14,99 €
»Wer liebt, soll taumeln und beben und kein Gleichgewicht mehr erleben … Verflucht sei dein Herz, dass Liebe nie kommt ohne Schmerz.« Neue Dilogie aus der "Hunting Souls"-Welt Von Bestseller-Autorin Tina Köpke Für alle Fans von Wednesday und der Addams Family Tropes: Enemies to Lovers, Hidden Truth, Love Triangle Endlich! Lyn darf ihre Ausbildung am renommierten Institut für Moderne Magie beginnen. Es wäre alles perfekt, gäbe es da nicht diesen verflixten Fluch: Sobald Lyns Herz für jemanden höherschlägt, bricht großes Chaos über sie herein. Und nur "der wahren Liebe erster Kuss" kann sie erlösen. Doch die wahre Liebe zu finden, ist verflucht schwierig. Besonders, wenn es an der Schule auch noch Zwillinge gibt, die auf sehr unterschiedliche Weise Gefühle in Lyn wecken. Und als wäre das noch nicht genug, ereignen sich mysteriöse Einbrüche am Institut – auch in der Auffangstation für magische Wesen, die Lyn so am Herzen liegt. Ein Highlight für alle Romantasy-Fans ab 14 Jahren – mit viel Romantik, Magie und düsterer Spannung! Romantasy aus der "Hunting Souls"-Welt von Bestseller-Autorin Tina Köpke. Band 2 erscheint schon im Sommer 2026
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 495
Veröffentlichungsjahr: 2026
Tina Köpke
Verhexte Prophezeiungen
Von Tina Köpke bereits erschienen – die Vorgeschichte zu Wicked Souls:
Hunting Souls (1) – Unsere verräterischen Seelen
Hunting Souls (2) – Unsere verfluchten Herzen
5 4 3 2 1
eISBN 978-3-649-65466-7
© 2026 Coppenrath Verlag GmbH & Co. KG,
Hafenweg 30, 48155 Münster
Alle Rechte vorbehalten. Die Nutzung des Werkes für das Text- und Data-Mining nach § 44b UrhG ist durch den Verlag ausdrücklich vorbehalten und daher verboten.
Text: Tina Köpke
Umschlaggestaltung und Illustrationen der Innenseiten: Frauke Schneider
Lektorat: Michelle Landau
Satz: Sabine Conrad, Bad Nauheim
www.coppenrath.de
Die Print-Ausgabe erscheint unter der ISBN 978-3-649-65056-0.
Tina KÖpke
Verhexte Prophezeiungen
Für meinen Mann,
der immer und ausschließlich nur das Beste
verdient hat (und mich nie daran zweifeln lässt,
dass ausgerechnet ich das für ihn bin).
Lyns Playlist
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Kapitel 44
Kapitel 45
Kapitel 46
Kapitel 47
Kapitel 48
Kapitel 48
Kapitel 50
Danksagung
CHVRCHES feat. Hayley Williams – Bury It
Billy Idol – Dancing With Myself
Twin Temple – I Am a Witch
The Ronettes – Be My Baby
Taylor Swift – London Boy
Olivia O’Brien, gnash – i hate you, i love you
Lana Del Rey – Season Of The Witch
The Hampton String Quartet – Sweet Dreams are Made of This
Niko Kotoulas – Shape of You
Isabella Summers, Elise McQueen – I Can See Clearly Now
Billy Fury – Magic Eyes
Ich dachte immer, sich zu verlieben, wäre etwas richtig Schönes. Meine Eltern sind dabei seit jeher ein großes Vorbild für mich – eine Beziehung auf Augenhöhe, die über Jahrhunderte anhält und nie an Kraft verliert.
Leider scheine ich jedoch nicht mit demselben Liebesglück gesegnet zu sein wie Mum und Dad.
Mein erster Schwarm – es ist mir immer noch etwas peinlich, das zuzugeben – hat sich als verrückter Bösewicht mit Weltherrschaftsfantasien entpuppt. Und mein zweiter Versuch? Das endete ebenfalls in einem Desaster. Dabei fing alles so schön an. Dave war mein Abschlussballdate und da war sofort dieses Kribbeln. Es kam mir so richtig vor – er ein Gestaltwandler, der bereits in Harvard studierte, ich eine Junghexe kurz vor dem Beginn ihrer Ausbildung am Institut für Moderne Magie.
Ich musste mich nicht verstellen, nichts verbergen und am Ende haben wir in der Turnhalle der New Arcadia High stundenlang miteinander getanzt. Im Grunde war es also ziemlich perfekt.
Bis wir beschlossen haben, zu Fuß nach Hause zu laufen.
Die New Arcadia High liegt einen anständigen Fußmarsch von Smythe Manor – meinem Zuhause – entfernt, aber die Nacht war angenehm warm, die Luft erfüllt von den Düften der Blumen, die in den Vorgärten der Nachbarn blühten, und mit Dave an meiner Seite war es sowieso nahezu perfekt. Wir unterhielten uns über alles Mögliche und er erzählte mir von seinem Leben an der Uni.
»Dein Bruder Anthony dürfte es als Werwolf deutlich schwerer haben als ich.« Er grinste. »Im Gegensatz zu ihm macht mir der Vollmond keinen Strich durch die Rechnung. Dadurch ist es leichter, unter den Menschen zu studieren.«
»Ja, für ihn war es schon an der Highschool nicht einfach«, erinnerte ich mich und bemerkte, wie Dave mit seiner Hand meine suchte und unsere Finger miteinander verflocht. Es fühlte sich gut an. Richtig gut. Als würde dieser Abend etwas ganz Besonderes werden. Mein Herz war sofort bei der Sache, und ich konnte es mir nicht verkneifen, Dave anzulächeln.
»Und? Was wirst du jetzt machen?« Ich spürte seinen warmen Blick. »Gehst du studieren?«
»So was in der Art.« Ich sah direkt in seine schönen grünen Augen, die gut zu seinen dunklen, wuscheligen Haaren passten. »Ich werde nach England ans Institut für Moderne Magie gehen und dort mein Adeptenjahr absolvieren, um mich für das Studium der Wesenskunde zu quali…«
Dave blieb so abrupt stehen, dass er mich fast von den Füßen riss. Ich stolperte in den hohen Schuhen und konnte es nur knapp verhindern, in meinem cremefarbenen Kleid zu stürzen.
»Was ist?«, fragte ich ihn, als er schlagartig meine Hand losließ. Ich pustete mir eine gelockte Strähne aus den Augen.
»Lyn«, seine Stimme bebte, »lauf! Verschwinde! Sofort!«
Ich runzelte die Stirn. »Wieso? Was zum …«
Als ich seinem Blick folgte, erstarrte ich ebenfalls. Dort, auf der Straße, die raus aus New Arcadia und zu den letzten zwei Häusern der Stadt führte – Smythe Manor und Warrington House –, erkannte ich die Umrisse dreier Gestalten.
Nein, nicht einfach nur Gestalten. Es waren drei junge Frauen. Und ich musste ihnen gar nicht näher kommen, um die wütende Energie zu spüren, die sie verströmten.
»Dave, kennst du die?«, fragte ich ihn, mehr verwirrt als besorgt.
»Lyn, bitte.« Er sah mich aus großen, panischen Augen an. »Bitte geh!«
Die Angst triefte ihm förmlich aus jeder Pore.
»Keine Sorge«, versuchte ich ihn zu beruhigen und wollte wieder nach seiner Hand greifen. Irgendwie fand ich es süß, dass er seine Angst so offen zeigte. Es gab genug Typen, die selbst in Situationen, in denen sie sich fürchteten, noch den Starken mimen mussten. »Wer auch immer das ist, ich bin mir ziemlich sicher, dass sie uns nichts tun werden.«
Kaum hatte ich diese Worte ausgesprochen, verfehlte ein gleißend heller Blitz um Haaresbreite meine Fingerspitzen. Ich zuckte zurück und drehte mich ruckartig in die Richtung der Frauen, die über die menschenleere Landstraße zielstrebig auf uns zugelaufen kamen.
Verfluchter Mist. Hexen. Wütende Hexen.
»Finger weg von meinem Freund«, knurrte die Fremde in der Mitte. Ihre voluminösen, dunklen Locken standen wie statisch aufgeladen von ihrem Kopf ab.
Freund? Bitte was?
Ich sah zu Dave, aber der wich mit jedem Schritt, den die Frauen näher kamen, selbst einen zurück. Was, in Liliths Namen, war hier los?
»Freund?«, fragte ich ihn aufgebracht. »Dave, ist sie etwa …«
Ein Donnergrollen ließ die Wolkendecke über uns erzittern.
»Wir machen gerade eine Beziehungspause«, stammelte Dave, der sich zunehmend in ein Häufchen Elend verwandelte. »Gloria und ich …«
»Eine Pause bedeutet nicht, dass du dich an das erstbeste Hexenflittchen ranschmeißen kannst!« Die zorngefütterte Stimme seiner Freundin schien die Luft um uns herum zu erfüllen. Ich sah abwechselnd von Dave zu ihr und befand mich schneller zwischen den Fronten, als es mir lieb war.
Aber Moment mal, wie hatte sie mich gerade genannt?
