War Brothers MC: Axle - Bianca Lee Ward - E-Book

War Brothers MC: Axle E-Book

Bianca Lee Ward

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Beschreibung

Alles beginnt mit einer Wette. Einem dummen Spiel. Ich gebe vor, sie wäre meine – eine verdammt hübsche kleine Lüge. Elena ist süß, unschuldig – und viel zu gut für einen wie mich. Frauen wie sie haben nichts in der Welt von Motorradclubs verloren. Ein Scherz, ein Swipe nach rechts, ein überraschendes Match. Für sie wäre ich wohl nur ein kurzer Nervenkitzel. Doch dann wettet mein Clubbruder tausend Dollar, dass ich es nicht schaffe, sie rumzukriegen. Klingt einfach – mit meinem Charme habe ich bisher jede Frau überzeugt. Nur: Dieses Mal ist es anders. Denn was als Spiel beginnt, wird plötzlich ernst. Elena wird zu meiner Ride or Die. Und ich? Ich muss jetzt alles daran setzen, dass sie nie von der Wette erfährt …

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2025

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WAR BROTHERS MC: AXLE

BIANCA LEE WARD

Dieses Buch enthält Themen für Erwachsene und ist nicht für Personen unter 18 Jahren geeignet.

War Brothers MC: Axle

Copyright © Bianca Lee Ward 2025

Alle Rechte vorbehalten.

Die Urheberpersönlichkeitsrechte der Autorin wurden geltend gemacht.

Kein Teil dieses Buches darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlags in irgendeiner Form oder auf irgendeine Weise – sei es elektronisch, mechanisch, durch Fotokopie, Tonaufnahme oder durch ein Informationsspeicher- und -abrufsystem – vervielfältigt oder verbreitet werden.

Dieses Werk ist frei erfunden. Namen, Orte, Figuren und Ereignisse sind entweder der Fantasie der Autorin entsprungen oder werden fiktiv verwendet. Ähnlichkeiten mit realen Personen, lebenden oder verstorbenen, Organisationen, Geschehnissen oder Schauplätzen sind rein zufällig.

Warnhinweis: Die unbefugte Vervielfältigung oder Verbreitung dieses urheberrechtlich geschützten Werks ist strafbar.

Coverdesign: Dream Design - Cover and Art

Aus dem Englischen übersetzt von: Stephan Waba

INHALT

Ebenfalls von Bianca Lee Ward

Playlist

1. Neue Ufer

2. Zeit für Optimismus

3. Die Wette

4. Dating-App

5. Halbwahrheiten

6. Überraschung!

7. No risk, no fun

8. Die Kontrolle verlieren

9. Den MC kennenlernen

10. Nur die Harten kommen in den Garten

11. Hübsche kleine Lüge

12. Peitschenschlag

13. Der Sturm, den man lieben muss

14. Ich habe sie total verdorben

15. Er ist wie eine Droge, und ich will mehr

16. Vollkommenheit

17. Reiß mir doch das Herz raus

18. Wolf im Schafspelz

19. Krieg der Schuld

20. Zerbrochenes Vertrauen

21. Wir gegen den Rest der Welt

22. Ich gehöre ihm, und er gehört mir

23. Überraschungen

Leseprobe von Reaper

Hintergrundinformationen

Über die Autorin

EBENFALLS VON BIANCA LEE WARD

War Brothers MC: Reaper

Ich habe sie einmal gehen lassen – weil sie nicht mir gehörte.

Diesmal werde ich lieber sterben, als sie noch einmal aufzugeben …

Ich will sie.

Dieses Lächeln … diese Kurven.

Aber Ava gehört nicht mir.

Dann steht sie plötzlich in unserem Clubhaus – auf der Flucht.

Als ich die blauen Flecken in ihrem Gesicht sehe, die Angst in ihren Augen, schnürt sich mir der Magen zu.

Bevor ich Präsident des War Brothers Motorcycle Clubs geworden bin, war ich Scharfschütze bei den Special Forces – und habe Männer wie ihren Ehemann gejagt.

Heute halte ich mich von Beziehungen fern, denn meine Narben sitzen tiefer als bloß unter der Haut.

Aber Ava ist anders.

Und als ich sie eines Nachts im falschen Zimmer finde – in meinem Zimmer – verändert das alles.

Ich habe sie gehen lassen, weil sie verheiratet war.

Aber denselben Fehler mache ich kein zweites Mal.

Bevor ich zulasse, dass ihr brutaler Ehemann, die eifersüchtigen Bikerladys oder ein Feind, den keiner von uns hat kommen sehen, ihr auch nur ein Haar krümmen – gehe ich über Leichen.

Denn diesmal gehört Ava mir.

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PLAYLIST

Just Like You – Falling In Reverse

Natural Disaster – Laidback Luke & Example

The Death of Peace of Mind – Bad Omens

I Knew You Were Trouble – Taylor Swift

Nowhere – Smooth feat. Tasha Baxter

Poison – Groove Coverage

Lead You On – Phix

Deadbeat – WesGhost

Underneath – Phix & Ryan Oakes

Sexy and I Know It – LMFAO

Up – Cardi B

Spine – WesGhost

Barley Breathing – Ashes to New feat. Against The Current

Curiosity – Bryce Savage

My Happy Ending – Avril Lavigne

Roses – Phix & Atlus

Wicked Game – Grace Carter

Hate Me – Ellie Goulding & Juice WRLD

Look What You Made Me Do – Our Last Night

Human – Elijah feat. Matty Mullins

Porcelain – Motionless in White

Until It’s Gone – Linkin Park

Bad Things – I Prevail

Alone – I Prevail

Rollin’ – Limp Bizkit

Even In The Dark – jxdn

I Think I’m Okay – MGK, YUNGBLUD & Travis Barker

Here With Me – Marshmello & CHVRCHES

EINS

NEUE UFER

Elena

„Sie haben Ihr Ziel erreicht“, verkündet die Navigations-App auf meinem Handy. Ich fahre rechts ran, ramme dabei den Bordstein und ärgere mich über meine miesen Fahrkünste. Schnell schaue ich mich um und atme erleichtert auf – niemand hat mich gesehen. Es ist schon später Nachmittag. Trotz Navi habe ich mich verfahren und hätte schon längst da sein können.

