Verzaubert von einem Gaukler - Patricia Vandenberg - E-Book

Verzaubert von einem Gaukler E-Book

Patricia Vandenberg

0,0

Beschreibung

Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Extra Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Wirst du denn Paul niemals vergessen?«, seufzte Johanna Strohm und warf einen verzweifelten Blick auf ihre Tochter Caroline, die ihr gegenüber in einem bequemen Fauteuil saß und nachdenklich an einer Zigarette zog. Angesichts dieser oftmals gestellten Frage erschien ein versonnenes Lächeln auf Carolines Gesicht. »Hast du denn Papa jemals vergessen?«, hakte sie nach, ohne auf die Frage der Mutter einzugehen. »Das ist doch etwas ganz anderes. Immerhin habe ich viele glückliche Jahre mit deinem Vater verlebt. Beinahe ein ganzes Leben. Es ist zwar tragisch, dass er nun nicht mehr an meiner Seite ist. So spielt das Leben, so ist das eben. Oft geht einer vor dem anderen. Immerhin war dein Vater viele Jahre älter als ich. Aber du, du bist noch so jung. Paul und du, ihr wart doch nur für kurze Zeit ein Paar. Es wird Zeit, dass du ihn endlich vergisst und dich für ein neues Leben entscheidest. Immerhin ist er inzwischen beinahe zwei Jahre tot.« »Niemals werde ich Paul vergessen. Er war mein Seelenzwilling, meine zweite Hälfte, die so viele Menschen vergeblich auf Erden suchen«, erwiderte Caroline heftig. Johanna nickte sanft.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 126

Veröffentlichungsjahr: 2023

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Dr. Norden Extra – 100 –Verzaubert von einem Gaukler

Sieht Caroline nicht die Gefahr?

Patricia Vandenberg

»Wirst du denn Paul niemals vergessen?«, seufzte Johanna Strohm und warf einen verzweifelten Blick auf ihre Tochter Caroline, die ihr gegenüber in einem bequemen Fauteuil saß und nachdenklich an einer Zigarette zog.

Angesichts dieser oftmals gestellten Frage erschien ein versonnenes Lächeln auf Carolines Gesicht.

»Hast du denn Papa jemals vergessen?«, hakte sie nach, ohne auf die Frage der Mutter einzugehen.

»Das ist doch etwas ganz anderes. Immerhin habe ich viele glückliche Jahre mit deinem Vater verlebt. Beinahe ein ganzes Leben. Es ist zwar tragisch, dass er nun nicht mehr an meiner Seite ist. So spielt das Leben, so ist das eben. Oft geht einer vor dem anderen. Immerhin war dein Vater viele Jahre älter als ich. Aber du, du bist noch so jung. Paul und du, ihr wart doch nur für kurze Zeit ein Paar. Es wird Zeit, dass du ihn endlich vergisst und dich für ein neues Leben entscheidest. Immerhin ist er inzwischen beinahe zwei Jahre tot.«

»Niemals werde ich Paul vergessen. Er war mein Seelenzwilling, meine zweite Hälfte, die so viele Menschen vergeblich auf Erden suchen«, erwiderte Caroline heftig.

Johanna nickte sanft. »Entschuldige, das war der falsche Ausdruck. Natürlich sollst du ihn in deinem Herzen bewahren. Ich meinte nur, dass du dir einen anderen Mann suchen solltest. Der Mensch ist nicht zum Alleinsein geboren. Dein Leben muss weitergehen, mein Herz. Und sieh dich mal an. Du bist ja nur noch Haut und Knochen. Am liebsten würde ich dich zu Dr. Norden schicken, damit er dir ein Stärkungsmittel verabreicht.«

»Mama, mir geht es gut. Ich brauche keine Medikamente und bin ganz zufrieden so, wie es ist. Und deine Idee kannst du dir gleich aus dem Kopf schlagen. Es kann keinen anderen Mann für mich geben. Paul war meine große Liebe, meine Einzige. Wir haben uns getroffen und es sofort gewusst. Auch heute noch ist er am Morgen mein erster Gedanke und der letzte, wenn ich am Abend einschlafe. Für mich ist er nicht gestorben. Der Tod ist nur eine Illusion. Paul ist für mich genauso lebendig wie immer. Er ist nur an einem anderen Ort. Und ich werde niemals aufhören, ihn zu lieben«, rief Caroline leidenschaftlich.

