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Mit den spannenden Arztromanen um die "Kurfürstenklinik" präsentiert sich eine neue Serie der Extraklasse! Diese Romane sind erfrischend modern geschrieben, abwechslungsreich gehalten und dabei warmherzig und ergreifend erzählt. Die "Kurfürstenklinik" ist eine Arztromanserie, die das gewisse Etwas hat und medizinisch in jeder Hinsicht seriös recherchiert ist. Nina Kayser-Darius ist eine besonders erfolgreiche Schriftstellerin für das Genre Arztroman, das in der Klinik angesiedelt ist. 100 populäre Titel über die Kurfürstenklinik sprechen für sich. »Guten Morgen, Herr Dr. Winter – arbeiten Sie heute etwa nicht?« Die hübsche junge Frau hinter der Kasse lächelte freundlich bei ihrer Frage. Sie hatte sanft gewellte blonde Haare, die sie halblang trug, und ein klares offenes Gesicht, in dem vor allem die wachen blauen Augen auffielen. »Guten Morgen, Monique«, antwortete Dr. Adrian Winter, der sich entschlossen hatte, seinen wöchentlichen Einkauf im Supermarkt an diesem Vormittag zu erledigen. »Doch, ich arbeite, aber ich habe heute Spätdienst.« Sie sah sehnsüchtig durch die großen Schaufenster nach draußen. »Dann können Sie ja das schöne Wetter genießen. Wie ich Sie darum beneide!« Der Supermarkt war fast leer, Adrian war der einzige Kunde an der Kasse – deshalb hatte Monique Remberg Zeit, mit ihm ein paar Sätze zu reden. Meistens war das kaum möglich. »Machen Sie in Ihrer Mittagspause einen kleinen Spaziergang«, riet er. »Bis dahin ist es doch nicht mehr lang.« »Aber heute geht's nicht«, seufzte sie. »Das Baby?« fragte er, und sie nickte. Alle Kunden des kleinen Supermarkts wußten, daß Monique ein Baby hatte. Und sie wußten auch, daß sie mit dem Kind und ihrer jüngeren Schwester Anna in einer engen kleinen Wohnung wohnte. Offenbar lebten die Eltern nicht mehr, deshalb mußte sich Monique um Anna kümmern. Die junge Frau wurde allgemein dafür bewundert, wie couragiert sie ihr sicher nicht ganz einfaches Leben in die Hand genommen hatte. Sie war gerade zweiundzwanzig Jahre alt und mußte schon so viel Verantwortung tragen! »Wie geht's der Kleinen denn?« fragte Adrian, während er ihr einen großen Geldschein hinlegte. »Gut, aber ich wünschte, Anna und ich
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Seitenzahl: 115
Veröffentlichungsjahr: 2017
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»Guten Morgen, Herr Dr. Winter – arbeiten Sie heute etwa nicht?« Die hübsche junge Frau hinter der Kasse lächelte freundlich bei ihrer Frage. Sie hatte sanft gewellte blonde Haare, die sie halblang trug, und ein klares offenes Gesicht, in dem vor allem die wachen blauen Augen auffielen.
»Guten Morgen, Monique«, antwortete Dr. Adrian Winter, der sich entschlossen hatte, seinen wöchentlichen Einkauf im Supermarkt an diesem Vormittag zu erledigen. »Doch, ich arbeite, aber ich habe heute Spätdienst.«
Sie sah sehnsüchtig durch die großen Schaufenster nach draußen.
»Dann können Sie ja das schöne Wetter genießen. Wie ich Sie darum beneide!«
Der Supermarkt war fast leer, Adrian war der einzige Kunde an der Kasse – deshalb hatte Monique Remberg Zeit, mit ihm ein paar Sätze zu reden. Meistens war das kaum möglich.
»Machen Sie in Ihrer Mittagspause einen kleinen Spaziergang«, riet er. »Bis dahin ist es doch nicht mehr lang.«
»Aber heute geht’s nicht«, seufzte sie.