»Hexenflittchen?« Ich sah ihr in die rot glühenden Augen. »Ernsthaft? Ich wusste doch gar nicht, dass er eine Freundin hat!«
»Sie ist nicht meine Freundin. Sie ist … sie ist eine pausierte Freundin!«
Ich warf ihm einen Willst-du-mich-verarschen-Blick zu, ehe ich mich wieder Gloria widmete. Egal wie der Facebook-Beziehungsstatus der beiden lauten mochte, ich hatte keine Lust, mich mit ihr anzulegen. Aber ehe ich noch etwas zu meiner Verteidigung sagen konnte, hoben sie und ihre zwei Freundinnen die Arme.
»Hexenflittchen«, zischte Gloria und ihre Begleiterinnen ahmten sie nach. Die Luft um uns herum lud sich auf, wurde mit jeder Sekunde schwerer und schwerer. »Du wirst den Tag bereuen, an dem du versucht hast, mir die Liebe meines Lebens auszuspannen.«
An dieser Stelle hätte ich gerne darauf hingewiesen, dass ich a) nichts dergleichen getan hatte, weil ich keinen blassen Schimmer von Daves kompliziertem Liebesleben gehabt hatte, und b) es doch reichlich unfair fand, dass ich bestraft werden sollte, Dave jedoch nicht?
»Lass uns darüber reden«, schlug ich unbeholfen vor, aber Gloria und ihre Freundinnen hörten mich nicht.
Eine Hexe, die blind vor Wut war, war nicht mehr aufzuhalten. Und eine Hexe, die damit vollkommen unvorbereitet konfrontiert wurde … nun, die wurde von dieser Welle des Zorns überrollt.
Die drei erhoben sich in die Luft, schwebten mehrere Zentimeter über dem Boden. Die Aura um sie herum leuchtete nun ebenso rot wie Glorias Augen, und als sie die Hände spreizten, spürte ich die geballte Energie, die von Gloria und ihren Freundinnen ausging.
Wer liebt, soll taumeln und beben, hörte ich ihre Worte als dunklen Singsang in meinem Kopf widerhallen, und kein Gleichgewicht mehr erleben …
»Was soll das?«, unterbrach ich ihren Zauberspruch und trat ihnen entschieden entgegen. Die drei brachen gerade jede Form unseres übernatürlichen Geheimhaltungsgesetzes, indem sie in aller Öffentlichkeit zauberten – etwas, das ich niemals tun würde. Aber wenn sie gerade vorhatten, mich zu verhexen, ließen sie mir kaum eine andere Wahl.
»Wir verfluchen dich, Hexenflittchen«, höhnte die, die Gloria zur rechten Seite stand. »Auf dass du nie wieder auch nur auf die Idee kommst, einer anderen ihren Freund auszuspannen.«
»Aber das habe ich nicht …«
Doch es war zu spät. Gloria schleuderte eine ihrer Blitzkugeln auf mich. Ich wich reflexartig zur Seite aus, nur um in eine weitere Falle zu treten. Ein lautes Knistern um mich herum verkündete unheilvoll, dass ich in einem Energiefeld gelandet war. Ich stieß einen wuterfüllten Schrei aus und entlud die Magie, die wie Blut durch meine Adern floss, doch sie prallte nutzlos von den statisch geladenen Wänden um mich herum ab. Dann hob mein Käfig vom Boden ab, und ich konnte nur hilflos mit ansehen, wie ich mich immer weiter vom sicheren Boden entfernte.
»Wer liebt, soll taumeln und beben«, setzten die drei Unheilvollen wieder an und schwebten auf mich zu. Hilfe suchend schaute ich mich nach Dave um. Wenn irgendjemand Gloria noch aufhalten konnte, dann er – aber Dave hielt einen möglichst großen Sicherheitsabstand zu mir und redete leise auf Gloria ein, die ihn jedoch ignorierte.
»Wer liebt, soll taumeln und beben und kein Gleichgewicht mehr erleben … Verflucht sei dein Herz, dass Liebe nie kommt ohne Schmerz.«
Die Wut einer vermeintlich betrogenen Frau kann überwältigend sein. Die Wut einer vermeintlich betrogenen Hexe kann dagegen tödlich sein, und als mich der Fluch wie eine Welle traf, zerbrach das Energiefeld um mich herum. Ich stürzte zu Boden, unfähig, mich so schnell abzufangen. Ehe ich mit dem Kopf auf dem Bürgersteig aufschlug und ohnmächtig wurde, dachte ich nur daran, dass ich mich nie wieder verlieben wollte.
»… bevor junge Hexen und Hexer ihr Studium auf einem bestimmten Fachgebiet beginnen, müssen sie sich und ihre Fähigkeiten unter der Führung renommierter Professoren und Professorinnen während eines sogenannten Adeptenjahres unter Beweis stellen. Egal ob es um Chronomagie, Runencode-Programmierung, Illusionskunst, Wesensheilkunde, Elementarmagie, Okkultes Marketing oder Traumweberei geht – im Rahmen von theoretischem Unterricht und einem parallel dazu verlaufenden Pflichtpraktikum ebnen unsere Adepten hier den Weg für ihre berufliche Zukunft!«
(Auszug aus der Broschüre für das Institut für Moderne Magie)
»Das sieht ja fast wie zu Hause aus.«
Katrina trommelt unruhig mit den schwarz lackierten Fingernägeln auf ihrem Oberarm, während sie abschätzig das schmiedeeiserne Tor mit den kunstvollen Schnörkeln mustert. Ich folge ihrem Blick, der am Lilith-Kreuz hängen bleibt – einer Halbmondsichel mit einem darunter anschließenden Kreuz –, das in der Mitte der Verzierungen eingefasst ist. Jede große Einrichtung der Übernatürlichen ist mit diesem Symbol von Adams erster Frau, der Mutter aller Dämonen, unserer Göttin, gekennzeichnet.
Ich ringe mir ein Lächeln ab. »Ich glaube, das Institut für Moderne Magie ist zu groß und ein wenig zu britisch, um Smythe Manor ernsthaft Konkurrenz zu machen.«
»Es ist uralt, voller Gespenster, besitzt einen eigenen Friedhof, vermutlich wird es versuchen, dich umzubringen – denn wie könnte es das nicht? –, und es ist von der Außenwelt abgeriegelt wie Fort Knox …«, zählt sie an den Fingern ab und zuckt mit den Schultern. »Definitiv dieselben Merkmale. Ich habe keine Ahnung, warum du unbedingt herziehen willst. Das alles kannst du auch in New Arcadia haben, inklusive deiner Familie.«
Seufzend wende ich mich von dem ab, was vor mir liegt, um mich dem zu stellen, worauf ich mich seit Wochen vorzubereiten versuche. Aber das kann man gar nicht, oder? Sich auf den Moment vorbereiten, in dem man das Nest verlässt und raus in die weite Welt fliegt, ohne den tröstlichen Schutz der Familie. Dabei ist meine nur ein Reiseportal, praktisch einen Katzensprung entfernt, aber gleichzeitig werde ich den Gedanken nicht los, dass England nun mal auf einem ganz anderen Kontinent liegt als mein Elternhaus in Washington State.
»Du weißt, warum ich herziehe«, erinnere ich sie und breite einladend die Arme aus. Meine Schwester Katrina – eigentlich eher Adoptivschwester, denn ich bin eine Hexe und sie eine Untote, und das funktioniert biologisch selbst in unserer Welt nicht – ist nicht unbedingt ein Knuddelmonster, aber ich spüre, dass sie gleich eine Umarmung brauchen wird. Vielleicht sogar mehr als ich. »Ich bin bald achtzehn und muss langsam mal lernen, auf eigenen Füßen zu stehen.«
Katrina zieht skeptisch eine sauber gezupfte, dunkle Braue nach oben und bedenkt mein Umarmungsangebot mit einem unbeeindruckten Blick. Noch ist sie nicht so weit, aber ich kann das eine Weile durchziehen. Bald wird sie einknicken, ganz sicher. Ich kenne sie besser als sie sich selbst, was sie regelmäßig zur Weißglut bringt.
»Na, komm schon«, dränge ich sie und wackle wie ein unbeholfener Roboter mit den Armen, »du willst es doch auch.«
»Du klingst wie so ein Perversling in der dunklen Gasse hinter einem Nachtclub.«
Ich grinse, weil ihr Widerstreben einfach so knuffig ist, dass ich gar nicht anders kann, als einen Schritt auf sie zuzugehen. Sie wird mir extrem fehlen, aber da müssen wir jetzt beide durch. »Das wird unsere letzte Umarmung für die nächsten Wochen sein, und du willst doch nicht, dass wir wie zwei Fremde auseinandergehen, oder?«
Ein paar kaugummilange Sekunden starren wir uns an, ehe Kat schließlich die Augen verdreht, mir entgegenkommt und mich so fest umarmt, dass sie mir dabei fast die Luft abdrückt. Da ich weiß, dass sie ihre übernatürliche, untote Stärke gut kontrollieren kann, muss das ein Anzeichen für einen ihrer superseltenen Gefühlsausbrüche sein.
»Lass dich ja nicht von den anderen schikanieren«, murmelt sie mir ins blonde Haar, dessen Spitzen ich heute früh ein bisschen rosa gezaubert habe. »Das darf nur ich. Und wenn es jemand wagt …«
»Das wird niemand«, verspreche ich und verdränge die kurze Unsicherheit, die mich zu übermannen droht.
