Warum liebe ich dich? - Jenny Pergelt - E-Book

Warum liebe ich dich? E-Book

Jenny Pergelt

0,0

Beschreibung

Jenny Behnisch, die Leiterin der gleichnamigen Klinik, kann einfach nicht mehr. Sie weiß, dass nur einer berufen ist, die Klinik in Zukunft mit seinem umfassenden, exzellenten Wissen zu lenken: Dr. Daniel Norden! So kommt eine neue große Herausforderung auf den sympathischen, begnadeten Mediziner zu. Das Gute an dieser neuen Entwicklung: Dr. Nordens eigene, bestens etablierte Praxis kann ab sofort Sohn Dr. Danny Norden in Eigenregie weiterführen. Die Familie Norden startet in eine neue Epoche! Katja Baumann, die Assistentin des Chefarztes der Behnisch-Klinik, sah von ihrer Arbeit auf, als sich die Tür öffnete und Dr. Felicitas Norden hereinkam. »Fee, wie schön, dass du mich mal wieder besuchen kommst!«, sagte sie nicht ganz im Ernst. Obwohl sich die beiden Frauen gut verstanden, galt Fees Auftauchen im Vorzimmer des Chefarztes nur selten seiner Assistentin. »Eigentlich will ich Daniel abholen. Wir sind zum Mittagessen verabredet.« Fee Norden, die leitende Kinderärztin und Daniel Nordens Ehefrau, sah sehnsuchtsvoll zum nagelneuen Vollautomaten, der hier seit einigen Wochen seinen Dienst tat. »Aber ich bin extra früher gekommen, damit wir noch ein bisschen quatschen können.« Mit einem wissenden Lächeln stand Katja auf. »Und gegen einen Kaffee aus unserer tollen Maschine hast du sicher auch nichts einzuwenden.« »Überhaupt nicht!« Fee steuerte einen der bequemen Clubsessel in der Besucherecke an. Sie war glücklich, dass Katja sofort erkannt hatte, wie nötig sie einen guten Kaffee hatte. »Darauf freue ich mich schon den ganzen Vormittag.« Sie lehnte sich zurück und schloss für ein paar erholsame Sekunden die Augen. »So schlimm?«, fragte Katja teilnahmsvoll, als sie die Tassen auf dem Tisch abstellte und sich zu Fee setzte. »Hinter mir liegt ein langer, anstrengender Wochenenddienst«, erklärte Fee nur.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 114

Veröffentlichungsjahr: 2021

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Chefarzt Dr. Norden – 1205 –Warum liebe ich dich?

Christina stellt eine schicksalsschwere Frage

Jenny Pergelt

Katja Baumann, die Assistentin des Chefarztes der Behnisch-Klinik, sah von ihrer Arbeit auf, als sich die Tür öffnete und Dr. Felicitas Norden hereinkam.

»Fee, wie schön, dass du mich mal wieder besuchen kommst!«, sagte sie nicht ganz im Ernst. Obwohl sich die beiden Frauen gut verstanden, galt Fees Auftauchen im Vorzimmer des Chefarztes nur selten seiner Assistentin.

»Eigentlich will ich Daniel abholen. Wir sind zum Mittagessen verabredet.« Fee Norden, die leitende Kinderärztin und Daniel Nordens Ehefrau, sah sehnsuchtsvoll zum nagelneuen Vollautomaten, der hier seit einigen Wochen seinen Dienst tat. »Aber ich bin extra früher gekommen, damit wir noch ein bisschen quatschen können.«

Mit einem wissenden Lächeln stand Katja auf. »Und gegen einen Kaffee aus unserer tollen Maschine hast du sicher auch nichts einzuwenden.«

»Überhaupt nicht!« Fee steuerte einen der bequemen Clubsessel in der Besucherecke an. Sie war glücklich, dass Katja sofort erkannt hatte, wie nötig sie einen guten Kaffee hatte. »Darauf freue ich mich schon den ganzen Vormittag.« Sie lehnte sich zurück und schloss für ein paar erholsame Sekunden die Augen.

