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In diesen warmherzigen Romanen der beliebten, erfolgreichen Sophienlust-Serie ist Denise überall im Einsatz. Denise hat inzwischen aus Sophienlust einen fast paradiesischen Ort der Idylle geformt, aber immer wieder wird diese Heimat schenkende Einrichtung auf eine Zerreißprobe gestellt. Doch auf Denise ist Verlass. In der Reihe Sophienlust Extra werden die schönsten Romane dieser wundervollen Erfolgsserie veröffentlicht. Warmherzig, zu Tränen rührend erzählt von der großen Schriftstellerin Patricia Vandenberg. Auf dem Rosshof St. Georg, einem verfallenen Gebäude in der Nähe von Sophienlust, wollen Ilona, das Mädchen aus der Puszta, und ihr alter Freund Janosch ein Paradies für pflegebedürftige Pferde schaffen. Die Kinder von Sophienlust glauben fest daran, dass sie eines Tages auch das goldene Hufeisen finden, das dort vergraben sein soll. Vor dem Rosshof brannte das Lagerfeuer. Die Kinder von Sophienlust hatten erhitzte Gesichter. Aber das kam nicht nur von der Glut des Feuers, sondern vor allem daher, dass der alte Janosch wieder einmal eine sehr spannende Geschichte erzählt hatte. Schwester Regine stand als Erste auf. Sie drängte: »Kommt, wir müssen nach Sophienlust zurückgehen. Tante Isi wird schon auf uns warten.« »Aber eine ganz kurze Geschichte hätte Janosch vielleicht noch erzählen können«, sagte die kleine Heidi und sah Schwester Regine bittend an. Die Kinderschwester schüttelte den Kopf. »Nein, Heidi, auch dazu reicht die Zeit nicht mehr. Außerdem müssen Ilona und Janosch noch ihre Pferde versorgen.« Schwester Regine zeigte auf die Koppel. Dort standen die Schützlinge. Nun begann ein großes Abschiednehmen. Alle waren mit Ilona und Janosch gut Freund geworden. Die beiden winkten den Kindern noch nach, dann machten sie sich an die letzte Arbeit dieses Tages. Ilona stand noch bei dem ehemaligen Reitpferd Fortuna, als Janosch die Koppel schon längst wieder verlassen hatte.
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Seitenzahl: 156
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Auf dem Rosshof St. Georg, einem verfallenen Gebäude in der Nähe von Sophienlust, wollen Ilona, das Mädchen aus der Puszta, und ihr alter Freund Janosch ein Paradies für pflegebedürftige Pferde schaffen. Die Kinder von Sophienlust glauben fest daran, dass sie eines Tages auch das goldene Hufeisen finden, das dort vergraben sein soll.
Vor dem Rosshof brannte das Lagerfeuer. Die Kinder von Sophienlust hatten erhitzte Gesichter. Aber das kam nicht nur von der Glut des Feuers, sondern vor allem daher, dass der alte Janosch wieder einmal eine sehr spannende Geschichte erzählt hatte.
Schwester Regine stand als Erste auf. Sie drängte: »Kommt, wir müssen nach Sophienlust zurückgehen. Tante Isi wird schon auf uns warten.«
»Aber eine ganz kurze Geschichte hätte Janosch vielleicht noch erzählen können«, sagte die kleine Heidi und sah Schwester Regine bittend an.
Die Kinderschwester schüttelte den Kopf.
»Nein, Heidi, auch dazu reicht die Zeit nicht mehr. Außerdem müssen Ilona und Janosch noch ihre Pferde versorgen.«
Schwester Regine zeigte auf die Koppel. Dort standen die Schützlinge.
Nun begann ein großes Abschiednehmen. Alle waren mit Ilona und Janosch gut Freund geworden. Die beiden winkten den Kindern noch nach, dann machten sie sich an die letzte Arbeit dieses Tages.
Ilona stand noch bei dem ehemaligen Reitpferd Fortuna, als Janosch die Koppel schon längst wieder verlassen hatte. Sissy und auch der Hengst Sandor wurden eifersüchtig. Sie drängten sich an das junge Mädchen heran. Ilona gab jedem einen Klaps, sah noch einmal zu den anderen Pferden zurück und ging zum Rosshof.
