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Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Extra Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. Vincent Astner schaute gelangweilt auf das Fernsehbild. Er hatte sich die Zehn-Uhr-Nachrichten angeschaut und dann durch alle Kanäle geschaltet. Doch keine Sendung fesselte seine Aufmerksamkeit. Er gähnte und schaltete den Fernseher aus. Dann stand er auf, nahm das leere Weinglas und die Tüte mit den Grissinis vom Tisch und brachte alles in die Küche. Sein Blick fiel durch das Fenster nach draußen. Es war noch früh im Jahr und schon lange dunkel. Der große Garten lag still da. Kein Lüftchen regte sich. Vincent warf einen Blick auf die Uhr. Schon halb elf. Wo blieb nur Melinda? Seine Schwester hatte das Haus kurz nach achtzehn Uhr verlassen und gesagt, sie werde bald zurück sein. Vincent wurde unruhig. Hoffentlich war ihr nichts geschehen. Melinda und Vincent Astner waren in einem schönen Anwesen in einem Vorort von München aufgewachsen. Die Eltern waren wohlhabend gewesen und hatten es ihren Kindern an nichts fehlen lassen. Beide hatten eine gute Ausbildung an einer Privatschule genossen, und Melinda hatte sich entschlossen, Journalistin zu werden. Vincent hingegen trat nach seiner Ausbildung als Werbekaufmann in die väterliche, erfolgreiche Werbeagentur ein. Vor drei Jahren wurde das schöne, friedliche Leben, das sie führten, aber jäh durch ein Lawinenunglück zerstört, bei dem Veronika und Heiner Astner ums Leben kamen.
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Seitenzahl: 122
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Vincent Astner schaute gelangweilt auf das Fernsehbild. Er hatte sich die Zehn-Uhr-Nachrichten angeschaut und dann durch alle Kanäle geschaltet. Doch keine Sendung fesselte seine Aufmerksamkeit. Er gähnte und schaltete den Fernseher aus. Dann stand er auf, nahm das leere Weinglas und die Tüte mit den Grissinis vom Tisch und brachte alles in die Küche. Sein Blick fiel durch das Fenster nach draußen. Es war noch früh im Jahr und schon lange dunkel. Der große Garten lag still da. Kein Lüftchen regte sich.
Vincent warf einen Blick auf die Uhr. Schon halb elf. Wo blieb nur Melinda? Seine Schwester hatte das Haus kurz nach achtzehn Uhr verlassen und gesagt, sie werde bald zurück sein. Vincent wurde unruhig. Hoffentlich war ihr nichts geschehen.
Melinda und Vincent Astner waren in einem schönen Anwesen in einem Vorort von München aufgewachsen. Die Eltern waren wohlhabend gewesen und hatten es ihren Kindern an nichts fehlen lassen.
Beide hatten eine gute Ausbildung an einer Privatschule genossen, und Melinda hatte sich entschlossen, Journalistin zu werden.
Vincent hingegen trat nach seiner Ausbildung als Werbekaufmann in die väterliche, erfolgreiche Werbeagentur ein. Vor drei Jahren wurde das schöne, friedliche Leben, das sie führten, aber jäh durch ein Lawinenunglück zerstört, bei dem Veronika und Heiner Astner ums Leben kamen.
Melinda hatte einen schweren Schock erlitten, und auch Vincent konnte den plötzlichen Tod der Eltern schwer verkraften. Da die beiden nur eine Cousine ihres Vaters hatten, die zudem in Österreich wohnte, und es sonst keine Verwandten gab, beschlossen sie, zusammen ihr Elternhaus zu bewohnen. Das fiel ihnen nicht schwer, da sie schon immer eine innige Beziehung zueinander gehabt hatten.
Deshalb war Vincent inzwischen ernsthaft beunruhigt. Wo blieb Melinda nur?
Nervös holte er das Telefon und versuchte sie über Handy zu erreichen. Doch er hatte kein Glück, es antwortete nur eine weibliche Stimme, daß der Teilnehmer nicht zu erreichen sei.