Die letzten Tage habe ich mir eingeredet, dass es keinen Grund für Bedenken oder Heimweh gibt. Ich war auch viel zu beschäftigt damit, meine Sachen zu packen und an alles, was ich mitnehmen wollte, zu denken. Mein Zuhause ist zwar jederzeit schnell erreichbar, aber ich wollte nicht dauernd wegen Kleinigkeiten zurückkommen. Und in all der Hektik vergaß ich förmlich, nervös oder ängstlich zu sein.
Doch nun, da ich Kats vertrauten Duft nach Patschuli und Rose einatme, fällt es mir doch unerwartet schwer, sie gehen zu lassen.
Um es meiner Familie und mir leichter zu machen, bestand ich darauf, dass niemand von ihnen mitkommt, und obwohl sie mich alle unbedingt begleiten wollten, berücksichtigten sie schweren Herzens meine Bitte. Kat ist die Einzige, für die ich eine Ausnahme gemacht habe, was hauptsächlich daran liegt, dass sie darauf bestanden hat. Und ihr Dickschädel ist schlimmer als meiner.
Von Mum und Dad, Anthony, Tate, Matilda und Frankie habe ich mich also vorhin bereits verabschiedet und das kam mir schon nahezu unmöglich vor. Aber Katrina und ich waren immer mehr als nur Schwestern. Trotz der zwei Jahre Altersunterschied sind wir beste Freundinnen und auf gewisse Weise auch Seelenverwandte. Es gibt weder in dieser noch in irgendeiner anderen Dimension jemanden, der mir so nah steht und mich so bedingungslos akzeptiert, wie sie es tut. Wenn mich jemals jemand ermorden dürfte, dann Kat.
»Du wirst mir fehlen«, flüstert sie und drückt mich noch fester an sich.
»Du mir auch, Schwesterherz«, krächze ich, weil Tränen in meinen Augen brennen und meine Kehle sich zuschnürt.
Wir sind nur ein Reiseportal voneinander entfernt. Innerhalb eines Wimpernschlags kann ich jederzeit nach Hause zurückkehren, dorthin, wo ich nur Liebe und Zuneigung kennengelernt habe. Genau das sage ich mir in Gedanken wie ein Gebet vor, als ich Katrina freigebe und wir uns zeitgleich ein paar lose Haarsträhnen aus dem Gesicht streichen – ihre lang, glatt und fast so schwarz wie Pech, meine kinnlang, teils pastellrosa und leicht gelockt. Wir waren uns nie sehr ähnlich, weder äußerlich noch innerlich, und doch passen wir irgendwie zusammen.
Kaum, dass ich ihr ein letztes Mal zugewunken habe, schwingen die Tore vor mir wie von Geisterhand geführt zur Seite auf. Ein markerschütterndes Quietschen zerschneidet die kühle Juniluft und erinnert mich damit ein bisschen an zu Hause.
Ich schnappe mir meine kleine Tasche – bei der Benutzung von Reiseportalen ist man besser nur mit Handgepäck unterwegs – und trete allein durch das Tor. Nur Hexen und Hexern ist es erlaubt, das Gelände des Instituts zu betreten, außer man wurde explizit eingeladen. Eine von unzähligen Sicherheitsmaßnahmen, denn ein Ort wie dieser – weitläufig, verwinkelt und damit maximal unübersichtlich – ist mit seinen zu Spitzenzeiten fünfhundert bis achthundert eingeschriebenen Adepten und Studierenden schon schwer genug geheim zu halten. Müsste die Campus-Sicherheit zudem noch aufpassen, was Vampire, Werwölfe und andere Wesen hier treiben, würde das ohne jeden Zweifel im Chaos enden. Früher war das kein Problem, aber seit es Handys mit Kameras und soziale Medien gibt, mussten neue Regelungen her.
Hinter mir fällt das Tor schrill quietschend zu. Als ich ein letztes Mal über die Schulter blicke, liegen zwischen Katrina und mir auf einmal Welten. Ihre ist in New Arcadia, bei unserer Familie und ihrem Freund Tate, und meine ist ab jetzt hier, am Institut für Moderne Magie in England.
Es ist genau das, was ich wollte. Was ich brauche. Distanz. Freiraum. Ein Neuanfang.
Zwei Sekunden erlaube ich mir, Kat still anzusehen, ehe ich mich endgültig umdrehe, die Schultern durchdrücke und endlich das imposante Hauptgebäude am anderen Ende des Vorplatzes in Augenschein nehme. Geformt wie eine offene Heftklammer, erkennt man auf den ersten Blick, dass mit dem schlossartigen Bau etwas nicht stimmt. Es wirkt, als hätte ein Architekt die Bauteile aus verschiedenen Epochen zusammengesetzt. Der östliche Flügel entspricht eher der Neogotik und beherbergt den Großteil der angeblich siebenundvierzig unterschiedlich großen Türme. Laut der Broschüre, die ich von vorne bis hinten studiert habe, ist der Westflügel der jüngste und orientiert sich mit seinen Halbsäulen und Pilastern an der Neurenaissance. Der mittlere Teil ist der älteste Part und dem Barockstil nachempfunden.
Um es kurz zu machen: Alles ist sehr, sehr beeindruckend. Unterschiedlich hohe Türme ragen wie Wächter in den grauen Himmel, manche filigran, manche wuchtig. Die Steinfassade hat sich unter dem Einfluss des englischen Wetters in den letzten Jahrhunderten dunkel verfärbt, wozu die mit schwarzem Schiefer gedeckten Dächer allerdings sehr gut passen.
Unweigerlich muss ich Kat recht geben. Es sieht wirklich ein bisschen wie daheim aus, im Gegensatz zu Smythe Manor spürt man hier allerdings sofort die Präsenz von etwas Magischem. Vielleicht liegt es an den schweren Wolken über mir oder an dem Gefühl, von allen Seiten beobachtet zu werden, aber irgendetwas sagt mir, dass ich hier nie richtig allein sein werde.
Vor dem Haupteingang befindet sich ein großer, länglicher Teich, in dessen Mitte die wunderschöne, nur mit einem Tuch bekleidete weiße Statue einer Frau steht – die menschliche Interpretation von Lilith. Ihr Blick ist anklagend in den Himmel gerichtet, während zu ihren Füßen schwarze Seerosen blühen.
Der restliche Teil des Geländes ist von hier aus nicht sofort zu überblicken, aber der Karte zufolge, die der Broschüre des Instituts beilag, befinden sich noch zahlreiche weitere Gebäude auf dem Grundstück. Trainingshallen, Fakultätseinrichtungen, Gewächshäuser, Wohnheime und eine Auffangstation für magische Wesen. Während der nächsten Tage werde ich meinen Schrittzähler sicherlich zum Schwitzen bringen.
»Carolyn Smythe?«, erklingt eine rauchige, jedoch gleichzeitig warme Stimme hinter mir.
Ich drehe mich zur Seite. »Ja?«
Vor mir steht eine Frau in einem alten viktorianischen Kleid, die dunklen, krausen Haare zu einem Knoten am Hinterkopf zusammengesteckt, das Gesicht weder jung noch alt, dafür aber ähnlich blass wie das meiner untoten Schwester. Der lilafarbene Stoff ihres Rockes mit schwarzem Spitzenbesatz fällt schwer bis auf den staubigen Boden, und die enge Schnürung ihres Korsetts lässt mich hinterfragen, ob die Fremde vor mir überhaupt auf Sauerstoff angewiesen ist.
»Schön, dich hier zu sehen.« Sie streckt mir ihre Hand entgegen, die in einem dunklen Spitzenhandschuh steckt. »Ich bin Olympe Tremblay, Adeptenberaterin und Professorin für Traumweberei.«
Ein bisschen überrumpelt lächle ich und ergreife zögerlich ihre Hand. »Sie sind die Freundin, von der meine Tante mir erzählt hat.«
»Apollonia schrieb mir, dass du heute ankommen würdest, und da wir schon so lange keine Smythe mehr am Institut begrüßen durften, wollte ich unbedingt die Erste sein, die dich in Empfang nimmt.« Das wache Funkeln in den grünen Augen lässt sie lebhafter erscheinen als anfänglich angenommen. »Wie war deine Anreise?«
Ich hebe gleichmütig die Schultern. »Reiseportalmäßig.«
»Ja, das ist wohl ein wenig unspektakulär, aber es spart uns doch eine ganze Menge Zeit, nicht wahr?« Sie sieht an mir vorbei zum Eingang des Hauptgebäudes, zu dem links und rechts je eine breite, geschwungene Treppe hinaufführt. Das Portal selbst ist von einem großen Rundbogen eingefasst, der von magischen Schutzrunen geschmückt ist – zumindest behauptet das die Broschüre. Aus der Entfernung könnte ich das selbst mit den besten Augen nicht erkennen. »Möchtest du dich erst etwas ausruhen oder hast du Lust auf eine kleine Führung?«
Ich nicke so energisch, dass ein paar Haarspitzen meine Wangen piksen. »Die Führung, bitte. Ich habe eine Menge über das Institut gelesen, aber wenn man hier steht, dann ist es …«
»Erschlagend? Beängstigend?« Verschwörerisch beugt sie sich zu mir herunter. »Unheilvoll?«
»Eindrücklich wollte ich eigentlich sagen, aber der Rest passt auch.«
Ms Tremblay – oder Mrs Tremblay? Das sollte ich besser in Erfahrung bringen – legt mir eine Hand zwischen die Schulterblätter, und irgendwie fühlt es sich tröstlich an, eine enge Freundin meiner Tante an meiner Seite zu haben. Mum war vor Jahrhunderten ebenfalls eine Hexe, aber da sie ein vampirisches Leben an Dads Seite gewählt hat, blieb meine Hexenausbildung bisher an Tante Apollonia, Mums Zwillingsschwester, hängen. Seit ich denken kann, war sie diejenige, die mir die Kunst der Magie nähergebracht hat, und wenn Olympe Tremblay eine Freundin von ihr ist, dann ist es ein bisschen so, als wäre ein Teil meiner Familie hier.
