Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Wahrnehmen - was ist das? Worauf kommt es an bei der Wahrnehmung sozialer Wirklichkeit? Welche Zugänge sind produktiv für die Annäherung an die Wirklichkeit sozialer Berufe? Soziale bzw. helfende Berufe haben sehr viel damit zu tun, andere Menschen in ihrer Lebensbewältigung zu unterstützen und zu begleiten. Hierfür sind hilfreiche Strukturen in der Gesellschaft zu kultivieren. Die helfenden Professionen greifen dabei auf Menschenbilder, Gesellschaftsbilder, soziale Gegebenheiten, Strukturen und Ziele für ein "gelingendes Leben" zu, bezogen auf den jeweils Anderen in seinen spezifischen Kontexten sozialer Wirklichkeit. Den Anderen in seiner sozialen Wirklichkeit wahrnehmen ist damit Grundkompetenz in sozialen bzw. helfenden Berufen.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 472
Veröffentlichungsjahr: 2013
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Wahrnehmen - was ist das? Worauf kommt es an bei der Wahrnehmung sozialer Wirklichkeit? Welche Zugänge sind produktiv für die Annäherung an die Wirklichkeit sozialer Berufe? Soziale bzw. helfende Berufe haben sehr viel damit zu tun, andere Menschen in ihrer Lebensbewältigung zu unterstützen und zu begleiten. Hierfür sind hilfreiche Strukturen in der Gesellschaft zu kultivieren. Die helfenden Professionen greifen dabei auf Menschenbilder, Gesellschaftsbilder, soziale Gegebenheiten, Strukturen und Ziele für ein 'gelingendes Leben' zu, bezogen auf den jeweils Anderen in seinen spezifischen Kontexten sozialer Wirklichkeit. Den Anderen in seiner sozialen Wirklichkeit wahrnehmen ist damit Grundkompetenz in sozialen bzw. helfenden Berufen.
Prof. Dr. Renate Zitt, Darmstadt; Prof. Dr. Joachim Weber, Mannheim; Pfarrer Thomas Waldeck, Darmstadt; Prof. Dr. Frank Dieckbreder, Bielefeld; Prof. Dr. Lutz Müller-Alten, Darmstadt; Prof. Dr. Thomas Zippert, Bielefeld; Prof. Dr. Ulrike Höhmann, Darmstadt; Dr. Peter Höhmann, Darmstadt.
Theologie und Soziale Wirklichkeit
Studium – Lehre – Praxis
Herausgegeben von
Ralf Evers Volker Herrmann Ralf Hoburg Renate Zitt
Renate Zitt, Joachim Weber, Thomas Waldeck, Frank Dieckbreder, Lutz Müller-Alten, Thomas Zippert, Ulrike Höhmann, Peter Höhmann
Wahrnehmen
Verlag W. Kohlhammer
Alle Rechte vorbehalten © 2013 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Umschlag: Gestaltungskonzept Peter Horlacher Satz: Volker Herrmann, Schwalmstadt Gesamtherstellung: W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart Printed in Germany
Print: 978-3-17-022645-6
E-Book-Formate
pdf:
978-3-17-026408-3
epub:
978-3-17-027138-8
mobi:
978-3-17-027139-5
Renate Zitt Theologie und Soziale Wirklichkeit: Wahrnehmen
Joachim Weber Wahrnehmung und Wissenschaft
Thomas Waldeck Wahrnehmung aus philosophisch-theologischer Sicht
Frank Dieckbreder Pädagogische Dimensionen der Wahrnehmung
Lutz Müller-Alten Wahrnehmung im Sozialrecht
Frank Dieckbreder / Thomas Zippert Institutionengeleitete Aspekte von Wahrnehmung
Joachim Weber Wahrnehmung und Praxis
SThomas Zippert ozialräumliches Wahrnehmen
Ulrike Höhmann / Peter Höhmann Wahrnehmung als Aufgabe der emprischen Sozialforschung
Verzeichnis der Autorinnen und Autoren
Renate Zitt
„Ein Indianer besuchte einen weißen Mann. In einer Stadt zu sein, mit dem Lärm, den Autos und den vielen Menschen – all dies war ganz neuartig und auch verwirrend für ihn.
