Von der  Illusion zur Wirklichkeit - Sebastian Buss - E-Book

Von der Illusion zur Wirklichkeit E-Book

Sebastian Buss

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Beschreibung

"Pornografie" – man redet nicht darüber, schweigt sich eher an (oder aus), ein Tabuthema in christlichen Kreisen. Doch leider bringt Schweigen keine Veränderung. Unter Heranwachsenden wird das Thema eher zur Provokation genutzt. Lösungen entstehen so aber nicht. Menschen werden in ihren Nöten alleine gelassen, kaum jemand wagt zu fragen (oder auch zu klagen). Dabei hat sich Gott gelebte Sexualität als "intimer Genuss, Ausdruck der Begeisterung und Fürsorge" gedacht. Sein Plan ist, dass Menschen in ihrer Zweisamkeit miteinander Eins werden. Stattdessen (ver-)führt Pornografie über den kurzzeitigen Kick in die Einsamkeit und das wunderbare Geschenk der Sexualität wird gestört und beschädigt. Der vorliegende Band möchte Pastoren und Seelsorger biblisch-orientierte Hilfestellungen anbieten, damit diese Ratsuchende mit fundierten seelsorger­lichen Schritten begleiten und auch eine längere Wegstrecke durchhalten können. Der Autor ist überzeugt, dass jeder Mensch, der betroffen ist, Freiheit und Wiederherstellung seiner bzw. ihrer Sexualität erleben und so von der Illusion zur Wirklichkeit kommen kann.

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Seitenzahl: 113

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Forum Theologie & Gemeinde

Material zum geistlichen Dienst

Band 28

theologisch kompetent – praktisch relevant

Von der Illusion zur Wirklichkeit

Hilfestellung und Begleitung für den Ausstieg aus der Pornografie

von Sebastian Buss

mit einer Einführung von Dr. Dierk Müller

 

 

 

Herausgegeben vom Forum Theologie & Gemeinde des BFP

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© 2020 Copyright Forum Theologie & Gemeinde (FThG)im Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden KdöR, Erzhausen

1. Auflage 2020

 

Bibelstellen sind, wenn nicht anders angegeben, der Elberfelder Bibel mit Erklärung (Textstand Nr. 26), © 2008 SCM R. Brockhaus, Witten, entnommen.

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigungen in Form von Kopieren einzelner Seiten oder Ausdrucken einzelner Abschnitte (digitale Version) sind nur für den privaten Gebrauch gestattet. Alle anderen Formen der Vervielfältigung (Mikrofilm, andere Verfahren oder die Verarbeitung durch elektronische Systeme) sind ohne schriftliche Einwilligung durch das Forum Theologie & Gemeinde nicht gestattet.

Umschlagbild: Joel Overbeck Layout, Umschlaggestaltung u. Realisierung E-Book: admida-Verlagsservice, Erzhausen Druck: dfn! Fotosatz Nord Druck- und Verlagsgesellschaft mbH, Kiel

ISBN der Printausgabe: 978-3-942001-80-9 ISBN der E-Book-Ausgabe: 978-3-942001-36-6 Bestell-Nr. BUW046

 

Forum Theologie & Gemeinde (FThG)Industriestr. 6–8, 64390 Erzhausen [email protected] • www.forum-thg.de

 

Inhalt

Vorwort

Einführung

1 Eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen

2 Begriffsdefinitionen

3 Zahlen, Fakten, Statistiken

4 Ursachen für den Konsum

5 Auswirkungen auf das persönliche Leben

6 Sucht

7 Introspektionsfähigkeit und Grenzen des Seelsorgers

8 6-Punkte-Strategie: heraus aus der Sucht

9 Konkrete Beratungsabläufe

10 Abschliessende Tipps für das Begleiten von Menschen

11 Fazit

Liste zur Klärung der Lebensbereiche

Bibliographie

Über den Herausgeber

 

