Wenn ein Traum wahr wird - Patricia Vandenberg - E-Book

Wenn ein Traum wahr wird E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Extra Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Wie machst du es nur, daß du trotz deiner fünf Kinder so eine makellose Figur hast?« Rebecca Haffner warf Fee einen anerkennenden Blick zu. »So genau weiß ich das auch nicht.« Fee Norden lachte. »Die Kinder lassen mir einfach keine Zeit zum Faulenzen. Daran wird's wohl liegen. Aber du hast doch auch keinen Grund, dich zu beschweren.« Sie saß ihrer Gastgeberin auf der Terrasse gegenüber, und die beiden Frauen genossen die letzten wärmenden Sonnenstrahlen des ausklingenden Sommers. Doch Rebecca fehlte die rechte Fröhlichkeit, irgend etwas bedrückte sie. »Mit Kleidung kann man viel kaschieren«, seufzte sie. »Ich selbst bin eigentlich auch gar nicht so unzufrieden mit meiner Figur.« »Jetzt aber raus mit der Sprache, Becky. Dir liegt doch etwas auf der Seele!« Felicitas legte die Hand auf den Arm ihrer Freundin und warf ihr einen aufmunternden Blick zu. »Du kannst mir vertrauen.« »Das weiß ich doch. Ich will dir nur nicht das Gefühl geben, daß ich lästere.« »Um das zu denken, kenne ich dich viel zu gut. Es geht um Ingo, nicht wahr?«

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Seitenzahl: 136

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Dr. Norden Extra – 156 –Wenn ein Traum wahr wird

Patricia Vandenberg

»Wie machst du es nur, daß du trotz deiner fünf Kinder so eine makellose Figur hast?« Rebecca Haffner warf Fee einen anerkennenden Blick zu.

»So genau weiß ich das auch nicht.« Fee Norden lachte. »Die Kinder lassen mir einfach keine Zeit zum Faulenzen. Daran wird’s wohl liegen. Aber du hast doch auch keinen Grund, dich zu beschweren.« Sie saß ihrer Gastgeberin auf der Terrasse gegenüber, und die beiden Frauen genossen die letzten wärmenden Sonnenstrahlen des ausklingenden Sommers. Doch Rebecca fehlte die rechte Fröhlichkeit, irgend etwas bedrückte sie.

»Mit Kleidung kann man viel kaschieren«, seufzte sie. »Ich selbst bin eigentlich auch gar nicht so unzufrieden mit meiner Figur.«

»Jetzt aber raus mit der Sprache, Becky. Dir liegt doch etwas auf der Seele!« Felicitas legte die Hand auf den Arm ihrer Freundin und warf ihr einen aufmunternden Blick zu. »Du kannst mir vertrauen.«

»Das weiß ich doch. Ich will dir nur nicht das Gefühl geben, daß ich lästere.«

»Um das zu denken, kenne ich dich viel zu gut. Es geht um Ingo, nicht wahr?« Fee ließ nicht locker und schließlich gab Rebecca nach.

»Ja. Ich fürchte, er ist nicht zufrieden mit mir.«

»Wie kommst du denn nur darauf?«

»Ach, in letzter Zeit mäkelt er immer häufiger an mir herum. Dies mache ich nicht recht, und jenes paßt ihm nicht, obwohl ich mir alle erdenkliche Mühe gebe. Meine Figur paßt ihm offensichtlich überhaupt nicht.«

»Aber warum denn das? Kein Mensch sieht dir an, daß du zwei Kinder hast!« rief Felicitas ehrlich erstaunt aus.

»Mein Bauch ist nicht mehr so toll, da hat er schon recht. Das Bindegewebe ist ziemlich ausgeleiert. Da kann keine Gymnastik und keine Diät mehr helfen.«

»Dafür hast du ihm zwei schöne Töchter geschenkt«, erklärte Fee ungehalten.

»Davon will er gar nichts hören. Wenn wenigstens ein Sohn dabei gewesen wäre, aber so…« Becky verstummte, und Fee musterte sie fassungslos. Sie kannte Rebecca und Ingo schon seit der Zeit, als Anneka mit der älteren der beiden Haffner-Töchter in dieselbe Kindergartengruppe gegangen war. Auf Anhieb waren sich die beiden Frauen damals sympathisch gewesen und obwohl der Kontakt sehr lose war, verband die beiden Freundschaft. Hin und wieder waren die Paare auch gemeinsam ausgegangen, und Ingo hatte den Eindruck eines modern eingestellten, humorvollen Mannes gemacht. Doch offenbar täuschte das äußere Bild. Fee wollte ihrer Verwunderung gerade Luft machen, als die Zwillinge Jan und Dési aus dem weitläufigen Garten herangestürmt kamen, gefolgt von einem kleinen Hund, der sie lustig bellend umsprang.