Die beiden Männer gingen die Straße entlang, als plötzlich der Indianer seinem Freund auf die Schulter tippte und ruhig sagte: ‚Hörst du auch, was ich höre?‘ Der Freund horchte und sagte: ‚Alles, was ich höre, ist das Hupen der Autos und das Rattern der Omnibusse.‘ ‚Ich höre ganz in der Nähe eine Grille zirpen.‘ ‚Du mußt dich täuschen; hier gibt es keine Grillen. Und selbst, wenn es eine gäbe, würde man ihr Zirpen bei dem Lärm nicht hören.‘ Der Indianer ging ein paar Schritte und blieb vor einer Hauswand stehen. Wilder Wein rankte an der Mauer. Er schob die Blätter auseinander – und da saß tatsächlich eine Grille.
Der Weiße sagte: ‚Indianer können eben besser hören, als Weiße.‘ Der Indianer erwiderte: ‚Da täuschst du dich. Ich will es dir beweisen.‘ Er warf ein 50-Cent-Stück auf das Pflaster. Es klimperte auf dem Asphalt, und die Leute, die mehrere Meter entfernt gingen, wurden auf das Geräusch aufmerksam und sahen sich um. ‚Siehst du‘, sagte der Indianer, ‚das Geräusch, das das Geldstück gemacht hat, war nicht lauter als das der Grille. Und doch hörten es viele der weißen Männer. Der Grund liegt darin, daß wir alle stets das gut hören, worauf wir zu achten gewöhnt sind.‘“1
Wahrnehmen – was ist das? Worauf kommt es an bei der Wahrnehmung sozialer Wirklichkeit? Welche Zugänge sind produktiv für die Annäherung an die Wirklichkeit sozialer Berufe? Der Bearbeitung dieser Fragen widmen sich die Beiträge der Autorinnen und Autoren aus unterschiedlichen Perspektiven. Wahrnehmen, deuten und reflektieren, kommunizieren und handeln sind Grundvollzüge professionellen Handelns in sozialen Berufen. Sie sind engstens aufeinander bezogen und verlaufen zirkulär. Wahrnehmung und Wahrnehmungskontexte haben Folgen für die weiteren Vollzüge. Wie und was ich wahrnehme, für „wahr“ anerkenne, hat Folgen für mein professionelles Handeln in den unterschiedlichen Feldern sozialer Beruflichkeit.
Soziale Wirklichkeit ist ein vielschichtiges Phänomen, das nur multiperspektivisch wahrnehmbar ist, also erkenntnistheoretisch und methodologisch ausdifferenziert. Die Phänomene werden durch die Zugänge mitkonstruiert.
Die einzelnen Beiträge arbeiten mit folgenden Prämissen: Wirklichkeit ist vorgegeben und aufgegeben; Subjekte sind nicht nur determiniert, sondern haben Handlungsspielräume; Wirklichkeit wird durch Wahrnehmung konstruiert, dekonstruiert und rekonstruiert. Theologie versteht ihren Beitrag im Wahrnehmungskonzert unter anderem darin, Brüche auszuleuchten und auf Transzendenzen, Grunderfahrungen, Horizonte und Grenzen hinzuweisen. Dabei ist die Multiperspektivität unterschiedlicher Zugänge die wichtigste Voraussetzung für die hermeneutischen Diskurse im Versuch soziale Wirklichkeit zu verstehen und zu deuten.
