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Der Schweizer Vulkanologe Alfred Rittmann (1893-1980), Nestor der modernen Vulkanforschung, stellte 1936 fest: „Es kann keine selbständige Theorie des Vulkanismus geben, ebensowenig eine solche der Gebirgsbildung, sondern nur eine gemeinsame geologische Theorie, einen Erklärungsversuch, der das ganze irdische Geschehen umfaßt, von dem der Vulkanismus nur ein Teil ist, der nicht aus dem organischen Zusammenhang mit anderen Teilen herausgerissen werden darf.“ Rittman setzte sich kritisch mit neu bekannt werdenden Fakten und herrschenden Theorien auseinander und entwickelte eigene Theorien, die wiederum nicht ohne Kritik geblieben sind. Hier setzt Matthias Blazek an und stellt in seinem jüngsten Werk unter anderem mit Blick auf die Theorie der Plattentektonik mehrere Erklärungsansätze vor. Derzeit gibt es rund 1350 aktive Vulkane auf der Erde, 560 auf dem Land, die weiteren auf dem Meeresboden. Die Urgewalten von Vulkanausbrüchen üben von jeher eine außerordentliche Faszination auf die Menschen aus, Orte historischer Vulkankatastrophen wie Pompeji sind touristische Anziehungspunkte, Vulkangebirge beliebte Ausflugsziele. Matthias Blazek befasst sich in seinem vorliegenden Buch aus historiographischer Sicht mit den großen Eruptionen des 19. Jahrhunderts, die historisch bedeutsam waren, Todesopfer forderten oder aber von Vulkanen ausgingen, die aufgrund ihrer Lage oder Erscheinung eine größere Bekanntheit besitzen. Der Journalist Matthias Blazek, Jahrgang 1966, legt mit diesem Buch ein wertvolles Nachschlagewerk der Vulkanologie vor. Ein Muss nicht nur für Geowissenschaftler, sondern auch für Klimaforscher und naturkundlich Interessierte.
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Veröffentlichungsjahr: 2018
ibidem-Verlag, Stuttgart
Inhaltsverzeichnis
Geleitwort
Vorwort
Abkürzungsverzeichnis
Einleitung
Nordamerika
Mittelamerika
Südamerika
Europa
Afrika
Asien
Der vulkanische Schutt
Australien und Neuseeland
„Über Synchronismus und Antagonismus von vulkanischen Eruptionen und die Beziehungen derselben zu den Sonnenflecken und erdmagnetischen Variationen“ (1863)
„Mineralogische Mittheilungen“ (1874)
Literaturverzeichnis
Im Buch beschriebene Eruptionen:
Impressum
ibidem-Verlag
Eine Wasserfahrt bis Pozzuoli, leichte Landfahrten, heitere Spaziergänge durch die wundersamste Gegend von der Welt. Unterm reinsten Himmel der unsicherste Boden. Trümmern undenkbarer Wohlhäbigkeit, zerlästert und unerfreulich. Siedende Wasser, Schwefel aushauchende Grüfte, dem Pflanzenleben widerstrebende Schlackenberge, kahle widerliche Räume und dann doch zuletzt eine immer üppige Vegetation, eingreifend, wo sie nur irgend vermag, sich über alles Ertödtete erhebend um Landseen und Bäche umher, ja den herrlichsten Eichwald an den Wänden eines alten Kraters behauptend.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), deutscher Dichter und Naturforscher
Italiänische Reisen, Neapel, 1. März 1787, abends
Goethes Sämmtliche Werke, vollständige Ausgabe in 15 Bänden, Verlag der J. G. Cotta‘schen Buchhandlung, Stuttgart 1874, S. 150
Diplom-Geologin Monika Huch, Adelheidsdorf
Was interessiert einen 13-jährigen Jungen an Vulkanen? Wahrscheinlich genau das, was schon die Menschen im 18. und 19. Jahrhundert an diesem außergewöhnlichen Phänomen fasziniert hat (und heute noch fasziniert) – die als so fest empfundene Erde speit Feuer, Rauch und Lava!