Johanna warf ihrer Tochter einen deprimierten Blick zu. »Du rauchst zu viel«, erklärte sie bitter. »Ich glaube einfach nicht, dass es dir gut geht. Meiner Ansicht nach hast du dich in diese Geschichte hineingesteigert und findest ohne fremde Hilfe nicht mehr heraus. Bitte konsultiere einmal Dr. Norden. Wenn du es dir schon nicht wert bist, dann wenigstens mir zuliebe.«

»Gut, ich werde darüber nachdenken«, gab Caroline friedfertig nach. Sie hatte nicht die geringste Lust, mit ihrer Mutter zu streiten. »Obwohl ich denke, dass du im Irrtum bist. Ich habe mich in gar nichts hineingesteigert. Aber wenn du mir nicht glaubst, so kann ich es auch nicht ändern.« Sie drückte ihre Zigarette in dem übervollen Aschenbecher aus. »Und mach dir keine Sorgen über das Rauchen. Jede Zigarette bringt mich Paul ein Stück näher. Ich habe keine Angst vor dem Tod.«

»Wenn ich dich so reden höre, läuft es mir eiskalt über den Rücken. Nein, mein Kind. Ich kann das nicht länger mitansehen.« Entschieden erhob sich Johanna aus ihrem bequemen Sessel und maß ihre Tochter mit einem Blick, in dem Nachsicht und Vorwurf gleichermaßen zu lesen war. »Im Grunde genommen kannst du ja nichts dafür. Dies ist das Erbe aus der Familie deines Vaters. Seine Mutter und auch sein Bruder haben sich schon in jungen Jahren das Leben genommen. Aber du darfst nicht von mir erwarten, dass ich tatenlos zusehe, wie du blindlings in den Abgrund rennst. Dazu hat es mich zu viel Mühen gekostet, dich großzuziehen«, erklärte Johanna nicht ohne Sarkasmus in der Stimme. »Ich träume davon, dich an der Seite eines Mannes glücklich zu sehen, ein Kind in deinen Armen und ein Lachen auf deinem Gesicht. An der Verwirklichung dieses Traums werde ich arbeiten, und wenn es das Letzte ist, was ich auf Erden vollbringe.« Mit diesen Worten nickte sie ihrer Tochter zu und verließ das Wohnzimmer und wenig später das Haus.

Caroline hörte die schwere Holztür zuklappen. Kurz darauf schnurrte der Motor des BMWs, den sich ihre Mutter vor Kurzem gegönnt hatte.

»Ein bisschen Spaß muss selbst in meinem Alter noch sein«, hatte sie zu dieser kostspieligen Anschaffung nur gesagt und ihr jugendliches Lachen hören lassen. Überhaupt war Johanna Strohm eine äußerst junggebliebene Seniorin, wie Caroline fand. Sie war auf beinahe jeder Prominenten-Party der Stadt anzutreffen, und ihre einzige Tochter konnte nicht recht an den Schmerz glauben, den Johanna angesichts des Verlustes ihres Mannes angeblich spürte. Dennoch waren Caroline Zweifel gekommen. War das Leben, das sie, seit Pauls Tod führte, wirklich besser als das ihrer Mutter?

»Natürlich ist Paul die Liebe meines Lebens«, erklärte sie trotzig, als sie kurze Zeit später im Bad vor dem Spiegel stand und ihr blasses, schmales Gesicht betrachtete. »Und er wird es immer bleiben. Trotzdem hat Mum vielleicht nicht ganz unrecht. Den Rest meines Lebens alleine zu verbringen ist eine reichlich fade Aussicht.«

Nachdenklich starrte Caroline in den Spiegel. Sie war noch jung. Zu jung, um sich ein Nonnendasein aufzuerlegen. Aber woher einen jungen Mann nehmen, der nicht von ihrem Vermögen wusste? Der sie um ihrer selbst willen liebte, wie Paul es getan hatte. Und damit fertig wurde, dass Paul immer einen Platz in ihrem Herzen haben würde.