Vorwort

Den ersten Anstoß zur Herausgabe des vorliegenden Buches erfolgte vor ein paar Jahren. In einer Predigt hatte ich Pornografie als Beispiel und Illustration erwähnt, wie leicht die Sünde uns umstrickt (Hebr 12,1). Wo man früher erheblichen Aufwand betreiben musste, um eine Zeitschrift oder ein Video mit „schmutzigem Inhalt“ zu bekommen, drängen sich pornografische Inhalte heute geradezu auf. Jetzt muss man den Aufwand betreiben und sich bewusst entscheiden, um nicht weiterzuklicken und sich mitreißen zu lassen. Ich habe deswegen Mitleid mit Männern, so damals meine Aussage. Peinlich berührt hörten die Brüder der Predigt zu, viele mit knallrotem Kopf, nicht nur ich vermied Blickkontakt.

Am Tag darauf kam ich in der Mensa des Theologischen Seminars Erzhausen zufällig mit einem Studenten ins Gespräch. Sebastian Buss hatte gerade sein Theologiestudium angefangen und erzählte mit großem Engagement von seinem Dienst: Landesweit führte er an Schulen und in Kirchengemeinden Informationsveranstaltungen zu den Gefahren der Pornografie durch. Neben diesen Veranstaltungen hilft er Männern mit einem speziell entwickelten Seelsorgeprogramm bei ihrem Ausstieg aus der Pornografieabhängigkeit. Mich faszinierte es – und tut es heute immer noch –, wie dieser junge Mann sich von Gott hat rufen lassen, auf eine Not unserer Zeit mit der Liebe Gottes zu antworten. Auch sein Blick über den Tellerrand unserer BFP-Gemeindewelt gefällt mir.

Ich freue mich sehr, dass wir mit „Von der Illusion zur Wirklichkeit“ seinen Schatz an Wissen und Erfahrung jetzt einem breiteren Publikum zugänglich machen können. Die sehr lesenswerte bibelwissenschaftliche Einführung von Dr. Dierk Müller ergänzt die praxisorientierte Arbeit um eine sehr wertvolle Übersicht über die Aussagen vom Wort Gottes zum Thema.

Die grundlegenden Informationen der ersten Kapitel sollten meiner Meinung nach jedem bekannt sein, die Schritte für die seelsorgerliche Begleitung sollten jedem zugänglich sein. Dieses Buch zum Umgang mit einem gesellschaftsweiten Problem sollte empfohlen, gelesen und angewandt werden und gehört in das Regal eines jeden, der mit der Begleitung und Führung von Menschen betraut ist.

Dr. Helene Wuhrer

Voorschoten, im Februar 2020

 

Einführung

Am Anfang stand eine großartige Vision: Sex war gedacht als intimer Genuss, Ausdruck der Begeisterung und Fürsorge zwischen einem Mann und einer Frau (1Mo 2,21-25). Die Exklusivität von Sex innerhalb der ehelichen Bundesbeziehung garantierte unbeschwertes Glücklichsein – Mann und Frau, die nur Augen füreinander haben, sich der vollen Loyalität und Hingabe ihres Partners bewusst sind, können einander unbefangen genießen. Noch nicht einmal der Gedanke war vorhanden, dass ein dritter (oder vierter, fünfter) Rivale die paradiesische Idylle zerstören konnte. Doch die Rebellion des Menschen gegen Gott führte nicht nur zum katastrophalen Bruch der Beziehung zum lebendigen Gott, sondern auch zu zerstörerischen zwischenmenschlichen Beziehungen – inklusive einer gestörten Sexualität (1Mo 3; 1Thess 4,4).