Das einstöckige Haus aus rotem Backstein sieht ganz normal aus. Es wird mein neues Zuhause in Crown Village sein, einem kleinen Küstenort mit einem See und Stränden. Ich weiß schon jetzt, dass es mir hier gefallen wird. In meiner alten Stadt habe ich mich einfach nicht zu Hause gefühlt.

Ich schließe die Augen und erinnere mich an den Tag, an dem ich meinen Eltern erzählt habe, dass ich weggehen würde.

Mom bleibt der Mund offen stehen, sie reißt die Augen auf und kneift sie dann wieder zusammen. „Nein! Du gehst nicht weg.“

Ich balle meine zitternden Hände vor mir zu Fäusten. „Aber ich habe doch einen Job als Kellnerin in einem angesagten Restaurant gefunden.“ Ich lächle und denke, wenn meine Eltern sehen würden, wie glücklich mich das macht, wären sie auch glücklich.

„Warum ziehst du dann von uns weg?“, fragt Dad. „Du hast das College geschmissen … und jetzt nimmst du einen weiteren Job als Kellnerin an, weit weg von uns und deiner Schwester?“ Sein missbilligender Blick durchbohrt mich wie ein Messer.

Ich runzele die Stirn. Ich werde meine Schwester Ava vermissen, aber das ist auch schon alles. Ich schüttle den Kopf, um diese Gedanken zu vertreiben – ich muss unbedingt optimistisch bleiben.

Zwei Mädels in Bikinis, mit Handtüchern um die Schultern, stürmen aus der Haustür und rennen über den Rasen. Sie wollen wahrscheinlich an den Strand, der nicht weit entfernt ist. Das stand zumindest in der Anzeige. Ich miete ein Zimmer in einer WG, weil ich mir in dieser Stadt nichts anderes leisten kann. Hier ist alles superteuer.

Als ich mit wackligen Beinen aus dem Auto steige, umweht mich eine leichte Brise und zerzaust meine Haare. Ich atme die frische, salzige Luft ein. Daran könnte ich mich glatt gewöhnen. Ich musste meiner kleinen Heimatstadt entfliehen und das Leben genießen, solange ich noch jung bin. Plötzlich überkommt mich ein nervöses Kribbeln, und mein Herz pocht laut in meiner Brust. Ich ziehe die Schultern zurück. „Reiß dich zusammen“, murmele ich leise vor mich hin.

Nachdem ich die Autotür geschlossen habe, überquere ich den Rasen und bleibe vor der Haustür stehen. Ich klopfe. Dann rufe ich: „Hallo.“ Es kommt aber nur ein ersticktes Flüstern heraus, also räuspere ich mich und versuche es noch einmal. „Ha…“, ist alles, was ich hervorbringe, bevor die Tür direkt gegen meinen Kopf knallt. Scharfer Schmerz schießt mir durch die Stirn und die Nase.

„Entschuldigung“, ruft der Typ in der Tür. Dann gluckst er.

Eine junge Frau öffnet die Tür ganz. „Alles in Ordnung?“ Sie ist echt hübsch und trägt ebenfalls einen Bikini, ihr blondes Haar ist zu einem superhohen Pferdeschwanz zusammengebunden.

„Ja“, erwidere ich. Ich lächle gezwungen, obwohl es immer noch wehtut. „Ich bin Elena. Ich soll heute hier einziehen.“

Sie schenkt mir ein breites Lächeln. „Ich bin Lucy. Der Besitzer hat mir schon von dir erzählt. Dein Zimmer ist das erste, das du siehst, sobald du die Treppe hochkommst. Ich hole schnell mal deine Schlüssel.“ Damit huscht sie davon.

Ich schlucke und schaue auf meine Füße, weil ich spüre, wie der Typ mich mustert.

„Möchtest du mit an den Strand?“, fragt er.

Als ich aufschaue, versuche ich, auf sein Gesicht zu achten, damit ich nicht auf seinen Körper starre. Er trägt bloß Shorts.

Mein Blick fällt zurück auf mein Auto. „Ich muss erst auspacken … aber äh, danke.“

Er nickt. „Vielleicht nächstes Mal“, antwortet er und lächelt.

Lucy kommt mit ausgestreckter Hand zurück. „Hier sind deine Schlüssel.“

Ich nehme sie ihr ab.

„Der kleine Schlüssel ist für dein Zimmer. Schließ bitte ab, wann immer du weggehst, weil wir hier manchmal Partys feiern. Der große Schlüssel ist für die Haustür.“

„Danke“, entgegne ich zögerlich. Möchte sie damit andeuten, dass hier gestohlen wird oder dass irgendwelche Leute einfach so in mein Zimmer stürmen, wenn sie hier sind? Ich nehme mir bewusst vor, die Tür rund um die Uhr abzuschließen.

„Bis später“, ruft sie, und ich sehe den beiden nach, wie sie in die gleiche Richtung eilen wie die anderen Mädels.

Ich kehre zum Auto zurück, öffne die Heckklappe und hole meinen schweren Koffer heraus. Ich ziehe ihn auf Rollen hinter mir her, während ich zum Haus gehe. Die Eingangstür führt ins Wohnzimmer, das mit abgenutzten grünen Sofas eingerichtet ist. Auf den Tischen stehen ein paar Bierflaschen herum. Das Haus ist einfach eingerichtet, mit weißen Wänden, ausgetretenen Dielen und nur dem Nötigsten an Möbeln. Als ich weiter hineingehe, sehe ich hinten die Küche und links eine Treppe.

Ich ziehe meinen Koffer zur Treppe. Dort gehe ich die erste Stufe hoch, ziehe ihn hinter mir her … die zweite Stufe, und ziehe wieder … Mein Koffer ist unglaublich schwer. Das wird eine Weile dauern.