»Momo ist ja so süß!« rief Dési begeistert und hielt inne, um dem Hund durch das wuschelige Fell zu streicheln.

»Ach, Mami, ich wünsche mir auch so einen Hund. Warum können wir kein Haustier haben?« bettelte Jan und griff nach einem Glas Limonade, das auf dem Tisch für ihn bereitstand.

»Lenni wird sich bedanken, wenn sie sich nicht nur um fünf Kinder, sondern auch noch um drei Meerschweinchen, zwei Hasen, eine Katze und einen Hund kümmern muß!« setzte sich Fee lachend zur Wehr.

»Aber wir wollen doch nur einen Hund haben. Bitte, bitte, Mami!«

Dési ließ sich nicht so schnell abschütteln.

»Damit ihr euch ständig darum streiten könnt, wer ihn an der Leine führen darf und wer ihm Futter macht! Und später, wenn ihr mal größer seid, will keiner mehr für das Tier verantwortlich sein.« Felicitas war in dieser Frage unerbittlich, obschon sie selbst eine große Tierfreundin war.

»Ihr müßt auch bedenken, daß ein Tier eine große Verantwortung ist. Es muß gefüttert und gebürstet werden. Dreimal am Tag will Momo spazieren gehen, und der Tierarzt kostet auch viel Geld. Darüber muß man sich klar sein, ehe mann so eine Verpflichtung über viele Jahre eingeht«, erklärte Rebecca den beiden.

»Dreimal am Tag spazierengehen? Wie langweilig!« Jan rümpfte die Nase, und die beiden Frauen lächelten sich zu.

»Und in den Urlaub könnten wir ihn auch nicht mitnehmen, weil unser Auto eh schon immer so voll ist«, bedauerte Dési und zog eine Schnute. Doch sofort hellte sich ihre Miene wieder auf. Offenbar hatte sie eine Idee gehabt. »Aber mit Momo dürfen wir doch sicher manchmal spazieren gehen, wenn Sina oder Anja keine Lust dazu haben?«

»Natürlich, kommt nur vorbei, sooft Ihr Lust habt.« Becky nickte dem eifrigen Mädchen wohlwollend zu.

»Du bist so nett, Becky. Und jetzt müssen wir wieder spielen. Momo ist schon ganz ungeduldig.« Jan hob einen Tennisball vom Boden auf und schleuderte ihn, so weit er konnte. Der kleine Hund sauste voll Energie hinterher, gefolgt von den beiden lachenden Kindern.

»So eine Rasselbande.« Fee sah ihren Sprößlingen nach und wandte sich dann wieder Rebecca zu, die den Kindern in Gedanken vertieft nachsah. »Du machst wirklich keinen sehr glücklichen Eindruck.« Sie dachte einen Augenblick nach. »Wenn dich deine Figur so sehr stört, kannst du ja mal mit Daniel sprechen. Vielleicht weiß der eine Lösung.«

»Meinst du wirklich?«

Beckys Miene hellte sich sschlagartig auf.

»Es kommt sogar vor, daß die Krankenkassen die Kosten für einen Eingriff übernehmen. Aber das muß Daniel zusammen mit Schorsch Leitner entscheiden.« Fee wollte ihrer Freundin nicht zu große Hoffnungen machen.

»Wer ist dieser Leitner?«

»Ein ehemaliger Studienkollege und Freund von Daniel. Er hat sich auf Frauenheilkunde spezialisiert und führt eine Frauenklinik, die einen hervorragenden Ruf hat. Vor allen Dingen ist er seriös, und ich kann ihn wirklich guten Gewissens empfehlen.«

»Ach, Fee, du ahnst nicht, was für einen Gefallen Daniel mir damit tun würde.« Rebecca war sichtlich angetan von dieser Idee.