»So schlimm?«, fragte Katja teilnahmsvoll, als sie die Tassen auf dem Tisch abstellte und sich zu Fee setzte.

»Hinter mir liegt ein langer, anstrengender Wochenenddienst«, erklärte Fee nur. Sie hatte Mühe, ein Gähnen zu unterdrücken und griff nach ihrer Tasse, um einen großen Schluck davon zu nehmen. Dankbar registrierte sie, wie schnell die belebende Wirkung des Kaffees einsetzte.

»Du Ärmste. Du siehst aus, als könntest du einen freien Tag gebrauchen.«

»Eher eine freie Woche.« Fee seufzte. »So ein kleiner Urlaub zwischendurch wäre jetzt genau das Richtige für mich. Ich sollte mal versuchen, Daniel von einem kleinen Urlaub zu überzeugen.«

»Viel Überzeugungsarbeit wird wohl gar nicht nötig sein«, sagte Katja mit einem tiefgründigen Lächeln.

»Wie meinst du das? Was weißt du, was ich nicht weiß? Hat mein Mann irgendetwas in dieser Richtung angedeutet?« Fee kniff die Augen zusammen und musterte Katja. Sie war sich auf einmal sicher, dass Katja ein Geheimnis hütete.

Lachend schüttelte Katja den Kopf. »Ich weiß gar nichts, Fee. Jedenfalls nichts Genaues. Und selbst wenn, würde ich nicht mit dir darüber sprechen. Das steht nur deinem Mann zu.«

»Also habe ich mich nicht getäuscht!« Fee sah zur Tür, hinter der Daniels Büro lag. »Ich hoffe, ich erfahre bald, was er da ausgeheckt hat.«

»Im Moment telefoniert er. Du wirst dich wohl gedulden müssen, bis er fertig ist.« Katja entschied, dass ein Themenwechsel angebracht war, bevor Fee ihr doch noch die Neuigkeit entlocken konnte. »Wie geht es den Zwillingen?«

»Welche meinst du?«, fragte Fee zurück. »Die großen oder die kleinen Zwillinge?«

Katja lachte. »Fang mit den kleinen an.«

Damit meinte Katja das Zwillingspärchen von Danny, dem ältesten Sohn der Nordens, der seit kurzem Vater war.

»Oda und Vincent geht es prima. Sie wachsen und gedeihen und sind einfach zauberhaft…« Fee holte das Handy aus der Tasche ihres Arztkittels und präsentierte stolz die neuesten Fotos der beiden. Damit war sie beschäftigt, bis Daniel Norden sein Telefonat beendet hatte und aus seinem Büro kam.

»Zeigst du wieder Babybilder?«, fragte er schmunzelnd und warf schnell selbst einen Blick auf das Display.

»Natürlich«, gab Fee lächelnd zurück. »Ich muss mir doch die Zeit zu vertreiben, wenn du so lange telefonierst.«

»Du bist zu früh, Feelein. Nur deshalb musstest du warten«, er warf einen bezeichnenden Blick auf die Kaffeetassen, »und unsere neue Kaffeemaschine testen.«

Fee winkte ab. »Ach, das habe ich doch schon oft getan. Ich weiß längst, dass sie ihr Geld wert ist. Jetzt muss ich nur noch meinen Chefarzt dazu bringen, der Pädiatrie so eine tolle Maschine zu spendieren.«

»Keine Chance.« Daniel lachte leise. »Wenn ich das machen würde, müsste ich mit einem Aufstand der anderen Abteilungen rechnen. Sie würden mir völlig zu Recht Vetternwirtschaft vorwerfen.«

Mit einem süßen Schmollmund stand Fee auf. »Bringt mir denn der Status als Ehefrau des Chefarztes gar keine Vorteile ein?«

»Doch, mein Schatz. Ihm verdankst du die Überraschung, die ich für dich habe.« Als er dabei seiner Assistentin einen verschwörerischen Blick zuwarf, musste Fee wieder an Katjas sonderbare Andeutungen denken.