Oben angekommen, bin ich total außer Atem, aber wenigstens ist die Tür nur drei Schritte entfernt. Ich klopfe erst mal, nur für den Fall, dass Lucy mich zum falschen Zimmer geschickt hat. Stille. Dann öffne ich die Tür und sehe ein weißes Bettgestell aus Metall mit einer Matratze drauf, eine weiße Kommode und einen Nachttisch.

Zweieinhalb Stunden sind vergangen, bis ich meinen Koffer und die unzähligen Taschen mit Klamotten, Schuhen, Büchern und Toilettenartikeln endlich die Treppe hochgeschleppt und ausgepackt habe. Ich richte gerade die Buchrücken, als ich Gelächter und Stimmen von draußen höre. Die Stimmen kommen näher, und die Haustür fällt zu.

Ich trete aus meinem Zimmer und höre einen Mann sagen: „Ob die Kleine wohl noch da ist oder ob sie abgehauen ist, als sie uns gesehen hat?“ Dann lacht er. „Ihr Gesichtsausdruck und was sie da angehabt hat … Die hat ja so ausgesehen, als wäre sie unterwegs zur Kirche.“

Ich schaue an meinem langen Kleid mit Dreiviertelärmeln und meinen Ballerinas hinunter. Was stimmt denn bitteschön mit meinem Outfit nicht? Um ehrlich zu sein, habe ich dieses Kleid schon oft sonntags in der Kirche getragen, aber trotzdem …

„Sie heißt Elena. Ich bin mir sicher, dass sie in ihrem Zimmer ist“, verkündet Lucy. Dann schaut sie die Treppe hinauf. Ihre Freundinnen folgen ihrem Blick, bis alle Augen auf mich gerichtet sind.

Ich winke ihnen kurz zu. Ich war schon immer ein wenig zurückhaltend.

Lucy winkt mich zu sich. „Komm doch runter und iss ein Stück Pizza mit uns.“

Mein Magen knurrt und erinnert mich daran, dass ich seit dem Frühstück nichts mehr gegessen habe. Also steige ich die Treppe hinunter und nähere mich ihr.

„Komm, ich zeige dir alles“, verspricht sie mit einem strahlenden Lächeln.

Ich falte meine Hände vor mir und nicke.

Lucy tritt an ihre Freundinnen heran, die auf den Sofas Platz genommen haben. „Das hier ist Elena“, verkündet sie. Sie deutet auf die drei attraktiven Mädels. „Und das sind meine Freundinnen Cindy, Jasmine und Lia. Sie wohnen auch alle hier.“ Cindy und Lia haben blonde Haare, Jasmine schwarze. Die Mädels lächeln mich freundlich an.

Zwei Jungs streiten sich um die Fernbedienung. Lucy deutet auf einen und sagt: „Jeremy ist mein Freund.“ Das ist der Typ, den ich heute Morgen gesehen habe und der sich über mein Kleid lustig gemacht hat. Er schnappt sich die Fernbedienung und strahlt mich dann an.

„Justin ist Cindys Freund“, stellt Lucy den anderen vor. Er salutiert mir.

Ich folge Lucy in die Küche. Die Küchenschränke sind cremefarben, aber voller Kratzer. Eine kaputte Schranktür hängt schief. Offensichtlich kümmert sich niemand so richtig um dieses Haus. Für Leute in unserem Alter ist es wohl genau richtig.

„Töpfe, Pfannen, Besteck und Tassen befinden sich in den Schränken und Schubladen“, erklärt Lucy. „Der Supermarkt ist nur eine kurze Autofahrt entfernt. Schreib deinen Namen auf die Sachen im Schrank und auf Lebensmittel wie Milch, damit niemand verwechselt, wem was gehört.“

Ich folge Lucy zurück ins Wohnzimmer, wo bereits laute Stimmen zu hören sind. Lucy setzt sich auf Jeremys Schoß, und ich nehme auf dem einzigen Stuhl Platz.

„Woher kommst du?“, will Lucy wissen. Alle verstummen und richten ihre Blicke auf mich.

„Aus Meadowbank. Einer Kleinstadt, etwa eine halbe Autostunde von hier entfernt.“ Für meine Heimatstadt muss ich mich nicht schämen. Ich muss mich endlich von meinen Eltern abkapseln und habe gedacht, eine Stadt am Strand wäre ein super Ort zum Leben.

„Ach ja. Die ist wirklich winzig. Da ist man doch in fünf Minuten von einem Ende zum anderen, oder?“, fragt Lia ironisch.

„So ungefähr“, antworte ich.

„Was hat dich nach Crown Village verschlagen?“, erkundigt sich Jasmine, während sie ihr langes schwarzes Haar um ihren Finger dreht.

Ich war allein und mir war total langweilig. „Ich habe einen Job in einem Restaurant ergattert.“

„In welchem denn?“, fragt Lia.

„Im Crown Village Seafood Restaurant.“

„Unser Freund Cameron arbeitet dort. Der Laden gehört seinen Eltern. Das Essen dort ist superlecker“, schwärmt Justin. Alle anderen nicken.

„Superlecker, aber auch megateuer“, stellt Cindy fest.

Es klopft an der Tür. Die beiden Jungs stehen auf und eilen hin. „Die Pizza ist da!“, ruft Justin.

„Wo arbeitet ihr denn?“, frage ich mich verwundert.

Cindy verzieht das Gesicht. „Ich arbeite nicht. Ich studiere Wirtschaft an der Uni.“

„Ich studiere Tourismus“, fügt Jasmine hinzu.

„Jeremy und ich studieren Betriebswirtschaft“, berichtet Lucy. „Justin studiert Ingenieurwesen und Lia Sozialwissenschaften.“

„Ihr studiert also alle und arbeitet nicht?“, frage ich neugierig.

„Yepp.“ Lucy nickt, und ich fühle mich plötzlich winzig klein. Ihre Eltern müssen wohl für all das aufkommen.