»Das Baby?« fragte er, und sie nickte. Alle Kunden des kleinen Supermarkts wußten, daß Monique ein Baby hatte. Und sie wußten auch, daß sie mit dem Kind und ihrer jüngeren Schwester Anna in einer engen kleinen Wohnung wohnte. Offenbar lebten die Eltern nicht mehr, deshalb mußte sich Monique um Anna kümmern. Die junge Frau wurde allgemein dafür bewundert, wie couragiert sie ihr sicher nicht ganz einfaches Leben in die Hand genommen hatte. Sie war gerade zweiundzwanzig Jahre alt und mußte schon so viel Verantwortung tragen!
»Wie geht’s der Kleinen denn?« fragte Adrian, während er ihr einen großen Geldschein hinlegte.
»Gut, aber ich wünschte, Anna und ich hätten mehr Zeit für sie.«
»Ihre Schwester hat eine Lehrstelle gefunden, habe ich gehört.«
»Zum Glück – einerseits«, antwortete Monique und gab ihm das Wechselgeld zurück. Er begann, seine Sachen einzupacken. »Andererseits ist sie jetzt eben auch den ganzen Tag nicht da, wir müssen Susi seitdem also in eine Kinderkrippe geben.«
»Können Sie sie nicht mit hierher nehmen?« fragte Adrian. »So ein Baby schläft doch viel. Es könnte da hinten im Büro in seinem Wagen liegen und würde doch sicher niemanden stören.«
Sie lächelte. Fast schien es, als amüsiere sie sich über seinen verrückten Einfall. »Das geht mal einen Tag oder zwei, aber nicht länger. Ich kann nicht jedes Mal von der Kasse weg, wenn Susi schreit oder wenn etwas anderes ist, Herr Dr. Winter. Mein Chef hier ist schon sehr aufgeschlossen und großzügig. Wenn es wirklich mal eine Notsituation gibt, dann hilft er mir auch. Aber auf Dauer ist es keine Lösung, Susi mit in den Supermarkt zu bringen.«
»Wie alt ist sie denn jetzt?«
»Vier Monate und zwei Tage«, antwortete Monique wie aus der Pistole geschossen. »Ich freue mich schon aufs Wochenende, und ich glaube, sie freut sich auch, wenn sie mal wieder nur Anna und mich um sich hat. Aber sie ist brav, sie hat sich an die Krippe gewöhnt.«
Adrian hatte seine Einkäufe verstaut. »Was für eine Lehre macht Ihre Schwester eigentlich?«
Monique lachte, und jetzt sah sie unglaublich jung aus – noch viel jünger als ihre zweiundzwanzig Jahre. »Sie will Automechanikerin werden«, sagte sie. »Können Sie sich vorstellen, daß das ihr Traumberuf ist?«
»Warum nicht?« fragte er. »Wenn sie sich für Autos interessiert und es ihr Spaß macht, daran herumzuschrauben! Auf Wiedersehen, Monique, wir sehen uns bei meinem nächsten Einkauf.«
»Falls ich dann hier bin«, erwiderte sie. »Nächste Woche habe ich einen Tag frei, zum Glück. Den brauche ich jetzt auch. Tschüs, Herr Dr. Winter, einen schönen Tag noch.«
Lächelnd verließ er das Geschäft. Es war schön, wenn man gutgelaunte Menschen traf, die ihrer Arbeit nicht mit hängenden Mundwinkeln nachgingen. Dabei war es sicher nicht einfach, den ganzen Tag an einer Supermarktkasse zu sitzen. Wenn die Kunden frustriert oder schlechtgelaunt waren, ließen sie das gern an der Kassiererin ab.
Er sah auf seinen Zettel und stellte fest, daß er seiner Nachbarin Carola Senftleben noch einen Wein mitbringen wollte, als Dankeschön für ihre häufigen Einladungen zum Essen. Also steuerte er als nächstes den kleinen Weinladen an, in dem er ebenfalls regelmäßig einkaufte. Danach konnte er noch ein paar Stunden Freizeit genießen. Er wußte noch nicht, was er damit anfangen würde. Leise seufzend erinnerte er sich daran, daß er einen Haufen schmutziger Wäsche angesammelt hatte. Vielleicht sollte er das an diesem Morgen auch noch erledigen?