Dort wartete Janosch bereits auf sie. Er sah sie nachdenklich an. »Wenn ich dich bei Fortuna stehen sehe, merke ich immer, wie traurig du jetzt bist. Ilona.«
»Ich vermisse Mathias. Durch Fortuna habe ich ihn kennengelernt. Daran muss ich immer wieder denken. Janosch. Es ist doch eine Schicksalsfügung gewesen, dass ich mich damals dazu entschlossen hatte, Fortuna im Isartal abzuholen.« Jetzt lachte Ilona … »Meistens werde ich auch mit aufsässigen Pferden fertig, aber als Fortuna nicht in den Waggon wollte, war ich hilflos.«
Janosch legte den Arm um Ilonas Schultern … Aber da kam Mathias Friese mit seinen jungen starken Armen und bändigte das Pferd. »Mathias hat mich außerdem davor bewahrt, von Fortunas Hufen getroffen zu werden.«
Janosch schmunzelte. Er kannte diese Geschichte schon sehr genau, aber er nahm es Ilona nicht übel, dass sie immer wieder von jenen aufregenden Minuten sprach. Welches Mädchen würde das nicht tun, wenn es seinen Retter so liebte wie Ilona ihren Mathias?
Ilona ging jetzt langsam auf die Haustür zu. Dort blieb sie stehen und sah den Weg entlang, auf dem die Kinder von Sophienlust eben verschwunden waren. »Wie schön war es, als ich am Abend stets auf Mathias warten konnte, Janosch. Meistens kam er die Senke heruntergelaufen. Die Semesterferien hätten viel länger dauern müssen. Herr Dr. von Lehn hätte Mathias auch noch gebraucht. Das sagt Andrea immer wieder.«
»Du bist unvernünftig, Ilona. Wenn Mathias Tierarzt werden will, muss er sein Studium beenden. Und gar so lange dauert das ja nicht mehr.«
»Aber München ist viel zu weit entfernt von uns.«
Janosch lachte und schob Ilona ins Haus. »Wildmoos hat eben noch keine Universität.«
»Du lachst mich aus, statt mich zu bedauern, Janosch. Dabei dachte ich, dass Mathias dir auch fehlt.«
Ilona ging in die kleine Küche. Janosch folgte ihr bis auf die Schwelle. »Und ob er mir fehlt, dein Mathias. Aber ich bin alt genug, um mich bescheiden zu können. Ich freue mich auf das nächste Wochenende. Warum soll ich klagen, wenn es nur noch ein paar Tage dauert, bis wir Mathias wieder bei uns haben? Jetzt sieh aber zu, dass du das Abendessen auf den Tisch bringst, Ilona. Es wird höchste Zeit.«
»Ja, sonst wieherst du auch so ungeduldig wie Sissy.« Nun hatte Ilona ihre gute Laune wiedergefunden. Sie begann an den Fingern abzuzählen, wie viele Tage es noch waren, bis Mathias wieder zu Besuch auf den Rosshof kommen würde. »Es stimmt, gar so lange ist es nicht mehr.«
Janosch ging zufrieden in die Wohnstube. Es war ihm schon lieber, wenn Ilona lachte. Sobald sie ein trauriges Gesicht machte, drückte das auch auf seine Stimmung.
Und doch war gerade er es, der Ilona beim Abendessen wieder beunruhigte. Allerdings hatte er das nicht vorgehabt. Es wurmte ihn nur, dass Ilona jeden Tag nach dem Briefträger Ausschau hielt, weil sie auf einen Brief ihres Vaters wartete. Deshalb sagte er: »Dein Vater ist ein richtiger Dickschädel. Zuerst hat er getan, als hätte er sich damit abgefunden, dass du Mathias heiratest, und jetzt hüllt er sich doch wieder in Schweigen. Du hättest nicht immer so nachsichtig mit ihm sein sollen. Mir würdest du nicht so viel durchgehen lassen wie deinem Vater.«
Ilona sah Janosch nachdenklich an. »Da hast du recht, ich habe mich auf Vaters Marotten eingestellt. Aber was hätte ich auch tun sollen?« Sie zuckte die Schultern. »Ich habe ihn doch gern. Er ist ja erst seit Mutters Tod so anders geworden. Und dass er mich unbedingt mit einem reichen Mann verheiraten wollte, kann ich ihm nicht einmal übelnehmen. Er hat doch dabei das Beste für mich gewollt.«
Janosch sah Ilona verblüfft an. »Wie redest du denn auf einmal? Früher hast du dich immer schrecklich aufgeregt, wenn dein Vater wieder einmal einen Mann für dich ausgesucht hatte.«
»Dagegen musste ich mich doch wehren. Aber das heißt nicht, dass ich Vater nicht verstanden hätte. Nun ist das ja alles ausgestanden. Ich habe Vater unmissverständlich gesagt, dass es für mich keinen anderen Mann gibt als Mathias. Vater hat uns sogar eingeladen, ihn einmal zu besuchen. Das will viel heißen.«
»Aber er schreibt dir nicht«, erwiderte Janosch bockig.