»Ich spreche gleich heute abend mit ihm darüber.«

»Gut, dann kann ich morgen in der Praxis anrufen und einen Termin ausmachen.«

»Am besten verrätst du Ingo erst einmal nichts von deinen Plänen. Sonst ist er enttäuscht, wenn nichts daraus wird.«

»Natürlich nicht. Trotzdem freue ich mich jetzt schon auf sein Gesicht.« Jetzt war Rebecca wieder fröhlich. Der Gedanke daran, womöglich eine Lösung für ihr Problem gefunden zu haben, beschwingte sie sichtlich. Schon sah sie Ingos bewundernde Blicke vor sich, wenn sie erst wieder ihre alte Figur hatte. Mit keinem Gedanken dachte sie daran, daß womöglich nicht nur ihr Äußeres allein der Schlüssel zu seiner Unzufriedenheit war.

Nachdenklich kehrte Fee an diesem Abend mit den Zwillingen und Anneka, die mit den Haffner-Töchtern Sina und Anja gespielt hatte, nach Hause zurück.

»Was ist denn los mit dir, mein Schatz? Du siehst so nachdenklich aus.« Daniel musterte seine Frau besorgt, als sie nach dem Abendessen zu zweit im Wohnzimmer saßen und den gemeinsamen Feierabend genossen.

»Über manche Männer kann man auch gar nicht genug nachdenken«, erklärte sie mit einem tiefen Seufzer.

»Meinst du etwa mich?« Er warf ihr einen erschrockenen Blick zu. »Hab’ ich was falsch gemacht?«

»Würde es dich stören, wenn sich meine Figur nach den Schwangerschaften verändert hätte?« stellte sie eine Gegenfrage.

»Was soll diese Frage? Natürlich nicht. Ich liebe jede einzelne Falte und jedes Pölsterchen an dir, denn alle haben ihren Grund und sind ehrlich erworben. Wie kommst du nur auf so einen Unsinn?«

»Ich dachte mir, daß du so reagierst.« Wieder beantwortete sie seine Frage nicht, sondern lächelte ihm nur liebevoll zu.

»Warum fragst du mich dann?«

»Es geht um Rebecca. Die Mädchen haben heute miteinander gespielt, und wir Frauen haben die Gelegenheit zu einem kleinen Kaffeeklatsch genutzt. Sie machte einen ungewöhnlich bedrückten Eindruck, und ich sorgte mich. Auf meine Frage hin vertraute sie mir schließlich an, daß sich Ingo an ihrem schlaffen Bauch stört, den sie seit ihren Schwangerschaften einfach nicht mehr in Form kriegt.«

»Tja, leider gibt es diese Sorte Männer immer noch zu oft. Aber daß gerade Ingo dazu gehört, hätte ich nicht gedacht.« Daniel schüttelte ungläubig den Kopf.

»So kann man sich irren.«

»Was Beckys Problem mit ihrem Bindegewebe angeht, so könnte ich ihr vielleicht helfen. Wenn sie sehr darunter leidet, kann man die Notwendigkeit einer Operation gegenüber der Krankenkasse durchaus begründen.«

»Das habe ich ihr auch gesagt. Du hättest sehen müssen, wie sie sich darüber gefreut hat«, erinnerte sich Fee.

»Ich sehe allerdings ein Problem darin, wenn sie sich nur ihrem Mann zuliebe unters Messer legt. Immerhin birgt jede Operation ein Risiko«, gab er zu bedenken.

»Am besten sprichst du selbst einmal mit ihr darüber. Sie wollte sich ohnehin morgen einen Termin bei dir holen.« Fee hob ihr Glas, in dem der rubinrote Wein verführerisch schimmerte.

»Das halte ich für vernünftig. Wenn ich mir erst ein Bild von ihrem Problem gemacht habe, kann ich auch sagen, ob sie überhaupt eine Chance hat. Und jetzt laß uns auf unsere Ehe anstoßen und darauf, daß wir glücklicherweise solche Schwierigkeiten nicht haben.«

Die bauchigen Gläser gaben einen satten, tiefen Ton von sich, als sie sanft aneinanderstießen. Jetzt konnte Fee wieder lachen, und nachdem sie einen Schluck des köstlichen Weins genossen hatten, wandte sich ihr Gespräch den anderen Ereignissen des Tages zu.

*

Zu diesem Zeitpunkt beendete Ingo Haffner zusammen mit den Kindern sein Abendessen, auf das Rebecca seit einiger Zeit aus Figurgründen verzichtete. Wie so oft war er wieder einmal später nach Hause gekommen, sehr zum Leidwesen von Sina und Anja, die lange auf ihr Abendbrot hatten warten müssen, denn Ingo wollte nicht allein essen.

»Das war wieder so ein Tag«, seufzte er und legte die Gabel beiseite.

»Hattest du Ärger?« Mitfühlend erkundigte sich Rebecca nach den Sorgen ihres Mannes.