Gerade hatte er das Telefon zur Seite gelegt, als es klingelte.
Vincent hob ab. Er wurde blaß, während er lauschte.
»Ja, natürlich, ich habe verstanden. Ich komme sofort.«
Er legte den Hörer auf. Hastig zog er eine Jacke über, griff nach dem Autoschlüssel und verließ das Haus.
Dr. Hans-Georg Leitner betrachtete besorgt die blasse junge Frau, die sein Freund und Kollege Daniel Norden vor einer Stunde in die Leitner-Klinik bringen ließ und die jetzt in einen unruhigen Schlaf gefallen war. Sie war zu Dr. Norden gekommen, um einen Schwangerschaftstest machen zu lassen und war bei Daniel in der Praxis zusammengebrochen. Dieser hatte nicht gezögert und die Patientin in die Klinik eingeliefert.
Melinda Astner war im dritten Monat schwanger, wie Dr. Leitner bei einer Ultraschalluntersuchung feststellte. Doch woher dieser Schwächeanfall gekommen war, konnte er noch nicht erklären, denn es gab keine Anzeichen einer Erkrankung. Deshalb erwartete er die Ergebnisse der Blutuntersuchung aus dem Labor.
Nachdem die Identität und der Wohnort der jungen Frau anhand der Papiere, die sie bei sich trug, festgestellt werden konnte, hatte Georg Leitner dort angerufen und mit ihrem Bruder telefoniert. Dieser wollte auch sofort kommen.
Leise betrat Schwester Isabella den Untersuchungsraum.
»Herr Astner ist gekommen. Er möchte seine Schwester sehen«, sagte sie.
»Ich möchte zuerst mit ihm sprechen. Sie ist gerade eingeschlafen und soll jetzt nicht gestört werden.«
Schwester Isabella nickte nur.
»Guten Abend, Herr Astner, ich bin Dr. Leitner«, begrüßte Hans-Georg Vincent Astner. Er sah einen jungen Mann mit offenem Gesicht vor sich, der ihm auf Anhieb sympathisch war.
»Bitte setzen Sie sich!«
»Darf ich zuerst meine Schwester sehen?« fragte Vincent besorgt.
»Sie ist gerade eingeschlafen, und ich möchte gerne ein paar Informationen von Ihnen. Später können Sie zu ihr.«
»Was ist geschehen?«
Kurz schilderte Georg Leitner die Vorkommnisse.
Vincent war vor den Kopf gestoßen.
»Melli ist schwanger? Aber wieso hat sie mir nichts davon gesagt?«
»Ich kenne viele Geschwister, die solche Intimitäten nicht teilen würden. Zumal die Schwangerschaft ja noch am Anfang ist, erst in der neunten Woche.«
»Ich möchte betonen, daß zwischen Melinda und mir ein absolutes Vertrauensverhältnis besteht. Wir haben uns schon immer gut verstanden, und seit dem Tod unserer Eltern stehen wir uns besonders nahe. Ich war immer für Melli da, als es ihr so schlecht ging, deswegen kann ich gar nicht verstehen, warum sie mir so etwas verschweigt.«
Vincent war sichtlich vor den Kopf gestoßen.
»Wissen Sie, wer der Vater sein könnte?« fragte Dr. Leitner.
»Keine Ahnung. Soviel ich weiß, hatte sie in letzter Zeit keinen Freund. Aber offensichtlich bin ich in ihr Leben nicht so eingeweiht, wie ich es dachte«, sagte er leise.
»Verletzter Stolz ist jetzt nicht angebracht, Herr Astner. Die Gesundheit Ihrer Schwester ist wichtiger«, mahnte Georg Leitner.
Vincent zuckte unter den strengen Worten zusammen.
