Wir sind nicht bestechlich! - Patricia Vandenberg - E-Book

Wir sind nicht bestechlich! E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Die Serie von Patricia Vandenberg befindet sich inzwischen in der zweiten Autoren- und auch Arztgeneration. »Ach, Fee, gut, dass ich dich treffe!« In Gedanken versunken strebte Dr. Felicitas Norden auf den Eingang der Behnisch-Klinik zu. Als sie ihren Namen hörte, blieb sie stehen und sah sich um. »Marianne, was machst du denn hier?«, begrüßte sie die Tortenkünstlerin, die seit einiger Zeit mit ihrem Bruder und Chef der Pädiatrie, Dr. Mario Cornelius, liiert war. Marianne Hasselt machte neben der Ärztin Halt und schnappte nach Luft. »Kannst du Mario bitte das hier geben?« Sie hielt eine Papiertüte hoch, die die Aufschrift der Bäckerei ›Schöne Aussichten‹ trug, in der sie arbeitete. »Eine Tüte voller süßer Sünden«, wusste Fee sofort um den Inhalt. »Dein Vertrauen ehrt mich. Aber warum gibst du sie ihm nicht selbst?«, wunderte sie sich über diesen Auftrag. »Weil ich im Halteverbot stehe und mir zwei Strafzettel an einem Tag definitiv zu viel sind.« Marianne lachte, und zwei Grübchen zeigten sich auf ihren Wangen. »Stell dir vor: Ich wurde kontrolliert und hab den Geldbeutel mit dem Führerschein in der Bäckerei liegen gelassen.« »Was kostet dieses Vergehen?« »Zehn Euro.«

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Seitenzahl: 112

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Dr. Norden Bestseller – 376 –Wir sind nicht bestechlich!

Fee Norden lässt sich nicht in Versuchung führen

Patricia Vandenberg

»Ach, Fee, gut, dass ich dich treffe!« In Gedanken versunken strebte Dr. Felicitas Norden auf den Eingang der Behnisch-Klinik zu. Als sie ihren Namen hörte, blieb sie stehen und sah sich um. »Marianne, was machst du denn hier?«, begrüßte sie die Tortenkünstlerin, die seit einiger Zeit mit ihrem Bruder und Chef der Pädiatrie, Dr. Mario Cornelius, liiert war. Marianne Hasselt machte neben der Ärztin Halt und schnappte nach Luft. »Kannst du Mario bitte das hier geben?« Sie hielt eine Papiertüte hoch, die die Aufschrift der Bäckerei ›Schöne Aussichten‹ trug, in der sie arbeitete. »Eine Tüte voller süßer Sünden«, wusste Fee sofort um den Inhalt. »Dein Vertrauen ehrt mich. Aber warum gibst du sie ihm nicht selbst?«, wunderte sie sich über diesen Auftrag. »Weil ich im Halteverbot stehe und mir zwei Strafzettel an einem Tag definitiv zu viel sind.« Marianne lachte, und zwei Grübchen zeigten sich auf ihren Wangen. »Stell dir vor: Ich wurde kontrolliert und hab den Geldbeutel mit dem Führerschein in der Bäckerei liegen gelassen.«

»Was kostet dieses Vergehen?«

»Zehn Euro.« Marianne schüttelte den Kopf, dass ihre Locken hin und her flogen, als wollten sie ihre Entrüstung über diese Gemeinheit zum Ausdruck bringen. »Dabei werden andere Verkehrsteilnehmer, die eine echte Gefahr sind, nicht zur Rechenschaft gezogen«, erinnerte sie sich an einen Lastwagen, der ihr gleich darauf die Vorfahrt genommen hatte. »Wenn man erwachsen geworden ist, muss man oft feststellen, dass Gerechtigkeit genauso real ist wie Elfen und Feen«, schmunzelte Fee. Sie verstand genau, was Marianne meinte. »Du sagst es. Gibst du Mario die Tüte? Und bestell ihm bitte Grüße von mir. Seit Wochen bekomme ich ihn kaum mehr zu Gesicht. Offenbar gefällt es ihm jetzt so gut in der Klinik, dass er gar nicht mehr heimkommen mag.« Felicitas wusste, worauf die Tortenkünstlerin anspielte. »Der Umbau der Pädiatrie ist aber auch wirklich gelungen«, musste sie zugeben. »Alles strahlt in neuem Glanz und die Räume, die Roman zusätzlich entworfen und gebaut hat, sind wunderschön.« Tatsächlich hatte Jenny Behnischs Lebensgefährte, der Architekt Roman Kürschner, ganze Arbeit geleistet.

