Wird sie jemals wieder lieben können? - Patricia Vandenberg - E-Book

Wird sie jemals wieder lieben können? E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Das Ehepaar Dr. Daniel Norden und Fee sehen den Beruf nicht als Job, sondern als wirkliche Berufung an. Aber ihr wahres Glück finden sie in der Familie. Fünf Kinder erblicken das Licht der Welt. Die Familie bleibt für Daniel Norden der wichtige Hintergrund, aus dem er Kraft schöpft für seinen verantwortungsvollen Beruf und der ihm immer Halt gibt. So ist es ihm möglich, Nöte, Sorgen und Ängste der Patienten zu erkennen und darauf einfühlsam einzugehen. Familie Dr. Norden ist der Schlüssel dieser erfolgreichsten Arztserie Deutschlands und Europas. Große Freude herrschte im Hause Norden, wenn Mario Cornelius zu Besuch kam. Schon lange war vergessen, daß er nicht immer Corne­lius hieß, daß er als kleiner Junge von Daniel Norden vor dem Ertrinken gerettet worden war, während für seine italienischen Eltern jede Hilfe zu spät gekommen war. Geblieben war ihm nur sein Vorname Mario. Dr. Johannes Cornelius und seine Frau Anne hatten Mario adoptiert, er war als ihr Kind aufgewachsen in einer Welt, die er sonst niemals kennengelernt hätte. Das Lernen war ihm leichtgefallen und schon bald hatte er erklärt, daß er auch Arzt werden wolle wie sein Papi und wie Daniel. Jetzt war er einundzwanzig Jahre und studierte bereits im fünften Semester Medizin in Heidelberg. Natürlich waren Fee und Daniel Norden immer auf dem laufenden, was Mario betraf, und es war auch selbstverständlich gewesen, daß er seinen Besuch telefonisch angekündigt hatte. Überrascht waren Fee und Daniel nur, daß er mit einer Freundin gekommen war, die er allerdings nicht gleich mitbrachte. Leicht verlegen erklärte er ihnen, daß ihr Name Tabea Miklos sei, und übermorgen die Hochzeit ihrer Schwester Saskia stattfinden würde, zu der er auch eingeladen worden sei. »Hochzeit ist immer schön«, warf Anneka mit verklärtem Lächeln ein. »Ich kenne sonst niemand von der Familie oder von den Gästen«, erklärte Mario mit sichtlichem Unbehagen. »Ich wollte nur Tabea nicht enttäuschen, die von ihrem zukünftigen Schwager nicht gerade begeistert zu sein scheint.« »Wir werden doch Tabea hoffentlich kennenlernen«, sagte Fee. »Gern, wenn ihr einverstanden seid. Das ist auch Tabeas Wunsch, ich wollte es nur nicht gleich sagen.« »Dann könnten wir doch heute gemeinsam zu Abend essen«

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Seitenzahl: 118

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Familie Dr. Norden – 788 –Wird sie jemals wieder lieben können?

Unveröffentlichter Roman

Patricia Vandenberg

Große Freude herrschte im Hause Norden, wenn Mario Cornelius zu Besuch kam. Schon lange war vergessen, daß er nicht immer Corne­lius hieß, daß er als kleiner Junge von Daniel Norden vor dem Ertrinken gerettet worden war, während für seine italienischen Eltern jede Hilfe zu spät gekommen war.

Geblieben war ihm nur sein Vorname Mario. Dr. Johannes Cornelius und seine Frau Anne hatten Mario adoptiert, er war als ihr Kind aufgewachsen in einer Welt, die er sonst niemals kennengelernt hätte. Das Lernen war ihm leichtgefallen und schon bald hatte er erklärt, daß er auch Arzt werden wolle wie sein Papi und wie Daniel.

Jetzt war er einundzwanzig Jahre und studierte bereits im fünften Semester Medizin in Heidelberg.

Natürlich waren Fee und Daniel Norden immer auf dem laufenden, was Mario betraf, und es war auch selbstverständlich gewesen, daß er seinen Besuch telefonisch angekündigt hatte. Überrascht waren Fee und Daniel nur, daß er mit einer Freundin gekommen war, die er allerdings nicht gleich mitbrachte. Leicht verlegen erklärte er ihnen, daß ihr Name Tabea Miklos sei, und übermorgen die Hochzeit ihrer Schwester Saskia stattfinden würde, zu der er auch eingeladen worden sei.