Er schob die Entscheidung auf, betrat die Weinhandlung und ließ sich ausführlich beraten, bevor er sich für einen teuren Rotwein entschied. Frau Senftleben hatte etwas Besonderes verdient – und da sie den Wein vermutlich mit ihm zusammen trank, würde er in den Genuß seines eigenen Geschenks kommen. Der Gedanke amüsierte ihn, und er ging bester Laune nach Hause. Die Wäsche würde er ein anderes Mal waschen. Das Wetter war viel zu schön, lieber setzte er sich auf sein Fahrrad und fuhr noch ein bißchen ins Grüne, das war in Berlin schließlich nicht schwer.
Eine halbe Stunde später konnte man den jungen Chefarzt Dr. Adrian Winter, Leiter der Notaufnahme der renommierten Kurfürsten-Klinik in Berlin-Charlottenburg, fröhlich vor sich hinpfeifend auf seinem Fahrrad Richtung Grunewald fahren sehen.
*
»Gut gemacht, Mädchen«, lobte Günter Anders seine jüngste Auszubildende Anna Remberg. »Hätten die andern auch nicht besser gekonnt.«
Günter Anders war Annas Lehrherr, der Inhaber der Kfz-Werkstatt, in der sie ihre Ausbildung machte. Er war ein bißchen konservativ – eigentlich fand er, daß eine Frau einen ›weiblichen‹ Beruf haben sollte und in einer Autowerkstatt nichts zu suchen hatte. Aber er war immerhin so aufgeschlossen gewesen, ihre Bewerbung aufmerksam zu lesen und sich mit ihr zu unterhalten. Und schließlich hatte er, all seinen Vorurteilen zum Trotz, beschlossen, es mit Anna zu versuchen. Bisher hatte er das nicht bereut, denn das Mädchen machte sich wirklich gut. Anna konnte arbeiten, sie war fix im Kopf, und Günter Anders war Geschäftsmann genug, um schnell zu begreifen, daß ein hübsches junges Mädchen in seiner Werkstatt von den Kunden gern gesehen wurde. Er war also sehr zufrieden damit, daß er über seinen eigenen Schatten gesprungen und einen weiblichen Lehrling eingestellt hatte.
Anna erwiderte nichts. Sie war ein schüchternes Mädchen. Am wohlsten fühlte sie sich, wenn man ihr eine kniffelige Aufgabe anvertraute, die sie dann in alle Ruhe lösen konnte. Und weil sie so schüchtern war, dabei aber fleißig und hilfsbereit, ließen die jungen Männer in der Werkstatt sie tatsächlich mehr oder weniger in Ruhe. Natürlich versuchten sie, mit ihr zu flirten, doch insgesamt waren sie eher gutmütig, keiner machte Anstalten, Anna zu schikanieren oder ihr anderweitig das Leben schwer zu machen. Allerdings hätte der Meister, wenn er dahintergekommen wäre, ein solches Verhalten auch nicht geduldet.
»Was soll ich jetzt machen, Herr Anders?«
Der Meister überlegte. »Du mußt ja noch eine Menge lernen«, meinte er dann. »Komm mal mit, einer von unseren reichen Kunden hat seinen Luxusschlitten gebracht – Modell von neunzehnfuffzig.«
Sie folgte ihm und stand gleich darauf vor einer hellblauen Limousine mit dunkelblauen Ledersitzen, Armaturenbrett aus Edelholz und allen möglichen weiteren Extras der Sonderklasse. »Ich faß es nicht«, murmelte sie und strich behutsam über einen der Kotflügel. »So einen habe ich bisher nur im Kino gesehen.« Ihr Blick war andächtig wie der eines Kindes, das zum ersten Mal einen Weihnachtsbaum mit brennenden Kerzen sieht.