Die Jungs kommen rein und stellen die Pappkartons auf den Tisch. Sobald sie sie öffnen, strömt ein himmlischer Duft heraus. Jeremy schnappt sich zwei riesige Stücke und setzt sich wieder hin, bevor er sich so viel wie möglich davon in den Mund stopft. Während ich mir ein kleines Stück Pizza und eine Serviette nehme, wird mir klar, wie sehr ich mich von ihnen unterscheide. Während sie feiern und ausschlafen, werde ich schuften.

Nachdem ich satt bin, wünsche ich allen eine gute Nacht und begebe mich in mein Zimmer. Ich schließe die Tür ab, bevor ich mich hinlege.

Ich hätte wie sie sein können. Ich hätte aufs College gehen können. Die Noten dafür hätte ich gehabt. Ich habe auch schon überlegt, Englisch zu studieren, aber letztendlich war ich mir nicht sicher. Ich wollte mich nicht so hoch verschulden, ohne hundertprozentig sicher zu sein, welchen Beruf ich später ausüben wollte. Ich habe es für eine kluge Idee gehalten. Mir eine Auszeit nehmen, um meine Möglichkeiten abzuwägen. Aber laut meiner Eltern besitze ich die nötige Intelligenz, also sollte ich lieber studieren und etwas aus mir machen, statt bloß als Kellnerin für den Mindestlohn zu arbeiten.

Da piept mein Handy. Die Nachricht ist von Henry, meinem Ex-Freund, mit dem ich schon vor einiger Zeit Schluss gemacht habe. Wir waren seit der Highschool zusammen. Er hat einen Studienplatz an der Ostküste bekommen und wollte auf dem Campus wohnen, aber ich wollte keine Fernbeziehung. Außerdem hatten wir uns schon lange vor unserer Trennung auseinandergelebt.

Wir sind im Guten auseinandergegangen und haben uns nie aus den Augen verloren. Ich bin froh, dass es zwischen uns kein böses Blut gibt und wir noch Freunde sein können. Immerhin sind wir schon eine Ewigkeit befreundet.

Henry

Wie ist der Umzug gelaufen?

Gut, danke.

Wenigstens interessiert sich irgendjemand für mich, denke ich mir.

Ich habe auch schon meine Mitbewohnerinnen kennengelernt. Die scheinen recht nett zu sein.

Klingt ja super. Ich kann kaum erwarten, alles zu hören.

Ich kehre zum Startbildschirm zurück. Kein Anruf von meinen Eltern, die fragen, ob ich gut angekommen bin oder ob ich mich gut eingelebt hätte. Die beiden waren nicht gerade begeistert von meinem Umzug und haben behauptet, ich würde einen Fehler begehen. Aber ich wollte – nein, ich musste – der Kontrolle meiner Eltern entkommen.

Auf der Suche nach einem Job ist mir eine Stellenanzeige für eine Kellnerin im Crown Village ins Auge gestochen. Begeistert von dieser Gelegenheit habe ich mich sofort beworben. Ich hatte es satt, wie unter einer Glaskuppel mein Dasein zu fristen und nicht wirklich zu leben. Meine Mitbewohner scheinen mit dem Sohn des Restaurantbesitzers befreundet zu sein, was schon mal ein gutes Zeichen ist, da sie ganz nett zu sein scheinen.

Ich setze meine Lesebrille auf, schnappe mir einen Liebesroman vom Nachttisch und beginne zu lesen. Und schon bald bin ich in einer romantischen Geschichte mit Happy End versunken, die viel besser ist als mein eigenes Leben.

ZWEI

ZEIT FÜR OPTIMISMUS

Elena

Ich schaue in den Spiegel, nehme meine langen blonden Haare zusammen und stecke sie zu einem Knoten hoch, bevor ich getönte Feuchtigkeitscreme, Mascara und Erdbeer-Lippenbalsam auftrage. Dann atme ich tief durch. Das muss reichen. Ich trage einen schwarzen Dreiviertelrock und eine weiße Bluse.

Klopf, klopf. „Komm schon, ich muss dringend aufs Klo.“ Jeremys Stimme dringt durch die Badtür. Wenn auch noch diese Jungs hier pennen, sind wir zu siebt. Dann wird es wohl mit einem Badezimmer im Obergeschoss, das sich alle teilen müsse, nicht so richtig klappen.

Ich stoße die Tür auf, und er schießt herein und beginnt bereits zu pinkeln, bevor ich die Tür noch hinter mir schließen kann. Ich erschaudere. Wie eklig!

„Richte Cameron doch aus, dass ich ihn heute Abend treffe“, ruft er.

Wieder in meinem Zimmer schlinge ich mir meine Handtasche über die Schulter, bevor ich gehe. Dann schließe ich die Tür ab und steige die Treppe hinab.

Im Vergleich zu letzter Nacht ist es ruhig. Als ich um zwei Uhr morgens aufgewacht bin, konnte ich immer noch ihre Stimmen und Musik hören. Leere Pizzakartons, Bierflaschen und Gläser liegen auf dem Couchtisch verstreut. Ich hoffe, dass das nicht jeden Tag so ist, aber ich befürchte, dass es so sein könnte.

In der Küche gieße ich mir ein Glas Wasser ein und hole meine Medikamente gegen Angstzustände aus meiner Tasche. Ich schlucke meine tägliche Dosis: zwei Tabletten. Seit der Highschool nehme ich Medikamente gegen Angstzustände, seit ich mir so viel Druck gemacht habe, gut zu sein, dass meine Hände gezittert haben.

„Ich schaffe das“, rede ich mir ein und versuche, mir selbst Mut zuzusprechen, bevor ich aus der Haustür trete.

Ich schlendere zu meinem verblassten gelben Mini Cooper. Er ist älter als ich, aber trotz ein paar Beulen und Schrammen durch meinen Fahrstil erfüllt er seinen Zweck. Mein Sitz knarrt, als ich einsteige und mich hinsetze, während ich die Navigations-App auf meinem Handy öffne. „Enttäusche mich jetzt bloß nicht“, murmele ich. Mein Navi sagt, dass die Fahrt nur sieben Minuten dauert, aber ich fahre früh genug los, damit ich rechtzeitig vor Beginn meiner Schicht um elf Uhr da bin.

