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Die Familie ist ein Hort der Liebe, Geborgenheit und Zärtlichkeit. Wir alle sehnen uns nach diesem Flucht- und Orientierungspunkt, der unsere persönliche Welt zusammenhält und schön macht. Das wichtigste Bindeglied der Familie ist Mami. In diesen herzenswarmen Romanen wird davon mit meisterhafter Einfühlung erzählt. Die Romanreihe Mami setzt einen unerschütterlichen Wert der Liebe, begeistert die Menschen und lässt sie in unruhigen Zeiten Mut und Hoffnung schöpfen. Kinderglück und Elternfreuden sind durch nichts auf der Welt zu ersetzen. Genau davon kündet Mami. Hartmut Geppert lächelte, als er vom Auto aus sah, wie sich seine kleine Tochter die Nase an der Scheibe platt drückte. Immer wieder beglückte es ihn aufs neue, so sehnsuchtsvoll erwartet zu werden. Das ließ ihn morgens jedes Mal schweren Herzens Abschied nehmen und nach getaner Arbeit froh heimkommen. Während er nun auf das breite Garagentor zufuhr, verschwand der blonde Lockenkopf vom Wohnzimmerfenster. Hartmut war gerade ausgestiegen, als Cordula jubelnd auf ihn zugerannt kam und sich in seine schnell ausgebreiteten Arme warf. »Hallo, Püppchen!«, sagte er, dabei seine Nase in gewohnter Weise zur Begrüßung an der ihren reibend. »Wie geht es dir? Hast du den Nachmittag gut verbracht?« Aber heute schien sich die Fünfjährige nicht für das zu interessieren, was im eigenen Haus geschah. »Sie sind heute eingezogen. Sie haben einen großen schwarzen Hund und vier Kinder, die furchtbar viel Lärm machen. Nancy hat gesagt, es ist shocking, aber ich finde es schön.« Hartmut Geppert lachte, obwohl er von allen Nachbarn Abstand zu halten versuchte. Er war mit seinem Leben zufrieden, wollte es harmonisch auf seinem Besitz führen, aus dem er eine blütenreiche Insel geschaffen hatte. »Sie heißen Murrmann«, sagte Cordula, »aber sie haben kein Kindermädchen – so wie ich…« Hartmut nickte gleichgültig. Auf den Armen trug er seine Tochter ins Haus und schloss mit Nachdruck die kupferbeschlagene Tür. Jetzt kam die für ihn schönste Stunde des Tages.
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Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Hartmut Geppert lächelte, als er vom Auto aus sah, wie sich seine kleine Tochter die Nase an der Scheibe platt drückte. Immer wieder beglückte es ihn aufs neue, so sehnsuchtsvoll erwartet zu werden. Das ließ ihn morgens jedes Mal schweren Herzens Abschied nehmen und nach getaner Arbeit froh heimkommen.
Während er nun auf das breite Garagentor zufuhr, verschwand der blonde Lockenkopf vom Wohnzimmerfenster. Hartmut war gerade ausgestiegen, als Cordula jubelnd auf ihn zugerannt kam und sich in seine schnell ausgebreiteten Arme warf.
»Hallo, Püppchen!«, sagte er, dabei seine Nase in gewohnter Weise zur Begrüßung an der ihren reibend. »Wie geht es dir? Hast du den Nachmittag gut verbracht?«
Aber heute schien sich die Fünfjährige nicht für das zu interessieren, was im eigenen Haus geschah. Mit einer Kopfbewegung zum Nachbargrundstück hin deutend, berichtete sie aufgeregt:
»Sie sind heute eingezogen. Sie haben einen großen schwarzen Hund und vier Kinder, die furchtbar viel Lärm machen. Nancy hat gesagt, es ist shocking, aber ich finde es schön.«
Hartmut Geppert lachte, obwohl er von allen Nachbarn Abstand zu halten versuchte. Er war mit seinem Leben zufrieden, wollte es harmonisch auf seinem Besitz führen, aus dem er eine blütenreiche Insel geschaffen hatte.
»Sie heißen Murrmann«, sagte Cordula, »aber sie haben kein Kindermädchen – so wie ich…«
Hartmut nickte gleichgültig.
Auf den Armen trug er seine Tochter ins Haus und schloss mit Nachdruck die kupferbeschlagene Tür.
Jetzt kam die für ihn schönste Stunde des Tages. Er konnte sich ganz seinem Kind widmen, bis es zu Bett gebracht wurde. Nancy, das Kindermädchen, wusste Bescheid. Sie begrüßte ihn freundlich und zog sich diskret zurück.