Noch im 18. Jahrhundert war das Wissen um diese Prozesse stark von den Ansichten der griechischen Philosophen Thales von Milet und Aristoteles geprägt. Zu dieser Zeit standen sich so genannte Neptunisten, die die Entstehung der Gesteine aus wässrigen Lösungen favorisierten, den so genannten Plutonisten gegenüber, die die Meinung vertraten, alle Gesteine entstünden durch vulkanische und magmatische Prozesse. Viele Entdeckungen im Laufe des 19. Jahrhunderts lieferten dann Belege sowohl für die einen wie für die anderen – beide hatten in Teilen recht, wie wir heute wissen.
Das 19. Jahrhundert war aber auch durch eine große wirtschaftliche Expansion geprägt. Durch die Erfindung des Telegraphen war es möglich geworden, Informationen von einem Ende der Welt innerhalb kurzer Zeit in den anderen Teil zu schicken. Die Informationsdichte nahm zu, und das gebildete Bürgertum las über diese Ereignisse in der Zeitung und diskutierte sie in den Kaffeestuben. Denn zu einem großen Teil ging es bei diesen Informationen ja um wirtschaftliche Interessen.
Im 19. Jahrhundert gab es zwei große Vulkanausbrüche, die weltweite Auswirkungen hatten. Der Ausbruch des Tambora 1815 (im Buch ab S. 51 beschrieben) und des Krakatau 1883 (im Buch ab S. 82 beschrieben), beide im indonesischen Teil des Pazifischen Feuergürtels gelegen, waren auch in Europa wahrgenommen worden. Die Rauchwolke des Tambora stieg bis in die Stratosphäre auf und führte im darauf folgenden Jahr (1816) dazu, dass es auch in Europa keinen Sommer gab. Die Verheerungen des Krakatau-Ausbruchs wurden vor allem durch den Tsunami verursacht, der sich bis an die Ostküste Afrikas auswirkte. Beide Ausbrüche führten zu wirtschaftlichen Einbußen. Aber Geologen und Vulkanologen lernten aus beiden Ereignissen eine Menge. Es sollte jedoch noch bis in die 1920er Jahre dauern, bis sich die Internationale Vulkanologische Vereinigung als Teil der Internationalen Union für Geodäsie und Geophysik gründete (IAVCEI; www.iugg.org/associations/iavcei.php).
Die Vulkanologie ist Teil der Geowissenschaften und die Forscher, die Vulkane und ihre jeweilige Geschichte studieren, kommen aus den verschiedensten Wissenschaften, von der Geologie über Chemie und Mineralogie bis hin zur Geophysik. Und das hat seinen Grund vor allem darin, wo auf der Erde Vulkane vorkommen. Sie sind im Wesentlichen an die Grenzen der Erdplatten gebunden. An diesen Schwächezonen steigt das Magma bis an die Erdoberfläche auf und tritt dann in Form von Vulkanen aus. Die zerstörerische Kraft eines Vulkans hängt davon ab, welchem Typ er angehört. Neben so genannten Dekaden-Vulkanen, die pro Jahrzehnt etwa ein Mal ausbrechen, gibt es Vulkane, die jahrhundertelang ruhig sind, aber dann mit einem gewaltigen Ausbruch ihre katastrophalen Kräfte entfalten. Gefährlich sind vor allem die explosiven Vulkanausbrüche, die viel Rauch und Partikel in die Atmosphäre schleudern, die dort dann zu Wolkenbildung und heftigen Gewittern und Niederschlägen führen. Gefürchtet sind als Folge heftiger Niederschläge oder durch das Schmelzen von Gletschereis über dem Vulkan die Schlammlawinen, die alles mit sich reißen, was ihnen im Weg liegt.
Die in diesem Buch zusammengestellten Zeitzeugnisse zu Vulkanausbrüchen im Verlaufe des 19. Jahrhunderts beschreiben alle Phänomene und Facetten, sowohl der vulkanologischen Erscheinungen als auch der Auswirkungen auf die Umgebung und vor allem auf die Menschen im Umkreis des jeweiligen Vulkans. Sie geben jedem Interessierten – jeden Alters – einen Einblick in eine faszinierende Zeit, als viele Erkenntnisse zusammengetragen wurden, die für uns heute selbstverständlich sind.