»Natürlich haben Sie recht. Ich bin ziemlich durcheinander. Wie geht es ihr und dem Kind?«
»Körperlich scheint alles in Ordnung zu sein, aber Ihre Schwester ist physisch und offenbar auch psychisch sehr angegriffen. Ist Ihnen in letzter Zeit etwas aufgefallen?«
»Ehrlich gesagt bin ich beruflich momentan sehr eingespannt, so daß ich Melli nicht so oft wie sonst gesehen habe. Aber Sie haben recht. Als sie heute abend das Haus verließ, schien sie sehr nervös zu sein. Warum habe ich das nur nicht beachtet?«
»Hinterher ist man immer klüger. Sie können das wieder gutmachen, wenn Sie jetzt viel Zeit für sie haben. Vielleicht vertraut sie Ihnen an, was geschehen ist. Das wäre eine große Hilfe für uns, damit wir ihr optimal helfen können.«
»Ich werde tun, was ich kann«, antwortete Vincent betreten. »Darf ich sie jetzt sehen?«
»Natürlich. Aber wecken Sie sie bitte nicht, wenn sie schläft. Ruhe ist sehr wichtig für sie.«
Leise betrat Vincent das Krankenzimmer.
Melinda war inzwischen aufgewacht und wandte den Kopf zur Tür. Ein Lächeln erschien auf ihrem blassen Gesicht, als sie ihren Bruder sah.
»Vince, mein Lieber, gerade habe ich mir gewünscht, du wärest hier!« sagte sie leise und streckte ihm die Hand entgegen.
»Schwesterchen, was machst du denn für Sachen? Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht«, sagte Vincent liebevoll, während er sich einen Stuhl ans Bett zog und ihre Hand ergriff.
»Ich war bei Dr. Norden. Bei der Untersuchung wurde mir auf einmal schwindlig, und dann muß ich kurz ohnmächtig geworden sein. Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf einer Liege, und der Doktor hatte schon einen Krankenwagen bestellt. Eigentlich wollte ich nicht hierher, aber er hat darauf bestanden.«
»Es ist besser so, Melli. Mir scheint, du brauchst Ruhe. Einfach so wird man ja nicht ohnmächtig«, antwortete Vincent und spielte den Ahnungslosen. Er wollte herausfinden, ob Melinda ihm noch vertraute.
»Es ist nicht einfach so, Vince. Ich bin schwanger. Da kommt es schon einmal vor, daß der Körper verrückt spielt«, gestand sie und senkte den Blick.
Vincent atmete auf. Zumindest hatte sich an ihrem guten Verhältnis nichts geändert. Aber warum hatte sie ihm nicht von dem Vater des Kindes erzählt? Ein unbehaglicher Gedanke beschlich ihn, als er drei Monate zurückdachte, denn da hatte er um den Auftrag eines einflußreichen Kunden gekämpft. Die Ausarbeitung eines Marketingkonzeptes hatte seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch genommen und er war über mehrere Wochen nicht ansprechbar gewesen. Wenn er genau darüber nachdachte, hatte sich Melinda in dieser Zeit sehr von ihm zurückgezogen. Ihm war das nicht weiter aufgefallen, so sehr war er mit diesem wichtigen Auftrag beschäftigt gewesen.
»Warum hast du mir nichts davon erzählt, Melli?« fragte er nun vorsichtig.
»Ach, Vince, ich schäme mich so furchtbar«, brach es aus ihr hervor, und die Tränen rannen über ihr Gesicht.
Vincent nahm sie in die Arme, und es dauerte eine ganze Weile, bis sie sich so beruhigt hatte, daß sie weitersprechen konnte.
»Du weißt doch, daß ich vor einem halben Jahr bei dieser neuen Frauenzeitschrift im Ressort Kultur angefangen habe.«
»Ist das schon wieder ein halbes Jahr her?« fragte Vincent ehrlich erstaunt.