»Der Motor muß überholt werden«, erklärte der Meister. »Hast du Lust, mit mir daran zu arbeiten?«
Anna strahlte. »Ob ich Lust habe, Herr Anders? Etwas Schöneres könnte ich mir überhaupt nicht vorstellen!« Dann flog ein Schatten über ihr Gesicht, sie senkte die Stimme und fragte leise: »Aber werden die anderen nicht sauer sein, wenn ich das machen darf? Ich meine, die würden doch vielleicht auch gern…«
Doch der Meister winkte ab. »Das ist eine Arbeit für Tüftler, den andern fehlt dafür die Geduld. Außerdem gibt’s bei dem, was sie im Augenblick machen, vermutlich reichlich Trinkgeld. Hier vielleicht auch – aber erst, wenn der Wagen fertig ist, und das kann dauern. Mach dir also keine Gedanken, Anna.«
»Können wir gleich an die Arbeit gehen?« Anna strahlte schon wieder und konnte es kaum erwarten.
Günter Anders lachte. »Natürlich, was dachtest du denn? Mach die Motorhaube auf.«
Während sie das tat, gratulierte er sich wieder einmal zu seinem Entschluß, dieses Mädchen als Auszubildende zu akzeptieren. Es war ein weiser Entschluß gewesen!
*
»Sind Sie verrückt geworden, so einen teuren Wein zu kaufen, Adrian?« schimpfte Carola Senftleben, als ihr junger Nachbar, bevor er sich auf den Weg zur Kurfürsten-Klinik machte, bei ihr klingelte und ihr die Flasche Rotwein in die Hand drückte, die er für sie gekauft hatte. »Außerdem essen wir in den nächsten Tagen gar nicht zusammen, wo Sie doch Spätdienst haben.«
»Aber Sie können ihn doch schon einmal fachgerecht lagern, Frau Senftleben! Sie wissen doch, in meiner Küche ist es entweder zu warm oder zu kalt – außerdem würde ich ihn wahrscheinlich in eine Ecke stellen und vergessen…«
Sie sah ihn mit gespieltem Entsetzen an. »Stellen!« sagte sie schaudernd. »Er kommt natürlich in meine Speisekammer, da wird er ins Weinregal gelegt und muß erst einmal ruhen, bis wir ihn trinken können. Wahrscheinlich haben Sie ihn ja, nachdem Sie ihn gekauft haben, noch einmal ordentlich durchgeschüttelt, wie ich Sie kenne.«
Er lachte. »Sie sind zu streng mit mir, Frau Senftleben. Ich habe ihn ganz vorsichtig transportiert, das habe ich bereits von Ihnen gelernt. Was essen Sie denn heute Abend ohne mich?«
»Kaninchen«, antwortete sie prompt »Ein Rezept, das ich aus Mallorca mitgebracht habe. Hoffentlich gelingt es mir. Wenn ja, lasse ich Ihnen ein bißchen übrig.«
»Sie sind die beste Nachbarin der Welt!« versicherte er und rannte dann eilig die Treppen hinunter, um nicht zu spät in die Klinik zu kommen.
Sie sah ihm kopfschüttelnd, aber mit einem liebevollen Lächeln nach, bevor sie die Tür schloß. Carola Senftleben war sechsundsechzig Jahre alt, also mehr als dreißig Jahre älter als Adrian Winter – doch besser hätten sie sich auch nicht verstehen können, wenn sie gleichaltrig gewesen wären. Sie unterhielten sich gern miteinander, die Themen waren ihnen noch nie ausgegangen. Wenn sie sich wegen Adrians Dienstplan oder Frau Senftlebens Opernleidenschaft ein paar Tage nicht sahen, freuten sie sich um so mehr auf ihr nächstes Treffen. Vor kurzem war Carola Senftleben für zehn Tage auf Mallorca gewesen, um dem schlechten Wetter in Deutschland zu entfliehen – und danach hatten sie ein richtiges kleines Wiedersehensfest gefeiert.
Sie sah auf die Uhr und beschloß, sofort mit dem Kochen anzufangen. Sie hatte an diesem Abend noch so viel zu erledigen, daß sie sich besser ein bißchen beeilte.
*
»Wann ist der Wagen fertig?« erkundigte sich Josef van Auffen bei seinem Sohn Konstantin, der an diesem Abend zu Besuch bei seinen Eltern in Potsdam war.