Im vorliegenden Band zum Thema Wahrnehmen sind verschiedene Zugänge versammelt: philosophisch-erkenntnistheoretische, theologisch-religiöse, sozialwissenschaftlich-praktische, pädagogisch-phänomenologische, juristische, institutionenbezogene, sozialräumliche und forschungsprojektorientierte Zugriffe und Kombinationen derselben. In den Blick werden unterschiedliche Wirklichkeitsdimensionen genommen. Mit unterschiedlichen Zugängen und Instrumentarien wird wahrgenommen. Damit werden Antworten auf folgende Leitfragen gesucht: Wie erschließen und konstruieren wir Zugänge zur Wirklichkeit in sozialen Berufen? Wie geschieht reflektierte Wahrnehmung? Welche Modi der Wirklichkeitswahrnehmung werden gewählt? Welche Wahrnehmungsmuster sind leitend? Welche Instrumentarien stehen zur Verfügung? Welche Wirklichkeitsaspekte kommen mit welchen wissenschaftlichen Methoden in den Blick, welche Chancen und Grenzen sind damit jeweils verbunden?
Die vorgestellten Zugänge sind exemplarisch für Dimensionen, die die Autorinnen und Autoren für maßgeblich im Hinblick auf das Studium, die Praxis und die Erforschung von sozialer Wirklichkeit und sozialer Beruflichkeit halten. Damit wird in diesem Band ein breiter Zugang zum Thema Wahrnehmen in Studium und Wissenschaft sozialer Berufe gewählt, denn ein subjektorientierter phänomenologisch-basierter Zugang zum Thema der Wahrnehmung des Anderen im Dialog von theologischer und phänomenologischer Perspektive ist bereits intensiv bearbeitet worden.2 Auch unter ethischer Perspektive wurde mit theologischen und phänomenologischen Zugängen breit zum Thema der Wahrnehmung des Anderen geforscht.3
Soziale bzw. helfende Berufe haben sehr viel damit zu tun, andere Menschen in ihrer Lebensbewältigung zu unterstützen und Prozesse der Lebensbewältigung zu initiieren und zu begleiten. Dabei sind hilfreiche Strukturen in der Gesellschaft hierfür zu kultivieren. Die helfenden Professionen greifen – implizit oder explizit – auf Menschenbilder, Gesellschaftsbilder, konkrete soziale Gegebenheiten, Strukturen und mögliche Ziele für ein „gelingendes Leben“ zu, und zwar bezogen auf den jeweils Anderen in seinen/ihren spezifischen Kontexten sozialer Wirklichkeit. Den Anderen in seiner sozialen Wirklichkeit wahrnehmen ist damit die zentrale Grundkompetenz in sozialen/helfenden Berufen.
Wahrnehmen lernen und das eigene Wahrnehmen systematisch reflektieren lernen, ist ein komplexer Prozess. Studierende an Hochschulen für soziale Berufe lernen in ihren unterschiedlichen Studiengängen verschiedene wissenschaftliche und wissenschaftstheoretische Zugänge zum Thema Wahrnehmen (z.B. Diskurstheorie, Hermeneutik, Konstruktivismus, Phänomenologie, Systemtheorie, Kritische Theorie etc.) kennen und sie sollen diese in ihrem wissenschaftlichen Denken und beruflichen Handeln integrieren können. Dabei ist es für sie unabdingbar, unterschiedliche Wahrnehmungsperspektiven zu differenzieren und sie gleichzeitig multiperspektivisch aufeinander zu beziehen, um eine differenzierte Wahrnehmungskompetenz zu entwickeln und in Studium und Beruf nutzen zu können.
Die Autorinnen und Autoren des Buches wollen einerseits in verschiedene Wahrnehmungsblicke mit ihrer disziplinären/interdisziplinären und wissenschaftstheoretischen Logik einführen. Andererseits wird nach der jeweiligen Bedeutung der verschiedenen Perspektiven für die Wahrnehmungskompetenz in sozialen Berufen unterschiedlicher Handlungsfelder gefragt. Es begegnen sich humanwissenschaftliche, sozialwissenschaftliche und theologische Wahrnehmungsblicke als Diskussionsgrundlage für eine Verständigung zwischen den unterschiedlichen Disziplinen und Studiengängen. Eine wichtige Rolle spielen dabei religiöse Dimensionen (Umgang mit Kontingenz, Verhältnis von Transzendenz und Immanenz), diakonische und kirchliche Aspekte.