»Das stimmt. Ich werde eben doch noch einmal von Sophienlust aus im Taunus anrufen. Ob ich es heute noch versuche? Ich könnte nach Wildmoos reiten.« Ilona sah hinaus. »Was macht es aus, dass es jetzt schon dunkel ist?«
»Ach, bleib heute zu Hause«, bat Janosch. Nun ärgerte er sich, dass er dieses Thema angeschnitten hatte.
»Warte morgen noch einmal den Briefträger ab.«
Ilona schüttelte den Kopf. »Eben hast du dich noch darüber aufgeregt, dass ich immer auf den Briefträger warte. Manchmal weißt du auch nicht, was du willst, Janosch.«
»Da kommt man ja auch ganz durcheinander. Ich musste immer den Mund halten, weil dein Vater mein Herr war und …«
»Das hat dir niemand befohlen, Janosch.« Ilona regte sich auf. »Im Gegenteil, ich habe immer zu dir gesagt, du brauchst nicht so viel Respekt vor meinem Vater zu haben. Die Zeiten, dass er Herr auf einem großen Gut war, sind lange vorbei. Und Vater hat von dir auch niemals verlangt, dass du vor ihm kuschst.«
»Dir kann ich aber heute gar nichts recht machen, Ilona«, beklagte sich Janosch. »Natürlich habe ich vor dem großen Magnaten Bela Bartholdy immer Respekt gehabt. So sind wir damals in Ungarn erzogen worden. Ich war ja nur ein einfacher Czikös. Deshalb hatte ich zunächst ein schlechtes Gewissen, als ich mit dir im Rosshof lebte, als sei ich deinesgleichen. Nun rege dich aber nicht schon wieder auf. Wir beide verstehen uns ja. Aber wenn dein Vater zu Besuch kam, war mir eben doch nicht ganz wohl in meiner Haut. Trotzdem wäre ich jetzt heilfroh, wenn er endlich wiederkäme, damit du deine Ruhe finden könntest.«
Ilona umarmte den Alten. »Ich weiß, du hast es schwer mit mir, Janosch. Aber jetzt wollen wir uns nicht mehr so viel Gedanken um meinen Vater machen. Ich bringe schon alles in Ordnung mit ihm. Das habe ich noch immer geschafft.«
*
Während Ilona und Janosch dieses Thema beendeten, legte Bela Bartholdy auf dem Gut Bodenwerder im Taunus alles bereit, um am nächsten Tag verreisen zu können. Aber er wollte nicht etwa zum Rosshof, sondern nach Wolfratshausen bei München.
Ilonas Vermutung, dass sich der Vater doch noch nicht damit abgefunden hatte, Mathias Friese als Schwiegersohn zu bekommen, war richtig. Was soll Ilona denn mit einem Veterinärstudenten, der sich mühsam durchschlägt, dachte Bela Bartholdy. Die Aussicht, dass sein Schwiegersohn einmal Tierarzt sein würde, war nur ein kleines Trostpflaster für ihn. Wozu hatte Ilona einen Vater, wenn er sie nicht davor bewahrte, in ihr Unglück zu rennen?
So dachte Bela Bartholdy, und danach handelte er auch. Weil er jedoch wusste, dass Ilona seine Wünsche nicht gelten lassen würde, wollte er eine Komplizin suchen. Er hoffte, sie in Mathias’ Mutter zu finden. Wenn er ihr vor Augen halten würde, welchen Unsinn ihr Sohn und seine Tochter vorhatten, dann würde er sicher auf Gehör bei ihr stoßen. Schließlich konnte ja auch Agnes Friese hoffen, dass ihr Sohn eine gute Partie machte. Warum sollte er nicht ein reiches Mädchen finden?
In Wolfratshausen musste Bela Bartholdy aus dem Telefonbuch erst die Adresse der Tierarztwitwe Agnes Friese heraussuchen. Glücklicherweise war außer der Telefonnummer auch die Straße angegeben.