Daniel hielt ihr seine Hand hin. »Wir setzen uns noch ein paar Minuten in mein Büro. Dann erzähle ich es dir.«

»Nun spann mich nicht länger auf die Folter«, drängelte Fee, als sie mit Daniel allein war. »Katja tat auch schon so geheimnisvoll, wollte mir aber nichts erzählen.«

»Das sollte sie auch nicht. Sie darf mir doch nicht die Freude nehmen, es dir selbst zu sagen.« Daniel war um seinen Schreibtisch herumgegangen, um den Briefumschlag, der auf seinem Platz lag, zu holen. »Der war am letzten Freitag in der Post. Ich bin erst heute dazu gekommen, mich darum zu kümmern«, sagte er. Er machte eine kurze Pause, um die Spannung zu steigern. »Was hältst du davon, mit mir im nächsten Monat an die Ostsee zu fahren?«

»Wir wollen im November in den Urlaub fahren?«, fragte Fee voller Vorfreude.

Daniel reichte den Umschlag an seine Frau weiter. »Nicht direkt. Wir haben eine Einladung von Kerstin und Uwe Hansen bekommen. Sie laden uns für ein langes Wochenende nach Binz ein.« Als ihn Fee nur stirnrunzelnd ansah, erklärte er: »Binz liegt auf Rügen …«

»Das weiß ich doch, Dan.« Fee rollte mit den Augen. »So schlecht sind meine Geografiekenntnisse nun auch wieder nicht. Ich musste nur kurz über den Namen nachdenken. Sind die Hansens nicht die Schwiegereltern von Herrn Berger?«

»Ja, sie sind die Eltern seiner verstorbenen Frau. Ich habe die beiden im Sommer kennengelernt, als sie in München waren, um Erik Berger zu besuchen. Du weißt vielleicht noch, dass wir Uwe Hansen aufnehmen mussten, weil er einen Herzinfarkt hatte. Christina Rohde hat ihm in der anschließenden OP das Leben gerettet.«

»Nicht nur sie. Ich erinnere mich, dass du mit ihr zusammen am OP-Tisch standest«, sagte Fee, die die Bescheidenheit ihres Mannes gut kannte. Daniel wurde nie müde, die Leistung anderer zu loben, während er seinen eigenen Anteil oft herunterspielte.

»Na, jedenfalls will Uwe Hansen seinen Geburtstag ganz groß feiern, und er möchte uns dabeihaben.«

»Nun, das klingt … gut?« Fee ließ es absichtlich wie eine Frage klingen. Sie war sich noch nicht sicher, was sie davon halten sollte. Natürlich war es überaus verlockend, die Arbeit für ein paar Tage hinter sich zu lassen und einen kleinen Urlaub anzutreten. Aber es fühlte sich irgendwie falsch an, die Einladung anzunehmen. Daniel hatte doch nur seine Arbeit gemacht. Patienten zu heilen, war seine Passion, so wie es auch die ihre war. Das Wissen, ein Menschenleben gerettet oder Leid gelindert zu haben, war Dank genug. Eine Gegenleistung – wie diese Einladung – war deshalb völlig unnötig. Dass Daniel das genauso sah, wusste sie. Trotzdem schien er nichts gegen diese Reise zu haben. Ansonsten hätte er gar nicht erst davon gesprochen.

»Ja, es klingt gut, mein Schatz.« Daniel, der ahnte, worüber sich Fee den Kopf zerbrach, lächelte sie offen an. »Trotzdem hatte ich Bedenken und wollte die Einladung ablehnen. Doch jetzt – nach dem Gespräch mit Uwe Hansen – bin ich froh, dass ich es nicht getan habe.«

»Du hast ihn angerufen? Vorhin, als ich mit Katja Kaffee getrunken habe?«

»Ja, ich wollte es erledigt haben, bevor du kommst.«

»Und?«, fragte Fee ungeduldig. »Was hat er gesagt? Wie hat er es geschafft, dich umzustimmen?«