Pornografie ist eine Form dieser dysfunktionalen Sexualität. Sie zählt zum großen umfassenden Begriff der porneia, eines griechischen Wortes des Neuen Testaments, für den es zurzeit keinen adäquaten deutschen Begriff gibt. Dieser wird deshalb entweder (etwas aus der Zeit gekommen) mit „Unzucht“ (Elberfelder Übersetzung) oder „alle sexuelle Sünde“ (Neue Genfer Übersetzung) übersetzt.1Porneia bezeichnet auf generelle Weise alle Arten sexueller Verfehlungen – aller außerehelicher, vorehelicher oder homosexueller Sex in einem übergeordneten „Regenschirm-“Begriff.2 Für porneia (also inklusive Pornografie) hat das Neue Testament wiederholte klare Aussagen: Erstens, einen Aufruf zur Buße, also zu einem reuevollem Bekennen vor Gott inklusive der freudigen Erwartung der Vergebung und der Zuwendung von Gott (2Kor 12,21; Offb 2,21). Zweitens, die Zusicherung, dass in Christus die Sünde von porneia und konsequente Schuld gnädig, frei und komplett vergeben wird (1Kor 6,9-11). Drittens, dass im Prozess der Heiligung des gläubigen Menschen porneia der Kampf angesagt wird (Eph 5,3; 1Thess 4,3) und zwar, dass man sich dem versuchenden Einfluss äußerer Faktoren entzieht (1Kor 6,18; vgl. Spr 5,8) und die zur Verfügung gestellte Kraft des Heiligen Geistes nutzt, um ein heiliges, gottgefälliges Leben, frei von porneia zu führen (1Thess 4,3-8).

Der lohnende Kampf gegen die Nutzung von Pornografie hat zwei Komponenten, ein externes und internes Ringen um Freiheit. Das externe Ringen beinhaltet praktische, konsequente und zumeist drastische Maßnahmen, um sich dem Einfluss von Pornografie physisch zu entziehen – dieses Buch wurde geschrieben, um Ratsuchende über erprobte externe Hilfestellungen zu informieren. Ohne diese wird man im Kampf gegen Pornografiekonsum nicht erfolgreich sein. Wer porneia fliehen will, wer als Christ betet: „Führe mich nicht in Versuchung“ (1Kor 6,18; Mt 6,13), muss bereit sein, weder Kosten noch Mühe zu schonen, und Internetfilter im Computer einbauen, für eine Zeit auf ein internetfähiges Handy verzichten, sich eine Accountability-Gruppe suchen und sich ihr öffnen etc.3 Nur zu beten und ausschließlich darauf zu hoffen, dass Gott mühelos von Süchten (in diesem Fall von Pornografie) auf wundersame Weise befreit, folgt einem Konzept ohne biblische Verheißung und konträr dem christlichen Glauben. Der Kampf gegen Pornografiekonsum muss nicht allein ausgetragen werden – der allmächtiger Retter ist mit übernatürlicher dynamischer Kraft und Befähigung durch die Gegenwart des Heiligen Geistes an der Seite derer, die ihn suchen4 – aber Gott wirkt, wenn Menschen die Mittel ergreifen und nutzen, durch die er versprochen hat zu wirken. Ein Kampf gegen Sünde erfordert radikale, drastische Schritte, die unter Umständen auch etwas kosten werden (Mt 5,29).

Die zweite, ebenso wichtige Komponente im Ringen um Freiheit von Pornografie ist ein internes Ringen um den Einfluss auf die Leidenschaften des menschlichen Herzens. Hier geht es darum, was jemanden motiviert, den Kampf gegen Pornografie aufzunehmen: Welche Vision ist da? Warum lohnt es sich zu fragen, womit das Herz gefüllt wird, wenn die Sehnsucht nach schneller (aber enttäuschender) Befriedigung an der Seele nagt? Welchen Verheißungen vertraut man? Wo bekommt man Freude im Alltag, die besser und anhaltender ist als die ambivalente, doch immer enttäuschende vermeintliche Verheißung von Freude, welche Sünde verspricht?

Dieses interne Ringen ist wichtig, weil ein lustloser Kampf gegen Pornografieabhängigkeit von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Man mag zwar in einer Hassliebe zu Pornografie hin und wieder sprich- oder wortwörtlich bereit sein, den Laptop aus dem Fenster zu werfen, aber ohne große Vision, dass es um einen bedeutsamen, lebenswichtigen Kampf gegen Pornografie geht, ohne eine überragende Freude anstelle der bittersüßen Sucht wird der Kampf halbherzig und temporär bleiben.