Je näher ich dem Restaurant komme, desto schneller schlägt mein Herz. Die Hauptstraße der Stadt verläuft entlang des Strandes. Das Wasser ist ruhig und plätschert träge an den Strand. Zu meiner Linken sehe ich kleine Läden und Palmen, die den Gehweg säumen.

Das Restaurant ist wirklich nicht weit entfernt. Als ich näher komme, verlässt gerade ein Auto eine Parklücke in der Nähe. Ich setze den Blinker und nach mehreren Versuchen und lautem Gehupe habe ich es schließlich geschafft, mich rückwärts einzuparken. Als ich aus dem Auto steige, stelle ich fest, dass ich etwas zu nah an der Linie geparkt habe, aber ich schenke dem keine Beachtung und begebe mich auf den Bürgersteig. Dabei versuche ich, meine Atmung mit langsamen Atemzügen zur Ruhe zu bringen.

Das Restaurant wirkt modern, mit raumhohen Fenstern und einer Terrasse, die sich um das Gebäude herum erstreckt. Ein schwarzes Schild mit goldener Schrift zeigt stolz den Namen des Restaurants und meinen neuen Arbeitsplatz: Crown Village Seafood Restaurant. Das ist ein gehobenes Restaurant, und ich hoffe, dass ich mich dort nicht total zum Affen mache. Ich bin nicht gerade bekannt für meine Anmut. Ich schätze, der Chef meines letzten Restaurants hat mir bloß ein gutes Zeugnis ausgestellt, um mich loszuwerden. Ich habe versehentlich mehrere Teller und Gläser zerbrochen. Obwohl ich mich immer entschuldigt habe, kann ich von Glück reden, dass ich meinen Job so lange behalten habe.

An der Tür hängt ein „Geschlossen“-Schild, aber als ich leise klopfe, erscheint ein junger Mann. Er öffnet die Tür, und ich verkünde: „Hallo, ich bin Elena. Ich soll heute hier anfangen.“ Ich versuche, selbstbewusst zu klingen, obwohl ich mich nicht so fühle.

Der Mann mustert mich von oben bis unten, sodass ich mich auf einmal total unwohl fühle. Doch sobald sein Blick meinen trifft, breitet sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus. „Hey, sorry“, ruft er und öffnet die Tür ein Stückchen weiter. „Komm doch rein. Ich heiße Cameron.“

Ich trete vorsichtig ein. Mein Magen dreht sich wie verrückt.

„Du bist in echt ja noch viel hübscher“, bemerkt er, und ich halte inne. „Ich musste doch unbedingt dein Instagram-Profil stalken“, meint er lässig und lacht, als ich nicht reagiere. „Mein Vater will nun mal, dass ich die richtigen Leute einstelle; er kann hier natürlich niemanden brauchen, der ein schlechtes Licht auf das Geschäft wirft. Du weißt schon … der Ruf unseres Familienbetriebs ist superwichtig.“

Ich atme aus und lasse meine Schultern ein wenig hängen. „Klar“, erwidere ich und lächle. Schließlich nimmt er bloß seine Aufgabe für das Familienunternehmen ernst.

„Komm, setz dich doch.“ Cameron deutet auf den nächstgelegenen Zweiertisch.

Er nimmt mir gegenüber Platz, und dabei fällt mir sofort auf, wie gut er aussieht, mit seinen braunen Augen und Haaren und dem breiten Lächeln.

„Danke, dass ihr mir diese Gelegenheit gebt. Ich weiß das wirklich zu schätzen.“ Mehr als er ahnt – schließlich konnte ich nur dadurch aus meiner Heimatstadt rauskommen.

„Gern geschehen“, erwidert er. „Hier im Restaurant servieren wir natürlich Meeresfrüchte. Es ist ein gehobenes Restaurant, daher erwarten die Gäste professionellen Service. Zu Beginn wird deine Hauptaufgabe darin bestehen, die Speisen an die vorgesehenen Tische zu bringen. Ganz einfach. Dabei möchte ich, dass du stets lächelst, professionell auftrittst und freundlich bist.“ Sein Blick wandert wieder zu mir. „Was du heute angezogen hast, ist genau richtig.“

Ich falte die Hände und sitze aufrecht da, um mir meine Anspannung nicht anmerken zu lassen.

Dann nimmt eine Speisekarte vom Tisch und reicht sie mir. „Wir servieren hauptsächlich hochwertige, nachhaltige Meeresfrüchte und andere Produkte aus der Region, und das zeigt sich auch an unseren Preisen.“ Er wirft einen Blick auf seine Uhr. „Die Köche und das Servicepersonal sollten in Kürze eintreffen, um sich für das Mittagessen vorzubereiten. Ich stelle dir eine Kollegin vor, die dir alles erklärt, und du kannst ihr heute über die Schulter schauen. Wenn du irgendwelche Fragen hast, lass es mich einfach wissen.“

Sein Handy klingelt, und er holt es aus seiner Tasche. „Hey“, meldet er sich und deutet mit einem Finger nach mir, um mir mitzuteilen, dass er gleich wieder da sein wird. Ich nicke und lächle ihn kurz an, bevor er sich zum hinteren Teil des Restaurants begibt und eine Tür öffnet, die vermutlich in die Küche führt.

Während ich auf ihn warte, schaue ich mich im Restaurant um. Die Tische stehen in gleichmäßigen Abständen voneinander da und werden von eleganten Stühlen mit Holzbeinen und weichen Stoffbezügen flankiert.

Aber das wirklich Schöne ist der freie Blick auf das Meer.

Da kommen schon einige Mitarbeiter durch die Eingangstür herein; die Männer lächeln mich an, und ein Typ mit Glatze winkt mir freundlich zu. Sie gehen zum hinteren Teil des Restaurants. Die Frauen sind ähnlich gekleidet wie ich, aber die beachten mich nicht. Nicht, dass ich so wichtig wäre, aber ich hatte doch gehofft, hier ein paar Freundinnen zu finden.