»Er hat mir versichert, dass die Einladung nichts mit falsch verstandener Dankbarkeit zu tun habe. Er und seine Frau möchten uns einfach nur wiedersehen und uns an ihrem Glück teilhaben lassen. Für sie ist dieser Geburtstag ein ganz besonderer. Uwe sieht es als großes Geschenk an, ihn überhaupt feiern zu dürfen. Ihm ist es sehr wichtig, dass wir kommen. Natürlich hat er auch Frau Rohde eingeladen, und Erik Berger wird ohnehin dabei sein.«

»Ich wusste gar nicht, dass Herr Berger auch eine gesellige Seite besitzt und Lust auf eine Party hat.«

»Ich bin mir sicher, dass er darauf gar keine Lust hat. Aber Uwe Hansen ist der Vater seiner verstorbenen Frau. Für ihn wird er eine Ausnahme machen und sich aus seinem Schneckenhaus wagen. Er hat den Hansens schon zugesagt und meinte, dass er kommen würde – sofern ihm sein Chef die freien Tage genehmigt.«

Fee lachte. »Das wird schon klappen. Ich kenne seinen Chef ganz gut. Er ist ein sehr verständnisvoller Mensch. Sicher wird er alles tun, um Herrn Berger diese Reise zu ermöglichen. Selbst wenn das für ihn bedeutet, zusammen mit seinem knurrigsten Mitarbeiter in den Urlaub zu fahren.«

»Das macht Herrn Berger bestimmt mehr Angst als mir«, griente Daniel. »Übrigens erzählte mir Uwe Hansen, dass es noch einen anderen Grund zum Feiern gibt: Sie wollen den Tag nutzen, um Toni Bachler ganz offiziell in der Familie zu begrüßen. Das Vormundschaftsgericht hat die Hansens endlich als Tonis Betreuer eingesetzt.«

Fee erinnerte sich gut an den Fall des jungen Mannes. Toni Bachler litt an einer geistigen Behinderung. Nach dem Tod seiner Mutter hatte er niemanden mehr, der sich um ihn kümmern konnte. Die Behörden brachten ihn deshalb in einer Wohngruppe unter. Dort hatte sich Toni überhaupt nicht wohlgefühlt. Eines Nachts fand ihn Christina Rohde hinter ihrem Haus. Die warmherzige Chirurgin sorgte dafür, dass er in der Behnisch-Klinik aufgenommen wurde. Hier bekam er einen Herzschrittmacher und freundete sich mit seinem Bettnachbarn, Uwe Hansen, an. Für Toni stellte sich das als großer Glücksfall heraus. Die Hansens schlossen Toni sofort in ihr Herz. Bei ihnen fand Toni nicht nur ein gutes Zuhause, sondern auch eine neue, liebevolle Familie.

»Toni hat es sehr gut getroffen«, sagte Daniel. »Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen mit ihm und den Hansens. Und vor allem freue ich mich auf ein paar freie Tage mit dir an der Ostsee.«

»Und ich freue mich auch. Sehr sogar. Am liebsten würde ich sofort losfahren. Ich stelle es mir zu dieser Jahreszeit sehr romantisch auf der Insel vor. Es sind sicher nur wenige Touristen da, so dass es recht ruhig sein wird. Und vielleicht erleben wir sogar einen schönen, kräftigen Herbststurm an der Küste.«

»Ja, vielleicht. Die Sache hat allerdings einen Haken.« Daniel nahm noch einmal die Einladung in die Hand und zeigte auf das Datum. »Der Geburtstag ist in drei Wochen. Wir würden am Donnerstag losfahren und am Sonntag heimkehren. Doch leider halte ich ausgerechnet an diesem Donnerstag einen Vortrag für die Erstsemester an der Uni. Ich möchte das nur ungern absagen.«

»Dann solltest du das auch nicht tun, Dan. Wir könnten genauso gut einen Tag später losfahren. Es wäre dann zwar eher ein kurzes Wochenende für uns, aber ich würde trotzdem sehr gern hinfahren.«