»Klingt verlockend«, seufzte Marianne. »Vielleicht sollte ich Roman mal zu mir nach Hause einladen.«

»Oder du ziehst zu uns in die Klinik. Dann bekommst du deinen Liebsten auch öfter zu Gesicht.«

»Gute Idee!« Aus den Augenwinkeln sah Marianne die Verkehrspolizistin, die mit prüfendem Blick an den parkenden Autos vor der Klinik entlang wanderte. »Aber ich fürchte, ich muss woanders über die Durchführung nachdenken. Schönen Tag dir!« Sie umarmte Fee schnell, ehe sie sich im Laufschritt auf den Weg zu ihrem Wagen machte.

Die Ärztin sah ihr nach, wie die Tortenkünstlerin mit einem charmanten Lächeln auf den Lippen einstieg und gerade noch rechtzeitig wegfuhr, bevor sie den zweiten Strafzettel des Tages kassierte. Dann machte sich Fee, bewaffnet mit der Tüte, die einen betörenden Duft verströmte, auf den Weg zu ihrem Arbeitsplatz. Im Aufenthaltsraum der Ärzte traf sie auf ihren Bruder, der mit ihrem ungeliebten Kollegen Volker Lammers zusammen stand. »Einen wunderschönen guten Tag, die Herren«, beschloss sie, Lammers‘ Angriffe der Vergangenheit wenigstens für diesen Augenblick zu vergessen und ihrer guten Laune freien Lauf zu lassen. Das war ein schöner Vorsatz. Doch ihr Lachen fand keinen Widerhall.

»Heute ist kein schöner Tag!«, knurrte Lammers.

Wenigstens wusste Felicitas, dass sie diesmal nicht für seine grimmige Miene verantwortlich war.

»Was ist denn passiert?«, erkundigte sie sich und drückte Mario die Tüte seiner Freundin in die Hand. »Mit schönen Grüßen von Marianne.« Dabei ließ sie den Kollegen nicht aus den Augen. »Der kleine Schmitz … Er hätte es um ein Haar nicht geschafft«, war es der Chef der Pädiatrie, der ihre Frage beantwortete. »Diese Blutung … Wahnsinn …«

»Wenn wir einen dieser neuen Diodenlaser gehabt hätten, wäre mit Sicherheit alles gut gegangen«, schimpfte Volker Lammers.

»Ich weiß nicht«, konnte sich Fee einen Widerspruch nicht verkneifen. »Wir wissen doch alle, dass letzten Endes nur das Schicksal über Leben und Tod eines jeden Menschen entscheidet.«

»Ich glaube nicht an Schicksal«, gab Lammers zurück und trank einen Schluck Kaffee aus seiner Tasse. »Vielleicht ist Ihnen das neu, aber die Entfernung von Lebermetastasen ist eine mit hohem Blutverlust und Schwierigkeiten verbundene Operation. Mit der Laserchirurgie wurden neue, schonende Verfahren entwickelt, mit denen sich gewebeschonend, blutungsarm und präzise größere Leberareale genauso resezieren lassen wie kleine, einzelne Metastasen«, hielt er ihr einen kleinen Vortrag.

