Wenn Ahnung zur Gewissheit wird - Patricia Vandenberg - E-Book

Wenn Ahnung zur Gewissheit wird E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Extra Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Das ist es! Von so einem Haus habe ich immer geträumt«, rief Mario Cornelius, als er die alte Jugendstilvilla entdeckte, die in einem großen Garten inmitten einer honorigen Siedlung in München stand. »Ein Möbelwagen steht davor. Wer weiß, vielleicht steht es demnächst zum Verkauf oder wird vermietet. Wollen wir uns mal umsehen?« fragte er seinen Schwager. Dr. Daniel Norden hatte seinen Wagen angehalten und blickte forschend durch die Seitenscheibe. »Ein schönes Anwesen. Ich fürchte nur, das sprengt dein Budget, auch wenn es zu haben sein sollte.« »Wie dem auch sei. Ich möchte wenigstens einen Blick darauf werfen.« »Das ist Hausfriedensbruch, mein Lieber«, schmunzelte Daniel, ließ sich aber dennoch dazu herbei, aus dem Wagen zu steigen. Langsam ging er an dem schmiedeeisernen Zaun entlang. Mario folgte ihm auf den Fersen, den Blick fest auf das schöne, altehrwürdige Haus geheftet. »Es wäre zu schön, um wahr zu sein. Zumal der Weg zu meiner Firma Vita-Pro nicht weit ist.« »Ich fürchte, der Traum platzt gerade.

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Seitenzahl: 115

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Dr. Norden Extra – 63 –Wenn Ahnung zur Gewissheit wird

Tage voller Schrecken für Manuela

Patricia Vandenberg

»Das ist es! Von so einem Haus habe ich immer geträumt«, rief Mario Cornelius, als er die alte Jugendstilvilla entdeckte, die in einem großen Garten inmitten einer honorigen Siedlung in München stand. »Ein Möbelwagen steht davor. Wer weiß, vielleicht steht es demnächst zum Verkauf oder wird vermietet. Wollen wir uns mal umsehen?« fragte er seinen Schwager. Dr. Daniel Norden hatte seinen Wagen angehalten und blickte forschend durch die Seitenscheibe.

»Ein schönes Anwesen. Ich fürchte nur, das sprengt dein Budget, auch wenn es zu haben sein sollte.«

»Wie dem auch sei. Ich möchte wenigstens einen Blick darauf werfen.«

»Das ist Hausfriedensbruch, mein Lieber«, schmunzelte Daniel, ließ sich aber dennoch dazu herbei, aus dem Wagen zu steigen. Langsam ging er an dem schmiedeeisernen Zaun entlang.

Mario folgte ihm auf den Fersen, den Blick fest auf das schöne, altehrwürdige Haus geheftet. »Es wäre zu schön, um wahr zu sein. Zumal der Weg zu meiner Firma Vita-Pro nicht weit ist.«

»Ich fürchte, der Traum platzt gerade. Sieh mal, da kommt eben eine junge Frau zur Tür heraus.« Tatsächlich trat eben Manuela Moretti, gefolgt von ihrer Schwester Lara aus dem Haus. Beide sahen sich in dem weitläufigen Garten um.

»Hast du gewusst, dass Großtante Lucia einen so erlesenen Geschmack hatte?« fragte Lara sichtlich beeindruckt.

»Nein, aber das kommt mir sehr entgegen. Als ich die Mitteilung vom Notar wegen der Erbschaft erhielt, dachte ich zunächst an ein renovierungsbedürftiges Haus mit verwildertem Garten. Jetzt bin ich wirklich erleichtert, dass das nicht zutrifft. Ein paar Umräummaßnahmen, und die Villa ist perfekt.«

»Ich weiß nicht recht. Ehrlich gesagt ist mir das alles zu viel. Die kostbaren Teppiche auf dem gepflegten Parkett, die Antiquitäten und die Ledersofas. All das ist mir eine Spur zu erdrückend.«