»Ja, das verstehe ich. Das Institut ist schon so alt, dass es seine ganz eigene Aura besitzt. Ah, schau!« Von einer Bewegung im Eingangsbereich abgelenkt, zeigt sie auf etwas, das ich zunächst nicht identifizieren kann. Doch je weiter uns dieses kleine, dunkle Etwas über den Steinweg entgegenkommt, desto deutlicher erkenne ich die Umrisse.
Ich schirme meine Augen vor dem Zwielicht ab, um besser sehen zu können. »Sind das Tapezierspinnen?«
»Ja, das hast du gut erkannt«, lobt sie mich mit einer Euphorie, die nicht so recht zum rauen Klang ihrer tiefen Stimme passt. »Du hast dich für Wesenskunde eingeschrieben, richtig? Dafür scheinst du ein Händchen zu haben. Das Institut ist aufgrund seines Alters und der zahllosen Ritzen im Mauerwerk voll von diesen Spinnen. Wir haben sie vor vielen Generationen domestiziert. Nun helfen sie uns mit alltäglichen Arbeiten und dafür dürfen sie es sich bei uns gemütlich machen.«
Fasziniert sehe ich dabei zu, wie eine Ansammlung der achtbeinigen Tierchen sich unter mein Handgepäck schiebt. Dann – und das ist wirklich beeindruckend zu beobachten – geht ein Ruck durch meine Tasche, als hätten die Spinnen sie auf ein Stichwort gemeinsam nach oben gehievt. Von vielen schwarzen Beinen getragen, gleitet mein Gepäck die Treppe hinauf und verschwindet im Gebäude.
»Wo bringen sie die Tasche hin?«
»Auf dein Zimmer. Deine Mitbewohnerin wird sie in Empfang nehmen.«
Mitbewohnerin. Bei Lilith, ich hoffe, wir werden uns gut verstehen. Nichts wäre schlimmer, als das folgende Jahr mit einer Person zusammenzuwohnen, die sich vor mir fürchtet oder mich nicht ausstehen kann – oder andersherum.
»Das ist sehr cool«, bemerke ich erstaunt, um das Gespräch zurück auf die helfenden Spinnen zu lenken. »So was gibt es auf Smythe Manor nicht. Wir haben nur unseren Geisterhund Frankie, aber der trägt uns nie irgendwas die Treppen hoch.«
Ms Tremblay verzieht ihre rissigen dunkelroten Lippen zu einem Lächeln. »Wenn du das schon cool findest, wirst du das restliche Institut lieben.«
Ms Tremblay hat nicht zu viel versprochen. Das Institut für Moderne Magie könnte genauso gut ein Drehort für die Harry Potter Filme sein. Während wir durch die langen Flure mit den hohen bleiverglasten Spitzbogenfenstern spazieren, erzählt sie mir alles Mögliche über die Historie der alten Mauern, die uns umgeben. Von der Grundsteinlegung vor fast siebenhundertfünfzig Jahren bis zur Unterstützung durch die britische Regierung kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Schon immer als Universität für Hexen und Hexer gedacht, dienten die verschiedenen Gebäude auf dem Gelände in Krisenzeiten auch als Zufluchtsort für unsereins. Besonders die Hexenverfolgungen in Europa ab Mitte des 15. Jahrhunderts führten dazu, dass Unzählige meiner Art hier Schutz suchen mussten, einschließlich Ms Tremblay.
»Kurz nach meiner Ankunft lernte ich deine Tante Apollonia kennen«, beendet sie ihren Ausflug in die Vergangenheit, als wir eine Weile später das Wohnheimgebäude der Mädchen betreten. »Und es hat mir hier so gut gefallen, dass ich nach dem Studium der Traumweberei beschlossen habe, zu bleiben, um junge Hexen wie dich auszubilden.«
»Wow«, stoße ich aus und blinzle ein paar Mal. Das waren eine ganze Menge Informationen, die mein Gehirn in den kommenden Tagen erst noch verarbeiten muss. Aber nichts davon war langweilig. Ich liebe die Geschichte der Hexen. Mum hat sie mir oft erzählt, als ich ein kleines Kind war, und dabei auch nicht die grausamen, dunklen Details ausgelassen. Ihrer Meinung nach muss man das vollständige Bild kennen, um daraus für die Zukunft lernen zu können, und heute verstehe ich, was sie damit gemeint hat. Ohne das große Ganze zu sehen, ist es nahezu unmöglich, eine Entscheidung zu treffen, die man später nicht bereuen wird.
»Falls du mehr wissen möchtest, kannst du natürlich jederzeit die Bibliothek aufsuchen. Dort findest du auf nahezu alle Fragen eine Antwort.«
Ich nicke und mache mir im Kopf eine Notiz, denke dabei jedoch nicht unbedingt an weitere Recherche über das Institut. Denn auch wenn mich die Geschichte dieses Ortes interessiert, brennt mir seit ein paar Wochen ein ganz anderes Problem unter den Nägeln – mein Fluch. Nicht, dass es dazu noch viele offene Fragen gäbe. Die Sache an sich ist nämlich ziemlich einfach: Sobald ich mich in jemanden vergucke, passieren schlimme Dinge. Meist sind sie hauptsächlich peinlich, aber manchmal eben auch gefährlich. Nur ein Kuss meiner wahren Liebe kann diesen Fluch brechen. Im Grunde brauche ich also nicht wirklich weiterzurecherchieren, aber manchmal hilft es, an Plätzen – oder eben in Büchern –, die man zuvor nicht berücksichtigt hat, trotzdem nach alternativen Lösungsansätzen zu suchen.
Ms Tremblay führt mich durch die große Eingangshalle des Mädchenwohnheimes, deren hohe Decke mit einem wunderschönen Abendhimmel bemalt ist. Vor dem Mitternachtsblau heben sich winzige goldfarbene Sterne ab, die bei genauerer Betrachtung funkeln wie echte. Auf Anhieb finde ich den Großen Wagen.
»Illusionskunst«, bemerkt Ms Tremblay. »Schön, nicht wahr?«
»Atemberaubend«, hauche ich. Bisher kenne ich nur allgemeine Magie, das, was allen Junghexen von Beginn an beigebracht wird. So was wie simple Zaubersprüche oder das Kontrollieren der eigenen Kräfte, damit wir nicht versehentlich die Nachbarskatze explodieren lassen oder noch Schlimmeres. Manche von uns sind mit einem speziellen Talent gesegnet, das sich meist schon früh zeigt, andere – wie ich – besitzen so was nicht, aber das ist kein Hindernis.
Am Ende unserer sterblichen Schullaufbahn zeigt sich, wie es für uns weitergeht. Wer ein Talent beziehungsweise eine besondere Begabung aufweist, wählt meist das für ihn oder sie passende Fachgebiet – Illusionskunst, Traumweberei, Elementarmagie und so weiter. Wenn man hingegen eher eine Art Omnimagie besitzt, also keine herausragenden Fähigkeiten auf nur einem Gebiet, dann wählt man breitere Fächer wie Wesenskunde, Runencode-Programmierungen oder Okkultes Marketing. Wieder andere Hexen und Hexer entscheiden sich für eine ganz allgemeine, basisorientierte Ausbildung. Die findet im privaten Rahmen unter Obhut einer Mentorin oder eines Mentors statt.
Die meisten Junghexen – spezialisiert oder eben nicht – besuchen jedoch das Institut für Moderne Magie. Hier finden sie als sogenannte Adepten – ein eleganteres Wort für Anwärter – im ersten Jahr heraus, ob sie für die gewünschte Fachrichtung qualifiziert genug sind. Denn entscheidet man sich einmal für einen Studiengang, gibt es nur selten ein Zurück. Nach den ersten zwei bestandenen Halbjahresprüfungen dürfen wir schließlich das richtige Hexenstudium beginnen, das je nach Thema Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern kann.
Ms Tremblay reißt mich aus meinen Gedanken. »Carolyn, darf ich dich etwas fragen?«
»Klar. Aber bitte nennen Sie mich Lyn. Carolyn klingt, als wäre ich achtzig.«
Ms Tremblay lächelt verständnisvoll und verschränkt beim Durchqueren der Eingangshalle die Hände hinter dem Rücken. »Ich hoffe, es wirkt nicht zu neugierig, aber jeder in unserer Welt hat von dem Kampf vor eineinhalb Jahren gehört, an dem du und deine Familie nicht unerheblich beteiligt wart.« Unsichtbare, kalte Finger legen sich um meinen Magen und drücken ihn langsam zusammen. Mir war klar, dass dieses Thema irgendwann aufkommen würde, denn wie könnte ein Ereignis, das sogar in unsere Geschichtsbücher eingegangen ist, einfach so ignoriert werden? Dennoch hatte ich gehofft, mir würden ein paar Tage bleiben, bis ich dazu etwas sagen muss.