»Immer dieselbe Litanei, du kennst es ja. Manchmal würde ich den Kram am liebsten hinwerfen.«

»Wenn ich wieder arbeiten gehen würde, könntest du kündigen und dich in Ruhe nach einem anderen Job umsehen, der dir mehr Spaß macht«, überlegte Becky laut.

»Wo denkst du hin, Schatz? Mit deinem Hungerlohn als Radiomoderatorin kommen wir nicht weit. Und wer weiß, ob sie dich noch wollen nach so langer Zeit. Jetzt gibt es Jüngere mit mehr Pep, die den Anforderungen eher gewachsen sind.« Tröstend tätschelte er ihre Hand und übersah geflissentlich die Tränen, die ihr in den Augen standen. »Nein, nein, ich bin der Mann im Haus und sorge für den Unterhalt. Du bist besser hier aufgehoben, die Kinder brauchen dich schließlich.«

Damit war dieses Thema für Ingo erledigt, und er erhob sich schwerfällig.

»Vielleicht hast du ja recht«, gab Rebecca resigniert zu und begann, den Tisch abzuräumen.

»Sicher hab’ ich das.« Er küßte sie auf die Stirn. »Es tut mir leid, aber ich muß noch ein bißchen arbeiten. Du kannst ja inzwischen ein wenig fernsehen«, erklärte er gönnerhaft und holte die Tasche mit dem Laptop, um sich in sein Arbeitszimmer zurückzuziehen.

»Ich muß Sina noch Englisch-Vokabeln abfragen und danach gehe ich ins Bett. Ich bin müde.« Sie war sich nicht sicher, ob er ihr überhaupt zugehört hatte, doch es spielte ohnehin keine Rolle. Die Aufgaben im Hause Haffner waren klar verteilt und der Tagesablauf streng geregelt. Wenn sich Ingo am Abend dafür entschied, noch zu arbeiten, dann bekam Rebecca ihn nicht mehr zu Gesicht. Manchmal blieb sie traurig zurück, doch an diesem Abend freute sie sich über die ruhigen Stunden, die vor ihr lagen. So konnte sie ihren Körper in aller Ruhe im Spiegel betrachten, die langen, schlanken Beine, den wohlgeformten Busen. Nur der schlaffe Bauch störte das Erscheinungsbild und war wohl auch schuld daran, daß Ingo so wenig Zeit mit ihr allein im Schlafzimmer verbrachte. Doch das würde sich bald ändern. Bewunderung und Respekt würde wieder aus seinem Blick sprechen so wie damals, als sie sich kennengelernt hatten. Mit einem Mal ging Rebecca die stupide Arbeit schnell von der Hand. Sie konnte es kaum erwarten, allein in ihrem Schlafzimmer ihren Träumen nachzuhängen, wie sie es in letzter Zeit so oft tat, doch diesmal war sie erfüllt von Hoffnung.

Der nächste Tag versprach herbstlich und regnerisch zu werden. Dunkle Wolken hingen schwer am Himmel, dennoch sprang Rebecca dynamisch aus dem Bett, noch ehe der Wecker klingelte. Wie immer befand sich Ingo schon auf dem Weg zur Arbeit, und Becky genoß es, eine halbe Stunde für sich zu haben, ehe sie die Mädchen für die Schule weckte. Sie summte eine Melodie, die sie aus dem Radio kannte, während sie vor dem geöffneten Kleiderschrank stand und die Hände durch ihre Garderobe gleiten ließ. Bügel an Bügel hingen dort die Sachen, die sie früher im Sender getragen hatte und die sie, seit die Kinder auf der Welt waren, nur noch selten anzog. Auf einmal verspürte Rebecca eine unbändige Lust nach dem Lebensgefühl von damals, an das sie sich nur zu gut erinnerte, und schlüpfte kurzerhand in einen kniekurzen Rock. Mit einiger Mühe schloß sie den Reißverschluß, ihr Bauch war tatsächlich um einiges umfangreicher als damals. Um ihn zu kaschieren, zog sie einen feinen roséfarbenen Pullover über und musterte sich erneut im Spiegel. Doch das, was sie sah, konnte sich sehen lassen. Ja, wenn sie ehrlich war, gefiel sie sich besser als damals. Ihre Züge waren deutlich gereifter, um die Augen hatten sich kleine Fältchen gebildet, die von einer Zeit zeugten, in der sie mehr zu lachen gehabt hatte als heute. Alles in allem war sie eine Frau in der Blüte der Jahre, attraktiv und äußerlich viel selbstsicherer, als sie sich tatsächlich fühlte.