Cameron ist schon eine Weile weg, also hole ich mein Handy aus der Tasche. Als die Frauen anfangen, die Tische zu decken, stehe ich auf, um zu helfen, gerade, als Cameron wieder auftaucht und die Eingangstür sich öffnet.

„Mel, schön, dass du gekommen bist.“

Eine junge Frau in meinem Alter mit kurzem Pixie-Cut kommt herein. Sie schenkt Cameron ein breites Lächeln, geht auf ihn zu und drückt ihm einen Kuss auf die Wange.

Ich bin überrascht von ihrer Zuneigung. Ich hoffe, Cameron erwartet das nicht auch von mir.

„Hast du mich vermisst?“, fragt sie mit schmeichelnder Stimme.

„Immer“, antwortet er spielerisch und dreht sich dann zu mir um. „Elena ist neu hier. Sie schaut dir heute über die Schulter.“ Dann wendet er sich wieder Mel zu. „Sei nett“, ermahnt er sie streng.

Nicht gerade ein gutes Zeichen.

Cameron verschwindet wieder, und Mel kommt auf mich zu, ihre Augen mustern mich von oben bis unten. „Ich kann gut verstehen, warum er dich eingestellt hat.“

Ich räuspere mich. „Warum sagst du das?“

„Er stellt nur attraktive Kellnerinnen ein.“ Dann gleitet ihr Blick wieder über mich. „Komm doch mal mit. Ich zeige dir, wo du deine Sachen hinstellen kannst.“

Als ich hinter ihr hergehe, fällt mir auf, dass sie genauso angezogen ist wie ich, nur, dass ihr Rock viel kürzer ist als meiner. Ich tippe ihr auf die Schulter und senke meine Stimme. „Ich muss Cameron doch nicht auch auf die Wange küssen, oder?“ Ich schrecke bei dem Gedanken zurück.

Sie lacht. „Nein, aber es wäre nicht schlecht für dich, freundlich zu ihm zu sein. Die Trinkgelder hier sind es wert, ihm entgegenzukommen. Ich kriege meistens die besten Schichten, wenn ich ein wenig nett zu ihm bin.“

Aber ich habe bereits beschlossen, dass daraus wohl nichts werden wird. Ich werde mich dann wahrscheinlich mit den miesen Schichten abfinden müssen.

Wir gehen an den Tischen vorbei, treten durch die großen Türen und kommen in den Küchenbereich. Mel stellt ihre Tasche auf ein Regal. „Hier wäre doch Platz für deine Tasche.“

Währenddessen piept Mels Handy. Sie holt es heraus, beäugt das Display und tippt etwas ein. Dann lacht sie.

„Dein Freund?“, frage ich unverbindlich.

Doch sie macht eine abwinkende Handbewegung und steckt das Handy wieder weg. „Nein, nur so ein Typ aus dieser Dating-App, bei der ich bin.“

Ich blinzele ein paar Mal, unsicher, was ich antworten soll. „Cool.“

Schmetterlinge tanzen in meinem Bauch, während ich mich bemühe, Mels Anweisungen zu meinem Job aufzunehmen. Cameron hatte recht. Die Arbeit scheint nicht allzu schwierig zu sein, und ich versuche, mir die Tischnummern und die Speisekarte zu merken.

Abgesehen davon, dass Cameron jede meiner Bewegungen verfolgt, ist meine erste Schicht geprägt von freundlichen Gesichtern und dem köstlichen Duft von Essen, der durch das Restaurant strömt.

Sobald der letzte Gast gegangen ist, helfe ich beim Abräumen der Tische und schnappe mir dann meine Tasche. Cameron lehnt sich an die Wand neben mir, sodass ich einen kleinen Schritt zurücktrete.

Sein Blick huscht über mich, bevor er fragt: „Wie war deine erste Schicht?“

„Gut, danke.“

Da lächelt er. „Wir sehen uns morgen zur gleichen Zeit. Kannst du morgen vielleicht auch die Abendschicht übernehmen?“

Mehr Schichten, mehr Geld. „Klar, ich wohne bei Lucy und den Mädels. Jeremy hat noch gemeint, er trifft dich heute Abend.“

Cameron zieht die Augenbrauen hoch. „Du wohnst bei Lucy?“

Ich nicke.

„Dann sehen wir uns wohl öfter. Kommst du auch ins Diner?“, fragt er.

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich es finde, meinen Boss auch noch bei mir zu Hause zu sehen. „Ich gehe heute früh ins Bett. Viel Spaß noch.“

Ich folge Mel nach draußen und schaue mich ein letztes Mal um. „Gibt es denn noch andere Mitarbeiter, die ich noch nicht kennengelernt habe?“

„Nur ein paar Mädels, die gelegentlich aushelfen“, antwortet Mel.

In meinem letzten Restaurant hat es sowohl Kellner als auch Kellnerinnen gegeben. „Gibt es hier denn gar keine Kellner?“

Sie öffnet die Tür, und wir treten hinaus. Dabei schenkt sie mir ein Lächeln. „Das ist dir aufgefallen, was? Cameron meint, Frauen bringen mehr Gäste – und damit mehr Kohle –, aber ich schätze, er guckt uns einfach nur gerne an. Ich habe doch gesehen, wie Cameron dich beobachtet hat.“

Trotz meiner Bemühungen, zuversichtlich zu bleiben, verspüre ich ein ungutes Gefühl. Ich möchte keine besondere Aufmerksamkeit. Eigentlich möchte ich genau das tun, was ich am besten kann – mich in den Hintergrund zurückziehen. Ich bin eher zurückhaltend und gehe nicht gerne unter Leute. Am liebsten bin ich einfach nur zu Hause und lese ein Buch.

Ein lautes Dröhnen lässt mich zusammenzucken, und ich drehe mich zu dem Geräusch von Motorrädern um, die an uns vorbeifahren. Ich zähle sieben schwarze Bikes, die selbst für jemanden, der nichts von den Dingern versteht, ziemlich hochwertig aussehen. Ihre schwarzen und verchromten Teile funkeln in der Sonne. Die Männer, die sie fahren und die alle die gleichen Kutten tragen, sehen furchterregend aus.