»Natürlich muss man die Einrichtung ein wenig ausdünnen. Das erledigen die Möbelpacker noch heute. Die Wände werde ich in hellen, freundlichen Farben streichen lassen«, befand sich Manuela gedanklich schon inmitten der Renovierungsarbeiten. »Willst du gleich hierbleiben heute Nacht?« fragte Lara überrascht. »Du etwa nicht? Außerdem dachte ich, wir ziehen hier gemeinsam ein. Immerhin sind wir beide alleinstehend. Kein Mann spricht dagegen.«

Laras Blick war inzwischen auf die beiden Zaungäste gefallen, die sich immer noch nicht von dem herrlichen Anblick hatten trennen können.

»Das scheint mir aber ganz anders. Kennst du die beiden? Oder einen davon?«

Manuela sah hinüber zu Dr. Daniel Norden und seinem Schwager Mario.

»Nein, aber ich denke, das lässt sich ändern.« Mit entschlossenen Schritten machte sie sich auf den Weg zum Zaun. »Guten Tag, meine Herren, was kann ich für Sie tun?« fragte sie freundlich, aber reserviert.

Mario ließ sich davon nicht abschrecken. Er lächelte offenherzig und erklärte bereitwillig:

»Mein Schwager und ich kommen von einem Besichtigungstermin. Leider war die Wohnung zu klein. Denn im Grunde genommen suche ich ein Haus wie dieses hier. Es ist wunderschön.«

»Das konnten wir neulich auch feststellen.«

»Steht es zum Verkauf?«

»Leider muss ich Sie enttäuschen. Wie haben schon vor einer Weile beschlossen, das Erbe meiner verstorbenen Großtante anzunehmen und selbst hier zu wohnen.«

»Das kann ich Ihnen nicht verdenken«, gab Mario mit einem sehnsüchtigen Blick auf die alte Fassade zurück. Trotz der Absage war er nicht enttäuscht. »Ich wünsche Ihnen viel Glück in Ihrem neuen Heim.«

»Vielen Dank. Auf Wiedersehen.« Damit wandte sich Manuela ab und ging mit wiegenden Schritten zu ihrer Schwester zurück. Auf halbem Weg blieb sie stehen und drehte sich noch einmal um. »Und viel Glück bei der weiteren Suche.«

Mario blickte ihr bewundernd nach.

»Ich könnte mir gut vorstellen, mit einer Frau wie dieser in einem solchen Haus zu leben und einen Stall voll Kinder großzuziehen«, bemerkte er nachdenklich, während er an Daniels Seite zum Wagen zurückging.

»Das glaube ich gerne. Allerdings gibt es ein solches Glück nicht geschenkt. Das muss man sich redlich verdienen und ein Leben lang hart dafür arbeiten«, wusste der Arzt aus eigener Erfahrung zu berichten. Mario nickte unbekümmert. Im Grunde hatte er nicht vor, sich jetzt schon ernsthaft zu binden. Er war noch jung und wollte sein Leben genießen, ehe es ernst wurde für ihn. Als sie am Haus der beiden Schwestern vorbeifuhren, hatte sich die Tür hinter den beiden Frauen längst wieder geschlossen, und der Garten lag ruhig und friedlich in der Nachmittagssonne.

Das beobachtete auch Larissa Köbele, die wenig später mit ihrem Freund Hartmut Schiller an der alten Villa vorbeifuhr. Allerdings kam sie nicht rein zufällig hierher. Ihre zornige Miene sprach Bände.

»Dafür habe ich Jahre meines Lebens geopfert und Lucia Moretti selbstlos gepflegt. Und was habe ich jetzt davon? Ein bisschen wertlosen Schmuck und ein paar Aktien einer lächerlichen Heilmittel-Firma«, schimpfte sie wütend.