»Mama, du siehst ja ganz anders aus!« Die überraschte Stimme ihrer neunjährigen Tochter Anja riß Rebecca aus ihren Träumen.

»Du meine Güte, wie spät ist es denn?« Erschrocken sah sie auf die Uhr, ehe sie erleichtert aufseufzte. Noch blieb Zeit genug, um Frühstück zu machen und die Pausenbrote für die Kinder zu richten.

»Guten Morgen, mein Liebling.« Sanft nahm sie das Kind in die Arme. »Wie gefalle ich dir?«

»Du siehst super aus«, erklärte Anja anerkennend. »Warum machst du dich so schick?«

»Ach weißt du, ich habe diese ganz schönen Sachen im Schrank und ziehe sie nicht mehr an, seit Sina und du auf der Welt seid. Dabei habt ihr gar keine Schokoladenfinger mehr, und ich habe richtig Lust darauf, mich wieder mal schön anzuziehen.«

»Weißt du was, Mama, das find’ ich richtig klasse.« Auch Anjas ältere Schwester Sina war inzwischen aufgestanden und ins Schlafzimmer der Mutter gekommen. »Erst gestern hab’ ich mir gedacht, daß die Fee Norden immer so schick ist, wenn wir sie sehen. Du trägst fast nur

Jeans. Dabei gibt es jetzt so tolle Klamotten, die du mit deiner Figur perfekt anziehen kannst.« Sina betrachtete ihre Mutter kritisch.

»Wie findest du das Kostüm?« Becky fragte nun auch die Elfjährige nach ihrer Meinung.

»Schon mal ganz gut. Trotzdem würde ich mir an deiner Stelle mal was Fetziges kaufen.« Sina zwinkerte ihr aufmunternd zu.

»Ich werde drüber nachdenken. Aber jetzt ab mit euch ins Bad. Sonst wird es doch noch zu spät fürs Frühstück.« Lachend klatschte Rebecca in die Hände, und die beiden Mädchen liefen kreischend davon. Es wurde ein lebhaftes, lustiges Frühstück wie schon lange nicht mehr. Mit einem Mal bemerkte Rebecca, daß ihre Töchter gar nicht mehr so klein waren, sondern zu ernstzunehmenden Gesprächspartnern herangereift waren. Mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen entließ sie die beiden in den Tag. Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte sie wieder die Hoffnung, ihrem Leben und auch ihrer Ehe zu neuem Schwung verhelfen zu können und nahm sich vor, diesen Elan sofort zu nutzen.

Daniel Norden warf einen kritischen Blick auf Rebecca, die Tage später mit entblößtem Bauch vor ihm in seinem Behandlungszimmer stand.

»Auf diesem Gebiet bin ich kein Fachmann, aber ich denke schon, daß wir bei der Krankenkasse reelle Chancen haben.« Er hatte das erschlaffte Bindegewebe gründlich untersucht. »Allerdings rate ich dir zu einem Besuch bei meinem Kollegen Schorsch Leitner. Soweit ich weiß, hat er solche und ähnliche Operationen bereits mehrfach mit gutem Erfolg durchgeführt. Ein Gespräch mit ihm bringt dich sicherlich weiter.«

»Darüber habe ich mit Fee auch schon gesprochen.« Langsam schloß Becky mit Mühe den anthrazitfarbenen Rock und zog dann den weiten Pullover darüber, den sie zu diesem Arztbesuch ausgewählt hatte. Daniel betrachtete sie wohlwollend.

»Ich verstehe gar nicht, was Ingo eigentlich will. Du bist doch eine Klassefrau. Den einen oder anderen Schönheitsfehler müssen wir im Laufe der Jahre und mit zunehmendem Alter einfach in Kauf nehmen.«

»Du bist sehr nett, Daniel. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, mein Glück hängt von dieser Operation ab. Und ich möchte alles tun, um meiner Ehe eine Chance zu geben.«

»Wenn du denkst, daß das der richtige Weg ist.« Daniel seufzte. War es so, wie Rebecca meinte, dann hatte diese Ehe ohnehin keine Chance mehr. Doch er machte gute Miene zum bösen Spiel und entschloß sich dazu, die endgültige Entscheidung Schorsch Leitner zu überlassen. Becky warf ihm unterdessen einen bittenden Blick zu.

»Du mußt mir einfach helfen! Ich weiß mir keinen anderen Rat mehr.«