Die einzelnen Beiträge des Bandes leuchten disziplinäre, interdisziplinäre und wissenschaftstheoretische Wahrnehmungsperspektiven auf soziale Wirklichkeit aus. Dabei werden gemeinsame und kontroverse Aspekte, Kategorien und unterschiedliche theoretische Grundlagen des Wahrnehmungsbegriffs sichtbar.
Joachim Weber konturiert Wahrnehmung und Wissenschaft aus philosophisch-erkenntnistheoretischer Perspektive. Thomas Waldeck beleuchtet religiöse Wahrnehmung in theologischer Sicht. Frank Dieckbreder erarbeitet pädagogische Dimensionen der Wahrnehmung zwischen Haltung und Aushalten. Lutz Müller-Alten beschreibt juristische Aspekte der Wahrnehmung im Sozialrecht. Frank Dieckbreder und Thomas Zippert nehmen institutionengeleitete Aspekte von Wahrnehmung in sozialen Berufen in den Blick. Joachim Weber diskutiert das Verhältnis von Wahrnehmung und Praxis in der Sozialen Arbeit. Thomas Zippert erörtert sozialräumliches Wahrnehmen im mehrdimensionalen Raum von Gesellschaft und Gemeinwesen, Gemeinde und Diakonie. Und schließlich stellen Ulrike und Peter Höhmann theoretische und methodische Besonderheiten der Wahrnehmung in der empirischen Sozialforschung vor, wobei sie die Grundlagen in einem Anwendungsbeispiel abbilden.
1 Anonym, Der Indianer und der weiße Mann, in: Lore Graf u.a. (Hg.), Die Blumen des Blinden, München 1983, 19.
2 Vgl. hierzu: Hans-Günter Heimbrock, Den Anderen wahrnehmen – Herausforderungen für professionelle Praxis in Kirche und säkularem Gesundheitswesen, in: Pastoraltheologie 100. 2011, 364–380.
3 Vgl. Hans-Günter Heimbrock/Trygve Wyller, Den Anderen Wahrnehmen. Fallstudien und Theorien für respektvolles Handeln, Göttingen 2010. Zum Dialog zwischen Theologie und unterschiedlichen empirischen Forschungsmethoden zur Untersuchung gelebter Religion liegt ein Band zur Empirischen Theologie vor: Astrid Dinter, Hans-Günter Heimbrock, Kerstin Söderblom (Hg.), Einführung in die Empirische Theologie. Gelebte Religion erforschen, Göttingen 2007.
Joachim Weber
Wahrnehmung ist im Kontext von Wissenschaft hochgradig umkämpft. Dies beruht auf einer verbreiteten Konzentration der wissenschaftlichen Frage nach der Wahrheit auf die logische Wahrheit und nicht auf die Wahrheit der Wahrnehmung. Das Spektrum reicht von der konstruktivistischen Bestreitung jeglichen Wahrheitsgehaltes bis zur alleinigen Etablierung der Vernunftwahrheit unter Ausschluss der Wahrnehmung bei Platon. Aber auch das empiristische Wissenschaftsverständnis bleibt einem reduktionistischen Blick auf die Wahrnehmung verhaftet. Nur solche Beobachtungen sind wissenschaftlich relevant, die methodisch gewonnen sind und die Form mathematisierbarer Daten haben.
Erst die alternativen Wissenschaftsprogramme, insbesondere der phänomenologische sowie der pragmatistische Zugang führen zu einer Rehabilitation der Wahrnehmung im wissenschaftlichen Kontext. Wahrnehmung bildet nun das entscheidende Korrektiv, das uns davor bewahrt, uns im Spiel unserer Denkkonstruktionen zu verlieren. Doch Wahrnehmung begrenzt nicht einfach negativ den Erkenntnisprozess, sondern befördert ihn konstruktiv-kritisch. Der Reichtum der Welt erschließt sich erst durch Wahrnehmung. Das unwillkürliche Beiläufige von Wahrnehmungen bringt uns auf etwas, stößt uns abduktiv auf neue Ideen. Damit verbunden ist eine Rehabilitierung der alltäglichen Wahrnehmung und somit eine Relativierung der Dominanz wissenschaftlicher Wahrnehmung.