»Ich habe dir gesagt, dass deine Rechnung nicht aufgehen wird. Aber mir wolltest du ja keinen Glauben schenken«, erwiderte Hartmut ungerührt. »Vergiss die Sache einfach, freu dich über den Schmuck und die Aktien und verdiene dein Geld weiterhin auf ehrliche Art und Weise«, empfahl er ihr mit gesundem Menschenverstand.

Doch damit war er bei Larissa an der falschen Adresse.

»Das ist mal wieder typisch Hartmut! Man merkt einfach immer, dass du ein spießiger Beamtensohn bist und vermutlich den Rest deines Lebens bleibst.«

Diesen Vorwurf hatte Hartmut schon mehr als einmal gehört. »Warum bist du überhaupt mit mir zusammen, wenn ich so langweilig bin?« fragte er resigniert und nicht im Mindesten aufgeregt.

Larissa, die den Blick nicht von dem Anwesen wenden konnte, hatte eine spitze Antwort auf den Lippen, als ihr eine Idee durch den Kopf schoss. Urplötzlich wechselte sie ihren Gesichtsausdruck.

»Weil du andere Qualitäten hast, mein Lieber«, säuselte sie. »Du bist zuverlässig und besitzt moralische Werte, die man bei modernen Männern heutzutage nur noch selten findet. Außerdem siehst du extrem gut aus. Und du liebst mich.«

»Das tue ich allerdings. Von ganzem Herzen«, erklärte Hartmut liebevoll und streichelte zärtlich Larissas Gesicht. Doch die war noch nicht am Ende angelangt und musste sich beherrschen, seine Hand nicht ungeduldig wegzuschlagen. »Sag mal, interessierst du dich eigentlich immer noch für die Stelle als Stadtkämmerer?« fragte sie stattdessen lauernd. Hartmut warf seiner Freundin einen irritierten Blick zu.

»Natürlich. Ich warte jeden Tag auf eine Antwort auf meine Bewerbung. Warum fragst du?«

»Weil ich gerade heute erfahren habe, dass ich möglicherweise doch Einfluss habe auf die Auswahl des Kandidaten.«

»Und das sagst du erst jetzt?«

»Es tut mir leid. Ich hatte es ganz vergessen über der Trauer, die Villa nicht zu bekommen«, spielte Larissa ihre Rolle als unglückliche Verliererin perfekt. Sie presste sich ein paar Tränen aus den Augen und betupfte sich das Gesicht mit einem Taschentuch. »Meine Patientin Rita Haselböck hat Beziehungen zum Stadtrat und könnte etwas für uns tun.« Sie unterdrückte ein gespieltes Schluchzen. »Du hast einfach immer Glück im Leben. Und ich, ich gehe ständig leer aus und werde immer eine kleine arme Altenpflegerin bleiben.«

Beim Anblick seiner todtraurigen Freundin wurde Hartmut das Herz schwer. Liebevoll legte er den Arm um ihre Schultern.

»Das darfst du nicht sagen, mein Liebling. Du weißt genau, dass ich alles tue, um dich glücklich zu machen.«

Schlagartig schien Larissa getröstet und blinzelte Hartmut aus feuchten Augen an.

»Wirklich? Ist das dein Ernst?«

»Selbstverständlich. Ich beweise es dir, wenn du willst. Was soll ich tun?«

»Besorge mir dieses Haus.«

Hartmut riss die Augen auf vor Schreck. Mit so einer unverschämten Forderung hatte er nicht gerechnet. Mitunter kannte Larissa einfach kein Maß und kein Ziel.

»Wo denkst du hin? Das kann ich nicht«, rief er empört. »Wie stellst du dir das vor?«

»Du hast wirklich keinen Funken Fantasie. Mach einer der Erbinnen schöne Augen und gewinne ihr Herz. Sie wird im Handumdrehen dahinschmelzen und sich unsterblich in dich verlieben. Das ist der richtige Zeitpunkt, um ihr einen Rat zu geben«, hatte Larissa sofort einen fertigen Plan parat.