Monika Huch, Diplom-Geologin
im März 2018
Es entspricht einer alten Leidenschaft, die der Autor seit 40 Jahren pflegt. Schon im Jahr 1979 hat er einen Zeitungsschnippel aus der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ)“ mit dem Ausgabedatum („HAZ 6.8.79“) versehen und auf ein Blatt geklebt. Nicht mit einem Papierkleber, sondern mit einem Flüssigkleber, sodass der Zettel leicht beschädigt wurde. Behandelt wurde darin die gesteigerte Aktivität des Ätna auf der italienischen Insel Sizilien, die schließlich in einem Ausbruch am 12. September 1979 gipfelte, bei dem nach damaligen Angaben der Behörden in Catania sechs Touristen und etwa 30 weitere verletzt wurden.
Bemerkenswert und wohl auch bezeichnend ist, dass der künftige Sammler von Pressenotizen über vulkanische Aktivitäten von Beginn an die Ausgabedaten detailgenau an die Ränder schrieb. Der 13-jährige Gymnasiast am hannoverschen Gymnasium Lutherschule hegte mit Blick auf seine Faszination von den Urgewalten der Erde damals noch das innige Ziel, später einmal Vulkanologe zu werden. Bekräftigt wurde er bei diesem doch in weiter Ferne liegenden Berufswunsch von seinem Freund aus Kindertagen Marcus Nowak, der mit seinen Eltern im Nachbarhaus wohnte, selbst bereits in jungen Jahren von Mineralien ergriffen war und dem Autor dieses Buches manche schillernden Mineralien und auch vulkanische Produkte für sein Holzregal zukommen ließ.
Beide waren Bundesbahnbeamtensöhne, sie mussten nicht zwingend das Interesse an Naturwissenschaften gewinnen.
Im Laufe der Jahre ist die Zeitungsartikel-Sammlung und auch die kleine Bibliothek mit Büchern zum Thema Vulkanismus stark angewachsen, und der Autor sieht es daher als an der Zeit an, eine Zäsur zu markieren.
Dies geschieht durch das Herausarbeiten eines speziellen Themas, das sich mit dem Vulkanismus im 19. Jahrhundert, die damit verbundene Informationspraxis und die Rezeption seismischer Aktivitäten in literarischen Quellen des 19. Jahrhunderts auseinandersetzt.
Matthias Blazek
Abt.: Abteilung
Aufl.: Auflage
bearb.: bearbeitet
d.: der, den
ff.: folgend
Hrsg.: Herausgeber
hrsg.: herausgegeben
km: Kilometer
m: Meter
k. k.: kaiserlich-königlich(e)
ord.: ordentlich(er)
u. a.: unter anderem
vgl.: Vergleiche
Vol.: Volume (Band)
Zit. n.: Zitiert nach
z. B.: zum Beispiel
Vulkane sind geheimnisvoll und üben einen gewissen Reiz aus. Das liegt vor allem an ihren imposanten Formen und der Präsentation von Naturgewalten, die von jeher die erdgeschichtliche Entwicklung begleitet haben. Will man vulkanische Aktivität beobachten, muss man als Europäer wenigstens nach Island, Süditalien oder den Kanarischen Inseln reisen. Häufig begnügt man sich dann doch eher mit den verfügbaren Reportagen im Fernsehen.
Und selbst in Deutschland ist die Erde längst nicht zur Ruhe gekommen. Entlang des 40 Kilometer breiten Oberrheintalgrabens, der seit mehr als 50 Millionen Jahren zum Auseinanderbrechen von Schwarzwald und Vogesen geführt hat, bebt die Erde regelmäßig. Das Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ in Potsdam hat erst vor wenigen Jahren erklärt, dass es auch heute noch deutschlandweit Vulkanismus gebe. Es ist vor allem der Laacher See, von dem noch Gase aufsteigen und der die Caldera des letzten Vulkanausbruchs in der Osteifel darstellt, und im Ulmener Maar in der Vulkaneifel habe sich vor 11000 Jahren der letzte bisher bekannte Vulkanausbruch Deutschlands ereignet.
In der vorliegenden Arbeit geht es um den weltweiten Vulkanismus im 19. Jahrhundert, seine Auswirkungen und den damit verbundenen Umgang in Europa und den USA. Das 19. Jahrhundert war die große Zeit des europäischen Kolonialismus. Ende des 19. Jahrhunderts befanden sich 85 Prozent der Erdoberfläche unter Kolonialherrschaft oder in einer halbkolonialen Abhängigkeit. Informationen über Eruptionen gelangten, wenn überhaupt, mitunter nur zögerlich nach Europa.