Es war früher Nachmittag, als Bela Bartholdy an der Pforte des kleinen Hauses läutete. Er brauchte nicht lange zu warten, bis ihm eine mittelgroße, schlanke Frau öffnete. Sie hatte blondes, straff zurückgekämmtes Haar. Aber das gab ihr nicht etwa einen strengen Ausdruck. Dazu waren die braunen Augen in ihrem schmalen Gesicht viel zu lebhaft.
Agnes Friese sah den Mann vor der Tür neugierig an, als sie über den Kiesweg auf die Pforte zuging. Es war der Fünfundfünfzigjährigen zweifellos noch nicht passiert, dass ein so auffallender Mann zu ihr wollte. Natürlich trug Bela Bartholdy auch diesmal wieder seinen schwarzen Reitanzug mit den hohen glänzenden Stiefeln. Sein schwarzes, leicht ergrautes Haar und der Spitzbart gaben ihm das Aussehen eines Menschen, der hier fremd war.
Noch ehe Bela Bartholdy seinen Namen nennen konnte, wusste Agnes Friese, wen sie vor sich hatte. Ja, das musste Ilonas Vater sein. So hatte Mathias ihn geschildert.
»Wollen Sie Mathias besuchen, Herr Bartholdy?«, fragte Agnes Friese und öffnete die Pforte.
Bela Bartholdy war verdutzt, aber auch ein wenig geschmeichelt. »Dass Sie gleich erraten haben, wer ich bin«, sagte er und strich sich über den Spitzbart. »Ich war nicht so sicher, dass Sie Frau Friese sind.«
»Aber ich bin es.« Agnes Friese lachte. »Hier wohnt außer meinem Sohn und mir keiner. Für mehr Leute wäre in dem kleinen Haus auch nicht Platz.«
Das sagte Mathias’ Mutter alles so unbefangen und heiter, dass Bela Bartholdy immer mehr aus dem Konzept geriet. Er hatte sich die Mutter von Mathias ganz anders vorgestellt. Wieso eigentlich? Es war doch heute häufig so, dass die Mütter erwachsener Söhne noch sehr anziehend wirkten und lebenstüchtig waren.
Agnes Friese führte ihren Besucher in ein sehr gemütlich eingerichtetes Wohnzimmer. »Mathias ist leider noch in irgendeinem Institut. Er hat ja immer so viel vor, dass ich ihn nur selten zu sehen kriege. Bitte, nehmen Sie doch Platz, Herr Bartholdy. Ich freue mich, dass Sie uns besuchen kommen. Vielleicht werden Sie Mathias dadurch auch noch etwas besser kennenlernen. Ilona sagte mir neulich …«
Der sonst übertrieben höfliche ehemalige Magnat unterbrach sie. »Sie haben mit Ilona gesprochen?«
»Ja. Mathias hat mich am Wochenende mit zum Rosshof genommen, weil er unbedingt wollte, dass ich Ilona kennenlerne. Das waren zwei herrliche Tage für mich. Wir haben uns einen Wagen geliehen, und ab ging die Post.«
»Was ging ab?« Bela Bartholdy strich sich über das sorgfältig gescheitelte Haar.
Agnes Friese stützte sich auf eine Sessellehne: »Ach, entschuldigen Sie, Herr Bartholdy, Sie sind natürlich der deutschen Sprache nicht so mächtig, dass Sie derart burschikose Ausdrücke verstehen. Ich wollte sagen, dass wir eine lustige Fahrt nach Wildmoos hatten. Aber jetzt sorge ich erst einmal für Kaffee. Oder wollen Sie lieber Tee?«
»Kaffee ist mir lieber.« Bela Bartholdy wurde immer unsicher. Diese lebhafte Frau war ihm nicht ganz geheuer. Er hatte gedacht, diese Wohnung hier gleich mit dem warnend erhobenen Zeigefinger betreten zu können. Dabei tat Agnes Friese so selbstverständlich, als gehöre er schon mit zur Familie.
Als die Hausfrau den Kaffee brachte, schien sie inzwischen überlegt zu haben, dass sie doch etwas zu selbstverständlich mit Bela Bartholdy umgesprungen war. Schließlich hatten Ilona und Mathias gesagt, dass er ein etwas verschrobener Patron sei.
»Wollen Sie aus einem besonderen Grund mit Mathias sprechen?«, fragte Agnes Friese.