»Welchen Rat?«

»Das Haus samt Grundstück an Alfred Haselböck zu verkaufen«, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen.

»Wer ist Alfred Haselböck?«

»Habe ich dir noch nicht von ihm erzählt?« fragte Larissa scheinheilig und strich sich eine wasserstoffblonde Strähne aus dem Gesicht. »Alfred ist der Sohn von Rita. Er ist Architekt und plant ein ehrgeiziges Projekt. Das traurige Schicksal seiner Mutter hat ihn auf diese Idee gebracht. Exklusiv Wohnen im Alter, stadtnah, aber doch mitten in der Natur. Das Grundstück von Lucia Moretti wäre perfekt für diesen Plan. Wenn du die Erben überzeugst zu verkaufen, werden wir den Rest unseres Lebens davon profitieren«, erklärte sie beschwörend und schenkte Hartmut ihr süßestes Lächeln. Dem stand er machtlos gegenüber. Die Liebe zu Larissa Köbele machte ihn beinahe willenlos, ihr Blick ließ ihn dahinschmelzen. »Also schön, ich werde darüber nachdenken«, willigte er schließlich halbherzig in ihren Vorschlag ein. Sofort wurde er mit ihrer Begeisterung, mit der sie im Alltag nur allzu sparsam umging, belohnt. »Mein Hase, ich wusste, dass du zu mir halten würdest, in guten wie in schlechten Tagen«, rief sie überschwänglich und schlang die Arme um seinen Hals, so gut es in dem engen PKW möglich war. Hartmuts Blick fiel indes über ihre Schulter auf das Haus.

»Schnell, wir sollten machen, dass wir davonkommen. Zwei Frauen verlassen gerade die Villa.« So sahen Lara und Manuela nur noch die Rücklichter eines dunklen Kleinwagens, als sie nach getaner Arbeit durch das schmiedeeiserne Tor nach draußen auf den Gehweg traten. »Der hat es aber eilig«, konstatierte Lara kopfschüttelnd. »Eine seltsame Gegend hier, ich muss schon sagen. Zaungäste, davonrasende Autos. Tante Lucia wird schon ihren Grund gehabt haben, warum sie uns das Haus vererbt hat.«

Dazu lachte Manuela lauthals.

»Glücklicherweise bin ich die Tapfere von uns beiden und habe keine Angst. Es ist schon gut, dass du in deiner kleinen Stadtwohnung bleibst.«

»Finde ich auch. Die passt ohnehin besser zu mir als dieses mondäne Schlösschen.« Damit wandte sich Lara endgültig von der Villa ab. Ihre Entscheidung war gefallen, und alleine machte sie sich auf den Weg zum Bahnhof, um in die nahe Münchner Innenstadt zurückzufahren, während Manuela am Zaun stehen blieb, um die erste Nacht in ihrem neuen alten Haus zu verbringen.

*

Die Geige von Tobias Schmied schickte eine melancholische Weise durch die Gasse, die er sich diesmal ausgesucht hatte, um kunstsinnigen Passanten sein virtuoses Spiel vorzuführen. Es dämmerte bereits, und seine Finger waren inzwischen klamm. Doch das Publikum, das sich eingefunden hatte, um ihm zuzuhören, feuerte Tobias zu immer neuen Stücken an, sodass er einfach nicht aufhören konnte. Auch dem Hut, den er vor sich auf den Boden gestellt hatte, bekam diese Tatsache gut. Mit einem heimlichen Blick beobachtete Tobias erleichtert, wie sich Münze zu Münze fügte, und hie und da auch ein Geldschein seinen Weg in den Hut fand. »Bravo, das war wirklich eine Meisterleistung«, applaudierte eine besonders beharrliche junge Dame, die ihm schon eine ganze Weile zuhörte und den Geiger nicht aus den Augen ließ. »So brillant habe ich den Hummelflug von Rimski Korsakow noch nie gehört.« »Sie machen mich ganz verlegen«, antwortete Tobias nur für sie hörbar, während er sich vor seinem Publikum verbeugte. »Das müssen Sie nicht sein. Ich finde, es ist eine Schande, dass ein so guter Musiker wie Sie auf der Straße auftreten muss«, beharrte Lara impulsiv, wie es ihre Art war. »Ich bin froh, dass ich wenigstens diese Möglichkeit habe, etwas Geld zu verdienen. Ansonsten wäre es schlecht um meine Existenz bestellt.«