1Anthropologie, Religiosität und Wissenschaft im Kontext menschlicher Wahrheitssuche
Was ist das eigentlich, der Mensch? Die Anthropologie versucht hierauf eine Antwort zu geben. Doch vermutlich ist die Frage falsch gestellt, insofern durch sie bereits vorausgesetzt ist, dass der Mensch ein Was, ein Wesen hat. Natürlich lassen sich vielfältige Merkmale benennen, die als Gemeinsames der allermeisten Menschen auffallen, so beispielsweise auf der einen Seite die Körperlichkeit, seine Animalität und seine daraus sich ergebende Naturgebundenheit und Bedürftigkeit, auf der anderen Seite seine Vernunftbegabung, die ihn insbesondere dazu befähigt, zur Welt, wie sie sich zeigt, Stellung zu nehmen, sie sich zu vergegenwärtigen und daraufhin auch zu verändern. Doch ist damit das Wesen des Menschen beschrieben? Können wir so Menschsein begreifen?
Statt Menschsein von bestimmten Merkmalen her zu begreifen, liegt es näher, die spezifische Situation des Menschseins in der Welt zu analysieren. Dabei fallen insbesondere zwei Momente auf: „Der Mensch“ ist ein Abstraktum, das es so gar nicht gibt. Menschen verstehen sich und andere als Personen, d.h. in ihrer individuellen Einzigartigkeit. Der Blick für diese Einzigartigkeit geht verloren, sobald wir die Frage nach dem Menschen im Singular stellen.1
Er findet sein je individuelles Wesen insofern nur selbst und persönlich und differiert dabei von allen anderen. Doch wie findet ein Mensch sein eigenes Wesen? Die klassische Anthropologie hat die menschliche Situation als einen Mangel beschrieben.2 Menschen zeichnen sich im Vergleich zur Tierwelt durch Nichtfestlegung aus. Sowohl die Auffassung von Sinnesreizen als auch die Reaktion auf diese Reize ist nicht durch Instinkte gesichert, sondern müssen Menschen als Personen erst entwickeln, sie entwickeln ethos. Dieser griechische Begriff konnte erst nach der Entwicklung eines spezifischen Könnensbewusstseins eine zentrale Rolle im Nachdenken über das menschliche Handeln erreichen. Die Griechen sprachen auch der Sonne ein ethos zu in Form der Bahn, die sie vom Morgen bis zum Abend am Himmel zurücklegt. ethos ist das gewohnheitsmäßige Zuhause der Phänomene. Doch dieses Zuhause ist bei Menschen anders konzipiert: Menschen finden ihr Zuhause nur in sich selbst, sie sind dazu verurteilt frei zu sein, nämlich Verantwortung für ihr Leben und Handeln zu übernehmen.3
Was hat das Ganze mit Wissenschaft und der ihr eigenen Wahrheitssuche zu tun? Was mit dem Thema Wahrnehmung? Ich meine sehr viel. Die Übernahme von Verantwortung verlangt nach Orientierung und damit nach einer Form von Wahrheit. Die Menschheitsgeschichte hat eine Fülle von Antworten auf die Frage nach der je eigenen Orientierung gefunden, die sich letztlich in wenige verschiedene Richtungen zusammenfassen lassen. Zunächst lässt sich dabei die religiöse Gewissheit benennen,4 das Bewusstsein der Abhängigkeit von schicksalsbestimmenden Mächten, die in unterschiedlichen theologischen Kontexten verschieden interpretiert wurden, vom liebenden Vatergott über ein leistungsgerechtes göttliches Karma bis zur anonymen und unberechenbaren griechisch-römischen Schicksalsgöttin. Das kultische Handeln wie der Umgang mit Überlieferung bis hin zur kontemplativen Schau zeigen sich als Formen der vergewissernden Rückbindung (religio). Die religiöse Gewissheit transzendiert die alltägliche Wahrnehmung, sie kann jedoch die religiöse Überzeugung in religiösen Symbolen vergegenwärtigen, wahrnehmbar machen. Das Göttliche wird wahrnehmbar in seinen Zeichen.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