Die Zeit der großen Vulkanologen, wie dem Amerikaner Frank A. Perret (1867-1943), der besonders mit seinen Forschungen zum Vesuv, zum Kilauea sowie zur Montagne Pelée auf sich aufmerksam machte, war noch nicht gekommen. Somit fehlte noch ein genaues Bild vom weltweiten Vulkanismus, und die Schreibweisen der Vulkane erscheinen im 19. Jahrhundert doch mitunter abenteuerlich und orthographisch in etwa an die gängige Aussprache angelehnt.
Jeder, der sich für das Thema Vulkanismus interessiert, weiß, dass im 19. Jahrhundert die große Stunde des Tambora (1815) und des Krakatau (1883) schlug. Die Ausbrüche beider Vulkane verursachten weitreichende und langanhaltende Katastrophen.
So sollen in diesem Buch auch vorwiegend die Eruptionen besprochen werden, die historisch bedeutsam waren, Todesopfer forderten oder aber von Vulkanen ausgingen, die aufgrund ihrer Lage oder Erscheinung eine gewisse Popularität genießen. Schwache Eruptionen, zumal in unbewohnten Gebieten, wurden ohnehin bestenfalls in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben. Bewusst hat sich der Verfasser dafür entschieden, im Zitat die in den damaligen deutschsprachigen Darstellungen verwendete Orthographie zu übernehmen.
Es existieren zurzeit geschätzt etwa 1350 aktive Vulkane auf der Welt, 560 auf dem Land und die meisten auf dem Meeresboden.1
Die Smithsonian Institution, eine US-amerikanische Forschungs- und Bildungseinrichtung mit Sitz in Washington D.C., geht davon aus, dass im Holozän, dem gegenwärtigen Zeitabschnitt der Erdgeschichte, der vor etwa 11700 Jahren mit der Erwärmung der Erde begann, 1495 Vulkane ausgebrochen oder anderweitig vulkanisch aktiv waren.
La Montagne Pelée: L’ancien lac des Palmistes et le Dôme, Leboullanger, Fort-de-France, ca. Juni 1902. Am 8. Mai 1902 verwüstete eine aus der Montagne Pelée ausgetretene glühende Aschewolke die Karibikinsel Martinique. Schätzungsweise 29000 Menschen verloren ihr Leben. Sammlung Blazek
Izor’ Ivanovitch Gushchenko erarbeitete in einer Pionierarbeit 1979 in russischer Sprache einen 475-seitigen Katalog der Vulkanausbrüche auf der ganzen Erde. Er gibt insgesamt 608 Vulkane an und verfolgt die Ausbrüche zum Teil bis ins Hochmittelalter (Merapi, 1006) zurück. Der französische Vulkanologe Haroun Tazieff (1914-1998), Autor mehrerer Bücher zum Thema Vulkanismus auf der ganzen Welt, publizierte Gushchenkos Ergebnisse im Anhang zu seinem Buch „ça sent le soufre“ (1980) und erweiterte sie auf 933 in geschichtlicher Zeit aktive Vulkane, deren Standort er auf einer beigelegten Karte eintrug und deren Ausbruchsjahre er weitgehend ermittelte.
Manche Vulkanausbrüche haben riesige Ausmaße, andere wiederum sind kaum zu bemerken. Vor gut 74000 Jahren brach der Supervulkan Toba auf Sumatra aus und verursachte einen vulkanischen Winter, in dessen Folge beinahe die gesamte Menschheit ausstarb.Es wird angenommen, dass der Ausbruch die Menschheit auf einige Tausend Individuen dezimierte. Der 87 Kilometer lange und 27 Kilometer breite Tobasee lässt die Ausmaße dieses Ausbruchs erahnen.2
Der Bogen soll in der vorliegenden Arbeit gespannt werden, ausgehend von Nordamerika über Südamerika, Europa, Afrika, Asien und Australien bis Antarktika.