»Ja, so schnell vergeht die Zeit. Die Arbeit hat mir von Anfang an großen Spaß gemacht, und die Kollegen waren alle sehr nett zu mir. Besonders nett war mein
Chefredakteur, Uli Dohmke. Er ist ein interessanter Mann Mitte Vierzig, und ich fühlte mich sehr geschmeichelt, daß er mich unter seine Fittiche nahm, um mir alles zu zeigen.«
»Das alte Spielchen, das kennen wir ja«, knurrte Vincent ärgerlich.
»Nein, Vince, da muß ich Uli verteidigen. Zuerst hatte er wirklich keine schlechten Absichten, und ich war fasziniert von seiner Art, die Dinge zu sehen. Er ist ein brillianter Journalist, und du kennst ja meinen Ehrgeiz. Ich wollte von ihm lernen. Uli fühlte sich sehr geschmeichelt und arrangierte eine gemeinsame Reportage. Wir verbrachten viel Zeit miteinander und verstanden uns prächtig. Noch nie hat mir ein Mann so sehr das Gefühl gegeben, daß er mich und meine Gedanken ernst nimmt. Es war so anders als bisher, und natürlich habe ich mich in ihn verliebt, obwohl Liebe am Arbeitsplatz nicht gern gesehen ist.«
»Ich dachte schon, er wäre verheiratet.«
»Nein, das ist er nicht, und eigentlich hätte genau das mich stutzig machen müssen. Aber laß’ mich der Reihe nach erzählen.« Sie holte tief Luft und sprach dann weiter.
»Ich weiß heute auch nicht mehr, warum ich so naiv war. In jeder Zeitung kann man von diesen Dingen lesen, aber ich war überzeugt, daß es auch bei Uli die große Liebe ist. Zumindest hat er es immer gesagt. Dazu kam, daß du in dieser Zeit sehr beschäftigt warst und meine paar Versuche mit dir zu sprechen, scheiterten. Also habe ich die Sache für mich behalten. Es war mir auch lieber so, denn ich habe geahnt, daß du dieses Verhältnis nicht gutheißen würdest.«
»Kann man so sagen. Und ich hätte recht gehabt, oder?«
»Natürlich hättest du das. Aber ich wollte es einfach nicht wissen. Die Zeit mit Uli war wunderschön, obwohl es auch anstrengend war, denn die Kollegen sollten natürlich nichts erfahren. Mit der Zeit stellte ich aber fest, daß Uli sich veränderte. Er begann, mich unter Druck zu setzen. Er bat mich Arbeiten für ihn zu erledigen, zu denen er angeblich nicht gekommen war und gab die fertigen Artikel dann unter seinem Namen ab.«
»Kurz gesagt, er begann dich auszunutzen, weil er sich deiner Liebe sicher war.«
»So kann man es sagen. Am Anfang kapierte ich natürlich nichts, doch mit der Zeit ging mir ein Licht auf. Als ich versuchte, mich zur Wehr zu setzen, wurde er richtig fies. Er drohte, mir etwas anzutun. Ich bekam Angst, aber wie hätte ich mich wehren sollen?«
»Was ist geschehen?« unterbrach sie Vincent scharf.
»Einmal hat er mich geschlagen. Der Schlag hatte eine solche Wucht, daß ich mit dem Kopf an die Tür geknallt bin. Offenbar hat ihn das wieder zur Besinnung gebracht. Er hat es sehr bereut und mir geschworen, so was nie wieder zu tun. Ich habe ihm nicht geglaubt und bin geflüchtet. Das war vor zwei Wochen. Seitdem habe ich ihn nicht mehr getroffen, und im Büro gehe ich ihm aus dem Weg. Leider habe ich inzwischen festgestellt, daß ich schwanger bin. Ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte, denn ich habe ja eine Spirale. Wenn er es erfährt, schlägt er mich tot, das hat er einmal gesagt. Ich habe solche Angst«, flüsterte sie mit zitternder Stimme.
Betroffen sah Vincent auf seine Schwester, die mit den Tränen kämpfte. Alles hatte er sich vorstellen können, nur nicht, daß Melinda offenbar in die Hände eines Psychopathen geraten war.