»Hochzeit ist immer schön«, warf Anneka mit verklärtem Lächeln ein.

»Ich kenne sonst niemand von der Familie oder von den Gästen«, erklärte Mario mit sichtlichem Unbehagen.

»Ich wollte nur Tabea nicht enttäuschen, die von ihrem zukünftigen Schwager nicht gerade begeistert zu sein scheint.«

»Wir werden doch Tabea hoffentlich kennenlernen«, sagte Fee.

»Gern, wenn ihr einverstanden seid. Das ist auch Tabeas Wunsch, ich wollte es nur nicht gleich sagen.«

»Dann könnten wir doch heute gemeinsam zu Abend essen«, schlug Fee vor.

»Heute ist doch der Polterabend«, erwiderte er.

»Heute schon? Bei uns war es noch üblich, daß er am Abend vor der Hochzeit war.«

»Sie wollen wohl, daß niemand müde ist am Hochzeitstag«, meinte Mario.

Es klang ein bißchen ironisch, und Fee sah den jungen Mann forschend an. Er sah blendend aus, anders konnte man es nicht sagen. Seine romanische Abstammung war nicht zu leugnen, die nachtdunklen Augen und das blau-schwarze Haar, dazu das klassische Profil.

Wen wundert es, wenn Mädchenherzen höher schlugen! Trotz seiner jungen Jahre, machte Mario einen souveränen Eindruck. Aber Fee hatte schon immer gestaunt, was aus dem verängstigten, schüchternen kleinen Waisenjungen geworden war. Für sie war es wieder mal ein Beweis, daß nicht die Herkunft, sondern die Umwelt, Liebe und Verständnis entscheidend waren für die Entwicklung eines Kindes.

Sie war sehr gespannt, seine Freundin kennenzulernen. Es wurde verabredet, daß sie den Nachmittag des kommenden Tages zusammen verbringen wollten.

Mario wohnte im Hotel, das war von den Brauteltern so arrangiert worden. Fee schloß daraus, daß es ihnen an Geld nicht mangelte. Es lag nun mal in ihrer Natur, daß sie sich aber auch gleich fragte, ob es der Bräutigam nicht auch darauf abgesehen hatte. Natürlich ließ Fee von solchen Gedanken nichts verlauten.

»Ihr solltet aber nicht denken, daß ich auch Heiratsabsichten habe«, sagte Mario, bevor er ging.

»Sei bloß nicht so blöd und heirate so früh«, sagte Danny Norden zu seinem Cousin. »Das geht bestimmt schief.«

Mario lachte. »Du mußt es ja wissen, Danny. Hast du schon eine Freundin?«

»Quatsch!« gab Danny lakonisch zurück.

»Aber scharf sind sie schon auf ihn«, meinte sein jüngerer Bruder Felix grinsend, »sogar die älteren Mädchen.«

»Er redet bloß Stuß«, sagte Danny erbost.

»Jetzt streitet nicht, ich habe doch bloß Spaß gemacht«, lenkte Mario ein.

Er sah Fee verzeihungheischend an.

Sie lachte leise. »Unsere Kinder nehmen so was sehr ernst, Mario, aber ich weiß ja, daß du viel zu vernünftig bist, um dich früh zu binden.«

»Tabea ist eigentlich ein sehr nettes Mädchen, aber das ganze Drumherum behagt mir nicht. Dieser gewaltige Aufwand! Wieviel sinnvoller könnte man so viel Geld einsetzen, aber wir denken nun mal anders. Ich habe ja nicht geahnt, daß es eine so pompöse Hochzeit wird.«

»Hoffen wir, daß es auch eine schöne Hochzeit wird, Mario. Ich freue mich, wenn du mit Tabea kommst.«

*

Mario fuhr zum Hotel. Er war mit seinem eigenen Wagen gekommen und somit unabhängig. Er war ein sehr selbständiger und selbstbewußter junger Mann. Er fiel in jeder Gesellschaft auf, nicht nur, weil er so attraktiv war, sondern weil er ein perfektes Benehmen hatte. Niemand, auch Tabea nicht, konnte wissen, daß er ein adoptiertes Kind war, dessen Vater als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen war. Er erinnerte sich nicht an seine Eltern, und ganz bewußt war eine solche Erinnerung auch nicht genährt worden, denn er sollte sich ganz der Familien Cornelius und Norden zugehörig fühlen.