Amerika ist ein Doppelkontinent der Erde, der aus Nordamerika (mit Zentralamerika) und Südamerika besteht, häufig aber auch in Nord-, Mittel- und Südamerika aufgeteilt wird. An der Westküste hat Amerika Anteil am Pazifischen „Feuerring“ (Ring of Fire), der im Norden bei den Aleuten beginnt und sich durch Alaska, Kanada, den USA und Mexiko zieht. Von dort erstrecken sich die Vulkane weiter entlang der Westküste Mittelamerikas bis nach Feuerland in Südamerika. Der mit dem asiatischen und australischen Anteil etwa 40000 Kilometer lange „Feuergürtel“ setzt sich aus rund 300 aktiven Vulkanen zusammen.3
Die Theorie der Plattentektonik ist seit mehr als 50 Jahren etabliert. Sie ist die Grundlagentheorie zur Erklärung von Vorgängen in der Erdkruste und im obersten Erdmantel.
Mit dieser Theorie werden heute hauptsächlich Erdbeben und Vulkanismus erklärt. Sie liefert die Erkenntnis, dass die Erdkruste aus zwei unterschiedlichen Materialien besteht. Die leichte kontinentale Kruste besteht im Wesentlichen aus Granit, die schwere ozeanische Kruste aus Basalt.
Die großen Lithosphärenplatten der Erde bestehen sowohl aus kontinentaler Kruste als auch aus ozeanischer Kruste. Wie im Fall von Indonesien als auch im Fall von Amerika, wird wasserreiche ozeanische Kruste und Lithosphäre in den Erdmantel zurückgeführt (subduziert). Der hohe Wassergehalt der ozeanischen Kruste ist auf die Hydrothermalaktivität an den mittelozeanischen Rücken, an denen ständig neue ozeanische Kruste durch untermeerischen Vulkanismus gebildet wird, zurückzuführen. Die neu gebildete heiße Kruste wird mit Meerwasser regelrecht durchgekocht und es bilden sich wasserreiche Minerale. Wenn ständig neue Ozeankruste durch Teilaufschmelzung des Erdmantels gebildet wird, muss an anderer Stelle Ozeankruste wieder in den Erdmantel zurückgeführt werden. Das funktioniert dadurch, dass Ozeankruste von den Mittelozeanischen Rücken wegtransportiert wird und abkühlt. Dadurch nimmt die Dichte zu. Daher kann dann an Lithosphärenplattenrändern die Ozeankruste zurück in den Erdmantel abtauchen. Hier gibt es zwei Möglichkeiten:
1. Ozeankruste taucht unter Ozeankruste ab → Inselbogenvulkanismus
2. Ozeankruste taucht unter kontinentale Kruste ab → Andesitischer Vulkanismus an Rändern der kontinentalen Kruste
Beim Zurückführen der Ozeankruste in den Erdmantel wird in beiden Fällen die wasserhaltige basaltische Kruste durch Druck- und Temperaturerhöhung in wasserarme Gesteine umgewandelt. Das Wasser wird freigesetzt und führt im darüber liegenden Erdmantel zur Teilaufschmelzung. Das wasserreiche Magma (bis zu 10 Gewichtsprozent Wasser) steigt auf und verursacht letzten Endes oberhalb der Subduktionszonen den explosiven Vulkanismus, der durch Wasserfreisetzung und dem dadurch verursachten Aufschäumen bis hin zum explosiven Zerplatzen des Magmas bei niedrigem Druck getrieben ist.4
Ein Ausbruch des Mount Rainier in den Cascade Mountains, USA, soll im Jahr 1882 „gewaltige Schlammlawinen“ verursacht haben. Wann der 4392 Meter hohe, eis- und schneebedeckte Berg, der Größte der Vulkane des Kaskadengebirges, tatsächlich zuletzt ausgebrochen ist, darüber herrscht Uneinigkeit. Der letzte Bimssteinausbruch ereignete sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zwischen 1820 und 1854 berichten Beobachter von mindestens 14 Eruptionen. Sie waren demnach allerdings zumeist eher geringfügig, und der heiße Dampf, der heute von dem inneren Gipfelkrater ausgeht, legt nahe, dass der Vulkan zwar ruht, wenn auch unruhig.
Diese Postkarte mit Grüßen aus Seattle und einem Foto des Mount Rainier wurde am 8. September 1901 in Port Gamble im US-Bundesstaat Washington auf den Weg gebracht. Sie wurde adressiert an W. Edelmann, Osterstr. 31 in Hamburg. Da heißt es: „Lieber Vater wir gehen anfang oder mitte Oktober von hier (h) weg und denken anfang März wieder in Hamburg zu sein. Wir hörten hier das (sic!) Mc Kinly erschossen wurde und ein Schuß oben überm Herz und ein Schuß eben unterm Herz bekommen. Die Leute scheinen ihn gerne zu leiden wie hier es scheint. Grüße Mutter(,) Willy und Ernst Mit herzlichem Gruß Max“ Der Hintergrund: William McKinley, Jr. (1843-1901), 25. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, war am 6. September 1901 einem Attentat zum Opfer gefallen.