Als Paulus die Thessalonicher zu einem heiligen Leben frei von porneia mit folgenden Worten anspornt und ermahnt5, nennt er drei explizite und einen impliziten Grund, warum seine Leser den Anweisungen im Kampf gegen porneia Folge leisten sollen.

Übrigens nun, Brüder, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus, da ihr ja von uns Weisung empfangen habt, wie ihr wandeln und Gott gefallen sollt — wie ihr auch wandelt —, dass ihr darin noch reichlicher zunehmt. Denn ihr wisst, welche Weisungen wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesus. Denn dies ist Gottes Wille: eure Heiligung, dass ihr euch von der Unzucht [gr. porneia] fernhaltet, dass jeder von euch sich sein eigenes Gefäß in Heiligkeit und Ehrbarkeit zu gewinnen wisse, nicht in Leidenschaft der Lust wie die Nationen, die Gott nicht kennen; dass er sich keine Übergriffe erlaube noch seinen Bruder in der Sache übervorteile, weil der Herr Rächer ist über dies alles, wie wir euch auch zuvor gesagt und ernstlich bezeugt haben. Denn Gott hat uns nicht zur Unreinheit berufen, sondern in Heiligung. Deshalb nun, wer dies verwirft, verwirft nicht einen Menschen, sondern Gott, der auch seinen Heiligen Geist in euch gibt.6

Die genannten Gründe: a) ernsthafte Konsequenzen von Gott (4,6.8); b) souveräner Ruf in die Heiligung (4,7); c) Verheißung des Beistandes des Heiligen Geistes (4,8); d) überragende Freude an der Gottesbeziehung (4,1.5) funktionieren gewissermaßen wie interne Motivatoren im Ringen um sexuelle Heiligkeit. Es sind Gedanken, Überzeugungen, Verheißungen, welche das Herz befähigen, frei vom kontrollierenden Einfluss von porneia zu werden.

Ernsthafte Konsequenzen von Gott (1Thess 4,6.8)

Pornografie schadet nicht nur einem selbst.7 Sie ist schädlich für die Beziehung mit dem jetzigen oder zukünftigen Ehepartner. Sie unterstützt eine menschenentwürdigende Filmindustrie. Sie entehrt Gott, der uns mit dem ultimativen Ziel geschafften hat, seine exzellente Größe zu verherrlichen.8 Vielleicht versetzt es uns in Schockstarre, vielleicht spricht es gegen unser (zu verniedlichtes) Gottesbild, aber Gott droht in 1. Thessalonicher 4,6 damit, schädliche porneia zu rächen – er kündigt denen, die sich ohne Buße porneia hingeben, seinen gerechten Zorn an. Vielleicht berufen wir uns in schneller Entschuldigung auf 1. Thessalonicher 1,10 und 5,9, wo Gott zusichert, dass er den Glaubenden vom Zorn befreit und nicht zum Zorn, sondern zur Rettung berufen hat. Dies negiert jedoch nicht die Drohung in 1. Thessalonicher 4. Die Androhung von Zorn zeigt, wie unvereinbar porneia im Leben eines Christen ist, wenn er keine Buße tut und nicht dagegen ankämpft. Wer nichts gegen porneia unternimmt, ist unter Umständen kein authentischer Nachfolger von Jesus.