Tabea wartete schon sehnsüchtig auf ihn, und sie wirkte nervös und besorgt. Sie war ein sehr natürliches junges Mädchen. Es wäre jedem schwergefallen, sie mit Frau anzusprechen. Mit dem dicken blonden Zopf, den Sommersprossen auf der kurzen aparten Nase, wirkte sie noch viel jünger, als sie ohnehin war mit ihren gerade erst zwanzig Jahren. Ihre schönen topasfarbenen Augen waren forschend und nachdenklich auf Mario gerichtet.

»Du wärst wohl lieber bei deinen Verwandten geblieben«, sagte sie stockend.

»Warum denkst du das? Wir sollen morgen nachmittag zu ihnen kommen. Sie möchten dich auch kennenlernen.«

»Ich würde dich gern mit meinen Eltern bekannt machen, aber es herrscht momentan dicke Luft.«

»Das ist oft so vor Festivitäten«, meinte Mario. »Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.«

»Kann dich eigentlich nichts aus der Ruhe bringen, Mario?«

»Das läßt sich so nicht beantworten. Über Nebensächlichkeiten rege ich mich allerdings nicht auf.«

»Es scheint sich aber nicht um Nebensächlichkeiten zu handeln. Mein Vater regt sich auch nicht schnell auf, und er schreit nicht etwa herum. Ich kann die Stimmung nicht beschreiben.«

»Vielleicht hat er zum ersten Mal eine Kostenaufstellung bekommen«, scherzte Mario.

Tabea sah ihn von unten herauf an. »Du findest wohl auch, daß alles ein bißchen übertrieben ist?«

»Wenn es nur ein bißchen wäre, würde ich nichts sagen«, erklärte Mario in gewohnter Offenheit.

»Für Saskia ist Papa eigentlich nichts zu teuer«, meinte Tabea spöttisch. »Aber der Aufwand scheint von Enrico inszeniert zu sein. Was denkst du von mir, wenn ich dir sage, daß ich Enrico nicht mag?«

»Ich würde denken, daß du ehrlich bist, und das schätze ich. Was hast du an ihm auszusetzen?«

»Das kann ich nicht mal sagen. Vielleicht ist er zu aalglatt, zu sehr Playboy, obgleich er doch schon über dreißig ist. Für ihn ist das Allerfeinste gerade gut genug, und er betont es auch ständig. Du würdest das nie tun.«

»Ich liebe es schlichter, aber es ist eine rein persönliche Angele­genheit, was dem Einzelnen gefällt.«

»Aber bei einem solchen Fest sollten doch die Gastgeber einer Meinung sein. Mich bedrückt es, wenn es schon so bald Meinungsverschiedenheiten gibt, aber vielleicht mache ich mir ganz überflüssige Gedanken.«

»Komm, nehmen wir einen Drink, Tabea«, schlug Mario vor. »Wann geht denn der Zirkus los?«

Wenn er mit ihr allein war, redete er ganz lässig mit ihr. Sie verstanden sich ausgezeichnet. Ihre Schwester Saskia, die Braut, hatte er bisher nur ganz flüchtig kennengelernt. Sie schien ziemlich aufgeregt zu sein, was er aber verstand.

Sie gingen ins Trinkstüberl und setzten sich an die Bar. Sie waren die einzigen Gäste, und die Barfrau schien es zu freuen, daß jetzt schon jemand kam. Mario bestellte zwei Gin-Fizz. Sie tranken beide selten Alkohol, aber das konnten sie jetzt vertragen.

»Saskia macht heute keinen sonderlich glücklichen Eindruck«, sagte Tabea nachdenklich.