Während Dr. Cornelius zuhörte, öffnete er die Tüte, die seine Schwester ihm in die Hand gedrückt hatte. Trotz seiner Verstimmung konnte er dem verlockenden Duft nicht widerstehen und bot den Kollegen Kirschplunder, Vanillehörnchen und Quarkbällchen an. Felicitas war der Appetit vergangen, aber Lammers griff ohne Zögern in die Tüte. Mario selbst entschied sich für ein Stück Plunder. Der Blätterteig zerbröselte in seinem Mund und vermischte sich mit der süßsauren Füllung zu einem einmaligen Genuss, der ihn seine Sorgen wenigstens kurz vergessen ließ. »Marianne weiß einfach, was ich brauche«, seufzte er.

Doch Lammers, der sein Quarkbällchen mit einem Bissen verschlungen hatte, war schon wieder beim Thema.

»Einen chirurgischen Laser«, beharrte er.

Dr. Cornelius seufzte.

»Sie wissen so gut wie ich, dass die Haushaltsmittel in diesem Jahr wegen der Renovierung der Pädiatrie erschöpft sind. Wir müssen uns wohl oder übel bis nächstes Jahr gedulden.«

Doch davon wollte Volker Lammers nichts wissen. Er leckte sich den Zucker von den Lippen und sah Fee an. Plötzlich spielte ein anzügliches Lächeln um seine Lippen.

»Es gäbe noch andere Möglichkeiten, an so ein Gerät zu kommen. Wir bräuchten einfach ein paar Sponsoren. Wie wär’s, wenn unsere Stellvertreterin zur Abwechslung mal ihre weiblichen Reize spielen lassen würde …«

»Das ist aber nett von Ihnen, dass Sie mir inzwischen so was wie Reize zugestehen«, konterte Fee. »Wenn ich mich recht erinnere, war das bis gestern nicht der Fall.«

»Stimmt, und ich habe meine Meinung auch nicht geändert«, ließ sich Lammers auf den Schlagabtausch ein. »Aber offenbar gibt es Männer, die an Ihnen was finden. Selbst wenn mir das für immer ein Rätsel bleiben wird.«

»Da hab ich ja noch mal richtig Glück gehabt, dass Sie mir als Verehrer erspart bleiben.« Es war ein hartes Stück Arbeit gewesen, sich nicht mehr über die Attacken eines Dr. Lammers aufzuregen. Doch Fee war stolz darauf, es inzwischen geschafft zu haben. Sie lächelte ihn an wie ein Engel und nickte den beiden Männern zu. »Dann werde ich mich mal an die Arbeit machen. Steht was Besonderes an?«, wandte sie sich an ihren Bruder, der die Nase schon wieder in die Tüte gesteckt hatte. »Frag doch bitte die Kollegin May. Sie hat uns vertreten, während wir uns um den kleinen Schmitz gekümmert haben«, murmelte er und griff nach einem Vanille-Schoko-Hörnchen. Fee gönnte ihm diese Erholungspause von Herzen und verließ den Aufenthaltsraum, um sich auf die Suche nach der Kollegin zu machen.

*

Während seine Frau Felicitas Norden die Nachmittagsschicht in der Behnisch-Klinik antrat, war Dr. Daniel Norden auf der Autobahn unterwegs zu einem Kongress, der außerhalb von München stattfinden sollte. Obwohl er die Stadtgrenze noch nicht erreicht hatte, waren seine Nerven schon jetzt zum Zerreißen gespannt.