»Ich will überhaupt nicht mit Ihrem Sohn sprechen, sondern mit Ihnen.« Bela Bartholdy nahm einen Schluck Kaffee und stellte die Tasse gleich wieder auf den Tisch. Dabei sah er Agnes Friese sehr bedeutungsvoll an. Aber er setzte sich zuerst noch etwas besser in Positur, ehe er sagte: »Ich muss mit Ihnen sprechen, Frau Friese. Sie sind doch sicher eine vernünftige Frau.«
Agnes Friese sah ihn zuerst verblüfft an, dann lächelte sie wieder. »Ich nehme das für mich in Anspruch, Herr Bartholdy, aber wer kann schon die Hand für sich ins Feuer legen?«
»Ich habe gehört, dass Sie Witwe sind. Das Leben scheint Sie also auch nicht immer mit Glacéhandschuhen angefasst zu haben.«
»Keineswegs, Herr Bartholdy.« Das Gesicht Agnes Frieses war ernst geworden. »Ich habe meinen Mann schon vor zehn Jahren verloren. Er hatte in Wolfratshausen eine gut gehende Praxis, und ich konnte ihm helfen. Aber danach war plötzlich alles anders. Ohne Mathias hätte ich mich wohl nur schwer zurechtgefunden, aber er brauchte mich ja. Und jetzt haben wir es bald miteinander geschafft.« Ihre Stimme hatte sich wieder aufgehellt. »Glücklicherweise hatte mein Mann eine Lebensversicherung abgeschlossen, aus der ich eine monatliche Rente bekomme. Sie hat zwar nie für Matthias und mich gereicht, aber ich arbeite halbtags als Buchhalterin, und Mathias hat früh gelernt, sein Studium mitzufinanzieren. Also, Grund zum Verzweifeln hatten wir nie.«
Bela Bartholdy wurde jetzt allmählich ungeduldig. Vor allem deshalb, weil er fürchtete, den Faden zu verlieren. Etwas gewaltsam lenkte er das Gespräch auf den Grund seines Besuches. »Mathias hat also karge Zeiten hinter sich, Frau Friese. Warum haben Sie dann nicht dafür gesorgt, dass er ein reiches Mädchen heiratet?«
»Wie meinen Sie das?« Agnes Friese sah ihren Besucher an, als habe er sie etwas ganz Unvorstellbares gefragt.
»Nun, ich bin leider nicht mehr wohlhabend.« Bela Bartholdy sah bei diesen Worten sehr verlegen aus. »Ich kann meiner Tochter keine Mitgift …«
Jetzt unterbrach Agnes Friese ihn. »Hat Mathias das verlangt? So etwas würde ihm nie einfallen. Er besitzt doch auch nichts. Wie könnte er da von seiner zukünftigen Frau verlangen, dass sie Geld in die Ehe mitbringt? Nein, so berechnend ist Mathias nicht. Er wird Ilona aus Liebe heiraten.«
»Diesen Irrsinn hätten Sie ihm ausreden sollen, Frau Friese.«
Jetzt machte Agnes Friese ein sehr entrüstetes Gesicht. »Ich habe nie versucht, meinem Sohn etwas auszureden. Er ist früh selbstständig gewesen. Wir haben immer alles sehr kameradschaftlich miteinander besprochen und sind dabei gut gefahren. Als er Ilona kennengelernt hatte und zum ersten Mal von ihr erzählte, wusste ich, wie sehr er sich in sie verliebt hatte. Er sagte auch gleich: ›Mutter, wenn mich Ilona nicht will, werde ich wohl Junggeselle bleiben.‹ Das war ihm ernst.«
Bela Bartholdy lächelte spöttisch. »So etwas ist schnell gesagt, aber wir Erwachsenen sollten doch unsere Kinder nicht so ernst nehmen.«
Agnes Friese lehnte sich zurück. »Unsere Kinder verstehen sich sehr gut, Herr Bartholdy, aber bei uns beiden ist das wohl nicht der Fall. Wir scheinen sehr entgegengesetzte Ansichten zu haben.«
»Aber ich bin gekommen, um Sie von meinen Ansichten zu überzeugen, Frau Friese.«