Auch zu ihr gratulierte sich Hartmut im stillen. Er hatte sie eigens aus England kommen lassen und war mit ihr sehr zufrieden. Nancy, schon an die Dreißig, hatte den klaren Teint und die hellen Augen ihres Heimatlandes. Sie verstand mit Kindern umzugehen, übertrat nie die unsichtbar gesteckten Grenzen und strahlte eine Ruhe aus, die Hartmut am Ende eines hektischen Arbeitstages als wohltuend empfand.
»Darf ich heute länger aufbleiben, Papi?«, fragte Cordula, als sie den Wohnraum betraten, der die ganze hintere Breitseite des Hauses einnahm und eine bis zum Marmorboden reichende Fensterfront hatte.
»Gibt es einen Grund, heute diese Ausnahme zu machen?«, erkundigte er sich, während er ihr zärtlich über die Locken fuhr.
»Du warst lange fort und ich bin so lange allein gewesen, Papi.«
»Aber Püppchen, du bist doch nie allein! Nancy ist immer bei dir. Und dann gibt es noch all deine Freunde …« Lächelnd nannte er die Namen der Puppen und Plüschtiere, die Cordula ihnen gegeben hatte.
»Aber die sind doch nicht lebendig, Papi!«, erklärte sie leicht vorwurfsvoll.
Hartmut ging diesem plötzlichen Sinneswandel nicht auf den Grund. Kinder waren sprunghaft in ihren Gedanken, manchmal auch launischer als Erwachsene. Es würde bestimmt nicht lange dauern, bis Cordula wieder mit ihren Puppen und Stofftieren sprach.
Im Hause Geppert lief alles wie am Schnürchen. Ein älteres Ehepaar, Alfons und Berte Dielinger, erledigte alle anfallenden Arbeiten. Hartmut fand auch an diesem späten Nachmittag Haus und Garten wohlversorgt und war ebenso zufrieden wie dankbar, weil ihm solch zuverlässige Kräfte zur Seite standen. Ihnen konnte er auch ohne Sorgen Cordula dann anvertrauen, wenn er geschäftlich verreiste und über Nacht fortblieb.
Während seine Tochter weiter von den neuen Nachbarn berichtete, dachte Hartmut Geppert über sein Leben nach. Gut acht Jahre hatte er für seinen beruflichen Durchbruch benötigt. Vom Diplom-Ingenieur war er zum kapitalstarken Riesen in der Ferienreisenbranche geworden. Er war ein Aufsteiger ohne Allüren und auf seinen persönlichen Arbeitsstil stolz. Es gab nichts Aufwendiges in seinem beruflichen Leben und trotzdem allen Kunden das sichere Gefühl, beim Reiseunternehmen GGR (Gepperts-Globus-Reisen) an der richtigen Stelle zu sein.
»… aber du hörst mir gar nicht zu, Papi!«, beschwerte sich Cordula in diesem Augenblick und machte einen Schmollmund.
Hartmut lächelte ihr zu. Es fiel ihm nicht schwer, ihr seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken. Cordula war ja das A und O in seinem Leben, der Mittelpunkt allen Denkens und Planens, die immer wieder neue Freude.
»Ich will nicht alles zweimal erzählen«, sagte Cordula trotzig.
»Nur dieses eine Mal noch«, bat er und tat zerknirscht.
»Vier Kinder«, wiederholte Cordula. Sie seufzte leise, ehe sie hinzufügte: »Und eine lustige Mutter!«
»In der kurzen Zeit hast du ja schon allerhand festgestellt«, sagte er schmunzelnd. »Hoffentlich bist du nicht aufdringlich gewesen!«
»Aber sie haben mich doch gar nicht gesehen!«
»Na, das beruhigt mich aber.« Hartmut lachte. Er unterhielt sich gern mit seiner wissbegierigen Tochter und brachte auch für die schwierigsten ihrer Fragen die notwendige Geduld auf.
Welche Wende dieses Gespräch nehmen würde, ahnte er jedoch nicht, als er sie liebevoll zu sich auf den Schoß zog und bat:
»Gib den neuen Nachbarn Zeit, sich in Ruhe einzuleben. Bei vier Kindern und einem großen Hund wird es ihnen kaum an Gesellschaft mangeln.«
»Warum hab’ ich keine Mutter, Papi?«, fragte Cordula, jäh traurig.
