sich auch in die Tat umsetzen lassen.«
»Das klingt aber aufregend. Ich finde es wichtig, Träume und Ziele zu haben. Das macht das Leben doch erst lebenswert. Nun kommen Sie schon, so schlimm wird es schon nicht sein.«
»Überhaupt nicht«, zierte sich Caroline noch ein wenig und schenkte Marcel einen spitzbübischen Blick. Sie fühlte sich sichtlich wohl, wieder einmal ein vernünftiges Gespräch zu führen, das sich nicht um Windelmarken oder günstige Waschmittel drehte. Gut gelaunt kokettierte sie mit ihrem Gesprächspartner. »Also schön, ich verrate Ihnen meine Pläne, wenn Sie mir Ihre sagen.«
»Das ist ja glatte Erpressung«, lachte Marcel amüsiert. Auch er hatte Spaß an der Unterhaltung mit der bildhübschen, jungen Frau, die sich im Umgang mit dem Computer so geschickt angestellt und ihm manche Dinge erklärt hatte. »So ist das Leben nun mal.«
»Einverstanden. So spannend ist es bei mir ja auch nicht. Ich bin Fotograf von Beruf und wollte mich zur Abwechslung auch mal mit Textverarbeitung befassen, damit ich meine Fotos selbst vernünftig mit Untertiteln versehen oder mal einen Kommentar dazu schreiben kann. Im Moment bin ich nämlich immer auf die Gnade meiner Mitmenschen angewiesen. Ich bin nämlich nicht gerade das, was man einen Computer-Spezialisten nennt.«
»Für den Anfang haben Sie sich ganz gut gemacht. Ich muss mich nur wundern, dass ein junger Mensch wie Sie noch keine Erfahrung mit dem Computer gemacht hat. Das ist doch heute schon Standard.«
»Sie reden wie eine alte Frau. Dabei sind Sie ja kaum älter als ich«, lachte Marcel. »Ich hab’ mich bisher geschickt gedrückt. Aber wenn man seine Träume Wirklichkeit werden lassen will, muss man eben ab und zu in den sauren Apfel beißen«, erklärte er dann gutmütig, und Caro warf ihm einen faszinierten Blick zu. »Genau das waren auch meine Gedanken. Ich bin gelernte Köchin und habe meinen Beruf wirklich geliebt. Bis ich eines Tages gemerkt habe, dass ich mehr will. Ich träume davon, ein eigenes Kochbuch zu schreiben. Dafür brauche ich PC-Kenntnisse.«
»Was für ein schöner Plan. Dann können Sie ja jetzt gleich loslegen.«
»Leider fehlt mir noch die Zeit dazu, zumal ich die Gerichte selbst kochen und für die Fotos zusammenstellen will. Dafür gibt es ja inzwischen Food-Stylisten, die das Essen so präparieren, dass es appetitlich aussieht. Aber ich hab’ meine eigenen Vorstellungen, die ich realisieren möchte.«
»Wollen Sie auch die Fotos selbst machen?« In Marcels Augen brannte echtes Interesse, als Caroline lächelnd abwinkte.
»Ich mache zwar gerne Bilder von meinen Kindern. Aber für so talentiert halte ich mich dann doch nicht. Es soll schon ein professionelles Werk werden. Nicht nur eine Art Beschäftigungstherapie.«
Marcel musterte sie mit einem eingehenden Blick, ehe er antwortete.
»Ich finde Ihren Traum wunderbar und ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen, als die Fotos für Ihr Buch zu machen. Das wäre mal eine ganz neue Herausforderung für mich.«
»Soll das ein Angebot sein?« Auf einmal wurden Carolines Handflächen ganz feucht vor Aufregung. Das harmlose Gespräch zwischen Tür und Angel hatte plötzlich eine Ernsthaftigkeit bekommen, die sie erschreckte und aufwühlte. Sollte es tatsächlich so einfach sein, ihren großen Traum zu verwirklichen?