»Oh, du siehst auf einmal ganz blass aus.« Ms Tremblay bleibt stehen und betrachtet mich besorgt. »Ist das ein sensibles Thema für dich?«
Ich winke hektisch ab und lächle verkrampft. »Nein, alles gut. Fragen Sie ruhig.«
»Wirklich?«
Ich nicke und gehe weiter, wenn auch langsamer und unter dem wachsamen Blick meiner Begleiterin. Sie ist übrigens nicht die Einzige, die mich beobachtet. Jetzt, da wir das Thema angesprochen haben, fällt mir auf, dass die Mädchen und jungen Frauen, an denen wir vorbeikommen, uns nachschauen und nicht selten miteinander tuscheln. Prima. So habe ich mir das vorgestellt – nicht.
»Nun, ich wundere mich eigentlich nur, warum du bei uns bist. Natürlich freuen wir uns, dich hier zu haben, aber ich habe gehört, dass du eine Einladung des großen Hexenzirkels erhalten und letztendlich abgelehnt hast. Viele würden sich um eine solche Gelegenheit reißen.«
Ich reibe mir verlegen über den Nacken. Wenn man nach der Schulzeit in der Welt der Sterblichen nicht an das Institut wechselt oder in eine private Ausbildung geht, hat man vermutlich das sehr, sehr seltene Glück, vom großen Hexenzirkel als besonders wertvoll und talentiert eingestuft worden zu sein. Diese dreizehn mächtigsten Hexen und Hexer vergeben nur alle paar Jahrzehnte jeweils einen einzigen Ausbildungsplatz, und diesen zu ergattern, bedeutet, dass einem die Chance zuteilwird, eines Tages einen der dreizehn Plätze zu erben.
Meine Tante Apollonia war den Großteil ihres Lebens Mitglied dieses Zirkels, bis sie es wagte, das uns allzu heilige Gesetz vom Gleichgewicht zwischen Leben und Tod zu brechen, um meine Schwester Katrina als Untote zu uns zurückzubringen. Ihrem guten Ruf als Hexe – und meiner Mentorin – hat das jedoch nicht geschadet, daher bin ich schon sehr früh ins Visier des Zirkels gerückt. Vor etwa einem Jahr, nur wenige Monate nach dem Kampf in der Turnhalle der New Arcadia High, kam der Brief mit dem Angebot für einen Ausbildungsplatz.
Zu behaupten, dass alle – einschließlich meiner Familie – überrascht waren, als ich die Einladung dankend abgelehnt habe, wäre die Untertreibung des Jahrtausends. Aber wie hätte ich sie annehmen können?
Nach dem, was damals in der Turnhalle meiner alten Highschool passiert ist, bin ich zur Pazifistin geworden. In einem großen, filmreifen Endkampf, bei dem sich Übernatürliche und Jäger zusammenschließen mussten, um die Zombieapokalypse zu verhindern, zeigte sich, dass in mir ein paar unheimliche Kräfte schlummern, die ich bis heute nicht verstehe, die mich jedoch mehr gekostet haben, als mir lieb ist. Damals nahm ich zwei Leben, um jene zu retten, die mir am Herzen liegen. Mit den Folgen bin ich trotz monatelanger Therapie teilweise nach wie vor beschäftigt. Egal wie böse meine Opfer waren – so was hinterlässt Spuren. Um diese Fähigkeiten, die ich in mir trage, zu vertiefen und ihre Grenzen weiter zu erkunden, müsste ich zu viel aufgeben, einschließlich mir selbst. Und dazu bin ich nicht bereit.
»Die Einladung zu bekommen, war wirklich eine große Ehre, aber es schien mir nicht ganz das Richtige zu sein. Nicht für mich.«
Ms Tremblay betrachtet mich aus ihren grünen Augen, die mich irgendwie an nasses Moos erinnern. »Apollonia meinte, du hättest während des Kampfes äußerst starke Kräfte gezeigt.«
»Ja, schon, aber nach allem, was passiert ist …« Ich beiße mir auf die Unterlippe und verdränge die Bilder, die sich vor mein inneres Auge schieben wollen. So viel Blut. So viel Schmerz. »Ich will nicht, dass meine Fähigkeiten für irgendwelche politischen Zwecke genutzt werden, verstehen Sie? Es war ein tolles Gefühl, vom Zirkel in Betracht gezogen zu werden, aber am Ende möchte ich einfach nur etwas Gutes mit meinen Kräften bewirken.« Ich halte kurz inne und überdenke meine Worte. »Damit will ich natürlich nicht sagen, dass die dreizehn keine guten Dinge tun, aber …«
Beschwichtigend legt sie eine Hand auf meine Schulter und drückt sie sanft. »Ich verstehe, was du meinst. Wie heißt es so schön? Mit großer Macht kommt große Verantwortung.« Ein Grinsen deutet sich auf ihren Lippen an. »Aber dann bist du bei uns bestens aufgehoben. Nach deinem Adeptenjahr wirst du dir hoffentlich nicht nur sicher sein, den für dich richtigen Werdegang gewählt zu haben, sondern auch bereit sein, die kommenden Jahre deiner Ausbildung diesem Zweig zu widmen. Ich bin überzeugt davon, dass du bei uns viel Spaß haben und eine Menge neuer Freunde finden wirst.«
Und hoffentlich auch die große Liebe, die mich von meinem Fluch befreit.
Was neben dem Neuanfang der Hauptgrund dafür ist, wieso ich auf dem Campus wohnen wollte und nicht zwischen dem Institut und New Arcadia pendeln werde. Meine Chancen, Mr Right zu finden, stehen deutlich besser, wenn ich so viel wie möglich unter andere Leute komme. Zwar wäre es schöner gewesen, mir dabei weniger Druck machen zu müssen – wer will sich schon aus der Not heraus verlieben? –, aber wenn ich nicht bald ein weiteres Leben auf dem Gewissen haben möchte, dann muss ich mich eben aktiv umschauen. Und was bietet sich da besser an als ein ganzer Campus voller Junghexen und –hexer?
Ms Tremblay führt mich vorbei an Aufenthaltsräumen mit antiken, aber perfekt instand gehaltenen Möbeln, kleinen Kochnischen, die sich auf jeder Etage befinden, sowie zahlreichen Türen, die zu den separaten Appartements führen. Sowohl das Jungen- als auch das Mädchenwohnheim bestehen aus jeweils knapp fünfzig Wohnungen, in denen zwei bis vier Personen leben. Weil meine Eltern für die teurere Option zahlen, habe ich nur eine Mitbewohnerin, mit der ich mir drei kleine Zimmer inklusive Bad und Kochzeile teilen werde. Nichts, was ich im Vergleich zu Smythe Manor als ausschweifenden Luxus bezeichnen würde, aber genug Platz, um sich ein bisschen aus dem Weg gehen und trotzdem Zeit miteinander verbringen zu können.
Falls meine zukünftige Mitbewohnerin und ich uns mögen sollten.
Das ist eines der größeren Themen, die mich in den letzten Wochen beschäftigt haben, denn außerhalb meiner Familie hatte ich nie richtig viele Freunde. Das lag zum einen daran, dass wir Smythe-Kinder Schulen für Normalsterbliche besucht haben und es schwer gewesen wäre, unser Geheimnis zu wahren, wenn wir unsere menschlichen Mitschüler zu nah an uns herangelassen hätten.
Zum anderen fand ich Sterbliche früher auch ziemlich … langweilig. In den Monaten vor dem großen Kampf habe ich mich mit ein paar Übernatürlichen angefreundet, die von meiner Schwester liebevoll als die Höllenclique bezeichnet wurden. Zwei von ihnen – Warner und Samara – stellten sich jedoch als Drahtzieher all dessen heraus, was danach folgte. Und auch davor haben sie mich immer ein bisschen verunsichert. Ich war eine der Jüngsten in der Gruppe und sie haben mich nur selten wirklich ernst genommen. Ich war diejenige, über die sie leichtfertig Witze reißen konnten. Inzwischen bin ich selbstbewusster, aber eben auch irgendwie vorbelastet, was dieses ganze Thema angeht.
Als wir in der letzten Etage des Wohnheims ankommen, wundert es mich daher wenig, dass mein Herz so laut schlägt, dass ich befürchte, Ms Tremblay könnte es hören.
»Nur damit du es weißt«, fährt sie in ihren Erklärungen fort, denen ich zuletzt leider nur noch halbherzig gefolgt bin, »dein Appartement ist etwas größer, als du vielleicht vorab gehört hast. Das liegt an den Dachschrägen. Ich verspreche dir aber, dass du keine Einbuße dadurch haben wirst. Tatsächlich ist es auf dieser Etage viel ruhiger, weil es deutlich weniger Wohnungen gibt als in den unteren Stockwerken.«
Wären Dachschrägen mein einziges Problem, wäre ich verdammt glücklich, doch statt etwas zu sagen, nicke ich nur und richte meinen Blick auf die Tür, vor der wir stehen geblieben sind. Sie besteht aus schlichtem Holz und wirkt stabil, was jedoch nichts bedeuten muss, da ich es von Smythe Manor bereits gewohnt bin, dass Gebäude mit magischen Besitzern oft ihre ganz eigene Persönlichkeit in sich tragen. Meine Zimmertür daheim lässt zum Beispiel ein hübsches Fallbeil heruntersausen, wenn sie verschlossen ist. Die Tür von Mum und Dad dagegen weint schwarzes Blut, wenn sie gerade ein bisschen romantische Zeit miteinander verbringen, und Anthonys knurrt einen manchmal an, wenn man an ihr vorbeigeht. Nur Kats Tür rührt sich nicht, was wohl daran liegt, dass ihr eintöniges, düsteres Zimmer schon abschreckend genug ist.