»Das weißt du doch«, erwiderte er hastig, während er ihrem ernsten Blick auswich.
»Du hast gesagt, sie ist im Himmel, Papi. Aber – aber vorher ist sie doch bei uns gewesen.«
»Ja – natürlich – gewiss …«, murmelte Hartmut und biss sich auf die Unterlippe.
»Es gibt aber kein einziges Bild von meiner Mami. Warum? Warum kann ich sie mir nicht mal auf einem Foto anschauen, Papi?«
Das war wie ein Schlag für Hartmut. Er wechselte die Farbe, suchte nach Ausreden, wollte ablenken und nannte sich im stillen einen Schuft, weil er seiner Tochter die Wahrheit vorenthielt.
»Irgendwo müssen noch Fotos sein«, sagte er so gelassen wie möglich. »Es sei denn, sie sind beim Umzug abhandengekommen. Aber ich habe dir doch erzählt, wie deine Mutter ausgesehen hat, Püppchen.«
»War sie auch so lustig wie Frau Murrmann?«
»Lustig?«, wiederholte Hartmut perplex. Dann lächelte er verlegen und atmete Sekunden später erleichtert auf, als das Telefon läutete. Das enthob ihn einer Antwort, die er sowieso nicht wahrheitsgemäß hätte geben können. Er wusste zu wenig von der Frau, die Cordula geboren hatte – denn sie war eine Leihmutter gewesen!
Leihmutter! Dieses Wort hämmerte an diesem Abend durch seine Gedanken. Es wurde schlimmer, nachdem er Cordula zu Bett gebracht hatte und allein in dem großen Wohnzimmer saß. Die Sehnsucht seiner kleinen Tochter, die heute so spontan zum Durchbruch gekommen war, erschütterte ihn. Sie hatte nicht nur Schuldgefühle geweckt, sondern auch Erinnerungen, die, wie er betroffen feststellte, noch immer ein wenig schmerzten.
Die furchtbare Enttäuschung über seine erste, ganz große Liebe hätte ihn damals beinahe aus der Bahn geworfen. Sie hatte ihm Misstrauen gegen alle weiblichen Wesen ins Herz gesenkt. Keine Frau hatte er mehr lieben, geschweige einer vertrauen wollen. Trotzdem hatte er sich ein Kind gewünscht, in der Liebe Ersatz gesucht, die er als Vater schenken wollte.
Ein Zeitungsartikel hatte ihn vor knapp sieben Jahren auf die Idee gebracht, sich den Wunsch, Vater zu sein, über eine Leihmutter zu erfüllen. An Geld hatte es zu der Zeit nicht gefehlt, auch nicht an einem guten Freund, der für ihn alles erledigte: Rechtsanwalt und Notar Hans Wiegand. Dieser hatte vorgeschlagen, die Sache gemeinsam in Amerika durchzuführen, wo die Gesetze weniger streng waren. Durch ihn war das Geheimnis gewahrt worden, das nun durch die Sehnsucht eines Kindes gelüftet zu werden drohte.
Dieses Warum, das Cordula vorhin teils traurig, teils vorwurfsvoll ausgesprochen hatte, schien das Tor zur Vergangenheit geöffnet zu haben. Wie durch einen langen Tunnel sah Hartmut zurück, und es kam ihm so vor, als wäre alles erst gestern geschehen.
Er sah seine große Liebe wieder deutlich vor sich. Die Frau, die nicht an seinen beruflichen Aufstieg geglaubt hatte!
Von den Millionen eines um zwölf Jahre Älteren hatte sie sich verlocken und blenden lassen. Es war die dunkelste und trostloseste Zeit seines Lebens gewesen.
Im Gegensatz zu der Treulosen dann jene andere – die Leihmutter! Er hatte es damals strikt abgelehnt, sie persönlich kennenzulernen. Seine Ansprüche auf sie hatten sich darauf beschränkt, dass sie jung und gesund war und in ordentlichen Verhältnissen lebte. Für ihn war sie ein anonymes Wesen geblieben, das Hans Wiegand ausgewählt und für das er dann alles Notwendige geregelt hatte. So geregelt, dass eventuelle zukünftige Ansprüche von vornherein ausgeschlossen wurden.
Hartmut war nie neugierig auf die Mutter seines Kindes gewesen, doch ihr in stillen Stunden wie dieser von Herzen dankbar. Sie hatte ihm Cordula geboren – sie hatte seinem Leben und Schaffen den wahren Sinn gegeben!