Im Jahr 1843, als Captain J. C. Fremont (1813-1890), einer der führenden Entdecker des westlichen Amerikas in den 1830er Jahren, den heutigen US-Bundesstaat Washington erkundete, sah er die Vulkane Mount Rainier und Mount St. Helens in Aktivität. Nur Rauch und Dampf kamen vom Mount Rainier, aber Asche rührte mutmaßlich von einem kürzlich erfolgten Ausbruch des Mount St. Helens her. Fremont schrieb seinen Bericht am 13. November 1843: „(...) Wo auch immer wir in Kontakt mit den Felsen dieser Berge kamen, fanden wir sie vulkanisch, was wahrscheinlich der Charakter der Reihe ist, und zu der Zeit waren zwei der großen schneebedeckten Kegel, Mount Regnier und St. Helens, aktiv. Am 23. des vorigen November hatte St. Helens seine Asche wie einen leichten Schneefall über die 50 Meilen entfernte the Dalles of the Columbia [das heutige The Dalles in Oregon] gestreut, eine Probe dieser Asche wurde mir von Mr. Brewer gegeben, eines der Geistlichen in the Dalles (...)“
Der zuletzt gemeldete Ausbruch des Mount Rainier erfolgte gemäß der International Volcanological Association (1960) im Jahr 1882. „Spokan Times“, die Tageszeitung von Spokane in Washington, lieferte in ihrer Ausgabe vom 8. April 1882 allerdings ein eher unklares Bild: „Rainier gab gestern allen Anschein, ausgebrochen zu sein. Ungeheure Mengen weißen Dampfes rollten den ganzen Tag lang in der Nähe des nördlichen Gipfels auf, die eine Zeitlang fast senkrecht aufstiegen und nach Norden oder Süden drifteten, wenn Winde aufkamen. Keine Flammen waren sichtbar, und es könnte Nebel gewesen sein, aber wir zweifeln daran. – Courier.“
La Vue du mont Iztaccihuatl (la Femme blanche). – Dessin de Sabatier d’après M. Laveirière. Blick auf den Berg Iztaccíhuatl („weiße Frau“). Aus: Le Tour du Monde – Nouveau Journal des Voyages, Paris 1861, S. 168. Digitale Sammlung Blazek
Am 20. Juli 1868 brach der Iztaccíhuatl bei Puebla (Mexiko), der mit 5230 Metern dritthöchste Berg Mexikos, aus. Dieser Berg war seit seiner Entdeckung nur als erloschener Vulkan bekannt und nun, nach einer vollständigen Ruhe von ungefähr 400 Jahren, begann derselbe wieder seine Tätigkeit. Die Eruption war durch einen großen Schlammstrom ausgezeichnet, welcher sich statt eines Lavastroms aus dem Innern des Berges ergoss.5 Die „Wöchentlichen Anzeigen für das Fürstenthum Ratzeburg“ in Schönberg berichteten in ihrer Ausgabe vom 6. November 1868 über den Ausbruch des hohen Vulkans in Mexiko: „Der Vulkan Ixtuccihuate bei Puebla in Mexiko, der sich seit Tausenden von Jahren mäuschenstill verhalten hat, speit seit dem 21. Juli Feuer, Flammen, Gase und Steine. – Die Erde ist seit mehreren Monaten in gewaltiger innerer Aufregung, die sich durch Erdbeben und vulkanische Ausbrüche bemerkbar macht.“
Die „Wöchentlichen Anzeigen für das Fürstenthum Ratzeburg“ berichteten in ihrer Ausgabe vom 19. Januar 1892 über den Ausbruch des 3850 Meter hohen Vulkans Colima in der Sierra de Tapalpa in Westmexiko: „Dem ‚New-York Herold‘ wird gemeldet, daß der Vulkan bei Colima (Mexiko) noch immer in Thätigkeit ist. Die Gewalt der Explosionen ist so groß, daß man sie auf Meilen in der Runde hören kann.“
Der berühmte, 5462 Meter hohe Popocatépetl („rauchender Berg“), der Riese der mexikanischen Vulkane, ist ein aktiver Vulkan und zugleich der höchste Gipfel der mexikanischen Kordilleren. Er ist mit ewigem Schnee bedeckt. Der Popocatepetl und der Pico del Fraile (pic du Moine), ein riesiger Stein am Hang des berühmten Vulkans, Zeichnung von Taylor nach einer Photographie, aus: Des Anciennes villes du Nouveau monde von Désiré Charnay, 1885. Digitale Sammlung Blazek
La Soufrière auf der Kleine-Antillen-Insel St. Vincent in der Karibik, einer British West Indies-Kolonie, deren Wirtschaft auf Plantagensklaverei basierte, hatte im Zeitraum 27. April bis 9. Juni 1812 einen bedeutenden Ascheausbruch. Der aktive Stratovulkan überragt mit einer Gipfelhöhe von 1220 Metern den nördlichen Inselteil und besitzt einen Kratersee.