»Aber du weißt nichts Genaues?«

»Ich wage nicht zu fragen. Vielleicht klappt alles nicht so, wie es geplant war.«

»Jetzt mach dir nicht zu viele Gedanken. Wo findet der Polterabend überhaupt statt?«

»Zuerst bei uns zu Hause, so ist es wohl auch üblich, dann folgt der Junggesellenabschied, also für die Männer allein. Hast du so was schon mal mitgemacht?«

»Nein, aber ich habe gehört, daß es da manchmal recht wild zugeht. Ich habe dafür nichts übrig. Du willst mich hoffentlich nicht überreden mitzumachen. Ich kenne doch auch niemand.«

»Keine Angst, ich überrede dich nicht. Wir sollten jetzt lieber zu uns fahren, damit ich dich noch mit meinen Eltern bekannt machen kann.«

»Wenn du es für richtig hältst, Tabea?«

»Das tue ich. Und so erfahre ich vielleicht doch, was vorhin eigentlich bei uns los war, bevor der Trubel losgeht.«

Es war jetzt genau achtzehn Uhr, und zehn Minuten später hielten sie vor dem riesigen, komfortablen Bungalow, dem Wohnsitz der Familie Miklos. Bis zu diesem Tage hatte Mario keine Ahnung gehabt, wie reich Tabeas Eltern waren. Sie fiel durch nichts auf, war in vielen Dingen sogar bescheidener als manche andere Studentin. Sie hatte nie über materielle Verhältnisse ihrer Familie gesprochen. Als man sie einmal fragte, woher der Name Miklos komme, hatte sie erwidert, daß ihre Vorfahren wohl aus Ungarn stammten. Mehr hatte sie dazu nicht gesagt.

Mario hatte keine diesbezüglichen Fragen gestellt. Wenn Tabea etwas erzählte, war es gut, wenn nicht, war es auch gut. Sie war bisher das einzige Mädchen, für das er sich überhaupt interessierte.

Sie war ein kluges, vielseitig interessiertes Mädchen, mit dem er sich angeregt unterhalten konnte. So war zwischen ihnen langsam eine Freundschaft gewachsen.

Als sie den Weg zum Haus gingen, auf Platten, die wie blankpoliert aussahen, rechts und links davon überaus gepflegte Rasenflächen, unterbrochen von Blumenrondells und blühenden Büschen, herrlichem Rhododendron und edlem Flieder in voller Blüte, kam Mario schon eine Ahnung, wieviel wert allein dieses Haus und das Grundstück waren.

In Ehrfurcht erstarrte er deshalb doch nicht, und als er das Ehepaar Miklos kennenlernte, kamen ihm ganz andere Gedanken.

Janos Miklos war ein untersetzter, gewichtiger Mann mit einem breiten, eckigen Gesicht, buschigen Augenbrauen und schütterem grauem Haar. Mario fiel es sofort auf, daß er sich zu einem freundlichen Lächeln zwang, das deshalb verzerrt wirkte. Tamara Miklos, nicht ganz schlank, aber gut proportioniert, hatte bestimmt schon ein Lifting hinter sich, das aber ein wirklicher Könner durchgeführt hatte. Mario hatte einen Blick dafür, da er sich auch mit plastischer Chirurgie befaßte, allerdings für den Zweck, Unfallopfern zu helfen. Tamara war eine attraktive Frau und bewahrte Haltung, was immer sich an diesem Tag schon abgespielt haben mochte.

Es konnte auch eine Rolle spielen, daß Mario ihr gefiel. Sie setzte ihren bemerkenswerten Charme ein, als sie ihn gleich mit recht neugierigen Fragen überschüttete, während Tabea ihren Vater ins Gespräch zog. Mutig stellte sie ihm die Frage, was eigentlich mittags los gewesen sei.

»Reden wir jetzt nicht davon«, sagte er barsch. »Dein Freund scheint aus einem guten Stall zu kommen.«

»Sein Vater ist Arzt und Eigentümer des Sanatoriums ›Insel der Hoffnung‹«, erklärte Tabea trotzig, »und sein Onkel ist auch Arzt, Dr. Daniel Norden. Zufrieden, Papa? Aus welchem Stall, um es mit deinen Worten zu sagen, kommt eigentlich Saskias zukünftiger Mann?«

Janos Miklos’ Miene verdüsterte sich. »Reden wir jetzt nicht von ihm. Ich wünschte, es gäbe einen großen Knall und dieser Luftballon platzt, an dem Saskia in den Himmel fliegen wollte.« Aber nun schien er erschrocken zu sein, dies gesagt zu haben. »Das solltest du überhört haben, Tabea. Du hast mehr Verstand wie deine Schwester.«

Tabea hätte sagen können, daß er Saskia immer bevorzugt hatte, daß sie doch sein Sonnenschein und Herzilein sei, aber sie sagte es nicht. Sie spürte, daß etwas geschehen war, was ihren Vater maßlos aufregte, denn in solcher Stimmung hatte sie ihn noch nie gesehen.