»Herr Anders wußte es nicht genau, er wollte aber heute noch damit anfangen. Es kann ein paar Tage dauern, du weißt doch, das ist eine ziemliche Bastelei.«
»Eigentlich sollte ich gar nicht mehr damit fahren«, brummte sein Vater. »Das kostet mich ein Vermögen. Ich sollte den Wagen in eine Ausstellungshalle stellen und Eintritt verlangen, damit die Leute ihn bestaunen dürfen.«
»Warum tust du es nicht?« erkundigte sich Konstantin. Er sah seinem noch immer sehr gut aussehenden Vater ähnlich – allerdings waren seine Haare dunkel, während die seines Vaters bereits völlig ergraut waren. Außerdem war Konstantin im Gegensatz zu Josef schlank und durchtrainiert.
Auch Konstantins Mutter Olga war eine attraktive Frau, aber wie ihr Mann war sie im Laufe der Jahre immer rundlicher geworden – die van Auffens waren vermögende Leute, sie aßen und tranken gern gut, bewirteten häufig Gäste und bewegten sich, wie ihr einziger Sohn ihnen ständig vorhielt, viel zu wenig. Dabei waren beide noch nicht einmal sechzig.
»Du hast doch Autos genug«, fuhr Konstantin fort. »Nimm die Limousine für die ganz besonderen Anlässe und laß sie ansonsten in der Garage stehen. Oder verkauf sie endlich, solange dir noch jemand einen guten Preis dafür bezahlt. Außerdem täte euch beiden etwas mehr Bewegung nur gut, ihr könntet einfach häufiger zu Fuß gehen.«
»Ich wußte, daß du das jetzt sagen würdest«, seufzte sein Vater. »Laß uns unser Leben so führen, wie wir das für richtig halten, Konstantin. Du wirst uns nicht mehr ändern.«
»Ich hoffe doch, zumindest in diesem einen Punkt«, widersprach Konstantin ungewöhnlich ernst. »Ihr werdet nicht alt werden, Vater, wenn ihr so weitermacht. Du arbeitest zuviel, du ißt und trinkst zuviel und du bewegst dich zuwenig.« Er wandte sich seiner Mutter zu. »Und für dich, Mama, gilt im Prinzip das Gleiche.«
Olga vergötterte ihren Sohn, sie hatte es noch nie geschafft, ihm zu widersprechen – nicht einmal, wenn er sie kritisierte. »Das wissen wir doch, Konny!« sagte sie weich. »Aber bisher sind wir ja noch ziemlich fit – oder etwa nicht?«
»Na, ich weiß nicht, Mama«, meinte Konstantin. »Schwimmt ihr wenigstens regelmäßig, wo ihr euch schon diesen riesigen Pool ins Haus habt bauen lassen?«
Seine Eltern wechselten einen kurzen Blick, der Bände sprach.
»Also nicht einmal das!« rief er. »Ich fasse es wirklich nicht!«
Seinem Vater wurde es zu viel. »Hör auf, Junge. Wir werden wieder regelmäßig schwimmen, deine Mutter und ich. Das darfst du als Versprechen ansehen.«
»Na, schön.« Konstantin begriff, daß er das Thema wechseln mußte, wenn er seinen Vater nicht ernsthaft verärgern wollte, und so begann er, von seiner Arbeit bei einem Internet-Unternehmen zu erzählen. Aber dadurch hob sich die Laune seines Vaters auch nicht, denn er fand, sein Sohn solle ›etwas Richtiges‹ machen und nicht in einem ›Laden seine Zeit verschwenden, der in spätestens einem Jahr sowieso Pleite macht‹. So oder so ähnlich hatte sich Josef van Auffen, der selbst Bankier war, schon öfter geäußert. Er hätte es am liebsten gesehen, wenn Konstantin ebenfalls ins Bankgewerbe gegangen wäre, doch sein Sohn hatte andere Pläne gehabt und diese bisher auch höchst eigensinnig verfolgt.
Konstantin hatte Informatik studiert und einen hervorragenden Abschluß gemacht. Jetzt war er sechsundzwanzig und hatte beschlossen, sich in den nächsten Jahren ein wenig umzusehen, bevor er sich endgültig entschied, wohin seine berufliche Reise gehen sollte.