Der mit einem Erdbeben einhergehende Ausbruch von 1812 hatte sich angekündigt, wie im „Journal für Chemie und Physik“ (1832) zu lesen ist: „Den Gipfel des Monte Garou, höchster Berg der Insel St. Vincent, fand Dr. Chisholm am 26. April 1812 mit Schwefel bedeckt. Auch drangen oben Schwefeldämpfe aus vielen Ritzen hervor. Auf der Insel St. Lucie bedeckt der Schwefel an vielen Orten den Boden.“6 Am 27. April öffnete sich in der Nähe des Soufrière-Kraters eine Eruptionsspalte, aus der eine dicke Wolke aus Asche und brennenden Steinen hervortrat.7 56 Tote waren zu beklagen.8
Dazu die Monatsschrift „Die Erdbebenwarte“, 1907: „(…) Da die Dämpfe, die Hawkins sah, nach der Schilderung hauptsächlich aus schwefliger Säure bestanden haben müssen, die auf Pflanzenwuchs sehr giftig wirkt, scheint dieser Beobachter schon damals, am 25. oder 26. April 1812, Augenzeuge der beginnenden Tätigkeit gewesen zu sein. Dafür spricht auch die auffallend verschiedene Temperierung der beiden Quellen. Der eigentliche Ausbruch setzte unter Erdbeben am Mittag des 27. April 1812, eines Montags, ein. ‚Wenige Sekunden, und eine schwarze Rauchsäule brach aus dem Krater hervor, stieg in kreisenden Wirbeln himmelan und ließ eine ungeheure Menge Asche und verglaster Erdteile hinter sich. Es war wie ein Wolkenbruch. Die Felder wurden mehrere Zoll hoch überdeckt.
Am 28. und in verstärktem Maße am 29. April dauerte der Aschenregen fort. Am Abend des 29., dessen Mittag in Kingstown nur eine Art Dämmerungslicht gebracht hatte, brachen Flammen aus und fielen Steine.‘“
Ein „Negerjunge“, der Rinder auf der Bergseite hütete, sah am 27. April 1812 in seiner Nähe Stein um Stein vom Himmel fallen. In dem Glauben, dass andere Jungen ihn von den Klippen oben bewarfen, begann er das Feuer zu erwidern, als eine größere Dusche mit Steinen, „die keine menschliche Hand führen konnte“, den Jungen um sein Leben rennen und das Vieh seinem Schicksal überlassen ließ. Aus dem Krater entstand eine schwarze Wolkensäule aus Staub, Asche und Stein. „Drei Tage und Nächte brüllte der Berg.“9
Joseph Mallord William Turner (1775-1851), der als größter britischer Maler seiner Zeit gilt, malte 1815 ein beeindruckendes Gemälde vom Ausbruch des Vulkans Soufrière am 30. April 1812. In dem ansonsten schwarzen Meer spiegelt sich der Ausbruch des Vulkans, dessen Geschosse vor einem schwarzen Himmel eindrucksvoll zur Geltung kommen. Das Bild ziert die Titelseite dieses Buches.