Tamara redete indessen temperamentvoll auf Mario ein. Man konnte auch sagen, daß es von ihrer Seite aus sehr nach einem Flirtversuch aussah, aber sie hatte ohnehin viel für gutaussehende junge Männer übrig, ohne daß es ausartete.

Jedenfalls schien sie die Nerven zu behalten, denn als sich ihr eine Gelegenheit bot, ein paar Worte mit Tabea allein zu wechseln, sagte sie lässig, daß sie sich keine Gedanken machen solle über ihren Vater. Er hätte nur Panik bekommen, daß er seinen Liebling hergeben müsse.

Tabea war es gewohnt, als Nebensächlichkeit betrachtet zu werden. Sie war ein unscheinbares Mädchen gewesen, ein Mauerblümchen. Jetzt nahm niemand mehr wahr, daß sie sich zu einer aparten jungen Dame entwickelt hatte.

Allerdings blieb sie immer dezent im Hintergrund, während Saskia wie ein bunter Schmetterling herumflatterte, scheinbar unbeeindruckt von der finsteren Miene ihres Vaters.

Der sensible Mario spürte die Spannung, die in diesen Räumen lag. Der Bräutigam war noch nicht erschienen, und nun wurde auch Saskia nervös, da plötzlich auf der großen Terrasse schon die ersten Scherben klirrten.

»Wie rücksichtslos«, stieß Tamara hervor, »da können es einige Leute wohl wieder mal nicht erwarten!«

Sie begab sich selbst vor die Tür. »Es ist noch zu früh«, sagte sie unwillig und machte die Tür wieder zu.

Saskia lief nervös umher. »Wo bleibt er denn nur?« jammerte sie.

Tabea dachte an den Ausspruch ihres Vaters, daß er wünsche, der Luftballon möge platzen.

Sie ergriff die Initiative und ging hinaus. Es standen sechs junge Leute herum, die sichtlich schockiert waren. Tabea kannte sie nicht, aber sie sagte ruhig, daß man sich gedulden möge, da der Bräutigam noch nicht eingetroffen sei.

»Vielleicht hat er wieder mal eine Panne«, sagte ein junger Mann. »Ich werde mal anrufen.«

»Das ist schon geschehen. Er meldet sich auch im Auto nicht«, erklärte Tabea.

Jetzt hielt ein roter Sportwagen vor dem Anwesen. Einen solchen fuhr Enrico, aber es war ein anderer Mann, der dem Wagen entstieg. Er war nicht mehr ganz jung, aber ein interessanter Mann. Saskia hatte ihn kommen sehen und eilte jetzt aufgeregt auf ihn zu.

»Franco, was ist los?« rief sie schrill. »Rico ist immer noch nicht hier.«

»Mich darfst du nicht fragen«, erwiderte Franco. »Ich wollte ihn abholen, wie es verabredet war, aber er war nicht zu Hause. Da dachte ich natürlich, die Sehnsucht hätte ihn bereits zu dir getrieben.« Es klang anzüglich und sarkastisch, mancher hätte es vielleicht als zynisch bezeichnet. Der sehr hellhörige Mario meinte sogar etwas Boshaftigkeit zu vernehmen. Er sah sich den Mann genauer an, der jetzt seinen Arm um Saskias bebende Schultern gelegt hatte und mit ihr zum Haus kam. Er machte einen durchaus sympathischen Eindruck auf Mario. Er mochte Mitte dreißig sein, vielleicht etwas jünger oder auch älter. Er war ein zeitloser Typ wie Daniel Norden.

»Das sollte der Trauzeuge sein«, raunte Tabea Mario zu.

Wieso sollte, dachte er unwillkürlich, aber auch er hatte jetzt ein komisches Gefühl.

»Du bist doch sein Freund, Franco«, sagte Saskia fast schluchzend, »du müßtest doch wissen, ob er noch etwas vorhatte.«