»Deshalb hielten Sie mich für eine vernünftige Frau? Nein, Herr Bartholdy, ich lasse mich nicht so schnell umstimmen. Und schon gar nicht, wenn es um das Glück meines einzigen Kindes geht. Warum sollte ich Mathias einreden, ein reiches Mädchen zu heiraten? Er würde mich nur auslachen und an dem klaren Verstand seiner Mutter zweifeln. Dieser Gefahr werde ich mich nicht aussetzen.« Jetzt neigte sich Agnes Friese vor. »Ich bin für Ehrlichkeit, Herr Bartholdy. War das, dass sie mir einreden wollten, mein Sohn solle besser eine reiche Partie machen, vielleicht nur ein Vorwand von Ihnen? Geht es Ihnen vielleicht mehr darum, dass Mathias Ihnen als Schwiegersohn nicht genügt?«
Diese offene Art war Bela Bartholdy fremd. Aber er musste sich ihr jetzt stellen. »Ja, ich gebe zu, dass ich mir für Ilona einen wohlhabenden Mann gewünscht habe. Sie ist ein sehr schönes und tüchtiges Mädchen, das in einen glänzenden Rahmen passt. Sie hat eine sehr gute Erziehung genossen, und ich habe sie darauf vorbereitet, einmal die Frau eines Gutsbesitzers zu werden. Sie liebt Pferde. Soll sie dazu verurteilt bleiben, abgehalfterte Pferde zu pflegen?«
»Das scheint Ilona aber sehr viel Freude zu machen, Herr Bartholdy. Im Übrigen möchte ich mich in diese Angelegenheit überhaupt nicht einmischen. Ich wusste nicht, dass Sie den jungen Leuten Schwierigkeiten machen wollen. Davon hat mir mein Sohn nichts erzählt. Sprechen Sie mit ihm und mit Ihrer Tochter. Ich habe gegen Ilona nichts einzuwenden. Im Gegenteil, sie hat mir sehr gut gefallen. Ich bin auch überzeugt, dass sie meinen Mathias sehr liebt. Nur das ist mir wichtig. Mit Ihrer verstaubten Welt, in der es noch Standesunterschiede zu geben scheint, will ich nichts zu tun haben.« Agnes Friese stand erregt auf. »Ich verstehe Sie nicht. Sie haben doch auch nur Ihre Tochter. Wollen Sie den einzigen Menschen verlieren, der noch zu Ihnen gehört?«
»Nein, das will ich nicht. Aber ich kann nicht einsehen, dass Ilona so armselig weiterleben soll wie bisher. Wann wird Ihr Sohn Ilona etwas bieten können?«
»Ich glaube, danach hat Ilona noch nie gefragt. Die beiden freuen sich doch darauf, miteinander schaffen zu können. Besser hätte es sich auch gar nicht treffen können, als dass Mathias Tierarzt wird und seine zukünftige Frau so viel von Pferden versteht.« Jetzt machte Agnes Friese ein geheimnisvolles Gesicht. »Mathias hat nämlich vor, eines Tages eine Pferdeklinik einzurichten.«
»Dazu braucht er Geld.« Nun stand auch Bela Bartholdy auf. Er kam sich hier überflüssig vor, denn dieser hartnäckigen Frau fühlte er sich nicht gewachsen.
»Er wird Geld verdienen, und Ilona wird ihm dabei helfen. Schon bald wird sie das Fohlen erhalten, das ihr versprochen wurde. Sie träumt davon, damit eine Pferdezucht zu gründen. Ich beneide die beiden jungen Leute um ihre Zuversicht und um den Weg, den sie vor sich haben. Sie werden einmal sehr stolz darauf sein, es allein geschafft zu haben.« Nun trat Agnes Friese ganz nahe an Bela Bartholdy heran. »Ich glaube, Sie sind ein sehr unbeholfener Mensch. Und besonders viel Zutrauen scheinen Sie zu sich selbst auch nicht gerade zu haben.«
»Wie meinen Sie das?« Bela Bartholdy machte ein gekränktes Gesicht.
»Wenn es anders wäre, hätten Sie vielleicht schon einmal überlegt, wie Sie Ilona und Mathias helfen könnten.«
»Ich sagte doch schon, dass ich leider verarmt bin, Frau Friese.«
Agnes Friese stieß einen abgrundtiefen Seufzer aus. »Geld, immer Geld. Ist das wirklich alles im Leben? Nein, davon kann mich keiner überzeugen. Ich bin sicher, dass wir den beiden helfen könnten. Mit Rat und auch mit Tat. Also, ich habe mir schon fest vorgenommen, immer dann einzuspringen, wenn mich Ilona und Mathias brauchen sollten. Und Sie könnten den beiden sicher noch tatkräftiger helfen. Warum überlassen Sie alles dem alten Janosch?« Agnes Friese sah zum Fenster hinaus. »Da kommt Mathias.«