Caroline seufzte. Angesichts dieser Schwierigkeiten verging ihr die Lust, sich auf die Suche nach einem Mann zu machen. Da blieb sie lieber in ihren eigenen vier Wänden. Hier fühlte sie sich in Sicherheit. Aus jeder Ecke strahlte Pauls Gegenwart. Nach seinem Tod hatte sie nichts verändert, und oft meinte sie, seinen Geist durch die Räume wehen zu spüren. »Keine Angst, mein Geliebter«, flüsterte sie nun in die lautlose Stille des Schlafzimmers. »Kein anderer Mann wird dir je deinen Status nehmen können. Dafür werde ich schon sorgen. Egal, was Mum im Sinn hat.«

*

Mit dieser Annahme lag Caroline Fischer goldrichtig. Sie kannte ihre agile, lebenslustige Mutter gut genug, um zu wissen, dass diese einen Plan im Kopf hatte. Zu lange hatte sie schon tatenlos zugesehen, wie ihre Tochter mehr oder weniger vor sich hinvegetierte. Das musste endlich ein Ende haben, und kurz entschlossen schlug sie nicht den Heimweg ein, sondern fuhr auf direktem Weg zu ihrem Freund und Berater in allen Lebenslagen, Helmut von Arz.

»Du musst mir helfen, Helmut«, forderte sie ihn auf, nachdem er ihr einen Platz an seiner wundervollen Küchentheke angeboten hatte. Einer exklusiven Espressomaschine entströmten verführerische Düfte, und Johanna blickte ihren Freund herausfordernd an.

»Um was geht es denn, mein Engel?«, erkundigte er sich mit einem süffisanten Lächeln. Wenn Johanna derart erregt war, hatte das meist einen delikaten Grund. Wie immer lag er mit dieser Vermutung goldrichtig.

»Es geht um Caroline. Ich kann nicht länger mitansehen, wie sie einsam vor sich hinvegetiert und sich langsam aber sicher ins Grab bringt. Sie braucht einen Mann. Dabei musst du mir helfen.«

»Ist Caro nicht alt genug, um sich selbst einen neuen Mann zu suchen?«

»Das schon, aber sie ist nicht willens. Sie erkennt einfach nicht, dass das Maß jetzt voll ist. Eine Trauerzeit von einem halben, vielleicht einem Jahr lasse ich mir gerade noch eingehen. Dann muss aber wirklich Schluss sein. Sie ist ein junges Ding, das Spaß am Leben haben soll. Und ich will schließlich Enkelkinder haben.«

»Aha, da liegt der Hase im Pfeffer«, erklärte Helmut schmunzelnd und servierte den duftenden Kaffee. »Mit Milch und Zucker?«

»Du weißt doch, ich nehme alles, was ich kriegen kann«, erklärte Johanna mit einem anzüglichen Lächeln, aber Helmut reagierte nicht auf ihre Avancen. Nachdenklich schob er ihr das Gewünschte über die Theke und sann eine Weile schweigend nach, während er in der Tasse rührte.

»Du suchst also nach einem Liebhaber für deine Tochter. Habe ich das richtig verstanden?«

»Mitnichten. Es darf kein Abenteuer sein. So, wie ich Caroline kenne, hat sie dafür nichts übrig. Was sie braucht, ist eine neue Liebe. Man kann Gleiches nur mit Gleichem heilen.«

»Das Ähnlichkeitsprinzip«, lächelte Helmut amüsiert. »Ich wusste nicht, dass sich das auch auf Herzensangelegenheiten anwenden lässt.«

»Da siehst du mal, dass du von einer alten Frau noch etwas lernen kannst«, änderte Johanna ihre Taktik, um Helmut wenigstens ein kleines Kompliment zu entlocken. Aber der durchschaute ihr Vorhaben sofort.