Ja, Smythe Manor ist tatsächlich so dramatisch, wie es klingt.
Die Tür vor mir wirkt zunächst harmlos, lediglich der Griff, der aussieht wie der in Metall gegossene Tentakel eines Oktopus, erscheint mir etwas ungewöhnlich.
»Bereit, deine Mitbewohnerin kennenzulernen?«, fragt Ms Tremblay mich freundlich.
Überhaupt nicht. So gar nicht. Lieber würde ich auf einem Besenstiel über den Vatikan fliegen, aber sei es drum. Herausforderungen lassen einen angeblich wachsen. »Ich denke schon.«
»Sehr gut. Dann musst du nur noch die Hand um den Türgriff legen, damit er dich als Bewohnerin registriert.«
Ich schaue abwechselnd zu dem Oktopusarm und Ms Tremblay. »Er tut was?«
»Er kann nur zwei Handabdrücke speichern – und wenn ich die Tür vor dir öffne, würde er mich registrieren statt dich. Was die magisch-bürokratische Umständlichkeit mit sich bringt, das wieder rückgängig machen zu müssen. Mr Nigel, unser geschätzter Hausmeister, hasst es, wenn das passiert. Metall vergisst nicht so leicht.«
Ich verstehe nur Bahnhof, aber wenn ich eines von daheim gelernt habe, dann, dass man sich im Leben manchmal einfach auf Neues einlassen muss. Also tue ich, was Ms Tremblay von mir verlangt – ich lege die Hand an das kühle Metall des Griffs und zucke etwas zusammen, als dieser sich zu regen beginnt.
Kalt schlängelt sich der Oktopusarm um mein Handgelenk, während die Saugnäpfe meine Haut Zentimeter für Zentimeter abtasten. Unsicher sehe ich zu Ms Tremblay. »Bei Lilith, was ist das?«
»Unser Sicherheitssystem. Du brauchst keinen Schlüssel. Nur du und deine Mitbewohnerin könnt dieses Appartement betreten. Sobald du deine Hand an den Griff legst, erkennt das Schloss, wer du bist, und lässt dich hinein. Besucher müssen sich mit einem Klopfen ankündigen, und erst, wenn du Herein rufst, öffnet sich die Tür.«
Während meine Hand im kalten Metall des Oktopusarms gefangen ist, wird mir erst so richtig bewusst, was mich in dieser Welt noch alles erwartet.
Ich dachte immer, daheim schon vieles gesehen und gehört zu haben, aber das hier sprengt selbst meine Vorstellungskraft. Auf einmal kann ich es kaum erwarten, endlich in meinem neuen Zuhause anzukommen, egal, mit welcher Herausforderung ich zusammenleben werde. Ich will einfach nur mehr kennenlernen, mehr wissen, und lasse daher keine unnötige Sekunde verstreichen, als der Türgriff in seine ursprüngliche Form zurückgleitet und das Schloss sich mit einem leisen, mechanischen Klicken öffnet.
Für einen Moment fühle ich mich, als würde ich Mums Orangerie betreten. Nicht, weil das Appartement von seiner Konstruktion her an ein Gewächshaus erinnert, sondern weil überall, wo ich hinsehe, grüne Zimmerpflanzen stehen. Sie ranken entlang der schweren Dachbalken, hängen von Regalbrettern herunter, blühen in der Nähe eines großen, runden Fensters und wuchern bis hoch an die Zimmerdecke.
Daheim bin ich von Pflanzen umgeben aufgewachsen. Für mich ist es der natürlichste Anblick der Welt, wenn jemand leise Worte in ein handtellergroßes Blatt flüstert, Triebe kürzt oder Wasser in Töpfe gießt. Müsste ich eine Sehenswürdigkeit in Smythe Manor benennen, dann wäre es unser Wohnzimmer Schrägstrich Gewächshaus, dessen milchige Glasscheiben so verzaubert wurden, dass das hereinfallende Sonnenlicht meinen vampirischen Eltern nicht schaden kann.
Ein Mädchen mit langen dunkelblonden Haaren, das ungefähr so alt sein muss wie ich, ist gerade dabei, einen braunen Sud in einen der Palmentöpfe zu kippen. Als sie aufsieht, lächelt sie, und wenn sie nicht die beste Schauspielerin auf Erden ist, bin ich mir jetzt schon sicher, dass wir uns verstehen werden. Leute, die Pflanzen lieben, können nicht schlecht sein – das hat Mum mir beigebracht.
»Alice, das ist Lyn. Lyn, das ist Alice«, stellt Ms Tremblay uns einander vor, und als hätte man es uns antrainiert, gehen wir aufeinander zu und schütteln uns die Hände. Ihr Griff ist leicht wie eine Feder, was irgendwie zu ihrer zarten Erscheinung passt, die mir sofort sympathisch ist.
»Freut mich«, bekundet Alice, ehe sie ihren Blick mit rosigen Wangen durch den Raum, der wohl unser Wohnzimmer ist, schweifen lässt. »Ich hoffe, es ist okay. Also die ganzen Pflanzen, meine ich. Ich konnte mich nicht entscheiden, welche ich mitnehmen will und welche daheim bei meinen Mums bleiben sollen.«
»Ja, kein Ding. Es sieht toll aus.« Unweigerlich denke ich an Katrina. Small Talk. Sie würde sich an meiner Stelle so was von erschießen. »Meine Mum hat einen ganzen Dschungel, daher ist es ein bisschen so, als wäre ich zu Hause.«
Damit punkte ich bei Alice offenbar, denn ihre Mimik wird mitfühlend weich. Generell strahlt meine neue Mitbewohnerin eine gewisse Leichtigkeit aus. Die wenigen Mädchen, an denen ich im Wohnheim vorbeigekommen bin, sahen nicht aus, als würden sie sich darum reißen, mich kennenzulernen. Bei dem, was man sich hier vermutlich über mich erzählt, ist das auch wenig verwunderlich. Dass Alice mir so aufgeschlossen gegenübertritt, überrascht mich dagegen umso mehr.
Ihr Hautton erinnert mich an einen hellen Pfirsich, wozu das dezente Make-up, das ihre blauen Augen und vollen, leicht schimmernden Lippen betont, bestens passt. Dazu trägt sie schlichte Jeans und ein schwarz-weiß gestreiftes, locker sitzendes Shirt. Nichts Aufregendes. Sehr bodenständig. Ich mag es.
»Ich sehe, ihr beide versteht euch«, freut sich Ms Tremblay neben mir. »Falls du Fragen hast, Lyn, kann Alice dir mit Sicherheit helfen. Ansonsten komm einfach in mein Büro.«
Ich nicke, bedanke mich noch einmal aufrichtig bei ihr für die kleine Führung und sehe ihr dann nach, als sie mit ihrem schweren Kleid, das über den abgezogenen Dielenboden schleift, unsere Wohnung verlässt.
Unsere Wohnung. Bei Lilith, ich habe eine Wohnung! Nicht mehr nur ein Zimmer, sondern mehrere davon. Wie absurd, wenn man jahrelang in einem Haus gelebt hat, das das reinste Labyrinth ist.
»Ms Tremblay ist super«, sagt Alice, als wollte sie das Eis brechen, das sich nun, da wir allein sind, irgendwie zwischen uns gebildet hat. »Ein bisschen schräg mit ihren Skorpionen, aber man gewöhnt sich daran.«
Ich runzle die Stirn. »Skorpione?«
»Ja. Manchmal wirst du mitten in der Nacht wach und dann sitzt einer davon auf deiner Brust und sieht dir direkt in die Augen. Etwas gruselig, wenn du mich fragst. Angeblich kann sie damit in unsere Träume schauen, was für sie als Professorin für Traumweberei natürlich naheliegend ist.«
Ich überlege kurz, ob ich das genauso unheimlich finde wie Alice. Wenn man eine Smythe ist, gibt es nicht mehr viele Dinge, die einen gruseln. Ich werde es einfach mal darauf ankommen lassen und schauen, ob mich eines dieser Tierchen in Angst und Schrecken versetzen kann.
Ich schiebe die Hände in die Taschen meiner Jeans, etwas ratlos, was ich sonst mit ihnen anfangen soll. Dieser Moment kommt mir wichtig vor. Wie etwas, das man besser nicht versauen sollte.
»Bist du schon lange hier?«, frage ich.
»Erst seit einer Woche. Meine Mums wollten Urlaub auf Barbados machen, daher dachte ich mir, es wäre eine gute Idee, die Trennung zu nutzen und ein paar Tage früher herzukommen.« Sie deutet auf das gemütlich wirkende Ledersofa, das vor dem deckenhohen, runden Fenster steht. »Wollen wir uns setzen? Ich finde es etwas unbeholfen, hier herumzustehen, als würden wir darauf warten, irgendwo reingelassen zu werden.«
»Oh ja, bitte.« Ich stoße einen angespannten Laut aus und beschließe, mehr aus mir herauszukommen und die Leitung dieses Kennenlernens zu übernehmen. »Um ehrlich zu sein, bin ich ziemlich nervös«, gebe ich zu und schaue mich dabei flüchtig um.