»Das gibts doch nicht. Ist der Kerl um diese Uhrzeit schon betrunken oder warum fährt er Schlangenlinien?«, schimpfte er laut vor sich hin. Während er die Spur wechselte, ließ er den Lkw vor sich nicht aus den Augen. Glücklicherweise war die Autobahn um diese Uhrzeit nur wenig befahren, sodass sich das Risiko in Grenzen hielt. »Hoffentlich geht das gut«, tat Daniel seine Hoffnung trotzdem kund. Er hatte noch nicht ausgesprochen, als der Lastwagen plötzlich ausscherte und unvermittelt die Spur wechselte. Die Fahrerin des Wagens auf der anderen Seite konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen. Es kam, wie es kommen musste. Bevor Dr. Norden den Zusammenstoß registrierte, hörte er ein furchtbares Krachen. Glassplitter regneten auf seine Windschutzscheibe. Als er sich von dem Schock erholt hatte, blickte er im Rückspiegel. Er sah nur noch das Autowrack, das sich seitlich in den Lkw gebohrt hatte. In diesem Moment übernahmen Daniel Nordens Routine und seine Erfahrung die Führung. Vollkommen ruhig lenkte er seinen Wagen auf die Standspur und hielt an. Er griff nach seiner Arzttasche, die immer im Fußraum des Beifahrersitzes stand, stieg aus und eilte zum Ort des Geschehens. Unterwegs zog er sein Handy aus der Tasche und wählte die Nummer der Behnisch-Klinik. »Autounfall, Lkw und Pkw. Ich brauche mindestens einen Wagen, besser zwei«, befahl er und gab seinen Standort durch. Mehr konnte er im Augenblick nicht sagen und konzentrierte sich auf die Versorgung der Verletzten. »Können Sie mich hören?« In Schockstarre saß eine Frau hinter dem Steuer. Der Airbag hatte sich entfaltet und hing schlaff auf ihren Schoß hinab. Wie durch ein Wunder schien ihr nichts passiert zu sein. »Hallo? Alles in Ordnung?«, fragte Daniel weiter, als er bemerkte, dass die Frau in den Rückspiegel starrte. Sofort konzentrierte er sich auf den hinteren Teil des Wagens.

»Ach du liebe Zeit!« Ein Mädchen hing blutüberströmt im Sicherheitsgurt. Offenbar hatte es das Bewusstsein verloren. Dr. Norden war noch mit der Erstversorgung des Kindes beschäftigt, als das Martinshorn des ersten Rettungswagens ertönte und schnell näher kam. Der Arzt schickte ein Stoßgebet in den Himmel und setzte seine Arbeit fort, bis die erlösende Unterstützung kam.

*

Felicitas Norden unterhielt sich gerade mit einem ihrer kleinen Patienten, als sie der Notruf aus der Ambulanz erreichte. »Tut mir leid, Max, aber ich muss los«, entschuldigte sie sich bei dem Jungen, den die Kollegin Carola May tags zuvor am Blinddarm operiert hatte. »Aber morgen komme ich wieder. Und dann musst du mir unbedingt erzählen, welchen Streich du deinem Bruder gespielt hast.« Zum Abschied zwinkerte sie ihm zu und hastete dann aus dem Zimmer und direkt in die Notaufnahme.

»Tut mir leid, aber ich konnte Dr. Cornelius nicht erreichen«, entschuldigte sich Schwester Elena und deutete mit dem Kopf in Richtung Tür, durch die gerade eine Liege geschoben wurde. Dr. Matthias Weigand war sofort zur Stelle.

»Patient, männlich, 54 Jahre alt. Rippenprellung und Unterschenkelfraktur«, teilte der Sanitäter die Ergebnisse seiner Untersuchung mit und klärte den Arzt über die Notversorgung auf, die er während der Fahrt durchgeführt hatte. »Er klagt über Schmerzen im linken Arm, wir konnten aber nichts feststellen und haben ihm ein Schmerzmittel verabreicht.«

Fee wusste, dass der Patient in besten Händen war und wandte sich wieder Schwester Elena zu.

