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Viele Menschen nutzen die Wochen vor Ostern zum bewussten Verzicht. Dieser Fastenbegleiter lädt Sie zu einem Mehr ein: mehr Vertrauen. Ob in Gott, zu sich selbst oder zu Mitmenschen, Vertrauen hat viele Gesichter. Mit Texten aus der Bibel und besinnlichen Gedanken können Sie jeden Tag ein paar Minuten innehalten und erfahren, warum Vertrauen sich lohnt. Vierzig Tage - ein Gedanke: Vertrauen
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Seitenzahl: 60
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Ein christlicher Begleiter durch die Fastenzeit
von Lilli Aleschus
Ich schaue hinauf zu den Bergen – woher kann ich Hilfe erwarten? Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat! Der HERR wird nicht zulassen, dass du fällst; er, dein Beschützer, schläft nicht. Psalm 121,1-3
Wir alle leben auf dünnem Eis und jeder kann einbrechen. Ein Sturm, der über unser Land hinwegfegt, unterscheidet nicht, wer in dem Haus ist, dessen Dach er herunterreißt. Er trifft die, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Verluste und Schicksalsschläge fragen nicht, ob wir bereit sind, wenn sie zuschlagen. Sie feuern wie Heckenschützen aus dem Nichts und treffen, wen sie wollen. Wie also kann die Bibel Schutz versprechen? »Der Herr wird nicht zulassen, dass du fällst.« Was mir im Leben auch passieren mag, die Last wird ein wenig leichter, der Weg ein wenig ebener, wenn ich vertrauen und glauben kann, dass es eine Macht gibt, die größer ist als mein Unglück, und die es gut mit mir meint. Wenn ich glauben kann, dass das Leben weitergeht und mein Leid nicht sinnlos ist. Um Vertrauen geht es in diesem Buch. Vertrauen in Gott, zu mir selbst und zu meinen Mitmenschen. Die Passionszeit bietet sich an, um auf Jesus zu schauen. Im Blick auf ihn kann ich Vertrauen lernen, doch dabei möchte ich nicht verschweigen, was das Vertrauen erschwert.
Er schafft deinen Grenzen Frieden und sättigt dich mit dem besten Weizen. Psalm 147,14
Ich erinnere mich noch an frühere Zeiten der Grenzkontrollen in Europa und den damit verbunden stundenlangen Staus in der Ferienzeit. Man konnte nicht mal eben auf die andere Seite, musste um Einlass bitten, seinen Ausweis bereithalten oder kam gar nicht erst hinüber. Das sorgte für Ärger. Im Zwischenmenschlichen kann es ähnlich sein. Wenn jemand Grenzen setzt, hat das für mich Konsequenzen. Jemand kommt einer Bitte nicht nach, obwohl die Erfüllung für mich wichtig wäre. Dann stehe ich vor einer Grenze und komme nicht weiter. Ich stehe vor einem Nein, wo ich dringend ein Ja gebraucht hätte, und muss mit den Folgen leben. Auch ärgerlich. Und dann sind da die Grenzen, die ich selber habe. Ob ich will oder nicht, sie sind da. Es gibt eine Grenze meiner Leistungsfähigkeit, meiner Belastbarkeit und meines persönlichen Raumes. Ich muss sie sichtbar machen, damit sie nicht verletzt werden, und damit ich für andere nicht unsichtbar bleibe. Dann stehen andere vor meinem Nein, wo sie ein Ja gebraucht hätten, und ärgern sich. Diesen Ärger gilt es, auszuhalten. Zum Schluss sind da noch die Grenzen, die das Leben mir setzt. Vielleicht eine unheilbare Krankheit, ein unerfüllter Wunsch, ein Schicksalsschlag. Das sind für mich die schmerzhaftesten Grenzen und auch die unverrückbarsten. An diesen Grenzen gibt es viele Kämpfe, manche dauern Jahre, bereiten einen schmerzhaften Verlust oder eine Niederlage. Aber diese Grenzen, so viel Ärger sie auch schaffen mögen, sind wichtig für den Frieden, denn sie sagen, wie weit wir gehen können, ohne einander zu verletzen. Darum möchte ich heute meine Grenzen anders ansehen, nicht mehr als Schlachtfeld – auch wenn sie das oft sind – sondern als Verheißungsraum. Gott verschont mich nicht vor den Kämpfen, aber er verheißt mir Frieden. Der kommt nicht von selbst, er muss geschaffen, verhandelt, erkämpft werden. Aber er kommt. Darauf kann ich vertrauen, weil er es versprochen hat.
HERR, blicke uns freundlich an, damit wir wieder aufatmen können! Psalm 4,7
Als Kind hatte ich manchmal Albträume. Wenn ich dann herzpochend erwachte und die ganze Welt bedrohlich war, gab es nur noch eine Rettung: mich in das Bett meiner Mutter zu flüchten. Doch zwischen ihrem und meinem Bett lag der lange Weg durch die stockdunkle Wohnung: Flur, Wohnzimmer, Schlafzimmertür – es schien unerreichbar. Wenn ich es trotzdem geschafft hatte und unter ihre Decke kriechen konnte, gab es ein tiefes Aufatmen. Alle Monster und Folterknechte, die kurz zuvor noch unüberwindbare Wirklichkeit waren, konnten mir nichts mehr anhaben. Gegen meine Mutter waren sie machtlos. Völlig. Sie war stärker als die Monster. So stelle ich mir das Aufatmen unter Gottes freundlichem Blick vor. Das Vertrauen in seine Stärke lässt mich zur Ruhe kommen. Der Glaube, dass Gott es gut mit mir meint, dass er sich um die Angreifer kümmert. Im Erwachsenenleben ist das schwerer, denn die Monster sind nicht mehr nur geträumt und sie lassen sich nicht so leicht verscheuchen. Geldsorgen, Beziehungsprobleme, Krankheiten, Verluste … Dennoch hilft das Aufatmen in seiner Gegenwart, den Monstern anders zu begegnen. Gestärkt und ermutigt, weil ich nicht allein bin. Ich darf und kann mir die Momente gönnen, in denen ich bei meinem Gott unter die Decke krieche und aufatme, eine Auszeit nehme von meinen Sorgen. Und ich darf wissen: Meine Probleme sind real und mein Gott ist es auch.
Jetzt weiß ich, dass der HERR seinem König hilft. Psalm 20,7
Könnte ich jemandem blind vertrauen, den ich noch nie gesehen oder von dem ich noch nie etwas gehört habe? Ein völlig unbekanntes Wesen? Ich glaube nicht. Die Aufforderung, einem Fremden einfach so zu vertrauen, würde bei mir bestenfalls ein Kopfschütteln auslösen. So ähnlich ist es auch mit Gott. Die Tatsache, dass er Gott ist, reicht nicht aus, um ihm zu vertrauen. Denn Götter gibt es viele, sogar Menschen haben schon von sich behauptet, ein Gott zu sein. Der Glaube an Gott beginnt oft mit einem Moment der Begegnung, des Kennenlernens. Manchmal ist es auch ein Schon-immer-gekannt-Haben, wenn man den Glauben mit der Muttermilch eingesogen hat. Echtes, tiefes Vertrauen jedoch braucht mehr als nur eine Begegnung. Es braucht Erfahrung. Denn was nützt es, wenn ich höre, Gott würde mir helfen, aber es noch nie konkret erfahren habe? Dann wird es schwer, zu vertrauen.