In den „Mitteilungen der Sektion für Naturkunde des Österreichischen Touristen-Clubs“ heißt es dann noch im Jahr 1903 (S. 16): „In dem südlichen Teile der Insel ist die vulkanische Tätigkeit längst erloschen, während am Nordende die noch tätige Soufrière liegt, ein Vulkankegel von 4018 Fuß Höhe, mit einem fast kreisförmigen Krater von etwa einer Meile im Durchmesser, der stark an den Vesuv erinnert. Auf dem Nordostrande des Hauptkraters befindet sich ein kleinerer, der nur eine Drittel Teile im Durchmesser hat und als ‚Neuer Krater‘ bekannt ist, da er bei dem Ausbruch von 1812 entstanden sein soll.“
„Die Gestalt der Soufriere mag durch ihre letzte Eruption vom Jahre 1812, welche übrigens nur Asche und keine Lava gefördert haben soll, erzeugt worden sein“, heißt es 1902 in der Zeitschrift „Globus“.10
Im Verlauf der Eruption von 1812 blies La Soufrière so viel Asche in die Atmosphäre, dass es die Insel einen ganzen Tag lang in völlige Dunkelheit hüllte. Napoleon-Biograph John Tarttelin bringt die vulkanischen Aktivitäten jener Jahre mit dem Hegemoniestreben Napoleons (1769-1821) in Zusammenhang. Er schreibt (2010): „Mit den Eruptionen des Saint George auf den Westindischen Inseln im Jahre 1810, dem Ätna auf Sizilien 1811 und La Soufrière 1812 kam es zu einer ‚ständigen Auffüllung der vulkanischen Staubspeicher‘, 19 in der Atmosphäre – und es war Napoleons ruhmreiches Imperium, das in diesen kombinierten staubgetriebenen Sonnenuntergängen verschwinden sollte.“11
Am 30. April 1812, gerade als der Ausbruch endete, hörte man in Caracas und anderen Orten einen Lärm, der dazu führte, dass die Stadt in den Verteidigungszustand gesetzt wurde, da man damit rechnete, sich gegen eindringende Truppen mit schweren Waffen verteidigen zu müssen.12
Der Ilopango ist ein 442 Meter hoher Vulkan im mittelamerikanischen El Salvador. In seiner Caldera liegt der nach dem Vulkan benannte Ilopango-See. Diese Zeichnung, abgebildet in Appleton‘s Annual Cyclopaedia and Register of Important Events of the Year 1891 (New York 1892), zeigt die Entstehung der Islas Quemadas im Jahr 1880. Digitale Sammlung Blazek →
Der 859 Meter hohe Schichtvulkan Cosigüina, auch unter der Bezeichnung Vulkan Cosegüina bekannt, liegt auf der gleichnamigen Halbinsel am Golf von Fonseca im Westen von Nicaragua. Sein heftigster Ausbruch war im Jahr 1835 und sein letzter im Jahr 1859. Mit einem lauten Knall explodierte am 20. Januar 1835 die Spitze des Vulkans. Das Maximum des Aschenausbruchs erreichte der Cosigüina am 23. Januar um 1 Uhr. Ein Gesteinsregen tötete über 300 Menschen. Es wurde berichtet, „that wild beasts, howling, left their caves, and snakes and leopards fled for shelter to the abodes of men“, dass „die wilden Tiere heulend ihre Höhlen verließen und Schlangen und Leoparden Schutz suchend zu den Wohnstätten der Menschen flohen“. Nach fünf Tagen war die Eruption, die als größte seit Beginn der spanischen Kolonisation in Mittelamerika angesehen wird, beendet.13
In Chile befindet sich der Ojos del Salado, der mit einer Höhe von 6893 Metern als höchster aktiver Vulkan der Erde gilt. Der Vulkan ist ruhig, man beobachtet am Krater aber noch immer den Ausstoß von schwefelhaltigem Wasserdampf.14 Über seinen Mittelgipfel verläuft die Grenze zwischen Argentinien und Chile. Der Llullaillaco mit 6739 Metern und der 6071 Meter hohe Guallatiri, einer der aktivsten Vulkane in den Anden, beide ebenfalls in Chile, beschließen das Trio der höchsten aktiven Vulkane weltweit.
Der Nevado del Ruiz in Kolumbien, mit einer Höhe von 5389 Metern zweithöchster aktiver Vulkan auf der nördlichen Erdhalbkugel, hatte vom 19. Februar 1845 einen bedeutenden Ausbruch, der etwa 1000 Todesopfer forderte.