Allerdings ist es nicht die Absicht von Paulus, den Leser mit seiner Warnung in Angst und Schrecken zu versetzen. Ganz im Gegenteil – seine Worte sind ein positiver Motivator für den Kampf um Freiheit von Pornografie. Darin wird deutlich, dass es um etwas wirklich Wesentliches, Dringliches geht! Die Ernsthaftigkeit von Sünde, die kostbare Heiligkeit Gottes und die unausweichliche Realität von Gericht führen dazu, dass ein sonst nicht bußwilliger Mensch, der zu lässig mit Sünde umgeht, sich Christus zuwendet und seine Verheißung der Vergebung und befähigende Gnade in Anspruch nimmt.9 Gerade das Wissen, dass es im Kampf um sexuelle Heiligkeit um etwas wirklich Wichtiges geht, verhilft unserem Herz zu der ernsthaften Resolution, das Ringen um Freiheit in Angriff zu nehmen.

Der souveräne Ruf Gottes in den bereits erhaltenen Status der Heiligung (1Thess 4,7)

Die Androhung von Gericht in 1. Thessalonicher 4,6 wird in Vers 7 ausbalanciert durch eine fantastische Verheißung der Sicherheit und des Angenommenseins des Glaubenden durch Gott: „Denn Gott hat uns nicht zur Unreinheit berufen, sondern in Heiligung.“ Um diesen Aspekt der Motivation von Paulus zu verstehen, der uns befähigt, siegreich über porneia zu sein, muss man sich unter anderem bewusst werden, wie Paulus das Wort „rufen“ (gr. kaleoo) benutzt. Die Idee ist nicht, dass Gott sehnsüchtig ruft, doch keine Antwort des Menschen erfolgt, sondern dieser Ruf ist bei Paulus das souveräne Eingreifen Gottes in das Leben eines Menschen, um diesen aufgrund der liebevollen Vorbestimmung unverdient zum Glauben und zur ewigen Rettung zu bringen. Der „Ruf Gottes“ ist laut Paulus ein „heiliger Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben wurde“ (2Tim 1,9).

Gott hat sich uns auf einzigartig gnädige und effektive Weise zugewandt. Der Mensch leistet nicht eine Menge Vorbedingungen, bevor Gott rettend in sein Leben eingreift, sondern alles, was wir als Christen in Gott haben, haben wir seiner Initiative zu verdanken. Dass wir zu ihm gehören, ist ein reiner Akt von Gottes Gnade.10 Gottes Ruf bedeutet, dass er in der ewigen Vergangenheit – trotz seines Wissens um unsere Rebellion gegen ihn –, bedingungslos seine Zuneigung auf uns gelegt hat. Diese Zuneigung ist ultimativ dafür verantwortlich, dass mit dem Hören des Evangeliums unser Herz mit Glauben reagiert hat.11

Weiterhin muss man beachten, dass Paulus in seinem Kontrast „nicht zur Unreinheit, sondern in Heiligkeit berufen“ die Präpositionen ändert: von „zur“ (gr. epi) Unreinheit zu „in“ (gr. en) Heiligkeit.12 „Nicht zur Unreinheit“ bedeutet, dass Gott uns als Christen nicht souverän berufen hat und dann dies eine Entschuldigung für (sexuelle) Unreinheit sein kann. „In Heiligkeit“ bezeichnet jedoch nicht (deshalb die Änderung der Präposition) ein zukünftiges Ziel, sondern einen Status vergangener, gegenwärtiger und zukünftiger Realität – ein Zustand der Heiligkeit, der mit der Bekehrung angefangen hat und weiter im Leben des Christen real ist.13 Gott hat den Glaubenden bereits jetzt durch seinen souveränen Ruf in den Status der Heiligkeit versetzt. Wir befinden uns als Christen nicht in einem moralischen Vakuum, alternativ hin und her pendelnd zwischen Unreinheit und Heiligkeit. Praktische moralische Transformation entsteht aus einer bereits erhaltenen heiligen Absonderung für Gott.

Was Paulus in 1. Thessalonicher 4,7 vermitteln will, ist, dass Gottes souveräner, gnädiger und effektiver Ruf, der verantwortlich für unsere zukünftige Rettung ist, nicht nur ein einmaliges Wirken Gottes war, sondern anhält und sein fortwährendes Wirken der Heiligung garantiert:

Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist, der euch beruft [gr. kaleoo]; er wird es auch tun.14