„Das ist der War Brothers MC“, erklärt Mel, nachdem sie an uns vorbeigefahren sind. „Die heißesten Typen der Stadt.“ Sie seufzt tief. „Was ich nicht alles dafür geben würde, eine ihrer Sweet Butts zu sein.“

Ich drehe mich zu ihr um. „Was ist denn ein Sweet Butt?“

„Die Frauen, die mit den Männern zusammenleben. Sie helfen im Clubhaus beim Putzen und Kochen, aber in Wahrheit geht es nur um den Sex und die kostenlose Unterkunft. Ich bin ja so neidisch!“

Ganz schön befremdliche Vorstellung. Plötzlich wird mir klar, wie behütet ich aufgewachsen bin.

Mels Handy piept, sie holt es heraus und lächelt. Dann kehrt ihr Blick zu mir zurück. „Hast du eigentlich einen festen Freund?“

„Nein.“ Henry und ich sind bloß befreundet. Er hat mich zwar immer gut behandelt, aber unsere Beziehung scheint eher eine Freundschaft zu sein als eine Liebesbeziehung.

„Hast du schon mal darüber nachgedacht, dich bei einer Dating-App anzumelden?“, fragt sie aufgeregt.

Ich schüttle den Kopf. „Ich bin gerade aus einer Beziehung raus. Interessiert mich nicht. Außerdem sind die Typen da doch nur auf Sex und One-Night-Stands aus, oder?“

„Nein, du kannst in deinem Profil genau angeben, was du suchst. Hier sind alle Kerle stinkreich. Du musst doch zugeben, dass es toll wäre, mal auszugehen und einen Abend lang mit Wein und Essen verwöhnt zu werden.“

Ich zucke mit den Schultern. „Das reizt mich nicht wirklich.“ Ich bin doch gerade erst hierhergezogen. Außerdem habe ich so gut wie keine Erfahrung mit Männern, und der Gedanke daran lässt mein Herz rasen.

Sie neigt ihren Kopf zur Seite. „Du bist ganz schön schräg, weißt du das?“

Ich lache leise. „Ja, das weiß ich.“ Ich war schon immer schüchtern, da kann ich nichts dafür. Ich lebe meine Träume lieber in den Büchern, die ich lese.

„Bis morgen“, ruft sie über ihre Schulter, während sie sich entfernt.

„Bis dann“, entgegne ich und schlendere zu meinem Auto.

Eine neue Stadt, ein neuer Job und die unausgesprochene Hoffnung auf einen Neuanfang.

DREI

DIE WETTE

Axle

Viper, Cash und ich hängen in der Clubhaus-Bar ab. Die Musik dröhnt, und eine meiner Lieblingsbands, Motionless in White, läuft gerade. Ich singe im Refrain mit.

„Scheiße, du singst total beschissen.“ Viper grinst.

Ich singe noch lauter, nur um ihn zu ärgern, und benutze meine Hand als Mikrofon. Am Ende schreie ich so laut, dass er mir ein dreckiges Geschirrtuch ins Gesicht wirft und mich damit voll trifft.

Ich würge fast, reiße es mir vom Gesicht und werfe es Cash hinter der Bar hinterher. „Das stinkt!“

Er lacht. „Das hat dich zum Schweigen gebracht, oder?“

Viper schaut mich schief an. „Kannst du überhaupt deine eigene Stimme hören?“

Ich nicke. „Klar doch.“

„Dann musst du aber auch hören, wie beschissen du klingst.“

Ich schnappe übertrieben nach Luft. „Dann hast du wohl ein Hörproblem“, sage ich zu Viper und versuche, ein Grinsen zu unterdrücken.

Er schüttelt den Kopf und lacht leise.

„Habe ich hier gerade irgendwas sterben hören?“ Reaper, unser Clubpräsident, kommt mit einem angeekelten Gesichtsausdruck auf uns zu, was uns alle zum Lachen bringt.

„Du meinst wohl eher den Gesang eines Engels“, erkläre ich.

„Wenn der Engel brutal ermordet worden ist“, wirft Demon vom Billardtisch ein, wo er sich gerade mit Twitch eine Partie liefert.

Ich verdrehe die Augen. „Na ja, ich muss mich ja irgendwie unterhalten.“

Die anderen Männer kehren zu ihren Gesprächen zurück. Grace tänzelt zu mir herüber und wirft mir einen koketten Blick zu. Ich stöhne auf. Das ist der beste Beweis dafür, warum mir langweilig ist – kein Gelegenheitssex mehr mit dieser Klette. Ich schüttle den Kopf. „Nicht jetzt“, rufe ich ihr über die Musik hinweg laut und deutlich zu.

Sie hält inne, kommt aber dann doch weiter auf mich zu, während Viper neben mir schon anfängt zu schmunzeln. Ich beiße die Zähne zusammen, setze ein Lächeln auf und versuche, mich nicht über sie aufzuregen.

„Oh, komm schon, Baby“, gurrt sie und schiebt ihre Brüste, die fast aus ihrem BH-ähnlichen Top springen, nach vorne.

Sie ist heiß … hat einen tollen Körper, aber sie muss verdammt noch mal aufwachen. Wir werden nie mehr haben als eine Affäre. Meine nicht vorhandene Geduld ist am Ende. Ich erhebe meine Stimme und lege nach: „Ich habe gesagt, nicht jetzt.“

Sie reißt die Augen auf. Dann setzt sie ein gezwungenes Lächeln auf und zieht sich zurück.

Ich atme tief aus. „Scheiße! Ich versuche ja wirklich, kein Arschloch zu sein, weil sie ein Sweet Butt ist und hier pennt, aber sie macht es mir verdammt schwer.“

Viper sieht mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Was ist denn nur los mit dir in letzter Zeit?“

„Die ist ja voll die Klette. Hat mich sogar gefragt, ob ich jemals vorhabe, zu heiraten.“ Ich schüttle den Kopf, während Viper lacht.