Der ganze Wohnraum ist mit seinen dunklen Tönen richtig gemütlich. Die Wände sind in demselben Mitternachtsblau gestrichen wie die Decke im Eingangsbereich des Wohnheimes. Die Möbel dagegen sind braun oder fast schwarz, überall hängen unterschiedliche Bilderrahmen ohne Motiv, die nur darauf warten, mit Fotos befüllt zu werden. Ansonsten wird nahezu jede freie Fläche von Alice’ Zimmerpflanzen eingenommen.
»Das ging mir auch so.« Sie lächelt und zeigt dabei perfekte weiße Zähne. Sie macht einen derart unkomplizierten Eindruck, dass ich mich automatisch frage, wo der Haken ist. »Aber man lebt sich ziemlich schnell ein. Ich hatte es vermutlich etwas leichter als du, weil mein Freund ebenfalls hier ist.«
»Oh, cool. Welche Fachrichtungen habt ihr denn belegt?«
Sofort strafft Alice stolz die Schultern und ihr Lächeln wird noch einen Ticken breiter als zuvor. »Arlo hat sich für Chronomagie eingeschrieben. Das ist einer der schwersten Bereiche und jedes Jahr werden nur sehr wenige Adepten aufgenommen, aber er ist ein Naturtalent. Er wird das schaffen.« Sie deutet mit der Hand auf unsere Umgebung. »Ich dagegen habe mich für magische Botanik entschieden. Meine Mums arbeiten beide mit Pflanzen und irgendwie …«, sie zuckt fröhlich dreinblickend die Achseln, »habe ich das wohl verinnerlicht. Wir werden also hoffentlich nie welke Blumen haben.«
Ich lache und fühle dabei, wie die Leichtigkeit, die Alice verströmt, immer mehr dieser angespannten Schwere in mir verdrängt. »Das klingt gut. Meine Mum würde deine Fachrichtung bestimmt lieben.«
»Beatrice Smythe, oder?« Ich nicke. »Verrückt. Wenn es möglich gewesen wäre, hätte ich mir früher ein Poster von ihr an die Wand gehängt.«
Die Vorstellung, dass meine neue Mitbewohnerin ein Fan meiner Mum ist, wirkt auf mich verstörend wie erheiternd zugleich. »Sie ist die Beste«, stimme ich zu und meine es auch so. Ich verdanke meinen Eltern mein ganzes wundervolles Leben, aber Mum und Tante Apollonia sind diejenigen, die mich zu der Hexe gemacht haben, die ich heute bin.
»Ms Tremblay hat mir erzählt, dass du dich für Wesenskunde interessierst?«, fragt Alice mich im Gegenzug.
»Ja. Speziell für Heilkunde, aber da es ein recht breites Gebiet ist, muss ich mal schauen, worauf ich mich später genau spezialisiere.«
»Damit habe ich auch mal geliebäugelt«, gibt sie zu. »Aber ich ertrage es einfach nicht, verletzte Tiere und Wesen zu sehen. Da stirbt irgendwie etwas in mir, deswegen bin ich bei den Pflanzen gelandet. Wenn mir da eine eingeht, tut es zwar auch weh, aber das ist … anders.«
Ich nicke verstehend. Leidende Lebewesen tun mir ebenfalls im Herzen weh, aber mein Antrieb, ihnen zu helfen, ist stärker. Allerdings verstehe ich, dass das nicht bei jedem so sein kann. Auch unter den Menschen lieben viele Tiere, doch nicht alle könnten es ertragen, in einer Tierarztpraxis oder in einem Tierheim zu arbeiten. Andersherum liebe ich Pflanzen, aber mir fehlt Mums grüner Daumen. Botanik wäre deswegen eins der letzten Fachgebiete, die ich belegen würde.
Bevor wir uns weiter kennenlernen können, hören wir von draußen lautes Jubeln. Wir wechseln einen verwirrten, aber neugierigen Blick, ehe wir uns auf dem Sofa in Richtung des riesigen Fensters umdrehen, um hinauszuschauen.
Der Ausblick ist traumhaft – er führt auf die weiten englischen Felder hinaus. Da ist einfach nichts anderes, nur ab und an mal eine Gruppe Bäume oder ein Karnickel, das seine Bahnen durch die hohen Gräser zieht. New Arcadia war nicht unbedingt eine Großstadt, aber aus meinem Zimmer konnte ich trotz der Abgelegenheit von Smythe Manor die Häuser unserer Nachbarn sehen. Hier ist einfach … nichts. Und davon ganz viel.
Unterhalb des Fensters entdecken wir drei Jungs, von denen zwei wie flinke Wiesel um einen Fußball kämpfen. Fast muss ich lachen, weil man etwas so Sterbliches von Hexern vermutlich nicht erwarten würde, aber im Grunde unserer dunklen Herzen sind wir eben auch nur eine Art von Menschen, die normale Sportarten lieben. Was übrigens nicht bedeutet, dass dabei nicht kräftig mit Magie geschummelt wird.
Ich weiß nicht viel über Fußball – im Grunde eigentlich gar nichts. Nur, dass Dad als eingefleischter Engländer großer Fan ist und die Fußarbeit der Jungs vermutlich als geschickt und schnell bezeichnen würde, da man ihren Schritten kaum folgen kann. Der eine von ihnen – fast schwarze Haare, dunkle Haut und eine Miene, als ginge es um Leben und Tod – luchst dem anderen – wasserstoffblonde kurze Haare, die Hände in den Hosentaschen und ein breites Grinsen auf den Lippen – den Ball ab und schießt auf ein mit Trinkflaschen markiertes Tor. Er trifft und wieder bricht lautes Jubeln aus.
Diesmal auch direkt neben mir. Alice reißt die Arme in die Luft, ehe sie bemerkt, dass ich sie amüsiert beobachte.
»Sorry.« Sie läuft hochrot an. »Der Torschütze ist Arlo Everett, mein Freund.«
»Ahhhh«, stoße ich aus, »ich verstehe.«
Sie meidet meinen Blick und beugt sich stattdessen vor, um die obere Hälfte des Fensters zu öffnen und den Kopf hinauszustrecken. Von ihrer Euphorie mitgerissen, beuge auch ich mich vor.
»Das war super«, ruft Alice runter und die Jungs schauen zu uns hoch. Sofort weicht Arlos verbissener Ausdruck einem Lächeln.
»Hey. Ich wusste nicht, dass du zusiehst.«
»Ihr wart schwer zu überhören.«
Sein Blick schweift von ihr zu mir und auf einmal liegt die gesammelte Aufmerksamkeit der drei Jungs auf mir. Der letzte in der Runde, der bisher eher am Rand und mit dem Rücken zu uns stand, fällt mir sofort auf – weil er verdammt große Ähnlichkeit mit dem anderen blonden Typen hat. Aus der Ferne ist es, abgesehen vom gegensätzlichen Kleidungsstil der beiden, nahezu unmöglich, einen Unterschied zwischen ihnen auszumachen.
»Du bist dann wohl die Mitbewohnerin meiner Traumfrau?«, fragt Arlo mich freundlich und bringt Alice damit neben mir zum Schmelzen. Fast finde ich es zu kitschig, aber dann erinnere ich mich daran, dass nicht jede Beziehung so sein muss wie die meiner Schwester und ihrem Freund Tate. Vermutlich ist es sogar eher unüblich, dass man sich zu Beginn erst gegenseitig umbringen will, bevor man schließlich herausfindet, dass man ineinander verliebt ist.
»Ich bin Lyn«, rufe ich zurück und winke. »Freut mich, dich kennenzulernen.«
»Ebenso! Wir werden uns bestimmt häufiger sehen, falls dich unser Neandertalergehabe nicht direkt abgeschreckt hat.«
»Sie ist eine Smythe«, verkündet Alice, und obwohl ich stolz auf meine Herkunft bin, verziehe ich ein wenig das Gesicht. Ich kann mich wohl wirklich von der Hoffnung verabschieden, noch eine Weile inkognito zu bleiben. »Ich glaube, die schreckt so leicht nichts ab.«
»Eine Smythe«, wiederholt Arlo und nickt anerkennend. Seine beiden Freunde mustern mich nun noch eindringlicher, der eine unverhohlen neugierig, der andere mit einem dezenten Lächeln auf den Lippen.
»Unsere Familien kennen sich«, bemerkt der eine, der bis eben zurückhaltend am Rand gestanden hat. Passend zu seiner hochgewachsenen, athletischen Gestalt trägt er Anzughosen, ein schneeweißes Hemd, dessen oberster Knopf geöffnet ist, und darüber dunkle Hosenträger. Allein die Kleidung lässt ihn reifer erscheinen, als er vermutlich alterstechnisch ist. »Ich bin Sebastian Barnes und das ist mein Bruder Gabriel.«
Gabriel – schlicht in schwarze Jeans und ein dazu passendes Oversized-Shirt gekleidet – zieht eine Hand aus der Hosentasche und hebt sie zum Gruß. Sie müssen Zwillinge sein. Das erklärt die Ähnlichkeit, auch wenn ich immer mehr Unterschiede entdecke, je länger ich die beiden betrachte. Sebastian erscheint mir ganz eindeutig der erwachsenere Bruder zu sein. Ihm liegt offenbar viel an seiner Erscheinung, während Gabriel eher locker rüberkommt. Wie jemand, der das Leben nicht allzu ernst nimmt und dem egal ist, was man von ihm denkt.