»Mit deinem Fishing for Compliments kommst du bei mir nicht weit. Du weißt selbst gut genug, was für eine betörende Frau du bist. Schließlich lässt du es dir Nacht für Nacht auf diesen merkwürdigen Partys bestätigen. Selbst meine schönsten Worte erreichen sicher nicht die Schmeicheleien, die du dort zu hören bekommst.«

»Ein Kompliment aus deinem Munde bedeutete mir mehr als jedes noch so schöne Wort aus hundert anderen Mündern«, erklärte Johanna leidenschaftlich.

Doch Helmut winkte lächelnd ab.

»Gib dir keine Mühe, mein Engel. Du kannst mir nichts vormachen. Aber nun zurück zu deiner Tochter. Woher, meinst du, sollen wir denn die neue große Liebe nehmen?«

»Ich habe nicht die leiseste Ahnung. Dein Bekanntenkreis ist doch groß genug. Meinst du nicht, es gibt einen einsamen Millionärssohn, der sich unsterblich in Caroline verlieben könnte? Zugegeben, sie ist ein bisschen mager. Aber das lässt sich ja ändern.«

»Du bist unmöglich, meine Liebe«, tadelte Helmut seine Freundin. Aber ein feines Lächeln umspielte seine schmalen Lippen. Er kannte und verehrte Johanna schon seit Langem. Mehr Gefühle gestand er sich jedoch nicht zu. Er hatte schon zu oft gelitten, sich zu sehr in eine vermeintlich große Liebe verirrt, als dass er in seinem Alter die Kraft gehabt hätte, sich noch einmal dem Risiko einer Enttäuschung aussetzen wollte. »Aber ich werde sehen, was ich tun kann. Möglich, dass es einen geeigneten Kandidaten gibt. Ich werde dich auf dem Laufenden halten.«

»Sehr schön.« Zufrieden leerte Johanna Strohm ihre Kaffeetasse. »Ich wusste doch, dass ich mich auf dich verlassen kann. Und vielen Dank für den hervorragenden Kaffee. Leider muss ich jetzt gehen.«

»Eine Verabredung?«, stichelte Helmut gutmütig, und Johanna lächelte.

»Nachdem ich dein Herz nicht erweichen kann, muss ich mich eben anderweitig umsehen. Er heißt Emanuele Baldini und ist mein Friseur. Heute Abend findet eine aufsehenerregende Preisverleihung statt. Das Fernsehen wird auch anwesend sein. Da muss ich doch perfekt aussehen. Willst du mich nicht begleiten?«

»Nein danke, mein Engel. Du kennst meine Abneigung gegen solche Veranstaltungen. Da bleibe ich lieber alleine hier mit meiner Plattensammlung und höre mir ein schönes Konzert von Edward Grieg an. Wer weiß, womöglich werfe ich auch noch einen Blick in einen Kunstband. Erst neulich habe ich den Katalog der Toulouse-Lautrec-Ausstellung erstanden und noch keine Zeit gefunden, ihn auch zu würdigen.«

»Du wirst eines Tages mit deiner ganzen Kunst einstauben«, lachte Johanna, um ihre Bewunderung zu überspielen, die sie für Helmuts Schöngeist empfand. Ihr Mann hatte sein ganzes Leben lang nur sein Hotel und den Erlös im Kopf gehabt, den er damit erzielte. Als namhafte Schauspielerin hatte Johanna in der ersten Zeit ihrer Ehe dazu beigetragen, das Familienvermögen zu mehren. Zugunsten ihres Kindes Caroline hatte sie den Beruf jedoch bald zum Hobby gemacht und schließlich ganz mit der Schauspielerei aufgehört. Erst nach dem Tod ihres Mannes hatte sie sich einen Weg zurück in die Welt der berühmten Leinwandhelden gebahnt und holte seither nach, was sie in all den Jahren versäumt hatte.