»Meine arme Melli. Und ich war immer zu beschäftigt, um zu bemerken, in welchen Schwierigkeiten du steckst.«
»Vince, bitte, du kannst doch nichts dafür. Es ist allein meine Schuld. Wenn ich nur einen Funken Menschenkenntnis besäße, wäre mir das nicht passiert.«
»Schon viel erfahrenere Frauen sind schon auf solche Psychopathen hereingefallen. Das hat mit Menschenkenntnis nicht viel zu tun.«
»Glaubst du wirklich, daß er krank ist?« fragte Melinda ungläubig.
»Es klingt ganz danach. Ich bin dafür, daß du den Kerl anzeigst, damit ihm das Handwerk gelegt wird. Wahrscheinlich bist du nicht die erste, mit der er so was gemacht hat.«
»Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Aber ich will es auch nicht wissen. Ich habe jetzt genug Probleme, über die ich nachdenken muß. Außerdem kann ich ihn nicht anzeigen, weil ich keine Zeugen habe.«
»Das dürfte in dem Fall keine Rolle spielen. Ist dir was passiert, als er dich geschlagen hat?«
»Ich weiß es nicht genau. Ich hatte eine ziemlich große Beule am Kopf. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, habe ich seitdem oft Kopfschmerzen, und mir ist schwindlig. Deshalb bin ich bei Dr. Norden heute wohl auch zusammengebrochen.«
»Wir müssen mit Dr. Leitner sprechen. Du mußt dich gründlich untersuchen lassen«, sagte Vincent eindringlich.
Bevor sie jedoch antworten konnte, öffnete sich die Tür und Schwester Isabella kam herein.
»Entschuldigen Sie die Störung, aber es ist schon spät heute. Sie sollten jetzt gehen, Herr Astner, Ihre Schwester braucht Ruhe.«
»Aber natürlich, Schwester«, antwortete Vincent und stand auf. »Schlaf gut, Melli. Mach dir keine Sorgen mehr. Jetzt bin ich bei dir. Ich werde alles wieder gutmachen, was ich versäumt habe. Gemeinsam werden wir das Kind schon schaukeln.«
»Du bist so lieb, Vince. Es ist schön, daß ich dich habe. Gute Nacht.«
*
Es war schon spät, als Daniel Norden von der Praxis nach Hause kam. Die Kinder hatten bereits gegessen und sich in ihre Zimmer zurückgezogen. Danny mußte noch an einem Hausaufsatz schreiben. Inhaltlich wurden große Anforderungen von den Lehrern gestellt, und es erforderte seine ganze Konzentration. Felix hörte Musik und Anneka hatte sich in ein neues Buch aus der Bücherei vertieft, so daß sie alles um sich herum vergaß. Die Zwillinge schliefen bereits.
Daniel konnte also in Ruhe essen und sich mit seiner Frau unterhalten.
Er berichtete von Melinda Astner, die heute bei ihm in der Praxis zusammengebrochen war.
»Ich habe vorhin noch einmal mit Georg telefoniert. Es scheint ihr ganz gut zu gehen, zumal ihr Bruder lange bei ihr gewesen ist. Trotzdem kommt mir die ganze Geschichte merkwürdig vor.«
»Eine Schwangerschaft kann den Organismus schon ganz schön durcheinander bringen, Daniel«, gab Fee zu bedenken.
»Trotzdem habe ich das Gefühl, daß da noch etwas anderes dahinter ist. Leider konnte ich nicht viel mit Frau Astner sprechen. Aber sie machte einen sehr abgespannten, gehetzten Eindruck.«
»Hat Schorsch schon mit dem Bruder gesprochen?«
»Nicht, nachdem er bei seiner Schwester war. Vielleicht erfahren wir morgen mehr«, seufzte Daniel und fuhr sich mit der Hand über die Augen. Es war ein langer Tag gewesen, und er war müde.