»Ich erinnere mich«, gebe ich vor, obwohl der Familienname nur vage in meinem Hinterkopf läutet.
»Tut sie nicht«, grätscht mir Gabriel grinsend dazwischen. »Sie hat keinen blassen Schimmer, wer wir sind.«
Dieses Mal bin ich diejenige, der die Hitze in die Wangen schießt. Danke für nichts, schicke ich stumm an Gabriel und schaffe es gerade so, den Mund zu halten. Mein erster Tag hier ist wohl kaum der richtige, um mich direkt mit jemandem anzulegen. Dafür habe ich noch das ganze kommende Jahr Zeit.
»Nicht wild«, besänftigt Sebastian die Lage, und sein Lächeln ist so charmant, dass mein Herz mit einem kleinen Hüpfer darauf reagiert.
Sofort wende ich mich vom Fenster ab und rutsche zurück auf das Sofa. Alice’ verwirrter Ausdruck entgeht mir nicht, aber ihr direkt zu Beginn dieser Wohngemeinschaft und vielleicht sogar zaghaften Freundschaft von meinem verdammten Fluch zu erzählen, wäre wohl nicht so clever. Irgendwie ist mir die ganze Geschichte ja doch ein bisschen peinlich. Aber da mein Fluch sofort loslegt, wenn irgendjemand mein Herz höherschlagen lässt, musste ich mich von der Szene unten abwenden. Ich hatte zwar gehofft, mich während meiner Zeit am Institut zu verlieben – je früher, desto besser im Grunde –, aber dass es nur wenige Stunden nach meiner Ankunft schon knistert, während ich noch versuche, ein paar erste Bekanntschaften zu schließen, überfordert mich nun doch etwas.
»Alles okay?«, flüstert Alice mir zu, ehe sie kurz darauf das Fenster wieder schließt, ohne ein weiteres Wort an die Jungs zu verlieren.
»Ja, sorry. Es ist nur … na ja, die Höhe, weißt du? In die Ferne zu schauen, ist kein Problem, aber so steil nach unten … da wird mir manchmal ein bisschen mulmig.«
Alice mustert mich einen Augenblick lang skeptisch, zuckt dann jedoch mit den Schultern und schiebt sich eine dicke dunkelblonde Strähne hinters Ohr. »Daran gewöhnst du dich bestimmt. Es ist so schön, hier morgens und abends über die Felder zu schauen.«
»Das glaube ich sofort.«
Ich lächle, spüre jedoch selbst, wie gekünstelt es wirkt. Still bete ich zu Lilith, dass Alice mich jetzt nicht für sonderbar hält. Wenn etwas Zeit ins Land gegangen ist, werde ich sie einweihen müssen. Es war schon ein Albtraum, den Fluch vor meiner Familie geheim zu halten. Nach allem, was vor anderthalb Jahren geschehen ist, sind sie inzwischen weniger sorglos und würden sofort Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um mir zu helfen, aber ich kriege das allein hin. Es ist ja im Grunde recht simpel: Ein Kuss wahrer Liebe bricht den Fluch. Easy peasy und gleichzeitig irgendwie auch nicht, leider. Denn wie einfach ist es schon, einen Kuss wahrer Liebe zu bekommen? In meinen siebzehn Jahren kam es nicht einmal ansatzweise dazu. Aber meine Familie kann mir dabei auch nicht helfen. Sie würden sich völlig umsonst Sorgen machen und das möchte ich ihnen ersparen. Ich habe die Sache unter Kontrolle – irgendwie.
Dass jetzt überall Hexer herumlaufen, die mein Herz erobern könnten, macht die Geheimhaltung insgesamt aber nicht unbedingt leichter. Nach der Sache mit Dave, dem ich das alles verdanke, dachte ich eigentlich auch, es würde mir schwererfallen, mich zu verlieben. Offenbar war das ein Irrtum. Mein Herz scheint sofort jedem in die Hände zu springen, der mich einfach nur nett anlächelt, immer in der Hoffnung, dass er mich von meinem Fluch befreit. Das kann ja was werden.
Auf jeden Fall dürfte es so nahezu unmöglich sein, Alice lange zu verheimlichen, was sie sich mit mir als Mitbewohnerin eingebrockt hat.
Aber in diesem Moment ist es noch zu früh, um sie einzuweihen. Noch will ich einen möglichst unbekümmerten Start hinlegen. Erst mal Freunde finden, ohne direkt als die Komische abgestempelt zu werden. Und sobald ich diese Freunde habe, erzähle ich ihnen von meiner Suche nach Mr Right.
Mr Right – meinen Fluchbrecher.
Nach meiner ersten unspektakulären Nacht frühstücke ich am nächsten Morgen mit Alice in der Cafeteria des Instituts. Weil zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle Adepten und Studierenden angereist sind, ist der Saal mit den hohen Decken und den holzvertäfelten Wänden relativ leer und ruhig, was mir ganz lieb ist. Mein Kopf ist viel zu sehr damit beschäftigt, all die neuen Eindrücke wahrzunehmen und zu verarbeiten, während ich mich gleichzeitig bemühe, mit Alice warm zu werden. Trotz meines seltsamen Benehmens gestern scheint sie mich für nicht allzu schräg zu halten, also stehen meine Chancen gut, dass wir uns tatsächlich anfreunden.
»Was hast du heute vor?«, fragt sie mich und trinkt einen Schluck von ihrem Earl Grey mit einem Schuss Sahne. Ich dachte vorhin, es wäre eine großartige Idee, das auch mal zu probieren – so richtig britisch eben –, kann mir nach einem Probeschluck allerdings kaum etwas Schlimmeres vorstellen und habe mir stattdessen lieber Kaffee geholt. Der schmeckt zwar nicht wie daheim, ist jedoch immer noch besser als dieser komische Tee.
»Ich wollte gleich mal zum Dekan.«
Alice’ Augen werden groß. »Ravenwood?« Ich nicke. »Was willst du denn bei dem?«
»Nur mal Hallo sagen. Er ist mein Patenonkel.«
Hätte ich geahnt, dass Alice bei dieser Offenbarung die Gesichtszüge entgleiten, hätte ich das Thema vermutlich etwas sanfter eingeleitet.
»Marcus Ravenwood ist dein Patenonkel?« Sie starrt mich ungläubig an. »Bei Lilith, das habe ich nicht kommen sehen.«
Zu gern würde ich behaupten, ihre Verwunderung nicht nachvollziehen zu können, aber das wäre gelogen. Ich kenne Onkel Marcus schon mein ganzes Leben. Er ist nicht nur ein unfassbar geschätzter, enger Freund meines Dads, sondern auch ein ehemaliges ranghohes Mitglied des großen Hexenzirkels und der Ex meiner Tante Apollonia. Außerdem hat er in etwa das Format eines Ikea Pax-Kleiderschrankes, was auf die meisten anderen durchaus einschüchternd wirkt.
»Ja, und wenn ich dir ein Geheimnis verraten soll: Er ist nicht so unheimlich, wie er wirkt. Das ist alles Fassade. Innerlich ist er weich wie …« Ich überlege kurz. »Weich wie Zuckerwatte.«
Alice kichert und nippt mit einem bedeutungsschwangeren Blick an ihrem Tee. Es ist nett, jemanden besser kennenzulernen, ohne Angst haben zu müssen, sich zu verplappern.
Nach dem Frühstück packe ich einen Rucksack mit einer Decke, einer Flasche Wasser und ein paar Snacks, um später, nach meinem Besuch bei Marcus, das Gelände zu erkunden. Solange das Institut noch nicht voll besetzt ist, hoffe ich, die meisten Orte ohne viel Gesellschaft entdecken und dadurch mein überspanntes Nervensystem ein bisschen beruhigen zu können.
Dass mich all das Neue hier überfordert und anstrengt, ist wohl normal, nachdem ich mein ganzes Leben hauptsächlich in derselben Stadt, bei denselben Leuten, in demselben Haus verbracht habe. Und da Energie das Wichtigste ist, was wir Hexen brauchen, um Magie zu wirken, muss ich ein wenig auf mich aufpassen. So ziemlich alles kann mir Kraft rauben, wenn zu viel davon auf mich einwirkt: Menschen, Plätze, unappetitliche Heißgetränke.
Das Büro des Dekans befindet sich im obersten Stock des mittleren Gebäudetraktes. Ein langer Korridor führt auf seine Tür zu, vor der eine Frau an einem Schreibtisch sitzt.
Nachdem ich ihr meinen Namen genannt habe – was bereits genügt, um ihre strengen Gesichtszüge aufzuweichen und ihre Augen groß werden zu lassen –, deute ich zur Tür, auf der in ein goldfarbenes Täfelchen eingraviert Dekan Ravenwood steht. »Hat mein Onkel kurz Zeit?«
»Leider nicht. Er ist momentan unterwegs und kommt erst zur Eröffnungsfeier Samstagnacht zurück.«
»Oh«, entfährt es mir etwas enttäuscht. Ich hätte mich gefreut, Marcus zu treffen, quasi als kleinen Ersatz für meine Familie, die mir an diesem ersten Morgen allein doch etwas fehlt. »Schade. Aber können Sie ihm vielleicht ausrichten, dass ich gut angekommen bin? Mein Dad besteht darauf.«
»Natürlich. Kann ich sonst noch etwas für dich tun?«
»Nein, danke. Das war’s schon.«