»Es war richtig, dass Sie mich geholt haben. Mario ist seit Tagen fast ununterbrochen in der Klinik. Er braucht auch mal ein bisschen Auszeit. Wann wird das Mädchen voraussichtlich gebracht?« Die Frage erübrigte sich, denn in diesem Moment öffnete sich die Tür ein zweites Mal und ein weiterer Patient wurde gebracht. Neben den Sanitätern hastete eine Frau neben der Liege her. Und ein Mann, den Fee nur zu gut kannte. Fee erschrak zu Tode. Im ersten Augenblick dachte sie, dass es sich bei dem verletzten Mädchen um ihre Tochter Dési handelte, und schnappte nach Luft. Als sie aber den dunklen Haarschopf entdeckte, erkannte sie ihren Irrtum. »Dan, was machst du denn hier?«, fragte sie ihren Mann, während sich Schwester Elena um die Mutter des Mädchens kümmerte.

»Ich war auf der Autobahn unterwegs, als direkt vor mir der Unfall passiert ist«, erwiderte Daniel in knappen Worten.

Fürs Erste musste diese Information genügen, und Fee wandte ihre Aufmerksamkeit dem Mädchen zu.

»Was fehlt der Kleinen?«

»Esther Ahrendt ist zwölf Jahre alt. Sie hat ein stumpfes Bauchtrauma und eine Rippenfraktur. Es besteht Verdacht auf Hämatothorax und hochgradiger Verdacht auf Milzruptur. Wir haben sie sediert.«

»Gut, dann ab mit ihr in den Schockraum«, gab Felicitas vollkommen ruhig ihre Anweisungen. Sie wunderte sich selbst immer wieder über diesen Abstand, der sich wie selbstverständlich in kritischen Situationen einstellte und der sie vor unüberlegten Reaktionen und Fehlern bewahrte. Bevor sich die Türen hinter ihr schlossen, hörte sie noch die Stimme ihres Kollegen Weigand über den Flur der Ambulanz hallen.

»Der Mann hat einen Herzanfall. Schnell!« Doch selbst wenn sie gewollt hätte, konnte sie in diesem Augenblick nicht darauf achten. Ihre ganze Konzentration galt der kleinen Esther, die von den Kollegen auf Kommando von der Transportliege auf eine Behandlungsliege umgebettet wurde.

*

Es dauerte bis zum späten Nachmittag, bis die Klinikchefin Jenny Behnisch Zeit für einen Besuch auf der Kinderstation fand. Sie traf den Kollegen Lammers auf dem Flur. Er unterhielt sich mit einer Schwester, brach das Gespräch aber ab, als die Chefin zu ihnen trat. Jenny wartete, bis Schwester Alicia außer Hörweite war. »Ich habe von den Komplikationen bei Thomas Schmitz gehört«, sprach sie den Kollegen ohne Umschweife auf die Vorkommnisse des Vormittags an. Lammers war bekannt für seine außerordentlichen chirurgischen Fähigkeiten und operierte selbst dann noch, wenn kein anderer mehr einen Eingriff gewagt hätte. Und das meist sehr erfolgreich. Das war einer der Gründe, warum die Klinikchefin über seine mangelnden zwischenmenschlichen Fähigkeiten hinwegsah und an ihm festhielt. »Was ist passiert?«

Dr. Lammers‘ Augen wurden schmal.

»Haben Sie Spione in der Klinik oder warum wissen Sie immer über alles Bescheid?«, fragte er und sah sich suchend um.

Jenny lächelte.

»Solche Tricks habe ich nicht nötig. Ich gehe einfach mit offenen Augen und Ohren durch meine Klinik und erfahre auf diese Weise so allerhand.« »Interessant.« Sein Tonfall machte deutlich, dass er ihr nicht glaubte. »Das war knapp heute«, beschloss er aber, die Frage seiner Chefin zu beantworten. »Wenn wir einen Diodenlaser gehabt hätten, wäre das nicht passiert.«

Jenny Behnisch wusste um den Wunsch ihres Kinderarztes, den der Chefarzt Mario Cornelius bereits bei der letzten Besprechung vorgetragen hatte. Doch sie wusste auch, dass ihr im Moment die finanziellen Mittel fehlten, um diesen Wunsch zu erfüllen.