»Ich kann gut verstehen, wenn du deinen Spaß haben willst. Schließlich hast du für deine Familie auf vieles verzichtet«, erklärte Helmut voller Wärme. Er empfand tiefstes Verständnis für dieses Verhalten, konnte und wollte dieses Leben aber nicht teilen. Prominente waren für ihn Menschen wie er selbst, gesegnet mit Stärken und Schwächen wie andere auch. So blieb er lieber mit seinen Kunstschätzen alleine, auch wenn er die Gesellschaft von Johanna mehr geschätzt hätte. Doch diese Bitte brachte er angesichts ihrer funkelnden Augen und ihrer sprühenden Freude nicht über das Herz. Er meinte zu wissen, dass sie etwas anderes brauchte, als er ihr geben konnte, und ließ sie deshalb ziehen. »Hab’ viel Spaß heute Nacht und pass auf, mit wem du nach Hause gehst. Die Welt ist nicht mehr so harmlos wie noch zu der Zeit, als wir beide jung waren.«

»Wo denkst du hin, Helmut?«, rief Johanna angesichts dieser Unterstellung empört aus. »Seit mein Mann, Gott habe ihn selig, nicht mehr ist, habe ich mit keinem anderen das Lager geteilt.« Angesichts dieses Geständnisses errötet sie schamhaft wie ein junges Mädchen.

Helmut betrachtete sie mit einer Mischung aus Bewunderung und Schmerz. »Entschuldige, ich wollte nicht indiskret sein«, erklärte er heiser, um seine Gefühle vor ihr zu verbergen. Galant begleitete er sie zur Tür. »Und wegen Carolines neuer Liebe melde ich mich bei dir. Ich denke, ich habe einen aussichtsreichen Kandidaten im Auge, der deinen Wünschen entspricht.«

»Mir muss er nicht gefallen.« Johanna zwinkerte. Sie hatte sich überraschend schnell von ihrer Verstörung erholt.

»Er muss Carolines Herz zum Schmelzen bringen. Nichts weiter.«

»Oh, ich schätze, das ist Aufgabe genug. Und nun wünsche ich dir viel Spaß mit Emanuele und später auf der Party.«

»Vielen Dank, den werde ich haben«, verabschiedete sich Johanna winkend, während sie in ihr funkelnagelneues Cabriolet einstieg. Dabei würde ich viel lieber bei dir bleiben, dachte sie bei sich. Aber ihre Gedanken wurden von dem Aufheulen des Motors verdrängt. Wieder einmal hatte sie mit zu wenig Gefühl auf das Gaspedal gedrückt. Der Wagen machte einen beleidigten Satz nach vorne. »Du lieber Himmel!«, rief sie erschrocken, und Helmut lachte.

»Du solltest dir einen Chauffeur suchen. So rasante Autos sind nichts für ältere Damen.«

»Na warte, dir werde ich es zeigen. Von wegen ältere Dame«, griff Johanna den scherzhaften Ton auf, wendete den Wagen geschickt und brauste durch die Einfahrt davon. Das schwindende Licht der aufsteigenden Nacht verschluckte rasch die Schlussleuchten. Nachdenklich kehrte Helmut in sein schönes Haus zurück, das ihm mit einem Mal seltsam leer und unbeseelt erschien. Er unterdrückte ein unglückliches Seufzen und wandte sich lustlos seinem Kunstkatalog zu, der ihm nicht mehr halb so attraktiv erschien wie noch vor kurzer Zeit.

*

Nachdem ihre Mutter gegangen war, schlenderte Caroline noch lange Zeit ruhelos durchs Haus. Wann immer Johanna mit ihrem Strahlen einen Raum erhellt hatte, blieb ein schales Gefühl zurück, wenn sie wieder gegangen war. So empfand Caroline ihre Einsamkeit an diesem düsteren Novembernachmittag noch viel schmerzlicher als sonst.

»Ach, Paul, wo bist du denn heute?«, führte sie eines ihrer zur Gewohnheit gewordenen Gespräche mit ihrem verstorbenen Ehemann. Niemals hatte sie eine Antwort erhalten, klammerte sich aber verzweifelt an dem Gedanken fest, dass er sie dennoch hören konnte. »Ich kann dich gar nicht spüren. Bestimmt bist du böse auf Mum, weil sie mir einen Mann suchen will. Nicht wahr?« Caroline lauschte mit angehaltenem Atem in die Stille.