Es war zu spät, ihretwegen Überlegungen anzustellen oder sich über ihr Tun zu wundern. Sie hatte dringend Geld gebraucht und es durch ihn erhalten. Er hatte unbedingt Vater sein wollen – und er war es geworden, ohne eine Ehe eingehen zu müssen.
Hartmut schloss kurz die Augen.
Er wollte keinen weiteren Blick mehr in die Vergangenheit tun. Die Gegenwart war so schön. Seine kleine Cordula gab ihm das Vielfache von dem, was er nach Ansicht von Freunden und Bekannten eigentlich schmerzlich hätte vermissen müssen.
*
Eine Woche später musste Hartmut wieder verreisen. An der Küste eines der neuen Bundesländer war ein Ferienpark geplant, für den er sich stark interessierte.
Er ließ seine Tochter in der Obhut der drei Menschen zurück, die in seinem Hause wohnten und arbeiteten – so, wie er es viele Male zuvor getan hatte. Als Cordula beim Abschied weinte, tröstete er:
»Es ist ja nur für ein paar Tage, Püppchen.«
»Warum nimmst du mich nicht mit, Papi?«, fragte sie.
»Weil ich selber nicht weiß, wo und wie ich unterkomme.«
»Aber das nächste Mal will ich mit!«, verlangte sie.
»Ich werde es möglich zu machen versuchen«, versprach er lächelnd, strich ihr über die Locken und gab ihr noch einen Abschiedskuss.
Das verweinte Gesicht seines Kindes nahm Hartmut dann wie ein Bild stummen Vorwurfes mit auf die Reise gen Norden. Von unterwegs aus rief er dreimal an und sprach mit Cordula. Jedes Mal wunderte er sich über ihre kläglich klingende Stimme und fürchtete, sie könne sich schon früh zu einem launischen Wesen entwickeln.
Auch dem Kindermädchen machte Cordula an diesem Tag sehr zu schaffen. Nancy ließ sich alles mögliche einfallen, um die Kleine abzulenken. Als ihr dies nicht gelang, suchte sie Rat bei Berte.
»Vielleicht hat sie eine Erkältung in den Knochen«, meinte diese, nicht sonderlich beunruhigt. »Oder sie hat sich zu sehr wegen der neuen Nachbarn aufgeregt.«
»Die Kinder sind unmöglich«, urteilte Nancy scharf.
»Ich werde morgen Cordulas Lieblingsgericht kochen und als Dessert Vanilleeis mit heißen Himbeeren auftischen«, kündigte Berte an. Für sie ging nicht nur die Liebe, sondern auch die Gesundheit durch den Magen.
Aber Cordula stocherte am nächsten Mittag so lustlos in ihrem Essen herum, dass sich auch Berte zu sorgen begann.
»Kleines, magst du heute kein Eis?«, erkundigte sie sich betroffen, als der Nachtisch unberührt blieb. Dabei beugte sie sich über Cordula, um ihr eine Locke aus der Stirn zu streichen – und fuhr im selben Augenblick erschrocken zurück.
Nancy, die ihren fragenden Blick auffing, sagte schnell:
»Sie hat erhöhte Temperatur, was nicht gleich…«
»Erhöhte Temperatur?«, wiederholte Berte entrüstet. »Das Kind kocht!«
Nun legte auch Nancy die Hand auf Cordulas Stirn und an den Hals. Sie wurde vor Schreck blass und hatte Angst in den hellen Augen, als sie sagte:
»Ich werde den Arzt rufen.«
»Ich will nicht!«, widersprach Cordula weinerlich.
»Aber wir können die Verantwortung nicht allein tragen«, erklärte Nancy so ruhig wie möglich, während sie einen ernsten Blick mit Berte Dielinger wechselte. Diese entschied: »Wir werden erst einmal feuchte Wadenwickel machen. Wenn das nicht hilft, können wir den Doktor immer noch holen.«
Also wurde Cordula ins Bett gesteckt und mit den Hausmitteln versorgt, die Berte in einem solchen Fall anzuwenden pflegte. Das Fieber sank nicht. Statt dessen klagte die Kleine zwei Stunden später über Nackenschmerzen.
»Der neue Nachbar ist Arzt«, überlegte Berte laut. »Es geht schneller, wenn wir ihn herbitten.«
Nancy verzog das Gesicht, widersprach jedoch nicht. In ihrer Sorge um Cordula war sie mit allem einverstanden, was Berte vorschlug.