»Ich auch, Fee. Es tut mir leid, dass es meinetwegen nicht mit einem langen Wochenende klappen wird. Deshalb habe ich mir eine kleine Wiedergutmachung überlegt.«

Sofort hatte er die volle Aufmerksamkeit seiner Frau. »Wie soll die aussehen? Bekommt die Pädiatrie nun doch noch ihren Kaffeeautomaten?«

»Nein, mein Schatz, bedauere«, lachte Daniel. »Aber wie würde es dir gefallen, wenn wir im nächsten Frühling einen längeren Urlaub auf Rügen machen? Mit Uwe Hansen habe ich bereits darüber gesprochen. Sie halten uns schon mal ein Zimmer für zehn Tage frei. Natürlich nur, wenn du magst …«

Weiter kam er nicht. Fee war um seinen Schreibtisch gelaufen, um sich auf den Schoß ihres Mannes zu setzen. Mit einem stürmischen Kuss verschloss sie ihm den Mund.

»Natürlich möchte ich«, sagte sie lächelnd, als sie ihn wieder freigab. »Wie kannst du daran nur zweifeln?«

*

In der Notaufnahme der Behnisch-Klinik herrschte emsige Betriebsamkeit. Alle Behandlungsräume waren besetzt, und der Warteraum war jetzt, zur Mittagszeit, noch immer bis auf den letzten Platz gefüllt. Eigentlich war Christina Rohde vorbeigekommen, um Dr. Erik Berger, den leitenden Notfallmediziner der Behnisch-Klinik, in die Mittagspause zu entführen. Doch beim Anblick der vielen Patienten wurde ihr klar, dass sie wohl keinen Erfolg haben würde. Selbst wenn Erik wollte, würde er kaum fortkönnen, und sie müsste wieder allein in die Cafeteria gehen.

Sie verbrachte gern Zeit mit ihm – und niemand konnte das verstehen. Erik war kein geselliger oder umgänglicher Mensch und galt als unbeliebtester Arzt der Klinik. Er war bärbeißig und zynisch und benahm sich oft so unausstehlich, dass jeder einen großen Bogen um ihn machte und ihm tunlichst aus dem Wege ging. Warum es bei Christina anders war und sie so oft seine Nähe suchte, war für alle ein großes Rätsel. Niemand konnte verstehen, dass die beiden ungleichen Ärzte befreundet waren. Die sympathische, lebenslustige Ärztin mit den seelenvollen dunklen Augen schien so gar nicht zu dem grantigen Notfallmediziner zu passen. Und trotzdem verbrachten die beiden seit einigen Monaten häufig ihre Pausen zusammen, so dass bereits die ersten Gerüchte die Runde machten. Noch nahm sie niemand wirklich ernst. Allein die Vorstellung, dass die beiden ein Liebespaar sein könnten, war bizarr und völlig lächerlich. Doch hin und wieder fragte man sich, ob nicht doch etwas Wahres dran sein könnte. Wie war es sonst zu erklären, dass Dr. Berger manchmal ein Lächeln über das Gesicht huschte oder dass seine legendären Tobsuchtsanfälle viel seltener und nicht mehr so heftig auftraten? Hatte es die hübsche Frau Rohde vielleicht doch geschafft, den Eisklumpen in seinem Herzen zum Schmelzen zu bringen?

Auf der Suche nach Erik öffnete Christina Rohde die Tür zum Behandlungsraum Eins. Hier fand sie Dr. Martin Ganschow, einen sehr zuverlässigen und umsichtigen Assistenzarzt.

»Wissen Sie, wo Herr Berger ist?«, fragte Christina nach der Begrüßung.

Dr. Ganschow, der gerade einer jungen Patientin einen Wundverband anlegte, blickte nur kurz hoch. »Ich bin mir nicht sicher. Wenn Sie ihn in der Aufnahme nicht finden, ist er schon draußen an der Rampe, um auf den Rettungswagen zu warten. Die Leitstelle hat ihn vorhin angekündigt.«

»Ein Fall für die Chirurgie?«, fragte Christina sofort nach.