Das war alles, was Tobias dazu sagen mochte und hob erneut seine Geige, um ein neues Lied anzustimmen. Das Publikum war inzwischen weniger geworden, doch einige Passanten forderten beharrlich eine Zugabe um die andere. Auch Lara klatschte begeistert in die Hände, als sie einen plötzlichen Ruck an ihrer Handtasche fühlte. »He, was soll denn das?« drehte sie sich mit einem empörten Ausruf um und klammerte sich am Gurt ihrer Tasche fest. Noch ehe sie wusste, wie ihr geschah, fühlte Lara einen stechenden Schmerz in der Kniekehle und sackte stöhnend zusammen. Diese Chance nutzte der Dieb, um ihr die Handtasche endgültig zu entreißen. Das ganze dauerte nur wenige Sekunden, sodass die anderen Passanten erst bemerkten, was geschehen war, als er mit seiner Beute davonlief.

»Frechheit, bleiben Sie sofort stehen!«

»Wir rufen die Polizei. Sie haben keine Chance«, tönten ihm die Rufe der Umstehenden nach. Ein paar wenige hatten den Mut und folgten dem Räuber. Doch der nutzte flink wie ein Wiesel eine Menschentraube, um dazwischen zu verschwinden. Unverrichteter Dinge kehrten die tapferen Männer zurück.

»Tut uns leid, da war nichts mehr zu machen«, bemerkte einer bedauernd zu Lara gewandt. »Sie sollten zur Polizei gehen und Anzeige erstatten.«

»Was sollte ich denn erzählen? Ich habe in der Dämmerung noch nicht mal sein Gesicht gesehen. Da habe ich wohl keine Chance«, bemerkte Lara geknickt. Sie hatte sich auf einen Steinwürfel neben den Geigenspieler gesetzt und rieb sich die schmerzende Kniekehle. »Mein Geld bekomme ich ohnehin nicht mehr zu Gesicht.«

»Und das alles ist meine Schuld«, seufzte Tobias sichtlich erschüttert. Lara blickte zu dem etwas ungepflegt wirkenden Mann auf und lächelte. »Warum das denn? Sie werden ihn doch nicht engagiert haben, um später die Beute mit ihm zu teilen?«

»Gott bewahre!« rief Tobias. »Natürlich nicht. Aber Sie standen nur wegen mir hier und haben jetzt ihr ganzes Geld verloren.«

»Na ja, ich war vorhin auf der Bank, ein paar Hunderter waren schon in der Börse. Das hat der Dieb wohl beobachtet«, zog Lara den richtigen Schluss.

Während sich die Passanten nach anfänglich aufgeregter Diskussion langsam entfernten und Tobias seine Geige für diesen Tag im Kasten verstaute, dachte er nach. »Wissen Sie was, ich habe heute gut verdient. Was halten Sie davon, wenn wir meine Tageseinnahmen teilen? Dann ist Ihr Verlust nicht so groß und mein schlechtes Gewissen auch nicht«, machte er ihr schließlich einen Vorschlag.

Lara starrte ihn ungläubig an. Damit hatte sie nicht im Entferntesten gerechnet.

»Das kann ich unmöglich annehmen. Ich bin zwar nicht reich, aber habe wohl noch ein bisschen mehr Geld zur Verfügung als Sie.«