Fünf Minuten später schon war Dr. Murrmann zur Stelle. Er kam in dem Augenblick, als Cordula sich heftig erbrach. Während er sie untersuchte, beobachteten Nancy und das Hausmeisterpaar ihn mit ängstlicher Spannung. Er wirkte ruhig, als er sich ihnen schließlich mit den Worten zuwandte:
»Die Kleine muss sofort ins Krankenhaus. Ich werde alles Notwendige in die Wege leiten.«
»Handelt es sich um eine schwere Grippe?«, erkundigte sich Nancy.
»Nicht um diese Jahreszeit!«, widersprach Alfons Dielinger, mit einem tadelnden Blick in ihre Richtung.
»Die Symptome deuten auf eine Meningitis hin. Ihr muss rechtzeitig entgegengewirkt werden«, sagte Dr. Murrmann.
Dielingers konnten sich unter dem Wort nichts vorstellen. Nancy dagegen presste eine Hand vor den Mund, um den aufsteigenden Schreckensschrei zu unterdrücken.
»Herr Geppert – er muss unverzüglich benachrichtigt werden!«, stieß sie dann hervor und rannte aus dem Zimmer.
Hartmut Geppert war jedoch nicht sofort zu erreichen. Qualvolle Stunden des Wartens vergingen, bis er sich endlich meldete. Zu der Zeit befand sich Cordula bereits im Krankenhaus, war auch Nancy dort und ließ sich durch nichts vertreiben.
»Wie konnte das passieren?«, schrie Hartmut aufgeregt. »Meine Tochter war doch gestern noch gesund und munter!«
»Bei Kindern geht so etwas schnell«, erwiderte Berte leise und wischte sich die Tränen fort, die schon reichlich flossen.
»Ich fliege sofort zurück. Meinen Wagen lasse ich später abholen.« Mehr war von Geppert nicht zu hören.
In letzter Minute erwischte er noch eine Linienmaschine. Den Taxifahrer, der ihn am Heimatort so schnell wie möglich zum Krankenhaus bringen sollte, brachte er durch sein Drängen fast zur Verzweiflung. Als er dann dem leitenden Arzt gegenüberstand, wirkte er wie versteinert und brachte kaum einen Ton heraus.
»Wir müssen abwarten, Herr Geppert«, hieß es – und das war für ihn wahrhaftig kein Trost. Langes Warten konnte unter Umständen alles noch verschlimmern. Am liebsten hätte er das gesamte Krankenhauspersonal zusammengetrommelt, damit es ausschließlich Cordula zur Verfügung stand. Es fiel ihm sehr schwer, sich zurückzuhalten.
Hartmut Geppert blieb in der Nähe seiner fiebernden Tochter, die ihn nicht erkannte. Er schickte Nancy nach Hause; sie war ihm eher lästig als nützlich und nervte ihn durch Fragen und Ratschläge.
Es folgten Stunden des Wartens und bangen Hoffens. Er zuckte zusammen, wenn Cordula aufschrie. Er litt mit ihr und verwünschte sein Geld, das ihm in dieser furchtbaren Situation kein bisschen helfen konnte.
Der Mann, den viele um seinen steilen Aufstieg beneideten, dem das Märchen vom Tellerwäscher zum Millionär angedichtet wurde, der Mann vergoss viele Tränen und hatte sich nie so hilflos wie jetzt gefühlt.
Mit dem Schicksal, über das er bisher glücklich gewesen war, haderte er nun. Inbrünstige Gebete stiegen in ihm auf, während er um seine kleine Tochter bangte. Auch Schuldgefühlen gab er mehr Raum. Als wäre mit dem Schöpfer aller Dinge eine Art Vertrag abzu?schließen, versprach er in seinen Gebeten, Cordulas Sehnsucht nachzugeben, ihr den Wunsch, eine Mutter zu haben, zu erfüllen.
Innerlich ausgebrannt von Ängsten und nach durchwachter Nacht übermüdet, meinte er zunächst zu träumen, als die erlösenden Worte endlich kamen.
Cordula hatte keine Hirnhautentzündung. Ein Grippevirus asiatischen Ursprungs hatte ähnliche Symptome hervorgerufen. Es ging wie ein Aufatmen durch die Station. Hartmut lächelte unter Tränen. Er nahm seine kleine Tochter vorsichtig in die Arme und murmelte ihr zärtliche Worte ins Ohr.