»So können Sie es auch nennen. Natürlich müssten wir uns darüber ausführlicher unterhalten. Aber grundsätzlich finde ich diese Idee toll. Ein Kochbuch aus einem Guss sozusagen. Wo findet man das heutzutage noch?«
»Sie haben meine Idee verstanden«, wunderte sich Caro und wusste nicht, wie ihr geschah. Wann immer sie mit Richard darüber gesprochen hatte, hatte sie nur ein herablassendes Lächeln oder einen liebevollen, aber unverhohlen spöttischen Kommentar geerntet. Nun stand sie plötzlich einem fremden Menschen gegenüber, der ihre Idee nicht nur ernst nahm, sondern sich sogar dafür begeistern konnte. Denn genau das stand in Marcels Gesicht geschrieben, als er nicht lange überlegte und seine Visitenkarte aus dem Geldbeutel zog. »Hier, rufen Sie mich an, wann immer Sie wollen.« Er warf einen Blick auf die Uhr und nickte ihr einen Gruß zu. »Ich freue mich drauf.« Marcel ließ offen, worauf genau er sich freute, und Caroline blickte ihm versonnen nach, während er den Gang hinunterschlenderte. Als die anderen Kursteilnehmer zum Aufbruch drängten, erwachte sie aus ihrer Trance und schloss sich der Allgemeinheit an. Schließlich war es spät geworden, und Pia wartete bestimmt darauf, von ihrem Babysitterdienst befreit zu werden.
*
Tatsächlich sprang Pia Glück sofort auf, als sie den Schlüssel im Schloss hörte. Nicht so sehr deswegen, weil sie müde war und nach Hause wollte. Sie hatte vielmehr über die tiefe Unzufriedenheit ihrer Freundin nachgedacht und wartete ungeduldig auf eine Möglichkeit für ein ausführliches Gespräch. Als sie Caroline jedoch so strahlend im Türrahmen stehen sah, verstand sie die Welt nicht mehr.
»Liebste Pia, ich weiß gar nicht, wie ich dir danken soll für den heutigen Abend«, schwärmte Caro und fiel Pia um den Hals.
»Nanu, was ist denn mit dir passiert? Vorhin warst du noch ein Häuflein Elend und jetzt siehst du aus wie das Glück persönlich. Wenn der Computerkurs derart belebend ist, melde ich mich auch sofort zu einem an.«
»Schön wär’s«, lachte Caro gut gelaunt und ging in die Küche, um eine Flasche Weißwein zu holen. Sie entkorkte sie geschickt und schenkte zwei Gläser voll, von denen sie eines ihrer Freundin reichte. »Auf die Zukunft.«
»Auf die Zukunft. Jetzt erzähl mir sofort, was passiert ist. Ich hatte mich gerade auf ein Krisengespräch eingestellt, und jetzt lachst du mir frech ins Gesicht.«
»Stell dir vor, ich habe jemanden kennengelernt …«.
»Ach, du liebe Zeit! Sag mir jetzt bitte nicht, du hast dich verliebt. Denk dran, Richard ist deine große Liebe, und du hast drei kleine Kinder«, fiel Pia ihrer Freundin entsetzt ins Wort.
»Ich? Verliebt? Bist du verrückt geworden? So einen Unsinn würde ich nie machen. Es ist ja nicht so, dass ich Richard nicht über alles liebte. Ich fühle mich nur allein gelassen und nicht ausgelastet. Aber das wird jetzt ein Ende haben. Ich habe nämlich einen Fotografen gefunden, der Interesse an meinem Buchprojekt hat«, ließ Caroline mit glucksender Stimme verlauten.
»Wirklich? Das klingt ja wie im Märchen!«
»Ist es auch. Und stell dir vor, der Mann sitzt schon seit Wochen in meinem Computerkurs, und ich hatte keine Ahnung davon. Ist das nicht verrückt?«
»Ich sag ja, die Menschen reden viel zu wenig miteinander. Und wenn, dann reden sie aneinander vorbei und verstehen sich nicht. Na, da wird Richard aber Augen machen.«
»Ehrlich gesagt weiß ich noch gar nicht, ob ich ihm was davon erzählen soll. Am liebsten würde ich ihm gleich das fertige Buch auf den Tisch legen. Er glaubt ja ohnehin nicht daran, dass ich es schaffen kann.«
»Was ist nur passiert mit euch? Ich kann es gar nicht verstehen.« Pia war ernst geworden und nippte nachdenklich an ihrem Weißwein. »Ihr wart das Traumpaar schlechthin. Nie hätte ich gedacht, dass bei euch alles so wird wie bei allen anderen Ehepaaren auch.«
»An mir liegt es nicht. Aber ich will nicht ungerecht sein. Richard hat viel um die Ohren im Büro. Außerdem hat er eine große Familie zu ernähren. Da lastet ganz schön viel Verantwortung auf seinen Schultern.«