Er zuckt zusammen. „Echt heftig. Ist ihr eigentlich bewusst, dass sie in einem Motorradclub wohnt?“

„Meine Worte. Mir war sofort klar, dass das mit dem Gelegenheitssex aufhören muss. Als Nächstes sticht sie noch Löcher in die Kondome, um mir ein Kind unterzujubeln.“

Viper wirft den Kopf zurück und lacht laut, während Cash fragt: „Noch ein Drink für irgendwen?“

„Noch ein Bier“, erwidere ich.

Ich hatte gehofft, dass eine lange Fahrt mit meiner Harley zusammen mit den anderen Clubmitgliedern heute meine Stimmung heben und meine Rastlosigkeit besänftigen würde, aber das war nur eine vorübergehende Lösung. „Wir müssen hier mal eine fette Party schmeißen. Sagt allen Mädels aus den umliegenden Städten und denen, die kürzlich zum Studieren hierhergezogen sind, Bescheid.“

„Ich bin dabei“, sagt Viper begeistert. „Darum geht es dir also? Brauchst du Nachschub an Pussys?“

Ich zucke mit den Schultern. „Diese Stadt ist ziemlich klein, und wir haben schon viele Frauen hier durchprobiert.“ Sehr viele.

Er zieht die Augenbrauen hoch. „Was genau suchst du denn?“

Mein Blick schweift über die Frauen im Clubhaus, und ich verziehe das Gesicht. „Das Gegenteil von denen da“, erwidere ich und neige meinen Kopf in Richtung der Sweet Butts. Vera, Grace, Candy und Mercedez tanzen zur Musik und reiben sich aneinander.

„Ich will keine, die sich leicht rumkriegen lässt. Ich will eine, die mein Interesse weckt … Ich will …“ Meine Lippe zuckt. „Eine Unschuldige.“

Viper atmet tief aus. „Träum weiter. Hast du überhaupt schon mal eine Nonne gesehen?“

Ich lache leise. „Sie braucht doch keine Nonne zu sein.“

„Jungfrauen wollen Beziehungen. Viel Glück dabei, eine zu finden, die das nicht will.“

Ich will keine Beziehung. Und sie muss auch keine Jungfrau sein. Ich bin einfach auf der Suche nach einer Herausforderung. Viper hat recht. Bikerpartys sind nicht der richtige Ort, um so eine zu finden. Aber dann kommt mir eine Idee. „Ich könnte mich doch bei einer dieser Dating-Apps anmelden.“

Viper kriegt ganz leuchtende Augen. „Das wird bestimmt ein Riesenspaß. Du musst mir unbedingt zeigen, wen du da findest.“

Ich hole mein Handy raus und suche nach Dating-Apps.

Eine Stunde später habe ich mich bei drei angemeldet. Das Bimmeln von neuen Nachrichten lässt mein selbstgefälliges Grinsen breiter werden.

„Seht ihr … die Weiber reißen sich um mich.“

Viper schüttelt den Kopf und versucht, ein Grinsen zu unterdrücken. „Wohl eher nicht die Weiber, die du suchst.“

Mein Lächeln verschwindet.

„Hast du in deinem Profil angegeben, dass du Mitglied in einem Motorradclub bist?“

„Natürlich habe ich das.“ Das zieht die Ladys doch immer an.

„Idiot! Lösch das sofort und verwende bloß kein Foto, auf dem deine Kutte zu sehen ist“, sagt er und deutet auf meine War-Brothers-MC-Kutte.

„Muss ich mich jetzt auch noch mit Seitenscheitel wie ein braver Junge fotografieren?“, frage ich ironisch.

Er lacht leise. „Nein, ich sage nur, wenn du eine andere Art von Frauen anziehen möchtest, musst du dein Erscheinungsbild wohl ein bisschen ändern, zumindest für den ersten Eindruck.“

Das wird schwieriger, als ich gedacht habe. Ich schneide eines meiner Fotos so zu, dass nur der Kopf und die Schultern zu sehen sind und nichts, was auf einen Motorradclub hindeutet, und ändere meinen Beruf zu Mechaniker. Auch wenn ich keinen Abschluss dafür habe, habe ich doch die gleichen Fähigkeiten.

Als Nächstes stöbere ich in den Profilen und wähle Frauen aus, die maximal zwei Autostunden von mir entfernt wohnen. Weiter würde ich nicht fahren. Ich werfe mein Netz so weit wie möglich aus, weil ich mir sicher bin, dass die Frauen, die hier leben, mein Gesicht schon kennen. Ein paar der Frauen, die zu mir passen, kommen aus der Gegend. „Nein“ – weggewischt. „Nein“ – weggewischt. Ich lösche ihre Anfragen.

Eine Stunde später, während ich durch die Frauen in der App scrolle, finde ich eine hübsche Kleine mit langen blonden Haaren und einem süßen Lächeln. „Die ist ja der Hammer.“ Auf ihrem Profilbild trägt sie Jeans und ein schickes langes Oberteil. Ich klicke auf ihr Profil. Da sind nicht viele Infos über sie. Nur, dass sie in Crown Village in einem Restaurant arbeitet. Die habe ich hier noch nie gesehen. Ich runzele die Stirn, als ich sehe, dass sie keine weiteren Fotos hat.

„Glaubst du, das ist ein Fake-Profil?“, frage ich Viper. Ich gebe ihm mein Handy.

„Ohhh“, stößt er vergnügt aus. „Die ist ja echt heiß! Aber das wirst du wohl nie erfahren, wenn du dich nicht mit ihr unterhältst.“ Er zoomt das Bild heran und lacht. „Du hast deine Klosterschwester wohl gefunden.“

„Warum sagst du das?“, frage ich.

„Sie trägt ein goldenes Kreuz um den Hals.“

Plötzlich bin ich ganz aufgekratzt. Fuck yeah. Das ist ein Zeichen!

---ENDE DER LESEPROBE---